Donnerstag, 3. Juli 2014

RELEASE–Pearl Jam im Stadio San Siro zu Mailand; 20.06.2014

 

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Ich hatte es euch ja bereits angedroht, daß es in den folgenden Tagen (und wahrscheinlich auch Wochen) noch ein paar Postings zum Pearl Jam – Urlaub 2014 geben wird. Beginnen wir – um es gleich mal klar zu stellen – mit dem absolut BESTEN von drei unglaublich guten Konzerten: Dem 20. Juni 2014 – An Evening with Pearl Jam im ausverkauften San Siro Stadion zu Mailand!

Zu Mailand wird es sicherlich auch noch etwas zu berichten geben, immerhin war es das diesjährige Hauptziel meines/unseres Musik-Travelling-Urlaubs. Aber genug gelabert, jetzt endlich her mit dem Konzertbericht… here… we… GO!

Es gibt so Tage – wenn ihr Glück habt, dann kennt ihr das auch – die sind einfach nur perfekt! Objektiv gesehen vielleicht nicht zu 100% perfekt (was ja “perfekt” eigentlich erst definiert), aber selbst die schief laufenden Sachen entpuppen sich unterm Strich dann als recht amüsant und als schöne Geschichte, die man erlebt und später einmal zu erzählen hat. Ein solcher Tag war eben jener 20. Juni. Viele werden mir da widersprechen, was OK ist, aber für mich persönlich war es das bisher großartigste Pearl Jam Konzert meiner Laufbahn. Es gab viele Dinge, die dazu beitrugen. Zunächst waren die Grundvoraussetzungen schon mal perfekt. Nach Berlin-Düsseldorf-Rotterdam-Berlin-Nijmegen-Berlin-Prag-Berlin-Stockholm sollte DAS mein 10. Konzert der Jungs werden. Im Nachhinein hätte es schier keinen angemesseneren Ort dafür geben können; höchstens die Wuhlheide wäre vielleicht noch eine akzeptable Alternative gewesen. Aber seitdem ich meine Karte geschossen hatte freute ich mich wie Bolle auf diesen Abend. Das hat natürlich mit Pearl Jam zu tun gehabt, aber auch mit meiner Rückkehr nach Italien (ich mag das Land einfach) und der Aussicht, im legendären San Siro Stadion ein Konzert meiner Lieblingsband erleben zu dürfen. Als AC Milan Sympathisant (“Fan” wäre übertrieben – den Part nimmt die Kleine Schwester ein) fand ich auch das einfach großartig. Die Vorfreude steigerte sich also mit jedem Tag, den das Konzert näher rückte. Und als wir dann in Milano angekommen waren und sich an den Tagen vor der Show die Stadt mehr und mehr mit Pearl Jam Fans füllte, da war dann das Adrenalinlevel am Anschlag. Was freute ich mich auf diesen Abend!

Die Kleine Schwester begleitete mich zwar im Urlaub, nahm aber selber nur Trieste und Berlin mit – was ich etwas schade fand. Zum Stadion begleitete sie mich dennoch, wofür ich aus orientierungstechnischen Gründen recht dankbar bin. Zumal wir ja noch einen Termin vor Konzertbeginn hatten, den ich auf keinen Fall verpassen durfte. Wir trafen uns mit der Spenderin meines Ten-Club-Tickets. Da es bei Bekanntwerden der Tour terminlich gewissen Engpässe gab konnte ich nämlich im Vorverkauf nicht rechtzeitig zuschlagen; in der Ten-Club-Ticketlottery für die begehrten Fanclubkarten ging ich im Vorfeld (bis auf Berlin) auch leider leer aus. Es war also sehr viel Glück dabei, daß ich über mein Forum dann doch noch an ein solches VIP-Ticket kam. Via E-Mail und schließlich auch SMS verabredeten wir uns mit N. in einer Bar in Stadionnähe und taten so kurz nach 14 Uhr erst einmal das, was man in Italien nun einmal so macht, wenn man Zeit rum kriegen will oder sich eben möglichst relaxt auf einen großartigen Tag einstimmen will: Ein gepflegtes (und sehr gutes) Käffchen im Sonnenschein genießen und gemeinsam eine 2 Liter Flasche Aqua leeren. Recht entspannt brachen wir dann zum Stadion auf, wobei wir scheinbar den Hintereingang wählten, denn wir schritten leere Straßen entlang bis wir dann plötzlich auf dem arg belebten Vorplatz vom Stadion standen. Praktischer Weise auch gleich am Fan-Club-Ticket Schalter. Die erste, bei den Shows mit 10C-Karten fast immer ausgiebig zelebrierte Amtshandlung bestand dann darin, daß wir die von N. abgeholten 10C-Bändchen andächtig um unsere Handgelenke legten. Es ist soooo toll, an solchen Abenden privilegiert zu sein! Smiley

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“Privilegiert?” Oh ja, denn mit den Bändchen ist Early Entry ins Stadion verbunden. Man kommt ein halbes Stündchen vor dem Otto-Normal-Konzertgänger in das Stadion hinein und hat da den unschätzbaren Vorteil, daß man mit den Bändchen in den abgesperrten Front-Of-Stage-Bereich Einlass findet – garantiert! Heißt: Man ist auf jeden Fall ganz vorne dabei. In einer Riesenschüssel wie dem San Siro ist das einfach mal Gold wert. Als wir dann drin waren, dann griff zunächst die übliche Routine: Merchstand-Bierchen! Wobei letzteres von uns ein wenig verschoben wurde, waren wir doch vom Barbesucht mit der riesen Wasserflasche noch recht gut versorgt. Das Merch sah einfach toll aus bei dieser Tour, ich erstand zunächst “nur” das exklusive Eventshirt und spontan noch einen Button für meinen hitzebedingt am Vorvortag erstandenen Hut.

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Da es Buttons gab entschied ich mich, wie ihr oben sehen könnt, das einfach die Tour über durch zu ziehen und meinen Hut zu meinem “Tour-Hut” zu machen. Eine überaus weise Entscheidung wie sich noch heraus stellen sollte. Da wir beide keine Lust hatten das ganze Konzert über mit einer Posterrolle in der Crowd zu stehen, pokerten wir dreist darauf, daß wir nach dem Konzert schon noch irgendwie eines der Poster ergattern würden; zur Not im Sale über der TenClub. Nachdem wir uns nach erfolgreicher Merchandise-Jagd bestens versorgt sahen fürs Erste genossen wir erst einmal das Stadion und die Atmosphäre in selbigem. Ich war ja nun schon im ausverkauften Berliner Olympiastadion mit einer Bruce-Springsteen-Crowd und fand das toll, aber das San Siro… das ist nochmal ne ganze Ecke verschärfter! Durch die steileren Tribünen wirkt das viel geschlossener; viel intensiver. Später am Abend sollten wir noch so RICHTIG mit Gänsehaut versorgt werden dadurch. Doch dazu gleich mehr.

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Wie bereits im letzten Posting erwähnt, verbrachten wir ohne dies groß zu thematisieren das ganze Konzert zusammen, was irgendwie ziemlich cool ist, wenn man bedenkt, daß wir uns erst drei Stunden vorher getroffen hatten und bisher meine Ticket-Deals (was vollkommen OK ist), immer knapp über die Bühne gingen bevor jeder wieder seiner Wege rockte. Wir fachsimpelten – oder “nerdeten” - also vor Konzertbeginn erst einmal ausführlich über Pearl Jam und widerstanden dem mehrmals vorbei kommenden Bierläufer. Überhaupt: Was die Italiener da so in Bauchläden durchs Stadion schleppen lassen – ein Wahnsinn! Bier, Hotdogs – so weit so gut, das kennt man auch von uns. Aber als dann einer mit Zigaretten durch kam, da horchte man schon erstmals auf. Aber das war ja noch nicht alles: Die Krönung war, als da einer mit einer Monsterpalette Zuckerwatte durch den Front-Of-Stage-Bereich eierte! Was ich nur jedem raten kann, der in Stiefelland ein Konzert besucht: Haltet euch an die festen Stände; da werdet ihr wenigstens regulär beschissen! Als wir uns dann nämlich – ironischer Weise mit der Begrünung “Jetzt haben wir ihn so oft weg geschickt, jetzt ist es nur fair unser erstes Bier auch bei ihm zu kaufen – dazu entschieden ihm ein Heinecken ab zu nehmen, wurden wir vom mobilen Italo-Bierträger erst einmal über den Tisch gezogen – zwar ausgenommen charmant, aber immer noch über den Tisch gezogen. Zwinkerndes Smiley Wir ließen es auf sich beruhen und genossen dann jeder unser eiskaltes (das muß man dem Bierläufer lassen) 7,50€ Heinecken Bierchen (0,33er Plasteflasche… nicht daß ihr hier jetzt ne ordentliche Portion vermutet). Jedenfalls hatte N. dann eine der mit Abstand besten Ideen dieses Abends: “Laß uns schon mal in den FOS gehen, mal schauen was da so los ist bisher.” Wir zeigten also brav unsere Bändchen vor am Einlaß und passierten die Absperrung. Warum wir so früh da waren? Nun, im Vorfeld wurde durch die Band angekündigt, daß vor dem Konzert das Vorrundenspiel der Italiener auf den Leinwänden neben der Bühne übertragen werden würde. Wir sollten also in den Genuß eines Public Viewings eines WM-Spiels der Italiener kommen; und das auch noch im San Siro! Da die Leinwände nunmal an der Bühne angebracht waren, machte es durchaus Sinn sich schon in den FOS zu begeben. Wir liefen in aller Ruhe auf Stones Seite entlang und stoppten dann gute 10 Meter von der Bühne entfernt. Das Stadion war mittlerweile schon reichlich halb voll; wohl alle in Erwartung der Live-Übertragung. Kurz darauf flimmerte die Vorberichterstattung über den Screen und die taktischen Aufstellungen wurden präsentiert.

JEDOCH ging plötzlich ein Raunen durch das Publikum; was sich immer mehr zu einem Jubel auswuchs. Blick auf die Bühne: Ein Mensch im Italientrikot kam mit einer Gitarre in der Hand auf die Bühne geschlurft. Könnte es denn sein… Eddie?!? HOLY FU*@/&ING SHIT!!! EDDIE!!!! Kurz vor Anpfiff des Spiels kam er mit seiner Akustikklampfe auf die Bühne und testete mal an, was denn wohl für die Stiefelländer interessanter sei: Das Länderspiel gegen Costa Rica oder ein geschmeidiges Pre-Set von ihm! Was ne dämliche Frage: PRE-SET!!!!! Die Menge drängte nach vorne und jeder, der erst später ins Stadion kam, dürfte sich ob seiner Säumigkeit in den Arsch gebissen haben! Da war dann auch – noch bevor er begann – die erste akustische Gänsehaut angesagt. Das Stadion war erst reichlich zur Hälfte gefüllt, aber wenn man da unten auf dem Rasen des San Siro steht, direkt vor der Bühne und mitten im Stadion und dann fangen geschätzte 35000 – 40000 Menschen an zu jubeln… DER HAMMER!!! Da bekommt man erst einmal einen Eindruck davon, wie es den Fußballern gehen muß, die vor ausverkaufter Hütte da antreten dürfen.

Eddie Preset

Eddie ließ sich auch nicht lange bitten sondern legte los. “Porch” als Akustikversion im weiten Rund; mal antesten, was der Abend noch so bringen würde. Die komplette Verdatterung um mich herum (und auch meine) wichen so langsam purer Freude. Das WM-Spiel war vergessen noch bevor es angepfiffen war. Pre-Set Alter, wie geil ist das denn?!? Die Dinger sind so selten eingestreut… damit rechnet kein Mensch wenn er da auf dem Konzert steht und geflissentlich sein Wucherbier vertilgt! Jedenfalls war das eine sehr, sehr feine Version und folgendes Video vermittelt euch schon mal ein bissel nen Eindruck von der Gesangsstärke eines gut halb vollen San Siro Stadions:

Der Wahnsinn! So schnell wie er erschienen war, so fix war er dann auch schon wieder weg. Gut 3 Stunden vor “Anpfiff” der Show überließ der gute Herr Vedder uns alle wieder dem Fußballspiel und dem “Ätsch!”, das wir den zu spät Kommenden implizit entgegen rufen konnten. Ja, man stand schon massiv geflasht da in seinem Innenraum – was bitte war denn das jetzt?! Wir halten also fest: 10. Pearl Jam Show, erstes Pre-Set! Smiley mit geöffnetem Mund Hammer! N. und ich setzten uns erst mal auf den Hallenboden – den Bildschirm immer im Blick – und verfolgten die am Ende leider recht fruchtlosen Versuche der Italiener den Costa Ricanern fußballerisch bei zu kommen. Zur Halbzeit stürzte ich mich dann erst einmal in den Kampf um die Dixies und beglich meine Bierschuld vom Abzockheini, indem ich (nun aber am regulären Stand) die zweite Runde organisierte. Dabei fiel dann im Übrigen auch das Tor für die Reichküster; bezaubernder Weise genau in dem Moment, wo ich der Verkäuferin das Geld in die Hand drückte, was sie dann mit einem “OHHH NOOOOO!!! FUCK, FUCK, FUCK!!!!!” quittierte. Ich war erst irritiert, nach einem Blick auf die Leinwand lag mir aber ähnliches auf der Zunge. Nach Abpfiff hatten wir ein wenig befürchtet, daß die Niederlage die Stimmung im San Siro dann doch ein wenig drücken würde – was sie aber Gott sei Dank nicht tat. Man lungerte halt noch eine gute Stunde im sich nun merklich füllenden Stadion herum. Meine Lieblingsbeschäftigung in diesen Minuten war übrigens das Drehen um die Eigene Achse (in angemessener Geschwindigkeit natürlich). Das Stadion ist wirklich beeindruckend! Wenn es voll ist noch mehr als so schon. Es ist keine dieser funkelnden Multifunktionsspielstätten, sondern im Grunde genommen ein ziemlich kompakter Betonklotz der alten Schule. Allerdings die Art Betonklotz, wie ihn nur ein Italiener hin stellen kann. Ein Betonklotz mit Stil – und Eleganz (beim Hinausgehen die Massen sich die Spiralgänge herunter schlängeln zu sehen… Träumchen!). Die Italiener bei uns im FOS, ja, von denen gab es auch den einen oder anderen, hatten dann noch eine kleine Überraschung zur Wartezeitverkürzung parat. Gab ein sehr, sehr schönes Bild ab, ein paar Minuten lang diese Ballons über der Menge tanzen zu sehen.

Ballons

Nun, da wir endlich kurz vor dem Beginn des Konzertes stehen (HA! Ist kaum aufgefallen mein ganzes substanzloses Gelaber bisher, oder?!? Zwinkerndes Smiley), so wollen wir nochmals inne halten, liebe Gemeinde. Wir wollen uns derer Blogeinträge erinnern, die bereits vergangen sind und ihrer gedenken, denn sie werden so nie wieder geschrieben werden müssen! Worauf ich hinaus will? Na, ganz einfach: HIER schrieb ich folgendes persönliches Tourziel nieder; ich zitiere:

“1. Es wäre an der Zeit, mich endlich von meinem “Release”-Trauma zu erlösen. Statistisch gesehen der “häufigste” Opener, aber bei meinen Konzerten noch nie dabei. Dabei ist der Song sooooooooo schön, soooooooooooo großartig!!! Also bitte Jungs, faßt euch ein Herz! Perfekt wäre übrigens Mailand – nur mal so.”

Zitat Ende! Ich kann mich an die 9 Konzerte davor erinnern. Vor jedem – ich wiederhole: JE-DEM einzelnen Gig hoffte ich darauf, daß sie die Show endlich mal mit Release eröffnen würden! Das taten sie nie, was ja in dem Moment auch nie wirklich ein Problem war, denn die Alternativen waren hochkarätig! Allerdings fehlt mit über 8 Jahre hinweg immer irgendwie etwas; die vergebliche Jagd nach “Release” wurde schon so eine Art Running Gag in meinem PJ-affinen Umfeld. Für diese Tour hatte ich nun aber wirklich Hoffnung; wenn nicht bei der 10. Show, so sollte es doch wenigstens in der Wuhlheide kommen, wo ich das Dutzend voll machte. Trieste wäre mir zur Not auch recht gewesen, allerdings mit Tribünenkarten… naja, lieber mitten drin! Zwinkerndes Smiley Ich hab das an jenem Tag auch jedem der es hören (oder auch nicht hören) wollte mehrmals unter die Nase gerieben, daß das sooo perfekt wäre, wenn sie heute mit “Release” eröffen würden – ich glaube ich bin damit vielen Menschen auch ziemlich auf den Sack gegangen! Jedenfalls stand ich da dann im Innenraum, auf mich dröhnte das Stadion akustisch von allen Seiten ein und ich war wieder in meiner anderen Welt. Da es auf der 2014er Tour kein Intro gab, reagierte das San Siro dann irgend wann auf die anspringenden Bildschirme. Diese zeigten in schwarz-weiß die Bühne und die Band, wie sie sich entspannt auf selbige begab und zu den Instrumenten griff. Das Stadion sprang sofort an und ich sah mal wieder das Pearl-Jam-Phänomen um mich herum: Überall glückliche Menschen! Das Witzige in diesem Moment war, daß ich nicht im Entferntesten daran dachte, was denn nun der Opener sei wird. Es war mir einfach klar!

Ich kriege jetzt noch Gänsehaut, wenn ich das Video anschaue!!! Zumal der Filmende direkt vor uns gestanden haben muß – der Typ, der am Anfang links das Basketball-Trikot hoch hielt, der tat das nämlich auch. Der Abend ging schon mal so los, wie es meinerseits nur als “perfekt” zu beschreiben ist. Man glaubt ja nicht dran, man zweifelt ja die ganze Zeit an dem, was man sich da ausgemalt hat. Aber wenn dann plötzlich tatsächlich, live, in Farbe und so ganz in echt das großartige “Release” durch das Stadion wabert, dann schwebt man einfach nur noch laut mitsingend und mit empor gerissenen Armen in den Abend hinein und weiß: “Was jetzt noch kommt, das ist alles Zugabe”! Das war der perfekte Start in dieses Konzert, am perfekten Tag dafür in der perfekten Location! Ganz großes Kino!!!

Und die besagten “Zugaben” für diesen Abend waren auch allererste Sahne. Nachdem “Release” – ich kann es gar nicht oft genug sagen: RELEASERELEASERELEASERELEAAAAAAAAAASE!!!!! – das Mainset eröffnet hatte, wurde mit “Nothingman” gleich die zweite höchst selten ausgepackte, aber großartige Low-Tempo-Nummer ausgepackt. Was für eine Eröffnung Leute! Nothingman ist auch einer meiner All-Time-Favorites aus der ruhigeren Song-Fraktion der Jungs. Als dann “Sirens” einsetzte, da hatte die Freude erst gar keine Chance zum Abebben. Das ist nach dem genialen Pendulum die beste langsame Nummer auf der “Lightning Bolt”. Nachdem ich (wie üblich9, zunächst ein paar Probleme mit dem Song hatte, ging er nach einer Woche Hören dann plötzlich durch die Decke – ich hatte mich auf dieses Stück live mal so richtig gefreut! Die Jungs ließen mich an dem Tag einfach nicht lange warten – Pre-Set zur Wartezeitüberbrückung, dann “RELEASE” als Opener der ersten “meiner” Shows und dann Sirens so früh im Set. Mit der nächsten Nummer hat dann so früh keiner gerechnet – ist sie doch normaler Weise wesentlich später am Abend untergebracht: “Black”! “Black” ist so ziemlich die Pearl Jam Ballade schlechthin. Auch an nur halbwegs guten Tagen killt dieser Song emotional einfach alles was man bis dato von anderen Bands gehört hat und man steht nur noch mit offenem Mund und Pippi inne Augen in der Menge! Wie gesagt: “halbwegs gute Tage”, Mailand war kein “halbwegs guter Tag”, Mailand war in jeglicher Hinsicht am Anschlag!

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Auch wenn es im Stadion noch relativ hell war – dieser Song und diese Lichtshow zündeten vollends! Vier langsame Songs zum Einstieg – ein Hineingleiten in das Konzert mit ganz, ganz großen Momenten war das. Diesen Stark hätte keiner erwartet, aber er funktionierte wieder einmal perfekt. Was dieses Quartett aber auch recht gut schaffte, war, daß es weiterhin Spannung aufbaute; und das wußten die Jungs nur zu genau. Es braucht dann nicht viel um diese Spannung zum detonieren zu bringen. Im San Siro reichte ein Funken namens “Go”! Nicht nur man selbst sprang bei den ersten Takten reflexartig in die Luft, auch um einen herum gingen die Leute plötzlich steil. Wie auf Kommando wurde aus der verträumt vor sich hin singenden, sich von “Release” (Leute: “RE-LEASE!!!”) bis “Black” langsam hin und her wiegenden Masse von 66.000 Menschen ein brodelnder, springender Kessel. Das San Siro bebte! Naturgemäß sortiert sich in solchen Momenten auch das Publikum ein wenig. Nachdem wir kurz von ein paar deutlich angetrunkenen Engländern ein wenig zu hart angepogt wurden, sodaß selbst ich Probleme hatte mich halbwegs auf den Beinen zu halten, merkten die recht schnell, daß sie lieber drei Reihen weiter vor in den Pit verschwinden sollten. So war nach der Hälfte von “Go” schon wieder nur vertretbarer, weil gesundheitsschonender Körperkontakt mit schwitzenden, springenden Fremden angesagt – und das sollte auch bis zum Ende des Konzertes so bleiben. Dieser FOS war einfach perfekt. Man hatte angenehm Platz um sich herum um zu springen, zu tanzen und abzugehen, aber es war auch wieder nicht zu viel Platz. Wirklich eine runde Sache das Ganze und meine Befürchtungen über italienische Moshpits aus dem Vorfeld wurden komplett entkräftet. Die Band legte den Schalter gar nicht erst wieder um und semmelte uns ein frühen “Do the Evolution” und das intensiv mitgeschriene “Corduroy” um die Ohren. Dieses Duo ging dann in “Lightning Bolt” über. Der Titelsong des "neuen” Albums und auf diesem ehrlich gesagt eher eine unscheinbare Nummer. Allerdings sind Pearl Jam ein Live-Band, die sich irgendwie instinktiv ihre Songs auch so schreibt, daß sie vor allem live zünden; “Lighting Bolt” tat das auch – und wie! Eine tolle Version, zumal sie die Massen im Stadion in Schwung hielt und man sich permanent mitten in einem enorm lauten Chor wähnte (der “Hallelujah” – Chor bei DTE war in diesem Setting einfach mal der absolute Gänsehautgarant). Das hingerotzte, nach vorn stürmende “Mind your Manners” setzte diesem Austob-Part dann nochmal die punkige Krone auf. Auch hier war alleine der Refrain ein Erlebnis im Innenraum. Jetzt, da wir alle gut durchgeschüttelt, verschwitzt und mit angeschlagenen Stimmbändern vor ihnen Standen, da packten Pearl Jam ein Mal ganz ganz tief in die Raritätenkiste; rührten ein Mal kräftig um und zauberten “Pilate” heraus. Ja, “PILATE”! Das konnte doch keiner wissen, sonst hätte ich mich doch schick gemacht… die Herren! Dicker Haken an diesen Song in der persönlichen Statistik; auch wenn selbiger Haken vorher nicht für möglich gehalten war. Auch hier zeigte sich, daß das die Italiener diese Band einfach mal lieben – auch bei solchen seltenen Gästen auf der Setlist herrschte Textsicherheit und jede Menge Stimmung im weiten Rund. Kein Abflauen, NIX, alle schienen einfach nur glücklich zu sein, daß sie hier dabei sein dürfen. Der Seltenheitscharakter wurde dann fort geführt mit einem meiner absoluten Lieblingsdoppelschläge: “Untitled” & “MFC”. Fast immer zusammen gespielt sind die beiden Songs einfach nur ein wunderschönes Duo, was jede Setlist ziert. Einen Tick druckvoller gespielt als damals in Berlin, wohl auch dem ganzen Drive des Abends zu verdanken. Bemerkenswert; zumal es die Anwesenden in jene gute-Laune-Stimmung versetzte die für die Live-Granate im Anschluß die perfekte Vorbereitung darstellte – für das mächtige “Given to Fly”. Für mich ist dieser Song DER Beweis schlechthin, daß Pearl Jam eine unglaublich gute Liveband sind. Was sie aus dem Lied immer wieder machen, was sie da heraus holen und wie sie es ausufern lassen können – das ist schon Wahnsinn! Es ist sehr oft auf ihren Setlists, aber auch aus Gründen! Wer so einen Song im Repertoire hat, der soll ihn verdammt nochmal auch spielen. Gas war wieder einmal ganz großer Sport… und zwar auch deshalb, weil der Herr Vedder es doch tatsächlich schaffte, den Text der ersten Strophe zu vergessen. Aber halb so schlimm… Mailand half da gerne aus und am Ende wurde eine richtig tolle Version daraus. Als alle noch leicht amüsiert über Eddies Fauxpas schmunzelten, da traf uns schon der nächste Hammer. Das wunderbare “Who You Are” wurde eingestimmt!!!! Momentchen… ich gehe nochmal in meinen Pre-Tour-Posting:

“2. Mir fehlen noch 6 Songs von meinem Lieblingsalbum, der No Code, in der Statistik. Ich weiß, daß ihr diese Songs kaum bis gar nicht spielt, wie ihr das ganze Album aus unerfindlichen Gründen eher ignoriert auf den Setlists. Jedoch wäre ich euch sehr verbunden, wenn da ein oder zwei Songs am 27. Juni mit einem Häkchen versehen wären bei mir.”

*Check* – “Who you Are”! Smiley mit geöffnetem Mund Einer meiner Lieblingssongs überhaupt und er brach derart überraschend über uns herein, daß man nur da stehen und sich verblüfft über die sich weiter steigernde Großartigkeit dieses Abends freuen konnte! Ich schwebte förmlich durch diesen Song. Da fing es an, daß ich absolut keine Orientierung mehr hatte, wo im Set wir ungefähr waren. Ich ließ einfach nur noch Song um Song auf mich einströmen und Pearl Jam spielten Gott sei Dank auch genau das – einen Song nach dem anderen. Man hatte sich gerade wieder etwas gefangen, da hagelte es auch gleich das nächste Highlight: “Sad”! Ich hatte es 2007 in Düsseldorf schon einmal, an einem Abend, von dem es leider kein vernünftiges Bootleg gibt bis heute. DAS soll 2014 aber anders werden! Und diese Version, meine Herren, diese Version hat es auch sowas von verdient! Dieser treibende Song, diese eingängigen Riffs… großartiges Gefühl dabei gewesen zu sein! Beim Refrain riß ich streckenweise einfach nur meinen Tourhut empor und stimmte in den 66.000er Chor mit ein – ein großartiges Gefühl. Als “Sad” dann verklungen war, fiel mir auf, daß es dann doch schon recht weit im Main Set war und bislang noch kein “Even Flow” gespielt wurde. Sie werden es doch nicht wieder weg lassen…?!? Spontan von dieser Erkenntnis gepackt raunte ich das in der Songpause N. zu (OK, ich gebe zu: Das ist auch so ein Nerdfact, daß man schon merkt, wenn Even Flow mal fehlt); noch während sie zum zustimmenden Nicken ansetzte… was soll ich sagen: “Even Flow”! Zwinkerndes Smiley Ich mag den Song einfach, mochte ihn schon immer! So kann ich auch die ewigen Nörgler nicht verstehen, die den am liebsten aus den Setlists verbannt haben wollen weil “zu oft gehört”. Ich hatte ihn auf 11 meiner nunmehr 12 Konzerte und bin der Meinung, daß eines ohne “Even Flow” auch reicht. Ich habe ihn ja nicht umsonst zum Namenspaten für meinen Forumsnick auserkoren. “Even Flow” geht immer – und er geht immer ordnungsgemäß ab! Hach ja, sehr schön! Auch der Band beim Jammen im Mittelpart zu zu sehen war die reinste Freude. Vom kollektiven Gespringe während des Songs und der akustischen Kulisse mal ganz zu schweigen. Danach war wieder die Zeit für einen Song der “Lightning Bolt” reif und uns wurde eine absolut grandiose Version von “Swallowed Whole” geboten. Der Song erinnert mich in seiner Wirkung als Live-Version massiv an “Unthought Known”. Er ist einfach für die Bühne geschaffen und keiner, aber absolut keiner kriegt es fertig dabei ruhig stehen oder sitzen zu bleiben. Das nun folgende “Setting Forth”stieß dann in das gleiche Horn. Ich finde es toll, daß sie den Song, der ja eigentlich von Eddies Solo-Album ist, auf eine Band-Version umgeschrieben haben. Und dann, ja dann wiederholte sich einer meiner absoluten Highlightmomente aus 2012. “Setting Forth” ging wie damals in Prag nahtlos in “Not for You” über – dieser Übergang ist einfach nur Wahnsinn! Und “Not for You” obendrein einer meiner Lieblingssong; Jugenderinnerungen kommen da hoch! Wie ich mir damals 1998 in London aus einem Record Store die Single holte (und noch ein paar andere… *hüstel*) und den ganzen Tag mein Glück diese Silberlinge aus dem hintersten Regal gewühlt zu haben kaum noch fassen konnte. Ich glaube, damals hat mich erst der Besuch im (damals noch “alten”, also “originalen”) Wembley-Stadion wieder in die normale Welt zurück holen können. Dieser treibende, basslastige Groove – göttlich!

Mit “Why Go” und dem in diesem Jahr schier zur Perfektion gereiften “Rearviewmirror” beendeten die Jungs dann das Main Set. “RVM” war dabei ein reinster Rausch. Dieser Roadtrip von einem Song, der sich dann langsam aber stetig beschleunigt und in jedem verfluchten Refrain förmlich explodiert – der perfekte Closer für das Set, zumal die Band dann auch noch zum Schluß nochmal alles aus sich heraus holte und alles, aber auch wirklich alles platt jammte, was bei drei nicht auf den Bäumen war.

Als die Jungs sich dann verabschiedet hatten, standen wir erst einmal alle da, als hätten wir den Bus verpasst. Jeder hatte diesen fassungslosen “Was zum Teufel ist hier gerade passiert”-Blick aufgelegt, war gleichzeitig aber sichtlich zufrieden und glücklich mit dem, was er da gerade erleben durfte. Das ist zwar normal bei Pearl Jam, allerdings diese Ausprägung wie in Mailand, das hatte schon nochmal etwas ganz Spezielles. Kurz noch versucht einen klaren Gedanken zu fassen und etwas auch nur ansatzweise Sinnvolles als Auswertung des Abends so far zu formulieren. Es sei verraten: Es gelang mir nicht.

Aber bevor man großartige Gespräche anzetteln konnte (mal abgesehen von dem dicken Mann aus Manchester, der mir ohne erfindlichen Grund (ich sagte ihm, daß ich Deutscher bin… der fand das super) eine Double-High-Five anbot, die ich selbstredend annahm) standen die Jungs schon wieder auf der Bühne. Oder besser: sie saßen. Man hatte sich ein paar Hocker mit gebracht und Eddie hatte somit Gelegenheit sein geschundenes Bein zu schonen (seit Mitte des Mainsets konnte er kaum noch auftreten und hüpfte im Wesentlichen auf einem Bein über die Bühne). Man verwöhnte unsere Ohren zunächst mit einer zauberhaften Version von “Yellow Moon” – der Song ist live einfach nochmal ne Spur geiler als auf dem Album – und da ist er schon bombig! Was für eine Performance! Danach gab es dann eine ebenso semi-akustisch arrangierte und überraschend erfrischende Version von “Elderly Woman”. Ich hatte den Song jetzt 11 Mal im Programm – aber in Mailand war er vom Feeling her durch diese Änderung in der Interpretation einfach noch einmal was ganz Besonderes; so hat man ihn vorher noch nie gehört (ich zumindest nicht). Man tat es sich selbst gleich und brachte zu Beginn des Encores einfach wieder vier ruhigere Nummern. Die nächsten beiden passten da perfekt in den Abend und auch perfekt zu einander. Die zweite war das live recht häufig auftauchende “Just Breathe”, das einfach ein richtig toller Song ist, den man gerne dazu benutzt ihn irgend wem zu widmen. Dieses Mal war es nicht “irgend wer”, sondern Eddies Frau, welche er vor 14 Jahren in Mailand – huch, welch Zufall – kennen gelernt hat. Nennt mich melancholisch, aber ich fand, daß man das dem Lied auch deutlich angehört hat. Aber vor dieser kleinen Liebeserklärung brachten sie noch einen ganz besonderen Song. Das wunderbare “Thin Air” taucht viel zu selten im Liveprogramm auf – was es an diesem Abend nur umso genialer machte dabei zu sein, als es gespielt wurde. Im Wesentlichen ist es aber einer der Songs auf der “Binaural”, die mir 2000 das Leben erst ein wenig schwer machten, aber mit einem Mal zündeten, als ich das Album verstanden hatte. Es ist seltsam, es machte irgendwann einfach “klick” und die Scheibe, die ich einige Wochen (!!!) verständnislos ignoriert und als “erstes mieses PJ-Album” abgetan hatte, sie war urplötzlich da; ich hatte verstanden, was die Jungs eigentlich von mir wollten mit diesem Album. Einen sehr hohen Einfluß dabei hatte “Thin Air”, fand ich es erst seltsam, war es plötzlich einer meiner Lieblingssongs und da ich die CD über Monate eigentlich nicht wieder aus dem Player nahm, kannte ich es bald in- und auswendig. Es war traumhaft, dieses Lied zu hören!

Danach wurde es wieder etwas schneller – aber nur etwas. Man brachte zur Gewöhnung an schnellere Songs zunächst ein mit drei Tags verziertes “Daughter”, wobei man Mailand neben “WMA” (hach… Erinnerungen an Berlin 2006; Konzert Nr.1) auch noch das geniale, heiß ersehnte “It’s OK” – Tag gönnte (hach… Erinnerungen an Berlin 2012, da wurde ein Traum wahr… und in Mailand gleich nochmal)! Das ewige “Jeremy” brachte das San Siro dann nochmal amtlich zum Kochen, bevor bei “Better Man” wieder die große Chorzeit angebrochen war. Ein Song, wie geschaffen für die große Runde, ein Intro, das am Besten kommt, wenn Eddie sich einfach raus hält und die erste Strophe dem Publikum überläßt. Madrid 2006 ist ein Paradebeispiel dafür gewesen… dieser Song ist ein Endorphinspender ohne Gleichen. Ich war nass geschwitzt, mir taten vom dauernden Springen die Füße weh und ich hatte Durst… WHO CARES?! Der Abend wurde einfach immer und immer besser. Als dann im Anschluß noch einer meiner Lieblingsrocker von der Bühne schallte, da mußten die geschundenen Füße nochmal ran – und zwar BIG TIME! Mit der Vinyl-Hymne “Spin the Black Circle” gab es nochmal so richtig auf die Zwölf. Mitschreien im Refrain und abgehen in der Menge waren die Losungen in diesem Moment.Richtig gute Nummer; in einer Killer-Version dieses Songs. Die Jungs waren einfach unschlagbar gut drauf und hatten sichtlich Gefallen daran gefunden diese brechend volle Location zum Beben zu bringen. Das bewies auch das brettharte “Lukin” im Anschluß. Der rotzige Einminüter von der “No Code” kitzelte nochmal alles aus der Crowd heraus. Unnötig zu erwähnen, daß auch dieser Song bei mir in die Kategorie “Lieblingslieder” fällt – wie eigentlich so viele Stücke dieser großartigen Band. Das erste Encore fand dann sein Ende mit “Porch”. Ja, “Porch”… da war doch schon mal was… ach ja richtig, das Preset! Allerdings diesmal donnerte dieser Song mit der ganzen Kraft der kompletten Band hervor und ähnlich wie bei “RVM” am Ende des Mainsets artete es zu einer Jamsession auf der Bühne auis, die vom kompletten Stadion einfach nur massivst abgefeiert wurde. Es war ein würdiger Abschluß für den ersten Zughabenblock. Als das letzte Riff verklungen und Pearl Jam fürs Erste wieder von der Bühne verschwunden war, stellten N., die offensichtlich genau so geflasht war wie ich  - wie jeder Einzelne um uns herum, und ich verwundert fest, daß das jetzt doch mindestens 10 Songs waren. Ich nehme es vorweg – es waren exakt zehn! Ein Encore mit 10 Songs – der Hammer! Dabei wurden auch einige Songs etliche Minuten länger gespielt als auf der Albumversion; so engagiert und schon fast tranceartig ergaben sich die Herren in ihre Jamsession-Parts.

Es dauerte nicht lange, da kehrten Pearl Jam unter tosendem Applaus für das finale Encore auf die Bühne zurück. Die Stadionatmosphäre schlug nochmal so richtig zu, während sie da wieder an die Instrumente schritten. Es folgte eine kleine, aber ziemlich ergreifende Ansprache von Eddie – man merkte ihm ziemlich an, wie beeindruckt er dann doch von der sich ihm bietenden Kulisse war. Normal ist das für Pearl Jam nämlich nicht unbedingt, vor derartigen Massen in den größten Stadien der Welt zu spielen. Was nun folgte war so etwas wie der kollektive Gottesdienst der Gesegneten, die sich für dieses Konzert eine Karte erhaschen konnten. “ALIVE” war angesagt! Nach wie vor ist das DIE Hymne der Band. Von der Energie her, die von der Band und vom vollen San Siro auf uns Glückliche Horde da vorne im FOS – die wir sie ja fast alle im Rücken hatten – einströmte war das verdammt nochmal die geilste Alive-Version die ich bisher gesehen habe! Das war ein Rauschzustand da unten! In folgendem Video kann man es ein wenig erahnen, zumal ja auch das Publikum mit eingefangen wurde. Besonders Deutlich wurde es dann als das Licht beim folgenden “Rockin in the Free World” im Stadion ansprang:

Kleiner Funfact am Rande: Dank meines Tour-Hutes war es mir ein Leichtes, mich in der Masse aus zu machen. Wer mir also gepflegt beim Rocken zuschauen will, der orientiere sich einfach an diesem Screenshot:

me alive

Schon witzig… da isser, der Onkel und hat keine Ahnung, daß er gefilmt wird! Smiley Das Angehen des Stadionlichtes war dann auch das Zeichen, daß die letzten beiden Songs anstanden. Gut, “RITFW” ist immer ein Garant für ein gelungenes Finale. Ein richtig guter Rocker mit jeder Menge Drive, der die Zuschauer nochmal so richtig in seinen Bann zieht. Aber auch hier pushte die Location nochmal tüchtig. Ihr macht euch ja keine Vorstellung, was das für ein Gefühl war da vorne, wenn dieser Stadionchor von allen Seiten auf einen einströmt beim Refrain und von vorne noch Pearl Jam dagegen hält. Das ist der Wahnsinn schlechthin! Wir waren jeder in seiner ganz persönlichen Pearl Jam Welt – und wollten da eigentlich auch nicht wieder weg. Ich glaube, ich spreche da für alle 66.000 Parallelgesellschaften an diesem Abend. Aber auch die großartigsten Konzerte müssen mal ein Ende haben. Dieses endete klassisch mit Yellow Ledbetter. Der Song bringt einen sanft aus dem Konzert hinaus. Kein brutaler Rocker, kein (bei passenden Setlists im Vorfeld einfach unschlagbar schönes) Indifference – nein, ein musikalisches “Kommt gut nach Hause und passt auf euch auf” der Band an die Getreuen zu ihren Füßen. Bis zur letzten Note wurde der Song ausgekostet. Ich stand dann während Mikeys Schlußakkorden nur total geflasht da und war igendwie zu keinem klaren Gedanken fähig. Das Erste, was mir dann doch einfiel war sinngemäß: “Unfassbar! Und du wirst sowas in der nächsten Woche noch zwei Mal erleben…!”

Während um uns herum die Aufbruchstimmung los brach stand das Grüppchen, das um uns herum mitgefeiert hatte noch ein oder zwei Minuten ziemlich beeindruckt und fassungslos da. Irgendwann muss man aber den Träumerblick abschalten und schauen, daß man raus kommt aus dem FOS, insbesondere, wenn man sich vorgenommen hat noch ein Poster zu erstehen. So schlängelten N. und ich uns zügig durch die trägen Massen und steuerten, erst einmal aus dem FOS heraus, zielstrebig den Merchstand an. Dank meiner vertikalen Wuchsvorteile erkannte ich über die Köpfe der Wartenden hinweg, daß es sich wohl ausgepostert hatte! Trauriges Smiley Ein Drama! Sollte dieser geniale, dieser denkwürdige Konzertabend am Ende ohne original Mitbringsel für die Wohnungswand bleiben? Ohne gerahmtes Kleinod, das einen bei jedem Blick darauf an das Konzert erinnert und lächeln läßt? Verdammt! Aber wir hatten ja noch eine Chance – den zweiten Merch-Stand auf der anderen Seite des Innenraumes. N. und ich sprinteten praktisch ein mal längs über den Platz. Man könnte sagen wir “maldiniten” durch das San Siro und umgingen die Stewards, die schon den Innenraum mit Absperrband räumten und anfingen die Besen zu schwingen. Am Merch angekommen – POSTER! Es gab sie noch, allerdings in recht überschaubarer Anzahl. Ich stürzte mich in die Schlacht und scheue mich nicht zuzugeben, daß ich im Zuge dieser Posterbeschaffungsmission nicht gerade zimperlich war. Zwischendurch schob mir N. noch die Kohle für eines der Poster zu (keine Ahnung, wie sie den Weg durch das Gedränge fand – aber irgendwie klappte es). Nach nicht einmal drei Minuten stand ich vorn in der zuvor doch recht kompakten Menschenmasse, die sich da um den Thresen scharte (na huch… wie ist das denn passiert). Erneut meine Grüßenvorteile ausspielend beugte ich mich über das Geländer, fing einen Verkäufer akustisch ab und orderte zwei Pösterchen! Keine Sekunde zu spät, denn so weit ich erkennen konnte waren da nur noch maximal 10 Poster und eben so viele Posterrollen auf Lager. Jeweils zwei davon heimste ich ein. Da nun die von mir so unsanft beiseite geschobenen Italiener aus unerfindlichen Gründen nicht einsahen, mich da widerstandslos wieder durch zu lassen, reichte ich die Poster zunächst über deren Köpfe (-> vertikaler Wuchsvorsprung) an N. weiter und bahnte mir dann irgendwie doch meinen Weg aus dem Gedränge.

Poster

So sieht das gute Stück im Übrigen gerahmt und an meiner Wand aus. Smiley mit geöffnetem Mund Es wäre ja auch eine Schande gewesen, an diesen Tag keine bildhafte, künstlerisch und ideell wertvolle Erinnerung zu haben. Auch noch eine, auf der “San Siro Stadium” steht! Gut versorgt mit Merch konnten wir nun das Stadion beruhigt verlassen. Beim Hinausgehen fiel mir dann noch die anfangs schon beschriebene Eleganz des Stadions auf. Wie gesagt: Wenn sich tausende die korkenzieherhaften Spiralgänge hinunter schlängeln und dieser Strom dann irgendwann in den eigenen mündet – das sieht schon beeindruckend aus.

Vor dem San Siro angekommen mussten wir erst einmal an einer Armada von Fressständen vorbei. Es sollte angemerkt werden, daß es die Italiener hinbekommen haben, daß derzeit keine – ich wiederhole: KEINE direkte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr besteht, wenn das San Siro voll besetzt ist. “Shuttle Busse” sagt ihr? Ich lache mal laut! Zwei Drittel des Weges zur Metro legten wir noch gemeinsam zurück, dann verabschiedeten wir uns mit der Feststellung, daß dies ein absolut genialer Konzertabend war und sich die Anreise nach Milano und auch jede Sekunde der Vorfreude in den Wochen und Monaten vor dem Konzert sich mehr als nur ausgezahlt hatten. Wie gesagt: Ohne N. und ihre übrige 10C Karte und speziell ohne das Forum als “Handelsplattform” für all die Gleichbekloppten wäre ich vielleicht in Mailand gewesen, vielleicht auch im San Siro, aber ich hätte nicht im FOS gestanden. Und das dann auch noch nicht alleine tun zu müssen – wo doch schon die Kleine Schwester “ausfiel”, die normaler Weise zu solchen Events zwangsverpflichtet wird, das trug noch mehr zum Gelingen des Abends bei. Hätte ich ein “Buch der coolen Menschen”, N. würde da drin landen. Sie wäre auch nicht die einzige Person, die es in diesem Urlaub geschafft hätte in selbiges einzuziehen, wie die kommenden Konzerte und Abende vor selbigen noch zeigen sollten und wie es auch die #hochzeitammeer im Vorfeld schon getan hatte.

Ich für meinen Teil setzte dann zur Heimreise an und legte meinen üblichen Stechschritt ein, den ich im Normalfall nur an Arbeitstagen nutze um schnellstmöglich die knapp 2 Kilometer zum Büro zurück zu legen. Ich schoß förmlich an der im Chill-Out-Tempo dahin treibenden Masse der Menschen vorbei. Immerhin war mir bewußt, daß 1 Uhr die Metro ihren Dienst einstellt und ich am Dom umsteigen mußte. Ich flog die Treppen zur U-Bahn-Station förmlich hinunter und sprang noch im letzten Moment in die bereit stehende M1 – die rote Linie. Ein Blick auf die Uhr: 0:38 Uhr. Ich hatte noch die Chance den Anschlußzug zu bekommen – dachte ich zumindest. Als ich dann an der Stadion “Duomo” nämlich beschwingt auf den Bahnsteig der finalen M3 zu hielt – Gatter unten! Fuck! Das war 10 vor 1, also eigentlich unmöglich. Frustriert zog ich mir ein Wasser am Automaten und verließ die U-Bahn. Den Dom, der beim betreten des Domplatzes herrlich angestrahlt die Szenerie beherrschte nahm ich in dem Moment nicht wahr. Schnell die Schwester angefunkt – Zielzuweisung Straßenbahn erhalten. Haltestelle gefunden; jedoch fuhr da die Bahn nicht, obwohl sie es sollte. Ganz toll! Es dauerte eine halbe Stunde des Herumirrens durch Mailand, bis ich frustriert den Plan “Taxi” faßte. Was soll man auch machen, wenn einen selbst die befragten Polizisten auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse nur mit “Ähhhhhh, äääääähhhhhh, ähhhhhhhh…. Follow!!” abwimmeln und dabei wild gestikulierend auf eine Gruppe unfreundlicher Mitbürger mit ausgefeilteren Sprachkenntnissen (man nennt sowas mitunter “Einheimische”, allerdings waren auch ein paar Deutsche dabei) zeigen, die einen alles geben, nur keine vernünftige Antwort auf die Frage, wo man denn nun die ihnen eben beschriebene M3-Ersatzstation der Tram finden könne. So stellte ich mich dann also an der Taxi-Schlange an. Ab und an hielt dann sogar mal ein Taxi an und verkürzte diese – so etwa im 10 Minuten-Takt. Smiley mit herausgestreckter Zunge Nach einer guten halben Stunde schnappte ich eher zufällig ein Gespräch direkt vor mir in der Schlange auf. Ich hörte Unmutsäußerungen über die ÖPNV-Orga in Mailand, die ich nur zu gut verstehen konnte. Ich beschloß, mal kurz zu zu stimmen; zumal diese auch auf deutsch vorgetragen wurden. Es entwickelte sich dann ein nettes Gespräch, in dessen Verlauf wir nicht nur feststellten, daß wir alle drei auf dem Konzert waren, sondern auch, daß wir uns schon über Jahre aus dem deutschen Pearl Jam – Forum lesender Weise kennen. Tja, die Krönung wäre jetzt noch gewesen, wenn wir… war dann, daß wir auch noch im selben Hotel wohnten und eben dahin wollten – Gemeinschaftstaxi! Smiley Da steht man nachts nach 2 Uhr vor dem Dom in Mailand, einer 4-Millionen-Stadt, und sowas passiert… großartig, einfach großartig! Das Warten auf das Taxi war zusammen gleich weniger langweilig und frustrierend und ich nahm zu diesem Zeitpunkt auch den wunderschönen Dom in seiner Abendbeleuchtung erstmals bewußt wahr. Als wir dann vom Taxi eingesammelt wurden, gab ich dem Fahrer noch die Adresse des Hotels und wir fuhren durch die Nacht.

Am Hotel angekommen, verabschiedeten wir uns dann noch voneinander. In diesem Zusammenhang beste Grüße nach Wien an H. nebst Frau. Es war toll euch beide auf diese Weise kennen zu lernen; auch wenn der Anlaß (Heimfahrt mit Hindernissen) ein wenig ärgerlich war, so haben wir dann doch eine ziemlich coole Geschichte zu erzählen. Und euer Tourabschluß in Wien, der macht mich noch heute neidisch! Zwinkerndes Smiley

Ich möchte jetzt nicht auch noch ein Schlußfazit ziehen. Alle, die es bis hier hin durchgehalten haben meinem euphorisierten Geschwafel zu folgen, die können sich doch eh denken, wie der Abend für mich war. Es war – mit allem drum und dran – von der Location an sich, über das Public Viewing, den Opener, die Setlist, die Stimmung, die Leute die man traf (selbst der abzockerische Bierläufer war am Ende irgendwie witzig) einfach mehr als das, was ich mir im Vorfeld für mein 10. Pearl Jam Konzert ausgemalt hatte. Für mich war es einfach der perfekte Abend – der perfekte “Evening with Pearl Jam”!

… to be continued! Smiley mit geöffnetem Mund

Finale

PS: Habe ich eigentlich erwähnt, daß als Opener “Release” gespielt wurde? R-E-L-E-A-S-E!!!!!! Smiley mit geöffnetem Mund

Samstag, 28. Juni 2014

JUST BREATHE

(Pearl Jam)

(“I’m a lucky man to count on both hands the ones I love”)

So, der Onkel ist wieder daheim. Seit dem 11. Juni war ich ununterbrochen auf Achse und verbrachte meinen Haupt-Jahresurlaub zwischen Ostsee und Adria. Was soll ich sagen – es war wunderbar; unvergesslich! Und zwar in jeglicher Hinsicht!

Alle, die nun schon die ausführlichen Konzertberichte erwarten (die noch kommen werden, da könnt ihr aber drauf wetten), die seien hiermit mal vertröstet – nur um ein paar Tage versteht sich. Auch der GVH möge mir verzeihen, daß ich nicht sofort die erbetene Blogauswertung der #hochzeitammeer liefern werde. Es gilt erst noch die Eindrücke der vergangenen 20 Tage zu sortieren, ein wenig zu rekapitulieren und – auch das gehört jeweils dazu – Fotos zu sichten.

Nein, heute möchte ich, anläßlich meiner Rückkehr, den Blogeintrag erst einmal all jenen widmen, die ich während dieses Urlaubes kennen gelernt habe und die dazu beigetragen haben, daß er so großartig wurde für mich, wie er es nun einmal war. Ich hoffe nur, ich konnte auch einen kleinen Teil dazu beisteuern, daß einige von euch das im Nachhinein ähnlich sehen.

Zunächst einmal ist hier natürlich das Brautpaar der #hochzeitammeer zu nennen. Ihr beiden seid großartig und ich wünsche euch hier nochmal nur das Beste (und selbst das ist noch nicht gut genug) für die gemeinsame Zukunft! Wenn diese ansatzweise so gut wird wie eure Hochzeit, dann kann ja praktisch nichts schief gehen. Es war zunächst eine wirklich ergreifende Trauung und ich bin stolz darauf, daß ich neben euch beiden am Trautisch sitzen durfte als Trauzeuge. Die Feier im Anschluß war auch ganz großes Tennis und uferte mit zunehmender Dauer sogar noch weiter aus zu einer grandiosen Party – wie ihr sie verdient habt. Diese fand dann kurz vor 5 Uhr in der Früh erst ihr Ende und ich habe den ernsten Verdacht, daß es den meisten Gästen so ging wie mir: SO gut und ausgelassen habe ich seit Jahren – Quatsch, Jahrzehnten schon nicht mehr gefeiert. Ihr seid toll!

Zur Hochzeit gehören Trauzeugen und zu Trauzeugen gehören auch deren Partner. Danke an die @MsPittili für die umfangreiche (auch mentale) Unterstützung während der Wochen und Monate vor der Hochzeit. Außerdem dafür, daß du mir erklärtest, wie eine Nähmaschine funktioniert und mich auch gleich zwangst das praktisch umzusetzen (über das Ergebnis bin ich noch heute verblüfft). Weiterhin für die tatkräftige Unterstützung am Tag der Hochzeit selbst und das tatkräftige Mitfeiern und das mich-auf-die-Tanzfläche-Zwingen gleich zu Beginn. Von da an konnte der Abend nur gut laufen – wie auch der Single Malt! Du bist einfach unschlagbar! Smiley

Im gleichen Kontext seien hier die Trauzeugin nebst Freund, die komplette Ferienhausbelegung und ein paar spezielle Freunde des Brautpaares genannt. Leute, es war toll mit euch auch schon vor und nach der Hochzeit ein paar schöne Tage zu verbringen und das eine oder andere Bierchen am schönsten Grillplatz der Republik zu vertilgen. Spezieller Dank hier nochmal natürlich an K. & J. sowie M. & Kl. – ihr habt mir bei all dem Orga-Kram im Vorfeld direkt geholfen oder mich dazu gebracht, einfach mal auf “Die Macht” und/oder die Strahlkraft eines Schnaps-Meters zu vertrauen (siehe JGA – Posting) und mich nicht allzu sehr verrückt zu machen. Danke auch an K., daß sie mir durch die Telefonate immer wieder aufzeigte, daß ich nicht alleine dieses oder jenes “Problem” habe und daß wir unterm Strich ja doch voran kamen – alleine übersieht man es oft im Wust der To-Do-Listen. Danke auch an J., den wohl meist unterschätzten Teil unserer Vierergruppe der Trauzeugen. Einerseits für die unaufgeregte Art, wie Du uns unterstützt hast an dem Tag und die uns irgendwie auch erst im Nachgang auffiel und natürlich für das Versorgen des DJs mit Pearl Jam zu später schon wieder früher Stunde. Dank an M., daß er zum JGA noch keinen Hut hatte und somit Highlight Nummer 1 ermöglichte und auf der Hochzeit selbst mit K.l. zusammen nicht nur kräftig mitwirkte wenn etwas brannte (oder besser zu brennen drohte), sondern auch trotz Schmerzen die Stimmung immer ordentlich mit am Anschlag hielt. Obendrein wart ihr auch noch der harte Kern der Party – mit euch zu feiern war mir ein Fest! 

Kommen wir zu ein paar sehr speziellen Begegnungen, die sich zwischen Berlin – Mailand – Trieste und wiederum Berlin abspielten. Nach der #HochzeitAmMeer ließ ich mich von der @MsPittili in der Hauptstadt absetzen, übernachtete dort ein Mal und verließ mit dem @Vochlchen das Land gen Italien. Natürlich sei hier dem @Vochlchen zuerst gedankt. Ohne meine Kleine Schwester mit ihrem umfangreichen Erfahrungsschatz in Sachen Stiefelstan hätte ich in Mailand erhebliche Probleme gehabt mich zurecht zu finden und hätte mich wohl noch häufiger verlaufen. Außerdem für die tolle Begleitung bei den Konzerten in Triest und Berlin und (wohl das Wichtigste) Dank für das vollkommen gewaltfreie Ertragen meines Generves an den Konzerttagen selbst!!! Dafür kann man Dir nicht genug Respekt zollen. Special Thanks auch für das Geleiten zur besten Eisdiele der Welt im Herzen von Milano und daß Du mich zum Panzer-Otto geführt hast – kalorisch ein absoluter Horror, geschmacklich aber der Burner. Die anderen, nun folgenden Mitmenschen werden das mitunter vermutlich nie lesen, zumal ich bei einigen nicht einmal die Namen kenne, aber sie sollen dennoch zu Ruhm und Ehre gelangen. Ich versuche es einfach halbwegs chronologisch anzugehen.

Zunächst sei hier N. erwähnt. Es begann mit einem “Ich habe noch ein Fanclub-Ticket für das San Siro über – wer will es haben” ihrerseits und einem “ICH, ICH, ICH!!!” von mir im Pearl Jam Forum irgendwann im Winter. Normaler Weise trifft man sich an der Venue, gibt die Kohle ab, erhält Ticket und Bändchen und geht wieder seiner Wege. So lief es bisher zumindest immer ab bei mir – was auch kein Problem war, eher der natürliche Lauf der Dinge. In Mailand ergab es sich dann aber irgendwie, daß wir das ganze Konzert zusammen verbrachten, dabei gemeinsam vom italienischen Bierläufer abgezockt wurden, ausführlich fachsimpelten (“Gigi Buffon ist aber auch eine der letzten Persönlichkeiten auf dem Fußballplatz – der hat richtig Charisma!”, “Also live kommt Lightning Bolt ja viel geiler als auf dem Album!” etc.)  und den schier aussichtslosen Kampf um Poster nach der Show dann doch noch gewannen und uns zwei der letzten ca. zehn Pösterchen am zweiten angelaufenen Merchandisestand sicherten (bei allen, die ich dabei am Merch-Stand rigoros beiseite schob und verdrängte entschul… ähhh nee, doch nicht! Zwinkerndes Smiley Nicht bei dem Poster!). In Trieste tauschten wir via SMS Eisstand-Tipps aus und in Berlin luden N. und Begleiter uns noch nach der Show zu einem gemeinsamen Tour - Abschlußbierchen ein. N., es war mir eine Freude Dich kennen zu lernen – bei der nächsten Tour geht Bier Nummer 1 auf meine Kappe (von mir aus auch beim italienischen Bierläufer – stecke ich halt nen Zehner mehr ein) Zwinkerndes Smiley.

Das nächste Grazie geht nach Österreich an H. plus Frau. Man liest über Jahre gegenseitig seine Postings im PJ-Forum, antwortet sich auch hin und wieder und weiß trotzdem nicht mit wem man es da zu tun hat. Bis, ja bis man um 01:30 Uhr in der Nacht nach dem besten Pearl Jam Konzert, das man erlebt hat, in Mailand am Dom am Taxistand steht und die italienische Auffassung von ÖPNV mit Flüchen belegt, die weder spruchreif noch ansatzweise jugendfrei sind. Ohne euch beide wäre die Rückfahrt – vor allem das Warten darauf – nicht nur teurer (ist zweitrangig), sondern vor allem auch wesentlich ärgerlicher gewesen. Gemeinsam hat es sich zunächst besser geflucht, dann die Zeit besser totschlagen lassen – und man hatte plötzlich auch wieder ein Auge für den wunderbaren Dom im Nachtkleid. War toll euch kennen zu lernen. Smiley

Dank an William, den Virtuosen an der Waffel (da er in der Gelateria eh mit Namensschild rum rennt, nenne ich den Namen in diesem Fall – auch als Service für euch). In der besten Eisdiele Mailands (oder der Welt??? Man vermutet es fast) war er der mit Abstand beste Verkäufer. Kein anderer war mit den Portionen so großzügig und arrangierte das Eis auch noch so hingebungsvoll wie er auf der Waffel. Das waren keine profanen Eistüten, das waren kleine Kunstwerke, die er schuf.

Gelato

Dank auch an “Luini”, die Panzerottischmiede gleich gegenüber der Eisdiele. Wofür? Für die mordsleckeren Stärkungen beim Sightseeing – mögen eure Kassen immer voll und jeder einzelne Panzer-Otto weiterhin ein Erlebnis sein.

Panzer-Otto

Vielen Dank auch an die Stadt Triest – einfach dafür, daß sie die Stadt Triest ist. Ein tolles Stückchen Erde und erfrischen unitalienisch, weil mit funktionierendem ÖPNV und einer STVO ausgestattet an die man sich auch noch hält.

trieste

Den beiden Griechen mit Flugangst, die mich auf dem Marktplatz von Trieste anquatschten wünsche ich auch alles Gute. Die 35 Stunden Bootstour hat sich gelohnt für dieses Konzert denke ich – kommt wieder gut heim.

Dimitris? Warst Du das, der mir in der Fußgängerzone im Vorbeigehen diesen Button in die Hand drückte? Jedenfalls Dank an den Spender, der ein weiteres Zeichen setzte, warum PJ-Urlaube mehr sind als reine Konzerttouren – VIEL mehr. Das sind so die kleinen Gesten, die einem bewußt machen, daß man mit tausenden von Gleichbekloppten durch die Welt reist und eigentlich (fast) bei jedem ein offenes Ohr findet. Man kann fast bedenkenlos jedem anquatschen der eines dieser Bandshirts trägt – man kriegt geholfen.

button

Weitere Grüße gehen an den Ami, der mich (wieder in Mailand) in der Gelateria anquatschte. Ich hoffe Du hast eine großartige Zeit mit Deiner Frau in Europa! Wenn ich das richtig erinnere ist für Dich nach Stockholm Schluß und du stehst dann bei über 40 Konzerten. Deine Begeisterung für das Flair in den Städten teile ich, schön, daß man sowas auch mal beim Warten auf ein Gelato austauschen kann.

Spezieller Dank an C. und S. nebst jeweiliger Begleitung. Man kennt sich seit Jahren über das Forum, Twitter oder hat via Instagram Eindrücke voneinander gesammelt. Sich dann endlich mal in Friedrichshain den Abend vor dem Konzert in einer Kneipe ordentlich mit Bier zu versorgen und dabei einfach nur über Pearl Jam und das Leben in allen Facetten zu quatschen war einfach nur großartig. Die gerissenen Zoten und Sprüche dabei waren hochqualitativ und zeigen: Jungs, das müssen wir mal wieder tun! C. speziell noch alles Gute für seine anstehende Familienerweiterung; du wirst das großartig machen, da bin ich mir sicher!

Besten Dank auch an Jimmy (Nickname, daher OK). Wofür? Dafür, daß Du alter Rabauke seit 2006, wo wir uns beim Grillen am Wohnheim und anschließender Kneipennacht erstmals trafen, einfach der gleiche liebenswerte Chaot geblieben bist. Und natürlich für das Aufbewahren meines Berlin-Posters, sodaß ich mir nicht erneut den Kampf um die letzten Exemplare nach dem Konzert antun mußte. Unsere Dreier-Selfies auf PJ-Konzerten sind mittlerweile zur Tradition erhoben und das von 2014 ist besonders gelungen wie ich finde.

An den Engländer, mit dem wir vor der Bühne in Berlin ins Gespräch kamen und der hin und weg war von der Wuhlheide sende ich auch beste Grüße. War entspannend mit Dir in dem Gedränge die Zeit tot zu schlagen und ich hoffe, daß Dein erstes Konzert der Jungs aus nächster Nähe (bisher 2 Mal Oberrang) Dir gefallen hat. Der Umzug nach Berlin hat sich doch dafür schon gelohnt. Zwinkerndes Smiley 

Abschließend noch ein “You Rock!!” an das Geswchwisterpaar, das wir am Taxistand in Köpenick trafen und mit denen wir uns während wir Taxen riefen (die uns zum Teil wieder weg geschnappt wurden), so gut unterhalten haben. Erstaunlich, wie viele Parallelen man neben “Geschwister” da noch aufgetan habt. Ich hoffe ihr seid, wie wir dann auch, gut heim gekommen und ich wünsche euch beiden in Zukunft noch jede Menge großartige Konzerte zusammen; ihr seid was das angeht ja scheinbar ähnlich drauf wie die Kleine Schwester und ich.

So, das war es jetzt erst einmal. Ich habe garantiert viele vergessen, gerade die kleinen und kurzen Begegnungen, die einen dann aber dennoch ein Lächeln aufzwangen gehen viel zu schnell unter und/oder werden vergessen. Jedenfalls waren diese Menschen da oben Gründe dafür, daß mein 2014er Urlaub mir wohl als einer der ereignisreichsten, gelungensten und schönsten im Gedächtnis bleiben wird. Einigen wird man wohl so schnell nicht wieder begegnen, während andere, die ohnehin zum engen und engsten Freundeskreis gehören Gott sei Dank nicht aus dem Blickfeld verschwinden und bald wieder gesehen werden. Ich würde mich freuen, wenn wir bei der nächsten Pearl Jam Tour (2015?????) die eine oder andere Begegnung mit diesen zum Teil unglaublich coolen Leuten von oben einem Revival unterziehen oder – sagen wir es so direkt – uns (wieder) auf ein kleines oder großes Pre-Party-Bierchen im Szenelokal X in der Stadt Y zusammen setzen könnten. Wir werden dann wieder viel zu erzählen und hoffentlich auch wieder viel Spaß haben.

In diesem Sinne: Passt alle auf euch auf, ihr seid ein Segen für diese Welt! Es ist irgendwie beruhigend zu wissen, daß ihr da draußen seid. So lange es Leute wie euch gibt, wird einem bewußt, daß bei aller aufkommenden Skepsis für diese Welt noch nicht alles zu spät ist – im Grunde genommen könnten wir es uns hier auf dem Planeten richtig schön machen. Oder wie es die großartigste Band der Welt ausdrücken würde:

“I’m sick of everything… gonna see my friend make it go away!”

PS: Fast hätte ich unser Verabschiedungskommando am Busbahnhof Berlin vergessen. Zwinkerndes Smiley

troopers

Freitag, 20. Juni 2014

ICH KANN NICHT MEHR

(Curse)

Donnerstag, 15.05.2014

Wenn das ding hier online geht, dann ist alles gelaufen… ich habe momentan noch sowas wie eine Schweigepflicht. Allerdings fällt es manchmal schwer die auch einzuhalten – AUS GRÜNDEN wie ihr sehen werdet. Also kommt das Ding erst dann auf euch zu, wenn ich – wenn alles glatt läuft – im ehrwürdigen “San Siro” in Mailand auf dem Rasen stehe und Pearl Jam lausche. Here we go:

Ich muß jetzt mal was los werden, Freunde der Sonne. Es brennt in mir, das mal raus zu lassen! Normal habe ich mich bei sowas immer gut im Griff, aber DAS, das muß jetzt einfach raus! Seit ner Weile bin ich mit der Aufgabe betraut Trauzeuge für meinen besten Kumpel zu sein. Das ist großartig! Man kann Whiskys aussuchen, Whiskys blenden, kann allerhand Dinge organisieren – oder es zumindest versuchen – die dann am großen Tag zünden (oder auch nicht). Da ist man sich einfach nicht immer so sicher, schon gar nicht, wenn es immer näher rückt, das Event – irgendwie zweifelt man immer an sich und dem, was man tut. Aber man versucht es. Ja, man bestellt sogar lauter seltsame Dinge zur Vorbereitung bei diversen Versandheinis im WeltWeitNetz. Dann packt man sie aus und wundert sich zwar, daß es sowas gibt, ist insgeheim aber auch froh, daß es so ist. Ja, auch das ist schön, wenn dann mal wieder etwas eintrifft, was man für die Planungen benötigt. ABER EINES, EINES GEHT MIR GEHÖRIG AUF DEN SACK UND DAS MUß ICH EUCH JETZT IN DIESEM MOMENT EINFACH MAL MITTEILEN:

Mit dem Wort “Bändchen” könnt ihr mich noch in 10 Jahren jagen! “Bändchen” – klingt unspektakulär, ja banal – es ist aber schlicht zum KOT-ZEN, wenn man gezwungen ist sich damit zu beschäftigen – mit Bändchen! Die Hölle hat keine Kreise, nein, sie hat Bändchen! Seit Wochen zermartere ich mir mit Unterstützung der Frau den Schädel über Bändchen! Ohne sie wäre ich schon längst verzweifelt – also ohne die Frau, ohne Bändchen könnte ich ganz gut leben. Hintergrundinfo: Die Trauzeugen haben die Aufgabe Autos und Stühle sowie die (das ist selbst gewähltes Leid) Seifenblasenbehälter mit Bändchen auszustatten. Das ist ja an sich nicht das Problem, das sind die Bändchen an sich!

Hat einer von euch schon mal ernsthaft versucht, eine ansehnliche und umfangreiche (brächten so 100m, besser 200) Spule mit “Bändchen” drauf zu erstehen die eine ganz popelige Farbe hat – sagen wir “blau” oder “weiß” ist – und eine angenehme Dicke aufweist? Nein? Habt ihr ein Glück! Diesen Kokolores gibt es in tausenden Dicken, Längen, Strukturen, Dicken, Mustern, Qualitäten, Preisklassen, Verwendungszweckvorschlägen und natürlich auch Farben. Es gibt schleifenband, Dekoband, Geschenkband, Kreppband, Knitterband, verflucht häßliches Bastelband. Nur kommen nie – ich wiederhole: NIE – all die Eigenschaften zusammen, die man gerne hätte! Irgendwas ist immer! Wofür in aller Welt braucht die Menschheit so viele Bändchen? Man kann sich nicht entscheiden, da alles irgendwie gleich unpassend erscheint für meine Zwecke. Man googelt, amazont, ebayt und was-weiß-ich-nocht sich nen Wolf nur wegen dieser beschrubbten Bändchen-Scheiße und tötet damit Stunde um Stunde! Damit nicht genug! Diese Scheiße regt einen dermaßen auf, daß man gezwungen ist zu bloggen – was schon wieder haufen Zeit kostet.

Liebe Bändchenproduzenten, sehr geehrte Damen und Herren – IHR ÄRSCHE!!!

Kein Mensch braucht so viel Auswahl, kommt mal wieder runter! Produziert 7 Farben und gut! Weiß, Blau, Schwarz, Rot, Grün, Gelb und von mir auch auch noch Rosa! Das langt! Man muß den dämlichen Markt nicht mit tausenden Varianten von nutzlosem Wickelgarn überschwemmen, von dem der Enduser eigentlich zu ein oder zwei Varianten braucht. Da draußen googeln sich jährlich so arme Säue wie ich nen Wolf nur um ganz simples, unspektakuläres blaues Band zu kaufen. BLAU, ihr Deppen!!! B-L-A-U!!!! Nicht helltürkis, dunkelviolett oder was-auch-immer-mit-einem-Stick-von-piss-die-Wand-an!!! BLAU, ihr Deppen!!! Soll ich es verdammt nochmal buchstabieren?!? BLAU!

Also, liebe Bändchenmafia nehmt euch bitte euren kunterbunt gemusterten Schwachsinn in jeglicher seiner nutzlosen Ausgestaltungen, den eh kein Mensch kauft und der nur den Blick auf das versperrt, was ich suche, zur Hand und schiebt ihn euch (am Besten mit Anlauf) gegenseitig dahin, wo die Sonne nicht scheint, ihr Crétins!!! Und eure Geschäftsmodelle, die könnt ihr zum Nachschieben benutzen, aufdaß die bunten Dinger mit diesen irrwitzigen Mustern und potthäßlichen Farben auch ja nie wieder ans Tageslicht kommen! Nur blaue und weiße Bändchen, solltet ihr sie denn dann zufällig doch irgendwo produziert haben und sie im Gegensatz zu mir auch noch finden, woran ich mittlerweile ernste Zweifel hege, die liefert ihr Vollpfosten gefälligst umgehend bei mir ab und bittet, nein, bettelt bei mir um Verzeihung, bevor ihr euch mit eurer restlichen Ausschußware vergnügt!

Mit freundlichen Grüßen,  FICKT EUCH!!!

Soumieven

Gut, wir werden es bis ihr das hier lest hoffentlich gelöst haben, aber momentan gehen mir diese Bändchen echt massiv auf die Eier! Vor einem dreiviertel Jahr, da hatte ich von dem ganzen Kokolores da noch keine Ahnung. Ich wußte, daß es Bändchen gibt, aber der Umfang dieses bunten Stofffiaskos war mir nicht bewußt. Wie den meisten Männern gingen mir Bändchen am Arsch vorbei… MEILENWEIT!!! Ich war glücklich; ahnungslos, aber glücklich. Unwissenheit ist manchmal nämlich auch ein Segen. Obendrein wußte ich auch nicht, was eine “Husse” ist. Und was ist heute? Heute sitze ich seit 2 Stunden vor diesem scheiß PC und versuche geeignetes Rohmaterial in Bändchenform zu erstehen um Hussen zu dekorieren! HUSSEN!! BÄNDCHEN!!!!!! Aaaaaaaaaarhhhhhhhggggggggggggghhhh!!! Es hat schon Gründe, warum “Hussen” und “Hussein” im Duden nebeneinander stehen – und sie werden mir langsam auch klar! Jedoch sollte “Bändchen” der Oberbegriff sein – die Wurzel allen Übels.

Wenn ich das überstanden habe, dann will ich mich nie wieder, hört ihr: NIE WIEDER, mit irgend welchen Bändchen beschäftigen müssen. Diese verfickten Scheißdinger sollen zur Hölle fahren – und zwar auf dem schnellsten Wege! Geschenke werden nur noch zu geklebt ab Mitte Juni (Heiklebepistole!!!) oder mit Panzertape umwickelt und wenn das so weiter geht, dann kaufe ich auch nur noch Schuhe mit gottverdammten Klettverschlüssen, denn in Schnürsenkel muß man schließlich auch Schleifen machen – wie in diese verfluchten Bändchen….

AAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH…………………..! 

PS: Das mußte jetzt mal sein… ! Bändchen: Ihr könnt mich mal am Arsch hussen!

Mittwoch, 18. Juni 2014

JGA

 

Heute schreiben wir den 4. Juni. Das heißt: Noch 10 Tage bis zur Hochzeit des ehrenwerten GVH und seiner Holden. Trauzeuge? Ich! Wer meine Twitteraktivitäten in den letzten Wochen und Monaten verfolgt hat, für den ist das nix Neues mehr. Da ich mich mit Twitter und meinem Blog zurück halten muß um nicht zu spoilern, veröffentliche ich einfach später. Urlaubsbegleitend! Dieser erste Eintrag wird online gehen, wenn ich im Flieger nach Mailand sitze. Es sei auch verraten, daß ich schon einen dieser Einträge verfasst habe – er geht demnächst online. Allerdings wollte ich die Themenreihe “Hochzeit” dann doch mit etwas grundlegend Positivem beginnen, weshalb dieser Eintrag eher online geht.

Bisweilen verstört es die TL der @MsPittili ja (meine TL wundert sich mittlerweile eh über nix mehr), daß ich mir allwöchentlich die komplette Breitseite “Um-die-Wette-heiraten-mit-dem-Lustigen-Frisurenmann” gebe. Aber das hat Gründe, Gründe, die, wie ich gern zugebe, auch über die Vorbereitung auf die Hochzeit hinaus gehen. Ich scheue mich nicht zu sagen: “4 Hochzeiten” ist enorm unterhaltsam – wenn man es mit Twitterbegleitung schaut. Besondere Grüße an dieser Stelle an alle, die die @MsPittili so unter dem Oberbegriff “Die Gang” zusammenfasst. Damit sind all jene gemeint, die einem jedem Sonntag das Frühstück vergolden, indem sie mit einem über #vierHochzeiten lästern und dabei auch mal die hemmenden Grenzen der Political Correctness gezielt sabotieren. Mädels, ihr wißt, wer gemeint ist – ihr seid ganz groß! Smiley Jedenfalls – ich muß ja jetzt die Kurve kriegen zum eigentlichen Thema – geht es heute um das, was man eben nicht zu sehen bekommt in den Sendungen, weil es zumeist schon gelaufen ist. (Dabei wäre es soooooo goldig, wenn der Lustige Frisurenmann das auch alles kommentieren würde…) Es geht um den Junggesellenabschied.

Seit ich das Trauzeugentum annahm war mir implizit klar: Du mußt einen Junggesellenabschied fabrizieren. Gut, das war letzten September, daß mir das klar wurde – und ich bin ein Mann! Will heißen: Der Gedanke hielt dann erst einmal Winterschlaf bis Februar – und selbst dann erwachte er eher langsam. Irgendwann wurde es aber wirklich Zeit und ich schrieb mal die mir zugearbeiteten Kandidaten an um mal grob die Terminfrage zu klären. Ohne die umfassende Zuarbeit des Bräutigams wäre das nicht so ohne weiteres möglich gewesen – ihr müßt wissen: Die Kandidaten auf der Ursprungsliste sind recht weit verstreut in deisem Land und ich kannte etwa ein Drittel von ihnen. Wenn ihr jetzt denkt, das wird hier eine Geschichte, an deren Ende zwei Dutzend sturzbesoffener Kerle in lächerlichen Kostümen marodierend durch die Gegend taumeln und den Protagonisten dazu zwingen Lümmeltüten an fußlahme Omis zu verkaufen, dann muß ich euch in mehreren Dimensionen enttäuschen. Aber immer der Reihe nach.

Zunächst einmal: Das Feedback war relativ verhalten zu beginn, als die Deadline aber heran rückte, da war auf der Doodle-Seite sowas wie Hochbetrieb – und auch noch in den Wochen danach. Zwinkerndes Smiley Jedenfalls schrumpfte dann der Teuilnehmerkreis recht schnell auf 5-6 Leute zusammen. Zwei sagten kurzfristig ab, einer kurzfristig zu. Am Ende blieben also ganze 5 Beteiligte. Es sollte sich noch zeigen, daß das jetzt nicht unbedingt die schlechteste Mischung war. Falls ihr mal so etwas ausrichten müßt: Verabschiedet euch von dem Anspruch alle unter einen Hut bringen zu wollen – das wird nix! Wir hatten schon ein halbes Dutzend Termine, unter denen 2 Feiertage, ein Brückentag und 2 Wochenenden waren – am Ende konzentrierte sich alles auf den Brückentag; den 30. Mai. Geht am Besten pragmatisch ran – nehmt den Tag wo die meisten können und basta. Die anderen können es sich einrichten, oder es geht halt dann leider nicht. Interessanter Weise waren die tatsächlich Anwesenden dann die, von denen recht früh klar war, daß sie kommen und einer, der sich extra über Mittag frei schaufelte um wenigstens an einem Teil des Tages dabei zu sein.

Gut, das war Schritt 1! Schritt Nr. 2 bestand dann darin, so etwas wie ein Programm zu finden. Ich hatte da etwas spezielle Vorgaben vom Bräutigam, die mich in zweierlei Hinsicht beruhigten. Erstens weil unsere Meinungen was das “sich öffentlich zum Obst machen” angeht komplett deckungsgleich sind. Ich konnte ihn da absolut verstehen was die “no gos” angeht, sehe ich das doch exakt genau so. Zweitens wollte er keinen entwürdigenden Scheiß machen und ich war heilfroh, daß ich keinen solchen organisieren oder aushecken mußte. Ich hätte mich ja schon alleine dabei unwohl gefühlt ihm sowas an zu tun. Ich verfasste dann also meine groben Ideen in einer Mail und schickte sie nochmal rum (zur Sicherheit nochmal an alle – falls es Nachmeldungen geben würde). Setzte dann nochmal ne Deadline zur Rückmeldung. Kam nix! Also fast nix; denn quasi beim Abschicken der zweiten Mail klingelte dann doch das Telefon. Gut, wir waren also immerhin schon mal zu dritt. Darauf konnte man aufbauen. Zwinkerndes Smiley Aber die zweite Mail zündete dann und ich sammelte die dringend nötigen Anmeldungen ein. Nötig, weil wir einen Programmpunkt verbindlich buchen mußten, bei Ausfall eines Spielers wäre die Kohle dann weg gewesen. Am Ende hatte ich dann also 4 Rückmeldungen, die komplett dabei waren. Ich buchte also und das Grobgerüst stand. Wir hatten einen tollen Tag.

Nun, so einfach war es dann leider doch nicht. Erst einmal muß gesagt sein, daß einen permanent Zweifel plagen, ob das alles klappt, ausreicht, genug ist, die Ideen zünden oder auch – ganz banal – ob es dem Hauptakteur am Ende auch gefällt. Noch bescheidener ist es, wenn das eigentlich als Highlight am Ende geplante Konzept nicht aufgeht. Die Idee eines gemeinsamen Grillens und Lagerfeuers mit anschließender Schlafsackübernachtung in einer Grillhütte scheiterte kläglich. Mal eine Grundsatzfrage: Warum vermiete ich überdachte Grillhütten mit Lagerfeuerstelle und schmeiße die Mieter dann zwischen 21 und 22 Uhr raus? Schicke am Ende gar noch den Förster vorbei um zu kontrollieren? Diese Logik erschließt sich mir nicht. Als dann auch noch die Ausweichvariante – ein Zeltplatz mit Grillhütte in idyllischer Lage – weg fiel, weil man da dann doch nur “Jugendgruppen” aufnehmen könne… da hatte ich dann die Schnauze gestrichen voll. Sabotage!!! Skandal!!!! Nee, das war nicht schön. Was macht man da? Ich hatte – sein wir ehrlich – keinen blassen Schimmer! Zumal das knapp eine Woche vor dem JGA war. Am Ende waren es die MsPittili und einer der Beteiligten, mit dem ich ein wenig intensiveren telefonischen Kontakt hatte im Vorfeld, die mich wieder auf die richtige Spur brachten bzw. mich zumindest vermuten ließen, daß es nicht verkehrt ist, sich auch mal auf die Eigendynamik einer solchen Männerrunde zu verlassen. Hinzu kam, daß das Wetter auch sehr unsicher war an dem Tag und das Outdoor-Grillhütten-Ding daher ohnehin unpraktisch erschien. Ich suchte also eine Grillfläche in Wiesbaden heraus, die 1. “Open End” bot und 2. nicht reserviert werden mußte – was sich im Wesentlichen auf eine einzige Location am Rhein beschränkte. Das schrieb ich dann auf einen Zettel und packte den in den Rucksack. Dieser wiederum kam in den Kofferraum zu einem Kasten des Heimatstadtbieres des Bräutigams, welchen ich ein Mal quer durchs Land kutschte und startete am Männertag bei Dauerregen meinen Trip gen Hessen.

Den Vorabend verbrachten wir bei Spielen und den einen oder anderen… und dann natürlich noch einem anderen Whisky und ließen uns Grillgut schmecken. Alleine das trug dann schon zur Beruhigung meines Nervenkostüms bei. Langsam gewann “wird schon klappen” die Oberhand über “ohgottohgottohgottwiesolldasallesgutgehen?!?”.

Da wir die ganze Meute erst um elf Uhr versammelten, blieb vorher noch ordentlich Zeit ein angemessenes Frühstück einzunehmen um uns – insbesondere den Bräutigam – für diesen Tag zu stärken. Männer legen Grundlagen nicht irgendwie, sie tun das so:

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Und sie erfinden dabei Flaggen, wie etwa die der “Freien Republik Maskulinistan”:

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Das war ja alles nicht geplant, das kam eher spontan – waren halt vom Abend noch Würschte übrig! So gestärkt fuhren wir noch flink zur Wäscherei – einer der klassischen Programmpunkte eines jeden JGA – und brachen dann nach Wiesbaden auf. Zu dritt im Übrigen, da einer der Protagonisten sich direkt zu uns gesellte. Dabei sei gesagt, daß ich ein (vor allem für mich selbst) beeindruckendes Talent zu besitzen scheine, Strohhüte aus anderen Wohnungen zu klauen, ohne daß der Betreffende dies bemerkt. Jedenfalls nicht, bis ich ihm den in konspirativer Weise aufs Haupt setze. (Ein wenig Uniformität muß halt sein). Dazu Shirts in der Farbe der Hochzeit und fertig ist das dezente, aber dennoch identifizierbare Outfit. Da ich mich selber in Wiesbaden nicht wirklich auskenne und die Stadt erst zum zweiten Mal heimsuchte, brauchte ich als Treffpunkt irgend was Markantes. Etwas, was auch andere Ortsfremde leicht finden und das obendrein vom Mittagessen nicht allzu weit entfernt ist. Wer auch immer es war, der auf dem Schloßplatz ein riesiges Mosaik eines Wappenadlers auslegen ließ, ihm sei hiermit gedankt.

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Das Ding gab einen 1a Treffpunkt ab. Während wir warteten hatten wir obendrein noch Gelegenheit eine Oldtimerrallye (Start) und die Hochzeit eines Feuerwehrmannes zu beobachten. Es muß ein recht lustiges Bild abgegeben haben, wie da eine Hand voll Leute mit Strohhüten (deren Absichten recht leicht erkennbar gewesen sein dürften) auf dem Adler herum stehen zu sehen.

Einer unserer Gruppe verspätete sich etwas und hatte keinen Hut auftreiben können. Dafür brachte er aber einen Schnaps-Meter mit. Glaubt mir: Männer können Unpünktlichkeit sehr schnell verzeihen. Außerdem müssen wir ihm eigentlich sogar dankbar sein, denn dank ihm erlebten wir postwendend das erste kleine Highlight. Wir marschierten zusammen – zu sechst – in einen Hutladen, in welchem sich bereits einer der unseren 20 Minuten vorher mit einer Kopfbedeckung ausgestattet hatte. Da gab es Hüte… also ich hab noch nie gesehen, daß es in einem Laden so viele Hüte gibt… ich war sprachlos. Hier mal ein kleiner Teil des Sortimentes:

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Der Verkäufer war zunächst verwundert, warum da fünf Leute MIT Hüten seinen Laden betraten, schlußfolgerte aber richtig: “Junggesellenabschied”. Ohne auf Details eingehen zu wollen: Es war sehr unterhaltsam; wohl selten wurde ein Hut mit derartigem Spaßfaktor erstanden. Anschließend durfte dann auch das Eröffnungsbierchen fallen. Beim Anschließenden Besuch beim All-You-Can-Eat-Sushimann (ein Träumchen) war dann eigentlich klar, daß der Tag bis zum Abend eigentlich laufen würde. Zumal – was ich so nicht vorher gesehen habe, es aber dankend annahm – die Hüte eine gewisse Eigendynamit entwickelten:

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Wir gaben der Hutablage auch wieder ihren tieferen Sinn zurück, wenn wir motorisierter Weise unterwegs waren:

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Motorisierung war nötig um zur Nachmittagsbeschäftigung zu gelangen: Dem Lasertag. Das war in der Planung auch so ein Ding… . Ursprünglich hatte ich ja mit Paintball geliebäugelt, fand dann aber dank der Braut (die das wiederum der MsPittili erzählte) eine Alternative die neben dem Mangel an “Autsch” und der Möglichkeit eben nicht den ganzen Tag Zweitklamotten mit sich herum schleppen zu müssen auch noch den Vorteil einer gewissen Stilsicherheit lieferte. “Approved by Barney Stinson” – das kann nur gut sein. Ich will jetzt wiederum nicht auf Details eingehen, aber es war ebenfalls eine gute Sache glaube ich, die auch entsprechend ankam. Nur eines ist schockierend: Wenn man von 15jährigen Mädels gleich im ersten Spiel erst gnadenlos zusammengeschossen und danach noch mit “Na Jungs, da müßt ihr aber noch ein bissel üben” verhöhnt wird. Kein Respekt mehr vor der Jugend! Ich hab ja schon Ballerspiele gezockt, da waren die noch nicht einmal geboren!!!! Respektlos uns Veteranen gegenüber! Zwinkerndes Smiley Aber die weiteren Spiele liefen besser und ich verstörte noch mit einem unbedachten (aber mMn außerordentlich guten) Spruch eine Mutter, die unsere nächsten Gegner (Kinderbeburtstag) begleitete. Am Ende waren wir erschöpft, durchgeschwitzt und genehmigten uns zur Sicherheit gleich zwei Kaltgetränke bevor wir wieder in die Innenstadt strebten.

Nun kam eigentlich der Teil des Abends, der am heftigsten in der Luft hing. Über “wir machen einfach Indoor eine Kneipentour” ging die Planung ja nicht hinaus. Zuerst allerdings gabs einen späten, gemeinsamen Kahvi und hernach einen Volksfestbesuch mit zünftigem Biertischgarniturbierkonsum.

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Seltsamer Weise machte mir da die Planungsunsicherheit eigentlich gar nix mehr aus. Das lief bisher so gut, das würde auch irgendwie noch einen tollen Abschluß finden. Was es dann auch tat. Urplötzlich zog die Wolkendecke nicht nur auf sondern dankbarer Weise gleich komplett ab und wir saßen - zwischen einigen Blödeleien und dummen Sprüchen – urplötzlich in der prallen Sonne. Was machen Männer, die von gutem Wetter überrascht werden? Sie besinnen sich auf ihre Urtriebe und beginnen sich zu fragen, ob es nicht möglich sei zu grillen. Es war möglich.

Ab in die Personenkraftwagen und im Einkaufstempel das Equipment besorgt. Was uns selbst erst wesentlich später auffiel, allen eingeweihten Frauen aber sofort ins Auge sprang: Wir kauften auch ein wie Männer. Was braucht “Mann” denn zu Grillen? Einen Grill, klar! Kohle und Anzünder? Logisch! Und als Munition? Nun, 3 Packungen Würste, eine XXL-Packung Steaks und ein 10er Beutel Brötchen nebst Senf und Ketschup – passt! Wir entschieden uns sogar noch für die zivilisierte Variante mit Papptellern, Servietten und Plastebesteck (kann man ja auch nicht unbedingt erwarten). So pilgerten wir also dann zum Rheinufer, den Schnaps-Meter (oder besser dessen Reste) stolz vor uns her tragend, und ließen uns auf dem Rasen nieder. Bier hatten wir ohnehin genug in den Kofferräumen und meinen extra fürs Campen organisierten Fußball konnten wir dann sogar auch noch seiner Bestimmung zu führen.

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Wir verbrachten also die letzten Stunden des JGA auf einer Wiese am Rhein, die wir praktisch ganz für uns allein hatten. Dazu Sonnenschein, ein gut heizender Grill und jede Menge totes Tier, ein Fußball und einer Menge dummer Sprüche (Uferillumination mit brennenden Gänsen und so was… ihr wißt schon) – aber warum auch nicht!?! Es war ein Heidenspaß, aber einer der unaufgeregten Sorte. Als wir den Abend dann mit einer guten Zigarre um den erlöschenden Grill herum stehend beschlossen, war das ganze Drama der Vorbereitung, welches zeitweise ja herrschte, dann irgendwie auch wieder vergessen.

Ich kann jetzt hier nur für mich sprechen, aber ich bin unterm Strich schon sehr zufrieden mit dem Ergebnis der ganzen Organisation. Sicherlich hätte einiges eher, schneller, frühzeitiger oder auch koordinierter laufen können. Allerdings ist es schwer das auch so umzusetzen, zumal, wenn das für einen eine Premiere ist und einem kurz vor Ende noch ein eigentliches Highlight weg bricht – was irgendwie aber auch kein Problem mehr war als wir da um unseren Grill herum standen und die dicken Rauchwolken in den Abendhimmel bliesen. Daher an dieser Stelle nochmals Dank an alle Beteiligten, die dazu beigetragen haben, daß der Tag so verlief, wie er dann eben verlief!

Und wenn ihr demnächst mal einen JGA organisieren müßt Männer – tut eurem “Schutzbefohlenen” vielleicht nicht allzu viel Schreckliches an. Vor allem: Macht euch am Ende nicht so viele Gedanken über das Gelingen – wie ich es streckenweise tat. So lange ihr ein paar coole Typen zusammen getrommelt bekommt, Bier in Reichweite ist und ihr vielleicht noch einen Schnaps-Meter habt (ohne wird es schwer), dann wird das schon. Zwinkerndes Smiley

Montag, 9. Juni 2014

LEAVING HERE–PEARL JAM EUROPE 2014

 

So Mädels! Nun wird es Zeit für den obligatorischen Der-Onkel-geht-zu-Pearl-Jam-Konzerten-Vorfreude-Blogeintrag. Dieses Jahr war ich etwas säumig, was das angeht. Das ändert sich jetzt. Säumig war ich #ausGründen. Die letzten Wochen, ihr habt es mitbekommen, waren sowohl beruflich anstrengend und zeitraubend, als auch durch die ehrenvolle Aufgabe als Trauzeuge vom Gründervater H. zu fungieren, recht gut ausgefüllt. Heute haben wir den letzten großen Batzen Hochzeitsvorbereitungszeug (genauer werde ich das nicht definieren – ebenfalls #ausGründen) gemeistert. Also habe ich genug Freiraum um mich mal zum Konzerturlaub zu äußern.

Es ist jedes Mal, wenn Pearl Jam auf Tour gehen das gleiche Lied. Man wartet die Tourdaten ab, freut sich und überlegt, wohin man denn mal reisen könnte. Denn – und das ist das Schöne an dieser Band – Pearl Jam geben einem immer wieder eine formidable Ausrede um endlich mal die eine oder andere Stadt zu bereisen, die man schon immer interessant fand oder die man einfach mal wieder sehen wollte, es aber ohne die Konzerte nicht geschafft hat. So brachten mich die Jungs neben den obligatorischen Besuchen in der alten Heimat (ja, auch das ist immer wieder schön) unter anderem nach Rotterdam, Nijmegen, Prag oder – was bisher der schönste Trip war – gemeinsam mit der Frau ins schöne Stockholm. Man kommt etwas rum, sieht ein paar Fleckchen dieser Welt, die einem nach der Reise wahrscheinlich so vorkommen, als ob sie einem fehlen würden, wenn man sie nicht gesehen hätte und erlebt dabei ein paar wirklich denkwürdige Konzerte.

Klar, ich bin nicht objektiv, was diese Band angeht. Aber da ich nicht der einzige bin, der sie für die wohl beste Live-Band auf diesem Planeten hält, muß ja irgend etwas dran sein. Ich habe schon viele Konzerte und Festivals besucht, viele Bands gesehen, viele unvergleichliche Abende zwischen schwitzenden, tanzenden Mitmenschen erlebt und auch die eine oder andere Enttäuschung erleben müssen (Gott sei Dank hielten diese sich in Grenzen). Ich habe unglaublich gute und tragischer Weise gleichzeitig ebenso unterbewertete “Underground” Bands gesehen, die ganze Säle zum kochen brachten und ich habe den einen oder anderen “Großen” an genau dieser Aufgabe hoffnungslos scheitern sehen. Ich erinnere hier nur an die Hives – ich freute mich auf die Kerle und was sie boten war – naja, bestenfalls “nett”! Andererseits habe ich auch jenseits von Pearl Jam Konzertabende erlebt, die einen schier umgehauen haben. Künstler, die einfach mit Leib und Seele auf der Bühne stehen und einen alles um einen herum vergessen lassen. Legendär in dieser Hinsicht war zweifelsohne Nick Cave und seine Bad Seeds in Dresden im Jahre 2009, der Boss im Olympiastadion Berlin 2012, Nightwish 2012 (was für ein Abend, was für eine Show – ich glaube so gut wie an diesem 1. Mai waren sie noch nie und werden es wohl leider auch nicht so schnell wieder werden) oder das legendäre erste “Space Hell Weekend” mit Motörhead und Monster Magnet binnen 2 Tagen anno 2010. Auch das Drum-Battle im “Marks”, einer 100 Mann (und da wurde es extremst eng) Kellerkneipe im finnischen Joensuu, wo sich die beiden besten Schlagzeuger des Landes (-> Kingston Wall? Anyone???) fast 2 Stunden duellierten und den zur Verstärkung angerückten Bassisten nach kurzem Gastspiel duschen schickten, weil sie einfach derart gut drauf waren, daß andere Instrumente nur störten, darf hier nicht fehlen. Aber alles das fällt selbst hinter dem “schwächsten” der von mir erlebten Pearl Jam Konzerte (keine Ahnung welches das ist) weit, weit zurück.

Pearl Jam, das ist nicht nur eine Kapelle, die ihre größten Hits runter nudelt und Standardprogramm liefert; Pearl Jam, das ist von viele von uns “Besessenen” so eine Art Religion. Die meisten haben mit dieser Band in den frühen 90ern angefangen (wie ich) und sind einfach dabei geblieben. Es ist wie eine Begleitmusik zu unserem Leben geworden mit den Jahren, vor allem, da die Band mit alterte und das auch zuließ. Viele Bands versuchen immer und immer wieder das gleiche Album zu produzieren und die gleichen Posen zu zelebrieren, wie in ihren 20ern, aber das wirkt nicht echt… das merken die Leute im Publikum. Auch Pearl Jam sind dabei dem viel zitierten “Zeitgeist” unterworfen, auch sie haben sich mittlerweile von einer Ticketmaster verklagenden Band zu einer entwickelt, die man hierzulande unter 60€ nicht mehr zu sehen bekommt. (Jedoch sei auch gesagt, daß das in anderen Ländern (-> Prag 2012) mitunter anders ist, da kommt man für gut die Hälfte in den FOS – liegt also nicht ausschließlich an der Band.) Der große Unterschied ist jedoch, daß sich jeder Cent lohnt bei Pearl Jam! unter 150 Minuten Rock-Show geht man selten nach Hause. Da “meine” drei Konzerte in 2014 sogar unter “An Evening With Pearl Jam” laufen, also keine Vorband haben, dürfte man wohl an der drei Stunden Marke heftigst kratzen. Die Songs variieren extrem. Ich habe bisher vergleichsweise bescheidene 9 Konzerte gesehen. Insgesamt ergibt das folgende Statistiken:

* 264 Songs wurden insgesamt gespielt (Nijmegen war ein Festival, auf dem entsprechend 10 Lieder weniger gespielt wurden – was den Schnitt drückt).

* 102 verschiedene Songs wurden dabei gespielt.

* 3 Songs wurden bei jedem Konzert gespielt, habe ich also 9 Mal gesehen.

* 10 Songs habe ich mindestens 7 Mal gesehen.

* 40 Songs habe ich hingegen auf allen 9 Konzerten nur ein einziges Mal gehört.

* Bei jedem Konzert waren mindestens 3 Songs dabei, die ich noch nie vorher live gehört hatte (bei meinem 9. Konzert in Stockholm waren es 5 – und dabei hatten sie auf der Tour nicht einmal ein neues Album zu promoten).

* 62 Songs habe ich maximal zwei Mal gehört.

* Bei der letzten Tour 2012 haben sie auf “meinen” drei Konzerten 95 Songs gespielt – darunter waren 59 verschiedene bei 36 Doppel- oder Trippelungen.

* Nie, ich wiederhole: NIE habe ich mit meinem Tipp für den Opener richtig gelegen (was in gewisser Weise auch ein persönliches Drama ist).

Wer an einer kompletten Liste der Songs interessiert ist, inkl. wie oft ich sie gehört habe… auch das könnte ich liefern. Bin ja kundenorientiert. An all jene, die jetzt sagen mögen: “Ach, der hat doch dafür ne App, die ihm das ausrechnet… der Poser!”, sei ein “Stimmt!” gerichtet. Jedoch habe ich diese App erst seit Februar. Davor habe ich das alles (was sich ja seither auch nicht geändert hat), noch sauber selbst ausgekaspert und nieder geschrieben. Wer sich jetzt wiederum fragt “Sind die alle so drauf?” – Ja, sind wir! Zumindest viele von uns. Ich bin da ja noch ein halbwegs vernünftiges Exemplar – glaubt mir das ruhig.

Na, zumindest seht ihr, daß es dann schon seinen Sinn macht,wenn man mehrere Konzerte der Herren auf einer Tour besucht. Standardprogramm gibt es bei Pearl Jam nicht wirklich. So war ich also dieses Jahr auch wieder hart am Überlegen, welche Konzerte es sein sollen. Da die zwei ansonsten gesetzten Amsterdam-Shows auf Grund anderweitiger Prioritäten (siehe oben) nicht zur Debatte standen, mußte ich mir um meinen Standardtermin in der alten Heimat herum noch ein paar andere Shows ausgucken um auf meine Minimaldosis von 3 Konzerten zu kommen. Also begab es sich, daß ich mich eines meiner Lieblingsländer erinnerte; Italien! Vier tolle bis legen*warte noch*DÄRE Urlaube habe ich dort bereits verbracht aber es immer geschafft um Norditalien einen Bogen zu machen. Nicht so die Kleine Schwester, die lebte da ein halbes Jahr. Da traf es sich für uns beide doch vorzüglich, daß Pearl Jam am 20. Juni in Mailand spielen. Und wenn man schon mal da ist, dann kann man auch gleich noch fix nach Triest rüber kutschen – die vermeintlich “kleinen” Konzerte sind oft die größten Burner – und Triest unterschätzen bislang alle beim sonstigen Metropolen-Hopping der Band dieses Jahr. Triest da war man ja schließlich auch noch nicht. Und den Tourabschluß, ja den verbringt man dann wieder einmal in Berlin. Wo? In einer der wohl schönsten Locations wo geben tun tut: Der Wuhlheide. Mailand wird noch dadurch speziell, daß das Konzert im Stadio San Siro statt findet – DEM Fußballtempel in Stiefelland wenn ihr mich fragt! Für mein Jubiläumskonzert ist das wirklich noch mal ein spezieller Rahmen. Ich freue mich schon drauf! Natürlich reisen wir ein paar Tage früher an und schenken uns auch den Schwenker nach Wien (ein Tag Pause vor Berlin und ich hätte nicht widerstehen können…), was wir im Tourplan quasi überspringen um den Städteurlaub genießen zu können ohne allzu sehr in Stress zu verfallen.

Kurz gesagt: Der Onkel kommt mal wieder ein wenig herum mit seiner Lieblingsband – und er findet das bombig! Smiley mit geöffnetem Mund

2012 habe ich ja ein paar Wünsche geäußert, was die Setlists angeht und die Songs, die ich sehen wollte. Das ist derart brontal gegen die Wand gelaufen, daß ich es 2014 eigentlich lassen sollte. Vor 2 Jahren kam gefühlt NICHTS von dem, was ich mir wünschte – und es war trotzdem eine perfekte Tour. Für 2014 beschränke ich mich mal auf nur zwei kleine, niedliche, leicht erfüllbare Songwünsche an die Band.

1. Es wäre an der Zeit, mich endlich von meinem “Release”-Trauma zu erlösen. Statistisch gesehen der “häufigste” Opener, aber bei meinen Konzerten noch nie dabei. Dabei ist der Song sooooooooo schön, soooooooooooo großartig!!! Also bitte Jungs, faßt euch ein Herz! Perfekt wäre übrigens Mailand – nur mal so.

2. Mir fehlen noch 6 Songs von meinem Lieblingsalbum, der No Code, in der Statistik. Ich weiß, daß ihr diese Songs kaum bis gar nicht spielt, wie ihr das ganze Album aus unerfindlichen Gründen eher ignoriert auf den Setlists. Jedoch wäre ich euch sehr verbunden, wenn da ein oder zwei Songs am 27. Juni mit einem Häkchen versehen wären bei mir.

Das war es für 2014! Keine weiteren Wünsche – spielt was ihr wollt, es kann nur toll werden! Von mir aus auch meine musikalische Nemesis, das furchtbarste Lied, was ihr je geschrieben habt (Insider wissen, was ich meine). Ich kann es nicht verhindern und in Berlin wird es eh kommen wenn Eddie wieder die Ramones-Nostalgie packt – es sei euch verziehen; vielleicht mache ich auch langsam mal meinen Frieden mit dem Ding.

Gut, lieber Bloggergemeinde. Habt also auch ihr alle eine schöne, tolle, erholsame Zeit. Ich bin draußen, was aber auch kaum auffallen wird beim niedrigen Aktivitätsniveau der letzten Wochen. Ein paar Postings sind allerdings schon vorgeplant, gehen also während meiner Abwesenheit online… nicht wundern. Die, die es interessiert wie es mir so ergeht, die wissen, auf welchem Kanal sie meine Wasserstandsmeldungen aus Italien finden können. Ich ziehe den Hut vor allen, die bis hier tapfer durchgelesen haben und außer “der hat doch ne Meise” noch andere Gedanken hegen können.

Man liest sich! Smiley mit geöffnetem Mund

P.S.: Behaltet mal an meiner Statt dieses komische WM-Dingsbums im Auge und sagt mir, ob es sich lohn da noch televisionär mit ein zu steigen wenn ich Ende Juni wieder im Land bin.

Sonntag, 8. Juni 2014

FIFA WORLD CUP 2014–WOFÜR DIE SAMBASTANER EIN PAAR MILLE HABEN HINBLATTERN MÜSSEN

 

Es war ja verdächtig ruhig geworden hier, das muß ich zugeben. Mir fehlten neben Themen, die es lohnten verbreitet zu werden bzw. die schon verbreitet werden konnten, vor allem die nötigen Zeitreserven, das allerdings #ausGründen. Nun habe ich mal wieder ein halbes Stündchen Zeit und dem entsprechend auch Motivation und Muße, mal wieder etwas zu schreiben.

Seid ihr eigentlich auch schon alle so dermaßen nicht im WM-Fieber wie ich? Es ist komisch in 2014, sehr komisch. Seit 2006, wo es zugegebener Maßen besonders schlimm war, hatten wir hier alle 2 Jahre einen mittelschweren, nationalen Endorphinschub zu verkraften. Ein Land im Titelrausch – so hatte man den Eindruck. Draußen fuhren an allen Ecken und Ende Autos mit Fähnchen, Rückspiegelschonern, Magnetschildern oder sonst welchem Tand unsere Nationalflagge spazieren. Alle starteten wir in dem Bewußtsein in das jeweilige Turnier, “daß das diesmal klappen könnte – ja müsse”. Was? Na der Titelgewinn. Man hoffte, daß sich die bundesdeutschen Ballschänder in nur wenigen Wochen entweder Europa- oder gar Weltmeister schimpfen können. Und wir uns mit ihnen versteht sich. Nebenher schwang noch immer die Hoffnung auf ein so genanntes “Sommermärchen” mit. Aber entweder standen uns in den vergangenen 8 Jahren die Luigis im Weg, oder die unbezwingbar erscheinenden Paella-Virtuosen erledigten den Job uns aus dem weg zu räumen gleich selbst.

2014 nun wiederum habe ich für meinen Teil das Gefühl, daß das in Brasilien schier aussichtslos ist. Ich denke zwar, daß wir von den individuellen Spielern her so gut aufgestellt sind wie seit 1996 nicht mehr, aber ich habe meine Zweifel, daß die als Team gut genug funktionieren werden. Warum? Nun, mich verunsichern nicht die Spieler die wir haben, sondern die, die wir nicht haben. Dieses glatt geschmirgelte Muttersöhnchenkonglomerat, das da unter Führung unseres rasenden Bundesjogis in die Welt geschickt wird, dem fehlt einfach eine zentrale Spielerpersönlichkeit. Eine “Persönlichkeit”!!! Einer, der auch bei einem Rückstand mal das Herz in die Hand nimmt und die Jungs mit reißt, jemand, der zur Not auch mal den gegnerischen Spielmacher gelbwürdig umsenst und das viel zitierte “Zeichen setzt”. Jemand, der in entscheidenden Phasen “den Unterschied macht”. So jemanden, schauen wir der Realität ins Auge, haben wir einfach nicht. Im Einheitsbrei der politischen Korrektheit und Kollektivharmonie geht so jemand einfach unter – ist, so habe ich den Eindruck, gar unerwünscht. Der letzte “Leader” wurde vom Defensivzwerg und dem beschalten Machthaber ja vor vier Jahren regelrecht aus der Mannschaft gemobbt. Seit Ballack ist jeder Spieler austauschbar. Auch – und vor allem – der Lahm. Soll er doch weiter von seinem “Anspruch ein Führungsspieler zu sein” reden, alleine dadurch ist er noch lange keiner. Wahre Führungsspieler stellen sich nicht vor Kameras uns sagen “Ich bin ein Führungsspieler”, sie zeigen das erst auf dem Platz und sagen dann zum Interviewheinz sinngemäß: “Wir brauchen Eier!”. Der Phillip ist dafür einfach zu konformistisch mit dem Coach, zu lahm… er ist ein Lä(h)mmchen. Den Rest der Truppe kann man unter diesen Umständen auch gleich mit in der Pfeife rauchen, außer der einen oder anderen Anwandlung vom Boateng ist da einfach nicht viel. Gut, Großkreutz… aber der funktioniert auch nur bei seinem BVB als reviermarkierender Faktor auf und neben dem Platz. Nee Leute, ich sehe schwarz – das wird nix in Brasilien.

Allerdings, so teile ich mit, könnt ihr mich ja auch widerlegen. Wie? Nun, beim offiziellen Foxymorph-Tippspiel zum Wettmurmeln in Sambastan. Wer will, der melde sich hier an:

SAMBAFOXY - DAS FOXYMORPH WM TIPPSPIEL

und teile mir bei der Request einfach kurz im Text mit, wer er von euch (v.a. Stammlesern) ist. Die Runde ist schon gut gefüllt, aber ich will euch nochmals eine letzte Chance geben. Zwinkerndes Smiley 

In diesem Sinne: Rinjehaun’!

Dienstag, 29. April 2014

HIGH HOPES

(Bruce Springsteen)

Tach auch. Erinnert ihr euch eigentlich noch an eure Schulzeit? Genauer gesagt den Geschichtsunterricht? Als es damals um die Industrialisierung, die Arbeiterbewegung, Weimarer Republik und alles was danach kam ging? Ja? Dann ist ja gut! Dann könnt ihr euch vielleicht auch an das erinnern, was mir zu meiner Pennälerzeit des Öfteren kredenzt wurde wenn es um das Erringen möglichst ästhetischer Noten ging: Die Quellenanalyse!

Ich fand das eigentlich ganz cool, da bekam man irgend einen Zeitungsausschnitt oder ein Bild und sollte dann mal ein wenig einordnen, erklären, interpretieren oder – was jetzt der worst-case war aber auch funktionierte mitunter – bei kompletter Ahnungslosigkeit möglichst glaubwürdig über etwas schwadronieren, wovon man im Grunde genommen keinerlei Ahnung hatte. Aber Quellen waren gut, denn sie lieferten selbst in letzterem Fall wenigstens noch Informationen, die eine offene Frage nicht lieferte. Geradezu großartig fand ich es, alte Wahlplakate zu analysieren. Die waren damals zwar nicht so politisch korrekt wie heute, aber sie hatten irgendwie noch… wie nennt man das gleich nochmal, was heute total out ist… ach ja: Inhalt! Mitunter waren es Karikaturen oder mit spitzer Feder formulierte Verunglimpfungen des politischen Gegners, ja, zum Teil war man derart verrückt, daß man auf so ein Wahlplakat einfach mal drauf schrieb, was man politisch eigentlich will! So irre waren die damals, stellt euch das mal vor!

Heute vollkommen undenkbar!

Da ja nun Europawahlen anstehen wird das Land gerade wieder mit Plakaten überzogen. Design geht über Inhalt, Person über Aussage – so kann man es wohl auf den Punkt bringen. Ging es früher den Parteien noch darum, daß man dem Wahlvolke mitzuteilen gedachte, was man denn will, versuchen die Spin Doctors und Cunsulting-Unternehmen im Hintergrund heute vor allem eine derart rund geschmirgelte Kampagne zusammen zu schustern, daß man gar nicht erst in die Gefahr kommt sich in irgend einer Weise festlegen zu müssen. Andererseits wird, politisch korrekt, auch keinem weh getan mit den aufgedruckten Botschaften. Wir sind alle potentielle Wähler und sollen es auch bleiben – tatsächliche Wähler, Wähler, die man mit Inhalten überzeugt hat, sind scheinbar uninteressant. Man kann es auf die Formel bringen: “Lieber keinen Wähler verschrecken als einen zu überzeugen!”

Ich habe mal ein paar dieser Allgemeinplätzchen quer durch die Plakatwelt hindurch zusammen gestellt. Seht selbst, was uns die Parteien so an inhaltlichen Schwerpunkten und jeweiligen politischen Alleinstellungsmerkmalen mitzuteilen haben:

“Damit Europa mehr Arbeit und Wachstum schafft”

“Ein Europa des Wachtsums, nicht des Stillstandes”

Na, wer will hier was? Muß man doch erkennen! Während der erste Slogan doch nur so vorm CDU-Konservativismus trieft, ist im zweiten doch glasklar die viel zitierte, programmatische “sozialdemokratische Handschrift” zu erkennen! Oder war es doch anders herum?!?

Man könnte jetzt seitens der Union natürlich auch verkünden, daß man “Für einen stabilen Euro durch wirtschaftliche und soziale Stabilität in allen Mitgliedsländern” kämpfe. Oder seitens der SPD hielte ich auch “Wir setzen uns für die Zukunft junger Akademiker in ganz Europa ein und wollen auch in Spanien die Arbeitslosigkeit durch gezielte EU-Programme bekämpfen!” (Jaja, ich weiß, daß “gezielte EU-Programme” ein Oxymoron ist, aber man kann ja mal Visionen haben) für ein legitimes Plakat.

Die Linken wiederum, die ziehen gleich mit dem Holzhammer

“Wer Europa will, muß es den Reichen nehmen”

in den Wahlkampf. Joa, kann man sagen, muß man jetzt aber nicht. Wer definiert denn, wer “die Reichen” sind? Die Linken etwa??? Na dann gute Nacht! Außerdem: Was soll einem denn dieser hohle, Inhaltsleere Spruch schon hinsichtlich der Ziele der Linken sagen? Daß sie einen vollkommen illusorischen, ja undemokratischen Ansatz der Entrechtung und Enteignung von Minderheiten verfolgen? Kann man ja so verstehen den Spruch. Das dürfte, so hoffe ich zumindest, nicht das sein, was die wollen, aber dann sollen sie es verdammte Scheiße nochmal auch sagen!!! Was ist denn so schwer an:

“Wir kämpfen für höhere Spitzensteuersätze in der EU, damit Sozialleistungen gut refinanziert werden können!”

Ja, das wäre doch mal programmatisch und – im Grunde genommen eigentlich ohnehin ein klassisch-sozialdemokratisches Argument – auch mit ein wenig Inhalt gefüllt. Das andere Großplakat sagt schon fast warnend:

“Passt auf – Die Linke!”

Ja, das wiederum kann man guten Gewissens so stehen lassen!

Die Grünen, nunja, es ist bei weitem nicht ihre beste Kampagne, aber wenn man auf Subjekt+Prädikat+Objekt nicht allzu viel Wert legt und ein wenig Hintergrundwissen hat (also sprich ein Mal im Monat Tagesschau guckt), dann weiß man wenigstens, was sie wollen:

“Klimaschutz ohne Grenzen”

“Atom aus, Natur an”

“GENug”

das Beste Plakat, weil multifunktional formuliert: “Für ein Europa, in dem niemand untergeht!”

Die Kampagne der Grünen ist, im Übrigen schließt das deren TV-Spot mit ein, derzeit das einsame inhaltliche Highlight in diesem Europawahlkampf. Diese gequirlte Moppelkotze, diese breiigen und inhaltsleer daher geschwurbelten Allgemeinplätzchen der anderen Parteien sind doch eine Zumutung!

Klar, man könnte jetzt natürlich das Wahlprogramm dieser ganzen Pfeifen lesen, aber warum? Warum sollte ich ein Wahlprogramm einer Partei lesen, die mich mit ihrer Kampagne nicht einmal im Ansatz neugierig gemacht oder thematisch angefixt hat? Mir fällt kein Grund dafür ein. Informieren ja, aber ich töte nicht noch mehr meiner Lebenszeit – geschweige denn noch mehr Hirnzellen - damit mir solche aufgeblasenen Worthülsen wie “Europa neu denken" rein zu ziehen. Solche Phrasen sind so hohl, die kann einem kein Parteiprogramm vernünftig mit Fakten unterfüttern.

Nunja, wir werden sehen, wo das alles bis zum 25. Mai noch hin führt. Ich bin mittlerweile selber gespannt, wo ich mein Kreuzchen machen werde – eine Situation, in der ich mich seit 1998 nicht mehr befand. Zur Feier des Tages habe ich auch mein Plakat zu letzten OB-Wahl wieder heraus gekramt und – ich finde es ist immer noch höchst aktuell was die Message angeht – zu Ehren der Europawahl ein wenig gepimpt:

Plakat Europa

PS: Hier dann doch noch was zum Schmunzeln. Ratet mal, welches Randgruppenkonglomerat mittlerweile (Gott sei Dank) bundespolitisch Bedeutungsloser doch tatsächlich mit folgendem Slogan in die Europawahl zieht:

“Gute Argumente statt großer Versprechen”

… Brüller, oder?!!!! 

Samstag, 26. April 2014

Peljätty Humppa–Eläkeläiset am 19.04.2014 im F-Haus zu Jena

 

Mahzeit! Ich schulde euch noch einen Konzertbericht… das wißt ihr, das weiß ich… nur mein Hirn, das weit es nicht!

So ungefähr könnte man es zusammenfassen. Ich sage es lieber gleich: Ich bin diesmal nicht wirklich in der Lage einen meiner gewohnt distanziert-sachlichen *hüstel* Berichte über den letzten Sonnabend zu liefern. Ich begründe es mal in Reimform:

Das liegt nicht an mir, das liegt am Bier! (*tataaaa-tataaaaaa-TATAAAAAAA*)

Ja, heute vor einer Woche weilten die Frau und ich im gar nicht so fernen Jena und suchte dort die Kleine Schwester heim. Mit dieser wiederum bereise ich ja schon seit Jahren gemeinsam die Konzertbühnen dieses Landes – und von Prag. Jedenfalls hatte sie für uns Karten für dieses schmucke Event hier

Humppa1

Humppa2

beschafft. Vor gut zwei Jahren habe ich sie gezwungen an selber Stelle mit mir “zum Humppa zu gehen” (<- Fachbegriff), was man im Übrigen HIER nachlesen kann. Ähnlich wie letzte Woche tat sie dies mit einer gewissen Grundskepsis, was sich aber am Abend dann legte. Wer sich jetzt fragt, was dieses “Humppa” denn eigentlich ist, dem sei eine bekannte Videoquelle ans Herz gelegt. Ich werde es an dieser Stelle nicht erklären, weil man den “Humppa” nicht erklären kann. Entweder man hat den Humppa oder man hat den Humppa eben nicht. (An die Grenzen der Erklärbarkeit des Humppa stießen wir am Folgetag, als wir meiner Mutter zu erläutern versuchten, wo wir denn gestern eigentlich waren… es scheiterte kläglich.) Wenn man den Humppa hat, dann ist ein ganz zu Eläkeläiset geradezu zwangsläufig. Da diese Irren (im positivsten Sinne) auch noch aus der wundervollen karelischen Metropole Joensuu kommen, das macht es für mich gleich noch ne Spur cooler “zum Humppa zu gehen”!

Nebenbei wird bei einem Eläkeläiset-Konzert auch noch deutlich, was die deutsche Metal-Szene so grundsympathisch macht: Sie hat geschlossen einen an der Waffel! Die Herren aus Joensuu spielen in Wacken ebenso souverän wie im finnischen ESC-Vorentscheid. Den sie im Übrigen nicht gewonnen haben, was wiederum daran liegen mag, daß nicht einmal die Finnen die hiesige Faszination für den Humppa nachvollziehen können; und das will durchaus was heißen, wir reden hier von einem Volk, das Weltmeisterschaften im Handyweitwurf hervorgebracht hat. Jedenfalls wird einem vom Motörhead- bis zum Slayer-Shirt im Saal alles an musikalischer Uniformierung geboten, was das Hardrock-/Metal-Herz so begehrt. Außerdem – und jetzt kommen wir einerseits zum Grund für meine Unfähigkeit einen vernünftigen Konzertbericht zu verfassen und andererseits zum nächsten Argument, warum es komisch ist, daß Finnen nicht so gerne “zum Humppa gehen” – gehört zum Humppa auch immer Bier! Olut, wie der Finne sagt! Um bösen Gerüchten vor zu beugen: Ich hatte zu keinem Zeitpunkt des Konzertes mehr als ein Bier in der Hand… allerdings ebenso nie weniger als eines. Taktisch klug positionierten wir und direkt an der Bar und so war der Nachschub gesichert. Die vergleichsweise moderaten Preise von 2,50€ für den Becher Rosenpils und der nette Barkeeper mit dem Talent zum schnellen Zapfen taten ihr übriges.

Während wir also im Saal herum standen und (zumindest ich) fröhlich die Bar quersubventionierten, ging vorne auf der Bühne der gewohnte Blöd- und Irrsinn eines Humppakonzertes ab; was auch folgendes Foto nicht wirklich transportieren kann:

Humppa3

Irgendwann nach reichlich zwei Stunden war der Abend dann nach der dritten Zugabe vorbei – wie gesagt: mehr könnt ihr an Verlaufsinformationen zu dem Abend von mir nun wirklich nicht erwarten – und wir wurden noch Zeuge der finalen Zerstörung des Keyboards. War ja auch das letzte Konzert der Tour und da kann man sich schon mal vom Equipment verabschieden. Das wurde dann auch getan. Ich fand das Konzert zu diesem Zeitpunkt ja mal so richtig spitze! Smiley mit geöffnetem Mund 

Ich bin auch überzeugt davon, daß es auch für die zur objektiven Beurteilung fähigen Anwesenden ein toller Abend war, denn sogar die Kleine Schwester war noch am nächsten Tag überzeugt – vom Humppa! Wir traten sodann die Rückfahrt an – ich verrate nicht zu viel, wenn ich erwähne, daß ich nicht am Steuer saß. Die nierenbasierten Verarbeitungsprozesse des konsumierten Getränkes forderten ihren Tribut in Form von 2 Zwischenstopps (wohlgemerkt bei einer Fahrzeit von netto 45 Minuten). Ich glaube auch, daß ich meine Mitfahrerinnen köstlich unterhalten habe während der Fahrt – ich weiß nur nicht mehr womit; ein Mysterium. Jedenfalls legten wir noch den üblichen nachkonzertlichen Zwischenstopp bei der Fast-Food-Schmiede kurz hinter der Autobahnabfahrt ein. Ich weiß noch, daß ich – höflich wie ich bin – der McDrive-Burger-King-Bedienungsuschi ein “gesegnetes und frohes Osterfest” (<- aus original Gedächtnisprotokoll nachtranskribiert) wünschte, was meine Mitinsassen im Igor wiederum mit lautem Gelächter quittierten und mich noch am Folgetag damit aufzogen. Tja, wenigstens habe ich noch daran gedacht, sie nicht! Dank dem sehr süffigen und katertechnisch höchstgradig empfehlenswerten Rosen-Pils (geschmacklich ne 2-) ging es mir am Folgetag auch bombig – im Ernst jetzt. Ich habe mich nicht gefühlt als ob ich am Vorabend auf einem bierintensiven Konzert gewesen wäre.

Als Fazit kann ich zunächst nur festhalten, daß es, trotz anfänglicher Anlaufschwierigkeiten, ein sehr schöner Humppa-Abend war. Nee, ich fand es toll! Vor allem war es - worauf ich mich auch massiv vor-freute – das erste gemeinsame Konzert mit der Kleinen Schwester seit dem 7. Juli 2013. Bedingt durch ihren Auslandsaufenthalt waren wir seit dem nur jeweils alleine unterwegs. Ihr glaubt gar nicht, wie langweilig es in der Wartezeit vor Monster Magnet oder Depeche Mode Konzerten sein kann, wenn man niemanden zum piesacken hat. In diesem Sinne: MAY THE HUMPPA NEVER END! Ich bin mal gespannt, wo sie die Herbst-Tour hin verschlägt… dann werde ich vielleicht erneut “zum Humppa gehen”! Zwinkerndes Smiley 

PS: Das obligatorische Andenken-Shirt. Habe heute gemerkt, daß es Passanten in Three-O-City (schon an sich eine eher skeptische Spezies) durchaus irritiert – die können es halt nicht einordnen! Ich für meinen Teil finde es saucool, zumal ich schon das an Motörhead angelehnte Shirt vom letzten Konzi habe; da kommt dieses an den Klassiker von Run DMC angelehnte, schlichte Schmuckstück natürlich doppelt gut.

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Dienstag, 22. April 2014

A SILHOUETTE OF DOOM

(Ennio Morricone)

Männer; brace yourselves – Turbofeministinninnen from fucking Hell are coming!

Meine Geschlechts- und ja, mittlerweile auch Leidensgenossen; ihr tut mir leid. Erinnert ihr euch noch an den großartigen Film “Fight Club”? Ja, den mit Brad Pitt und Edward Norton und natürlich dem mordsmäßig guten Soundtrack. Da gibt es eine Szene, da theoretisiert Tyler Durden über das Männerbild der Gegenwart und faßt das Dilemma der zur Bedeutungslosigkeit femininisierten Testosteronantenschaft mit folgendem Satz mal so grob zusammen:

“(…) Und wir beginnen uns zu fragen, ob noch eine Frau wirklich die Antwort auf all unsere Fragen ist!?

Gut, das hätte man ja schon vor der letzten Bundestagwahl bedenken können – hat aber wohl keiner. Ich sage jetzt nicht, daß ich dem vorbehaltlos zustimme, aber ich sehe da schon gewisse Tendenzen. Beispielsweise habe ich heute erst einen Artikel gelesen, in dem angeprangert wurde, daß es in meinem Bundesland nur eine Quote von 1,1% Frauen bei den Berufsfeuerwehren gibt. Lösungsvorschlag war unter anderem das Absenken der Zugangsvoraussetzungen, sodaß auch Frauen unter 1,65m Körpergröße die (Sport-)tests schaffen können (da ist NICHTS übertrieben, genau DAS wurde gefordert). Das hat für mich nichts mit Emanzipation zu tun – das ist einfach eine Verwässerung von Leistungsstandards für mich – zu Gunsten einer krankhaften Gleichmacherei. Von mir aus mehr Frauen in die Feuerwehr, immer gerne, aber die sollten dann auch genau das leisten, was jeder Mann leisten muß! Warum? Weil es zum Berufsbild gehört, verdammt noch mal und eben kein Werkzeug der Geschlechterdiskriminierung ist. Wenn ich im 5. Stock einer brennenden Bude ohnmächtig im Giftqualm liege, dann wäre mir (als 1,90 Meter großer, subdürrer Mensch) schon wesentlich wohler zu Mute, wenn da ein Zwei Meter Hüne mit der Axt durch die Türe bricht und mich laut fluchend über die Schulter wirft und ins Freie trägt, als wenn da plötzlich ein (politisch korrekt beschäftigtes) 1,64m – Mädel mit geschätztem 50 Kilo Körpergewicht an mir herum zerrt. “Er ist tot Jim!” – Ist aus meiner subjektiven Sicht nämlich keine Option, wenn sie sich durch ein wenig mehr Vernunft umgehen ließe. Bei “gleiches Recht für alle” und “gleichen Chancen” gehe ich ja voll mit. Ich bin so aufgewachsen und habe damit keinerlei Problem. Allerdings heißt das ja nicht, daß jeder unterm Strich auch das Gleiche bekommt. Ist ein feiner Unterschied, der immer mehr zu verschwimmen scheint.

Aber egal, ich rede mich hier noch um Kopf und Kragen. Für derlei Ansichten wird es nämlich langsam eng in diesem Land fürchte ich. Aber hey, ich habe da heute ja noch etwas gefunden, das meine Ansichten ein wenig unterstreicht. Wir waren einkaufen und irgendwo zwischen Schreibwaren und Büchern hängte mich die Frau schwuppdiwupp ab. Wech war se! Gut, dann stöberte ich ein wenig die Juxkarten durch. Folgende Karte fiel mir dabei in die Hände:

Aufschrei1

Gut, ist halt ne Juxkarte, dessen bin ich mir schon bewusst – ich bin auch weit davon entfernt die ernst oder auch nur im Entferntesten persönlich zu nehmen. Ich habe da eher grundsätzliche Bedenken. Jetzt stellt euch die mal mir “Frauen sind” im Titel vor...! Den Urheber dieser Karte hätten sie noch mit Knüppeln aus dem Verlag getrieben und öffentlich geteert und gefedert. Wer jetzt meint:

“Ja gut, das ist eine Juxkarte, da gibt es bestimmt auch ein selbstironisches Pendant über Frauen und du reagierst hier vollkommen über, Du ekelhafter Patriarchenmachohengst”

dem halte ich mal besagtes Pendant, denn das existiert in der Tat, vor Augen:

Aufschrei2

Mir geht es nicht um die Karten, die nimmt eh keiner ernst. Aber alleine der Fakt, daß die Karte auf dem ersten Foto in diesem Land überhaupt existiert und verkauft wird, wohingegen man sich nicht traut ein gleichwertiges Gegenstück zu produzieren, die führt doch die Motive des sich immer verbissener durch den kompletten Duden vor sich hin gendernden Gutmenschenvolkes komplett ad absurdum! “Gleichberechtigung” heißt nun einmal auch, daß man damit leben muß, auf die gleiche Art und Weise verarscht zu werden. Ich fand einfach, ihr solltet das wissen…Zwinkerndes Smiley.

Ich geh jetzt DMAX gucken! “Fernsehen für die besten Menschen der Welt – MÄNNER!”

Freitag, 11. April 2014

DANKWART IST TANKWART–Rainald Grebe und das Orchester der Versöhnung – 01.04.2014 in der Stadthalle Chemnitz

 

“Im Auenland lächelt Heidi Klum und an den Rändern fliegen die Nazguls rum!”

Es hat ne Weile gedauert, aber endlich bin ich unter oben genanntem Motto zurück gekehrt in mein logorrhoeisches Reservat der verbalen Selbstdeskriptivität. In den letzten Wochen war ne Menge los bei mir – was mich wiederum fern hielt vom Geschriebsel. Aber wenn mich was zurück an die Tastatur bringt, dann ist es ein Konzert; wobei “Auftritt” es diesmal wohl eher beschreibt. Here-we-GO:

Aufmerksame Leser dieses Blogs werden es schon festgestellt haben: Dieser Typ hier hat definitiv einen Faible für die Kleinkunst des Rainald Grebe. Folgerichtig war ich in den vergangenen Jahren schon mehrmals zu Gast bei seinen Auftritten. Jedes Mal, wenn der Herr ein neues Programm an den Start bringt, da hüpft das Herz und der Klick beim Kartenkauf fällt leicht. Sehr leicht. Warum? Weil der Mann ein Genie ist, anders kann man es einfach nicht sagen. Klar, es ist nicht jedermanns Sache was er macht, aber wenn man einmal vom Grebe-Virus befallen ist, dann ist es zu spät. Ich für meinen Teil habe mir abgewöhnt die Alben vor dem Konzert zu kaufen – aus Gründen. Diese bestehen im Wesentlichen darin, daß es einfach viel unterhaltsamer ist, das neue Programm vom Chef persönlich dargeboten zu bekommen. Vorm Konzert oder wahlweise auch in der Pause wird die dazu gehörige CD (diesmal ein Doppelsilberling) einfach als Andenken erstanden. Vorweg geschickt sei mal, daß ich das 2014er Programm grandios finde – eines seiner besten bisher! Da meine Mutter den Rainald ebenfalls recht knorke findet, lud ich sie kurzerhand (auch nicht zum ersten Mal) in die Stadthalle zu Chemnitz ein. Organisierte Karten und ein Abendessen. Zu gegebener Zeit schlenderten wir dann ins Foyer der Stadthalle und standen zunächst ein wenig abseits herum. Wieso? “Laß uns mal bissel über die Leute lästern!” – und das war nicht mein Text. Als der Beginn näher rückte begaben wir uns auf unsere Plätze. Ca. 10 Minuten nachdem wir uns gesetzt hatten erlosch auch schon das Licht im Saal. Es ist freilich schwer die folgenden drei Stunden in Form einer Setlist zusammen zu fassen, in diesem Fall geht das einfach nicht. Grebe-Auftritte sind immer so eine Art Gesamtkunstwerk. Das Überraschende, was man aber erst feststellt, wenn man ihn zwei Mal mit dem gleichen Programm erlebt, ist, daß die Mätzchen und Sprüche zwischen den Musikstücken derart spontan scheinen, daß man sich gar nicht vorstellen kann, daß sie eigentlich minutiös einstudiert sind. Das ist eine große Kunst, zumal spontane Elemente immer noch irgendwo hinein fließen wenn es sich anbietet. Aber im Großen und Ganzen hat man es mit einem perfekt durchgeplanten Stück Chaos zu tun. Einem Chaos, aus dem sich irgendwo zwischen Klamauk und ziemlich guten Musikern, die ziemlich gute Musik machen und dabei bisweilen ziemlich lächerliche Kostüme tragen eine köstlich pointierte Gesellschaftskritik erhebt. Dieses Jahr knüpft sich Grebe mit seinem Orchester der Versöhnung das vor, was er die “Berliner Republik” nennt. Dabei dekliniert er das vom Großen bis ins Kleine hinein durch.

Ob er nun in “Berliner Republik” gleich zu Beginn einen recht amüsanten, aus Fakten zusammengereimten Sozialstrukturatlas des ganzen Landes zusammensingt oder hinab steigt bis in die Küchen des so genannten “kleinen Mannes” und sich mit dem Herrmannkuchen auseinandersetzt. Grebe schafft es einfach immer wieder Momentaufnahmen Deutschlands zu liefern. War sein Programm “1968” noch eher retrospektiv unterlegt, lag dieses Jahr der Schwerpunkt eindeutig auf dem aktuellen Phänotyp von Muttistan. Highlights – das war für mich schon immer so – sind vor allem die Songs, in denen er sich einzelne Personen oder Typen von Leuten vornimmt. Auch 2014 enttäuschte er sein Publikum nicht. Ganz großes Kino diesbezüglich ist die Verschmelzung von “Graf Draculas innerem Monolog” und Volksmusik – “Fürst von Liechtenstein”. Derart pointiert und oberflächlich wertfrei muß man das erst einmal hinbekommen. Oberflächlich deshalb, weil es nicht wertfrei ist. Indem Grebe die Betreffenden und auch sich selbst ordentlich auf die Schippe nimmt schafft er es ziemlich gut beim Publikum seine Botschaft unter zu bringen – man muß halt nur ein bissel mit denken. Andere Beispiele sind der Abgesang auf die “Multitasker” als moderne Lebensform und natürlich das großartige “Art”. Letzteres prangert zwar den Untergang des deutschen Theaters an, liefert allerdings auch gleich mit einen der Gründe – selbstreferenzielle Arthouse-Hippies mit vermeintlichem Pachtvertrag für Intellektualität. Richtig groß ist auch “Berater” – wo der Titel eigentlich schon alles sagt.

Mittendrin im Kanon von Sketchen und musikalisch verhohnepiepelten Versatzstücken der modernen Gesellschaft schwimmen dann so wohltuende Inseln des angenehmen Wortwitzes wie etwa das bei mir auch enorm große Gegenliebe gestoßene “Advent”. Ein Hoch auf die Weihnachtszeit – und zwar 24/7! Bisweilen wird auch gegen den Trend zur Vergutmenschlichung angesungen, indem man hymnisch “Das Ende des weißen Mannes” besingt in dem sich selbiger nicht winselnd und geschlagen dem Ökohippietum ergibt, sondern mit einer boshaften Nonchalance Zigarre rauchend im Frack am Flügel lehnt und seinen eigenen Abgesang mit einem guten Scotch hinunter spült bevor der Vorhang fällt. Nicht anprangern, untergehen mit Würde. Die Kehrseite dieser Medaille schwingt natürlich, wie bei Grebe nunmal üblich, auch wieder im Subtext mit.

Abgerundet wurde dieses Gesamtbild der BRD – irgendwo zwischen Wohlfühlrepublik und GroKo-Irrsinn – mit einem der besten Songs des Abends: “Kokon”. Wenn ein Lied die Bundesrepublik Deutschland sowie Europa im Jahr 2014 perfekt zusammenfasst, dann dieses. Natürlich durfte im Zugabenblock auch “Brandenburg” nicht fehlen – wobei natürlich auch der nötige Schuß Selbstironie nicht fehlen durfte, weil er in der breiten Öffentlichkeit bisweilen auf diesen Song reduziert wird. Der Gastgeberschaft widmete man dann noch “Sachsen”, was zwar logisch scheint, aber beim Rainald und seinem chaotischen Wesen auch hätte ganz anders kommen können. Insgesamt wurde man zum Ende des Abends hin mit drei Zugaben beglückt, was die ganze Veranstaltung inklusive der Pause auf gute drei Stunden und 15 Minuten streckte. Die Kunst bei sowas ist, daß man die Zeit nicht merkt – und so war es auch. Gefühlt war es viel zu schnell vorüber. VIEL zu schnell.

Bevor ich zum Fazit schreite sollen euch noch zwei Songs ans Herz gelegt werden, und zwar wärmstens. Die leisen Töne beherrscht Grebe zweifelsohne genau so gut wie den Schabernack. Dieses Jahr ist “Loch im Himmel” das, was “Lonely Planet” im letzten war: Ein überraschend eingewobener Kloß-im-Hals-Song, der einfach aber genial instrumentiert einen ordentlichen Schuß Moll mit ins Spiel bringt. Ganz großes Tennis! Das andere Lied spielte deutlich mehr in der Klamaukecke seines Könnens. Gekonnt werden in “Dankwart ist Tankwart” inhaltsleere, berechnete Provokation und der eifrige Petitionsblödsinn der Gegenwart auf die Schippe genommen. Demaskierend!

Unterm Strich war die Karte jeden Cent wert – und zwar gleich mehrfach! Auch bin ich heilfroh, daß ich mir die CD geholt habe. Seit Grebe nicht mehr Studioalben raus wirft, sondern gleich das ganze Programm als Livemitschnitt liefert sind die Dinger die optimalen Andenken an einen derart gelungenen Abend. Auch jetzt gerade dudelt die akustische Erinnerung fröhlich im Hintergrund. Sollte der Rainald mit seinem Orchester der Versöhnung demnächst in eurer Nachbarschaft auftreten – zögert nicht, geht hin. Ich hoffe, ich habe noch nicht zu sehr gespoilert, aber es lohnt sich definitiv! Einen unterhaltsameren Abend kann man sich mitunter nur wünschen, aber wohl kaum erreichen. Neben einer gepflegten Zwerchfellmassage und Denkanstößen erhält man zwischen den Zeilen auch noch die Gelegenheit sich vom Meister eine Selbsterkenntnis über sein Heimatland durch die mentale Hintertür vermitteln zu lassen. Vergeßt die so genannten “Comedians”, von denen hat keiner das Format gegen den Rainald an zu stinken. Sollen die mal die Olympiastadien der Republik füllen, Rainald Grebe erfüllt Erwartungen – das ist wesentlich mehr wert.

Wer sich nach all dem Geschwurbel von mir nun fragt, wie Rainald Grebe denn Deutschland in der Gegenwart sieht, der sei auf die Textzeile aus “Kokon” verwiesen, die ich als Einstieg wählte.

PS: Da wir hier nicht im ZDF sind kann man ja auch Werbung machen… und das tue ich hiermit. Hier der Link zum Album. Vielleicht entschließt sich ja der eine oder andere zum Kauf, Grebe ist es einfach wert.

PPS: Mir ist bewußt, daß ich damit Amazon promote und einige das (also Amazon) für böse halten und mich intrinsisch anprangern werden – geht mir aber am Arsch vorbei! Dann schert euch runter von meinem Blogg und lest  “Wild und Hund” – ihr Hippies!

Samstag, 8. März 2014

AMONGST THE WAVES

(Pearl Jam)

"Seppomir Blattrovich und die Geschmierten" performen auch in diesem Jahr wieder ihren Gassenhauer "FIFA Weltmeisterschaft". 2014 hat es Brasilien geschafft, sich die wohlwollenden Worthülsen und geheuchelten Loblieder auf den Fußball als unverkäufliches Kulturgut des Rundledersyndikats ins Land zu kaufen; ach ja: und ne Hand voll Länderspiele findet nebenher auch noch statt und am Ende gibbet ein Pokälchen!.

Aber wir wollen hier jetzt nicht meckern - es geht schließlich um Fußball! WM!!! WEHHHH ÄHHMMMM!!!!! Und “Fußball” und “WM” haben ja bekanntlich mit diesem seelenlosen Verein namens FIFA nix zu tun. Auch, wenn der eine oder andere dieses Jahr (hoffentlich) zu sehr abgelenkt ist um mir den Titel schon wieder weg zu schnappen (wir verstehen das), so soll auch in diesem Jahr wieder die große FOXYMORPH-TIPPSPIEL-WELTMEISTERSCHAFT ausgetragen werden. Wie seit 2006 wird es auch in diesem Jahr hoch her gehen hier und wir können uns auf ein spannendes Turnier freuen – von der Schlacht um die Krone des Expertentums in besagter Tipprunde mal ganz zu schweigen.

Welcher Tipprunde genau? DER HIER:

FOXYMORPH-KICKTIPP-WELTMEISTERSCHAFT

Hier ist es nun also, das legendäre Tippspiel zum Turnier in Sambastan! Wer mitmachen will, der sende einfach eine Anfrage übers Tippspiel. Die Routiniers sind hoffentlich wieder alle dabei und auch von meinen stammleserschaftlichen Blogländern hier erwarte ich wieder rege Partizipanz. Ich habe mich wieder pro forma als Puffer zwischengeschaltet (um zu verhindern, daß der eine oder andere Troll oder auch “Germanist” aus Bloggostan sich einschleicht) handhabe es aber recht liberal – bin praktisch so was wie die Tippspiel FDP. Zwinkerndes Smiley Schreibt also einfach in der Anfrage kurz dazu, wer ihr seid (wenn ich das nicht eh zuordnen kann bei den Stammteilnehmern bzw. anhand des Pseudonyms) und es kann los gehen.

Und der Blattrovich, der soll sich ruhig die Petrodollars vom Putin-Vladi oder den Scheichs in sein runzeliges Sitzmöbel juchteln lassen bis (nicht nur) das Konto platzt... ein derartig hochkarätig besetztes Turnier wie diese Tipprunde wird er nie bekommen, denn das hier versammelte Expertenwissen der geradezu unfassbar fachkundigen Teilnehmerschaft - alles samt Lichtgestalten, welche obendrein noch vom Kompetenzteam himself angeführt werden - kann man mit Geld einfach nicht kaufen!

In diesem Sinne: Gut Tipp!