Samstag, 22. Januar 2011

49% MOTHERFUCKER, 51% SON OF A BITCH

(Lemmy)

Hell Yeah! Es gibt heute 2 Dinge, denen ich dankbar bin und eines das ich am liebsten (mal wieder) mit rückhaltlosen Flüchen auf seinem Weg in die Hölle, in welche ich es schicken würde, begleiten würde. Hätte ich meinen zivilen Ungehorsam nicht, würde mir unterm Strich mal wieder etwas fehlen. Aber immer der reihe nach: Erstmal zu den positiven Sachen. Da wäre an Nr. 1: laut.de. Und Nr.2 ist Amazon.co.uk! Das sind die zwei tollen Dinge, deren Daseinsberechtigung sich alleine aus dem heutigen Tag speist. Was mich dagegen mal wieder ankotzt, ist diese heuchlerische Gehechel nach politischer Korrektheit, an dem unser Land krankt. Nicht nur, daß wir nahezu alles umbennen, erklären oder mit Beipackzetteln versehen müssen, das irgend ein popeliger Verband anzuprangern gedenkt, nein, mittlerweile wird schon mal vorsorglich zensiert. Aber ich mache da nicht mit! Als Onkel 2.0 nutze ich die Möglichkeiten der globalen Vernetzung und des internationalen Warenhandels um mir genau das zu holen, was ich will… und weil mich diese vergutmenschelten Humorklemmschwestern in all ihren Ethikkommissionen mal herzlich am Arsch lecken können, setze ich selbstredend gleich noch einen drauf! (Mal nebenbei: Gibt es ein anderes Land der Welt, daß „Ethikkommissionen“ kennt?).

Jetzt mögt ihr euch alle fragen, worauf das alles hier hinaus läuft beziehungsweise, wie das alles zusammen hängt. Nun, dann bringen wir mal Licht ins Dunkel! Vor ziemlich genau 2 Jahren geisterte folgender Trailer durch das Internet und bei mir setzte sofort ein breites, diabolisches Grinsen ein und der unverzügliche Wunsch das nächste Lichtspielhaus aufzusuchen sobald das Dingen bei uns anläuft:


Ja, das machte mal richtig neugierig. Ein Film über den letzten Dinosaurier des Rock. Über einen Mann, der mittlerweile sein eigenes Denkmal darstellt und als solches grunzend durch die Welt zieht und fast jeden Abend einem anderen Publikum die Kalkablagerungen aus den Gehörgängen hämmert. Der Kerl macht keinen Rock’n Roll, der ist buchstäblich Rock’n Roll. Das mit dem „Denkmal“ ist Lemmy im Übrigen scheißegal, was man seinen Auftritten bisweilen auch anmerkt. Der mittlerweile 65jährige Basstitan hat es immerhin geschafft, selbst die 80er zu überstehen ohne sich auf irgendwelche Fönfrisuren einzulassen. Falls es noch eines Beweises für seine Unantastbarkeit bedurft hätte, das ist Argument genug! Der Typ ist einfach ein Original allererster Kajüte. „Kauziger Vollfreak“ trifft es wahrscheinlich auch, aber kein Wort beschreibt ihn wohl so gut wie: Lemmy! Und das jetzt noch als Dokumentation in bewegten Bildern. Neben der Musik würde man weitere dunkelhumorigste Sprüche, halbnackte Ischen in Lemmy’s Arm und natürlich literweise Schnaps auf der Leinwand geboten bekommen; soviel war mal sicher. Außerdem erwartete man einen Blick in Lemmys schon legendäre Sammlung von Weltkriegsdevotionalien werfen zu können. Eine Sammlung, auf die sogar Historiker und Universitäten Gerüchten zufolge zugreifen, macht halt irgendwie neugierig. UND GENAU DA LIEGT DER HASE IM PFEFFER! Denn nachdem der Film nie flächendeckend in deutschen Kinos lief, wurde er, wie ich gestern auf Nr. 1 entdeckte, eher unter Ausschluß der Öffentlichkeit am gestrigen Freitag in die deutschen DVD-Regale gestellt. Was ich der Filmbesprechung aber entnahm, dämpfte die Freude dezent. Nämlich, daß die Vertriebsfirma einige Szenen als „unpassend für den deutschen Markt“ eingestuft hat. Will heißen: Der Besuch bei Lemmy in L.A. wurde um die Szenen beschnitten, in welchen er seine oben genannte Sammlung präsentiert. Außerdem wurde entfernt, wie er uniformiert Panzer fährt… ! Nicht daß wir uns falsch verstehen, das wurde nicht etwa indiziert oder auf Drängen irgendeiner „Ethikkommission“ getan, nein, man tat es freiwillig. Da der Film schon seit zwei Jahren bekannt ist und im Ausland sowie in ausgewählten deutschen Kinos vorgeführt wurde ohne einen „Aufschrei der Empörung“ hervor zu rufen, kann das alles so schlimm ja nicht sein. Um das klar zu stellen, Lemmy ist kein Nazi, was bereits Bela B. im Vorwort zu „White Line Fever“ nicht müde wird zu betonen, er sammelt diesen Kram halt nur... es ist LEMMY. Doch anstatt die DVD mit einem geschmeidigen „FSK 18“ versehen zu lassen, was ohnehin eine gute Idee sein dürfte wenn man Wortschatz und „Vorlieben“ des Hauptprotagonisten bedenkt, wird mal eben zur Zensurschere gegriffen. Warum? Nur um einer Hand voll Weltverbesserer nicht auf den Schlips zu treten. Ich persönlich hätte auf die entfernten Stellen auch gut und gerne verzichten können, allerdings nur, wenn sie komplett aus der DVD geflogen wären. Aber den Film weltweit komplett zu vertreiben und uns hier wieder eine zerstückelte Version anzudrehen, nee, da mache ich nicht mit! Da geht es mir neben Lemmy auch irgendwo ums Prinzip. Also wurde meinerseits die Ausführung der bereits getroffenen Kaufentscheidung halt auf Nr.2 verlagert. Geht man mal von den Produktbeschreibungen aus, werden uns in der „deutschen“ Kuschelversion der Doku gestandene 10 Minuten geklaut. Wie gesagt, ich finde, das ist eine Frechheit. Aber gut, so wurde halt mein amaon.co.uk – Konto wieder einmal entstaubt. Dies ging dann praktischer Weise auch gleich mit einem gehörigen Preisvorteil einher. Auf die deutschen Untertitel (denn die besitzt die UK – Version nicht), kann ich auch gut und gerne verzichten. Mir reichen auch die in Englisch um Lemmys Nuscheln bisweilen auszugleichen. Und damit es sich auch lohnt die einheimische, dysfunktionale Doppelmoral zu umgehen, orderte ich mir mit „Dead Rising“ gleich noch einen Zombie – Slasher für meine Wii, welcher es gar nicht erst auf den deutschen Markt geschafft hat. Aber ein Spiel, das ein User wie folgt beschreibt: „Nothing beats chopping up zombies in a lawnmower while running around in a mega man outfit. Yes you've killed zombies before. But you havent killed zombies like dead rising yet.” Muß sich doch wohl fühlen, wenn es in einem Päckchen mit der Lemmy – Doku über den Ärmelkanal schippert. So, das wollte ich einfach nur mal verkünden. Vielleicht kann ich so auch ein paar von euch vor der Enttäuschung retten, wenn ihr diesen Beschiß erst nach dem Kauf bemerkt. Hoffentlich lernt dieses Land hier endlich mal, daß man seine Geschichte nicht los wird, wenn man alles das darauf hinweist verbietet oder verteufelt (andererseits aber eine Hitler – Doku nach der anderen produziert). Würde dieses ganze scheinheilige und politisch pseudokorrekte Gehabe endlich mal überwunden und würde man anstatt immer mit dem erhobenen Zeigefinger zu wedeln und zu „mahnen“ endlich mal eine objektive Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte los gehen, dann würde der Umgang mit dem Thema auch nicht mehr so verkrampft daher kommen. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Doku von Guido Knopp und eben dieser über Lemmy? Knopp darf zeigen, wie marschiert, geschossen und gestorben wird; bei Oliver und Orshoski darf nichtmal ein 65jähriger Brite auf nem Panzer vorkommen. Aber gut, ist ja nur meine Meinung… . Jedenfalls freue ich mich jetzt tierisch auf den Tag, an dem die DVD bei mir eintrudelt und mit ihr mein persönlicher, kleiner Triumph über diese kleinbürgerliche Klugscheißerei, die hier die Kunst- und Pressefreiheit bisweilen doch arg einschränkt.

Zum Abschluß hier noch ein kleiner Appetizer:

Freitag, 21. Januar 2011

YELLOW LEDBETTER

(Pearl Jam)


Eigentlich wollte ich heute mal in Päuschen einlegen, allerdings wurde meine Aufmerksamkeit auf eine nette Idee gelenkt: Ein Pearl Jam Gewinnspiel nach dem Motto "Share your PJ Experience". Hier mal der Link für interessierte Leser: http://www.pearljamexperience.com/index.php . Es geht darum ein ganz besonderes, mit Pearl Jam wie auch immer verbundenes Erlebnis zu schildern. Nun, da konnte ich nicht widerstehen und griff in die Tasten. Hier nun also mein OFFIZIELLER WETTBEWERBSBEITRAG:

Ich würde schlicht und ergreifend lügen, wenn ich jenen 13.08.2009 als das Beste Pearl Jam Konzert bezeichnen würde, welches ich je gesehen habe, denn das dieses fand in der Berliner Wuhlheide statt (jedoch welches Wuhlheide Konzert es genau war, das habe ich noch nicht endgültig entschieden.) Aber eines kann ich rückblickend mit Sicherheit sagen: Dieser Augusttag vor anderthalb Jahren war in seiner Gesamtheit einfach nur großartig. Besser als diesen 13.08.2009 kann man ein Pearl Jam Konzert einfach nicht begehen. Ich startete mit meiner Freundin in den frühen Morgenstunden nach einem ordnungsgemäßen Frühstück im westfälischen Kernland gen holländische Grenze, daß sie mich erstmals auf ein Pearl Jam Konzert begleitete, alleine das adelte diesen Tag. Das erste Pearl Jam Konzert ist sicherlich für die meisten von uns etwas ganz Besonderes gewesen, ein Erlebnis, das man nicht missen möchte, welchem man aber leicht wehmütig hinterher blickt, denn man wird dieses einmalige Feeling leider nie wieder erleben dürfen. Man kann es nicht erklären, aber so intensiv die nachfolgenden Konzerte auch sind, irgendetwas fehlt einfach immer. In dieser Hinsicht war ich, zugegeben, schon ein wenig neidisch auf sie.
Wir beschlossen also den Tag ruhig anzugehen und steuerten zunächst den Strand an. Während wir den Nachmittag relaxt am Strand verlümmelten, Drachen steigen ließen und uns todesmutig in die kühlenden Fluten stürzten, stieg die Vorfreude mit jeder verdösten Minute an. Und während uns das Meer die Folgen der dreistündigen Anfahrt sowie die restliche Müdigkeit aus den Gliedern wusch, bastelte man sich so eine oder andere Wunschsetlist zusammen. Während ich so in meiner nassen Badehose im Sand lag, die Wolken über mich hinweg zogen und ich mit halb geschlossenen Auge vor mich hin döste, stellte sich dann langsam eine geradezu herrlich entspannte Vorfreude ein. Diese überstand überraschender Weise auch die Anfahrt zum Ahoy, den Einlaß sowie die Vorband; ja sie hielt den ganzen Abend. An diesem Tag passte dann auch die Setlist wie die Faust aufs Auge. Nach dem Einstieg mit „Elderly Woman…“ und einigen Krachern streuten die Jungs mit „Wishlist“ und einem grandiosen „Nothingman“ weitere Highlights ein. Nicht zu vergessen die Überraschungen, welche die Zugaben zu bieten hatten. Alleine e „Who“ – Cover waren jede Minute des Anstehens vor der Arena wert. So fügte sich am Ende alles zusammen. Auch wenn man weiß Gott kein Prophet sein muß um den Song voraus zu sagen, aber „Yellow Ledbetter“ war der perfekte Abschluß dieses Tages. Dieses leicht dudelige Standardabschiedsständchen der Jungs spiegelte diesen ganzen, chilligen Augusttag wieder. Hätte man ihn im Hintergrund als Soundtrack eingespielt, während wir so durch die Brandung stapften oder den Lenkdrachen über die Dünen surren ließen… nichts hätte im Nachhinein besser gepasst!

Wie gesagt: Ein großartig verbrachter Tag, welcher unaufhörlich seinem Höhepunkt entgegen strebte und an dessen Ende sogar der übliche schon – vorbei – Blues ausblieb, da man ja noch das Berlin Konzert vor der Brust hatte. Meine Freundin sieht das, jedenfalls soweit ich weiß, recht ähnlich. Ein perfekter Tag um sein erstes Pearl Jam Konzert zu erleben, da ich aber dabei sein und ihre Freude miterleben durfte, war das Einzige worum ich sie an diesem Tag hinsichtlich meines ersten Pearl Jam Konzertes noch beneidete, daß Berlin bereits seinerzeit nicht am Meer lag.

Donnerstag, 20. Januar 2011

SWEET EUPHORIA

(Chris Cornell)

Tschakka! Nach so weil Schelte meinerseits für die Werbetreibenden, soll nun zur Abwechslung auch mal ein Lob drin sein. Heute möchte ich mal eine Lanze brechen für all die Sloganakrobaten und Silbendompteure da draußen. Sie sind manchmal doch ganz nützlich. Als ich gerade von der Arbeit heim kam öffnete ich gewohnheitsgemäß den Briefkasten und hatte eine der ziemlich regelmäßig eintrudelnden Werbebotschaften von IKEA in der Hand. Erst beachtete ich das Ding nicht sonderlich, aber bei genauerer Betrachtung war das eine Neuigkeit, welche mir auch praktischen Nutzen beschert. Man sollte vielleicht dazu sagen, daß ich seit einiger Zeit IKEA – Famliy – Mitglied bin, sozusagen ein kleiner Sven. Was mich dazu bewogen hat? Naja, vereinfacht gesagt: Pittili; Pittili und der Gratis-Kahvi versteht sich. Es ist schon super, wenn man sich bei jedem Besuch erstmal eine Tasse schwarzen Muntermacher für lau abholen kann. Dazu gibt’s dann noch ne Transportversicherung (wer relativ regelmäßig Bilderrahmen braucht, wie ich, der weiß das zu schätzen) und die Möglichkeit mit der Familykarte zu bezahlen, wobei die Knete erst im Folgemonat vom Konto wandert. Klingt gut, oder? Zumal das nix kostet.
Als ich das in der Vergangenheit diversen Mitmenschen erzählte, waren die Reaktionen zweigeteilt. Männer antworteten meistens „Boah geil, Kaffee!“, während die zumeist eingeweihten Damen wirklich komplett anders reagierten. Da bekam ich meistens folgenden Satz zu hören: „Ja, das ist super! Und das Beste ist: Damit kann man auch bei H&M einkaufen!!! Wußtest du das?“ Ähmm, nein, wusste ich nicht. War mir aber auch ziemlich egal ehrlich gesagt. Das ist für Männer ein ungefähr so sinnloses Feature wie die Nährwerttabelle bei McDonalds. Aber Frauen nutzen das, man mag es ja kaum glauben. Da werden statt Regalen eben Schlüpfer gekauft; statt dem Billy der BH. Es gibt Gerüchte, daß Menschinnen existieren, die in ihrem Leben nur ein einziges Mal bei IKEA waren, nämlich nur, um sich diese „H&M – Karte“ zu holen, von der die Freundinnen immer so schwärmen. Wie gesagt, Gerüchte. Aber endlich scheint man sich in Schweden besonnen zu haben. Endlich ist denen klar geworden, daß da ein Ausgleich geschaffen werden muß für all die H&M geschädigten Kerle da draußen. Die frage war nur: Wie? Was eignet sich denn als Friedensangebot an die Testosteronwelt? Da musste schon ein Kracher her, ein Brüller… ein
„absoluter Burner“ wenn man so will. Und so schmiedeten IKEA und der Media Markt einen Bezahlpakt und ab sofort kann Mann auch die passenden Zombiefilme zu DVD-Regal mit ein und derselben Karte bezahlen! Klasse! Klar, billiger wird’s nicht dadurch (mal vom Zinsvorteil abgesehen), aber es ist schlicht und ergreifend „nützlich“. Da wird kein Tamtam gemacht um eine bei näherer Betrachtung sinnlose Zusatzfunktion, nein, da kommt die frohe Botschaft dezent in den Briefkasten geflattert und man sagt sich spontan: „Toll, endlich mal etwas, das ich auch benutzen werde!“ Ein Satz, den man heutzutage viel zu setzen benutzt.

Ab morgen heißt es also für mich und all die anderen kleinen Svens da draußen: „Entdecke die Männlichkeiten“!

Mittwoch, 19. Januar 2011

THE DOWNWARD SPIRAL

(NIN)

Au-au-autobahn!!! So, mußte mal raus! Ich war gerade in der Apotheke und stieß da auf ein weiteres Beispiel dafür, wie bodenlos dämlich Vermarktungsstrategien aussehen können. Sie müssen es nicht zwangsläufig, sind es aber zunehmend… nur um das gleich mal klar zu stellen; oder um es plakativ zu sagen: "Schlimmer geht immer". Dabei handelte es sich nicht einmal um einen „neuen“ Hirnfurz der Werbetreibenden, vielmehr die Fortsetzung einer Serie von sinnfreien Produktverunglimpfungen. Wie immer, wenn etwas niveauarm, überflüssig und vom geistigen Anspruch her gegen „Normal Null“ tendiert (und zwar von UNTEN), hat die BILD ihre Finger im Spiel. Seit Jahren biedert sich dieses Wurstblatt seinen Werbekunden auf eine geradezu widerliche Art und Weise an und bewirbt jedweden Tand mit dem „VOLKS“ Kürzel. Alles, wirklich ALLES! Es gab das „Volks – Notebook“, das „Volks – Handy“ mit dem passenden „Volks – Tarif“ und etlichen Mist, den streng genommen kein Mensch braucht. Als ich beim Recherchieren (will heißen „googeln“) für diesen Beitrag auf eine Auflistung dieser Konsumverbrechen stieß, wurde mir ganz schummerig. Meine absoluten „Favoriten“ dabei sind der „Kaffee – Voll(ks) – Automat“, den der Mediamarkt 2003 an seine Opfer verramschte und der „Volks – Schuh“ von Otto. Geht’s irgendwie NOCH blöder?! JA! Das geht! Wie wäre es mit dem „Volks .- Gefrierschrank“? Und ich nehme an, daß Quelle im Jahre 2005 damit nicht unbedingt das Erzgebirge meinte. Na, da braucht man sich bei Quelle auch gar nicht zu wundern, wenn man über die imperialistische Konsumklinge springt, wenn man sich vorsätzlich mit dem literarischen Teufel einlässt! Bekanntlich rettete den Versandriesen auch der „Volks – Kredit“ der Deutschen Bank nicht mehr. Wenn ich Hersteller von irgendwelchem minderwertigen Plastikramsch wäre und mir böte sich die Möglichkeit, mit einem idiotischen Label auf der Verpackung und aggressiver Schlagwortwerbung in der bundesweiten Hauptsatzschmiede meine Ladenhüter noch mal in großem Umfang unters (hehe…) VOLK zu jubeln, NATÜRLICH würde ich das tun; keine Frage! Aber kaufen würde ich es nie! Oder besser: fast nie, denn beim „Volks – Comic“ für 5 Euro bin ich auch schwach geworden, seit dem ziert ein Asterix – Sammelband meine Schrankwand. Aber ich finde ja, daß Asterix Legitimation genug ist für diese moralische Inkonsequenz.
Im wahrsten Sinne des Wortes „sehr geil“ war auch das Angebot der „Volks – Matratze“ von 2004. Anbieter war wider Erwarten nicht Beate Uhse oder Kiez – Kalle, sondern der Otto Versand (ja, die befriedigen scheinbar alle Bedürfnisse mittlerweile). Überhaupt: Ich glaube, ich muß mal wieder „Exklusiv“ schauen um zu sehen, welcher D- Promi sich diesen Titel 2011 verdient.

Nee, ich verstehe das nicht. Da leben wir im potentiell zweit – politisch korrektesten Land der Welt und dann SOWAS! Hier, wo zur Sicherheit lieber zwei als nur ein Gleichstellungsbeauftragter im Kleinstunternehmen die Personalpolitik regiert; hier, wo kein „Negerkuss“ mehr im Supermarktregal steht um ja keinen Gutmenschen dem Herzkasper in die Arme zu jagen, ausgerechnet hier wird noch immer die „Volks“ – Metapher zugelassen (stellt euch einfach vor, wie ich empört den Kopf schüttele). SKANDAL!!! Aber die Werbe – Industrie verschickt munter ihre Botschaften über sämtliche Medien an die Kundschaft; die so genannten „Volks – Empfänger“ der selbigen und keinen stört es! Wir leben in einem Land, in dem vor ein paar Jahren allen Ernstes darüber diskutiert wurde, ob man „Autobahn“ ungerügt im Fernsehen sagen darf. Warum wenden wir denn dieselbe übertriebene Reaktion nicht auch bei diesem Kampagnengemurkse an. Es wird Zeit, daß sich mal ein in seinem moralischen Empfinden zutiefst verletzter Gutmensch an den Bundesgerichtshof oder, noch besser, an den Friedmann wendet. Nur so wird man diesem schändlichen Treiben endlich Einhalt gebieten können. Nur so wird unsere Werbung wieder „Volks“ – Frei. Also, liebe Verfechter der Grundwerte, liebe Hüter des guten Geschmacks und natürlich auch ihr, liebe Dauerempörten Weltverbesserer: Hopp, hopp, kommt in die Gänge! Es gibt wieder ein Zeichen zu setzen!

Aber gut, lassen wir das erstmal, bringt ja eh nix. Mittlerweile ist man für dieses Jahr sogar regierungsseitig auf diesen in die Sinnleere hinein rasenden Zug aufgesprungen und hat eine so genannte „Volks – Zählung“ angekündigt. Pfui!!! (… ihr wisst ja: Onkel schüttelt Kopf… empört…)! Aber gut, was mich eigentlich auf diesen Blogeintrag gebracht hat war Klosterfrau Melissengeist; selbiger wurde (und wird) in der Apotheke nämlich als „Volks – Arznei“ angepriesen. Jaja, „Volks – Arznei“! Spätestens HIER sollte doch der eindeutig dunkelbraune Unterton der ganzen Kampagnen klar werden, damals hieß es schließlich auch nur „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen!“

Montag, 17. Januar 2011

WARSAW (OR THE FIRST BREATH YOU TAKE AFTER YOU GIVE UP)

(Them Crooked Vultures)

Shalömchen! Uii, seit ich hier wieder einmal meine, sagen wir mal „leichte Affinität“ zu Pearl Jam textlich verarbeitet habe, geht’s ja ganz schön rund hier im Blog. Richtig so! Das zeigt mir, daß die Alphabetisierungsquote unserer PISA-Ruine dann doch höher ist als befürchtet. Da tut eine kleine Pause von der Musik mal Not… zum Durchschnaufen quasi. Wenn man den nebulösen Ankündigungen der Jungs glaubt, kommt im Jahr des 20jährigen Bandjubiläums ja noch ne Menge auf uns zu, was man hier genüsslich breittreten kann.

Heute will ich aber mal wieder meinem Bildungsauftrag gerecht werden und zur Klärung einer der zentralsten Fragen der letzten Wochen und Monate beitragen. Habt ihr denn nicht auch verwundert auf die Meldungen der Feuilletons gestarrt und euch verwundert die Augen gerieben?! Habt ihr euch denn nicht auch gefragt, was so ein „Wutbürger“ ist und vor allem was der tut?! Also ich habe dies getan. Die erstbeste Erklärung „der demonstriert“ greift da doch zu kurz. Demonstrieren kann jeder, auch ich. Wenn ich dann aber demonstriere, fühle ich mich nicht gleich als „WUTbürger“. Wut ist so eine schrecklich negativ besetzte Emotion, warum man ausgerechnet die nun als Metapher für politisches Bewusstsein hervor kramt, ist mir schleierhaft. Was war denn an der guten alten „Zivilgesellschaft“ so falsch? Da wurde auch demonstriert, aber ohne gleich die Furie im Einwohner zu erwecken. Aber ich merke schon, die Zivilgesellschaft hat ausgedient; also ist „Wutbürger“ das neue Schlagwort für kritische Geister, womit man ihnen auch gleich wieder einen guten Teil der Glaubwürdigkeit nimmt (ob nun absichtlich oder nicht, sei mal dahin gestellt). Hauptsache das Schlagwort rockt die Titelseite; erbärmlich! Aber egal, ich habe mich zwangsläufig gefragt, was ich mit einem „Wutbürger“ so assoziiere, oder besser: was glaube ich denn, was ein „Wutbürger“ so den ganzen Tag lang macht. Und schwupps fand sich meine überbordende Phantasie herausgefordert und ich sah die Welt durch die Augen des Schnittmusters jener neu entdeckten Lebensform. Ich war, für einen Tag zumindest, Malte Walckowiak -  Butzelfinger, seines Zeichens Vorwüterisch einer Bürgerinitiative gegen die Diskriminierung rumänischer Gebirgsziegenböcke. Was ich an diesem Tag so erlebte, sollt ihr nun erfahren. Für Vollständigkeit und politische Korrektheit des Erlebten übernehme ich keinerlei Garantie! Erstens ist es nur aus dem Gedächtnisprotokoll nach dechiffriert und zweitens war der Mate-Tee Konsum dieser Gestalt zu viel für meine Zurechnungsfähigkeit. Aber am Ende dieses Tages wusste ich zumindest, wo die „Wut“ herkommt… :

08:00 Uhr: Vom Wecker in meiner freien Traumentfaltung behindert! SKANDAL!!! Habe diese imperialistische Radauwumme in die ewigen Jagdgründe gesnoozed! Anschließend wieder seufzend uns Körnerkissen gesunken um weiter von der perfekten Welt zu träumen (einer Welt ohne Wecker).

08:34 Uhr: Kommunenmitglied/-in Birte schlurft im Baströckchen durch mein Zimmer um sich einen Dinkelmatzen zu braten. War wohl doch keine so gute Idee die Küchentür mit zur S21 - Demo zu nehmen, zumal das Glasfenster dem Wasserwerfer irgendwie nicht stand hielt. Da der Geruch aus der Küche mich voraussichtlich nicht mehr schlafen lässt beschließe ich unverzüglich…

10:15 Uhr: … aufzustehen. Ich prangere Birtes Rücksichtslosigkeit in Form eines eilig geschriebenen Plakates an! (Aufschrift: SO NICHT, FROLLEIN!!!!) So ausgerüstet begebe ich mich in die Küche. Während ich meinen lauwarmen Mate-Tee aus der selbst getöpferten Motto-Tasse „Weltfrieden“ schlürfe durchforste ich die BILD von gestern. Entsetzt stelle ich fest, daß Berlusconi schon wieder ungestraft einen Hitlerwitz im Parlament gerissen hat. Wolle, Socke, Birte und ich (womit unsere Kommune komplett wäre) diskutieren das aus und beschließen auf diesem Missstand aufmerksam zu machen, indem wir uns über Mittag vor einer beliebigen Pizzaria anketten und die „Internationale“ singen. Unsere italienischstämmigen Mitbürger haben unsere Solidarität verdient und so bin ich mir auch der uneingeschränkten Solidarität der Pizzabäcker sicher.

11:53 Uhr: Kommen vor der Pizzaria „Cosa Nostra“ an… haben die Ketten vergessen.

11:54 Uhr: Beginnen trotzdem zu singen.

11:55 Uhr: Während Birte und ich unseren italienischstämmigen Mitbürger/-innen kinetisch überlegen sind, werden Wolle und Socke von den Pizzabäckern physisch von der Legitimität der italienischen Herrschaftsverhältnisse überzeugt.

12:00 Uhr: Birte und ich beschließen uns bei einem Kebap zu erholen. Die Wartezeit versuche ich dazu zu nutzen an das Gewissen des Dönermannes zu appellieren und nachdrücklich einen korrekten Umgang mit den Kurden einzufordern.

12:04 Uhr: Komisch, irgendwas stimmt mit diesem Kebap nicht; aber ich will auch keinem was unterstellen.

13:00 Uhr: Wir verteilen in der Innenstadt Flugblätter gegen die Atompolitik der Bundesregierung. Der Versuch ein Rentnerehepaar aus Oberammergau zu einer symbolischen Sitzblockade auf den Straßenbahnschienen zu überreden scheitert kläglich an ihrem Zivi! Faschist; bloß gut, daß dieses konterrevolutionäre Pack von der CSU gerade abgeschafft wurde!

14:00 Uhr: Haben das erste Flugblatt an den Mann gebracht, ein großartiges Gefühl. Die dreijährige, der Birte es in die Kapuze steckte machte einen sehr engagierten Eindruck. Der Umsturz beginnt!

15:00 Uhr: Wir stellen uns neben eine gemischtgeschlechtliche Gruppe Venezuelaner/-innen mit Pan – Flöten und schauen jeden Passanten, der nichts in den Sombrero tut anklagend an.

15:10 Uhr: Ganz schön hart so eine Panflöte, Birte versucht die Blutung mit frisch angekautem Mulch zu stillen. Nach etwa 2 Litern klappt das dann auch.

16:00 Uhr: Mir ist zwar immer noch schummrig, aber trotzdem verfasse ich eine E-Mail an die Verbraucherschutzministerin, in welchem ich den Erlaß einer neuen Gaststättenverordnung vehement einfordere, welche die Bezeichnung „Zigeunerschnitzel“ endgültig von deutschen Speisekarten verbannt. Um meine Weltoffenheit zu demonstrieren unterzeichne ich mit dem Namen meines palästinensischen Brieffreundes „Muhammad al Intifada“.

16:15 Uhr: Birte hat beim Korrekturlesen den defätistischen Gedanken geäußert, daß „das doch nicht so schlimm sei“! Weil das mit der Basisdemokratie zu zweit nicht funktioniert einigen wir uns darauf, daß es zumindest „Zigeunerschnitzel/-in“ heißen soll!

17:00 Uhr: Die Antwort trifft schneller ein  als gedacht, ist aber irgendwie komisch nichtssagend. Vielleicht bringt der Dateianhang ja Klärung, ob unser Engagement gewürdigt wird und so klicke ich  „bundestrojaner.exe“ an… !

17:15 Uhr: Der Computer ist ganz schön langsam! Liegt wohl am aus Windenergie gewonnenen Ökostrom… die Mühlen scheinen sich gerade langsamer zu drehen.

18:00 Uhr: Wolle und Socke kommen auf Krücken in die WG gehinkt. Ich rüge sie sofort, weil sie die in Plastik eingeschweißten Einweg-Kompressen gekauft haben um ihre Schnittwunden zu versorgen. Außerdem weigert sich Socke doch tatsächlich seine Schmerzmittel für Afrika zu spenden!! Kein Fitzelchen Engagement! Unglaublich! DEIN ARSCH KOMMT AUF MEINE LISTE!!!

18:01 Uhr: Ich bin Wolle und Socke kinetisch überlegen.

18:02 Uhr: Bin ins Nachbarhaus geflüchtet und nutze die Gelegenheit den argentinischen Restaurantbetreiber ins Gewissen zu reden, daß er im Interesse der Tierrechte seine Futtertheke doch gefälligst auf vegane Küche umzustellen hat.

18:59 Uhr: Nach der Erstversorgung gibt mir der nette Sanitäter eine Packung 1800er Ibuprophen mit den Worten „aber nicht gleich wieder alles spenden!“. Mein geschwollener Kiefer verhindert, daß ich diesem Unmenschen die passende Antwort geben kann. Ich kann nur noch knurren.

19:00 Uhr: Verstehe jetzt was er meinte, behalte die Pillen.

20:00 Uhr: Wieder in der WG angekommen. Wolle und Socke liegen neben mir auf dem Sofa. Schnorre mir eine Einwegkompresse und gebe eine Runde Ibus aus. Hunger! Birte füttert uns mit pürierten Dinkelmatzen, während wir uns die besten Folgen „Kulturzeit“ aus 2006 auf DVD reinziehen.

22:00 Uhr: Ich trinke einen letzten Mate-Tee durch einen ökologisch abbaubaren Strohhalm. Wir spielen alle zusammen zum müde werden unser Lieblingsspiel „Imperialisten-Raten“. Wolle und Socke kriegen sich nicht mehr ein, als ich zischend versuche „Sarkozy“ zu lösen.

23:00 Uhr: Ich liege entnervt im Bett. Mein Schädel pocht bestialisch und vor meinem Zimmer höre ich Wolle und Socke mit ihren Krücken unentwegt über den Gang klappern. Das Schlimmste ist aber dieser Gestank; während ich langsam in einen Dämmerschlaf hinüberdrifte, der von einer Ohnmacht nicht wirklich weit entfernt ist, frisst sich mir der Geruch angebrannter Dinkelmatzen in die Schleimhäute; Dinkelmatzen… DINKELMATZEN!!!!!

Samstag, 15. Januar 2011

Pearl Jam - LIVE ON TEN LEGS Review

Heute muß ich mal kurz meine eigenen Inkonsequenz loben; den Makel, mal wieder schwach geworden zu sein, obwohl der erste Impuls eher in die Richtung “wer braucht denn solchen Kokolores” ging. Es war vor ein paar Monaten, als Pearl Jam nebulös einen neuen Live-Sampler ankündigten. Vorher wurde über den arg grenzwertigen Titel “Death on Ten Legs” bereits spekuliert, was dann aber auch recht zeitnah entschieden seitens der Band dementiert wurde. Nachdem kurz darauf das Artwork bekannt gegeben und der Vorbestellmarathon beim Ten Club eröffnet wurde, begann die große Diskussion in Fankreisen; zu recht wie ich meine. Braucht man von einer Band, die seit 2000 jedes ihrer Konzerte als Live-Album veröffentlicht hat (naja, leider nur FAST jedes... ) wirklich eine erneute Zusammenstückelung einzelner Live-Songs von verschiedenen Auftritten? Naturgemäß kam ich auch ins Grübeln, vor allem weil ich vom Zeitraum 2005 -2010, aus welchem die Live-Aufnahmen stammen, ohnehin jedes Bootleg mein Eigen nenne. In der einen oder anderen Form besitze ich also jede einzelne Version bereits. Da ich auch nicht der Einzige bin, dem das in Kreisen der Die-Hard-Fans so geht, ging auch der allgemeine Diskurs in eine eher verhaltene Richtung. “Nett mal wieder was Neues zu  haben, aber brauchen tut das keiner”, auf diese Floskel schien man sich zunächst zu einigen.
Ich für meinen Teil beschloß dann irgendwann, dass ich mir entweder die CD oder die Vinyl-Version zulegen würde. So ganz ohne gings dann doch nicht. Irgendwann wurde dann gemeiner Weise noch die “Limited Deluxe Box” angekündigt, was ich allerdings erst mit einem Schulterzucken abtat, irgendwie schien mir das dann doch schon ein wenig zu dick aufgetragen.
Je näher der Release aber rückte, desto stärke juckte es dann doch in den Fingern, und umso attraktiver erschien mir die Deluxe-Box. Doppelvinyl und Silberling in einer angemessenen Umverpackung, dazu ein paar großformatige Fotos sowie vier schicke Poster-Reprints wurden einem da versprochen. Dazu noch ein “Tour Laminate”, sicherlich nicht mehr als eine nette Spielerei, mit der man zwar nicht wirklich etwas anfangen kann, die aber unter Umständen einen erquicklichen Sammlerwert einsammeln könnte. Wenn nicht, auch egal. Jedenfalls begann ich irgendwann im Dezember mit mir zu kämpfen. Erstmals seit Langem hatte ich auch beim Ten Club keine der Versionen vorbestellt (was mich bislang aber nie davon abhielt mir am Release-Day die reguläre Version im Saturn zu kaufen). Also konnte ich relativ lange mit der Kaufentscheidung warten... und das tat ich dann auch. Ich will gar nicht wissen, wie oft ich bei Amazon die Deluxe-Box aufrief, sie in den Warenkorb verfrachtete und dann doch abbrach. Man hat ja noch Zeit, warum jetzt schon vorbestellen?!? Release-Date ist ja erst der 14.01.2011; zweitausendelf... das ist nächstes Jahr, da kann man sich das nochmal überlegen! Ja, Pustekuchen... “überlegen” am Arsch! Am 13.01.2011 saß ich dann mal wieder vorm Rechner und betrachtete die Box. Diesmal zog ich es aber durch... erwartungsgemäß wenn man es mal realistisch betrachtet. Mal ehrlich: als ob ich die Finger von der Box lassen könnte. Und so hämmerte ich vorsichtshalber die Adresse meiner Mutter als Lieferanschrift ins Bestellformular (denn da würde ich am Wochenende sein) und investierte den knappen Fuffi. Als Rechtfertigung diente mir, neben dem Preisverfall von EINEM EURO im Vergleich zum Vortag, die Tarif-Sonderzahlung, welche im Januar auf meinem Konto eingehen wird (so ziemlich das einzig Sinnvolle, was Verdi diesmal verbrochen hat im Übrigen. Der Rest ist Augenwischerei!). Und so wartete ich dann heute auf die Gebirgspostische, die so gegen 11:30 immer in ihrem VW vorbeigekaschpert kommt. Ja, so wartete ich dann und mußte voller Entsetzen zusehen, wie sie lediglich die Zeitung meiner Mutter und einen Werbebrief dabei hatte. Scheiße! Dann muß ich noch ne Woche warten! Dabei wollte ich das nächste Wochenende eigentlich in meinem Revier bleiben, aber das hätte mir dann keine andere Wahl gelassen als mich am Freitag nach dem Feierabend hinters Lenkrad zu schwingen. Also fuhr ich, was ich eigentlich nicht geplant hatte, geschwind ins Nachbarland tanken und bereicherte im Duty Free Shop meine Whiskeysammlung gleich noch um einen 14jährigen Glengoyne. Als Trost, sozusagen. Außerdem brauchte ich mal wieder eine Alternative zu den ganzen Islays, die meine Schrankwand mittlerweile bestimmen. Irgendwie gewinnen die fast immer wenn ich mich zwischen zwei Flaschen zu entscheiden habe... koooomisch! Jedenfalls kehrte ich dann heim und starrte FASSUNGSLOS auf den Mitteilungszettel des Hermes-Versand. Hätte ich gewußt, dass doch noch eine Chance besteht, die Box HEUTE geliefert zu bekommen, ich wäre weiß Gott nicht auf die Idee gekommen tanken zu fahren. Da die Sendung aber beim Nachbarn abgegeben wurde, schniekte ich schnell nach nebenan... nur um fest zu stellen, dass dieser nicht da war. Das durfte nicht wahr sein! Laut Zettel verpasste ich den Lieferanten außerdem nur um 10 Minuten; meinen Nachbarn wahrscheinlich sogar um einige weniger. Also ging die Warterei los... etwa 16 Uhr startete ich den zweiten Versuch und: TATSÄCHLICH, ich bekam das entsprechende Päckchen überreicht. Weltklasse! Schnell zurück nach Hause, Plattenspieler vorgeheizt und die Versandbox geöffnet! Der erste Eindruck war durchaus positiv. Schick sieht sie aus, die Umverpackung, aber seht selbst:

 
Draufsicht

 
Rückseite mit Tracklist (man achte auf das rot unterlegte Worträtsel ;-) )

Dann also flink die Klarsichtfolie entfernt und die Schatulle behutsam geöffnet. Klar, ich kannte ja den Inhalt, habe bereits erste Bilder im TC Forum gesehen und sämtlicher Previews gelesen, ich  wußte also was mich erwartet. Dennoch war der erste Eindruck ziemlich groß; und er wuchs noch, während ich die Vinyls auflegte und mich beim Hören mit dem Inhalt beschäftigte.

Monochrome Freude






Sehr schöne Fotos, die Miniposter - Reprints ebenfalls von hoher Qualität. Auch wenn man sich  über die Auswahl der Poster sicherlich streiten kann, aber wenn man sich etwas Zeit nimmt, macht sogar San Diego 2010 Spaß; man entdeckt einfach unglaublich viele Details.

Die Tonträger (Vinyl 1 rotierte gerade)

Bildgewalt
Ansonsten kann ich nur sagen, dass sich da jemand richtig Mühe gegeben hat mit der Box. Die Vinyls und die CD sind ganz im “The Who” Logo gestaltet, was wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Eddie zu verdanken haben. Das Artwork ist zwar eine Fortsetzung der “Live on Two Legs”, allerdings auch eigenständig genug um nicht als billiger Abklatsch rüber zu kommen. Logischer Weise wirkt das auf der Doppelvinyl viel intensiver und besser als bei der CD, aber auch die braucht sich nicht zu verstecken. Vom Klang der neuen Abmischungen bin ich vollkommen geflasht! Einfach unglaublich, was die Kerls aus den Songs raus geholt haben. Hat bestimmt ne Stange Geld gekostet das Ganze und jede Menge Zeit. Klar würde man sich das auch für die Bootlegs wünschen, was aber wohl bei der Kosten - Nutzen - Relation übel in die Buchse ginge befürchte ich. Jedenfalls ist der Ersteindruck einfach nur göttlich. Jedem “Gelegenheits-Hörer” wird hier auch von der Songauswahl her ein guter Einstieg ins Pearl Jam Universum gegeben. Dazu ein kleiner Einblick in das unglaubliche Live-Potential der Band. Denn auch wenn die Übergänge zwischen den Songs klasse versteckt sind, die Magie eines ganzen Konzerts wird naturgemäß nicht erreicht. Wer sich neben der “Live on Two Legs” auch noch ihren “großen Bruder” hier zulegt, dürfte auf jeden Fall angefixt sein.
Unterm Strich bin ich heilfroh, dass ich vorgestern schwach wurde und mir die Box geordert habe. Die ist mal wieder jeden Cent wert. Selbst wenn ich jeden Song in jeder Version bereits kannte, die neue Abmischung überzeugt und die Ausstattung der Box ist meiner Meinung nach Die-Hard-Fan-kompatibel! Die Scheibe an sich macht durchaus Sinn, wenn auch vorrangig für die Gelegenheitshörer. Wenn man genauer darüber nachdenkt sollten die ganzen Bekloppten (wie ich) das auch so akzeptieren, was ist denn schlimm daran? Für die Freaks hat man schließlich diese Box geschaffen; das Ding macht sich hervorragend in der Sammlung und wertet durch die ganzen Extras dieses (auch objektiv betrachtet hervorragende) Livealbum für die Fanbase ordentlich auf.

Eines sollte aber noch erwähnt werden, nämlich die Songauswahl. Man mag sie eigenwillig nennen, ich tue es zumindest. Warum mal zum Beispiel “Public Image” darauf findet, aber keinen Song der großartigen “No Code”, ist mir schleierhaft. Was ausgewählt wurde, passt aber zusammen und die jeweilige Liveversion ist obendrein noch in jedem Fall eine der besten die es in den letzten Jahren gab. Mit “Unthought Known” und dem Closer “Yellow Ledbetter” sind außerdem gleich zwei Songs vom 2010er Auftritt in der Wuhlheide dabei; dazu noch das Poster Reprint dieses Abends. Man kann es als Bon Bon für die europäischen Fans verstehen; als Ausdruck der seit 2006 recht offensichtlichen, engen Bindung der Band an diese Venue. Man kann es aber auch als kleines Dankeschön für den 30.06.2010 vestehen , als wir da alle mit der Band den 10. Jahrestag von Roskilde verbrachten. Ich weiß jetzt nicht, ob der Tourplan extra so gewählt wurde, dass man genau an diesem Tag in Berlin gastierte oder ob das schlicht Zufall war. Mein Gefühl sagt mir aber, das war beabsichtigt und dass diese Box hier daher auch nicht umsonst leicht Berlin-lastig ist. Dieser Abend scheint der Band ziemlich wichtig zu sein, das Schöne dabei ist, dass sie es uns mit dieser Box auch zeigen.

Komplettpaket

Freitag, 14. Januar 2011

THERE'S NO WAY OUT OF HERE

(Monster Magnet)

Heute geht sie wieder los, die größte Tierquälerei der südlichen Hemisphäre. Wenn die quietschbunte Moderationskugel im Tropenhelm mit seiner Pseudogespielin wieder über die Hängebrücke hoppelt und in die Untiefen des australischen Dschungels ruft: “Ich bin ein Star, hol mich hier raus, genau dann beginnt EBEN KEIN neuer Tiefpunkt bundesdeutscher Fernsehunterhaltung! Für alle, die gedacht haben, ich finde das Format so schlimm, dass ich es komplett verreiße: MÖÖÖÖP, Irrtum! Vielmehr finde ich die Grundidee spitze: Alle, die man hier nicht mehr ersehen/erhören/erriechen/aushalten kann, einfach in fremdes, möglichst fernes Land ausfliegen und ein wenig foltern. Inkonsequent ist nur, dass man 1. Die Typen vorher fragt, ob sie da hin wollen; 2. Dass man die dann wieder ins Land läßt und 3. Dass die so genannten “Dschungelprüfungen” maximal mit toten Krokodilen zu tun haben. Ansonsten ein akzeptables Konzept. Bedenkt man dann noch, wie viele absolute Vollpfosten zu Zeiten des “Dokutainments” oder der “Realitysoaps” ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden und dort leider auch ein wenig verweilen, wäre der Nachschub auch bei dem einen oder anderen “bedauerlichen Unglücksfall” gesichert. Fernsehen würde wieder schöner werden und die Charity-Bälle leerer. Aber wie gesagt: Leider ist RTL etwas zu inkonsequent bei der Umsetzung.

Dieses Jahr zieht wieder die gewohnt niveauarme Auswahl von mittelprächtigen D-Promis (“D” - wie “Depp”) in die grüne Hölle. Der Titel “Star” ist halt ganz schön dehnbar, wie wir noch sehen werden. Und wie jedes Jahr werden diese Gestalten dann im Camp vor sich hin vegetieren, idiotische Gespräche über falsche Brüste führen und sich dabei noch wie eine Mischung aus Indiana-Jones und Tarzan fühlen... jedenfalls so lange, bis sie aufgefordert werden diese ekligen, fetten, weißen Maden zu verknuspern. Hmm, lecker, frisches, zappelndes Insekt, also der Indy hätte da keine Hemmungen gehabt.
Ich habe mir die Kandidaten eben mal angeschaut und zu jedem die wichtigsten Gedanken, die mir spontan durch den Kopf schossen, kurz und bündig zusammen gefasst:

1.Eva Jacob: Oje, eine dieser schrecklich grellen, quietschenden Pudeldompteusen von der Musikantenstasi! Wahrscheinlich huppt die die ganze Zeit in einem rosa Payettenbikini durchs Unterholz Das Fiese ist nur, dass die wahrscheinlich ihren eigenen, kläffenden Proviant mitbringt. Bin schon mal gespannt, ob sie Bello mit ihren Mitinsassen teilt, wenn sie die Dschungelprüfung vergeigt.

2. Jay Khan: Kenne ich nicht, brauche ich nicht! Bitte foltern. Oh, Moment... Google meint gerade, das wäre ein Mitglied der unheimlich erfolgreichen und hochqualitativen Girlgroup “US5"! Na wenn das so ist: Dann bitte UNBEDINGT foltern!

3. Sarah Knappik: Mußte ich auch wieder googeln. Ist scheinbar so ne Ische, die bei der Klum ziemlich spät aus der Schabrackenshow gekegelt wurde. Hmm, wenn man jetzt schon ein “Star” ist, nur weil man kurz vor dem Ziel versagt (wahrscheinlich war sie in diesem speziellen Fall einfach zu fett bür das Business! Kein Wunder, wer gleich 2 Tomaten zu Abend ißt...)?!? In dem Fall könnte man Schalke 04 ja auch als “Rekordmeister” bezeichnen. Na egal, die ist jedenfalls stohblond und schaut auf den meisten Fotos recht hungrig. Man sollte sie ein wenig mit der australischen Fauna mästen.

4. Mathieu Carriére: Eine Schande, ich fand den Kerl früher als Schauspieler sogar mal gut. Aber selbst das französische Nationaltheater in der Vita scheint nicht davor zu schützen, sich eine Jacob-Sister im Bikini ansehen zu müssen. Die Welt ist ungerecht!

5.Katy Karrenbauer: Naja, die kennt sich ja aus mit “eingesperrt sein” im engeren Sinne. Mal sehen, ob sie da auch ein Matriarchat errichtet. Optisch ist sie jedenfalls maskuliner als die meisten Männer im Camp... obwohl, das wäre Sissi auch.

6.Frank Mattheé: Wieder mußte Googel her halten. Das Ding scheint ein Hochzeitsplaner zu sein. Kenne ich nicht den Typen, will ich auch nich kennen. Daher bitte erst ordentlich durch den Dschungelwolf drehen und dann schnellstmöglich entsorgen. Hochzeitsplaner als “Star” im Dschungel... ich glaub’ es hackt!

7.Gitta Saxx: Noch so ein Fall von “Keine Ahnung wer das ist” Hier habe ich mir auch mal Google gespart. Der Name deutet aber irgendwie auf Pornos hin... sowas wie “Dschungel Gitte - Die Nacht der langen Lianen”.

8. Peer Kusmagk: Das ist doch der jungsche Typ aus dieser Versicherungswerbung, oder?!? Dieser Ex-Schauspieler. Hmm, das ist so ein Knilch, von dem ich nicht so recht weiß, was ich von dem halten soll. Wahrscheinlich hat man den da hinein gepfercht um mit Hardcore-Gitte ein wenig das Baumhaus zum Beben zu bringen.

9.  Indira Weiß: Wieder zu faul zum Googeln. Aber sollte präventiv schon mal möglichst eklige Viehcher essen müssen. 32 Mal Kauen bitte!

10. Rainer Langhans: Ohne Worte, der gute Herr Althippie begibt sich also aus seiner bonbonbunten Traumwelt ins Unterschichtenfernsehen um die Welt zu retten. Na klar Rainer, träum weiter! Wahrscheinlich wird das die größte Labertasche im ganzen camp werden. Der wird immer alle und jeden in total fruchtlose Diskussionen über den Stellenwert des Weltfriedens in einer veganen Welt verwickeln wollen. Klar, hat ja auch leicht Reden, der hat sich ja gleich vertraglich zusichern lassen, dass er kein Geviehcht verzehren muß. Hoffentlich lassen seine Kameraden diesen abgedrehten Lockenkasper derart aushungern, dass er nach einer Woche voller Wonne in eine saftige Fauchschabe beißt. HIPPIE!!!!

Wie man sieht: wieder ein illustrer Haufen von vollkommen zu Recht verschrieenen Individuen. Wer da gewinnen soll? Keine Ahnung! Echt nicht, die sind mir fast alle gleich unsympathisch. Ich wünsche mir nur, dass der Langhans möglichst lange drin bleibt und ordentlich auf die Mütze bekommt, der hat es verdient! Auch wenn er vermutlich den ganzen Trip versucht als ultimative Reise zum Mittelpunkt des eigen Chi darzustellen, in Wirklichkeit hoffe ich doch, dass ihn die ganze Sendezeit einfach nur als das demaskiert was er mittlerweile ist: eine gigantomanische Labertasche mit Dauerwelle, die an der Realität inzwischen um Meilen vorbeigeht!
In diesem Sinne also: Viel Spaß beim Dscungelcamp... jedenfalls all jenen, die das schauen. Ich für meinen Teil weiß noch nicht ob ich mir das geben muß oder ob ich mich lieber in eine intellektuell wesentlich größere Herausforderung flüchte und mir schleunigst eine Staffel “Beavis & Butthead” zulege!

“Häähäää... hääähää” - “HmmHmmm-Hmmm” -“Häähäää... hääähää”

Mittwoch, 12. Januar 2011

DIE EIER VON SATAN

(Tool)

Mahlzeit! Ich wollte gestern mehr oder weniger Spontan ein paar Muffins backen. An sich ja kein großes Ding: Backmischung und Zutaten erstehen, den ganzen Quark zusammenschmulchern und fertig ist die Laube. Aber (ACHTUNG: es folgt meine aktuelle Lieblingsfloskel) IN ZEITEN WIE DIESEN ist das mit schier unüberbrückbaren Hürden verbunden. Ich latschte also in den Toom meines Vertrauens und klapperte zunächst das Backmischungsregal ab. Daraufhin erstand ich noch gutes Speiseöl und steuerte nichts Böses ahnend die Eiertheke an. Da ich leider keinen Fotoapparat dabei hatte, kann ich diese Mischung aus Tristesse und Bombentrichter nicht dokumentarisch belegen, aber glaubt mir: Es war grauenhaft!!! Ich für meinen teil schwöre ja ohnehin auf Bio-Eier, die machen den Muffin erst so richtig fluffig, aber mittlerweile bin ich da nicht mehr der Einzige wie es aussieht. Bislang hatte man immer die freie Auswahl in der Bio-Ei-Ecke, während die Kollegen „Analog-Ei“ vom gestapelten Käfighuhn reißenden Absatz fanden. Spektakuläre 40 Cent billiger die Packung, sicher, aber geschmacklich eben auch minderwertig. Wenn man, wie ich, mit glücklichen Eiern (keine dummen Sprüche jetzt, ich warne euch!) von noch glücklicheren Hühnern groß geworden ist, dann weiß man den feinen Unterschied zu schätzen. Wenn ich Urlaub bei meinen Großeltern machte, kam es vor, daß ich das Zucht-Zwerghuhn höchstpersönlich von meinem frisch gelegten Frühstück schubste. Dann wanderte die Handwarme Köstlichkeit direkt in die Pfanne, respektive in den Kochtopf, während die blöde Henne wild gackernd und freilaufend durch den Garten keifte. Soll sich mal nicht so anstellen, das Vieh, kann doch jederzeit ein neues Ei legen (was nicht zwingend vor dem Gleichen Ablauf schützt versteht sich). Dazu dann noch frische Milch vom befreundeten Bauern nebenan und das Frühstück konnte beginnen. (selbstredend nicht dieses entfettete, ultrahoch erhitzte High-Tech-Food, was uns da draußen angedreht wird, nein, damals kam die Milch noch aus der Kuh.) Naja, so war das damals jedenfalls. Außerdem gabs jedes Weihnachten Schnee und der Himmel war immer blau (glaube ich zumindest). Soweit mal zur Erklärung meiner Bio-Ei-Vorliebe, man will ja nicht grundlos als Öko-Hippie verschrien werden. Gestern stand ich jedenfalls vorm Eier-regal und sah mich einem kriegsähnlichen Zustand gegenüber. Die Bio-Eier waren fast ausverkauft und von den verbleibenden 5 Packungen waren zwei derart übel zugerichtet, daß man schon Mitleid mit der armen Reinigungskraft haben musste, die den ganzen Stand wieder polieren muß. Ich klaubte mir die erträglichste der noch heilen Packungen aus der Menge und sicherte sie im Korb, während sich vor meinem inneren Auge die Ereignisse der vergangenen stunden an eben diesem Eierstand erst formierten um dann filmartig abzulaufen:

Der blitzblank gewienerte Eierstand wird von der verantwortlichen Toom Hühnereifachverkäuferin mit frischer Ware befüllt. Dabei pfeift sie ein gar lustig Liedchen, während die grünen Packungen mit den schon fast ekstatisch gackernden Hennen in ihrer Almidylle in die Auslage wandern. Dann schiebt sie ihr Wägelchen zurück ins Lager und gibt ihrem Kollegen arglos das Signal, er möge doch die Hauptschleuse für das wartende Kundenvolk öffnen… das Problem war wohl, daß er genau das tat! Vor eben dieser Türe hatte sich nämlich schon der wütende Mob versammelt, eine Ansammlung erboster „Verbraucher“, die sich geifernd gegen die Scheibe drückte. In einer Hand hängt der liebevoll gebügelte Dederon-Faltbeutel mit Blümchenmuster, während die andere schon krampfhaft die BILD umklammert hält. Auf dieser prangt bereits auf der Titelseite in unsagbar fetten, eitergelben Lettern die Hiobsbotschaft vom DIOXIN – SKANDAL!!! 
Verbunden mit einer Berichterstattung, die vermuten lässt, daß man bereits beim Streicheln eines betroffenen Hühnchens auf direktem Wege in die Grube springt. All die vormals preisbewussten Sparfüchse, die dann wieder doch nicht preisbewusst genug sind um vorübergehend auf das Frühstücksei zu verzichten, haben sich zu einem Sonderkommando „Bioei“ zusammengerottet, für die das Öffnen der Türen so eine Art Startschuß in den Blutrausch. Als wenn man einem weißen Hai stundenlang einen Film über die Blutwurstproduktion zeigt um ihn dann auf den niedlichen, kleinen Nemo los zu lassen, so stelle ich mir das vor. Ungebremst stürmt diese Horde dann durch die Verkaufsräume und brandet wellengleich gegen das Bioei-Regal. Rentnerinnen werden zu Furien, während sie sich ihrer Altersgenossen erwehren um auch ja noch eine Packung sauberer Potentialkücken zu ergattern. Handtaschen fliegen, Wärmepflaster lösen sich lauf schnalzend vom krummen Buckel und Rollatoren kullern herrenlos über den Gang, während ihr Besitzer in einem Anfall plötzlicher Agilität voran stürmt. Mitten in dem ganzen Chaos hört man das Knacken der Eierschalen nicht, sieht man nicht, wie sich Dotter und Eiweiß literweise über die Verpackungen ergießen und blutgleich vom Regal tropfen. Als sich der Ansturm dann gelegt hatte… kam ich. 18:30 Uhr übrigens, man kann also davon ausgehen, daß das Chaos zwischenzeitlich mehrmals beseitigt wurde. Aber das war wirklich signifikant, dieses Schlachtfeld. Die Einzigen, die davon gar nix mitbekommen haben, das waren die Kollegen Billigeier. Verschmäht lagen sie in ihrem Regal, sauber aufgestapelt und in Reih- und Glied gestapelt. Ehrlich, da fehlte kaum eine Packung. Deprimierend dieser Anblick… das erinnerte mich an früher, an den Sportunterricht, wie ich beim Gruppenschwebebalkenturnen immer als Letzter in die Mannschaft gewählt wurde. Im Nachhinein verständlich, aber trotzdem grausam! Arme Analog-Eier! Irgendwie sind die Dinger gerade so was wie die FDP der Grundnahrungsmittel: Fast jeder der sie früher wählte, will gerade so gar nix mehr von ihnen wissen. Und warum das alles? Nur weil man plötzlich merkt, daß es keine allzu gute Idee ist, Hühner mit Maschinenöl zu füttern. Sicher, der Vogel quietscht dann nicht so, wenn er in seinem vollgeschissenen Käfig hockt, aber ich würde zu dieser Praxis mal laienhaft behaupten: Die Nachteile überwiegen. Auch wenn das Dioxin in den Eiern jetzt nicht so gefährlich ist wie es gerade gemacht wird, man sollte doch bitte versuchen das abzustellen. Denn ich habe eine fundamentale Angst, wenn dieser Run auf die Bio-Eier anhält: Die Biohühnchenpreise werden steigen. Hmmm, lecker, das bringt mich auf eine Idee fürs Abendbrot… ich bin dann noch mal kurz im Krisengebiet.

Sonntag, 9. Januar 2011

DEAD MEN AND SINNERS

(Murder by Death)

Tschakka!!!! Ich muß mich jetzt mal über eine neue PEST aufregen, die da die Medienlandschaft durchzieht und uns den Konsum unserer einstmals geliebten Popkultur mehr und mehr vergellt. Wie ja nun bekannt sein sollte, bin ich ein Kind der 90er. Gesegnet mit dem nahezu unschätzbaren Glück, während den 80ern zwar aufgewachsen, aber nicht von ihnen geschädigt zu sein. Dieses Jahrzehnt verbrachte ich im Wesentlichen mit Wachstum und den einen oder anderen Westspielzeug, das durch elterliche Fürsorge in meine Hände gelangte. Sehr beliebt waren übrigens Matcher, in sämtlichen Variationen und Modellreihen. Mit den 90ern kam man an die dann sogar noch besser heran, aber dann switchten meine Interessen schon wieder. Viele, insbesondere Leute ab 35 Lenzen Lebensalter, mögen sich nun aber fragen, was ich an den 80ern so schlimm empfand, rückblickend versteht sich. Nun, um es mal plakativ zu sagen: Ein Jahrzehnt, in dem jeder aussehen wollte wie ein Mitglied von Wham! und dabei unentwegt Prince hörte, das kann einfach nicht erstrebenswert sein. Selbst der Metal sah damals, von einigen wohltuenden Ausnahmen mal abgesehen, aus wie ein dauergefönter Perückenstadl. Oder wollt ihr ernsthaft behaupten, das DAß hier „hart“ ist:

Die seheh heute übrigens noch genau so au... das macht jede Drag-Queen neidisch!

Seht ihr, schon überzeugt. Jedenfalls würde ich den 80ern keine Träne nachweinen, aber das soll ja nicht das Thema sein. Denn in den 90ern wurde ja alles besser. Der Rock wurde wiederbelebt durch eine authentische Horde von Jungspunden aus Seattle und der Metal fand dann auch irgendwann wieder zu seinen Wurzeln zurück und wurde wieder hörenswert. Nebenbei wurden uns noch einige cineastische Perlen geschenkt, welche unser Bild von der finsteren Schattenwelt prägten. Neben den guten, alten Zombies, wurde auch das Vampir-Genre wiederbelebt. Neben der grandiosen „Dracula“ Verfilmung und „Blade“ bestach vor allem das große Drama vom „Interview mit einem Vampir“ durch geschlechterübergreifende Zumutbarkeit. Hach ja, damals waren Vampire noch Vampire. Gefährliche, blutsaugende Unholde, die in finsteren Nächten auf Passanten lauerten und der Menschheit im Akkord die Venen leerten. Das war noch gruselig, das war noch glaubhaft. Doch was ist aus diesem goldenen Zeitalter hervor gegangen? Richtig: Twilight!

Wenn ich diesen Titel schon höre, kommt mir die Knoblauchsuppe wieder hoch! Da wird so ein glatt geschmirgelter Metro zum Übervampir hochstilisiert, der eine Sterbliche anschmachtet und mit seinem zöllibatesken Schicksal hadert, während er bei genauer Betrachtung genau eines eben nicht ist: Ein Vampir. Ein echter Vampir würde sich die Ische schnappen und mal kurz die Hauer ansetzen um sich dieses Modepüppchens zu entledigen. Aber was macht dieser Vogel? Er führt Dialoge, er diskutiert mit seiner Nahrung und am Ende wird vielleicht sogar noch geheiratet. Bah, widerlich! Auch ich finde Lebensmittel sympathisch, aber ich würde nie so weit gehen, mein Steak zum Konversationspartner zu erheben. Ich würde ihm zwar anerkennen auf den Fettrand klopfen bevor ich es in die brodelnde Kräuterbutter der Pfanne herabsenke, aber das wäre es dann auch. Die Überlebenschancen einer solchen karnivoren Kostbarkeit würden bei mir stark gegen Null tendieren. Ich finde das auch vernünftig, so sollte es sein. Ähnliches erwarte ich auch von einem Vampirfilm, mitleidlose Beißorgien, bei welcher das soziale Umfeld des Gegners sukzessive dezimiert wird bevor man sich in einer großen, finalen Endschlacht gegenübersteht und sich gegenseitig die Superkräfte um die Ohren haut, daß die Funken spritzen. Bis vor ein paar Jahren war das auch unproblematisch, aber heute… . Heute muß man wirklich aufpassen, daß man sich keinen verkappten Rosamunde Pilcher Film einhandelt, wenn man seine Abendunterhaltung nur an der Untotheit des Protagonisten fest macht. Neulich stand ich vor einer Bücherkiste und entdeckte einen Roman, der von Cover her einiges versprach. Horror, Halsabschneiderei und Hämoglobin sprachen bereits aus dem Layout. Ich nahm das Büchlein auf um den Klappentext zu inspizieren. Dieser begann dann aber mit Worten, welche mich zwangen den Wälzer angeekelt wieder fallen zu lassen: „Der edle Vampir Prinz xy …“ (xy, weil mir der Name nicht mehr einfällt, nennen wir ihn einfach „Kunibald“). Bah! So weit ist es also gekommen; die Vampirliteratur ist aus lauter Trittbrettfahrerei zu einer Bravo – Foto – Love – Story ohne Bilder verkommen. Wer will denn so etwas lesen? Wer will denn an so etwas kaufen? Melancholische Blutsauger, die ihre Existenz hinterfragen und statt nach dem Lebenssaft der Sterblichen nach deren Liebe trachten wobei sie alles daran setzen auch noch möglichst metrosexuell rüber zu kommen. Ekelhaft ist das doch! Diese Schmierfinken, die diesen Kokolores fabrizieren, bringen eine ganze Sparte von Monstern in Verruf ohne dabei rot zu werden. Ich habe weiß Gott nichts gegen Handlung in Horrorfilmen, aber das ist einfach nur noch lächerlich; und nervig. In jedem Buchladen und jeder DVD-Abteilung glotzen einen die weltschmerzverzerrten Gesichter dieses Beißer-Bubis und seiner Klone an. Bei Thalia habe ich neulich sogar neben den Regalbeschilderungen „Fantasy“, „Thriller“ und „Biografien“ eine Sonderabteilung „Vampire“ entdeckt. Das geht einfach zu weit. Bis(s) zum Kotzen wird die Blutkuh da gemolken, damit die Teenies ihr ergaunertes Taschengeld in den Rachen dieser Kitschindustrie werfen. Die Leidtragenden sind Leute wie ich, die einfach nur einen klassischen Vampirfilm sehen wollen. Einen mit einem Bösewicht, der unglaubliche Macht besitzt und diese zur Unterjochung der Menschheit einzusetzen gedenkt, wobei ihn ein möglichst harter Vampirkiller die ganze Zeit das Leben schwer macht um ihm im großen Finale dann die Grütze aus dem untoten Schädel zu hämmern.

Naja, davon muß man sich wohl verabschieden. Heutzutage werden Vamipstories mit unterschwelligen Moralvorstellungen von Mormonen versehen um die Teenager zur Enthaltsamkeit vor der Ehe zu erziehen. Gibt es irgendetwas Absurderes? Meiner Meinung nach nicht. Der einzige Trost dabei ist, daß es bislang noch keinem gelungen ist, die guten alten Zombies ins pseudoromantische Sülz-Genre zu überführen und zu verweichlichen. Zombies sind der letzte Anker, an welchem das Kreuzfahrtschiff des klassischen Horrors der Sturmflut sinnloser Verweichlichung trotzt und seine Position hält. Bitte lasst die Kette stabil sein!
Abschließend möchte ich hier mal einen endgültigen Lösungsansatz für das sülzige Romantikdilemma des Vampirgenres liefern:

Bis(s) zur Erlösung!



Donnerstag, 6. Januar 2011

DANCING ON YOUR GRAVE

(Motörhead)

Es klingelte soeben an meiner Wohnungstür und ich hatte eine Epiphanie:

HAAAALLLLLLOOOOOO KINDER!!!! Na ei… wer ist denn da?! Naaaaa, wer ist denn da?? Ei, ei, ei… na wer denn da wohl ist?!? Ohhhhhh, ihr erratet es nicht?! Na das ist aber ‚n Ding; ihr kennt mich doch! Ich bins, hallihallo! *wink* *zwinker* *lach* Hmm, nun bin ich aber ein bisschen beleidigt! Wir waren doch früher immer so gute Freunde… ihr und ich! Aber wenn ich euch so anschaue… ihr seid aber ganz schön aaaaaaalt geworden! Ihr seid doch bestimmt schon 30 oder so, stimmt’s? Ohhhh, habt ihr mich etwa ver… ver…. *schnief*… ver… *schluchz* vergessen, liebe Kinder? Das ist aber schade. Aber hey: das können wir ändern! Früher, wisst ihr noch, als ihr noch bei Mammi gewohnt habt… nein, nicht das Studium, NOCH früher… genau, GANZ DAMALS, jetzt haben wirs! Also ganz damals, da haben wir uns fast jede Woche gesehen. Ihr wart zu Hause, an einem Sonnabend Nachmittag und da bin ich mit meinem kunter-bi-ba-bunten Spaßmobil durch eure Straße gefahren. Ei, war das ein Spaß. Damals habe ich diiiiiirekt vor eurer Haustür gaaanz fest auf die Bremse getreten und bin fröhlich lächelnd vom Fahrersitz gesprungen und habe meine groooooße Ding-Dong-Glocke geläutet! Das war ein Spaß! Und ihr seid dann total aufgeregt angerannt gekommen mit euren Eltern und ich habe euch dann jedes Mal mein gaaaaaanzes Eis geschenkt! (Zumindest dachtet ihr das, denn daß eure Eltern das bezahlt haben, das habt ihr beschränkten Blagen ja nicht gerafft damals). Und dann seid ihr wieder ins Haus gegangen mit all dem feinen, feinen Eis und ich bin weiter gefahren zu den nächsten Kindern, denen ich meine ganze Eiscreme schenken konnte. Das war supi-supi toll damals. Ihr hattet immer gaaaanz viel Spaß und ich uuuuunendlich viel Eiscreme und ich hab euren Eltern die Penunzen aus der Tasche gezogen mit der massiv über dem Einkaufspreis rangierenden Zucker-Sahne-Pampe.

Hach, hätte es nicht immer so weiter gehen können? Hätten wir nicht immer Freunde bleiben können? Ihr satt und kugelrund und ich reich wie zwei Donald Trumps? ABER IHR MUßTET ES JA VERSAUEN!!! Kaum seid ihr undankbaren Blagen auch nur annähernd in der Lage Preise zu vergleichen, da rennt ihr schon in den nächstbesten Supermarkt um euch das frostige Hüftgold zu besorgen! Und eure Eltern unterstützen das dann auch noch, weil ihr „Verantwortung“ lernen sollt indem ihr mit eurem eigenen Geld umgeht. Ich bin dann abgemeldet! Wie oft habe ich dann meine groooooße Ding – Dong - Glocke für euch geläutet und keiner von euch kam? Ich habe es genau gesehen wie ihr feist grinsend und an einem fremdgekauften Cornetto kauend hinter den Scheiben eurer verramschten Kinderzimmer gesessen und mit hämisch zugegrinst habt. Eure schokoverschmierten Visagen haben mich verspottet! Ihr kleinen Teufel!!! Und dann, je älter ihr wurdet, umso weniger Eis habt ihr überhaupt gegessen… nicht einmal mehr gegrinst habt ihr, sondern mich ignoriert! MICH IGNORIERT!!!! Ihr faschistoiden Heuchler! Aber euch zahl’ ichs heim, ich kriege euch! Ich lasse mich von euch nicht terrorisieren; ich lasse nicht zu, daß ihr mich einfach so vergesst; nein, ICH NICHT! Nein, ich zahle es euch bis auf Heller und Pfennig heim, was ihr verhunzten Nervensägen mir angetan habt! Ich werde euch schon noch kriegen, KRIEGEN WERDE ICH EUCH! Und so steige ich gleich gaaanz langsam in mein Guidomobil! Ja, ihr habt schon richtig gehört: G-U-I-D-O-M-O-B-I-L! Mein kunter-bi-ba-buntes Spaßmobil musste ich verkaufen, nur weil ihr und eure missratenen Eltern so knauserig wart! Also ich steigen gaaanz langsam in mein Guidomobil und werde dann zu euch kommen. Durch die finstere Nacht werde ich fahren , das Scheinwerferlicht der entgegen kommenden Autos wird sich im irren Blick meiner Augen widerspiegeln; und diesmal werde ich dabei dieses diabolische Grinsen aufgelegt haben.
Könnt ihr es schon spüren wie ich jede Sekunde näher komme? Merkt ihr, wie euch plötzlich kalt wird? Kalt und klamm? Merkt ihr, wie der Raum um euch herum immer mehr zusammen schrumpft? Es gibt kein Entkommen vor mir! Jahaaaa, ich parke meine blaugelbe Scheißkarre leise vor eurer Tür. Diesmal gibt es keine „Ding – Dong – Glocke“ die euch warnt, ohhhh nein, diesmal wird das Unheil vollkommen unvorbereitet über euch herein brechen. Es gibt NICHTS, aber auch GAR NICHTS in dieser gottverlassenen, herunter gekommenen und wertlosen Welt, das euch vor mir schützen könnte. Hört ihr die Schritte draußen im Treppenhaus? Diese schweren Stiefel, die sich mühsam von Stufe zu Stufe schleppen, Schritte, die eure Seelen erbeben lassen vor BLANKEM ENTSETZEN, denn ihr beginnt langsam zu ahnen, was da unaufhaltsam auf euch zurollt! Schwer atmend stehe ich dann vor eurer Tür und dresche voller Vorfreude auf eure lächerliche Plastikklingel ein, die ihr mit einem liebevoll selbst geschriebenen Namensschildchen personalisiert habt um euch aus eurem Versteck zu locken. Ich werde euch bezahlen lassen für all die Sünden, die ihr an mir und meines Gleichen begangen habt; jetzt werdet ihr erfahren, was wahrer HORROR bedeutet! Während ich euren Klingelklopf zum fünften Mal in die Sandsteinwand hämmere, höre ich, wie ihr die Klinke betätigt. Die Stunde der Rache ist gekommen! Wenn ihr nicht mehr zu mir kommen wollt, dann komme ich eben zu euch, ZU EUCH IN DIE WOHNUNG UND LASSE EUCH BEZAHLEN! Hahahahahahaha-haaaaaahahahahahaha-HAAAAAAHAHAHAHAHAHAAAAA!!!!!
Und dann öffnet ihr mir, ihr verfluchten, kleinen Bastarde und ich werde es euch in eure gealterten, bärtigen Visagen bellen, bevor ich euch mit meinem aus Leichentuch geschöpften und über Höllenfeuer getrockneten Vorbestellformular malträtiere:

„Guddn’ Amd! Isch bin dor Eismann von dor Fürma „Bo-Froschd“! Darf üsch ühnen ämoal unvörbündlüsch ainen Gadalog do lossn?!“

*muharrrr-harrr*

Mittwoch, 5. Januar 2011

MÄNNER

(Herbert Grönemeyer)

Mahlzeit!

Soderle! Da nimmt man sich den ganzen Tag vor, wenn man aus dem Büro raus ist, endlich mal wieder was zu bloggen und wenn man dann vorm Rechner sitzt, sind die ganzen schönen Themen, die einem den ganzen tag so durch die Murmel geschwirrt sind wieder weg. Puff! Wie`n Furz im Wind!* Dann fängt man an mehr oder weniger ziellos durchs Internet zu dampern und landet wieder auf dem einen oder anderen Blog, den man sich so leicht süffisant zu kommentieren getraute und BAAAMMMM da ist sie wieder, die Idee! Aber der Reihe nach:

Letzte Woche habe ich im Blog meiner Schwiegermutter eine Diskussion über Männlichkeit im Allgemeinen und die multiplen Absperrvarianten von BHs gestartet. Ja, ich weiß, das klingt ziemlich schräg, ja irgendwie sogar echt meschugge, entspricht aber der Wahrheit (weitestgehend zumindest, der Blog gehört zu 50% auch meiner Freundin… aber das macht die Sache auch nicht gesellschaftsfähiger fürchte ich). Naja, jedenfalls ließ ich mich in meinem Kommentar zu folgender zutiefst feministischer Aussage hinreißen:

„Echte Männer kommen auch mit Rückenverschlüssen zurecht, Vorderverschlüsse sind für Mädchen.“

Hernach veranlasste dies einen anderen Kommentatoren meine Aussage zu hinterfragen und er wortete mir folgendes ant:

„Was bitte ist ein echter Mann????“

Und GENAU AN DIESEM PUNKT habe ich dann meine Idee bekommen, was man denn mal wieder schreiben könnte. Klar, ich könnte es mir einfach machen und einfach sagen: „Typ mit Y-Chromosom, der `nen BH mit Rückenverschluß aufkriegt!“ Aber das würde zu kurz greifen, ja, es würde das Problem geradezu verniedlichen! So einfach ist das nicht mit der Antwort, das ist ja das Problem. Aber da ich mich ja schon vor vielen Monden in meinem alten Blog mit dieser Frage intensivst auseinandergesetzt habe, möchte ich das definitorische Dilemma, in welchem wir uns befinden einmal (Achtung, ich liiiiiiebe dieses Wort: )  autopoietisch lösen. Außerdem kann ich somit ein paar meiner bereits etwas älteren Blogs aus grauer Vorzeit vor der Löschung meines alten Accounts bewahren.

Schauen wir erst einmal nach, was „ein echter Mann“ schon mal NICHT ist! Die ersten schriftlichen Nachweise dafür, daß ich mich mit diesen Studien auseinander setzte datieren vom 23.09.2005. Darf ich vorstellen, mein Posting namens „A Boy named Sue“:

A BOY NAMED SUE

Zum Wohl liebe Netzwerkler! Jaja... der gute alte J. Cash, Gott hab ihn seelig. Einer der GAAAAANNNNZ GROßEN Musiker unserer Zeit war er!!! Außerdem liefert er gleich den Titelsong für unser heutiges Psychogramm einer Weltgesellschaft außer Rand und Band! "A boy named Sue"... wenn es doch nur beim Singular bleiben würde... aber nein, der Trend geht zum Plural... welcher Trend mag nun gefragt werden, nun, ich nenne es beim Namen: Metrosexualität! Bei Metro denke ich persönlich immer erst an die gute, alte U-Bahn! Aber nicht so das durchschnittliche Trendopfer ("Fashionvictim" als Fachbegriff) der kosmetischen Industrie. Gehen wir dem Ganzen mal auf den Grund. Wer ist denn die Ikone dieser Bewegung? Antwort: David Beckham! Ein Engländer (was mich nicht wirklich überrascht), welcher zwar ganz passabel gegen Bälle treten kann, aber sonst eher durch geistige Totalverweigerung glänzt. Ich möchte hier nur an seinen Gala-Auftritt im Eichmann-Portrait-Pullover erinnern... "hat mir ein Fan geschickt, ich weiß nicht wer das ist!" (Beckham, 200x). Schlimm genug, dass die weltweite Männerschaft nix besseres zu tun hat, als in immer größer werdender Anzahl die Badtür vor ihrer Frau abzuriegeln, um sich die Lachfältchen mit Avocado-Creme zuzuspachteln, was die Angebetete BLOß NICHT sehen soll... man will ja trotz der lackierten Nägel noch den Nimbus der Männlichkeit wahren... nein, sie müssen sich auch ausgerechnet Beckham als Vorbild aussuchen! Alles fing mit dem Grundgedanken an, dass der Mann sich doch auch pflegen könne. Gut, soweit geh ich gerne noch mit... das macht Sinn! Prompt fingen die XY-linge an sich zweimal die Woche zu duschen... dan drei...vier... und am Ende täglich! OK, soweit so gut. Das macht durchaus Sinn und findet meine uneingeschränkte Zustimmung. Auch tägliche Rasur (wer mich kennt weiß, dass ich nicht jeden sinnvollen Trend mitmache) hat ihre Vorteile; jedenfalls bis zu einer gewissen Grenze... die liegt irgendwo zwischen Kinn und Adamsapfel. Aber spätestens wenn erwachsene Männer anfangen sich mit einer Gurkenmaske im Gesicht, die Heißwachsrudimente noch am verbliebenen Brusthaar klebend, sich die Beine zu rasieren und anschließend mit gegeelter Tolle in der Dorfdisko versuchen den "Breiten" zu markieren... nein... dann komme ich mal wieder ins Zweifeln! Klar, von mir aus kann jeder mit seinem Körper machen was er will und so oft er will! Manche lassen sich halt Stahlbolzen durch die obskursten Hautpartien treiben, Bilder ihres qualvoll verendeten Nymphensittichs auf die Stirn tätowieren, lassen sich Brandings setzen, ziehen ganze Güterzüge mit ihrem Gebiss über die Schiene, lassen sich an Fleischerhaken aufhängen und nennen das Kunst (sehr beliebtes Hobby bei Spitzenmanagern hab ich mir sagen lassen)... aber diese Leute sind wenigstens authentisch!!!! Ganz ehrlich: ich mag die...  die machen das aus Überzeugung... weil sie Spaß daran haben und nicht weil ein x-beliebiger Engländer das auf den Fussballbühnen der Welt so vorkaspert! Aber nein, da schreibt die "Bild" einmal was vom neuen Trend, und schon ist eine neue Mode - Erscheinung geschaffen, mit der man den besagten Trendlingen die Penunzen aus dem Sparstrumpf leiern kann! Ist es nicht ein Alarmsignal, wenn ein junger Mann zwar 12 Bodylotions am Geschmack erkennen kann, bei der Frage nach der Anzahl der Bundesländer jedoch passen muß?!? Klar, bei Caesar gabs noch Brot und Spiele, das hat dem Römer auch gereicht! Der musste nicht an seinem Teint arbeiten bevor er ins Kolosseum einmarschierte um ein paar Mitmenschen den Schädel zu spalten! Das ging damals überraschender Weise auch TROTZ Mischhaut und Spliss! Heute reicht das nicht mehr... heute muss man die holde Männlichkeit schon mit Lachfältchen und Bortox beschäftigen, damit sie nicht merken wie sie industriell ausgebeutet werden. Männlich ist das nicht gerade... ich würde es eher eine Wohlstandskrankheit nennen! Natürlich, im Vergleich zu Somalia, Afghanistan oder dem Irak haben wir in unserem Wohlstandsländchen keine WIRKLICH ernsten Probleme (Ich meine jetzt ausdrücklich nicht die USA!!!)... nur müssen wir sie uns deswegen denn selber schaffen? Ja man hat langsam der Eindruck, dass es ein Makel ist mit Bartwuchs und behaarten Waden auf die Welt gekommen zu sein! Es scheint so, als wären rosa Seidenhemden das neue Identifikationssymbol der menschlichen Geschlechtsgruppe, die früher Mammuts mit behelfsmäßigen Steinäxten ins Nirvana knüppelten oder im tiefen kanadischen Wald die Ahornbäume zerlegte (nicht selten nur mit  einem Schweizer Taschenmesser und einer Rolle  Klebeband bewaffnet)! Nein, in so einer Welt will ich nicht leben! Eine Welt, in der Männer aussehen wie Frauen und dies ernsthaft damit zu legitimieren versuchen, dass diese das wiederum als Zeichen von Männlichkeit definieren und "voll drauf abgehen"... das ist keine schöne Welt mehr! Nein, das ist weltfremd und kontraevolutionär. Wenn Gott gewollt hätte, dass Männer sich schminken, dann hätte er "aprikot" und "limettengrün" in ihr Farbwahrnehmungsspektrum eingegliedert und nicht nur als "komisches hellgelb" oder "dieser krasse Buntton" in ihr Vokabular integriert! Da der Mensch nicht perfekt ist, sollte er auch dazu stehen. Männer ganz besonders, denn, bei allem gebührenden Respekt liebe Geschlechtsgenossen: unsere Stärken liegen nun mal nicht darin, graziös und elgeant zu erscheinen, wir sind von der Evolution halt eher zum robusten Grobmotoriker ausersehen und WIR SOLLTEN STOLZ DRAUF SEIN anstatt zu versuchen den darwinschen Grundeffekt zu überlisten! ;-) Denn eines ist mal sicher: so kanns nicht weiter gehen! Ich warte nur noch auf den Tag, an dem sich der erste Profiboxer in der Ringpause vom Cutman statt der Platzwundenversorgung der implodierten Augenbraue den Lidstrich nachziehen läßt... dann werde ich jubeln, denn das ist genau DER Tag, an dem ich mein gesamtes Vermögen bei der nächsten "Mister Universum"-Wahl beruhigt auf Uschi Glas setzen kann!!!!


Sind wir nun wirklich schlauer? Hmm… was kein echter Mann ist wäre somit, nennen wir es vorsichtig „umrissen“. Ein paar Hinweise für den „echten“ waren auch schon dabei. Mal sehen, was die Schatulle noch so hergibt… oh ja, noch ne Gegendefinition! Diesmal aber subtiler. Viele vertreten ja die Auffassung, daß James Bond der Fleisch gewordene Beweis für die Überlebensfähigkeit von Testosteron ist. Ich NICHT! Seit Daniel Craig hat der als Beispiel ausgedient… für immer! Es sei denn, Sean Connery machts noch mal, aber das ist wohl Wunschdenken. Hier mal meine Beweisführung vom 27.10.2005, welche den „modernen“ 007 als Trulla entlarvt:
 

ABOUT A GIRL

Frohe Ostern! Der heutige Songtitel (Nirvana) kann zugegebener Maßen leicht irre führen, deshalb muss ich vorerst einmal fest stellen, dass es hier sehr wohl um das geht, was im rein biologischen Sinne als "Mann" bezeichnet wird, aber (und jetzt kommt der eigentliche Punkt) bei einer differenzierten Betrachtung samt Vergleich mit seinen Ahnen, das Mädel schon eher angebracht ist. Ich gebe auch zu, dass ich mit meiner Äußerung zu diesem Thema nicht unbedingt aktuell bin, aber irgendwann muss es mal raus! Es soll heute gehen um Daniel Craig! "Daniel Craig????" hätte man sich vor nem Monat noch gefragt, nun aber, nun weiß man bescheid! Unsinniges Wissen, sicherlich, aber immerhin Wissen! Für all jene, die das ganze Theater hier trotzdem noch nicht einordnen können (man kann es niemandem verdenken, auch ich musste den Namen erneut googeln um sicher zu sein), sei hier noch mal erwähnt, dass besagte Gestalt der "neue" James Bond ist! Ein blondes Bübchen mit Hühnerbrust und einem Allerwelts-Gesicht, was eher schüchtern als bondhaft-promiskoitiv in die Kamera lächelt. Die Suchmaschine liefert euch bei Bedarf die visuelle Bestätigung. Da gabs schon mal einen Briten, zu welchem man respektvoll aufschauen konnte (schicker Anzug, technisches Spielzeug en masse, immer den schneidigsten Flitzer in der Garage und ein Womanizer vor dem Herren) und dann wird das über Jahrzehnte mühsam zusammengeschusterte Bild dieses Filmhelden binnen einer Nachrichtenmeldung auf Spiegel.de komplett demontiert! Man muss sich mal die Vorgänger des Herren Craig ansehen und schwupp-di-wupp wird einem klar, dass bei der Nachfolgerwahl irgend etwas falsch gelaufen ist! Nehmen wir nur den einzig wahren, ich würde sogar so weit gehen zu sagen den EWIGEN, 007: Sean Connery! Ein schottisches Rauhbein, der in der Damenwelt selbst mit Mitte 70 noch nen Eindruck hinterlässt wie ein Elefant im Hochmoor! Schwarze Haare, gar schelmisch grinsend und mit wallendem Brusthaar trat er sämtlichen Erzschurken entgegen und machte selbige in der Endkonsequenz gnadenlos platt! Am Ende dann noch ne holde Maid gefreit und der Agent konnte den Feierabend genießen! Dem Sean nahm man das alles auch bedingungslos ab, bei der neuen Ms. Bond könnte ich mich nicht vom Eindruck befreien, dass man die Komparsinnen mit hinterlistiger Trickserei zum Böndchen ins Bett zerren musste. Oder nehmen wir Roger Moore... so was wie die "1-" am Abzug. Auch dieser hatte außer der formalen "Lizenz zum Töten" auch noch ein gewisses Maß an Ausstrahlung. Beide hätten sich geweigert bei ihrer offiziellen Vorstellung mit einer Schwimmweste vom Marineboot zu steigen! solcherlei Weichei-Gehabe geziemt sich nicht für den Top-Mann des MI6, Connery wäre eher die Themse herauf geschwommen, als sich in erwähnter Rettungskluft chauffieren zu lassen... und selbst dabei hätte er entweder Anzug oder Kilt getragen. Nicht so der David (irgendwie heißen alle Metro's von der Insel "David"... komisch!!), der sitzt seelenruhig auf dem im Sparbetrieb vor sich hin schippernden Kleinkahn und versucht, während er sich panisch am Haltegriff (!!!!) festkrallt, irgendwie cool rüber zu kommen. Misslungen! Dann hat die Pfeife auch nix weiter zu tun, als sich beim ersten Interview gleich mal abschätzig über die geschüttelten Wodka-Martinis zu äußern, nicht daß ich das von der geschmacklichen Seite nciht verstehen könnte, im Gegenteil, aber damit untergräbt der Mensch seinen eigene Autorität als ernst zu nehmender Weltherrschaftsverhinderer in Queen Lisbet's Auftrag! Zudem meinte er, es wäre mal nötig die "weibliche Seite" eines James Bond mehr zu betonen...! Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich hab selbige nie wirklich vermisst! 007 ist nun mal eine Filmfigur, welche sich in erster Linie mit dem Beenden von Biographien und dem Auslösen von jeder Menge Explosionen beschäftigt, dabei immer einen gewissen Stil wahrt und seine Hauptkontrahenten kurz und kompromißlos ins Jenseits befördert (meist noch mit nem lockeren Spruch auf den Lippen). Ich will in keinem Kinosaal sitzen und miterleben müssen, wie Ms. Craig versucht die Probleme mit dem Obergangster auszudiskutieren, während beide in rosa Plüschhausschuhen bei der Maniküre sitzen und nen Cosmopolitan schlürfen. Craig macht auf mich den Eindruck, als würde er bei Verfolgungsjagden blinken! Das sind schon mal ganz schlechte Voraussetzungen finde ich! Es ist ja auch nicht so, als ob man keine vernünftigen Schauspieler zur Verfügung gehabt hätte... im Gegenteil. Selbst Robbie Williams hätte noch meinen Segen gehabt, oder auch Orlando Bloom (dieses dürrwänstige Gestell, was im Allgemeinen als "Legolas" bekannt sein dürfte) wäre besser gewesen. Gut, mit Bloom wäre es wahrscheinlich eher eine Komödie geworden, eine Realsatire oder am Treffendsten eine Groteske zum eigentlichen Gedanken dieser Agenten-Serie, aber es hätte wenigstens Unterhaltungswert gehabt!!! Ich werde den Brosnan vermissen, der Typ war irgendwie lustig und "credible" wie es so schön heißt! Dem hat mans sogar verziehen, dass er mit Sean Bean in "Die Welt ist nicht genug" seinen wohl idealsten Nachfolgeaspiranten vom Empfangsmast einer überdimensionalen Satellitenschüssel schmiß... es war ja sein Job! Aber gut, mal sehen wie sich der Vogel anstellt im ersten Film, vielleicht nimmt er bis dato noch ein paar Hormone, färbt sich die Haare und legt sich Charisma zu. Aber irgendwie passt es halt schon, dass sein erster Film ausgerechnet ein "Remake" eines alten Streifens ist. "Remake" klingt ja schon wie "triste Einfallslosigkeit, die in einem Aufguss eines Klassikers gipfelt, welcher dann aber an dien Kinokassen sogar gegen einen Film mit Stephen Seagal brutal abkackt"! Wenn alles gut läuft, sind wir den nach ein, zwei Streifen schon wieder los und alles wird wieder gut... auch wenn es schon eines Comebacks von Sean Connery bedürfte um den Imageschaden wieder auszubügeln, den der Kerl bereits jetzt verursacht hat. Wenn es allerdings wirklich soweit kommen sollte, dann hätte sich dieser Fehlgriff, welchen der Produzent (ob nun auf der ominösen Besetzungscouch oder nicht sei mal dahin gestellt) tätigte, doch irgendwie gelohnt!

So, herrscht jetzt mehr Klarheit? Nein? Banausen ihr! Was soll ich denn noch tun um euch zu verdeutlichen, was einen „echten Mann“ so auszeichnet?!? So langsam geht mir die Munition aus, aber halt… ein Ass habe ich dann doch noch im Ärmel. Am 10.07.2009 lieferte ich unter dem Titel „Tales from the Forest of Gnomes“ so eine Art Männer-Knigge ab. Wenn danach nicht klar ist, was „echte Männer“ ausmacht, dann kann ich euch auch nicht mehr helfen. Also, Anschauungsunterricht zum „Verhaltenskodex wahrer Männer“:

TALES FROM THE FOREST OF GNOMES

Tief in den finsteren Wäldern wuchert so mach seltsam` Kraut! Und so mache Magd, in der Früh` vom Knecht zum Wasser holen an den Brunnen geschickt, fand ihr End` in der dunklen Wildnis! Jenseits der Stadtgrenzen wuchert das das Grauen, jenseits der Landesgrenzen gar noch schlimmeres Geäst! Und hinter diesem verbirgt sich nicht selten noch Schlimmeres, liebe Leut'! So nehmet` euch in Acht, wenn eure Haut euch lieb ist!

Lasset mich euch eine Geschichte erzählen; eine Geschichte voller Mysterien und geradezu beltzebub'scher Doppelzüngigkeit, aufdaß auch ihr zukünftig erkennet den schmalen Grat, welcher gar` köstlich Speis` vom Mordbub' trennet.

So begab es sich, daß ich dereinst durch die Wälder wandelte. Mannigfaltig Abenteuer überstehend, welche ich dank der Schärfe meines gar vortrefflich geschmiedeten Schwertes und nicht zuletzt Gottes Gunst, welche mir die Hand bei jedem Streich gegen die Unholde, Raubritter und Tagedieb` am Wegesrand führte, lebend überstand, gelangte ich auf krummen wegen ins Badenland. Im fernen Badenlande, so wisset meine Freunde, da gehen gar` seltsam Dinge vor, denen sich ein jeder Wanderer zu stellen hat. Mut`gen Herzens und die die Klinge halb gezückt trat sich dann auch ein in jene Wildnis, welche dem schwarzen Walde vorgelagert scheinet. Vernehmet' also meinen Bericht und staunet, Burschen!

In tiefster Nacht, meine Füße schmerzten und mein Geist war von Müdigkeit geplagt, gelangte ich an eine einsame Hütte. Auf mein Begehr` um Einlass hin öffnete mir eine holde Maid die Pforte und bot mir Speis und Trank sowie ein gar vortrefflich' Lager für die Nacht. Dankend nahm ich jene Geste des Großmutes an. Am Ofenfeuer berichtete mir die Maid dann von einem Wunderbrei, welchen nur sie zuzubereiten verstünde, dessen Name allerdings nicht ausgesprochen werden dürfe. Von Neugier geplagt bat ich sie, mir von dieser Köstlichkeit einen bescheidenen Happen zuzubereiten, freudig stimmte sie zu. Wie es der Zufall wollte, stand auf dem Herd noch ein köstlich dampfendes Geschirre an dessen erquickend` Inhalt ich mich zu laben getraute. Als der Topf gelehrt und mein Bauch gefüllt war, sprach ich:
"Holde Maid, zu kochen verstehet ihr für wahr! Nie aß ich solch wundersam' Dinge wie bei euch. Gänzlich unbekannt erscheinet es mir, was soeben meinen Gaumen erfreute!! Dabei kostete ich bereits von fast jeder Kreatur der Wiesen und der Wälder, nicht zu vergessen von jenem Wesen der Meere und Lüfte, aber solch seltsam Labsal genoß ich bis heut` noch nie! So verratet mir noch bitte, auf welchen Namen diese Kostbarkeit hört, damit ich die Kunde in die Welt hinaus tragen und ihren Ruhm verbreiten kann!"
Da blickte die Maid verschreckt auf und wortete ant: "Gern würd' ich, oh Wandersmann, aber es ist uns bei Todesstrafe untersagt auszusprechen jenes schändlich Wort." verstohlen flüsterte sie mir ins Ohr: "So ich den Namen nenne, rufe ich unversehens den finstersten Schrecken der Wälder herbei, welcher unglückseliger Weise den selben Namen trägt wie dieser gar himmlische Magenfüller. Ihn herauf zu beschwören wäre unser Tod, oh Pilger aus fernen Landen! Also schweiget, aufdaß der Troll des Grauens nicht erwachet aus seiner Modergruft und kommet um uns zu holen! Zu viele hat er schon dahingemetzelt ohn' Unterlass und Verstand!" Vom Heldenmut gepackt sprang ich auf, zog Dolch und Klinge aus dem Waffengurt und rief lauthals jenes Verhängnis aus dem Forste an, dessen Namen mir wohl bekannt war, sich mir zu stellen!

Unversehend verfinsterte sich die Nacht und die Kerzen erloschen. Ein tiefes Grollen erhob sich über die Wipfel und näherte sich mit bedrohlichem Schritt! Die quietschend Rüstung stolz am Leibe tragend harrte ich dem Unheil, welches unabwendbar nahte. Rot glühend trat es sodann aus dem Schatten des Waldes, jenes götzengleiche Monstrum! Ein finsterer Waldestroll, so groß wie drei Männer hoch sind, so stark wie mindestens 5 Stiere, so schwer wie 12 dicke Mönche und dennoch flink und wendig wie ein Wiesel! Die Haut verhornt, sodaß keines Sterblichen Pfeil sie zu durchdringen vermochte! Die wohl gut anderthalb Ellen langen Fangzähne in meine Richtung bleckend. Auf seinem Haupte ragten 2 diabolisch gespitzte Hörner in den Himmel und weder Schopf noch der Rest des höllenhaften Gesellen hatte wohl während der letzten drei dutzend Dekaden der Seife wohlig Essenzen verspüret! Es roch nach Hölle und Verderben nach Schwefel und Atheismus! Als es zu mir sprach, bemerkte ich die Schädel jener unglückseligen Bauersleut und Knechte, welche es sich als Zeichen seiner Gottlosigkeit in den dichten, strähnigen Bart geflochten hatte, nachdem jene ihm als grausig' Mahl gedient hatten! Die Gebeine wackelten und klapperten gar grausig bei jedem Wort im fettverklebten Bartkleid. Es sprach zu mir folgende Worte: "Du gedenkst dich mir zu stellen?! Du Wurm! Ich bin so groß wie drei Männer hoch sind, so stark wie mindestens 5 Mönche, so schwer wie 12 dicke Wiesel. Du Winzling forderst mich heraus? Nundenn, so sei es!" Während es die mächtige, schartige Streitaxt teuflisch durch die Lüfte schwang und seine schwarze Lederkluft dabei bedrohlich knarzte schleuderte ich ihm noch ein giftiges "Wohlan, oh strohdummer Unhold, begegne deinem Meister!" entgegen, bevor Axt und Klinge sich in einem Regen gelber Funken das erste Mal mit apokalypischem Dröhnen kreuzten!

Ganze vier Tage und siebenundzwanzig Nächte kämpften wir ohn` Unterlass und Pause in den Tiefen der badischen Märchewälder gegeneinander, wo Tag und Nacht keine Bedeutung haben und die Zeit verschwindet zwischen Stamm und Borke. Streich um Streich fügte ich dem Burschen klaffende Wunden bei, aber zu besiegen vermochte ich ihn nicht! Schließlich traf einer meiner Hiebe, kraftvoll geführt von kompromissloser Hand, das Monster am vernarbten Schädel, trennte eines der teuflischen Hörner ab und streckte es nieder! Wild sprudelten Fontänen schwarzen Blutes aus dem frisch erschaffenen Stumpfe und entweihten den Boden auf dem ich stand, schändeten die Luft die ich zu atmen gezwungen war! Ein Gestank erhob sich, wie ihn keine Menschenseel' gekannt und keine Nase je zu riechen vermocht hatte. Ich holte unverzagt mit gar wuchtiger Gewalt zum Todesstoße aus und trennte mit einem unverzagtem Streich des gloreichen Mutes dem Troll den Schädel vom Rumpfe ab! Ich hatte ihn besiegt, den sagenumwobenen, gefürchteten und finsteren BULGUR von BADEN!!!!


So, und alle, die jetzt immer noch nicht schlauer sind oder mir sogar widersprechen:

MÖGE SIE












EUCH HOLEN!

;-)



* Aus Stephen Kings „Shawshank Redemption“… man sieht, ich bin belesen!