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Mittwoch, 21. November 2012

IRONIC

(Alanis Morisette)

Ich bin gerade auf ein kleines Video gestoßen, das den ganzen vorweihnachtlichen Spendenwahnsinn der Industrieländer herrlich auf die Schippe nimmt. Es wird ja bald wieder los gehen, die organisierte Tränendrüsenmassage der Hilfsorganisationen und einiger ihrer Trittbrettfahrer. Da sehe ich doch auch schon diesen nervtötenden RTL Spendenmarathon wieder am Horizont winken, dessen größter Verdienst das “Wer wird Millionär – Promispecial” ist, der sonst aber nur eine scheinheilige Selbstbeweihräucherung genau des deutschen Senders ist, der ohnehin schon grenzdebile Leute in Formaten wie “Mitten im Leben” für nen Hunni bloßstellt, ihr mentales Leid ausnutzt und mit diesen Gagaformaten die hiesige Volksverdummung vorantreibt – und zwar mit Nachbrenner. Ein Sender, der an diesem einen Tag im Jahr Promitrödel versteigert, Spendenuhren mitlaufen lässt und jede seiner dusseligen Sendungen mit ins Gesamtkonzept einbindet und die “Zwischenstände” in den Werbepausen von irgend so einem Gute-Laune-Kasper anmoderieren läßt, den man danach wieder für ein Jahr in den Senderkeller schiebt, weil ihn im “normalen” Programm nicht einmal mehr die RTL Zielgruppe ertragen will. Am Ende dieser 24 Stunden hat man dann genug Karmapunkte gesammelt um die Zuschauer die nächsten 364 Tage weiter zwangszuverblöden; meint man zumindest.

Aber das Video bringt eines ganz gut auf den Punkt: Bei all den Bildern und Filmchen, die uns dabei über Afrika so präsentiert werden um uns die Penunzen zu entlocken, was wissen wir denn eigentlich wirklich davon, wie es da aussieht… oder Gegenfrage: Was wissen die Afrikaner denn von Europa und was würden sie damit anstellen, wenn es da sowas wie “RTL” gäbe? Nun, das dürfte wohl darauf hinaus laufen:

KLICK

Samstag, 5. Mai 2012

RADIO GAGA

(Queen)
Eigentlich wollte ich mich ja nicht mehr allzu oft aufregen über den ganzen Schrutz, den das Unterschichtenfernsehen so hervor bringt, aber manchmal gehts halt nicht anders. Der König der vollenthirnten Ga-Ga-“Unterhaltung” hat sich wieder einmal eine neue Frechheit ausgedacht, mit der er das anspruchsarme und bierschwangere Proletenvolk dieser Republik für die nächsten paar Wochen im Fernsehsessel festzudübeln gedenkt. “DSDS – Kids” nennt sie sich, diese neue Geißel der Menschheit, und wird – wie könnte es auch anders sein – von RTL ausgestrahlt. Hatte man dort früher noch die Champions League im Programm und sammelte mit dem “Torfall von Madrid” und dem Duo Jauch/Reif Fernsehpreise ein, so heißt das derzeitige Flaggschiff augenscheinlich “M.S. Diiietaaaaaa” und umschifft die Klippen des intellektuellen Anspruchs so sicher wie Schalke die Meisterschaft. Mit all seinen blödsinnigen Sendeformaten, die man unter “Reality-Soap” laufen läßt und in denen sich die untersten der Unterschichtigen vor laufenden Kameras gegenseitig wahre Idiotieduelle und sexuell aufgeladene Gaga-Konflikte vorspielen, hat man das Fernsehen zwischen 06:00 und 20:15 Uhr doch schon längst komplett wertlos und meidenswert gemacht. Aber das reicht nicht… jetzt wird der geistige Rückstand, welchen der Sender seinem Publikum unterstellt, weiter ausgebaut und zwar bis weit über 20:15 Uhr hinaus.
Man kennt ja das “normale” DSDS, wobei “normal” dabei ja schon ein gigantischer Euphemismus ist. Da jodeln Dutzende von sozial Abgehängten und Pseudogangstern um die Wette um anschließend nach dem ersten leidlich erfolgreichen Soloalbum, bei dem Bohlen wahrscheinlich dank Knebelvertrag den Gewinn fleißig abschöpft, die KIKs dieser Rebublik zu eröffnen (ganz nah am Fan eben). Während die Typen dabei regelmäßig am Versuch “möglichst cool auszusehen” scheitern (bei den Gesichtern und Radarlauschern kein Wunder… ich sage nur: “Daniele”) huren die Damen der Zunft bisweilen derart penetrant über die Bühne um sich dem “Diiiiieetääääää” anzubiedern, daß man geneigt ist von ihnen (horizontale) Gewerbesteuer einzutreiben. Am Ende gewinnt dann immer eine dieser Figuren und wird vom Muttersender für ganze 14 Tage rücksichtslos unterstützt bevor man ihn oder sie (meistens eher “es”) fallen läßt und sich den nächsten Bekloppten sucht, den man zum Temporalstar hoch zu hypen gedenkt.
Nun scheint dieses bescheuerte Konzept sich so langsam tot gelaufen zu haben. Die letzte Staffel litt angeblich unter massiven Einschaltquotenproblemen. Wahrscheinlich, weil selbst der letzte Depp im hinterletzten Dorfslum dieser Republik gemerkt hat, was für ein sinnfreies Spielchen da gespielt wird. Außerdem waren die Kandidaten hässlich wie nie, was sich in Kombination mit der musikalischen Wertlosigkeit der ganzen Sendung zwangsläufig in den Einschaltquoten niederschlagen mußte. Nun versucht man es eben, indem man nicht mehr die pseudopubertäre Trash-Generation der 20+x Jährigen vor die Kameras zerrt, sondern ihre Kinder und Enkel (klingt komisch, ist aber so). Jedenfalls dürfen all die kleinen Kevins, Jason-Marvin-Leon-Jämes-se und Schacke-lines sich da das nuttige Outfit irgend eines dieser anspruchsarmen Pop-Stars anschößeln lassen und dessen musikalischen “Hit” auf der “großen Bühne” zum Besten geben. Hernach müssen sie sich vom Obermotz der Generation “meeeega-geil” bewerten und/oder als unfähig aussortieren lassen. Was dabei am Ende heraus kommt, ist jetzt noch nicht absehbar. Ich tippe aber auch so eine Art siebenjährigen Lady-Gaga-Verschnitt, der von seinen überehrgeizigen Eltern (bei Original-DSDS nicht einmal den Recall geschafft… und zwar bei allen 25 Versuchen) bis zum totalen Kollaps auf die Bühne geprügelt wird um die Familien”ehre” gründlich zu ruinieren. Wer jetzt sagt “hoppla, dieses pädophil angehauchte, verantwortungslose Idiotenkonzept kommt mir doch bekannt vor”, dem sei zugerufen: Stimmt… guckst du hier:


Nur halt mit dem Unterschied, daß die renitenten Wänster dieses Mal (angeblich) selber singen – also genau das tun, was Bohlen während seiner ganzen “Karriere” nicht hin bekommen hat. RTL nutzt die Chance, ein altes Sendekonzept wieder neu aufzulegen und bei der Gelegenheit gleich noch mehr auf Massenkompatibilität und vor allem möglichst exzessive Denkbefreiung für die Zuschauer zu trimmen. Obendrein finde ich es vom Sender verantwortungslos so eine Sendung zu machen. OK, jetzt mag man sagen, daß das vor allem Verantwortungslosigkeit seitens der Eltern zeigt, wenn sie ihre Sprösslinge vor dieser als “Jury” genannten Hydra auftreten und im Unterschichtenfernsehen durch den medial-kulturellen Ver- und Entwertungsreißwolf drehen lassen, aber denen hat man doch durch solchen Kokolores wie “Mitten im Leben” in den letzten Jahren gezielt jedwede Kritikfähigkeit hinweg gesendet – die können nix für ihre eigene Dummheit!
Nee, das Fernsehen wird wirklich immer dämlicher! Ich für meinen Teil guck da heute Abend lieber “Schlag den Raab”! Zwinkerndes Smiley

Sonntag, 12. Februar 2012

JOHNNY B. GOODE

(Chuck Berry)

Mahlzeit! Der Onkel war gestern Abend auswärtig dinieren. Jetzt war das nicht so ein stocksteifes Restaurant wo man 80% der regulären Portionsgröße einfach weg läßt, die verbleibenden 20% mit Flüssigstickstoff aufschäumt, auf einen UFO-großen Teller packt und das Ganze dann für 70 Tacken als “Amuse Gueule” vertickt. Nein, ich war ganz klassisch bei ner Freundin eingeladen. Vom Essen mal abgesehen hatte das im Gegensatz zum Restaurant den Vorteil, daß wir während wir den Camembert rein drehten das Unterschichtenfernsehen dudeln lassen und verbal verreißen konnten – Assibashin sozusagen. Zu meiner Verteidigung sei außerdem gesagt, daß wir am Ende “Zurück in die Zukunft” guckten, was durchaus löblich und hochqualitativ ist. Aber bis Doc Brown und Marty McFly über den Bildschirm fluxkompensatorisierten zappten wir noch ein wenig herum und landeten irgendwann halt auf RTL (ich hab ja gesagt: “Unterschichtenfernsehen”).

Jedenfalls hockte da dieser schreckliche Dieeeetäääääää am maledivischen Tresen. Im zur Seite standen irgend so ne blonde Trulla (keine Ahnung wer das ist) und dieser furchtbare Bruce Darnell. Die ständig flennende Ü50 – Handtasche von RTL (“Du ‘aste dats soooooo guhhht gemackt!!! Ick… ick… ick könnte… dahhs gekt ganz tief rain!!”). Jedenfalls hocke diese Troika der musikalisch zu Ächtenden da am Sperrholztisch, welcher direkt am blauest möglichen Palmenstrand aufgestellt wurde und ließ die üblichen Witzfiguren mit ihren “Interpretationen” bzw. “Covern” von Welthits vorbei marschieren. Das Schlimmste war, was zwei solche Beknackte aus “Everybody Hurts” gemacht haben, das war einfach nur verachtenswert! Konkret will das heißen: “DSDS” geht wieder los… die nächste Casting-Show – nimmt das denn gar kein Ende mehr?! Dabei fällt mir ein: Was macht eigentlich dieser komische Indianer mit seiner Pfeife? Hat er denn die Weltkarriere schon gestartet? Ich wäre ja enttäuscht, wenn dem nicht so wäre. Jedenfalls verarschen der Bohlen und seine zwei Sidekicks momentan die nächste Hundertschaft von Vollenthirnten vor laufender Kamera. Und WAS da für Leute dabei sind… ich war schockiert! Zunächst fällt die – wohl diesem Pieter Lambrusco geschuldete – Italienerdichte ins Auge. Klar, die Show muß ja immer was Neues bieten *fg*! Außerdem scheinen die teilnehmenden Weiber eine Art Wettkampf gestartet zu haben, wem vorm großen Juryzampano als erstes der Bikini platzt. Widerlich, vor allem, wenn man sich die Bratzen mal anschaut. Wie man sich auf eine derart billige Art und Weise für vorgegaukelten Scheinruhm prostituieren kann – unverständlich. Die Typen wiederum sind alle derart affig, da verliert Frau (konnte das gestern live miterleben) umgehend ihren Glauben an die Männerwelt. Schon alleine die Optik schreckt ab. Das sind alles solche Pseudomigrationshintergründler, die ihren Straßen-Habitus zu Markte tragen. Als Krönung praktizieren sie alle diese eine überdeutliche Homophilie ausstrahlenden Basecaptragetechnik (ich wollte nicht sagen “sieht voll schwul aus”). Ihr wißt schon: Die Mütze wird in möglichst schiefem Winkel und so locker wie möglich auf die Spackofrisur aufgelegt und mit mehreren Dosen Haarlack auf dem hohlen Haupte zwangsfixiert. Die sehen alle so lachhaft aus, das gibts gar nicht! Darüber hinaus scheinen 90% der anwesenden Herren dem durch ihre Kopfbedeckung bereits optisch vorgegebenen Trend bezüglich ihrer sexuellen Ausrichtung treu zu folgen. Das ist an sich ja nichts Schlimmes, wird es aber dann, wenn man sich diese Typen mal anguckt – das geht nämlich mal gar nicht. Die Insel glich gestern so ner Art Christopher-Street-Day unter Palmen… besonders, als die Delinquenten vom Regisseur aufgetragen bekamen, sie sollen nach dem Vorjodeln den Strand entlang auf die Kamera zu rennen. Da waren Bilder dabei… nee, die kann man mangels adäquater Wörter, welche dieses Entsetzen angemessen vertextlichen, einfach nicht beschreiben. Besonders negativ hervor heben möchte ich einen Typen namens “Danielle Negroni” (hab ich jetzt extra gegoogelt); auch so ein im lombardoschen Fahrwasser in die Sendung gespülter Deutschitaliener. Auch er trägt die Prekariatsmütze stolz auf der Murmel, was aber noch viel lächerlicher aussieht, sind die gigantischen Buttons, die sich der Typ in die nicht unerheblich abstehenden Segelohren treiben ließ – in Verbindung mit der Mütze wird das ästhetisch noch schlimmer. Mal ehrlich: Wenn ich schon solche Lauscher habe, dann tue ich doch den Teufel, diese Schüsseln optisch noch zu betonen. Negroni sieht das anders, der läuft da lieber rum wie ‘ne Flügelmutter. Andererseits: Das lenkt wenigstens vom Gesicht ab… .

Wie dem auch sei, ich war jedenfalls froh, als dann endlich “Zurück in die Zukunft” kam. Und um mal zu zeigen, daß man ohne Castingorgien unter Plamen und vor allem ohne all diese geistig minderbemittelten Modeopfer die da mitmachen Freude an guter Musik – und sei es auch “nur” ein Cover - haben kann, hier mal abschließend meine Lieblingsszene aus “Back to the Future”; viel Spaß:

Dienstag, 17. Januar 2012

WELCOME TO THE JUNGLE

(Guns ‘n Roses)

Ich hatte eigentlich nicht vor, mich hier über das “Dschungelcamp” zu äußern, aber naja… nun hat man mich quasi gezwungen. “Man”, das sind in diesem Fall meine Freunde von laut.de, welche uns folgenden, fluffigen Artikel schenkten.

Es ist schon komisch mit #ibes, die mittlerweile sechste (?) Staffel geht auf Sendung und man hört plötzlich keine Mahner mehr, die den Sittenverfall ausrufen. Sogar Spiegel.Online schoß einen verhältnismäßig positiven Artikel unters Volk. Dessen Grundtenor ungefähr “Trash? Ja, aber noch der unterhaltsamste” lautete. Nur schauen tut das scheinbar keiner… oder gibt es zumindest zu, je nach dem. Ich gebs hier mal zu – wir sind ja unter uns – ich schaue mir diese laue Brise von niveaufreiem Gaga-TV gerne mal an. Bescheid weiß man aber trotz eventueller Verweigerung trotzdem, sei es durch die Zweit- und Drittverwertung von RTL oder durch Auswertungsgespräche der Kolleginnen am Mittagstisch. Daß sich nun auch noch die Alternative-/Metal-Instanz laut.de damit beschäftigt, das sagt schon ne Menge aus. Wahrscheinlich spielt da auch diese unterschwellige Sympathie für Martin Kesici mit rein, die sich aber auch keiner so recht eingestehen will. Ich sags daher nochmal: Der Typ kann was, das hat seine “Nothing Else Matters”-Version gezeigt! Sein Pech war nur, daß er ‘ne Castingshow gewann, denn dann nimmt das schon aus Prinzip keiner mehr wahr. Nun hat man den schnodderigen Doppelspitzbart also in die grüne Hölle getrieben, damit er anschließend seine Rechnungen wieder zahlen kann. Viel geleistet hat er da allerdings noch nicht. Ich würde mir wünschen, daß er viel öfter die im Camp ja reichlich vorhandenen hohlen Bratzen mal mit seiner Berliner Schnauze anpflaumt. Macht er aber nicht. Leider. Überhaupt ist das mal wieder eine seltsame “Promi”mischung. Brigitte Nielsen sehe ich ja mal noch ein, nur will die ja streng genommen schon lange keiner mehr sehen. Nicht mal mehr der “Italian Stallion”, der die Alte ja schon vor einigen Jahren in den Wind schoß. Er wird schon gewußt haben warum. Ansonsten ist da doch nun weiß Gott nix Prominentes dabei, nur Kanonenfutter. Die komische Trulla, die dauernd nackt durchs Camp huppt und dabei ihre beiden französischen Plagiatsflummis an Ailton reibt, die hab ich noch nie gesehen! Wer ist das??? Angeblich war die mal bei der Klumm dabei… aha… rausgeflogen soll sie sein, weil sie die ganze Zeit nacksch durchs Camp durchs Haus gehuppt ist und… na ihr wißt schon. Mal ehrlich: Ich kenne nicht einmal die Gewinner dieser “Show”, warum soll ich mich denn dann für den vorzeitigen Auswurf interessieren? Nee, sehe ich doch gar nicht ein! Die andere Tussi ist auch nicht besser, “Kim Gloss” meine ich – auch sie kannte ich bislang nicht. Die guckt doch auch nur ungeschminkt ins Dickicht und erschreckt die Ratten. Oder nehmen wir Daniel Lopes. Einer dieser Ausgebohlten von DSDS. Im Wesentlichen gilt für dieses Format ja das Gleiche wie für Heidis Schicksenschmiede: Vollkommen nutzlose Veranstaltung mit noch viel nutzloseren Mitgliedern unserer Trashgesellschaft. Dann ist da noch die Momo-Darstellerin (aha…) und eine ehemalige Moderateuse, die irgendwie auch keiner mehr kennt. Toll! Ailton hätte sich das mit einem halbwegs vernünftigen Wirtschaften auch ersparen können, hat er doch das eine oder andere Milliönchen verdient. Der Brüller ist aber dieser Vincent Raven. Mal ehrlich: Der hat keinen, der IST der Vogel. “Next Uri Geller”, das war doch das größte Flopformat seit es die braunsche Röhre gibt. Und jetzt hockt der Typ mit seiner 80er – Jahre – Hairmetal-Frisur da im Känguruland unterm Baum rum und ist weiterhin uninteressant… das hätte er auch hier sein können, da hätte man ihm wenigstens nicht dabei zuschauen müssen. Aber die größtmögliche Unprominenz im Camp besitzt trotzdem ein anderer. Rocco Stark, von Beruf “Sohn von Uwe Ochsenknecht”. Selbst der Uwe hat die Talentfreiheit seines Sproßes erkannt und ihn nicht einmal mit einem komplett behämmerten Doppelnamen gesegnet, das sagt doch schon genug aus über den. Das ist auch, soweit ich erkennen konnte bisher, die mit Abstand größte Luftpumpe im ganze Camp. Immer debil grinsen und den Daumen empor strecken, mehr macht der nicht. Ab und zu legt er sich noch mit dem Lopes an, aber das ist am Ende auch kein Qualitätsmerkmal.

Auch wenn die das alle immer wieder selber erzählen, daß sie ihre “Grenzen ausloten”, das “Abenteuer suchen” oder “voll den Survival-Aspekt und so in den Vordergrund stellen” wollen… das ist doch Bullshit! Setze diese Gestalten mal wirklich in der Wildnis aus und nach 5 Tagen hats bis auf den Kesici alle dahin gerafft. Wahrscheinlich gehen die meisten sogar bei vollkommen absurden, selbst verursachten Unfällen drauf. Naja, ernst nehmen sollte man die Sendung nicht, schon gar nicht die Teilnehmer. Mal sehen wie es weiter geht. Am Unterhaltsamsten sind ja immer noch die Zietlow und vor allem Dirk Bach mit ihren Lästerattacken. Ansonsten kann man die nächsten anderthalb Wochen halt täglich das bewundern, wofür ich mich als “Evolution” in Grund und Boden schämen würde.

Sonntag, 27. November 2011

MONSTERPARTY

(Die Ärzte)

Gott sei Dank nun ist’s vorbei mit der Assiwänsterei! Die televisionäre “Stille Treppe” vom Dienst hat mit ihrem Brötchengeber gebrochen. Die “Super Nanny” ist nicht mehr; K. Saalfranck hat hin geschmissen. Endlich!!! Wieder ein effekthascherisches Proletenformat weniger im Unterschichtenfernsehen! Wobei: Es gibt auch einige noch schlimmere Sendekonzepte, die es meiner Meinung nach noch vor dieser (V)Erziehungsshow hätte erwischen können. Hat es aber (leider) nicht. Aber so können wir wenigstens mal kurz durchatmen, keine renitenten Blagen mehr, die sich brüllend vorm Fernseher wälzen oder ihre Geschwister beim Zigarettendrehen stören! Keine siebzehnjährigen Hauptschulabbrecherinnen mehr, die gerade das vierte Kind vom fünften Mann austragen und dabei schon mit Justin, Kevin und Zehderick heillos überfordert sind. Keine Stiefväter mehr, die den ganzen Tag Bier saufend auf dem Sofa hängen, RTL gucken und den Stiefnachwuchs dabei mit allerhand mehr oder weniger kreativen Tiernamen (bevorzugt mit vorgeschaltetem, degradierendem Adjaktiv kombiniert) bombardieren. Und vor allem keine selbstgerechte Rettungsmuddi mehr, die auf ihrem Besen beim Assivolk ins Haus gedübelt kommt und sich vor versammelter Fernsehnation als ultimativer pädagogischer Bezugspunkt der Gesellschaft produzieren muß. Versteht mich nicht falsch, Familienarbeit und ne gewisse soziale Kontrolle sind wichtig, was die Saalfranck da macht ist im Grunde genommen auch notwendig und unverzichtbar, aber warum muß ich denn da ein Kamerateam – auch noch eines vom landesweit bekannten Niveausender RTL – mit hin schicken, was das Ganze dann auch noch filmt?

Ich habe mich dann immer gefragt, was das für Beknackte sind, welche sich freiwillig beim Unterschichtenfernsehen anschwärzen. Entweder sind die wirklich alle so dumm, daß sie meinen, das Problem ist das Kind und nicht der eigene Umgang mit selbigem, oder das sind einfach nur (*sorry*) die ultimativen Mediennutten, denen für ein wenig Sendezeit nix zu peinlich ist. Hauptsache man wird dann im Bekanntenkreis für die eigene Niveaufreiheit kräftig abgefeiert, immerhin war man ja auf RTL, was in diesen Milieus vergleichbar ist mit einem Lottogewinn für uns “normale” Menschen. Es fanden sich jedenfalls genug “Eltern”, um 145 Folgen zu füllen, in welchen die Saalfranck fröhlich vor sich hin erzog, was bis dato nur “nebenbei aufwuchs”. In 14 Tagen sollte sie das wieder gut machen, was vorher über Jahre versaut wurde… sehr realistisch. Gesendet wurden immerhin 40 Minuten der “Rettungsaktion”, wobei am Ende immer das “Happy End” stand; NOCH realistischer! Tut mir leid, aber mit zwei Wochen stiller Treppe und gemeinsamen Abendessen macht man aus nem Kevin noch kein Wunderkind und aus Assieltern keine Heiligen! Aber genau das wurde ja transportiert.

Wenn dann so ein Hohlrollerpärchen den Eindruck hatte, das Kind, was sie irgendwann im Suff mal fabriziert haben und das ihnen nun auch schon wieder seit 9 Jahren die Freizeit verhagelt, könnte doch auch mal ein wenig Erziehung vertragen damit es in ein oder zwei Jährchen vielleicht doch eingeschult werden kann, dann riefen sie die “Super Nanny”. Das ganze Format ist mit der Zeit doch sprichwörtlich zur letzten Rettung der pädagogisch Armen verkommen. Die haben doch bei RTL nicht etwa angerufen, weil sie sich in der Erziehung überfordert fühlten, sondern weil ihrer Meinung nach der renitente, boshafte Störenfried im Laufstall ihnen das Leben absichtlich zur Hölle macht. Wahrscheinlich haben einige sogar erwartet, daß die Nanny dem Wanst mal pädagogisch eine scheppert und sagt “Ja, liebe Eltern, ihr habt recht! Das da ist Luzifers Wechselbalg und ihr tut mir leid, denn ihr habt alles richtig gemacht und trotzdem seit ihr mit diesem Ding da bestraft worden!” Das Weh und Ach war dann immer groß, als es wider Erwarten plötzlich doch an den Eltern liegen sollte – wer kann denn das auch ahnen, daß die Vertreter des Lieblingssenders am Ende ihre Zuschauer der Dummheit bezichtigen?! (Leute die Reflektieren können, haben mit dem Erringen dieser Einsicht im Falle von RTL in der Regel kaum nennenswerte Probleme.) So lief das aber immer und immer wieder! Ich habe auch ein paar Folgen gesehen und bei gut der Hälfte davon hätte ich persönlich an Saalfrancks Stelle die Eltern am liebsten bei Seite genommen, ihnen barbarisch eine auf den Hinterkopf gekachelt (Denkanstoß…) und die Kinder vom Jugendamt retten lassen. Das ging ja streckenweise gar nicht, was da los war. Das gehört auch nicht ins Fernsehen meiner Meinung nach! Daß die Eltern sich lächerlich machen, das ist ja noch selbst gewähltes Leid, aber die Kinder werden doch noch über Jahre damit gehänselt, was sie doch für Assieltern haben.

Angeblich soll jetzt auch noch durchgesickert sein, daß der Grund für die Beendigung der Serie war, daß die Nanny es nicht so knorke fand, daß RTL “gegen pädagogische Interessen” eingegriffen habe. So steht es jedenfalls in diversen Artikeln. Nur erklären tut einem das da keiner. Was heißt denn “gegen pädagogische Interessen eingreifen”? Nun, es könnte zum Beispiel bedeuten, daß man immer feste drauf gehalten hat mit der Kamera, wenn Mama Schakkeline ihren Dreijährigen am Ohrläppchen zurück ins Bett zerrte und ihn dann liebevoll in den Schlaf prügelte, anstatt unverzüglich einzugreifen. Es könnte aber auch heißen, daß man das Jugendamt hier und da ein wenig zu spät einschaltete um vorher noch möglichst viele Aufnahmen der Kinder abzufassen, die zwischen halb leeren Bierflaschen mit Papas Zigarettenstummeln Halma spielen. Es könnte aber auch heißten, daß man in bester Scripted – Reality – Manier die Zustände quotenwirksam aufmotzte indem man volle Windeln an die Küchendecke klebte oder den Rottweiler zum Spielen ins Kinderzimmer ließ ohne daß die Eltern eine Ahnung von dieser Sabotage hatten. Wie gesagt: Könnte, lang lebe der Konjunktiv! Entscheidet mal selbst, was davon ihr annehmen wollt, die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

Ich für meinen Teil werde diesem Format keine Träne hinterher weinen, jedenfalls noch nicht. Denn zum Heulen wird mir vermutlich dann zumute sein, wenn das Flaggschiff des Unterschichtenfernsehens in Kürze das Nachfolgeformat vorstellt. Denn ihr wißt ja: Schlimmer geht immer! Insbesondere bei RTL!!!

Sonntag, 9. Oktober 2011

THE DEVILS REJECTS

(Rob Zombie)

Eigentlich wollte ich heute einen möglichst ruhigen, unbloggigen Sonntag verleben, aber dann kam mal wieder das Fernsehen dazwischen! In den letzten Wochen spiegelt sich bei mir auf Arbeit der immer wieder kehrende Ritus des “Montagsmittagsessens” wider. Wir sitzen im Pausenraum, mümmeln unseren Proviant in uns hinein und schlürfen feinsten Kahvi. Das geht ungefähr 10 Minuten lang gut, dann, wenn der gröbste  Hunger erfolgreich niedergeknüppelt ist, fragt einer beiläufig in die Runde “habt ihr es gestern gesehen”? PENG! Aus ist es mit Besinnlichkeit! Von diesem Moment an werden sie wieder ausgepackt, die teilnehmenden Beobachtungen vor der braunschen Röhre zu Thema “Schwiegertochter gesucht”. Alleine aus den Schilderungen meiner Mitarbeiterinnen kann ich entnehmen, daß RTL sich da wieder ein paar ganz besonders widerliche Gestalten für seine Ekelshow gekrallt hat. Ich habe es bislang noch nicht gesehen – ehrlich -  jedenfalls nicht bis vorhin, aber ich konnte mir diese Gestalten lebhaft vorstellen. Es ist doch immer das gleiche Lied, was da gespielt wird: RTL entsendet seinen penetranten Moderationshamster mit dem falschen Grinsen in die Untiefen der bundesdeutschen Gesellschaft, wo er sich durch die Haustüren der geistig Armen nagt und nicht eher Ruhe gibt, bis er eine besonders bedauernswerte Gestalt mit dem Versprechen von Ruhm und einer Frau fürs Leben dazu überredet hat sein Elend vor der Kamera zu teilen. Dann wird noch die Mutti in ihrem Ohrensessel ins Wohnzimmer geschoben und zum gruppeninterview gebeten, wo sie mit medikamentös verwirrtem Geist ihren Wunsch kund tut, daß Horst-Kevin doch bitte endlich eine Olga anschleppen und sich dann mit der nach Möglichkeit schnellstens fortpflanzen soll.

“Ich will nur wissen, daß für dich gesorgt ist wenn ich mal nicht mehr bin! Mein Junge!”

Das sagen diese dauergewellten Schachteln dann immer. Wirklich bedeuten tut das aber entweder “Du Arsch, zieh endlich aus!” oder “Der Junge ist total lebensuntüchtig und würde nach meinem Ableben binnen 14 Tagen in seiner eigenen Schmutzwäsche ersticken sofern er nicht vorher schon jämmerlich verhungert ist! Er braucht dringend ‘nen neuen Pfleger!”  Dann werden diese bei einer Tasse Kaffee und einer Nußecke von vorvorgestern in der guten Stube aufgezeichneten Erpresservideos über den Sender geschickt und fortan hat die holde Weiblichkeit Zeit, sich den für sie passenden Pantoffel-Don-Juan heraus zu picken und sich in einer persönlichen Analog-E-Mail (in Fachkreisen auch als so genannter Brief bekannt) selber anzupreisen. Wie liebenswürdig und allein man doch ist, wie gut man kochen kann wie gern man doch lacht. Dann noch ein Foto von 1986 dazu gepackt, als man meinte noch jung und knackig gewesen zu sein (naja… wie gesagt: “meinte”), sowie ein leicht anzüglicher Subtext ins “PS” gepackt und ab damit an die Redaktion. Die sichten dann vor und packen die komplett Behämmerten schon mal präventiv auf den “DSDS”-Stapel, während die übrige, recht üppige Auswahl von maximal 4 Restbriefen direkt dem Loverboy aus Mamas Luftschloß vorgelegt wird. Dann darf der sich zwei Weiber aussuchen und sie in sein trautes Heim einladen. Stolz besichtigt er dann sein altes Kinderzimmer (“Hier werdet ihr dann schlafen, unter meinem alten Lollek und Bollek – Poster") in der spät-86er DDR Wohnplatte oder (wenns gut läuft) das elterliche Eigenheim (“Das wird alles irgendwann mal mir gehören *stolz*”). Dann lebt man unter Muttis Knute und ständiger Aufsicht ein paar Tage so vor sich hin und lernt sich kennen. Begleitet von ungelenken Annäherungsversuchen und widersinnigen Alliterationen wie “die knusprige Keksverpackerin Kerstin”, “der schüchterne Schornsteifeger Schorsch” oder “die rachsüchtige Rassekatzenschlachterin Romulana” wird dem Zuschauer all das präsentiert, was lieber nie passiert wäre. Kuckt euch die Gestalten doch mal an, das hat schon seinen evolutionären Grund, warum diese Löffel bisher keine abbekommen haben. Andersrum genauso. Viele haben seit Jahren das Tageslicht nicht mehr gesehen (aus GRÜNDEN) und kennen “Frauen” bestenfalls als Dirndl tragende Anschauungsobjekte aus der Musikantenstasi, welche sie mit Diktatorenmama immer auf Heavy-Rotation schauen müssen… und diese Figuren sollen nun plötzlich eine “reife Beziehung” führen?!? Ich lach mich schlapp! Die Weiber sind, das sollte man der Fairness halber mal dazu sagen, aber kaum besser. Ein Spruch meines ehemaligen Biolehrers, den er zu unserem Erstaunen (teilweise Entsetzen) kurz vor unserem Abi mal flappsig in die Runde feuerte, bringt es ganz gut auf den Punkt: “Die möchte ich aber auch nicht tot im Schuppen liegen haben!” (Jaja, das waren damals noch pädagogische Techniken, die sich deutlich von Waldorfschulen abhoben… Zwinkerndes Smiley nicht so wie heute).  Ich glaube, damit ist das Sendekonzept ganz gut umrissen.

Als ich jedenfalls vorhin den Fernseher andrehte und nebenbei kochte, lief dieser Rotz plötzlich. Es ist komisch, man braucht keine 2 Sekunden um Sender und Format zu erkennen, obwohl man es noch nicht gesehen hat in den letzten Wochen. Aber da es noch zu früh war für “The Hills Have Eyes”, “Wrong Turn” oder anderen Mutantenhorror, konnte es sich hierbei nur – so schlimm wie es ist – um Reality-TV handeln. Und nach meinen Mittagspausenerlebnissen der letzten Hand voll Montage, war mir ziemlich schnell klar, womit ich es zu tun hatte.

PS: Für alle, die meinen Mutantenfilm – Vergleich vielleicht ein wenig hart fanden, soll folgendes Bilderrätsel zur Untermauerung dienen. Frage: Welches Bild stammt aus “Wrong Turn”? Denkt gut nach, man ich schnell auf der falschen Fährte!

KLICK 1
KLICK 2

Dienstag, 19. Juli 2011

VICARIOUS

(TOOL)

OH GOTT!!! Vorhin wurde in RTL Aktuell kurz das neue Programjahr kurz vorgestellt.  Was sich da ankündigt, birgt mal wieder ein ungeahntes Fremdschämpotential. Das Unterschichtenfernsehen beweist uns allen mal wieder: Dümmer geht’s immer! Man hat sich ja schon an die vollkommen idiotischen Reality-Formate gewöhnt. Die solls natürlich weiter geben… leider! Da werden also auch im nächsten Jahr wieder munter die Assis vor die Kamera gezwungen um uns mit ihrem reichhaltigen Schatz an Lebenserfahrung vollzugröhlen. Da wird der Tyrannenvater im Unterhemd wieder sein 14jährige Tochter „Tschantallä“ mit allen Mitteln zum Sonderschulabschluß prügeln wollen… und das, obwohl die bereits im 6. Monat schwanger ist. Ob der Wanst von „Gäwin“ oder „Dschastin“, ein legasthenisches Bruderpaar aus der Nachbarplatte, ist, das wird die kaufsüchtige Mutter erst in einem heimlichen Vaterschaftstest klären (fragt lieber nicht, wo die das Genmaterial her hat). Im Anschluß wird dann wieder schulermittelt, verdachtsfallt und betrugsfallt, bis daß der Intellekt freiwillig die Waffen streckt. Diese gequirlte Sch*iße hatte der Herr Braun nicht im Sinn, als er seine Röhre erfand, ganz bestimmt nicht! Natürlich sind auch die Idioten-Shoot-Outs mit Dieter B. wieder im Programm. Da machen sich dann auf den ersten Blick ganz normale Menschen zum Vollobst, immer in der Hoffnung, daß sie von der quäkenden Phrasenmaschine mit einem Knebelvertrag ausgestattet und verheizt werden. Aber auch das kennen wir. Was wir noch nicht kennen – und zwar jedes Jahr noch nicht – ist die bombastische Eigenproduktion, welche RTL annual verbricht. 

Bislang schien der Gipfel der Belanglosigkeiten ja mit „Haialarm auf Mallorca“ schon erklommen. Der „Weiße Hai“ trifft Naddel… und verliert auch noch (leider)! Aber RTL wäre ja nicht RTL, wenn sie es nicht noch ne Spur bekloppter hinbekämen. Für das nächste Jahr wurde nämlich heute eine Eigenproduktion mit dem Knallertitel „Bermudadreieck Nordsee“ angekündigt. Bermudadreieck Nordsee… das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Das ist so DUMM, daß man es nicht mal mehr als „C-Movie“ bezeichnen kann! Realistisch betrachtet findet sich im ganzen Alphabet kein Buchstabe, der das auch nur annähernd beschreiben dürfte. Das Konzept ist natürlich das gleiche, wie bei „Haialarm auf Mallorca“: Der bundesdeutsche Durchschnittsdepp, dessen Horizont in Gelsenkirchen-Buer schon als „ausgereizt“ bezeichnet werden kann, wird damit intuitiv angesprochen. Das mysteriöse Chaos direkt vor der Haustür! Besser man geht da gar nicht erst raus, sondern guckt sich die Welt auf RTL an… wenn die schon mal so nett sind, die zu senden. Also hockt man mit der Frau, den 5 Kindern (zwei hat man selber fabriziert, den Rest hat die Angebetete irgendwann mal „aus Versehen“ aus der Disse mitgebracht), auf der Fernsehcouch und läßt sich munter weiter abstumpfen. Da werden wieder die Urängste des Kleinbürgertums bedient und geschürt. Die Angst vor Katastrophen, die aber einher geht mit einem warmen Schauer des voyeuristischen Gaffertums, wenn die heimelige Ordnung telemedial ins Wanken gebracht wird. Natürlich wird man irgend so einer gescheiterten Existenz, die man direkt aus dem Dschungelcamp zwangsgecastet hat, wieder die „Hauptrolle“ auf den Leib schmieden und die arme Sau muß dann zwischen schlechten Special Efects und flunderhaft platten Dialogen so tun, als würde er die Welt retten. Ein ideales Konzept um in den gefühlten 42 Werbepausen fleißig Klingeltonwerbung zu schalten! Bähhhh, das ist widerlich! Alleine wenn ich mir vorstelle, wie Kollege Weltenretter auf ner Motorjacht dem „Bermudanordeck“ entgegen schippert und durch irgend  eine vollkommen hirnamputierte Aktion, die auf hanebüchen an den Haaren herbei gezogenen „wissenschaftlichen Fakten“ beruht, dem Unheil Einhalt gebietet, da kommt mir das blanke Kotzen! Am Deutlichsten zeigt sich da doch wieder das Menschenbild, das die Herren Programmchefs vom willigen Herdenvieh der Fernbedienungshalter hegen. Dem deutschen Fernsehmichel wird die Grundaussage „wir halten dich für hirntot“ ungeniert ins Gesicht gesendet… und der Plebs merkt es noch nicht einmal. Also wenn ihr mich fragt, sollte man diesem ganzen Haufen Volksverdummer ne  kleine Kreuzfahrt spendieren… und zwar direkt ins namensgebende Originaltriangel… mit ein bissel Glück säuft der Kahn auch ab!

Sonntag, 20. März 2011

HELLS BELLS

(AC/DC)

Ring frei, liebes Fußvolk! Na, wer hat sich gestern diesen epischen Faustkampf des Dr. Eisenfaust gegeben? War das nicht ein denkwürdiger Abend, den uns Klitschko und Solis da in der Domstadt lieferten? Weltklasse! Ich muss dazu sagen, dass es bei uns zwei familiäre Pflichtveranstaltungen im TV gibt, welche wir uns alle zusammen reinpfeifen, sofern sie denn mal stattfinden. Das eine ist “Wetten dass...?!?”, gut, damit ist dann wohl bald aber auch Sense wenn der Tommy aufhört. Noch weiß man zwar nicht, wer übernimmt, aber um die Bude interessant zu halten, muß er schon sehr gut sein. Eventtyp Nr.2 sind Klitschko - Kämpfe. Welcher der Brüder dabei in den Ring steigt ist dabei unrelevant. Optisch kann man die zwei ohnehin kaum unterscheiden und so kommt es dann auch ein paar Stunden vor jedem Kampf zum ewig gleichen Ritual. Mutter fragt “welcher Klitschko kämpft denn heute abend eigentlich?” Nicht, dass es irgendwie von Bedeutung wäre, welcher der beiden da seinen bemitleidenswerten Gegner vertrimmen wird, aber man will es dann doch wissen. Also schmeiße ich, der ich auch in Unkenntnis schwelge, fix den Videotext an und sage “Vitali!” oder eben “Vladimir!”. Damit wäre das geklärt. Von jedem dieser zwei Events erwartet man einiges, beide an einem Abend, da erwartet man schon ne Menge!

Jedenfalls war gestern so ein Tag, wo TV-technisch für uns Ostern, Weihnachten und das WM-Finale auf einen Tag fielen: Erst Gottschalks laue Samstag Abend Unterhaltung und direkt danach die groß angekündigte Ringschlacht. Wir freuten uns auf spektakuläre Wetten und danach eine Drescherei epischen Ausmaßes; auf mitreißende Wetten und fliegende Fäuste! Am Ende, so weiß man heute, gabs von beidem nichts. Zunächst quälte sich Thomas Gottschalk mehr schlecht als recht durch eine an Höhepunkten kaum zu unterbietende Show. Das “Lowlight” dabei war diese unglaublich nervtötende Göre, dieser hoffnungslos überbewertete kanadische Trällerwanst namens Justin Bieber. Nicht nur, dass diese akustische Heimsuchung den stereotypen Unterschichtenvornamen trägt, er ist auch noch potthässlich. Eine bis zum Erbrechen überinszenierte Mischung aus Michael Jackson, Backstreet Boys und U2 (was die Showelemente angeht). Dazu diese elende Gequietsche und Gepfiepe der pubertierenden, leider Gottes pfeiffähigen Gören im Saal, nur weil Kollege Milchbubi man eingeblendet oder vom Moderator namentlich erwähnt wurde... lächerlich! Einziges Highlight, neben dem einen oder anderen blöden Spruch von Thomas Gottschalk, war mal wieder Udo Jürgens. Allerdings muß man selbst diesen für die Kartenpreise seiner anstehenden Tour massiv tadeln. 130€ ist schlicht und ergreifend eine Frechheit! Sich und seinen Fans tut der Meister damit wohl keinen Gefallen. Sogar meine Mutter verzichtet da auf den Konzertbesuch. Aber wie dem auch sei, im Vergleich zum Bieber war Udo Jürgens eine Wohltat. Kanada ist doch das Land der Holzfäller, Trapper und Jäger; ein El Dorado für Fischer, Axtwerfer und Naturburschen, dessen Imagemonument der muskulöse Mountie ist, der mit strengem Blick die Touristen zu ökologischer Verträglichkeit gemahnt; und dann kommt von da so eine KRAMPE wie dieser Bieber! Ekelhaft! Aber gut, nach Brian Adams hätte man es wissen müssen.
Egal, direkt von Udo wurde per Senderwechsel zum Faustkampf gewechselt. Wir gaben uns die Vorberichterstattung und die Experteneinschätzungen. Schon interessant, die sagen vor jedem Kampf das Gleiche “Klitschkos schwerster Kampf”, der Gegner sei “kein Fallobst”, man erwarte “einen harten Fight” oder auch, dass man “ein knappes Ergebnis” erwarte. Meistens tritt davon zwar nichts ein, die Sprüche werden aber recyclet, fein säuberlich abgespeichert um sie beim nächsten Kampf (oder dem des Bruders) wieder möglichst fachkundig in die Kamera hauchen zu können. Als die ganze Seierei im Vorfeld überstanden und unsere Kommentare zu den anwesenden Unterweltgrößen und ihrem mafiösen Phänotyp gegeben waren, ging die Show dann auch endlich los. Inszenierte sich dieser Solis noch wie eine Art kubanisches Snoop-Dogg-Derivat in glänzender Bling-Bling-Weihnachtsmannkutte und schleppte seine ganze, finster drein blickende “Posse” mit zum Ring, hatte sich der Vitali mal wieder was einfallen lassen. Die Treppen zu den Domglocken empor tänzelnd wies er seinen Gegner dezent auf dessen Chancenlosigkeit in bevor er abschließend gegen die Glocke drosch. Geschickt leitete das in seine Einmarschmusik über, das grandiose “Hells Bells” von den australischen Bluesrock-Göttern AC/DC. Großer Song! Klitschko marschierte in den Ring, sein Stab sah gegen die, mit Verlaub, Knastvisagen, welche Solis umschwirrten, regelrecht harmlos aus und die Halle rockte. Als sich beide ihre Umhänge entledigt hatten, kam es zum Handshake mit dem lindgrün gewandeten Ringrichter. Als der Kampf endlich los ging, waren auf diese Weise schon ca. 60 Minuten sinnlos versendet. Aber wurscht, RTL stand ja mutmaßlich vor 11 Runden- und somit auch Werbepausen, bei denen man den Sender mal wieder grundsanieren konnte. Die ersten 2 Minuten waren das übliche Abtasten mit ein paar ganz netten Treffern des Kubaners, welche Klitschko aber nicht sonderlich zu beeindrucken vermochten. Der Rest ist eigentlich schnell erzählt: Bums! - Torkel! - Hinfall! - Aua! - Vorbei! Nebenbei knickte noch das Kniegelenk den Kubaners weg, was ich naturgemäß noch um einiges ekeliger fand als diesen Bieber! Ich kann solche Szenen nicht sehen, wenn man es selber mal an den Bändern hatte, ist das ein absolutes No-Go.
Jedenfalls brach Mr. Lindgrün die noch nicht einmal ansatzweise ausufernde Schlägerei nach drei Minuten ab, nachdem klar war, dass die verzweifelten Versuche von Soli sich wieder aufzurichten hoffnungslos scheitern würden. Nüchtern betrachtet hieß das: “K.O. in der ersten Runde”. Das Publikum war hörbar begeistert. *lol* Klar, die wollten natürlich über mehrere Runden dabei zusehen, wie der Vitali seinen im Vorfeld wieder einmal recht überkommunikativen Gegner nach allen Regeln der Faustkampfkunst vertrimmt und ihn irgendwann, so um Runde 10, mit einem ordnungsgemäßen rechten Haken auf die Bretter schickt. Aber Pustekuchen! Stolper-KO in Runde 1. Typisch deutsch dann das Gejammer der Zuschauer, man wolle sein Geld zurück, man habe ja kaum was geboten bekommen für sein Geld, nicht mal sein Bier habe man austrinken können, etc.. Tut mir leid, aber wenn ich zum Schwergewichtsboxkampf gehe, dann muß ich mit so etwas rechnen. Und wer für ein Ticket in Ringnähe 600 Tacken hinblättert, der hat für mich sowieso massiv einen an der Klatsche. So werden wir die nächsten Tage dieses Geseier weiter ertragen müssen, Klitschko bleibt Weltmeister und RTL guckt finanziell fleißig in die Röhre. Letzteres ist für mich die positivste Konsequenz dieses Abends, denn wer uns mit “Verdachtsfälle”, “Betrugsfälle” oder “Mitten im Leben” kollektiv zu verdummen sucht, der gehört irgendwann auch mal abgestraft! Schlechtes Karma...!

In gewisser Weise war der Boxkampf genau so wie “Wetten Dass...?!?”: Man erwartete sich viel mehr davon, als schließlich gehalten wurde und bei beidem hagelte es Pfiffe (wenngleich aus verschiedenen Gründen). Wir für unseren Teil diskutierten das Gesehene kurz, rissen jeder mindestens einen blöden Spruch (ich gebe zu, dass ich mich in diesem Zusammenhang mal wieder besonders hervor tat) und hakten den Abend dann doch als gelungenes, familiäres Gemeinschaftserlebnis ab. Meiner Schwester und mir langte das aber noch nicht, hatten wir uns doch auf Gewalt, Blut und ausgelebte Aggressionen bis weit nach Mitternacht eingestellt und ehrlich gesagt ein wenig gefreut. Was nun?!? “Na,...” dachte ich, “dann wollen wir mal nicht so sein!” und zauberte aus den Untiefen meiner DVD-Sammlung das kürzlich entstandene Meisterwerk von Sylvester Stallone hervor. Eine gefühlsbetontes Schwarzpulverdrama mit hohem Adrenalinanteil. So endete der Abend mit “The Expandables”, einem Film, der im Prinzip genau das konnte, was “Wetten Dass...?!?” und der Boxkampf gestern nicht vermochten: Er hielt genau das, was man sich von ihm erwartete. Dass man sich nicht sonderlich viel davon erwartete, sei dabei verschwiegen.