Samstag, 1. Dezember 2012
ROCK IT - Motörhead am 30.11.2012 in der Thüringenhalle Erfurt
Donnerstag, 29. November 2012
(And I’ll be…) SMILING LIKE A KILLER
(Motörhead)
Also der November war ja mal ein sehr schreibfauler Monat meinerseits. Das gebe ich hiermit zu. Ich habe gleichwohl keine Ahnung, warum das so war. Gut, ich hatte etwas Stress, aber soo viel mehr wie in den Monaten davor war es dann auch nicht. Die Themen, ja, die haben vielleicht ein wenig gefehlt. Ich verstehe nicht, warum man immer vom “Sommerloch” spricht und nicht vom großen “November-Nichts”. Was war denn in den letzten 29 Tagen schon los, worüber man sich ein wenig lustig machen konnte? Nüscht! Schnarchveranstaltung hier! Oder vielleicht war auch einfach nur zu wenig los, worauf ich für gewöhnlich anspringe. Die traditionellen Füller zu bringen hatte ich dann aber auch keine Lust. Veganer ärgern braucht einfach den richtigen Zeitpunkt und sich über die FPD lustig machen ist auch langsam langweilig, es liegt irgendwann auch mal unter meiner Würde mich zu Parteien zu äußern, die irgendwo bei 4% Stimmenanteil rumeiern und sich trotzdem noch fleißig selber demontieren. Nicht mal dieser lächerliche Auftritt vom Rösler heute früh im MoMa hat bei mir irgend eine Reaktion hervor gerufen… nicht mal einen despektierlichen Tweet konnte er mir entlocken. Man winkt mittlerweile ja nur noch ab wenn einer dieser politisch Schiffbrüchigen sich vor einer beliebigen Kamera selbst blamiert. Die brauchen gar keinen anderen mehr um sich unmöglich zu machen. So auch der Fips heute früh, der bei sinkenden Strompreisen an den Märkten versucht hat die aktuellen Preiserhöhungen damit zu rechtfertigen, daß es ja praktisch dann irgendwie billiger wird mit dem ganzen Ökostrom und man nur temporär ein weeeeeeenig Umlage abzudrücken hat, damit die armen, armen Großkonzerne weiter ihren Konsumschrott produzieren können. Langsam glaube ich, die suchen in ihren Fraktionssitzungen die ganze Zeit den mentalen “AUS”-Schalter beim Sitznachbarn und nahezu jeder würd dabei auch noch fündig.
Ups, jetzt habe ich es doch schon wieder getan. Na egal. Eigentlich wollte ich nur den Dezember einläuten. “Spoilern” wie man so schön sagt. Denn der wird mal so richtig knorke! Da kommen dann die wahrhaft großen Themen auf die Agenda, das könnt ihr aber mal glauben, Leute! Allem voran erwarte ich natürlich, daß die mediale Auseinandersetzung mit dem
endlich mal Fahrt aufnimmt! Was’n los, liebe BILD? Da geht der ganze Planet in die Binsen und ihr habt noch keine schneidige Panik-Headline gebracht um die Unterschicht in Hysterie zu versetzen?! Ich denke da jetzt nicht an so etwas wie “Exorbitante pyroklastische Ströme mitten aus der liquiden Kernsphäre unseres Planeten durchbrechen seine Kruste an multikontinentalen Locations und annihilieren Flora und Fauna – Adieu”, nein, das muss ja bei eurem Käuferpöbel ankommen, muß geistig auch auf dem entsprechenden Häppchen-Niveau formuliert werden; so etwas wie “Todespanik zum Weltuntergang! Ist am 21.12.12 alles im Arsch!?” oder “HIER geht die Welt unter (mit exklusivvideo!!!!) – Mehr übermorgen in der BAMS”. So was richtig Bescheuertes eben. Aber nö, das haben diese Schmierfinken noch nicht hin bekommen – eigentlich komisch. Aber wie auch immer, der Weltuntergang wird hier in den nächsten Tagen sicherlich ein Röllchen spielen.
Außerdem Weihnachten. An Weihnachten werden wir schließlich auf das Jahr (und natürlich auch auf den
) zurück blicken und uns bei lecker Linsen und Bratwurst oder wahlweise auch Gänsebraten eingestehen müssen, daß es dann doch irgendwie nicht ganz so schlimm war. (Wenn die Welt dann doch untergeht, kann ich mit diesem Irrtum im Übrigen sehr gut weiter leben… so im übertragenen Sinne dann natürlich). Außerdem – und das ist dann vor allem mein Part – wird natürlich das eine Rolle spielen, was sich morgen und übermorgen abspielen wird, sofern ich mit meiner Schwester bei dem Wetter die Reise nach Erfurt aufnehmen kann, was ich sehr, sehr, SEHR hoffe. Die Rede ist natürlich vom
SPACE HELL WEEKEND 2.0
Treue Freunde, Leser und Lebensbegleit(schutz)persöninnen werden sich erinnern: Das gab es schon mal. Damals, im Jahr 2010 feierten wir das Space Hell Weekend (1). Was damals undenkbar war, ist nun eingetreten: Es gibt eine Neuauflage. Zunächst geht es morgen zum jährlichen Audienzbesuch bei Lemmy und seinen Mannen von Motörhead! Dazu kommt, daß es noch ein Jubiläum ist (quasi) Auf den Tag genau 5 Jahre nachdem wir die Herren das erste Mal sahen, sehen wir sie zum fünften und Lemmy zum sechsten Mal. Und so ein Jubiläum feiert man nicht irgendwo, nein, das feiert man in der selben Location wie damals: Der Thüringenhalle. Jener zugequalmter Turnhallengroßbunker mit der 100 Meter Kloschlange vor dem Herrenscheißhaus, der vor 5 Jahren so perfekt zum Konzert und zur Band passte. Wehe, die haben das Ding mittlerweile renoviert… aber wahrscheinlich semmelt Lemmys Geknurre bei 140+x Dezibel den Putz ohnehin wieder von den Wänden. Sobald die ersten Töne erklingen wird sich bei mir der Blogtitel im Gesicht materialisieren… denn so macht man das nun einmal auf Motörhead-Konzerten.
Am darauf folgenden Sonnabend geht es dann schon wieder nach Erfurt (Pendeln lohnt sich, die Kleine Schwester wohnt quasi “umme Ecke”), wo dann wiederum Dave “ich hatte sie alle – und spreche dabei nicht nur von Drogen” Wyndorf und Monster Magnet auf uns warten. Mein drittes Aufeinandertreffen mit “The Magnet” und es wird wieder ein fest werden wie ich hoffe! Außerdem spekuliere ich wieder auf billiges Merch und mit ein wenig Glück auch wieder so ein großartiges, limitiertes, signiertes und nummeriertes Tourpösterchen wie vor 2 Jahren. Für 10 Euronen lasse ich so etwas hier garantiert nicht liegen:
So… die Fronten sind also geklärt? Gut, dann kann er ja kommen, der Dezember. Ach ja, etwas noch: Alle, die die Verbindung von Rockkonzerten zum
nur schwer nachvollziehen können, seien an folgendes Zitat vom wahrscheinlich einzig überlebenden der anstehenden Apokalypse erinnert. Bei Markus Lanz lieferte Lemmy nach einem von Lanz bemerkenswert langweilig geführten Interview an die Adresse seines Sitznachbarn und damals noch amtierenden Umweltministers Nobby “don’t call me Röntgen” Röttgen gerichtet folgenden Knallersatz ab:
“Du solltest mal zu einem unserer Konzerte kommen, da kannst Du noch ne Menge lernen über… Atomkraft” ![]()
Freitag, 20. April 2012
I KNOW WHAT YOU NEED
Es gibt Tage, die gibt es jedes Jahr wieder. Der 24 Mai ist so ein Tag, oder der 17. August. Auch dem 12 Juli sagt man derartiges nach. Dann gibts noch ganz spezielle Tage, die auch jedes Jahr wieder kehren. Weihnachten zum Biespiel, Pfingsten, Ostern, Frauentag, Tag des Denkmals und Tag der Deutschen Einheit, Schniblotag und “1.Mai”. Einige davon sind sogar vom Datum her recht konstant (1.Mai zum Beispiel – der freie Tag der Arbeit, wie paradox
Heute aber ist mal wieder einer der so genannten evenschen Spezialfeiertage. Einer dieses höchst spontan aufploppenden, einen unvorbereitet treffenden Jubeltage. Diesen hier gibt es zwar auch jedes Jahr zwischen März und Ende Mai, aber ich weiß nie, wann er denn nun genau über mich herein bricht. Es läuft meistens so ab, daß ich beim gezielten Surfen auf das “Omen” stoße, oder es getwittert, gemailt oder gewasweißichwast bekomme und plötzlich…. plötzlich geht die Sonne auf!
Die Ankündigung der alljährlichen, spätherbstlichen Lemmy-Audienz! Nur traf es mich dann doch irgendwie aus heiterem Himmel, sodaß ich laut jubelnd den Link anklickte. Klar, ich wußte noch nicht, wohin sie genau kommen, aber ein Termin bei mir “umme Ecke” ist jedes Jahr gesetzt. Aber dieses Jahr haben sich die Herren was besonderes ausgedacht! Während sie in den letzten 4 Jahren eher moderne und schmuckstückhaft schicke Locations beschallten, geht es dieses Jahr zurück in die Halle, in welcher ich meine Motörhead-Live-Premiere feierte! Wie dieser extra heraus gekramte und importierte Konzertbericht von meinem Altblog beweist, fand diese ebenfalls am 30. November statt… na wenn das mal nix ist! Thüringenhalle! Die Halle, die von allen, welche ich bislang mit den Herren teilte, mit Abstand am Besten zur Band passt. Die Rede ist von der Thüringenhalle in Erfurt! Am 30.11.2012 wird es soweit sein, der Opener steht mit Anthrax auch schon fest. Die Schwester wurde auch gleich informiert, daß sie schon mal das Bier kalt stellen kann. Ich freue mich gerade wie ein Schnitzel!
(Quelle)
Freitag, 25. November 2011
WHOREHOUSE BLUES - Motörhead 24.11.2011 Leipzig
(Motörhead)
“YOU ARE MOTÖRHEAD!!! SO JUST PLAY ROCK ‘N ROLL!!!!” Yeah! Vorgestern war es endlich wieder so weit: Die alljährliche Audienz bei His Lemmness stand auf dem Fahrplan. Es hat sich so eingebürgert, daß ich jedes Jahr auf Neue eine Show seiner mittlerweile legendären Combo heimsuche. Ein Jahresende ohne Motörhead ist mittlerweile fast undenkbar. Man muß sich das ja mal vorstellen: Da tourt dieser Mittsechziger seit gut dreieinhalb Dekaden mit seiner Band durch die Welt und man kann mittlerweile die Uhr danach stellen, daß er zwischen Ende November und Dezember irgendwo in der Nähe der eigenen Haustür aufkreuzt. Gut, dieses Jahr war es Leipzig, aber das ist nun zumindest theoretisch auch nicht wirklich weit weg – zum praktischen Teil kommen wir gleich. Im Juni wurde der Tourplan bekannt und das Ticket wurde dann (erst) im Juli geordert. Wie jedes Jahr klebte es, von einem Monstermagneten (hehe, Wortspielalarm) gehalten neben meinem Schreibtisch an der Pinnwand. Die während der letzten Monate angesammelten Überstunden wurden traditionsgemäß gehütet und am Konzerttag sowie am Folgetag kollektiv abgesetzt. Will heißen: FREI! Dazu wurde der Schwester noch ein Ticket mitgeordert, alleine ist Motörhead auch doof. Ein kleiner Festtag war das mal wieder; ein Festtag, auf welchen man sich natürlich ordnungsgemäß vorbereiten muß. Ich rockte mich den Donnerstag über also ein wenig warm und bereitete die notwendigen Uniformstücke für den Abend auf ihren Einsatz vor.
Mittlerweile habe ich ja die Wahl zwischen 3 Motörhead-Shirts, welche das Outfit an einem solchen Abend dominieren können, seit gestern sogar vier… dazu aber auch später noch einmal. Unerlässlich auch meine Hundemarke, der Lochnietengürtel und natürlich meine großmächtige Konzertlederweste, welche ohnehin passend beaufnähert ist, wie ihr sehen könnt. Komplettiert wurde das Ganze dann noch von meinen abgerockten rosa Chucks. Ihr würdet euch wundern, was ich für die Treter (erstanden für 5 Euro, weil “beschädigt”) schon für Komplimente erhalten habe. Irgendwie wundert sich jeder, daß ich mir zu Konzerten rosa Chucks anziehe… naja, genau deshalb mache ich es auch, aber das muß ich ja keinem verraten. Jedenfalls sind die Dinger schon oft zum Gesprächsthema avanciert; ich finde aber, daß ich die nötige Ausstrahlung besitze, sowas auch als optischen Kontrapunkt tragen zu können!
So ausstaffiert bestiegen wir – also meine extra angereiste Schwester und ich - das stählerne Feuerross namens Igor und dampfhämmerten gen Leipzig. Ich sollte kurz erklären, daß es mit der B95 eine (!!!) sinnvolle Verbindung zwischen Heimatstadt und Leipzig gibt, wenn die mal zu ist, ist man auf eine gut ausgeschilderte Umleitung angewiesen. Gibt es eine solche nicht, weil… weiß nicht… sagen wir mal: WEIL DIE DIE BUNDESSTRAßE EINFACH SPERREN UND ZU BLÖD SIND EINE ALTERNATIVROUTE AUSZUSCHILDERN… tja, dann hat man schon irgendwie ein Problem. Wir fragten uns also, warum man eine Sperrscheibe vor irgend so ne bedeutungslose Kuhblöke auf dem platten Land mitten im Nirgendwo stellt und keine Alternativroute anbietet. Man hatte einfach angefangen, irgendwann “Leipzig” von den Wegweisern zu streichen… etwa 5 Kilometer vorher… sehr hilfreich! Ich entschied, daß wir hier jetzt nicht über die Dörfer irren und sinnlos im Dunkeln rumsuchen würden und fuhr zurück nach Chemnitz, wo wir dann direkt die Autobahn nahmen, das Visier herunter klappten und dem automobilen Affen Zucker gaben. Klar, es ist ein Umweg von 60 Kilometern (Man fährt schließlich erstmal bis kurz vor Dresden bevor man die Autobahn wechselt), aber er ist zumindest halbwegs sicher, stressarm und wenn man den mal schließt, dann stehen die Chancen zumindest recht gut, daß man darüber informiert wird. Also den fünften Gang rein, linke Spur und den rechten Fuß gaaaanz schwer machen. Schließlich hatten wir unseren üblichen Zeitpuffer von 30 Minuten für Solche Strecken (relativ geringe Entfernung, bekannter Anfahrtsweg… da reicht das eigentlich) schon mehr als aufgebraucht und insgesamt schon fast ne ganze Stunde liegen lassen. Details will ich euch ersparen, wir rollten jedenfalls pünktlich 20:00 Uhr auf dem Parkplatz des Haus Auensee ein und machten uns sofort auf den Weg zum Einlaß. Bis wir schließlich drin waren vergingen dann aber auch nochmal gut 30 Minuten… jene 30 Minuten, die uns am Ende dazu fehlten Graveyard zu sehen. Da hat Lemmy ein Mal eine ordentliche Vorband mitgebracht und diese Deppen, welche die Verkehrsführung regulieren sollen, es aber nicht tun, die verhageln es einem. Naja, ließ sich nicht ändern. Wir also erst die Klamotten abgeliefert und dann den Merchandisestand aufgesucht. Ich fand es übrigens eine gelinde gesagt von tiefer Suboptimalität geprägte Idee, den direkt gegenüber vom Herrenklo aufzubauen. Ich mußte mich erst mühsam durch Aberdutzende von Urinierwilligen kämpfen, bis ich endlich am Tresen ankam. Aber dafür war dieses Jahr die Entscheidung einfach… es war eigentlich gar keine Entscheidung, für den vernunftbegabten Rocker gabs nur eine Möglichkeit, was das Erinnerungsshirt angeht. Das dann also eingesackt und ab zum Bierstand. Kühles Blondes erkämpft und der Schwester auch gleich eines in die Kralle gedrückt. Für mich blieb es an diesem Abend (mußte ja fahren) auch bei dem einen Bierchen. Bedenkt man die letzten beiden Jahre, in denen Motörhead gut 15 Minuten Fußmarsch von meiner Wohnung entfernt spielten und denn daraus resultierenden Bierkonsum, war das mal ne willkommene Abwechslung… hehe. Jedenfalls fingen dann “Duff McKagans Loaded”, die zweite Vorband an. McKagan, seines Zeichens ehemaliger Gitarrist von Guns ‘n Roses, ist noch der berühmteste der ganzen Truppe… und genau das ist meiner Meinung nach das Problem! Bloß weil der in den 80ern und 90ern an ein paar großen Rocksongs mitgeschrieben hat, wird dieser talentfreien Schrammelkapelle, der er jetzt vorsteht, gleich wieder Aufmerksamkeit zuteil, welche sie definitiv nicht verdient hat. Die Hälfte der Riffs, die nicht von den Ramones geklaut waren, hatte man sich bei QOTSA geliehen, spielte sie aber jeweils so uninspiriert runter, daß es zum dritten Song langweilig und zum fünften sogar belastend wurde. Dazu noch immer diese dämliche US-California-Bad-Boy-Attitude, wo sie sich zu den coolsten Dudes wo gibt mit den größten Konten und dem gefährlichsten Rockerhabitus hochstilisieren… die gingen mit richtig auf den Sack muß ich zugeben… und das kommt nicht oft vor. Deshalb verzog ich mich dann auch vor die Halle und kehrte erst zum letzten Song zurück. “Loaded” müßt ich euch merken Leute, denn die müßt ihr nach Möglichkeit meiden. Deppen!
Während der Umbau voran schritt suchten wir uns unser finales Plätzchen in der Menge und nahmen lobend zur Kenntnis, daß sowohl das Enthüllen des Bühnen-Backdrops, als auch das Herunternehmen der Schlagzeugabdeckung jeweils ordentlich bejubelt wurden. Dann frickelte der Mann am Mischpult noch etwas an den Lichteffekten herum und wir sahen, daß man dieses Jahr zwei große rote Scheinwerfer in die Nüstern des Snaggletooth gedübelt hatte. Sah echt klasse aus, grimmig. Jedenfalls wuchs die Spannung und die Umbauten waren beendet… und es passierte erst einmal nichts. Nach gefühlten 6 Stunden ging dann aber doch das Hallenlicht aus und während die Bühne ordentlich mit Kunstnebel verschleiert wurde ertönten Sirenen, Luftalarm! Die Dinger lagen laut jaulend über der Mischung aus Finsternis und Nebel, bis sich aus den Untiefen der im Dunkel liegenden Bühne ein kehlig – kratziges Stimmchen erhob und ein knappes “BOMBER” ins Mikrofon röhrte (phonetische Umschrift etwa “Bohmbääääääääärrrrr”. RUMMMMMMSSSS! Die Urgewalt des Motörhead-Sounds brach wie ein solcher los und hämmerte uns gleichnamiges Stück um die Ohren. Im Anschluß ging man direkt ins großaritge “Damage Case” über. Seit die Toursetlist für dieses Jahr bekannt wurde, habe ich mich auf diesen Song gefreut. Enttäuscht wurde ich freilich nicht. Auch wenn er schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, zündete er doch souverän. Die Halle wurde so langsam warm und die Rauchschwaden vom Beginn hatten sich auch langsam im Raum verteilt, wodurch das Haus Auensee diesen typischen Motörhead-Konzert Geruch irgendwo zwischen Kunstnebel, Bier und Zigarettenqualm annahm. Bis zum Ende des Abends sollte sich besonders die Bier-Komponente noch erhöhen. Mehrmals entgingen wir knapp einer Bierdusche, sahen aber etliche Becher über unsere Köpfe hinweg fliegen. Der Veranstalter hatte gleich von Anfang an kapituliert und warb an den Bars mit dicken Zetteln “KEIN Becherpfand!!!”; mal so als Randnotiz. Nach dem noch recht jungen “I Know how to Die” wurde eine Klassikerphalanx ausgepackt. “Stay Clean” wurde vom schwer daherpolternden “Metropolis”gejagt. Ein Dinosaurier von einem Song, herrlich! Immer wieder schön, den auf der Setlist zu haben. “Over the Top” und “One Night Stand” folgten auf dem Fuße. Die spärlich eingestreuten Ansagen von Lemmy gingen dabei (wie immer) größtenteils in einem veritablen Nuscheln unter.
Nach diesem ersten Teil war ich bereits sehr sehr positiv überrascht, wie gut der Sound dieses Jahr war. Im Vergleich mit den letzten beiden Jahren wurde da ne ganze Schippe drauf gelegt. Das hatte den Effekt, daß man für Motörhead-Verhältnisse fast schon wieder zu klar klang, aber es überraschte nach 2 Jahren Chemnitz Arena auch nicht wirklich. Jedenfalls war diese Soundquali gerade bei “The Case is better than the Catch” die reinste Wohltat für die Ohren wenn ihr mich fragt. Großartiger Song! Lemmy feuerte in der Folge seine religiösen Ansichten (naja, eigentlich hat er ja keine… also feuerte er eher gegen religiöse Ansichten) mit “Get Back in Line” und vor allem dem endlich live gesehen “Orgasmatron” unter die Leute. Gerade “Orgasmatron” wurde in einer besonders großen Version dargeboten. Definitiv das Highlight des Abends für mich!
Ich liebe diesen Song, einfaches Songwriting und klare Worte. Das Stück basiert ja eigentlich nur auf einem Beat und einem Riff… und halt Lemmy Geknurre über die historisch dann doch recht fragwürde Rolle, welche Religionen manchmal spielen. Ein passiv-aggressives Monster, was sich da vom grünen Licht getragen durch die Halle wälzt. Herrliche fünf Minuten waren das. Auf ähnlich hohem Niveau gibgs dann weiter und leider auch dem Ende des Mainsets entgegen. “Going to Brazil”, ein musikalisches Gemetzel auf der linken (Ton-)Spur blies einen mal wieder um. Der Song ist ein Highlight auf jeder Setlist, am besten noch in der direkten Kombination mit dem deises Jahr schmerzlich vermissten “Rock Out”… das dynamische Duo sozusagen. Danach ließ man, bevor man mit der “Iron Fist” erstmal die Bühne verließ, noch das einzigartige “Killed by Death” folgen. Ein Stück, das man als Live-Song geschrieben hat mag man meinen. Ein weiteres Highlight des Abends, wie aber auch nicht anders zu erwarten. Alleine der Moment, wenn der halbe Saal die Pommesgabel gen Bühne erhebt und den Refrain mitsingt und irgendwann ins “by death, by death, by death, BY DEEEEEAAAAAATH” übergeht… Gänsehaut.
Die Encore Break war dieses Mal ein paar Minuten länger als noch letztes Jahr, wo man nicht mal in Ruhe Bier holen konnte, bis die Kerls wieder auf der Bühne standen. Als sie zurück kamen, stellte Lemmy sich mit Mundharmonika ans Mikro während Phil und Mickey sich Akustikgitarren schnappten um den “Whorehouse Blues” anzustimmen. Man mag jetzt meinen, daß dieser dann doch relativ ruhige und melodische Part des Abends von den Anwesenden nicht unbedingt herbei gesehnt wird, läge damit aber völlig falsch. Auch vorgestern war das wieder ein denkwürdiger Moment für die Anwesenden.
Mit Einsetzen der ersten Töne verwandelte sich der Saal in ein Meer von erhobenen Händen, die eifrig im Rhythmus mitklatschten. Eine Insel der relativen Ruhe im Soundgewitter einer Motörhead-Show… schön, einfach nur schön dieses Lied. Das Ende dieses bis auf die Anfahrt rundum gelungenen Abends bildeten dann wie üblich das manifeste “Ace of Spades” und der Rausschmeißer namens “Overkill”. Die zwei wohl bekanntesten Songs der Herren, bei denen es noch einmal so richtig rund ging im Haus Auensee. Und so wie uns anderthalb Stunde vorher der Luftalarm ins Konzert geleitete, so verabschiedete uns das finale Kreischen und Knattern der exzessiv geloopten Gitarren wie gehabt ins Freie hinaus.
Motörhead – Konzerte sind ja von ihrem Ablauf her alles andere als überraschend, eher im Gegenteil. Man weiß im Wesentlichen, was einen erwartet und was an Songs so auf einen zukommt. Alleine “I’ll be your Sister” vermochte in Leipzig zu erstaunen, als es plötzlich in die Setlist eingewoben wurde… das wars dann aber auch schon mit Variationsbreite. Aber auf der anderen Seite will man das auch gar nicht – also “überrascht werden”. Motörhead sind mittlerweile weit im vierten Jahrzehnt des eigenen Bandgeschichte und aus diesen Jahren speisen sich auch die Setlists jedes Jahr. Man bekommt genau das, was man will: Straighten, direkten, bisweilen dreckigen und immer schnörkellosen Hardrock. Lemmy und Konsorten sind somit die Antithese zu 90% ihrer selbst ernannten Erben, die vom spätpubertären “Dicke Hose Habitus” nicht los kommen und sich in nutzlosen Soli verzetteln oder sich zur Vortäuschung von Härte die Haut bis zur Unkenntlichkeit mit kunterbunten Totenköpfen zu tätowieren lassen (#DuffMcKagansLoades *kotzwürg*), so daß sie mit 30 aussehen wie einem therapeutischen Malbuch für ADS-Kinder entsprungen. Motörhead rauchen solche Kasper doch zum Frühstück in der Pfeife. Genau deshalb werde ich so lange, wie Lemmy mit seinem musikalischen Bauchladen der Kostbarkeiten noch jährlich in der Vorweihnachtszeit durch Deutschland zieht auch jedes Jahr dort hin pilgern, wo er seinen Rickenbacker Bass gerade hier im Umland einstöpselt. Das lohnt sich immer! Ging ich ans erste Konzert damals noch mit der Einstellung “muß man einfach mal gesehen haben” ran, so lautet seither die Devise “darf ich nicht verpassen”. Traditionell ein herrlicher Abschluß eines Konzertjahres, an dem man unter das in den letzten 12 Monaten erlebte zufrieden einen Haken macht und sich aufs kommende Jahr freut… und natürlich darauf, in 12 Monaten wieder auf die gleiche Weise einen Haken zu machen!
In diesem Sinne möchte ich mich dann auch verabschieden. Unter Zuhilfenahme des Backprints meines diesjährigen Tourshirts rufe ich, in Anlehnung an Lemmy höchst selbst, in die Welt hinaus:
THEY ARE MOTORHEAD!! THEY PLAY ROCK ‘N ROLL!!!! SO DON’T FORGET THEM…
PS: Das Shirt hat natürlich auch 'nen Frontprint, den will ich euch auch nicht vorenthalten:
Dienstag, 18. Oktober 2011
HISINGEN BLUES
(Graveyard)
Guddn Ahhhhmd! Heute ist wieder Dienstag, das heißt: Kurzblogtag… maximal! Weils so kurz wird, möchte ich aber – sozusagen als Ausgleich – gleich auf zwei Dinge hinweisen. Zunächst einmal hat der Tenclub seit mehreren Monaten das erste Mal wieder ein vernünftiges T-Shirt meiner Musikheroen im Angebot. Ich kam von Arbeit heim, checkte meine Mails und sah folgendes:

Da mußte ich fix die Kreditkarte zücken und habe meine auslaufende Membership gleich mit verlängert (wenn schon, denn schon) – wäre ja eh diesen Monat auf mich zu gekommen. Mich irritiert nur, daß das Shirt in der deutschen Fangemeinde eher mäßigen Anklang findet. Keine Ahnung warum, die letzten Shirts waren mitunter so abgrundtief hässlich, daß man die Bestellung hierfür eigentlich mit einem schrillen “Halleluja” nach Seattle abschicken müsste. Eigentlich. Aber wen juckts?! Ich habe meinen textilen Traum erfüllt: Ein Pearl Jam – Shirt mit Zombies… mehr geht nicht!
Begebenheit Nr. 2 bezieht sich auf das in gut einem Monat anstehende, alljährliche Motörhead – Konzert. Was haben die mir und meinen Ohren in den letzten Jahren mitunter für zweifelhafte Vorbands zugemutet… bah! Der Tiefpunkt war “Der W” im Jahre 2009. Ich mochte die Onkelz nie und die “Einzelteile” dieser Prollokapelle sind auch nícht viel besser. Also war es dieses Jahr mehr Befürchtung als Erwartung, was mich der Bekanntgabe der Eröffnungskapelle entgegen fiebern ließ. Aber es hat sich dieses Jahr anscheinend gelohnt. Lemmy und Co. bringen unter anderem “Graveyard” mit nach Leipzig. Ich habe mich bei youtube ein wenig umgehört und DAS ROCKT!!! Astreiner Retro – Hardrock der mit einem kräftigen Schuß “Black Sabbath” auf der alten Flugroute des Led Zeppelin dahin geht… direkt ins Ohr! Aber hört selbst:
Mittwoch, 15. Dezember 2010
JUST 'COS YOU GOT THE TRACTOR - Motörhead, 10.12.10 Chemnitz & Monster Magnet, 11.12.10 Dresden
Zur Eröffnung des neuen Bloggs gleich mal ein wahres Schmankerl! Min Konzertbericht vom:
Space Hell Weekend! 10.12.2010 & 11.12.2010
Lange war es ruhig an der Konzertfront. Seit dem verregneten Freitagsausflug aufs Schlösschen Augustusburg zu Max Raabe und seinem Palastorchester (ups… merke gerade, daß ich da die Chronistenpflicht vernachlässigte… es sei mir verziehen), war Sense mit Live-Musik. Das lag zum Einen daran, daß sich einfach nix Annehmbares mehr in meine Nähe getraute, zum Anderen war es der Rest schlicht und ergreifend nicht wert, die jeweilige Anreise zu unternehmen. Aber Zum Jahressende wurde das alles wieder anders, ja, es wurde besser. Nun war mir das schon seit Mai bekannt, entsprechend umfangreich fiel die Vorfreude aus. Nach der absolut unangemessenen Durststrecke folgte also noch das letzte, große „Hooray“ des Jahres. Oder besser: Es folgt noch. Denn neben dem Ereignis, von welchem euch diese bescheidene Chronik berichten soll, steht für Freitag noch der endgültige musikalische Jahresabschluß mit „Selig“ in Dresden an. Unterm Strich macht das dann 3 hochkarätige Konzis in nur 7 Tagen. Gibt Schlimmeres; aber nun lasset uns chronologisch beginnen, denn in diesem Blog wird dem Betzebub’ persönlich der Hornschoner von der Rübe gerockt beim offiziellen:
Space-Hell-Weekend 2010!!!!!!
![]() |
| Vorm Aufbruch zu Monster *fucking* Magnet!!!! |
Motörhead am 10.12.2010 in der Arena Chemnitz
Los ging es am Freitag, dem 10.12.2010. Eigentlich ist es in den letzten Jahren schon zu so einer kleinen Tradition geworden, daß meine Schwester und ich uns zum Jahresausklang in eine Konzertlocation im näheren Umfeld begeben und Lemmy nebst seinen Schergen huldigen. „Motörhead“ – LIVE ist und bleibt nun mal eine Institution. Also wurden auch für dieses Jahr bereits im Frühling die Karten geordert und hingen seit dem fröhlich an meiner MAGNET-Pinwand (wird noch wichtig). Meine Schwester reiste bereits am Vortag an und so konnten wir das finster-spacige Metal-Wochenende stilecht mit nem gemeinsamen Bierchen am Donnerstag einleiten.
Am Freitag selbst zählten wir dann die Stunden runter, bis es endlich ans Überstreifen der Bandshirts, Lederwesten und Dog-Tags ging um dem Lemmy auch in angemessener Bekleidung entgegen zu treten. Als wir so die verschneite Neefe-Straße entlang schlenderten wunderten wir uns nur über die relativ geringe Fan-Dichte auf dem Weg zur Arena. Wie auch letztes Jahr liefen wir gemütlich so los, daß wir pünktlich zum Beginn der Veranstaltung vor Ort waren, daß wir dabei wiederholt die erste Vorband verpassten, war leicht zu verschmerzen. Vor der Venue hieß es erstmal wieder Schlange stehen. Umgeben von der typischen Mixtur der Spätanreisenden (Altrocker, Familienväter mit Teeny-Anhang, unauffällige „Mathematiker-Typen“ mit einem dunklen Geheimnis) gings gewohnt ruhig und unkompliziert in die Halle. Dort angekommen gaben wir die Jacken bei den in feinste Messe-Uniformen gekleideten Garderobendamen ab und widmeten uns dem Merch-Stand. An diesem wurde, analog zu 2009, ein Tourshirt erstanden, welchen alsbald in den Untiefen meiner Hosentaschen verschwand um schleunigst die Versorgungslage zu klären. Diese war, arenatypisch, recht gut. Man war quasi umzingelt von Bierständen und konnte selbst vom Rückweg von der Toilette sofort neuen Gerstensaft mitbringen. Alles im Lot also. Verwundert war ich nur etwas über die abgeteilte Halle. Etwa zwei Drittel der Halle waren mit einem massiven Vorhang abgeteilt, wo letztes Jahr noch die komplette Bude gerockt werden konnte. Scheinbar sinkt die Besucherzahl umgekehrt proportional zur Qualität der Vorbands. Denn wo man 2009 noch „der W“ ertragen musste, bekam man dieses Jahr als zweiten und somit „Haupt“-Opener Doro nebst Band und somit eine Institution in Sachen klassischer Metal geboten. Zwar war Doro noch nie so wirklich mein Fall, aber als Vorband wird sie trotzdem gerne mitgenommen. Außerdem war mit dem Judas Priest – Cover (inklusive Motörhead Phil als Gastklampfist) auch ein schnelles, brachiales Highlight geboten bevor die Vor-Vorstellung beendet wurde. Traditionell gings danach nochmals auf eine kleine Erkundungsrunde durch die Arena, während Lemmys HiWis fleißig am Bühnenaufbau werkelten und den Instrumenten den letzten Schliff verliehen. Mit frischem Gerstensaft bewaffnet suchten wir uns wieder ein angemessenes Plätzchen und harrten der Dinge, die da kommen mochten. Als dann aber endlich das Licht erlosch, war das Bier schon wieder halb leer. Gewohnt stoisch latschten Motörhead auf die Bühne, angeführt vom mittlerweile fast 65jährigen Rockgott mit Backenbart, der sein Fußvolk wohlwollend unter seinem Hut hervorlunsend betrachtete. Als das Instrumentarium besetzt und die Startpositionen eingenommen waren, grunzte er die legendären Worte „We are Motörhead! And we play Rock’n Roll!“ ins Mikro, bevor sich ein „We are Motörhead“ quasi selbst entfesselte. Schöner, treibender Einstieg in den Abend, gefolgt vom schwer in den Saal polternten „Stay Clean“, was gleich mal sämtliche Zweifel an der Spielfreude der Jungs ausschaltete. Alleine der fast schon geröhrte Refrain ließ einen begeistert mit dem Bierbecher durch die trotz Rauchverbot bereits blassblaue Luft wedeln. Sehr schön! Die ersten reihe hatten sichtlich ihren Spaß, was sich bei „Get Back in Line“ leider etwas abschwächte. Großartiger Song, allerdings noch recht unbekannt, da erst am Tag des Konzerts selbst veröffentlicht. Ich wage mal die Prognose, daß das Ding in ein paar Jahren zur Live-Bombe gereift sein wird, ähnlich wie das später noch folgende „Rock out“.
Nach so viel Innovationsfreude seitens der Band, wurde erstmal traditionell gegengesteuert, man will ja auch nicht übertreiben. Und mit einer großartigen Version von „Metropolis“ und dem direkt anschließenden „Over the Top“ wurde den Traditionalisten noch mal ordentlich Zucker gegeben. Nach diesen beiden Krachern war das eigentlich gute „One Night Stand“ trotzdem nur eine Überleitung zum extrem rotzig hingebretterten „Rock out“ „…with your cock out“ wie Lemmy pflichtbewusst hinzu fügte. Wow, was für ein Kracher! Das Teil ging richtig nach vorne und leitete anschließend in Phils Gitarren-Solo über, bevor „In the Thosand Names of God“ nahtlos am hohen Niveau des bisherigen Abends ansetzte. Motörhead waren laut, verdammt laut sogar… aber sie waren auch gut drauf und die Akustik war für Arena-Verhältnisse wirklich großartig. Außerdem schwappte die Stimmung mal wieder über. Im Vergleich zum letzten Jahr, an sich war das auch ein großartiger Abend, war das noch eine Nummer besser wenn ihr mich fragt. So konnte auch das zweite neue Stück, das nach „I Got Mine“ gebracht wurde und auf den malerischen Namen „I know how to die“ hört, die einmal angeheizte Stimmung nicht nennenswert abebben lassen. Schon recht nicht, wenn „The Chase is better than the Catch“ und das wiedermal genial gespielte „In the Name of Tragedy“ hinterher geschossen werden. Gerade der zweite Song kickte die ganze Veranstaltung noch mal nach vorne. Das eingebaute Drum-Solo von Mickey Dee war wiedermal unglaublich. Wo dieser Knilch die Power hernimmt mitten im Konzert noch mal so eine Irrwisch-Performance an der Schießbude hinzulegen… unglaublich. Mit „Pause“ war ja auch Essig, nicht nur, daß es nach dem Solo direkt wieder rein ging in den Song, danach galt es ja auch noch „Just ‚cos you got the Power“ zu überstehen. Was selbstredend gelang. Was danach folgte, war dann einer meiner persönlichen Highlight-Songs. „Going to Brazil“ rockte die Hütte mal wieder ordentlich. Noch eine Spur schmutziger gespielt als letztes Jahr hatte ich den Eindruck.
Leider neigte sich das Mainset dem Ende zu, aber mit „Killed by Death“ wurde noch mal aufgedreht, bevor die Bandhymne „Ace of Spades“ durch die Halle bretterte. Beeindruckend, wenn man diese drei alten Herren, allen voran Lemmy, da vorne stehen und diesen Song schmettern sieht. Klar, jeder kennt das Lied und vielen Die-Hard-Fans geht das Teil gelinde gesagt auf den sack, aber meiner Meinung nach gehört der Stück auf ein Motörhead-Konzert, alleine, weil es schlicht ein toller Song ist. Jedenfalls beendeten Lemmy und Co so das Mainset. Die Encore-Break fiel wieder enorm kurz aus, bevor die Herren mit Doro die Bühne wieder betraten und im quasi Duett das großmächtige „Born to raise Hell“ performten. Schönes Duett und würdiger Einstieg ins Encore. Mit persönlich gefiel die Version damals in Erfurt zwar noch eine Spur besser als diese mit Doro, ist aber wohl Geschmackssache. Jedenfalls ein großartiges Lied. Zum Rausschmeißer geriet dann einmal mehr „Overkill“, natürlich das eine oder andere Mal hinaus gezögert bevor das finale Geschredde die Anwesenden aus dem Saal begleitete. Jedenfalls genoß man noch mal die letzten Takte und den Anblick von Lemmy vorne auf der Bühne, die Legende zieht weiter. Schade. Aber sie kommt ja hoffentlich bald wieder. In den letzten Jahren konnte man seine Uhr danach stellen, daß Motörhead irgendwann im Dezember hier in der Nähe auftauchen würden. Mit ein wenig Glück gibt’s nächstes Jahr schon ein Wiedersehen… ich werde da sein, meine Schwester wohl auch. Motörhead haben einfach eine derartige Live-Präsenz, daß man gar nicht anders kann als sich auf das nächste Konzert zu freuen; vom Legendenstatus ganz zu schweigen. Wenn ich mich an Erfurt 2007 zurück erinnere, muß ich schmunzeln. Damals gings in die Thüringenhalle (eine Location, wie gebaut für Motörhead) und meine Schwester und ich gingen zum Konzert „um die mal gesehen zu haben“ (vgl. „Legendenstatus“), als das aber musikalisch einfach nur großartig wurde, dazu noch das bis dato chilligste Konzert unserer „Laufbahn“ (ja, stimmt wirklich) und obendrein noch mit einem grandiosen Freak-Faktor verbunden war, wurde jede neue Tourankündigung seither mit einem dezenten Kartenkauf unsererseits beantwortet. Jede? Moment, nein… eine nicht. Die Tour im Herbst 2008 nehme ich mal aus, was aber damit zusammen hängt, daß ich da eine andere der großen „M“-Bands abhaken musste. Lemmy wird es mir verzeihen. Und wie der Zufall so spielt, besuchten wir eben jene nur einen Tag nach Monster Magnet im gar nicht so fernen Dresden. Wir gingen zu:
Monster Magnet am 11.12.2010 in der Reithalle "Straße E" Dresden
Kaum erwacht, wurde das obligatorischen Pfeifen im Ohr, was man nach Motörhead-Konzerten nun mal hat, mit ordentlich Kaffee und Wurstbrötchen bekämpft, bevor man das Hinchillen auf den heutigen Abend startete. Dank Wii und Winamp konnten wir die Zeit recht effektiv tot schlagen bevor wir uns gegen 17 Uhr erneut in Schale warfen um die Autobahn unsicher zu machen. War gestern noch harter Rock angesagt, humorlose, dahingeknüppelte Wahrheit sozusagen, sollte es heute eine ganze Spur spaciger werden. Die Könige des drogengetränkten Space-Rock gaben sich ein Stelldichein in der Landeshauptstadt. Während ich Dave Wyndorf und Kollegen schon vor 2 Jahren in Leipzig erleben durfte, war es für meine Schwester das erste Monster-Magnet-Konzert, entsprechend aufgeregt war sie dann auch. Trotz glatter Straßen und relativer Kälte verlief die Fahrt recht gut. Pünktlich kamen wir gegen 19:15 Uhr vor der Reithalle an und schlurften die etwa 200 Meter vom Parkplatz zur Venue. Kaum angekommen wurden wir (btw: vollkommen unan- bzw. unabgetastet) entledigten wir uns unserer Jacken und suchten schnurstracks den Merch-Stand auf. Wir waren vor einem Jahr schon bei den Eagles of Death Metal hier, aber dennoch überraschte uns die Größe der Location irgendwie; hatten das etwas größer in Erinnerung. Aber gut, freie Sicht auf Meister Wyndorf, da beschwert man sich nicht. Am Merchandise-Stand angekommen krankte dieser wie auch 2008 an einer recht defizitären Planung. Das Tourshirt war zwar noch nicht ausverkauft (wie vor 2 Jahren), aber nur noch bis M bzw. L erhältlich. Die rockertypischen X-Größen gabs schlicht nicht mehr. Also wich ich auf eine neon-grün-gelb-rote LSD-Variation des „Superjudge“-Cover-Shirts aus und nach dem Ende des Konzerts ließ ich dem noch einen schon sündhaft billigen Tour-Poster Kunstdruck folgen. Überhaupt wurde das leicht eingeschränkte Angebot durch die Preise mehr als nur wieder wett gemacht. Danach gabs erstmal das obligate Konzertbier. In diesem Falle sogar ein Kösti. Danach gabs dann, PKW-bedingt, nur noch Cola… die aber auch gleich mal teurer war als der Gerstensaft. Aber gut, man muß nicht jeden Unsinn verstehen, der hier so verzapft wird; glaubt mir, ich weiß wovon ich rede! Wir durchschritten die Halle also, hingen ein wenig unmotiviert in der Gegend herum und warteten auf den Startschuß für die Vorband. Zwischendurch machte ich den Fehler, mich ordnungsgemäß zum Rauchen vor die Tür zu begeben. Das Ergebnis war, daß ich ohne Jacke im Eisregen stand und ordentlich durchgeweicht (ABER: es lebe die Lederweste) wieder in die Halle kam. Mit Konzertbeginn hatte sich das Rauchverbot und somit auch mein Problem ohnehin erledigt. Kurz darauf identifizierten wir noch die lamapflegende Lokalprominenz (btw: Grüße an Horst! ;-) ) als sie an und vorbei schritt, bevor endlich die Vorband die Bühne betrat. Diese Funktion sollten „Seventh Void“ übernehmen. Bestehend aus 2 Ex-Mitgliedern von Type-O-Negative und ein wenig musikalischem Füllmaterial. Ich fand die jetzt ganz OK, aber sonderlich erwähnenswert war das ganze dann auch wieder nicht aus meiner Perspektive. Da waren „This City“ und „Sweethead“ letztes Jahr an dieser Stelle schon ganz andere Kaliber. Außerdem erwartet man irgendwie mehr, wenn man hört, daß da Jungs von Type-O mitspielen. Meine Schwester fasste die Stärken der Band recht prägnant in einem Satz zusammen: „Der Drummer war gut!“ Dem ist nichts hinzu zu fügen. Na gut, außer noch einer kleinen Message an den Sänger: Ein „Chris Cornell der frühen 90er-Style“ sieht nur an EINEM gut aus… an einem Chris Cornell der frühen 90er. Da kann man noch so viele „Jesus Christ Poses“ zelebrieren, das wirkt irgendwie pamplig. Aber gut, die Kerle waren nach 45 Minuten überstanden und daß sie nach ihrem Auftritt direkt an uns vorbei latschten, fiel meiner Schwester schon gar nicht mehr auf… Verdrängungsmechanismen in Aktion.
Die Wartezeit bis zu Monster Magnet vertrieben wir uns wieder mit einem kleinen Rundgang und inspizierten dabei die am Mischpult aushängende Setlist (welche mir vorab ohnehin bekannt war, aber man überzeugt sich dann doch lieber nochmals persönlich). Irgendwann gingen dann endlich die Lichtlein aus und Dave und seine Mannen kamen auf die Bühne geschlurft. Was mir im Vergleich zu 2008 sofort auffiel, war der wesentlich ausgeglichenere Eindruck, den der Herr Wyndorf da machte. Kam er damals noch lange nach seinen Bandkollegen wie ein kleiner, runder Aggro-Flummi auf die Bühne gehuppt um sich unglaublich geladen das Mikro zu krallen (heißt nicht, daß das schlecht war. Das gab dem Ganzen damals nen ganz besonderen Drive, besonders, da ich ziemlcih weit vorne stand) kam er jetzt gemütlich auf die Bühne spaziert, schnappte sich die Klampfe und schreddete erstmal ein Weilchen mit seinen Kollegen herum, bevor mal ins zum Opener erwählte „Nod Scene“ einstieg. So trieb man auf der batikbunten Wolke eines psychedelischen Ausnahmetrips des Meisters höchst selbst förmlich in das Konzert hinein. Kein schneller, krachender Einstieg, eher ein angemessen chilliger Opener, der aber von Zeit zu Zeit an Groove und Tempo zulegt. Einer der ganz großen Songs der Band. Meiner Meinung nach auch ein toller Opener, zumal er ja die Basis legt, im Anschluß die Regler hochzuschrauben und den Fuß mit aller Wucht auf das Gaspedal zu hämmern um die PS-strotzende Bestie, die so ein Monster Magnet Konzertabend nun einmal darstellt, so richtig auf Touren zu bringen. Genau das geschah dann auch. War zu Tourbeginn noch „Mastermind“ auf den Setlists zu finden, wurde dieses Manko Gott sei dank schnell behoben und mein absoluter Lieblingssong wieder ins Live-Programm aufgenommen. „Tractor“ funktionierte an dieser Stelle des Sets einfach mal großartig und ist Live sowieso unschlagbar. Gerade zu genüsslich (und mit zunehmenden Halleffekt) säuselte Meister Dave die Textzeile „Got a knife in my back got a hole in my arm
When I'm driving the tractor on the drug farm” ins Mikro bevor der Gewittersturm aus Drums und harten Riffs losschlug. Weltklasse das Lied, die Liveversion ebenfalls ganz großes Tennis! Wenn ihr mich fragt, sollte das Ding auf den Setlists der Jungs einzementiert werden.
Der Hallu-lastige Einstieg ins Konzert wurde konsequent fortgesetzt; als dritter Song stand „Dopes to Infinity“ auf dem Programm. In Leipzig noch der Opener, zündete er auch in Dresden unverzüglich. Großartig auch, wie Wyndorf das Publikum im Griff hat ohne affektiert oder gekünstelt zu wirken. Für diesen Knilch wurde der Begriff der „Rampensau“ erdacht. Auch wenn er mittlerweile die Eskapaden weitgehend eingestellt hat, so genießt er doch sichtlich jeden Drogenbezogenen Textschnipsel seiner Frühwerke (und andere Textschnipsel gibt’s da weiß Gott nicht). Spätestens beim dritten Song hatte man sich auch an das Fehlen von Ed Mundell auf der Bühne gewöhnt, der kurz vor Tourstart ausgestiegen war, leider. Aber das war ein Einstieg nach Maß; nun wurde erstmal ordentlich vom neuen Material nachgelegt. Das folgende „Hallucinbation Bomb“ wirkt live einfach noch mal um Längen zugedröhnter als auf dem Album. Das tut dem Song sichtlich gut, eines der Lieder, deren Live-Qualitäten man auf der Albumversion nicht ansatzweise erahnen kann. Sehr geil! Auch „Dig that Hole“ zündete sofort und polterte sich seinen Weg in die Gehörgänge. So viel Groove am Stück war schon schwer zu ertragen, insbesondere für die bereits vom Vortag in Mitleidenschaft gezogene Nackenmuskulatur. Aber es gab keine Ruhepause, postwendend wurde „Medicine“ hinterher geschossen. Ein weiterer der „Klassiker“ der einen direkt zum nächsten Höhepunkt des Abends geleitete. Das sphärisch vor sich hinwabernde „Look to your Orb fort he Warning“; ein Song, der einem mal klar macht, was gemeint ist, wenn man vom „Space-Rock“ redet. Oft kopiert, aber nie erreicht! Gut sieben Minuten akustisches Kaleidoskop untermalt mit kunterbunter Bühnenbeleuchtung und fliegenden Haaren um einen herum. DAS ist Monster Magnet! Danach wurde es Zeit, die Zügel mal wieder straff anzuziehen und mit „Dinosaur Vacume“ den Ausrast-Quotienten zu erhöhen. Auf jeden fall eine große Liveversion. Ebenso wie Orb riß das Ding alles und jeden mit sich. Ein Genuß! Das anschließende „The Right Stuff“ wirkte nach all dem abgespaceten Drogengeschwurbel der letzten Songs schon wieder erstaunlich klar und strukturiert. Zielgerichtet marschiert der Song nach vorne, eine kleine Verschnaufpause eben. Hernach gabs die Hymne eines ganzen Musikstils, geprägt von Monster Magnet selbst. Während die Band die ersten Takte von „Space Lord“ anstimmte ging Dave noch mal in einer kleinen Ansprache sicher, daß wir auch ja jedes einzelne der unzähligen „Space Lord, motherfucker“’s lautstark unterstützen. Eigentlich überflüssig diese Aufforderung, aber gestenreich begleitet pushte dieses Coaching den Song noch mal nach vorne. Unschlagbar: vorne tobte die Band über die Bühne und im Saal traute sich keiner die Hände unten zu behalten und den Refrain zu verweigern. Hell Yeah, was für ein Abschluß des Mainsets! Denn das war es leider auch. Aber die Herren kamen ja zurück um uns gleich die aktuelle Single „Gods & Punks“ um die Ohren zu hauen. Ganz großes Kino der Song, getragen von Wyndorfs Comic-Vorliebe und einem unwahrscheinlichen Groove in der Melodieführung. Das anschließende „Bored with Sorcery“ war dann die logische Konsequenz dieses Songs und bereitete uns dann gleich mal auf das große Finale vor. Zwei ihrer größten Burner hatten sich die Mannen bis zum Schluß aufgehoben. Los ging es mit dem absolut energiegeladensten Song, den ich kenne; und ich kenne einige. Aber kein Künstler hat es geschafft in den letzten 20 Jahren geschafft, ein derart breitbeiniges Riff in die Landschaft zu sitzen, daß es „Crop Circle“ auch nur annähernd das Wasser reichen könnte. Das ist ein musikalisches Monster-Ego, das über die Zuhörer hinweg walzt und dabei ungeheuer an Drive gewinnt, bis sich ihm keiner aber auch KEINER im Saal entziehen kann. Ein Erlebnis
Den Rausschmeißer bildete dann der „Powertrip“, kommerziell der größte Erfolg der Jungs, aber eben auch ein unwahrscheinlich abgedrehtes Stück Musik mit einem Killer-Refrain! Nachdem die ganze Bude mit diesen Liedern noch mal ordentlich gerockt wurde, endete der Abend leider. Mal wieder viel zu zeitig wie ich noch anmerken muß.
Leider galt das nicht nur für den Abend, sondern auch für unser krasses Konzertwochenende; liebevoll „Space-Hell-Weekend“ tituliert. Zwei geniale Konzerte an zwei aufeinander folgenden Abenden. Zwei am Ende komplett unterschiedliche Konzerte, sollte man noch hinzu fügen. Dem an sich trockenen, harten „in your face“ – Rock von Motörhead folgte die mit kunterbunten Metaphern ausgeschmückte Rausch- und Klangwelt von Monster Magnet. Was dabei heraus kam war das mit Abstand coolste Konzertwochende, das ich bislang erlebt habe. Wann hat man denn schon mal die Gelegenheit, zwei lebende Legenden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in absoluter Hochform zu erleben?!? Richtig, nur selten. Dazu bedarf es dann schon eines „Space-Hell-Weekends“.
PS: Eines hätte ich ja FAST vergessen! Meine Schwester wird schon gehofft haben, daß ich den Vorband-Gitarristen vergessen habe, der nur mit einer grünen Neonsocke über dem Gemächt während der Zugaben auf die Bühne stürmte und diese durch ruckartige Stoßbewegungen auch noch ordentlich zum Baumeln brachte. Nein, liebe Schwester, diese Erinnerung erspare ich dir nicht! ;-)
Freitag, 30. November 2007
WE ARE THE ROAD CREW
(Motörhead)
Prost! Na dann... dem ganzen Rumgespame zum Trotz möchte ich hier mal die informationelle Unterversorgung brechen und als musikalischer Kriegsberichterstatter fungieren. Es gibt nicht mehr viele Abendteuer auf unserer heutigen welt. Der Nordpol ist durchwandert, der Südpol nicht minder, auf dem Everest haben mittlerweile schon Hubschrauber geparkt und selbst auf dem Mond hat der großimperiale Vernunftverweigerer im Nationalstaatlichen Pelz sein Streifenfähnchen nebst Besternung gehisst. Erbarmungslos ALLES wurde entdeckt, durchwandert, erobert, kartografiert und am Ende oftmals sogar meistbietend versteigert. Und da dies zumeist (Sorry Frau Schwarzer, aber die Geschichte können nicht mal sie ändern) von Männern getan wurde, etablierte sich mit der Zeit so ein “conquestadorisches Defizit” bei uns Bartstoppelfetischisten. Da steht man nun mittlerweile da mit seinem überhöhten Testosteronspiegel und guckt, bildlich gesprochen, wie die Sau ins Uhrwerk... kein Berg noch unbestiegen, keine Wüste undurchwandert und kein Ozean mehr, den es zu überpaddeln gilt. Blöd... saublöd sogar. Was bleibt denn dann noch um sich von der schweinchenrosa “gedressten” Masse dieser faltengecremten Gucci-Metros abzuheben? Wo kann Mann heute noch Mann sein, ohne sich gleich mit einem Rudel Feministen rumplagen zu müssen, welche hysterisch “Unterdrückung” kreischen, nur weil man irgendwo das politisch korrekte “/-innen” hinter “Vollwaschautomat” vergessen hat?!? Viele gibts da nicht mehr, aber nichts desto trotz gibt es sie noch, diese archaisch anmutenden Rückzugsorte des patriarchalen Habitus. Worauf will ich nun hinaus? Naja, am 30.11.2007, also letzten Freitag, war mal wieder Konzertzeit beim Onkel! Wie fast immer besuchten meine Schwester und ich gemeinsam ein musikalisches Event der Superlative, allerdings eines, was dem Außenstehenden nicht als solches auffallen würde... und zum Henker nochmal: das ist auch gut so! Es ging nach Erfurt, es ging in die Thüringenhalle, es ging zu Motörhead!
So begaben wir uns dann auch gegen Abend zunächst auf die Autobahn gen Erfurt und schließlich dann auch zur erwähnten Thüringenhalle, im Schlepptau eine Autoladung Freiberger, welche uns als Konzertgänger identifiziert hatten und uns sogar dann folgten, wenn wir uns spektakulär verfuhren! Am Ende jedenfalls rollten wir sicher und zeitnah vor der Thüringenhalle ein und fanden noch ein lauschiges Plätzchen zum Parken; gegenüber turnten drei Typen auf ihrem alten VW rum und fotografierten sich gegenseitig dabei, wie sie bierselig vom geschundenen Gefährt herunter winkten. Meine Schwester beschlichen leichte Zweifel ob das wirklich eine so gute Idee war sich diese Karten zuzulegen. ;-) Also wir das Auto verließen um die nähere Umgebung zu erkunden, kamen so leise Festivalerinnerungen hoch muß ich zugeben... überall Autos, überall gröhlende, halbbesoffene Gestalten in Lederjacken bzw. Jeanswesten und die Zäune um den Parkplatz herum waren gesäumt von... na ihr könnt`s euch sicherlich denken! ;-) Jedenfalls warteten wir noch ab, bis der erste Ansturm auf die Einlaßtüren vorbei war bevor wir die Halle betraten. Kurz noch vom optisch recht faschistoid anmutenden Security-Heiner nach Waffen abfummeln lassen und schon stand man am Fuße einer Treppe; und genau hier ging es dann eigentlich so richtig los, das “Erlebnis Motörhead”! :-)
Wie erwähnt standen wir am Fuße dieser Treppe und blickten auf zwei weit geöffnete Flügeltüren aus denen dicker, blaugelber Qualm quoll. Selbiger wurde von ein paar Bühnenscheinwerfern noch illuminiert und von plärrenden Trash-Metal-Bässen von Vallient Thorr, der ersten der drei angekündigten Vorbands, durchschnitten. Der Weg die Treppen hinauf hatte etwas seltsam Befreiendes, die Metapher vom Licht am Ende des Tunnels traf, rein optisch, ziemlich genau zu. Als wir die Tür durchschritten fanden wir uns prompt in einer anderen Welt wieder. “Schön hier” dachte ich... “wo ist der Bierstand?” Nach alt bewährter Manier mal kurz die Lage gescheckt... aha: Merchandise rechts, Bier links! Mehr muß man eigentlich erstmal nicht wissen auf einem Motörhead-Konzert. Eigentlich gehört die Reihenfolge noch umgekehrt... oder noch besser: Bier links, Bier rechts! Das würde auch genügen. ;-) Na jedenfalls durchwanderten wir zunächst die Halle und schnappten uns jeweils ein wohl temperiertes Kösti (Vorbildcharakter: gutes Bier auf Rock-Konzerten!!!) Und mischten uns während Vorband Nummer 2, Skew Siskin, unters Volk. Nette Musik, schön dreckig!! ;-). Dann war das Bier alsbald leer, ein weiteres gabs nicht, ich mußte ja fahren, und bevor mit Overkill die letzten Einheizer die Bühne betraten, sah ich mich gezwungen die sanitären Einrichtungen zu erkunden. Dies nahm auch die komplette Umbau-Pause in Anspruch, bei vll. 3500 Zuschauern, von denen gefühlte 3400 männlich waren, kam es zu gewissen Verzögerungserscheinungen. Doch auch dieses Abenteuer war am Ende gemeistert und so gesellte ich mich wieder zu meiner Schwester und wir ließen Overkill über uns ergehen. Schlecht waren sie nicht, wirklich, aber langsam wollte man dann doch den Genossen Kilmister die Bühne betreten sehen... zumindest gings mir so. ;-) Overkill, so viel sei noch gesagt, klingen rein musikalisch etwas wie die frühen Metallica, nur der Gesang ist dann etwas abgedrehter. Zum Schluß ihrer Performance durften wir, the audience, den auch schon recht betagten Mannen da vorne noch kollektiv das eine oder andere “Fuck You” entgegen brüllen... die wollten`s so, kann ich auch nix dafür! ;-) Es war aber schon schön die Kerls dann verschwinden zu sehen und mitzuerleben wie langsam aber sicher der Main Event nahte.
Ein geradezu monströses Drumkitt wurde enthüllt, zwei Mikros in Gefühlten zweimeterzwanzig` Höhe aufgestellt und über allem thronte dieses undefinierbare Vieh (wie soll mans denn sonst nennen?!?), welches seit gut 30 Jahren als Bandlogo herhalten muß. Herrlich... langsam breitete sich auch im gesamten Publikumsraum eine gewisse Unruhe aus. Ach ja, es muß vielleicht noch kurz erwähnt werden, dass das, was sich “Thüringenhalle” nennt, unterm strich nichts weiter ist als eine große Turnhalle mit Bühnentrakt. Schön abgewrackt, schön schmutzig und zum Anlass vor allem PASSEND! Die Horde der Langlot`schen um uns herum begann jetzt Bier zu bunkern, ich will im Nachhinein nicht wissen, wie viele Dudes uns mit einem halben Durtzend Bierbecher in der Hand passierten und nach vorne pilgerten... es waren jedenfalls ne Menge. Ich, der ich auch ohne Bier extrem evil wirken wollte, aß inzwischen Mentos! ;-)
Das Licht erlosch dann alsbald und da kamen sie endlich auf die Bühne gelatscht. Lemmy, rockendes Unikum und warzengespicktes Synonym für seine eigene Band allen voran. Er trat ans Mikro und... naja, stellt euch vor ein Bulldozer hätte Stimmbänder. Jedenfalls klang das obligatorische “We are Motörhead!! And we play Rock `n Roll!” nicht gerade wie vom Mann aus der Bertolli-Werbung dahin gesäuselt ;-)! Das wars dann erstmal schon mit Begrüßung, was folgte war eine Wand aus Schall! “Dr. Rock” fegte durch die Halle... laut wars, das wußten wir, aber wir hatten es lauter erwartet muß ich gestehen. Nach diversen Warnungen von Motörhead-Veteranen hatten wir sicherheitshalber Oropax erworben um uns im Fall der Fälle zu schützen (der zwar eintrat, von uns aber tapfer ignoriert wurde). Aber es ging ja auch, NOCH... denn nach dem Dritten Song wurde eine Steigerung angekündigt und auch umgesetzt. Lemmy malträtierte seinen Bass, knurrte ins Mikro und ölte sein Stimmchen bei Bedarf mit dem bereit stehenden Jacky nach... HELL YEAHR!!!! Genau DAS, was wir erleben wollten. Der Hallenboden um mich herum schien sich binnen der ersten 5 Songs nur so mit Plastikbechern gefüllt zu haben. Außerdem roch es überall nach Bier und das Parkett klebte elendig. Das Ambiente hatte sich der Band sukzessive angeglichen und nach wenigen Songs konnte man nur zufrieden lächelnd fest stellen, dass das alles noch klischeehafter war als man es sich vorzustellen wagte; und dass das auch verdammt gut so war! Um einen herum verschwammen die langhaarigen, Bierbecher haltenden und moshenden Gestalten in einem Brei aus Zigarettenqualm und Bühnenrauch, man watete fast knöcheltief im Gerstensaft und vor einem prügelte einem die “hässlichste Band der Welt” (Kommentar Lemmy auf die Frage hin, ob ihm diese Wahl weh`tut: “No, it`s obvious!” *am Whiskey nipp*) “Born to Raise Hell” entgegen. Nebenbei bemerkt eines der Highlights für mich, da dieses Teil auf meiner Wunschliste ganz oben rangierte. Ich möchte hier jetzt nicht die ganze Setlist wieder herbeten, ehrlich gesagt bekomme ich das sowieso nicht hin, dazu fehlt mir auch ein Stück weit die Kenntnis aller gut 20 Studioalben... außerdem sollte das dann doch den Pearl Jam Konzerten vorbehalten bleiben. :-) Ein paar Perlen seien aber doch erwähnt. Zumal mich, wie eben bei “Born to Raise Hell”, mein Setlistglück mal wieder nicht im Stich ließ. Abgesehen von Düsseldorf (“Betterman”) bekam ich irgendwie immer meinen Nr. 1 Song vorgedudelt am entsprechenden Abend. (In Düsseldorf war eh alles anders, da kamen Sachen, an die man nicht mal gewagt hat zu denken... von daher zählt das eigentlich nicht wirklich).
Man kann Lemmy und Co nicht vorwerfen, Zeit mit Gelaber zu verschwenden, hin und wieder wurde etwas Semiverständliches vom großen Meister ins Mikro genuschelt (vorzugsweise um genug Zeit zu haben ausgiebig am Jacky zu nippen) bevor uns das nächste Brett um die Ohren geschossen wurde. Besonders bei “Killers” gings dann zur Sache, schön druckvoll vorgetragen, und Schrankwand Lemmy stand nahezu regungslos am Mikro während er die Vocals heiser ins Mikro röhrte. Sehr niedlich war im Übrigen die Lightshow, OK, die Lampen bewegten sich ein wenig, aber selbst das taten sie vollkommen asynchron zu Musik. Doch das stört nicht, erstens weil es eben ins Bild dieser rohen, dreckigen, aufs nötigste reduzierten und das dann aber auch exzessiv auslebenden Rock `n Roll Band passt; und zweitens weil Motörhead das auch gar nicht nötig haben mit irgendwelchem technischen Gepose zu hantieren. Irgendwann nach “Iron Fist”, wahrscheinlich in der Pause vor dem Zugabenblock, kam man dann dazu ein erstes Resümee zu ziehen, seine Ohren zu suchen (wider erwarten waren beide noch da) und sich mental auf einen brachialen Einstieg ins Encore vorzubereiten. Erwähnenswert wäre vielleicht noch Mikkey Dee, der Drummer. Bei seinem ausgiebigen, bestimmt 7 minütigen Drumsolo, blieb einem schlicht und ergreifend die Spucke weg. Gut, wer Dave Grohl schon mal live an der Schießbude erlebt hat (STRIKE!!! :-) ), der hat schon einen schier unüberbietbaren Referenzpunkt im Schädel...; aber was dieser Schwede da veranstaltete, das war auch ganz großes Tennis. Nachdem er während seines Solos ein gutes Dutzend Drumsticks verschliss (kein Scherz... die Dinger flogen von seinem Hochsitz wie Raketen aus ner Stalinorgel), kochte die Halle. Aber wir waren beim Zugabenblock, dieser begann allerdings nicht wie erwartet mit noch mehr Haue für das Trommelfell, sondern (man mags ja kaum glauben), damit, dass Lemmy und seine zwei Schergen mit Akustikgitarren die Bühne betraten und gesittet Platz nahmen. Wir schauten uns nur irritiert an, damit hatten wir schlichtweg nicht gerechnet. Was nun kam, war einfach nur köstlich: Mr. Kilmister raspelte uns beschwingt den “Whorehouse Blues” in die Gehörgänge und griff dabei auch noch zur Mundharmonika. Sehr geil!!!
Zum Ausklang des Abends gabs dann aber noch zwei Mal musikalische Roh-kost, unter anderem “Ace of Spades”, was die Halle selbstredend wieder zum sieden brachte. Am Schluß erging noch, neben der Bandvorstellung, der Aufruf: “Don`t forget us! We are Motörhead... and we play Rock and fucking Roll!!!” mit der obligatorischen “You`ve been the best audience of the tour!”-Lobhudelei (Natürlich, meine Schwester und ich waren ja da, das adelt per se schon mal JEDE audience! ;-) ). Den Ausklang bildete dann infernalisches Motorengekreisch und Gequietsche (ebenfalls traditionell versteht sich). Wir verließen nach der Show die Halle und wunderten uns zu allererst, dass es auch Luft gibt, die man nicht kauen kann. Die Heimfahrt war dann mit einem leiden Nachpfeifen im Ohr und einer umfangreichen Auswertung dieses Abends, nein, nennen wir es ruhig ABENTEUERS verbunden. Vergeßt doch den Everest oder das sinnfreie Durchwaten von irgend welchen Wüsten, ohne Ohrstöpsel bei Motörhead... DAS sind die wahrhaft Harten! ;-)
Auch wenn ich mich hier wiederhole, aber die Entscheidung sich diese Urgesteine mal persönlich anzuschauen, die kann gar nicht falsch gewesen sein! Sowas muß man eigentlich mal erlebt haben, anders kann man es nicht sagen. Der ganze Text da oben ist unterm Strich nicht annähernd dazu geeignet ein Motörhead-Konzert auch nur halbwegs treffend zu beschreiben. Lange keinen so herrlich dreckigen Konzertabend mehr erlebt, Schweinerock at ist Best! Außerdem wurde mal wieder deutlich, was der heutigen Jugend fehlt: ein angemessenes Bild von Männlichkeit! Wenn man bedenkt, dass da vorne drei 60jährige, angeführt von einem langhaarigen Engländer mit aufgeknöpftem Hemd, Cowboystiefeln und nem Brummbass in der Hand, die Thüringenhalle ohne große Gesten in einen Testosteronspringbrunnen verwandeln... dann wirkt doch das, was heute als “Vorbild” fungiert dagegen lächerlich. Dieser Sido und die ganze Hip-Hopper-Brut, welche sich Masken aufsetzt, pseudofinster ins Mikro schaut und irgendwelche Proletentexte zur Schau trägt in ihren Baggypants und all den brilliantenbesetzten Goldketten, das sind doch im besten Fall noch massenmediale Drag Queens gegen Motörhead! Der Lächerlichkeit preis gegeben durch selbst verschuldete Kasprigkeit! Während ein beliebiger, weil austauschbarer, Möchtegerngangster aus der Aggro-Welt in seinem kunterbunten Kitschvideo davon schwärmt wie er drei “Bitches” im “Club mit Fuffies” bewirft, bis diese ihm in seiner Limo zu Diensten sind, nimmt der Lemmy doch stillschweigend die ganze erste Groupiereihe backstage mit unter die Dusche. Der Unterschied ist nur, dass er seine Energie nicht auf dieses zwangsneurotische Gepose verschwendet, der konzentriert sich noch aufs Wesentliche *fg*... Lemmy ist so, Lemmy bleibt so! Man nimmt den Kerls das halt alles ab, im Gegensatz zu den rappenden Wohlstandsghettoisten aus der Hauptstadt... affektierte Heinis!
Na wie dem auch sei, wenn Motörhead in eure Nähe kommen: schaut`s euch an, hört`s euch an, dann wißt ihr was ich meine! Mein letztes Motörhead-Konzert wird es hoffentlich nicht gewesen sein, meine Schwester sieht`s ähnlich. Also dann Leute... Rock`n Roll!!!!!! ;-)



