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Dienstag, 6. November 2012

AMERICAN LAND

(Bruce Springsteen)

Hallöchen. Smiley Heute will ich mal wieder ein paar Worte zum aktuellen politischen Geschehen auf unserem blauen Weltraumball verlieren, der so verloren durch die unendlichen Weiten eiert. Es liegt mir seit gestern auf der Tastatur, aber ich konnte mich nicht aufraffen nach dem anstrengenden Tag gestern. Heute setze ich mich einfach mal hin, habe ich beschlossen, nicht zuletzt, nachdem ich gerade den Blogeintrag von Frau Weibsvolk las welcher mich inspiratorisch zur Äußerung motivierte. Es soll nicht nur um das Betreuungsgeld gehen, nicht nur. Aber anfangen können wir ja damit.

Betreuungsgeld ist und bleibt für mich ein absolut rotes Tuch. Das hat nur bedingt etwas mit denen zu tun, die diesem Mist seit Monaten predigen, sondern viel mehr mit der Sache an sich. Mal ehrlich: So ein Scheiß kann auch nur der CSU einfallen! Schön die Kinder aus den Kitas raus halten – weil man sie nicht hat (also die Kitas, Kinder hat man in der CSU mehr, als es Frau Seehofer lieb ist) – und dafür die Eltern “motivieren” dem kleinen Xaver oder der Zenzi am heimischen Herd den Arsch hinterher zu tragen, auf daß die Sozialkompetenz der Kleinen gleich mal mit einem Entwicklungsdefizit in die Schulzeit startet und die mütterliche Karriere ein halbes dutzend Jahre zwangspausiert, sodaß sie am Ende gleich hinterm Herd stehen bleiben kann wenn der Sprößling mit 14 “aus dem Gröbsten raus” ist und die Teilzeitstelle winkt. Das ganze Konzept riecht derart nach dem Berufsbild “Hausfrau und Mutter” als Selbstzweck, daß es nur einer antisäkularen, christsozialen Spinnervereinigung wie der CSU einfallen kann. Nicht einmal die FDP ist auf so eine Scheißidee gekommen. Obwohl das auch wieder klar ist, denn dieser turbokapitalistische Liberalohaufen kriegt ja schon das Grausen, wenn Sozialetats aufgestockt aber “Besserverdiener” mit 5 Tacken monatlich mehr “belastet” werden sollen. Ist irgendwie auch nicht besser. Aus der Perspektive von einem Rösler oder Westerwelle muß Bayern durch diesen Betreuungsgeld-Blödsinn ja schon in Sozialismusverdacht geraten. Der große Freistaatsratsvorsitzende Horstimir Iljitsch Seehow führt seine blau-weiße Volksrepublik güldenen Zeiten entgegen, indem er die Kinder hinter Mutterns Rockzipfel zwangskaserniert und so mal eben noch die Kommunen entlastet. Für jedes Herdprämienbalg muss schließlich kein Kita-Platz her. Und in seiner gütigen Voraussicht und weil er denkt, daß die Deutsche Demobayrische Republik ohnehin das ultimative Vorbild ist für den Rest der deutschsprachigen Bundesländer, läßt er 15 andere Länder gleich an dem zweifelhaften Segen teil haben. Dabei denkt er ernsthaft, daß er damit den Armen dieser Republik einen Gefallen tut. Das muss man sich mal überlegen, die CSU, eine Partei, die es in einem einzigen (ich wiederhole: in EINEM) Bundesland gibt, die kommt mit so einem Hirnfurz von einem Sozialgesetz um die Ecke und der Schmarrn wird bundespolitisch umgesetzt! Warum? Weil man innerhalb der Koalition “Deals” abschließt wie auf einem Viehmarkt. “Du bekommst  das, wenn ich dies haben darf.” So wird hierzulande regiert. Nicht etwa nach dem Motto Problem –> Problem erkennen –> Lösung suchen –> Umsetzen, wo kämen wir denn da hin. Das ist gegenseitiges Egostreicheln von einer Hundertschaft weltfremder, Privilegierter Schreibtischtäter. Hier werden Sachen durchgedrückt, die außer ein paar Weißwurst zurzelnden Fundamentalisten niemand wirklich will, nur damit Muttis Adoptivkinder beide was zu jubeln haben vor der nächsten Wahl und an abendlichen Koalitionstisch nicht Sodom und Gomorra ausbrechen (ich weise darauf hin, daß diese Koalition ohnehin kein Jahr mehr bestehen wird… ein teurer Frieden ist das somit). Ich bin sonst eher dagegen, daß gegen alles gleich vor dem Verfassungsgericht Klage eingereicht wird, denn das führt am Ende nur zu faulen Kompromissen und Stagnation. Aber in diesem Fall, hoffe ich, daß SPD, Grüne, CDU und zur Not auch noch Erichs Erben gegen dieses “Betreuungsgeld” Prozesse führen, bis die Funken spritzen. Nur damit der Maximo Hofer am Ende das Scheitern seiner verlogenen, rückwärts gewandten Sozialutopie einräumen muss. Wem kommt es denn zu Gute? Nicht den viel zitierten “Ärmsten der Armen”. Die werden nur immer vor geschoben, denn dagegen, daß man denen hilft, kann ja keiner was haben. Aber ausgerechnet bei denen kommt es nie und nimmer an, weil es doch sofort auf die Stütze angerechnet wird. Nein, profitieren werden die Leute, die es sich auch ohne diese Kuschelprämie leisten könnten (wenn sie denn wollten). Die sollen das von mir auch auch machen wenn sie wollen, aber ohne staatliche Förderung! Gehobene Mittelschicht und Oberschicht, die ihre Nannys am Ende vielleicht noch für nen Hungerlohn am Finanzamt vorbei beschäftigen. Jahaa, die haben staatliche Förderungen in der Tat nötig.  Nun, das wiederum gefällt bestimmt auch der FDP. Wie ich die politischen Verhältnisse in der Volksrepublik Bayern aber einschätze, wird er demnächst wieder gewählt… der Horschtnecker; mit 98,7% versteht sich, denn “CSU wählen, heißt Frieden wählen”; O’Zapft is, liebe Genossen!

Getoppt wird dieser Irrsinn (ja, das geht) nur noch vom US-Wahlkampf. Ich kann es mittlerweile nicht mehr sehen im TV, ich gebe es ja zu. Seit Wochen sind wir hier gezwungen zuzuschauen, wie in den USA Abermilliarden von Dollaren dafür verpulvert werden, einen Präsidentschaftswahlkampf zu führen, an dessen Ende ein einziger Mann zum Präsidenten gekrönt werden wird und man sich fragt, wohin eigentlich diese Unsummen verpufft sind, während an der Ostküste alles nach wie vor in Trümmern liegt. Es ist nicht nur das “Wie”, also dieses kunterbunte, spendenorientierte Wettlügen vor laufenden Kameras, was einen nervt, sondern es ist auch, daß in einem Land, das sich selbst immer wieder für die Mutter aller Demokratien und Freidenker hält, so eine Figur wie Mitt Romney politische Option ernst genommen wird. Ein religiöser Fundamentalist, Multimillionär und obendrein noch mit einem Weltbild gesegnet, auf das man hierzulande den Verfassungsschutz oder zumindest ein Rudel Evolutionsbiologen ansetzen würde. Diese 47% Äußerung hat man ihm verziehen, das muss man sich mal vorstellen! Bei uns würde jede Partei, deren Spitzenkandidat so etwas bringt, den Typen unter medialem Getöse entsorgen und lieber mit Kermitt dem Frosch in den Wahlkampf ziehen. Obama ist da zumindest von seiner Außendarstellung her schon wesentlich sympathischer, auch wenn er in den letzten 4 Jahren nicht ansatzweise das gebracht hat, was man sich von ihm und er seinem Land versprochen hat. Vieles war sicherlich auch den innenpolitischen Verhältnissen in Übersee geschuldet, vieles ging halt einfach nicht, wenn man sich mit den Vertretern irgendwelcher Redneck-Hinterwäldlerstaaten oder Waffenlobbyisten (die Grenzen sind da fließend) herum schlagen muß, die jeweils auch noch einen schon obszönen politischen Einfluß haben. Manches hat er aber auch ganz einfach nur vergeigt. Aber sei es drum. Ich hoffe, daß er das Ding heute gewinnt und uns und der Welt ein republikanischer US-Präsi nochmal 4 Jahre lang erspart bleibt. Wenn ich da an den letzten denke, der dieser Partei entsprang, wird mir jetzt noch übel – und ich halte Romney nur für unwesentlich besser, wenn überhaupt. Wenn ich könnte wie ich wollte, würde ich mir heute die Nacht um die Ohren schlagen mit der Wahlberichterstattung, denn es interessiert mich schon und ich schaue Wahlberichterstattung generell auch gerne. Geht aber nicht, muss morgen früh raus.

Obwohl eines würde ich dann doch gern sehen: Einen Staatsbesuch von Romney in der Volksrepublik Bayern und das folgende Staatsbankett mit Kommi Horscht im Palast der Brezenrepublik. Stelle ich mir skurril vor – da treffen da Ideologien aufeinander… Kalter Krieg 2.0! Zwinkerndes Smiley

Mittwoch, 4. April 2012

THAT CROWN DON’T MAKE YOU A PRICE

(Murder by Death)

Habt ihr letztens mal eine Frau gesehen? So richtig in freier Wildbahn und vielleicht sogar noch berufstätig, obwohl sie auf dem Rücksitz den Kindersitz spazieren fuhr? Glück gehabt. Geht es nach den erzkonservativen Weltfremdlingen aus der Union wird sich das bald ändern. Die Sau wurde zwar schon mal durchs Dorf getrieben, momentan wird die Diskussion aber wieder aufgekocht und es scheint, als ob man ernsthaft über diesen vollkommen beschränkten Reisezuschuß in die emanzipatorische Vergangenheit nachdenkt. Daß solcherlei Stumpfsinn im dunkelschwarzen Bayern Anklang findet, verwundert ja nicht, aber wir müssen nun ja nicht jeden Scheiß mitmachen, der aus der Zone der politischen Unzurechnungsfähigkeit über die Landes… oh, sorry “Freistaats”grenze zu uns durchosmotisiert. Das Konzept ist so beknackt, daß es von der FDP stammen könnte. Frauen sollen ihre Blagen in Eigenregie erziehen und ganztagsbekaschpern und werden dafür mit einer staatlichen Prämie bedacht, wenn sie keinen Kita-Platz beanspruchen. Super Idee! Das Praktische daran ist, daß das billiger und bequemer ist, als Betreuungsplätze zu schaffen, auf die ab 2013 ja ein Rechtsanspruch bestehen soll. Für die Kinder geht der Schuß aber nach hinten los. (Früh)kindliche Entwicklung sollte im Idealfall – das wird einem jeder Entwicklungspsychologe sagen – unter Gleichaltrigen statt finden. Wenn die Wänster ihre ersten 3-6 Lebensjahre immer nur von einer beschürzten Hausmuddi verhätschelt werden und man sie dann notgedrungen auf die Schule losläßt… na gute Nacht. Das werden weinerliche, verpampelte Muttersöhnchen, denen die bösen, kita-gestählten Klassenrüpel täglich ungeschoren das Pausenbrot mopsen. Deppenkinder eben, Deppenkinder, die keiner haben will… außer Mutti! Und das in einer Gesellschaft, die feste “Bildung, Bildung!” brüllt und Individualisierung und mentale Flexibilität verlangt. Wer da gleich mit einem derartigen Klumpfuß ins Rennen geht, der macht bestenfalls das Rütli-Abitur; wenigstens wird er aber erhebliche Probleme haben eine vernünftige Sozialkompetenz aufzubauen.

Auch sehe ich das für die Mütter durchaus kritisch. Das geht schon mal damit los, daß dieses längst überholte “Berufsbild” der Hausfrau wieder gepusht wird. Wer sich das leisten kann, weil Papa die dicke Kohle heim schleppt und Frau selbst mit ihre Rolle als familieninterne Küchenhilfskraft und Reinigungshilfe “with benefits” zufrieden ist… der soll das tun; der soll diesen Blödsinn dann aber auch selber finanzieren. Aber normal ist das nicht, schon gar nicht, wenn das Haushaltseinkommen, na, sagen wir mal euphemistisch “eine suboptimale Größenordnung” hat. Nach 3 oder gar mehr Jahren staatlich gesponserter Aufzuchtpause für den kleinen Kävyn-Jöhremyah (daß sich diese Schreibweise durchsetzt ist nur eine Frage der Zeit), hat man aktiv seine Berufserfahrung vernichtet und fängt quasi wieder bei Null an. Nebenher wird durch derlei finanzielle Reize für die staatliche/kommunale Entlastung was Kinderbetreuungsangebote angeht auch ein riesiges Potential an Fachkräften und Qualifikationen gefährdet, welche wir gut brauchen können. Jetzt nicht falsch verstehen, Erziehungszeit ist wichtig, aber irgendwann ist es auch mal gut und man muß den Sproß auch auf Gleichaltrige los lassen, wenn er sich entwickeln soll. Bloß weil es in irgend einem selbst ernannten Gottes(frei)staat einem Ü50jährigen “Expertengremium” mit Gamsbarthut und Jesuskreuz über dem Trachtenbett mal einfällt, daß man die Maderln so auf recht charmante Weise wieder in die heimische Küche holen und vor allem da halten könnte, anstatt sich z.B. von ihnen regieren zu lassen, muß das noch lange keine gute Idee sein. Ich möchte mal wissen, wo geschrieben steht, daß erwerbstätige Eltern schlecht sind für ihre Kinder. Die tun ja gerade so, als wären Mütter mit Jobs so eine Art keifende, liebloses Höllenbrut, die den Nachwuchs in die Kita abschiebt um Ich-bezogen Karriere zu machen und ihre Ruhe zu haben vor dem kreischenden Balg. Da lobt man sich doch die verantwortungsbewußten Heimchen am Herd, die Junior ganztags den Arsch hinterher tragen und nebenher RTL laufen haben und sich die "People-News” der Unterschichten Peer-Group 24/7 ins mentale Gebälk ballern. Die muß man natürlich für ihren hochgradig nützlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Gemeinwohl prämieren, und nicht diese Rabenmütter, die neben Kind und Erziehung sich noch beruflich einbringen und sich vielleicht auch noch erdreisten Hobbies zu haben. Denen kann man doch die Kita-Beiträge oder Mittagsessenspreise für den Junior erhöhen, um sie für ihr Verantwortungsbewußtsein auch mal angemessen abzustrafen. Früher, da hätte man solches Ketzertum noch dem Feuer übergeben, südlich der Isar. Geht aber mittlerweile nicht mehr, also denkt man sich neue Schikanen aus. Irgendwie muß man ja schließlich das Geld, was man den Glucken in den Rachen wirft ja auch wieder rein bekommen – warum dann nicht auf diese Weise?!

Das Schlimme ist nur, daß die Mittel, die für diesen Schwachsinn ausgegeben werden sollen, den Kitas fehlen. Da wären sie sinnvoller angelegt als in diesem Blödsinnsprojekt. Kann mir mal einer erklären, was an dieser Herdprämie sinnvoller ist als ein dichtes, gut ausgestattetes Kita-Netz? Niemand? Na dann ist ja gut. “Herdprämie”, das ist schon ein recht guter Name für diesen Kokolores, aber um ihn anständig zu diskreditieren, sollte man noch heftigere Schlagworte finden. Irgend einen Slogan, der die Nutzlosigkeit und Widersinnigkeit der ganzen Sache ebenso auf den Punkt bringt wie die Verachtung, die jeder aufgeklärte, moderne Mensch dieser “Prämie” zollen sollte. Wie wäre es denn mit

“AbmahnanwaltsfinanzamtspolitessenhedgefondbankervogelgrippenkettensägenmassakerFDP – Zuschuß”?!