(J.B.O.)
Hallöchen. Seid gewarnt, heute wird es gegen Ende des Beitrages leicht fäkal… aber dennoch bedeutungsschwer.
Ich war heute mal wieder einkaufen – soweit erfüllt das noch nicht unbedingt den Tatbestand der Sensation. Aber an der Kasse dann, da wurde mir vom vor mir einkaufenden Rentnerduett mal wieder der Irrsinn unserer Zivilgesellschaft präsentiert.
Erst einmal grundsätzlich: Rentner haben doch Zeit, oder sehe ich das falsch. Die beiden Graukappen vor mir an der Kasse hätten doch bevor sie auf mich trafen bereits 7 Stunden Zeit gehabt um den Toom leer zu kaufen. Die hätten ab 9 Uhr in aller Ruhe durch die Regale schlendern können… wenn sie denn gewollt hätten. Sie hätten Muße gehabt, Platz und wohl auch die passendere Supermarktmusik. Aber was machen sie? Pünktlich 16:18 reihen sie sich mit einem halb leeren Einkaufskorb vor mir an der Kasse ein. Um einen herum sieht man entweder Leute die frisch in den Feierabend gestartet sind oder eben diese Shoppingknacker, die schon aus reinem Trotz den Werktätigen im Weg herum zu altern scheinen… zur Prime-Time versteht sich. Wenn ich nach der Arbeit fix noch zum Toom fahre, dann will ich vor allem, daß das schnell vorbei ist – und da ist es kontraproduktiv, wenn man dauernd von den Leuten ausgebremst wird, die gerade ungehemmt und für mich auch noch wahrnehmbar meine Rentenkassenbeiträge in Doppelherz und Granufink anlegen. Ich verstehe das nicht, warum nur machen die das?!? Außerdem sollte man sich wenn man vor ihnen an der Kasse steht mal trauen, so lange das Rollband zu blockieren, wie sie es tun. Die fahren nicht vor, wenn da Platz ist, neeeiiiiin, wo denkt ihr hin?!?! Opi wartet erst einmal ordnungsgemäß, die die Kassiererin den Warenteiler vor seinem Einkauf entfernt hat und auf die Schiene legt. Wenn dieser dann schwungvoll gegen die anderen Stöcke befördert wird, nimmt er sich dann das im entgegen geschwebte Teil und platziert es in einer sauberen Parallellage zur rechtwinklig zum Laufbandrand angeordneten Kukidentpackung hinter seinem Einkauf. Erst dann wird es dem Nachfolgenden gestattet seine Beute aufzulegen (als hätten sie Angst, versehentlich einen Großeinkauf mit zu bezahlen ohne es zu merken). Überhaupt könnte man meinen, das Zeug rollt vom Laufband direkt ins heimische Regal, das ist alles derart ordentlich aufgestapelt – Wahnsinn. Ich warte noch auf den Tag, an dem einer von denen anfängt das Zeug alphabetisch zu ordnen. Während dessen wird vorne schon gescannt und die Frau wühlt in ihrer Handtasche nach … nein, nicht dem “Portemonaie”, bei dieser Generation ist das noch die “Börse”. Dann wird nach der Zahlungsaufforderung noch verwirrt im übergroßen Kleingeldfach herum gerührt und der Verkäuferin ein “Ach, suchen sie es selbst heraus… ich habe die Brille nicht mit *hihihi*” zu gewispert. Das macht diese dann auch, begeht aber den Fehler, sie nach “Treuepunkten” und “unserer Stickeraktion” zu befragen.Während sie das tut hat Knispelgatte so langsam zwei behäbige Schritte nach vorn getan und somit das Band frei gegeben. Ich beschloss ihn ein wenig zu trollen und kippte meinen zum Einkaufskorb umfunktionierten Milchkarton voller Senseo-Kaffee, Wurst, Käse und noch mehr Senseo-Kaffee einfach schwungvoll aufs Band. Habe ich schon öfter gemacht, das gibt immer so herrlich schockierte Blicke, wenn sich mein Einkaufsgut dann so wirr und ungeordnet neben dem “Senior” (wir wollen hier ja auch mal das politisch korrekte Wort für diese Rollatorjockeys verwenden
) über das Warenband ergießt. Man sieht dann immer die Fassungslosigkeit in ihren Augen. “Wie kann man SO nur einkaufen?!? Lümmel!” schwingt dann immer mit. Jedenfalls hatten die vor mir postierten Warteschlangenpensionäre das gleiche Problem wie ich: Einen Rentner vor sich an der KAsse. Und während dieser sich die Prämien der aktuellen “Treuepunkteaktion” erklären ließ und Tiersticker “für die Enkelin” mitnahm – womit er natürlich alles aufhielt, fiel mit bei dem Einkauf der beiden Best-Ager die überdimensionierte Toilettenpapierpackung auf. Da wir ja offensichtlich jede Menge Zeit hatten, zückte ich das Smartphone und dokumentierte:
20 Rollen Scheißpapier – die haben sich ja ganz schön was vorgenommen. Aber viel interessanter fand ich den Werbeaufdruck. “Bess” ist ja noch ein recht neutraler Name, es gibt ja Klopapier das heißt “Danke” oder die Aldi-Marke “Vitesse” – dem Namen nach wohl ein Spezialpräparat für Dünpfiff. Dagegen ist “Bess” nun wirklich ein veritabler Name, der nicht viel Angriffsfläche liefert. Aber warum nennt man sowas “Deluxe”?! Hat es mit der revolutionären “Softprägung” zu tun, die im Vergleich zu herkömmlichen Toilettenpapieren einen gleichzeitig gesäßschonenden und reinigungsoptimierten Wischvorgang ermöglicht? Oder ist es wegen der fluffigen 4-Lagigkeit, von der man damals nach dem Krieg nicht einmal träumen konnte? “Wir hatten ja nüscht!” hört man den von seinem Kauf begeisterten Nachkriegskunden da mit glänzenden Augen schwärmen. Wahrscheinlich ist es von allem etwas. Jedoch das Highlight an diesem Produkt ist wohl der Spruch
“Am richtigen Ende sparen!”
Göttlich! Alleine, daß man den im Imperativ gehalten hat. Das ist kein Vorschlag, nein, das ist ein Befehl! Und Befehlen gehorcht man doch, das steckt bei dieser Generation noch tief drin. Vom Marketingaspekt her ein Geniestreich – wenngleich wenig subtil. Inhaltlich ist der Slogan natürlich auch ein Brüller. Das “richtige Ende” für Haushaltsdisziplin ist offensichtlich der eigene Arsch. Wenn sich das erst mal in Berlin herum spricht… .
