Posts mit dem Label Bruce Springsteen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bruce Springsteen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 27. Oktober 2013

THE E-STREET SHUFFLE – (Buchrezension “Bruce” von P.A. Carlin)

(Bruce Springsteen and the E-Street Band)

Es gibt so Themen in meinem Blog, die recht selten auf der Tagesordnung stehen. Das liegt nicht an der allgemeinen Belanglosigkeit in meiner Offline-Welt, sondern viel mehr daran, daß ich nur selten finde, daß es sich lohnt, diese auch im Blog abzuhandeln. Bücher sind so ein Thema. Ich lese zwar nicht sonderlich schnell, aber dennoch ein Menge. wobei man erwähnen sollte, daß ich von den Genres schon recht festgelegt bin. Ebenso was die Bücher angeht, die ich im Normalfall nicht anrühre. Jedoch gibt es Ausnahmen von diesen Regeln und eine solche will ich euch mal kurz vorstellen.

Es gibt Menschen, die lieben es Biographien zu lesen. Menschen lesen Bücher von Menschen über Menschen… sozusagen. Man könnte es auch “Biographien” nennen. Ich persönlich finde hingegen, daß es kaum langweiligere Buchgattungen als Biographien gibt… im Normalfall wie gesagt. Es mag dabei auch eine gewichtige Rolle spielen, daß die “Biographie” hierzulande einen wirklich, wirklich bösartigen Todfeind hat: Den Promi! Man hat ja bisweilen das Gefühl, daß jeder bestenfalls semiprominente Vollpfosten, der in den letzten 20 Jahren irgend wann mal von Frauke Ludowig ausgebeutet wurde, im Karriereherbst nen Rappel kriegt und meint, er müsse der Einwohnerschaft seines Heimatlandes etwas Gutes tun und sein gelebtes Elend literarisch unters Volk bringen. Wenn man ganz viel Glück hat, dann schreiben diese Birnen das wenigstens noch selbst, dann kann man quasi 1:1 nachlesen, wie beschränkt sie doch sind. Meistens aber wird ein “Biograph” beauftragt ein paar hundert Seiten zusammen zu ghostwritern. Das hat dann für den Delinquenten den Vorteil, daß er sich beruhigt ins Dschungelcamp begeben und sich im Gedächtnis des Volkes wieder ein wenig festkrallen kann. Während er in Australien fröhlich ‘nen Eimer Maden lutscht oder sich vor laufender Kamera Blutegel ans Gemächt dübeln läßt, klimpert der Hiwi seine Lebensgeschichte in die Tasten. Sobald das Publikum ihn dann “rausgewählt” hat, kann sich unser Z-Promi dann ganz der Vermarktung seiner “Biographie” widmen. Das Schlimme ist, daß diese Machwerke eigentlich immer gehen, egal wie dämlich, inhaltsleer und literarisch wertlos diese Ergüsse sind. Gekauft wird dieser Humbug trotzdem. Was hat man sich in den letzten Jahren über die Biographien von Leuten wie Philipp Lahm (… mit Mitte 20 schreibt Zwerg Nase ne Biographie… are you fucking kidding me?!?), Bettina “Ehrensold ist Armutsrisiko” Ex-Wulff oder jüngst eben von unser aller äääähhhhhh… Bobbele aufgeregt?! Der Tenor war doch immer: “überflüssiges, inhaltsarmes Machwerk, das mehr der Selbstdemaskierung als dem Verständnis der Person dient.”  Verkauft hat sich der Schrott doch trotzdem, egal wie blödsinnig der Inhalt war. Warum? Weil es jeder “gelesen haben mußte”, weil in der heutigen Medienlandschaft “Präsenz” mit “Prominenz” verwechselt wird und jeder Kaschper, der nur oft genug über die brownsche Röhre hampelt gleich als “interessant” erachtet wird. So kauft Lieschen Müller dann aus dem Drang heraus “mitreden zu können” Bücher von Leuten wie Dieter Bohlen… der kann schon nicht singen, geschweige denn einen vernünftigen Satz bilden, warum zum Henker sollte man denn dann ein Buch von dem kaufen?! Diese Bücher sind doch verschwendete Lebenszeit.

Legitim finde ich hingegen, wenn es sich um wirklich relevante, interessante und wichtige Personen der Zeitgeschichte handelt. Dann, so finde ich, kann man die Bücher ruhig lesen… muß es aber nicht. Viele lesen bespielsweise Bücher des Dalai Lama oder eines Papstes (ist ja nun schon der Dritte den wir haben in den letzten 30 Jahren… man kommt ja gar nicht mehr mit) und erhoffen sich davon spirituelle Erleuchtung ect.. Ich kann damit nix anfangen. Oder bei großen Künstlern, warum hat er welches Bild gerade wie gemalt und weshalb hat sein Pinselstrich was mit der Leprakrankheit seines Ur-Ur-Ur-Ur…. URgroßonkels mütterlicherseits zu tun? Nun, das sind für mich im Algemeinen Fragen, auf die ich keine Antwort haben muß… wenn der gemalte Baum schön aussieht, dann reicht mir das an Information. Der Punkt ist einfach: In (Auto-)Biographien passiert mir meist zu wenig. Auch ist mir die Perspektive oft viel zu einseitig. Auch, wenn ein externer Schreiberling berichtet, dann wird mir der Portraitierte doch zu oft zu sehr in den Himmel gehoben und über den grünen Klee gelobt. Warum? Na, die potentiellen Käuferschichten sind halt “Fans” im wie auch immer gearteten Sinne.

Für mich persönlich gab es bisher nur eine Ausnahme von dieser Regel, nämlich diese hier:

Lemmy

Gut, vom Thema her ist das jetzt zwar genau das, was ich bisher langweilig fand: Eine Person des öffentlichen Lebens tut sich mit einem Autoren zusammen und schreibt ihr Leben auf. Naja, aber… es geht hier immerhin um Lemmy! Um den Mann, der einst sagte “I remember the time before there was Rock’n Roll!” und der das dann auch so meint. Außerdem ist Lemmy ein richtiges “Urvieh”, wie meine Mutter sagen würde und dieses Buch ganz bestimmt nicht zu unrecht in der Reihe “Heyne Hardcore” erschienen (in mehr als nur einer Hinsicht, glaubt mir!). Ein blanker Lesespaß, was auch an dem knochentrockenen britischen Humor und dem ungemein gut transportierten, direkten Stil von Herrn Kilmister liegt. Den hat er in seinen Songs drauf, in seinen Interviews und in dem Buch erst recht. Highlight des Buches im Übrigen: Die UFO-Story… einfach grandios!

Nun jedoch kam eine zweite Ausnahme hinzu, nämlich diese hier:

bruce 2

Bruce 1

Ich bin vorhin endlich damit fertig geworden, nachdem ich Ende August die ersten Zeilen las. Man kann das Cover im Übrigen auch so aussehen lassen, als hätte Bruce voll den monströsen Riesenzinken:

Bruce 3

… aber das nur am Rande! Jedenfalls sollte das nun eigentlich eine dieser Biographien sein, die ich gemäß meiner einleitenden Worte eher langweilig finde. Zumal ja nicht nur das Buch an sich auch total verschieden zur Autobiographie von Lemmy ist, der Boss hat mit Lemmy ja an sich auch recht wenig gemein, was u.a. in entsprechenden Äußerungen von Lemmy über Springsteen gipfelte. Aber das nur am Rande. Nachdem ich 2012 und auch dieses Jahr 2013 zwei absolut großartige Konzerte des Boss besucht hatte und mich in der Folge so langsam in sein Gesamtwerk “unterhalb” der bekannten Hits und der Born to Run / Born in the USA hinein arbeitete (glaubt mir, dazu reicht ein Jahr nicht aus), war ich doch schon ganz schön neugierig. Ich hatte richtig Lust auf dieses Buch und fing einfach an zu lesen, obgleich ich noch 2 andere Bücher “in Bearbeitung” hatte. Heute nun beendete ich die knapp 600 Seiten und muß sagen, daß ich nicht enttäuscht wurde. Der Schreibstil von Peter Ames Carlin ist richtig gut. Er macht das Lesen und vor allem das Verstehen sehr einfach und kann auch von den frühen Bandtagen als Schülercombo bis hin zur Stadion-Rock-Phase sämtliche Anekdoten und Beziehungen unter den Protagonisten spannend und anschaulich transportieren. Das Buch liest sich angenehm unaufgeregt und vor allem mit einer sehr wohl tuenden Distanz. 600 Seiten “Springsteen ist der Größte”-Gelobhudel hätte ich nicht ausgehalten, glaubt mir. Carlin zeichnet hier zwar auch den begnadeten Songschreiber und Bandleader Bruce S., allerdings auch mehr als ein Mal den kauzigen, bisweilen grummelnden Freak, den akribischen Frickler, den besessenen Perfektionisten und auch den gescheiterten Ehemann und aber auch späteren Vater sehr, sehr plastisch und anschaulich. Was es für mich so richtig interessant und lesbar macht, das Buch, das ist sein permanenter Bezug zu den einzelnen Alben. Nachdem man am Anfang in die Familiengeschichte der Springsteens eingeführt wurde, hat man erst einmal einen Grundstock an Bezugspunkten zum Boss. Man versteht da schon einiges besser, was er so tat, tut, sang, singt, sagte und sagt. Aber wenn man dann die Entstehungsgeschichten der einzelnen Alben quasi miterleben kann und weiß, was gerade los war bei und um Springsteen, dann bekommen die Alben gleich nochmal einen neuen Kick, neue Facetten. Man muß sie dann förmlich erst einmal heraus suchen und sie sich nochmal anhören… zumindest ging es mir so. Das Buch läßt auch die tragischen Teile der Springsteen-Story nicht außen vor, würdigt auch die, die es verdienen und streicht die besondere Beziehung zwischen dem Boss und dem Big Man heraus; was bekannter Maßen ein trauriges Ende findet, als Clemons wenige Tage nach einem offensichtlich sehr, sehr positiven Treffen mit dem Autor verstarb. Wer Springsteen interessant findet oder ihn mag, man muß noch nicht einmal Fan sein, das Buch ist dies auch nicht immer, der hat in dem Buch einen guten Begleiter.

Der größte Verdienst dieses Buches ist zweifelsohne die schon beschriebene musikalische Zeitreise, die man antreten kann, wenn man sich darauf einläßt. Man entdeckt die Alben des Boss nochmal neu, versteht auch einige Hintergründe. Außerdem ist es sehr angenehm, mal nicht mit unreflektierter Heldenverehrung zu geschüttet zu werden, sondern ein reflektiertes Bild zu erhalten. Der Boss wird als herzensguter Mensch beschrieben, der aber auch einem gepflegten Wutanfall bisweilen nicht abgeneigt ist. Perfekt ist ist nicht, aber das weiß man schon vorher. Das einzig Negative, das ich sagen kann über das Buch ist die zunehmende Erzählgeschwindigkeit. Gegen Ende hat man manchmal den Eindruck, daß man in wenigen Seiten durch die Entstehungsgeschichte eines Albums hindurch rast. Wo hingegen es am Anfang noch mehrere Kapitel brauchte um die ersten Scheiben entstehen zu lassen. Aber gut, sonst wäre man wohl deutlich in Richtung 1000 Seiten gegangen und das wäre evtl. dann doch etwas gut gemeint vom Umfang her – von daher sollte man diesen Kritikpunkt auch nicht über bewerten.

Ich glaube, mit diesem Buch habe ich den Kern der Begeisterung einiger Menschen für (sinnvolle) (Auto-)Biographien verstanden; kann sie sogar streckenweise nachvollziehen. Aber so richtig packen kann mich dieses Genre trotzdem nicht (im Gegensatz zu “Bruce” und "auch “White Line Fever”). Ich glaube, es braucht einfach ein besonderes Buch über einen besonderen Musiker um mich zu reizen – PLUS ein interessantes, übergeordnetes Thema. Und das, was wiederum die einzige, aber auch die ungleich größte Gemeinsamkeit zwischen Lemmy und dem Boss ist, haben beide Bücher als zentrales Motiv: die Entwicklung des Rock’n Roll. Und zwar von Beginn an! Lemmy aus einer ganz anderen Perspektive und Weltsicht heraus als Springsteen, was auch an den fundamental verschiedenen Charakteren der beiden liegt. Aber beide haben ihr Leben lang am Puls der Rock Musik gelebt und es geschafft, heute noch relevant und vor allem “da” zu sein (bei Lemmy grenzt letzteres sicherlich noch mehr an ein Wunder als beim asketischen Bruce). Man bewegt sich sozusagen mit dem Boss durch eine Zeit mit mehreren musikalischen Legenden, wie auch zuvor mit Lemmy. Leute, die man aus alten schwarz-weiß-Einspielern kennt, Leute, die man gefühlt nur mit einem Hintergrundrauschen singen hörte. Leute, die schon lange, lange Geschichte sind aber irgendwie doch wieder kurz lebendig werden im Buch. DAS ist für mich das eigentliche Faszinosum an dem Buch.

Da können ein Bobbele oder ein Diiiieeeeeeetaaaaaa in ihrer gewohnt hochklassigen Ausdrucksweise noch so viel darüber herum schmierfinken, welche “Bitches” sie in irgendwelchen Treppenhäusern und/oder Besenkammern geknattert haben – diese Würstchen werden es mit ihren Machwerken nie schaffen, eine solche Faszination beim Leser auf zu bauen. Und wißt ihr was: Das ist auch verflucht noch mal gut so!

Rock’n Roll, Mann! 

Montag, 8. Juli 2013

BORN TO RUN - BRUCE SPRINGSTEEN RED-BULL-ARENA LEIPZIG, 07.07.2013

 

Mahlzeit allerseits. Jetzt, da der Schweiß der gestrigen Nacht abgeduscht und der Dank der Innenstadtbaustellen in Leipzig entstandene Schlafmangel aufgeholt ist, melde ich mich ordnungsgemäß zurück aus “Lucky Town”… wobei… nee, den Titel hat Leipzig sich gestern nicht verdient. Warum? Das stand erst hier, habe ich aber jetzt ins PS ausgelagert. Wer will, der kann es lesen. Muß man aber nicht, da es mit dem Konzert eigentlich nichts zu tun hat; welches für sich genommen diesen Titel locker eingestrichen hätte. Nachdem der Bericht jetzt fertig ist, gehört das wie ich finde nicht an die erste Stelle des Postings. Da gab es viiiiiieeeeeeel Wichtigeres gestern. Voran geschickt sei noch, daß ich das, was ich mir am Schluß meines letztjährigen Berichtes vom Bruce Springsteen Konzert in Berlin (findet ihr HIER – verzeiht die leeren Fotoplätze, das hatte Gründe wie die Bloggerwelt weiß) vornahm, auch umsetzen konnte: Statt Innenraum, konnte ich für die Kleine Schwester und mich dieses Jahr die gegehrten Front of Stage Karten ergattern und somit die Absperrung, an der wir letztes Jahr noch standen, überwinden. Smiley Hier also meine gewohnt kurzen Impressionen zur gestrigen Audienz beim Boss in der Red Bull Arena Leipzig:

Wir erreichten nach einer gediegenen Sonntagsfahrt durch die sächsische Pampa, welche ihre mit Abstand trostloseste Ausprägung zwischen Chemnitz und Leipzig annimmt, gegen 15 Uhr die Red Bull Arena. Noch schnell die mitgeführte Marschverpflegung gelyncht und dann alles Relevante in den Taschen der erprobten Konzerthose verstaut und mit Wasserflasche und der Kleinen Schwester dem Stadion entgegen geschlendert. Es waren schon jede Menge Menschen auf den Beinen und chillten im prallen Sonnenschein über das Areal. Wir reihten uns ein und suchten gewohnheitsgemäß den Merch-Stand auf. Ich persönlich finde das im Übrigen super, daß, was ich bisher vor allem in Leipzig erlebt habe, der Merchandise vor dem eigentlichen Einlass angesetzt wird. Das entspannt die Situation doch ungemein und die sonst mitunter viertelstündlichen Wartezeiten mit fremdmenschlichen Ellenbogen zwischen den Rippen werden mit einem Mal durch ein Überangebot an Platz und ein geradezu komfortables Shoppingerlebnis ersetzt – zumindest in Relation zum sonstigen Ablauf. Mit je einem T-Shirt bestückt schritten wir dann zur Schlange am Eingang. Da es zwei gab wählten wir die kürzere und verbrachten eine gute Stunde schwitzend in der Sonne. Der Einlass verzögerte sich aber gut 40 Minuten, während aus dem Stadion schon der Soundcheck an unsere Ohren drang – rein nervlich gesehen ein schweres Schicksal in diesem Moment. Zwinkerndes Smiley Als wir dann endlich ins Stadion strömten, war ich zunächst von Beschattung positiv überrascht. Der Innenraum lag nahezu komplett außerhalb des direkten Wirkungsbereiches unseres Zentralgestirns, was nach der Warterei in der prallen Sonne doch recht angenehm war. Um meine Konzertfähigkeit endgültig wieder her zu stellen füllte ich die Flüssigkeitsspeicher wieder auf – selbstverständlich mit Bier!

BossBier

Wir schritten dann mit unseren Exklusivkarten durch die letzte Kartenkontrolle in den Front of Stage Bereich vor und holten uns ordnungsgemäß unser Bändchen ab. So legitimiert setzten wir uns erst einmal ein halbes Stündchen mit unserem Bier auf den Boden zwischen die anderen wartenden Fans und genossen diese angenehme, sehr entspannte Atmosphäre im FOS. Seit gestern weiß ich dadurch auch, wie sich ein “Noob” im FOS bei Pearl Jam vorkommen muss, wenn so Leute wie ich um ihn herum stehen und sich über ihre obsessiven Stalking-Touren quer durch Europa unterhalten… nur daß ich gestern der Noob war. Irgendwo hinter uns wurde die ganze Zeit ein Familienvater damit aufgezogen, daß der die Mönchengladbach-Show ausließ um dem Geburtstag seiner Holden bei zu wohnen. “Mönchengladbach” zum Unwort zu erklären half ihm nicht wirklich Ruhe vor seinen Kumpels zu finden… wie auch?!? Zwinkerndes Smiley Andere wiederum vollzogen die letzten 3 Wochen geographisch nach und einem wurde mehr oder weniger schwindelig davon, welche Städte ihren Weg säumten. Wüßte ich nicht aus eigener Erfahrung, was das für einen Spaß es macht “seiner” Band hinther zu reisen und dabei ein wenig in der Welt herum zu kommen, ich hätte sie für verrückt erklärt. Wir saßen also da zwischen all diesen Hardcore-Fans im Arenaschatten bei irgendwas um die 25 Grad, tranken Bier und die Bühne war bequeme 20 Meter vor unserer Nase. Das Rund des Stadions füllte sich Stück für Stück – jedoch recht bedächtig – während wir es uns gut gehen ließen und die Vorfreude mit jeder Minute stieg.

stadion1

stadion2

stadion3

Irgendwann sprangen alle urplötzlich auf – warum auch immer – und rückten plötzlich enger zusammen. Wir fanden uns mit ein wenig begrenzterem Platzangebot, aber immer noch recht komfortabel, um die 15 Meter vor der Bühne wieder. Als sich das Spielchen dann ein weiteres Mal wiederholte, standen wir 10 Meter vor der Bühne… 10 Meter!!! Wir waren beide recht verdutzt darüber, weil wir einfach nicht damit gerechnet haben so nahe heran zu kommen, aber wenn man schon mal da ist…! Zwinkerndes Smiley Es erwies sich daher auch als gute Entscheidung, daß ich meine alte, treue Exilim für den Abend reaktiviert hatte und mitführte. Gut, das Ding ist mit seinen 8 Megapixeln, dem praktisch nonexistenten Zoom und der doch arg in die Jahre gekommenen Technologie nicht wirklich für gute Bilder gut. Dafür ist sie aber so robust wie zuverlässig und da ich es mir ohnehin abgewöhnt habe Fotos bei Konzerten zu machen oder gar Videos aufzunehmen und statt dessen einfach das Konzert genieße, fand ich es auch nicht wirklich schlimm. Im Wesentlichen hielt ich unsere Warterei vor und im Stadion fest und – konnte dann doch nicht widerstehen ein paar Mal auf den Auslöser zu drücken wenn der Boss gerade günstig stand – die besten Fotos flechte ich im Folgenden mit ein. Aber dazu später.

BossSun

Der Boss ließ angesichts des 19 Uhr-Starttermins auf sich warten und so gegen 19:30 Uhr hatte man im Stadion schon von der improvisierten LaOla bis hin zum Pfeifen mit lang gezogenem “Bruuuuuuuuuuuuce” alles versucht um den Boss auf die Bühne zu locken. Langsam wurde die Spannung unerträglich und man merkte gerade der Die-Hard-Fraktion an, daß das Überspielen der Aufregung mit Lässigkeit nicht mehr so ganz funktionierte. Auch auf den Sitzplätzen waren kaum noch freie Sitze zu erkennen zu diesem Zeitpunkt.

Stadion

Gut 10 Minuten später war es endlich so weit. Das Intro erklang und der Boss folgte seiner E-Street-Band breit grinsend und sichtlich gut gelaunt auf die Bühne. Wir waren ja schon letztes Jahr in Berlin recht nahe dran, dieses Jahr aber konnten wir dem guten Mann ja praktisch in die Augen sehen. Wie Als alle ihre Plätze eingenommen hatten ging es dann auch gleich los. Da der gestrige Abend nur sehr schwer als Aneinanderreihung von Songs nachzuvollziehen und zu beschreiben ist, hier schon einmal die komplette Setlist:

Roulette und Lucky Town als Eröffnung jeweils ganz ganz dicke Überraschungen. Aber Überraschungen, die zündeten. Bruce machte vom ersten Song an klar, daß er Leipzig in erstklassiger Spiellaune erreicht hatte. Von Anfang an wurde mit dem Publikum interagiert und geschäkert, daß es nur so krachte. Wahrscheinlich ist es auch diese Magie, dieser Reiz des Pseudointimen im Rahmen eines 45000 Menschen-Meeres, der dafür sorgt, daß man diesen Stadioncharakter der ganzen Veranstaltung einfach vergißt und sich mit der Zeit eher vorkommt wie in einer deutlich kleineren Venue. Wenn man dann mal wieder vom tosenden Beifall aus seiner Trance gerissen wird, wenn ein Lied endet, und sich umschaut, dann fragt man sich schon kurz, wo die ganzen Leute her kommen. Nachdem dann die “Badlands” und “Death to my Hometown” die stimmung weiter nach oben peitschten, nutzte Bruce eine der vielen, ausgedehnten und vor allem unglaublich guten Jams seiner E-Street-Band um Fleißig Schilder aus dem Publikum einzusammeln auf denen Songwünsche notiert waren. Das Ergebnis dieser Aktion waren dann “Sherry Darling”, “Back in your Arms” und natürlich das einfach nur als großartig zu bezeichnende “You never can Tell”. In der Bandgeschichte erst 4 Mal aufgeführt und das schon vor Jahrzehnten, war es zunächst kein Wunder, daß man dieses Chuck Berry – Cover nicht sofort drauf hatte. Aber das folgende Video zeigt wie ich finde einfach mal in beeindruckender Weise, was das da alles für hochklassische Musiker sind in der E-Street-Band und wie man sich auf der Bühne so einen Song halt spielerisch “zurück holt”, bis am Ende kein Mensch mehr auf die Idee kommen würde, das Ding sei nicht einstudiert:

Außerdem offenbart er mit seiner anfänglichen Impro noch ungeahnte Entertainer-Qualitäten. Auch das zog sich durch den gesamten Abend. Große und kleine Gesten sowie eine schon fast freundschaftliche Vertrautheit mit den Zuschauern machen Konzerte vom Boss einfach einmalig. Welcher Star seines Formats stibitzt seinem Zuschauer denn den frischen Bierbecher und zelebriert dessen Leerung in einem Zug?!? Im Mainset war es auffällig, dass den Songs jede Menge Raum eingeräumt wurde, was Springsteen auch die Zeit gab für solche Aktionen. Wie seine E-Street-Band dabei zusammenspielt ist einfach nur Wahnsinn. Auf jeden Ausflug ins Publikum wird reagiert und der Song eben mit entsprechenden, spontanen Soli oder halt Jams beliebig verlängert.

BossEStreet

BossEStreet2

Ganz großes Tennis war das! Um einen herum flogen die Hände nur so in die Luft und es wurde getanzt, mitgesungen und geklatscht. Eine wahnsinnige Atmosphäre war das. Was auch erwähnenswert ist: Das weite Rund wurde durchaus angesteckt. Wenngleich die meisten sitzen blieben, so klatschten und sangen sie doch mit. Angeheizt wurden das Publikum immer wieder durch die Einlagen von Bruce, der Securitymitarbeiter herzte oder einfach mal eine flotte Sohne mit einer der bereit stehenden Sanitäterinnen aufs Parket legte. Höhepunkt waren aber wohl die Kinder, die er sich auf die Bühne holte. Wie schon in Berlin wurde “Waiting on a Sunny Day” mit minderjähriger Begleitung beendet; die Gitarreneinlage eines anderen Mädels war dagegen neu… angesichts des mehrminütigen Gebastels am Gitarrengurt (was aber dank E-Street-Band überhaupt nicht störte) wohl auch mehr oder weniger spontan. Ein Highlight war für mich mal wieder “Shackled and Drawn”, der Song zündet einfach live im Stadion. Auch wenn es keine Rarität ist, so zählte er neben “You never can Tell” und “Lonesome Day” zu den besonders hell funkelnden Perlen des Mainsets für mich. Man hatte eigentlich die ganze Zeit das Gefühl, dass das Konzert immer und immer weiter ging. Nichts deutet darauf hin, daß man sich der Zugabenpause näherte. Man floß einfach mit der Musik durch den Abend und genoß es einfach nur. Umso überraschender war es dann, als nach reichlich zwei Stunden plötzlich mit “Light of Day” das Ende da war und die Band nebst Boss die Bühne verließ.

Boss3

Das anstehende Encore war allen bewußt, klar, aber während man noch versuchte sich zu sammeln und das eben erlebte ein wenig zu verarbeiten, war es schon nach kaum 2 Minuten vorbei mit der Bühnenabsenz der Protagonisten.Man widmete den nächsten Song – wie es bei Konzerten in den “neuen Ländern” unserer Heimat wohl üblich scheint – dem legendären 88er Auftritt in Ost-Berlin. (BTW: Wie ist es eigentlich in den gebrauchten Ländern? Wurde das beispielsweise in München auch angesprochen?). Natürlich ging bei seinem größten Gassenhauer das Stadion nochmal richtig ab, wenngleich ich persönlich “Badlands” und das folgende “Born to Run” noch ne Spur intensiver fand. Der Boss knüpfte deutlich am Mainset an, die Songs wurden zellebriert und einfach nur großartig gespielt. Was allerdings auffiel war, daß zwischen den Liedern nicht mehr anmoderiert wurde. Vielmehr wurde direkt mit “one, two, three, four” zum nächsten Song weiter geleitet. Während der Songs drehte dieser 63Jährige unermüdlich seine Runden im Kameragraben, auf der Bühne oder auf den beiden kleinen, etwa 5 Meter ins Publikum führenden Stegen zwischen denen wir praktischer Weise standen.

Boss1

Boss2

Wo der Mann die Energie her nimmt? Ich weiß es nicht. Vermutlich lag es am Bier. Zwinkerndes Smiley Bei “Dancing in the Dark” holte er sich dann wieder weibliche Begleitung auf die Bühne und das großartige, monumentale “Tenth Avenue Freeze Out” zelebrierte dann wieder die E-Street-Band und ihr Können. Absolut geniale Version! Der (eigentliche) Closer war dann nochmal ein absoluter Traum. Mit dem John Fogerty Cover “Rockin All Over the World” ging es nochmals richtig zur Sache im Stadion. Hinter dem Boss auf der Leinwand leuchteten Filmszenen aus dem Publikum auf – alle samt ausgelassene, glückliche Gesichter mit breitem Grinsen und verklärtem Blick, laut singend und tanzend. Die Kameramänner mussten auch nicht lange suchen, sie hätten buchstäblich jeden filmen können. Smiley Eine große, ausgelassene, fast drei Stunden andauernde Rock ‘n Roll und Bluesparty ging euphorisch und mit lauter fröhlichen Gesichtern und schweißgebadeten Menschen zu Ende. Die E-Street-Band wurde mit frenetischem Jubel gefeiert und verabschiedete sich in den Backstagebereich. Der Boss bedankte sich bei jedem Einzelnen von ihnen als sie die Bühne verließen und… kehrte nochmals um. Mit Mundharmonika und Akustikgitarre stand er da… bereit zum endgültigen Abschiedsgruß. War der Abend bislang doch sehr euphorisch, rockig und voll von positivem Anger-Management gewesen (Stickwort “Wrecking Ball”), so folgte nun das, was eigentlich als Einziger Wunsch noch offen geblieben ist bis dato. Eine zerbrechliche, getragene und sehr, sehr nachdenkliche Akustikversion. Ich brauchte ne Weile um zu erkennen, was es war, aber was Bruce da auf der Bühne ablieferte war einfach nur ein Geniestreich. Minimalistisch instrumentalisiert, aber eindringlich und schon fast ins depressive tendierend interpretierte er sein “Thunder Road”. Wo eben noch alles gesprungen war und sich jubelnd in den armen lag in unserem Front of Stage Bereich, da standen jetzt tausende wie angewurzelt da und schwiegen. Unfassbar intensiver Song! Ich habe ein Video dazu gefunden. Im Vergleich zu unserer Ecke vorn im FOS war man hinten im Innenraum aber motorisch noch regelrecht aktiv unterwegs…

WAHN-SINN!! Ich liebe ja solche langsamen Closer. Letztes Jahr in Berlin, als endlich mal “Indifference” auf einem meiner Pearl Jam Konzerte kam, war das ähnlich. Gestern war es einfach nur magisch diesen kompletten Gegensatz innerhalb weniger Minuten mitzuerleben. Als danach dann wirklich Schluß war, ließ der Boss, wie wir beim Verlassen des Stadions feststellten, viele Tränen zurück. Ob es nun mit Thunder Road zu tun hatte oder mit dem generellen Ende des Abends – keine Ahnung. Logisch wäre beides gewesen.

Hach ja, am Ende steht wieder einer dieser unvergesslichen Abende zu Buche, an die man sich noch laaaange zurück erinnern wird. Von denen man noch lange zehren wird und von denen man sich noch in Jahren erzählen wird. Und das werden nicht nur wir tun, geschätzte 44.998 andere Menschen werden das auch tun, dafür hat der Boss in dieser warmen, klaren Sommernacht gesorgt.

 

 

 

PS: Beim Durchstöbern der ersten “offiziellen” Konzertberichte fiel mir eines auf: Es wird meist erst einmal gemeckert. Irgendwas findet sich ja immer, was mich normaler Weise auch nervt. Schlange zu lang, Bier zu teuer, Sound zu schlecht, der Bassist hatte hässliche Socken an… blablabla, so geht das meistens. Aber gestern, da kann ich ausnahmsweise mal verstehen, daß man die Konzertberichte mit leiser Kritik an der veranstaltenden Stadt würzt. Warum? Weil sie es sich verdient hat! Aber Gott sei Dank konnte man das alles recht schnell abhaken wenn man erst ein Mal in der Arena war; was jetzt für mich persönlich aber nichts daran ändert, daß es schon Städte gab, die einen besseren Eindruck hinterlassen haben als Veranstalter von Großevents. Die Parkgebühren binnen 12 Monaten von 5€ (Nightwish 2012) auf 10 Tacken zu erhöhen finde ich ja schon frech. Wenn dann aber über Twitter noch panische Fotos rum gehen, daß dutzendweise Autos von Äckern und brachliegenden Flächen abgeschleppt werden, wo man scheinbar um Kasse zu machen mal fix ein zeitlich begrenztes Parkverbot erließ was morgen wieder weg ist… dann ist das dreist. Von der Verkehrsregulierung nach dem Konzert will ich gar nicht erst anfangen – 3 Stunden Fahrt für 85 Kilometer (die letzten 75 davon schafften wir in den üblichen 60 Minuten… ) sind dann schon “sportlich”. Zumal man das hätte mit ein wenig Verkehrsplanung locker regeln können. Wenn man aber alle so fahren läßt, wie sie das gewohnt sind, dann braucht man sich nicht wundern, wenn es sich an plötzlich auftauchenden Baustellen staut; zumal mir hier und da nicht klar war, warum man zweispurige Straßen plötzlich auf eine Spur minimiert – hinter den Absperrungen passierte einfach mal nichts. Ein Mal ne vernünftige Umleitung um die Baustellen und vor allem die Innenstadt herum ausweisen, den Pulk eben nicht durchs Zentrum schleusen sondern über die mehrspurige Lehmannstraße auf die B95 lotsen und fertig ist der Lack. Habe das in Nijmegen 2007 erlebt. Die habe innerhalb einer Stunde auf die Tour ihre Innenstadt leer bekommen vom Festivalverkehr. Man wurde gezwungen in eine auf den ersten Blick sinnlose Richtung zu fahren, was sich aber relativierte, da man eben über die breitesten Straßen mit dem günstigsten Fassungsvermögen ums Zentrum herum fuhr und dann zwangsläufig an seiner Autobahn ankam. Das war perfekte Orga im Nachhinein. Aber egal. Ich wollte das hier nur mal kurz erwähnen, weil ich finde, das sollte man auch mal ansprechen, daß Leipzig gestern unerwartete Schwächen zeigte. Bislang hat nur Düsseldorf einen noch negativeren Eindruck hinterlassen bei mir was Konzertorganisation angeht… und das will was heißen, denn von Köln B erwarte ich nichts Besseres, von Leipzig schon. Also Leipzig: Das kannst du besser, ich weiß das, weil ich es schon mindestens ein halbes Dutzend Mal erlebt habe, daß Du das drauf hast. Lass das nur nen Ausrutscher gewesen sein… bitte.

Samstag, 2. Juni 2012

WHEN I LEAVE BERLIN–Bruce Springsteen & The E Street Band, 30.05.2012, Olympiastadion Berlin

(Bruce Springsteen & The E Street Band)

Eines muss man ja den eingefleischten Hardcore – Springsteenianern lassen: Sie haben wenns um ihren Liebling geht mindestens genau so einen an der Klatsche wie Meinereiner bei Pearl Jam. Respekt! Smiley

Wie bereits gestern, direkt nach meiner Ankunft in Three-O-City aus der singenden, klingenden Hauptstadt angekündigt, werde ich mich heute mal darin versuchen euch ein paar Impressionen vom letzten Mittwoch rüber zu bringen. Mittwoch, der 30.05.2012. Dieses Datum wird irgendwie immer mit dem Boss verbunden bleiben bei mir, mit meinem ersten Springsteen-Konzert, zu welchem mich meine Schwester in Kooperation mit Chris Cornell sogar fast ein bisschen zwingen mussten. Sie belagerte mich damit, daß ich mitkommen solle, Herr Cornell lieferte schließlich mit dem Gig der Seinen am Tag darauf den endgültigen Grund. Und so erstand ich Anfang Januar dann auch mein Ticket für den vorvorgestrigen Abend, Huckepack brachte es zwei Soundgarden – Billets mit – der Kurzurlaub war perfekt. Die Ärztekarte hatte ich da schon.

Am Dienstag fuhr ich dann also mit meiner Schwester aus dem schönen Jena los und igorte der alten Heimat entgegen. Dem Internet sei dank hatten wir ein recht praktisch gelegenes Hotel in Spandau gefunden, welches auf den Namen “Hotel Herbst” hörte und nebenbei auch noch durch Schnäppchenpreise bestach. Außerdem kann man Spandau jedem Berlinreisenden, der es lieber ein bissel gemütlich will, nur empfehlen. Das hat etwas Kleinstädtisches, sehr gemütlich. Beim Buchen spielte dies aber keine Rolle, schon eher die 2 S-Bahnstationen zum Bruce und der 5 Minuten Fußweg zur alten Zitadelle tags darauf (-> “praktisch”). Nach einem ausgiebigen Frühstück starteten wir dann recht chillig gen Olympiastadion am Mittwoch. Es gibt ja Leute, die es angeblich nicht verstehen, warum man ein paar Stunden vor Toresöffnung bereits an der Venue aufkreuzen will. Nun, neben dem Sichern eines möglichst guten Platzes spielt natürlich auch das Feeling keine zu unterschätzende Rolle. Man hängt einfach ein paar Stunden mit mehreren Hundert Gleichbekloppten scheinbar ziellos herum, lauscht dem gedämpft durch die Mauern sickernden Soundcheck und steigert somit ungemein die Vorfreude. Bei einem Event wie Bruce Springsteen & The E Street Band im Berliner Olympiastadion fand ich das auch durchaus angemessen, meiner Schwester war sogar unser 13:30 Uhr Abmarsch noch zu spät – ich glaube, sie hätte am liebsten dort gezeltet. Zwinkerndes Smiley Jedenfalls kamen wir dann recht einsam gegen 15 Uhr (ich weiß, 2 Stationen in 1 1/2 Stunden… fragt lieber nicht) recht einsam am Bahnhof “Olympiastadion” (hier verweise ich auf das gestrige Foto) an und chillten dem Eingang entgegen. Ich hatte ehrlich gesagt damit gerechnet, die Venue durch das Marathontor zu betreten, aber wir landeten auf der Gegenseite… was eine recht glückliche Fügung gewesen sein dürfte, denn kurz vor Konzertbeginn noch strömten von der Gegenseite her Leute ins Stadion. Da muß richtig was los gewesen sein, während bei uns eigentlich alles recht gemütlich ablief und wir uns ca. 10 Meter und 15 Leute von einem der Einlaßtore entfernt nieder ließen.

vorm Stadion

Wir warteten also tapfer, schoben uns jeweils ein “Sub des Tages”, welches wir am Bahnhof eingesackt hatten, hinter die Kiemen und hatten eigentlich einen recht entspannten Nachmittag – wenn man mal von den zwei nervtötenden Hipstern hinter uns in der Schlange absieht. Ansonsten war es eine sehr angenehme Stimmung in der Schlange und auch der ca. um 20 Minuten verspätete Einlass wurde, von den Kollegen Trendnutten mal abgesehen, gelassen hin genommen. Mit der Zeit nervte nur, daß die Band immer wieder ein und des selben Song anspielte beim Soundcheck, dabei schien irgend etwas nicht ganz so hin zu hauen, wie gewollt. Irgendwann war aber auch das überstanden und wir ließen die überraschend ungründlichen Sicherheitskontrollen hinter uns. Nachdem das Tourshirt ordnungsgemäß erstanden und sogleich übergestreift war, schoß ich noch fix dieses Foto von der Gegenseite

Inside

während die nach uns gekommenen Fans uns entgegen strömten. Noch schnell die 2. Check-In-Schleuse hinter uns gelassen (wir mussten uns noch für den Innenraum “qualifizieren” durch Ticketprüfung) und dann betraten wir endlich das Stadion selbst. Ich war selbst noch nie im Olympiastadion bis dato, in einigen anderen schon, darunter das alt ehrwürdige Wembley vor dem Neubau, aber das was sich da vor uns ausbreitete war schon irgendwie beeindruckend.

Stadioneingang

Wenn man sich vorstellt, daß sich diese Schüssel noch komplett füllen sollte – Bruce – Konzis sind traditionell ausverkauft, in Berlin sowieso – und man dort dann ein dreistündiges Rockkonzert über sich hereinbrechen sehen wird, dann wird einem schon ein wenig warm ums Herz. Der rote Punkt markiert übrigens unseren ungefähren Standort. Etwa 5 Meter von der Absperrung entfernt. Ohne FOS-Bereich – Ticket hätte man nicht wesentlich näher dran sein können am Boss. Mal wieder alles richtig gemacht! Zwinkerndes Smiley Jedenfalls holten wir uns noch das obligate Konzertbier

Konzertbier

welches wir (wie man sieht) unter sich deutlich bessernden Witterungsbedingungen genossen. Es blieb bei diesem einen Bier, denn wir hatten nicht unbedingt vor unseren Platz wieder aufzugeben. Die Sicht war einfach zu gut.

Bühnensicht

Binnen der nächsten 90 Minuten strömten unablässig weitere Menschen ins Stadion, bis schließlich die magische Zahl von 58.000 Spektatoren erreicht war. Während die letzten noch Platz nahmen galoppierte das Intro durch die Boxen. Zur Erkennungsmelodei der “Glorreichen Sieben” betraten die E Street Band und ihr Boss die Bühne. Dunkel gekleidet und sichtlich gut gelaunt bezogen sie Stellung hinter ihren Instrumenten. Als Springsteen dann persönlich die Bühne betrat, bekam der ohnehin schon laute Jubel gleich nochmal einen gehörigen Schub. Um uns herum jubelten Menschen zwischen 7 und 70, rißen die Arme in den mittlerweile sonnigen Abendhimmel, johlten und klatschten – dabei war noch kein Ton erklungen. Ich sah Männer und Frauen, Jungs und Mädels,  Teenies und Rentner – ein kompletter Querschnitt der Gesellschaft. Einige schienen an sich so gar nicht in das Konzept “Rock Konzert” zu passen, andere versuchten es wenigstens, indem sie Jeansjacken überstreiften (kaum getragen, tiefblau und gebügelt) oder sich Stirnbänder anlegten. Dann natürlich die üblichen Verdächtigen, Bandshirtträger, Lederwestler, Moshpit-gestählte Metaller und irgendwie hatten erstaunlich viele ihre Kinder dabei, sogar die ungeborenen. Jedenfalls war es ziemlich schnuppe, wer da wie drauf war oder auf welchem verschlungenen Weg er zu diesem Konzert gefunden hatte; der Boss hatte gerufen und sie alle waren gleichermaßen gekommen und rasteten irgendwie schon beim Betreten der Bühne veritabel aus. “Naja” dachte ich mir “da mach’sch mit!” Zumal mir das Grundkonzept dieser Vorschußextase von Pearl Jam ja auch durchaus vertraut ist. Ja, Springsteen wird vergöttert, man merkte es. Mit dem Opener zeigte er auch gleich mal, warum. Laut Bruce wurde “When I Leave Berlin”, eine Coverversion, extra für den Mittwoch einstudiert. Der Song zündete dann auch gleich und verwandelte das Stadion in eine mitklatschende Masse aus empor gereckten Armen. Gleich zu Beginn wurde zudem klar, was den Boss und die Seinen ausmacht: Sie können selbst Songs, die kaum einer der Anwesenden kennt im Handumdrehen in massenkompatible Sing-Alongs umwandeln… und sie hatten sich mit diesem wahrlich ein Juwel heraus gepickt. Nett wie er ist, der Boss, hat er auch gleich eine HD-Aufnahme des Stückes online geschickt, als überzeugt euch selbst.

Nachdem Publikum und Stimmung sofort da waren, wurden “We take care of our Own” und “Wrecking Ball” vom aktuellen Album hinterher geschoben. Beides in sehr, sehr intensiver Art und Weise vorgetragen. Man merkte, daß ihm die Songs wichtig sind, außerdem richtige Livesongs, besonders, wenn sie die Untermalung der grandios harmonierenden E Street Band genießen dürfen. Diese entfaltet auf der Bühne eine wunderbare Soundgewalt, die jeden Song mit einer unglaublichen Leichtigkeit zu tragen versteht. Der überlange Soundcheck hatte sich gelohnt, Soundqualität war meiner Ansicht nach  tadellos. Selten so klaren Sound gehört, bei dem man zudem die einzelnen Instrumente (und davon gabs ja ne Menge) exakt heraus hören konnte und dem auch jegliches Echo abging. Ein akustischer Genuß, und nicht nur das. Bei “Badlands” wurde die Interaktionsbremse gelockert und die Anwesenden sangen lauthals mit, tanzten, klatschten, jubelten (hätten sie noch getöpfert… lassen wir das Zwinkerndes Smiley). “Death to My Hometown”, ein sehr eindringlicher Track von der Wrecking Ball, leitete dann zu einer traumhaften “My City of Ruins” Version über. Großartiges Liedchen, einfach nur toll, dieses Stück miterlebt zu haben. Auf der Bühne fing Bruce ungefähr ab hier an die Derwischnummer auszupacken. Spätestens zum Schildchenwunsch Nr. 1 “Hungry Heart” wurde er mobil und bediente beide Bühnenseiten mit seiner Anwesenheit. Mittendrin blieb noch Zeit für ein Tänzchen mit einer Sanitäterin oder eine Art 60+ Stagedive (Mann legt sich behutsam auf die ersten Reihen, Fans helfen Mann wieder zurück). Wir, die wir hin und wieder einfach auf der falschen Seite der Bühne standen, konnten das durch die LED-Videowände recht gut verfolgen. Mit “Trapped” und vor allem der großartigen Turbokapitalismuskritikballade “Jack of all Trades” kehrten dann wieder besinnlichere Töne ein. “Johnny 99” und “Working on the Highway” zogen dann im Tempo wieder an. Die gospeligere Seite der Veranstaltung bediente dann “Shackled and Drawn”, ein Beleg dafür wie vielseitig der Boss mit seiner E Street Band agieren kann. Dabei kommt das alles immer recht spielerisch rüber, als würden sie das mal eben aus dem Handgelenk schütteln. Nebenbei sorgt Bruce dann noch für Momente mit dem nötigen “Hach-Faktor” wie bei “Waitin’ on a Sunny Day” und verzückt mit einem Duett mit einem extra auf die Bühne gehievten Kind vor allem die weiblichen Zuschauer. Nicht, daß der Song nicht ohnehin schon bombastisch ankam an dem Abend und das ganze Stadion in Verzückung versetzte… aber Bruce setzte somit noch einen drauf. Mein Wunsch nach “Outlaw Pete”, so viel sei verraten, blieb unerfüllt, aber mit “The River”, für mich einem DER Springsteen-Songs überhaupt und “The Rising” direkt im Anschluß, ging dann doch einer meiner großen Wünsche an diesen Abend in Erfüllung. Hier mal “The River”… Gänsehautmoment!!!!!

Es war schlicht und einfach herrlich da unten zu stehen, die Majorität der anwesenden 58.000 im Rücken, und fleißig in einem gigantischen Chor mitzusingen. Man schaltete total ab, nicht zuletzt das mag ich so an Rockkonzerten, daß man das da kann! Das Mainset ließ man dann mit “Lonesome Day”, dem tollen “Thunder Road” und davor einem demkwürdig intensiven “We are Alive” ausklingen. Zu diesem Zeitpunkt waren schon gut 2 Stunden gespielt, der Boss klatschnass, die Band ebenso, aber alle nach wie vor bester Laune. Das merkte man auch an dem Umgang von Springsteen mit seinen Musikern, alles sehr kommunikativ und eine unglaubliche Spielfreude vermittelnd. Da man in Berlin wohl schon wieder mit einem ominösen Curfew gedroht hatte (wahrscheinlich 23 Uhr, wie in der Wuhlheide auch), wurde vor dem Encore die Bühne nicht einmal verlassen. Kurz das Handtuch malträtiert, Schlückchen Wasser und dann gings Schlag auf Schlag weiter. Gehetzt wurde nicht, die Songs bekamen die Zeit und den Raum, den sie brauchen. Das tat vor allen “Rocky Ground”, einer wunderbaren Duett-Version mit Blues/Gospel-Einschlag sichtlich gut. “Born in the U.S.A.” wurde erwartungsgemäß abgefeiert, aber auf Grund der ohnehin schon vorliegenden Hochstimmung konnte man ohnehin nur noch ein paar Extraprozent an Stimmung drauf packen. Das Niveau wurde hernach dann mit “Born to Run” und vor allem dem – sorry, man kanns aber nicht anders sagen – endgeilen “Glory Days”. Das war nochmal ganz, ganz großes Kino sage ich euch! Je länger der Abed wurde, umso besser wurde er auch. Nur leider ging es langsam aber sicher dem Abpfiff entgegen, hier im 2006er WM-Finalstadion (hehe, diese Platitüde musste ich einfach abfeuern… wenigstens ein Mal Zwinkerndes Smiley ). Das Abschlußtrio war aber nochmal etwas ganz besonderes. Zunächst wurde mit “Seven Nights to Rock” nochmal ordentlich die Hütte geschaukelt, ein tolles Live-Bonbon. Hernach wurde, was sich wie ein roter Faden durchs Konzert zog, mal kurz nachgefragt, ob man uns denn nun endlich die “Pants off gerock” hätte. Hmm… nö. Also gabs noch “Dancing in the Dark”, womit man wenigstens einem das Beinkleid entfernte. Der Kerl lief dann in Shorts vor der Bühne entlang, während Meister Springsteen mit seiner Jeans wedelte. Der Closer “Tenth Avenue Freeze Out” war dann einer der denkwürdigsten Momente des Abend, wurde doch dem “Big Man” gedacht. Stellt euch achtundfünfzigtausend Mann vor, die zunächst schweigend, dann applaudierend vor großen Leinwänden verharren, auf denen Bilder aus dem Leben und Schaffen des im letzten Jahr verstorbenen Bruce – Intimus und Stammsaxophonisten der E-Street Band schimmern. Als der Song wieder aufgenommen wurde, blickte Clarence Clemons dann auch eindringlich von der Riesenleinwand hinter der Band sowie den kleineren an den Flügeln ins weite Rund. Bruce und die Band brachten den Abend dann zu einem würdigen, rockenden Ende.

Nach mehreren Ovationen und Jubelarien des nunmehr über drei Stunden lang dauerzufriedenen Publikums wars vorbei. Viel zu schnell! Ein Erlebnis war das, das sage ich euch. Bislang mein größtes Konzert, rein numerisch. Es stellte sogar meine Festivals in den Schatten, und dennoch war es irgendwie… ich weiß nicht… familiär würde ich schon fast sagen. Als ob man ein paar Stunden mit vielen Gleichgesinnten in einem mittelgroßen Club vor sich hin rockt und von der Bühne aus nicht nur ein Funke, sondern ein ganzer Backdraft ununterbrochen übers Publikum rollt. Das muss man als Band erst einmal schaffen in so einem Stadion. Springsteen und den seinen gelang es. Man fühlte sich nicht wie in einer Monsterveranstaltung des Rock. Man war in einer seltsamen Art und Weise vom Konzert gefangen und kam sich vor, wie in einer kleinen, abgeschirmten Welt. Das hielt auch nach Konzertschluß noch ne Weile an. In die Realität wurde man nur beim Verlassen des Stadions kurz zurück geholt, als man sich umdrehte und das sah:

Ende

Ach du Scheiße… wo kamen all die Menschen her??? Da war man kurz perplex und zwar nicht zu knapp. Daß es vielen so ging, beweist wohl, daß jeder Zweite auf den Treppen stehen blieb und ein ähnliches Foto schoß.

Noch jetzt bleibt mir nur, mich beim Boss und der E Street Band für diesen Abend zu bedanken. Die 73€, die ich in das Ticket investiert habe, die haben sich mehr als ausgezahlt! Wenn ich bedenke, was manche Bands für nen Fuffi so (an)bieten, dürfte Springsteen für so einen Abend auch das doppelte nehmen, es wäre gerechtfertigt. In gewisser Weise hat sich meine eiserne “ich gehe nie zu einem Künstler, der mehr als nen Hunni für die Karte nimmt” – Regel seit Mittwoch erledigt. Einerseits, weil die FOS Tickets in der Tat in den dreistelligen Bereich gingen, andererseits, weil ich nach diesem Abend im Mai, nach diesem Wirbelsturm guter, klassischer Folk / Gospel / Blues / Rockmusik, auch selber bereit wäre diese Summe zu zahlen. Komisch ist nur, daß diese Erkenntnis bei Springsteen kommt und nicht bei Pearl Jam. Aber wenn man sieht, was ein 62Jähriger noch über 3 Stunden lang leistet, wie er sich einen abrackert, rockt und was für eine Atmosphäre er und seine recht große Band so erschaffen können, dann sieht man das irgendwie anders. Mal abgesehen davon, daß die FOS Tickets eh im Nu vergriffen sind (das ist wie bei dem Innenraumtickets bei Pearl Jam), würde ich beim nächsten Mal gerne diese 5 Meter weiter vorne stehen, die uns noch vom Innenraum trennten. Mindestens!

PS: SETLIST

Sonntag, 27. Mai 2012

BLOW UP THE RISING ÜBERMENSCH

(Dr. Soundsteen)

Hallöchen! Smiley Sagt mal, könnt ihr euch eigentlich noch an das Suomievensche Space-Hell-Weekend anno 2010 erinnern? Also ich schon, was aber auch kein Wunder ist, denn schließlich war ich ja dabei und es war SUUUUUUPER! Das war ein Spaß damals! Warum ich daran erinnere? Naja, weil ich für die nächsten Tage schon mal eine kleine Blogabwesenheit ankündigen muss, denn ich habe mal wieder einen ähnlichen Trip vor. Gut, mit etwas Glück habe ich W-Lan im Hotel, aber ob mich das am Ende dazu bringt, von meinem Pad aus Blogeinträge zu meißeln nachdem wir Berlin unsicher gemacht haben… ich weiß es nicht genau. Ihr werdet es ja sehen.

Jetzt, wo ich in gut 2 Stunden zum ersten Konzi aufbreche, wird sie so langsam greifbar, die Vorkonzertspannung… und sie wird am Mittwoch und auch am Donnerstag noch ein wenig größer sein, denn die nächsten 5 Tage fasse ich mal kurz unter dem Oberbegriff der Visite bei

Dr. Soundsteen

zusammen. Nicht nur eines, nicht nur zwei, nein…. gleich drei erstklassige Hochkaräter werden mich in den nächsten Tagen erfreuen:

konzis

Smiley mit geöffnetem Mund Freue mich schon! Bequem gehts heute los, irgendwann zwischen 6 und 7 werde ich relaxt zur Arena schnieken, wo ich mir dann auch keine Gedanken um eventuelle Kraftfahrzeugführung nach Konzertende machen muss. Nach Berlin gehts dann am 29. mit der gewohnten schwesterlichen Unterstützung und dann wirds in doppelter Hinsicht LEGEN *wait for it*……. DÄR! Zunächst die Audienz beim Boss und seiner E Street Band im Olympiastadion (da krieg ich ja jetzt schon Gänsehaut), dann am nächsten Tag die nicht mehr für möglich gehaltene Wiederauferstehung von Soundgarden in Originalbesetzung. Mit Wunderstimme Chris “ich hab mit Scream totalen Scheiß gebaut und mache das jetzt auf dem einzig legitimen Weg wieder gut’” Cornell am Mikro und Matt, der wo sonst immer bei Pearl Jam trommeln tun tut, hinter der Schießbude. Da freue ich mich auch schon drauf… da kehren die 90er zurück Leute! Smiley Das wird der Hammer! Ich werde euch natürlich angemessen berichten wie es war, während MsPittili hier die Stellung hält, aber bis Freitag wirds wohl ein wenig ruhiger werden hier.

Also dann bin ich mal weg. Bleibt sauber! Smiley