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Freitag, 14. November 2014

MILKING THE STARS

Monster Magnet

Ich returniere mit einem kleinen Albumtipp:

Es ist ja so ne Sache mit “älter” werdenden Bands. Viele besinnen sich nach 20 plus X Jahren musikalischen Schaffens wieder “auf ihre Wurzeln” und lassen entweder nochmal ein Album im Stil ihres Debuts vom Stapel oder – mittlerweile häufiger anzutreffen – semmeln eines ihrer Frühwerke nach dem anderen als so genannte “Reissue” unters Volk. Beides muß nicht per se schlecht sein. Klar kommt dabei hin und wieder ein Quintett von Rockopis bei raus, das sich verzweifelt einen abwürgt um wieder wie die coolen, langhaarigen Rebellen zu klingen, die sie in ihren jungen, wilden Tagen waren und die sich eben damit – sagen wir es offen – ein wenig lächerlich machen. Andererseits können dabei auch verdammt gute Scheiben bei raus kommen, wenn die Band nicht nur “back to the Roots” geht, sondern auch das mitnimmt, was sie in den letzten Dekaden so an Entwicklungsschritten vollzogen hat. Im Speziellen traf letzteres 2013 auf die Herren von Monster Magnet zu, die mit “Last Patrol” ein phänomenales Album ablieferten, gefolgt von einer ebenso phänomenalen Tour.

Außerdem – was eigentlich eine Schande ist – existiert so eine Art Bewertungsdiskriminierung was die Originalität von Ideen angeht. Beispiel hier: Ebenfalls Monster Magnet. Stellt euch mal eine Newcomerband vor, die ihr ein Jahr altes Album einfach nochmal komplett neu aufnimmt, abmischt und veröffentlicht. Gut, einige würden da auch “Sell Out!” rufen, ebenso viele würden das aber auch als Geniestreich der künstlerischen Experimentierlust bezeichnen. Als Monster Magnet nun aber "Milking the Stars” ankündigten, war alles, was ich so an Reaktionen fand sehr verhalten. Trotz der Ankündigung, daß es sich explizit nicht um ein solches handle, wurde oft von einem “Remixalbum” gesprochen. Das wiederum legt nun seinerseits erneut das “Sell Out!” nahe; frei nach dem Motto: “Ham se mal wieder ein vernünftiges Album draußen, versuchen sie es gleich zwei mal zu verschachern!”

Nun, ganz so einfach sollte man es sich nicht machen. Heute kam besagtes “Milking the Stars” auf den Markt und auch wenn amazon noch nicht geliefert hat, konnte ich mich dank Auto-Rip (eine der besten Ideen die Amazon je hatte meiner Meinung nach) doch schon den ganzen Tag das gute Stück hinein hören. Oder besser: “mitreißen lassen”. Ich gebe ja zu, daß ich zwar sehr, sehr gespannt war, was bei dem Projekt am Ende heraus kommt, aber eben auch leichte Zweifel hatte. Wie konnte sich so ein Projekt denn bitteschön von einem “Remixalbum” wirklich abgrenzen? Was wollten sie denn aus “Last Patrol” noch an retroorientierter Spacerockigkeit heraus holen? Ich sah da einfach nicht mehr viel Platz nach oben. Bis heute Mittag! Schon die “Last Patrol” wurde ja komplett mit Equipment aus den 60er – 70er Jahren aufgenommen und war am Ende ein Meisterwerk des fuzzigen Spacerock; extrem retro; extrem cool und wirkte gleichzeitig trotzdem irgendwie ihrer Zeit voraus. Sie war damit genau das, was Wyndorf im Vorfeld als Ziel angekündigt hatte. Schwer vorstellbar also, wie man das Album noch toppen konnte, wie man es noch spaciger und sphärischer hin bekommen sollte ohne es dabei komplett zu überladen. Nun, machen wir es kurz: Es ist gelungen!

Die bereits bekannten Songs erscheinen zum Teil in einem derart neuen Kleid, daß es einen aus den Socken haut, wenn man sich mal den 1:1 Vergleich gönnt – da hört man mitunter zwei komplett verschiedene Lieder. Als ein Beispiel unter vielen soll hier mal mein Liebling von der “Last Patrol” dienen: Das stampfende Riffgewitter “Hallelujah”! Was die Jungs aus diesem Song gemacht haben… woooohoooo, der Hammer! War das Original “Hallelujah” noch in seiner rhythmischen Direktheit und dem streckenweise von eindringlichem Flüstern zu weihevollen Salbungsorgien eskalierenden Gesang von Dave noch ein verhältnismäßig klarer Song (was man damals noch nicht unbedingt so sah, denn aus damaliger Sicht war das auch schon verdammt retro), so ist “Hallelujah (Fuzz and Swamp)” genau das, was es im umklammerten Zusatztitel verspricht. Der Song hat in dieser Interpretation deutlich weniger dicke-Hose-Attitüde aber dafür wesentlich mehr Eier (<- das so genannte “Kahnsche Deskriptivum”). Was ich damit meine? Da kommt plötzlich eine Akustikgitarre drin vor, jede Menge Verzerrer und Effekte und überhaupt klingt Wyndorf hier noch ne Spur boshafter, eben weil er sich erst noch durch einen Soundteppich hindurch arbeiten muß, der eigentlich alles nochmal mit einer Extraportion Coolness überzieht. Fantastisch! Aber wie auch für die “Last Patrol” gilt hier, daß man die Songs bloß nicht einzeln betrachten sollte. Das ist wieder eher ein Konzeptalbum als eine Ansammlung von Hits – es ist ein Geschichte. Eine ganz andere Geschichte als die “Last Patrol” überraschender Weise. Der Schlüssel dazu ist “Zeit”. Die Songs sind alle samt ne ganze Ecke länger angelegt und haben mehr Platz. Was bei einem derart drogigen Soundkleid aber auch nötig ist. Da wird munter und träge vor sich hin gewabert und gefuzzt bis der Arzt kommt und es wird gar nicht erst versucht das irgendwie einzudämmen oder gar in ein radiotaugliches Format zu kürzen. Sehr, sehr löblich! Das würde auch gar nicht funktionieren. Diese Richtung gibt schon das sphärische “Let the Circus Burn” zum Einstieg vor und die halten die Songs auch stramm ein bis zum Ende.

Seit der “Dopes to Infinity” hat keines der Alben den inoffiziellen Bandslogan “It’s a satanic drug thing you wouldn’t understand” auch nur annähernd so gut transportiert, wie die “Milking the Stars”. Die Songs wurden mit neuen durchmischt, neu angeordnet und umgebaut. Wyndorf meinte im Sommer, er wolle die “Last Partol” nochmal “komplett neu denken” – und genau das haben sie getan. Offensichtlich nicht ganz ohne neurochemische Hilfe von außen, aber wen juckt das schon wenn am Ende so ein Album steht. Klammert man mal die zwei letzten Live-Mitschnitte (kleine Bonustracks) aus, die man wohl lieber mit ner Hand voll anderer Songs auf eine Bonus CD gepackt hätte, ist das eine phantastische Reise auf die uns die Band da mitnimmt. Es ist schon fast schade, daß sie als Single mit  “The Duke (Full on Drums ‘N Wah) noch einen der am wenigsten umgemodelten Songs wählten; was diesen Remix-Kokolores eher noch befeuert haben dürfte. “Mindless Ones ‘68” (btw: Tipp) wäre hier wohl die bessere Wahl gewesen, weil es einfach viel klarer macht, was auf “Milking the Stars” im Vergleich zur “Last Patrol” Sache ist ohne dabei ein Mindestmaß an Radiotauglichkeit einzubüßen. VIEL besser wäre aber wohl “Let the Circus Burn” gewesen. Warum denn nicht mal ein siebeneinhalb minütiges Instrumental? Wenn es noch dazu ein derart großartiges Stück Musik ist… spräche doch eigentlich nix dagegen. Aber egal, jetzt ist das Album draußen und es macht einen Höllenspaß es zu hören. Im Februar sind die Jungs wieder auf Tour, im Februar bin ich wieder dabei! Smiley mit geöffnetem Mund 

FAZIT: Dieses Album ist schwer zu beschreiben. Stellt euch einfach vor, daß ihr majestätisch (und natürlich bis Unterkannte Oberlippe zu gedröhnt) auf einem bis an die Zähne mit Laserkanonen bewaffneten Tyrannosaurus über einen von überdimensionalen Lavalampen beherrschten Planeten reitet und eure illuminierten Freunde gegen eine soeben statt findende Invasion von technisch weit überlegenen, extrem sadistischen Höllen - Glücksbärchis aus einer Parallelwelt verteidigt, die durch einen Riß im Raum-Zeit-Kontinuum einfallen um euren Lavalampenfreunden ihre Warpkerne zu klauen. Wenn ihr dies rein fantasietechnisch hin bekommt, dann fragt euch einfach noch, was für diese epische Schlacht wohl der geeignete Soundtrack wäre. Es gibt ihn - seit heute! 

Und hier isser noch für euch, der “Duke” im neuen Gewand:

PS: Video bis zum Abspann schauen.

Donnerstag, 30. Januar 2014

HALLELUJAH – Monster Magnet in Leipzig, 28.01.2014

Go!

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2014 geht als Konzertjahr relativ untypisch los für mich. Erstens startet es bereits im Januar, was an sich schon selten ist; und zweitens kommt gleich ein Kracher zum Auftakt, der traditionell eher gegen Ende des Jahres in den Terminkalendern der hiesigen Konzertgänger aufkreuzt. Aber man will ja nicht meckern, ganz im Gegenteil. Unterm Strich kann ich jedenfalls stolz berichten “Ich war dabei! Dabei, als die Mannen von Monster Magnet ein Mal mehr ihren unvergleichlichen Space-Rock-Voodoo darboten.”

Das letzte Konzert der Herren war im Jahre 2012 im gar nicht so fernen Erfurt gelaufen; ein reichliches Jahr her ist das mittlerweile. Wie ihr dem Bericht entnehmen könnt, war bereits dieses ein echter Kracher. Auch wenn sie mittlerweile nicht mehr den gleichen Stellenwert genießen wie in den 90ern, so sind Monster Magnet nach wie vor eine schlichtweg beeindruckende Rockmaschine, die einen im Prinzip nie enttäuscht. Ähnlich wie 2012 war dieses Jahr auch wieder eine Album-Tour. Diesmal allerdings mit der aktuellen Scheibe “Last Patrol” im Programm. Somit waren beide Konzerte sich zwar irgendwie ähnlich – allerdings beschränkte sich das auch nur auf das Grundkonzept. Aber dazu gleich mehr.

Wann kommt eine Band auf die Idee, ein komplettes Album live zu spielen? Es gibt da vier mögliche Antworten:

1. Die Typen sind neu im Geschäft und haben schlicht nix anderes in der Hinterhand als ihr Debütalbum.

2. Eine Mischung aus Faulheit und unkreativem Habitus.

3. Man will eines seiner älteren Werke angemessen würdigen und weiß obendrein auch genau, daß die Scheibe bei den Fans geliebt wird; daß praktisch nix schief gehen kann (so war es 2012).

Da man die Punkte 1 und 2 den Herren nun wirklich nicht unterstellen kann, greift wohl die vierte Erklärung für das Spielen eines kompletten Albums; in diesem Falle sogar des eben erst erschienenen Langspielers:

4. Die Scheibe ist einfach dermaßen verflucht gut, daß man das einfach bedenkenlos kann.

Und so war ich dann auch nicht im geringsten enttäuscht, als ich die Ankündigung auf Twitter vernahm, daß man Last Parol “in its entirely” zu spielen gedenkt. Als in der US-Tour nur zwei bis drei Songs davon gespielt wurden, da fand ich das schon eher… naja, blöd. Hört euch das Album einfach an und ihr werdet es verstehen. Last Patrol ist ganz großes Kino. Außerdem hat es das, was vielen der aktuellen Alben anderer Künstler abgeht: Ein Konzept. Die Songs passen einfach zusammen und wirken schon auf dem Album wie aus einem Guß. Seit “Imaginaerum” von Nightwish (an das es im Sinne der Gesamtkunstwerkhaftigkeit nicht heran reicht – wenn es auch verflucht nah dran ist) habe ich kein derart stimmiges Album mehr erstanden. Das Konzept, das Album nur mit Equipment aus den 70ern aufzunehmen, sodaß es nicht nur nach 70s Psych-Rock klingt sondern auch welcher ist, das geht einfach mal auf! Warum nachbearbeiten und technische Spielereien einsetzen, wenn man es auch clean haben kann?!? Das mit der Wirkung des Albums geht so weit, daß ich sogar die beiden Bonustracks der Deluxe-Edition mittlerweile skippe und sie nur noch als Einzelsongs höre. Beides sehr gute Songs, gerade “Strobe Light Beatdown” hat es mir angetan, aber es ist verständlich, warum sie nicht aufs Album genommen wurden. Fazit: Bombenidee, diese Last Patrol-Tour! Einziger Wermuthstropfen (ich hasse das Zeug auch im Real-Life) war, daß ich ohne die Kleine Schwester anreisen mußte – meine Stalker unter euch werden es gemerkt haben, daß da was Kleines (im wahrsten Sinne des Wortes – dieser Hobbit!) fehlt im Gegensatz zu den sonstigen Konzertberichten.

Nach dem qualitativ hochwertigen, quantitativ aber sehr, sehr mauen Konzertjahr 2013 freute ich mich seit Monaten auf diesen Abend in Leipzig – zu Recht wie sich zeigen sollte. Kennt ihr das auch, wenn man den ganzen Tag schon so ein unruhiges Kribbeln im Bauch hat und es kaum noch erwarten kann, daß endlich das erste Riff erklingt? Wenn man dann in der Halle steht und sich breit grinsend sagt “Yeah, meine Welt!”! Falls nicht: es ist ein großartiges Gefühl! Die Anreise mußte ich in einem Fremdwagen antreten, da der Igor sich ne Bänderdehnung zuzog und werkstattete. Also ging es per niegelnagelneuem Seat Leon nach Leipzig (mit Autohauswerbung drauf). Das Auto fuhr sich so gut, daß demnächst wohl ein Erinnerungsfoto ins Haus geschneit kommt. Kein Mensch wird wissen, warum man in einem der entvölkerten, inzestuösen Kuhdörfer zwischen Three-O-City und Leipzig einen Blitzer aufstellt – außer natürlich der das Nest bewohnenden Hinterwäldlerfamilie, die sich mit den Einnahmen über ihr trostloses Dasein in der sächsischen Pampa hinweg tröstet. Naja, was solls… es ist zu spät zum Jammern. Ich fuhr also weiter und als ich vor dem Werk 2, in welchem das Konzert stieg, ankam, da war der Ärger schon verflogen. (Ich bin da relativ schmerzfrei mittelfristig – kanns ja eh nicht ändern.) Ich betrat die alt ehrwürdigen Hallen, in denen ich schon mein erstes Monster Magnet Konzert im Jahr 2008 erlebte. Fix wurde noch ein Tourshirt erstanden, die Kleidung an der Garderobe temporärentsorgt und die Konzertlederweste (was war die letztes Jahr unterbeschäftigt) zurecht gerückt. Dann ab an die Bar und für schlappe zweifuffzich ein halber Liter Schwarzbier erstanden. Dann schlenderte ich durch die Halle und postierte mich da, wo ich auch vor 6 Jahren schon stand: nah an der Bühne, rechts versetzt an einem Pfeiler.

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Bequem an selbigem lehnend konnte ich nun beobachten, wie sich die Halle langsam füllte und während ich mein Becherchen leerte die Vorband genießen. “Church of Misery” nannte sie sich und kam aus – Japan. Wyndorf, der im Übrigen kurz nach meiner Ankunft an mir vorbei marschierte, hatte ja schon immer ein Händchen für etwas ausgefallene Vorguppen. Auch diese war ziemich gut, allerdings mit dem kehligen Grunzgesang nicht ganz so mein Fall (wer hätte gedacht, daß ein Japaner klingen kann wie Max Calavera vor dem Stimmbruch – ich hielt das vor kurzem noch für schlicht unmöglich.)

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Aber musikalisch waren sie gut und der Auftritt animierte mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr zum Lockern der Nackenmuskulatur – man groovte sich ein. Als die Herren dann die Bühne verließen, da ernteten sie dann doch ordentlich Applaus für ihren Auftritt. Ich verließ den Pfeiler und stellte mich ein paar Meter weiter in die Halle hinein. Bald wurde ich mehr und mehr umzingelt von weiteren Spektatoren, die nun so langsam die Bar verließen und sich in Erwartung von Monster Magnet der Bühne näherten. Eine sehr, sehr entspannte Atmosphäre. Während wir alle nun auf das weiße Bullgod-Backdrop blickten wurde es langsam spannend. Als die ohnehin schon spärliche Beleuchtung dann erlosch und “The Magnet” recht unspektakulär auf die Bühne gelatscht kam, hatte sich dann auch alles sortiert.

Wenn man Dave seit seinem drogenindizierten Beinahe-Ausstieg aus dem Reich der Lebenden vor ein paar Jahren so betrachtete, so hat man 2014 einen erfreulich gesund wirkenden Herren am Mikro erleben dürfen. Er hat wieder deutlich abgenommen, ist aber nicht wieder zu der sehnigen Dope-Verbrennungsmaschine herunter gehungert, die er einst war. Gesund wirkt er, kräftig und (was er aber schon immer tat:) jünger als er ist… und zwar um einiges. Er war der Einzige, der mit etwas mehr Elan auf die Bühne kam. Nicht so “aggro” wie 2008, wo er in seinem Lieblingshoodie noch wie ein dicker, brauner Flummi zum Mikro stürmte, aber man merkte ihm schon ein gewisses Niveau an Aufregung an. Er verkündete, sehr ausgeglichen wirkend, daß man nun gedenke “Last Patrol” als Ganzes zu spielen und daß er hoffe, wir wären damit d’accord. Später schob er noch grinsend hinterher, daß wir ja ohnehin keine andere Wahl hätten. Jedenfalls jammte man sich gemütlich ein und der “Weird trip through the back alleys of a dark retro-furute” begann endlich.

Mit dem sich langsam steigernden, aber nie ausufernden “I live behind the Clouds” stieg man verträumt und sphärisch ins Konzert ein. Eine Ouvertüre der Extraklasse, nicht nur für das generell ruhigere Album, sondern auch live ein richtiges Highlight. Man begann quasi mit den Manövrierdüsen, verließ das Raumdock und verließ den Sektor 001 mit mittlerer Impulskraft; bremste am Rand dann nochmal kurz ab und sah sich um bevor man den Schalter zum Warpantrieb erstmals umlegte. Das geschah dann mit “Last Patrol”, dem Titeltrack zum Album. Im Vergleich zur Albumversion hatte man den Song noch mal gehörig aufgepeppt und zu einer überragend fuzzigen Dampfmaschine aufgeblasen – Monster Magnet–Style, Baby!!!! Sie haben es noch drauf, keine Frage! Die letzte Patrouille verließ das Sonnensystem und Dave nahm auch Fahrt auf. Der Song uferte mehr und mehr aus und erging sich gegen Ende mehr und mehr in einer nicht enden wollenden Jamsession der Band. Wenn es je eines Beweises bedurfte, daß man den Space Rock in all seiner Intensität, Verzerrtheit und grenzenlosen Coolness noch auf dem Kasten hat, so lieferten Monster Magnet ihn diese Liveversion. Das wirkte dabei spielerisch, leichtfüßig gespielt und 100%ig organisch. Ganz großes Tennis! Nachdem man über 10 Minuten derart duchs Weltall gehämmert war (ich bin mir ziemlich sicher, daß man die Länge des Albumsongs dabei toppte), wurde mit “Three Kingfishers” der Fuß erst einmal wieder vom Gas genommen. “Außenmission” auf einem fremden Planeten quasi. Der Song ist auf dem Album der, mit dem ich noch am wenigsten anfangen kann – bis er nach ein paar Minuten endlich eskaliert. Auf der Bühne dargeboten wird er aber durch Verzerrungen, Halleffekte und die typisch brachialen Gitarren mit einer grandiosen Coolness versehen. Außenmission mit “aggressiven Verhandlungen” erfolgreich abgeschlossen. Jetzt standen meine beiden Lieblingssongs des Albums an. Zunächst wurde mit “Paradise” eine erneut faszinierende Liveversion des Albumtracks dargeboten. Man hatte nun wieder auf maximalen Impuls herunter geregelt und schwebte gemächlich durch eine bunt fluoreszierende Gaswolke im All. Bässe, Bässe, BÄSSE!!! Dazu das Gefühl, daß irgendwo im Hintergrund einer nur darauf wartet den Warpkern zu überlasten sobald man diese kosmische Farbbombe hinter sich gelassen hat. Gemütliches dahinschleichen am Rande der Neutralen Zone – immer mit einem Auge auf Romulus schielend. Der Übergang, zu “Hallelujah” geriet fließend und glich besagtem Vollgas! Die Band stampfte mit diesem fantastisch direkten Riffrocker los und erstmals war im Publikum auch richtig Bewegung drin. Dave am Mikrofon brillierte mal wieder in seiner Rolle und zelebrierte den Refrain. Dieser Doppelschlag war richtig groß! Bisher war auch im Publikum eher das verhaltene Mitnicken zu beobachten gewesen; Hallelujah weckte dann auf und zeigte, daß man nich nur durch den Weltraum chillen kann – es kann auch zu Kampfhandlungen kommen. Die Schlacht fand dann in “Mindless Ones” ihre Fortsetzung. Powerrock! Dabei aber nie das übergeordnete Ziel maximaler Spaceigkeit außer Acht lassend, ging es auf der Bühne zur Sache! Weiterhin stampfte man durch den Abend und nahm die Anwesenden mit. Wie bei fast allen Songs wurden mitunter orgiastisch ausufernde Soli eingebaut und hin und wieder einfach nur gejammt was das Zeug hielt.

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Zeit für nen kleinen Break. Nach den beiden Brechern kehrte man siegreich aber lädiert ins Raumdock zurück und suchte geschlossen eine intergalaktische Oben-Ohne-Bar auf, in welcher man sich mit dem einen oder anderen Pangalaktischen Donnergurgler in der Hand erst einmal vernünftig bespaßen ließ. Was dabei rauskommt, wenn man sich dabei einen okkulten Schwips einfängt und die anwesende Damenwelt mit seinen eben erlebten Heldentaten zu bezirzen sucht, das schildert der Song mit dem wohl höchsten Coolness-Faktor des ganzen Albums: “The Duke of Supernature”. Entspannt fließt er dahin, groovend und sphärisch bis ans Limit – im letzten Drittel dann ein Zwischensprint ans Limit der musikalischen Lässigkeit. Wahnsinnsnummer! Längst war Dave verschwitzt und schüttelte die nach wie vor schulterlange Mähne; was sich auch beim folgenden “End of Time” nicht wirklich ändern sollte. Das Tempo zog wieder an und man fühlte sich leicht an den hämmernden Groove von “Hallelujah” erinnert. Diesmal aber gut 8 Minuten lang. Aber auch hier wird eines nicht außer Acht gelassen: Die Spaceigkeit! Sollte ich einen Song wählen, der alles, was Last Patrol zu bieten hat auf einen Nenner bringt, dann wäre das End of Time! Die Gitarren klingen ja schon vom Album aus herrlich fuzzig, live wurde das dann nochmal aufpoliert. Rungs um einen herum nickende Köpfe, der Boden leicht erzitternd vom im Takt mitstampfenden Füßen und neben einem ein Crowdsurfer der Generation 50+. Gut, er schaffte es ungefähr 5 Meter weit bis er wieder im Publikum versackte. Bei dem jungen Mädel ein paar Minuten später halfen dann irgendwie doch deutlich mehr mit – ein Schelm wer Böses… na ihr wißt schon. Auch “End of Time” fand ein infernalisches Finale in ausgedekntem Gejamme und einem abgedrehten Soundbrei, der sich über die Anwesenden ergoß wie warmer Honig. Man war mit wehenden Föderationsfahnen auf einen überlegenen Gegner los gegangen und letztendlich in einem Lichtblitz verschwunden. Für immer? Nun, das abschließende “Stay Tuned” läßt dies einem Abspann gleich offen. Akustikgitarren tragen durch den Song und man wird aus dem Album getragen – im Unklaren darüber ob es nun vorbei ist mit den intergalaktischen Rettern. Sind sie nun verglüht, oder lediglich amtsmüde (“aint no targets to aim for man, no more mountains to climb”)? Oder sind wir dann doch nicht in einer Welt voller Vollpfosten “where every piece of dung is the next big thing” alleine gelassen? Stay tuned!!! Da kommt noch was. Sehr schöner Song, sehr schöner Abschluß des Mainset! Außerdem auch eine tolle Allegorie auf unsere heutige Gesellschaft. Bei allem Bombast, Weltraumgefuzze und den marschierenden Dampframmen von Songs hatten Monster Magnet schon immer richtig geile Low-Tempo Nummern. Es wird nur viel zu selten gewürdigt. Ich denke da nur an “Take it” oder das passiv aggressiv dahin-drohende “Little Bag of Gloom”. Wyndorf kann da seine diabolisch angehauchte Singstimme so richtig zur Geltung bringen. Langsam ja, langweilig – hell fucking NO!!!! In dieser Tradition steht “Stay Tuned”. Großes Musiktennis, das sanft und sphärisch ausblendet – in die unendlichen Weiten hinein.

So blieb man erst einmal zurück, mitgenommen von einer musikalischen Weltraumodyssee und ordnungsgemäß angestachelt fürs Encore. Klar war, daß jetzt noch ein paar Kracher aus der Bandgeschichte kommen – Klassiker eben! Nach ein paar Minuten betrat man wieder die Bühne und Meister Wyndorf brachte es mit seiner kurzen Anmoderation auf den Punkt:

“There is a time to listen to albums; and there is a time to rock! NOW is the time to rock!”

Da keine nennenswerten Widersprüche zu vernehmen waren semmelten uns die Herren ansatzlos und in bester Absicht “Twin Earth” um die Ohren. Alter, sowas erlebt man auch nur beim Magnet: Augenblicklich brodelte es um einen herum. Wie auf Kommando ging es ab, wurden Köpfe geschüttelt und Nackenmuskeln strapaziert. Da war sie wieder, diese ureigene Monster-Magnet-Konzertmagie der letzten Konzis der Herren. Unendlich dröhnende Riffs, die jede Halle zum Brodeln bringen. Auch Dave hatte die Zurückhaltung der Last-Patrol-Darbietung abgelegt. War sie da passend und unterstrich nur die Coolness des Albums, so hieß es jetzt, die Rampensau raus zu lassen – und wenn das einer kann, dann er. Dazu noch die warmen Farben der Lightshow… Weltklasse! Zumindest der vordere Teil der Halle war wie entfesselt. Das änderte sich (natürlich) auch beim grandiosen “Look to your Orb for the Warning” nicht.

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Headbangen auf Weltniveau! Boa, was waren das für geile Versionen der Songs. Da war auch verschmerzbar, daß mein geliebtes “Tractor” nicht kam – es war ein paar Tage vorher von der Setlist geflogen. Kopfnicken am Limit und dann noch die Jams – der blanke Wahnsinn. Als man dann zu “Dopes to Infinity” über ging war wohl kein Hemd mehr trocken in der Halle. Und auch das ließ einen kaum zur Ruhe kommen. 2008 war es noch der Opener gewesen und hatte damals den Auftakt zu einer Powershow geliefert, wie ich sie auch seit dem nur sehr, sehr selten wieder erlebt habe. Wieder kam das leicht Pastorale in Dave hervor, als er den Refrain anstimmte. Der Hammer! Vor dem letzten Song gönnte man uns noch eine kleine Ruhepause und Dave moderierte den mächtigen “Space Lord” an. Thematisch hätte es keinen besseren Abschluß für den ganz auf intergalaktische Themen abgestimmten Abend geben können, aber auch nicht von der Stimmung her. Der Song ist ein Erlebnis! Warum? Nun, stellt euch mal hunderte so Leute wie mich vor. Dazu noch Metaller aller Stilrichtungen, die sich bunt unters Publikum mischen. Dann stellt euch noch vor, daß es Bier gibt… für einige sogar jede Menge Bier. Und dann steht da nach 100 Minuten Energie geladenem Spacerock der kleine, schwarzhaarige, verschwitzte Mann in seiner Lederjacke vor euch, der euch in besagten 100 Minuten mit seiner Band gepflegt die Synapsen auf links gedreht hat und fordert euch auf lauthals “MOTHERFUCKER” zu rufen. Das KANN ja gar nicht schief gehen! “Space Lord” an sich ist einer dieser ausufernden Songs, die von cooler Midtemposchwingung ausgehend dann irgendwann den Nachbrenner anwerfen und gegen Ende gefühlt nur noch aus Refrain bestehen – zumindest live! Warum das wichtig ist? Nun, der Refrain lautet in etwa:

“SPACE LORD MOTHERFUCKER!”

So zirka 30 Mal; gefühlt zumindest. Jedes Mal lauter und engagierter untermalt von allen Anwesenden. Der ultimative Kick am Ende dieses großartigen Abends.

Im Fazit bin ich vollends glücklich mit dem Abend. Last Patrol als Mainset war ein richtig cooles Erlebnis. Die Platte ist live ein purer Genuß und knüpft locker an die klassischen Monster Magnet – Alben an. Daß die Massen dabei nicht so bedingungslos abgehen liegt einerseits im Album selbst  begründet, daß eben diesen lässigen, arschcoolen Flow hat; andererseits ist es halt ziemlich neues Material. Das Encore sorgte dann dafür, daß man auch als Anhänger der Klassiker auf seine Kosten kam und die brodelnde, energetische Atmosphäre eines “normalen” Monster Magnet – Konzertes geboten bekam. Durch die Komprimierung auf vier unglaublich druckvoll gespielte Songs, war das noch mal eine Spur intensiver! Was ein Abend! Bleibt nur zu hoffen, daß die Herren das mit der “Last Patrol” nicht allzu wörtlich nehmen und noch das eine oder andere Mal auf die Bühnen dieser Republik zurück kehren. Monster Magnet haben die Form der ersten Alben wieder und live diesen höllischen Drive ohnehin nie eingebüßt! 32 Tacken für so einen Abend sind nicht nur generell ein Schnäppchenpreis, für die Moneten ist so ein Konzert praktisch geschenkt!

Ich verbleibe mit einem dezenten “SPACE LORD MOTHERFUCKER”!

PS: Ein kleiner Seitenhieb auf die Konkurrenz muß noch sein. Seit 2008 haben Monster Magnet stabile T-Shirt-Preise bei gleichzeitig hoher Qualität. Ich erstand daher gleich 2 (ich konnte beim Rausgehen nicht anders und nahm mir noch ein monochromes Stück Minimalismus mit. Das Shirt für 15 Tacken – zum Vergleich: Motörhead verlangen mittlerweile 35 für nur eines der Dinger. Sehr löblich… und wer angefixt ist, kann auf dem Tourshirt nochmal seine Chancen nachlesen diese musikalische Urgewalt auch mal zu erleben:

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Dienstag, 10. September 2013

THE DUKE (OF SUPERNATURE)

(Monster Magnet)

Habe eben gesehen, daß in einem guten Monat ein neuer Spacetrip mit den Herren von Monster Magnet veröffentlicht wird. 15. Oktober Leute! Space Rock Voodoo… und zwar “big time”!!! Smiley mit geöffnetem Mund Die erste Vorab-Single, die kann auch schon so richtig was. Hört selbst, auch die, die hier vielleicht einen Uptempokracher erwarten… es wird euch überraschen:

Dieser Groooooooooove…. großartig!

Zwei Sätze von der Homepage sollten hier nicht unerwähnt bleiben. Dave selbst gab dort zum neuen Album folgendes zu Protokoll:

“The songs are a kind of Space-Noir, tales of cosmic revenge, peaking libidos, alienation and epic strangeness. It’s a weird trip through the back alleys of a dark, retro-future”

… und wer sich (oder ihn)  fragte, wie man den Sound hin bekommt, dem sei geantwortet:

“It’s full-on psychedelic space-rock with a 60’s garage feel, recorded almost exclusively with vintage guitars, amps and effects in our hometown of Red Bank, NJ.”

Klingt verdammt lecker! Meine Lieblings-Spacerocker aus den 90ern, sie können es noch! Smiley

Sonntag, 2. Dezember 2012

FREAK SHOP USA – Monster Magnet im Stadtgarten Erfurt am 01.12.2012

(Monster Magnet)

Soeben bin ich frisch zurück gekehrt von meinem verlängerten Wochenendausflug ins benachbarte Thüüüü-hühühüüüü-hühühüüüüüüüü-ringen, welcher allgemein unter dem Label “Space-Hell-Weekend 2.0” gelistet werden wird in der Zukunft. Will heißen: Nach 2010 der zweite Motörhead & Monster Magnet Doppelpack binnen 24 Stunden. Was soll ich sagen, es war mal wieder geil! Über Motörhead konntet ihr euch ja schon HIER informieren, heute geht es um den gestrigen Abend mit den Herren von Monster Magnet.

Die Kleine Schwester und ich, wir freuten uns schon auf dieses Event seit wir die Karten ergattern konnten, hatten Wyndorf und die Seinen doch angekündigt mit dieser Tour das 20jähtige Jubiläum ihres halluzinogen überladenen Hammeralbums “Spine of God” zu zelebrieren. So bestand das Mainset auch darin, daß man die Scheibe komplett durchzog und das Encore dann auf der “25 Tab” sowie der “Monster Magnet” aufbaute, ergänzt um die klassischen Kracher “Freakshop USA” und mein geliebtes “Tractor”. Setlist war also bekannt, jedoch konnten wir uns nicht auf diese psychedelische Urgewalt vorbereiten, die Monster Magnet entfesselten. Für mich war es das dritte Konzert der Herren, für die Kleine Schwester Nummer 2 – und überzeugt und begeistert hatten sie immer. Aber gestern, gestern rockten sie die ganze Sch***e auf einem derart hohen Niveau, das es mich metaphorisch gesehen umgehauen hat. Eine Setlist wie vor 20 Jahren, die sich sogar die großen Hits wie “Space Lord” oder “Powertrip” sparte und auf das ultimative Retrofeeling setzte – ein Fan – Set im besten Sinne. Auch wenn Besetzung der Band und vor allem der Drogenkonsum der Mitglieder nicht mehr mit jenem exzessiven Lebensstil der beginnenden 90er zu vergleichen sind (was auch gut so ist, denn sonst stünde vor allem Dave nicht mehr da oben), so transportierte man das Flair des Albums 1:1. Die “Spine of God” ist wenn man ehrlich ist eines dieser Alben, die Maßstäbe setzten, aber ohne die Drogenprobleme der Band absolut undenkbar gewesen wären. Das Album hört sich ungefähr so an, als ob man eine Hundertschaft Duracell-Häschen mit Atomreaktoren betreiben und sie in ein Ensemble mit 200 indischen Zeremonialmusikern einbauen würde, während eine 70s Rockband auf LSD das Ganze Orchester federführend zur Höchstleistung antreibt. Und genau so klingt das Ganze dann auch live, sogar 20 Jahre nach der Veröffentlichung. Hammer!

Wir steuerten den Ort des Geschehens, den “Stadtgarten” zu Erfurt also wieder just in Time am. Erkundeten die Venue und deckten uns am Merch-Stand ein. Ich erstand mein obligatorisches Tourshirt für schnäppchenhafte 15 Tacken und ein Tourposter. Da es für Erfurt, wie auch 2010 für Leipzig, keines gab, erwählte ich das Pösterchen für Manchester. Es war und ist ein Schmuckstück klassischer Konzertposter-Designkunst. Sehr geiler Kunstdruck! Smiley mit geöffnetem Mund Hier mal die Ausbeute des Space Hell Weekends 2.0 komplett, inklusive Motörhead-Tourshirt:

front

back

poster

Als die Jacken abgegeben waren schnappten wir uns ein Bierchen und genossen die Vorband “My Sleeping Karma”. Sie passten perfekt in den Abend und ich kann sie guten Gewissens weiter empfehlen. Reine Instrumentals, die sich herrlich entwickeln, ausufern und denen man anmerkt, daß man die Songs nicht in ein gängiges drei bis vier Minuten Konzept hinein zwängen will. Richtig gut die Jungs und auch mal einen alleinigen Konzertbesuch wert, ohne Frage. Als sie geendet hatten gaben wir die Becher zurück und chillten gemütlich nach vorne. Wir ließen uns ca 5-6 Meter vor der Bühne, halb rechts mit 1a Sicht auf die Band nieder, waren also richtig nah dran. Ein wenig warten mussten wir zwar, aber ca. 21:10 Uhr erloschen dann endlich die Lichter und Monster Magnet betraten die Bühne. Dave war sichtlich entspannt und sah – muß man ja dazu sagen nach all dem, was er in den letzten 7-8 Jahren durch hat, sehr gesund aus. Vom Drummer eingeleitet stieg man sofort in “Pill Shovel” ein und brachte sich auf Betriebstemperatur. Schon da wurde klar, welche Marschrichtung angesagt war: Old School Space Rock! Sie feierten das Album und ließen die sphärischen und dröhnenden Klänge ausufernd durch den Saal wabern. Keine Spur von zusammengekürzten, Live-Varianten der Songs oder druckvollem Gehetze durch die Stücke. Die Songs waren teilweise um mehrere Minuten länger als das auf Platte gepreßte Vorbild. Man ließ sie atmen und jammte munter drauflos, was mit der Untermalung der Lichteffekte unverzüglich zu dem führte, was man mit “Spine of God” verbindet: Dem Gefühl eines exzessiven musikalischen Rausches, einer kunterbunten Klangwelt die zwischen brummenden, ruhigen Sequenzen und der wilden Eskalation verzerrter Gitarren und brüllenden Halleffekten der Gesangsparts hin und her gerissen ist. Der Übergang zu “Medicine” war fast fließend und auch in der Folge wurde nicht übermäßig viel gelabert, was auch kontraproduktiv gewesen wäre, hätte man so den Flow des Albums und des Abends unterbrochen. Bei “Medicine”, das wuchtig und polternd durch die kleine aber sehr schmucke Venue walzte, war das Publikum bereits voll da. Begeisternd! Das großartige “Nod Scene” hatten wir vor 2 Jahren ja schon im Programm, gestern entfaltete es aber dann eine ganz eigene Dynamik. Das spricht dafür, daß das Album einfach nur eine Klasse für sich ist, denn da passte alles zusammen, baute aufeinander auf und verstärkte sich in der Wirkung gegenseitig. Wieder ein paar dieser wahnwitzigen Jams eingebaut und man driftete förmlich weiter durch den Abend, auf den nun Highlight auf Highlight folgen sollte. Nach “Nod Scene” – eher Midtempo als rockiger Brecher, trotz der teilweise verrückten Tempowechsel im Song  – verklungen war, hatte Dave sich auch in seine leicht aggro anmutende Bühnenstimmung gebracht. Man setzte mit dem fuzzigen “Black Mastermind” den musikalischen Trip fort und der Saal bebte. Man ließ den Kopf und die daran befestigten Haupthaare fleißig kreisen (ich bin immer noch brachial verspannt im Genick, das wird morgen auf Arbeit sicherlich nicht mehr so angenehm sein, ist mir jetzt aber reichlich egal Zwinkerndes Smiley ). “Black Mastermind” schlug einfach mal bombastisch ein und auch hier waren die ruhigeren Passagen in ihrer Wirkung als Spannungsaufbauer für die nächste Eskalation des Songs perfekt rüber gebracht. Was danach folgte, war so etwas wie der Ruhepol im Set. Das sphärisch abgedrehte “Zodiac Lung” schwebte leichtfüßig über den eben erlebten Auswüchsen musikalischer Urgewalt. Kleine Verschnaufpause sozusagen. Das folgende Titelstück des Albums “Spine of God” tat es ihm zu Anfang noch gleich, krachte dann aber umso mehr durch die Decke, was wiederum perfekt von der Band gespielt wurde. Man sollte hier auch die Soundqualität loben. Wenn man so ein Konzert spielen will, muß der Sound auch hervorragend sein, sonst würde alles in einem Klangbrei ertrinken, was hier nicht der Fall war. Die Lautstärke wurde ein wenig zurück geschraubt, dafür aber klare Verhältnisse geschafften, was den Abend so richtig pushte. Es folgte “Snake Dance”, was das Gaspedal wieder ordentlich durchtrat und Dave die Möglichkeit gab seine Rampensauqualitäten so richtig auszuleben wenn er sein “If satan lived in hell, then he’d be me” ins Mikrofon zischte. Auch hier wurde wieder fleißig instrumental untermauert. Wir näherten uns dem Ende des Mainsets und bevor das herrlich wabernde “Ozium” den Hauptteil wohltuend spacig abschloß, wurde noch einer meiner Lieblingssongs kredenzt: Das wunderbare “Sin’s a good man’s brother” mit seiner klaren Retrorock Narrenkappe und dem herrlich treibenden Riff. Ein Hochgenuß, dabei vor der Bühne zu stehen und die Band zu erleben. Nach Ozium verließ diese dann die Bühne und kehrte ca. 10 Minuten später wieder zurück um ihr Werk zu vollenden. Es folgten nun, als Sahnehäubchen quasi, die Essenz der EPs “25 Tab” und “Monster Magnet” in ihrer ganzen verqueren, spacigen Schönheit. “Lord 13” setzte da an, wo man im Mainset aufgehört hatte und die Jamsessions setzten sich fort, man merkte der Band an, daß sie das, was sie da taten, selber mitriß. “Murder” legte fleißig weiter nach bevor man mit “Longhair” nochmal die allgemeine Klassikerhatz krönte. Hätte mir vor ein paar Monaten jemand gesagt “Hey, du wirst “Longhair” hören!”, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Der Song suppte von der Bühne förmlich ins Publikum, alle drifteten irgendwie in ihrer eigenen Welt durch den Abend. Der Weckruf kam dann aber sofort. Mein Monster Magnet – All – Time – Favorite und Lieblingslivehammer “Tractor” wurde von Dave gewohnt genüsslich anmoderiert und kulminierte vor dem Einsetzten des Gitarrenriffs in einem kollektiv gebrüllten Refrain. Dann hämmerte uns besagter “Tractor” um die Ohren. Auch hier fand ich, daß er deutlich vom bisherigen Abend beeinflußt dargeboten wurde (oder zumindest so wirkte). Das war nicht nur das dahin gebretterte Kantholz der ersten beiden Konzerte, es war deutlich zu gedröhnter, kraftvoll aber irgendwie dennoch komplett benebelt. Herrlich, ein Erlebnis dieser Song! Das waren nochmals knapp 4 Minuten kollektives Abgehen. Leider stand nun schon der letzte Song an, der allerdings mit “Freakshop USA” wieder ein Schmankerl war. Nochmal schweres Poltern und fuzziger Gitarrensound gepaart mit Daves verzerrtem Gesang – die Audience sprang nochmal so richtig darauf an. Das war der perfekte Abschluß dieses Konzertes! Was man kaum glauben mag, ist, daß man mit dem auf den ersten Blick recht übersichtlichen 14 Song-Set, deutlich über 90 Minuten füllte – ohne daß wir das merkten. Es war wie immer viel zu früh vorbei, als ich irgendwo in der Garderobenschlange wieder ansatzweise zu mit kam. Für alle, die sich bildlich nicht so richtig was vorstellen können unter dem, was ich hier so schrieb, folgendes Foto umschreibt das Konzert und die Atmosphäre ziemlich gut, unscharf, bunt und verzerrt schön:

Verbildlichung Space Rock

Was für ein Abend! Die Tour geht noch ein wenig, wer noch unentschlossen ist: Leute, geht hin… ihr werdet es bereuen, wenn ihr es nicht tut! Monster Magnet mögen alt und mittlerweile (unverdienter Maßen) nicht mehr der große Publikumsmagnet wie in den 90ern sein, aber weiß Gott, sie sind nach wie vor eine Live – Urgewalt, die Konzerte abliefert, von denen andere Bands nicht mal zu träumen wagen! Dieser Doppelschlag “Motörhead” / “Monster Magnet” hat dieses Jahr wieder gehalten, was wir uns von ihm versprochen haben. Ein geniales Wochenende in Erfurt war das und für mich persönlich mit dem gestrigen Abend als Highlight. Sorry Lemmy, ihr wart auch erstklassig (wie immer), aber Dave und Co. haben mich gestern einfach komplett weggebeamt! Mal sehen, wann die dritte Auflage des “Space Hell Weekends” ansteht, je eher, desto besser wenn ihr mich fragt! Smiley

Donnerstag, 29. November 2012

(And I’ll be…) SMILING LIKE A KILLER

(Motörhead)

Also der November war ja mal ein sehr schreibfauler Monat meinerseits. Das gebe ich hiermit zu. Ich habe gleichwohl keine Ahnung, warum das so war. Gut, ich hatte etwas Stress, aber soo viel mehr wie in den Monaten davor war es dann auch nicht. Die Themen, ja, die haben vielleicht ein wenig gefehlt. Ich verstehe nicht, warum man immer vom “Sommerloch” spricht und nicht vom großen “November-Nichts”. Was war denn in den letzten 29 Tagen schon los, worüber man sich ein wenig lustig machen konnte? Nüscht! Schnarchveranstaltung hier! Oder vielleicht war auch einfach nur zu wenig los, worauf ich für gewöhnlich anspringe. Die traditionellen Füller zu bringen hatte ich dann aber auch keine Lust. Veganer ärgern braucht einfach den richtigen Zeitpunkt und sich über die FPD lustig machen ist auch langsam langweilig, es liegt irgendwann auch mal unter meiner Würde mich zu Parteien zu äußern, die irgendwo bei 4% Stimmenanteil rumeiern und sich trotzdem noch fleißig selber demontieren. Nicht mal dieser lächerliche Auftritt vom Rösler heute früh im MoMa hat bei mir irgend eine Reaktion hervor gerufen… nicht mal einen despektierlichen Tweet konnte er mir entlocken. Man winkt mittlerweile ja nur noch ab wenn einer dieser politisch Schiffbrüchigen sich vor einer beliebigen Kamera selbst blamiert. Die brauchen gar keinen anderen mehr um sich unmöglich zu machen. So auch der Fips heute früh, der bei sinkenden Strompreisen an den Märkten versucht hat die aktuellen Preiserhöhungen damit zu rechtfertigen, daß es ja praktisch dann irgendwie billiger wird mit dem ganzen Ökostrom und man nur temporär ein weeeeeeenig Umlage abzudrücken hat, damit die armen, armen Großkonzerne weiter ihren Konsumschrott produzieren können. Langsam glaube ich, die suchen in ihren Fraktionssitzungen die ganze Zeit den mentalen “AUS”-Schalter beim Sitznachbarn und nahezu jeder würd dabei auch noch fündig.

Ups, jetzt habe ich es doch schon wieder getan. Na egal. Eigentlich wollte ich nur den Dezember einläuten. “Spoilern” wie man so schön sagt. Denn der wird mal so richtig knorke! Da kommen dann die wahrhaft großen Themen auf die Agenda, das könnt ihr aber mal glauben, Leute! Allem voran erwarte ich natürlich, daß die mediale Auseinandersetzung mit dem

Weltuntergang

endlich mal Fahrt aufnimmt! Was’n los, liebe BILD? Da geht der ganze Planet in die Binsen und ihr habt noch keine schneidige Panik-Headline gebracht um die Unterschicht in Hysterie zu versetzen?! Ich denke da jetzt nicht an so etwas wie “Exorbitante pyroklastische Ströme mitten aus der liquiden Kernsphäre unseres Planeten durchbrechen seine Kruste an multikontinentalen Locations und annihilieren Flora und Fauna – Adieu”, nein, das muss ja bei eurem Käuferpöbel ankommen, muß geistig auch auf dem entsprechenden Häppchen-Niveau formuliert werden; so etwas wie “Todespanik zum Weltuntergang! Ist am 21.12.12 alles im Arsch!?” oder “HIER geht die Welt unter (mit exklusivvideo!!!!) – Mehr übermorgen in der BAMS”. So was richtig Bescheuertes eben. Aber nö, das haben diese Schmierfinken noch nicht hin bekommen – eigentlich komisch. Aber wie auch immer, der Weltuntergang wird hier in den nächsten Tagen sicherlich ein Röllchen spielen.

Außerdem Weihnachten. An Weihnachten werden wir schließlich auf das Jahr (und natürlich auch auf den

Weltuntergang 

) zurück blicken und uns bei lecker Linsen und Bratwurst oder wahlweise auch Gänsebraten eingestehen müssen, daß es dann doch irgendwie nicht ganz so schlimm war. (Wenn die Welt dann doch untergeht, kann ich mit diesem Irrtum im Übrigen sehr gut weiter leben… so im übertragenen Sinne dann natürlich). Außerdem – und das ist dann vor allem mein Part – wird natürlich das eine Rolle spielen, was sich morgen und übermorgen abspielen wird, sofern ich mit meiner Schwester bei dem Wetter die Reise nach Erfurt aufnehmen kann, was ich sehr, sehr, SEHR hoffe. Die Rede ist natürlich vom

SPACE HELL WEEKEND 2.0

Treue Freunde, Leser und Lebensbegleit(schutz)persöninnen werden sich erinnern: Das gab es schon mal. Damals, im Jahr 2010 feierten wir das Space Hell Weekend (1). Was damals undenkbar war, ist nun eingetreten: Es gibt eine Neuauflage. Zunächst geht es morgen zum jährlichen Audienzbesuch bei Lemmy und seinen Mannen von Motörhead! Dazu kommt, daß es noch ein Jubiläum ist (quasi) Auf den Tag genau 5 Jahre nachdem wir die Herren das erste Mal sahen, sehen wir sie zum fünften und Lemmy zum sechsten Mal. Und so ein Jubiläum feiert man nicht irgendwo, nein, das feiert man in der selben Location wie damals: Der Thüringenhalle. Jener zugequalmter Turnhallengroßbunker mit der 100 Meter Kloschlange vor dem Herrenscheißhaus, der vor 5 Jahren so perfekt zum Konzert und zur Band passte. Wehe, die haben das Ding mittlerweile renoviert… aber wahrscheinlich semmelt Lemmys Geknurre bei 140+x Dezibel den Putz ohnehin wieder von den Wänden. Sobald die ersten Töne erklingen wird sich bei mir der Blogtitel im Gesicht materialisieren… denn so macht man das nun einmal auf Motörhead-Konzerten.

Am darauf folgenden Sonnabend geht es dann schon wieder nach Erfurt (Pendeln lohnt sich, die Kleine Schwester wohnt quasi “umme Ecke”), wo dann wiederum Dave “ich hatte sie alle – und spreche dabei nicht nur von Drogen” Wyndorf und Monster Magnet auf uns warten. Mein drittes Aufeinandertreffen mit “The Magnet” und es wird wieder ein fest werden wie ich hoffe! Außerdem spekuliere ich wieder auf billiges Merch und mit ein wenig Glück auch wieder so ein großartiges, limitiertes, signiertes und nummeriertes Tourpösterchen wie vor 2 Jahren. Für 10 Euronen lasse ich so etwas hier garantiert nicht liegen:

Magnet

So… die Fronten sind also geklärt? Gut, dann kann er ja kommen, der Dezember. Ach ja, etwas noch: Alle, die die Verbindung von Rockkonzerten zum

Weltuntergang

nur schwer nachvollziehen können, seien an folgendes Zitat vom wahrscheinlich einzig überlebenden der anstehenden Apokalypse erinnert. Bei Markus Lanz lieferte Lemmy nach einem von Lanz bemerkenswert langweilig geführten Interview an die Adresse seines Sitznachbarn und damals noch amtierenden Umweltministers Nobby “don’t call me Röntgen” Röttgen gerichtet folgenden Knallersatz ab:

“Du solltest mal zu einem unserer Konzerte kommen, da kannst Du noch ne Menge lernen über… Atomkraft” Zwinkerndes Smiley

Mittwoch, 15. Dezember 2010

JUST 'COS YOU GOT THE TRACTOR - Motörhead, 10.12.10 Chemnitz & Monster Magnet, 11.12.10 Dresden

(MotörMagnet)

Zur Eröffnung des neuen Bloggs gleich mal ein wahres Schmankerl! Min Konzertbericht vom:

Space Hell Weekend! 10.12.2010 & 11.12.2010

Lange war es ruhig an der Konzertfront. Seit dem verregneten Freitagsausflug aufs Schlösschen Augustusburg zu Max Raabe und seinem Palastorchester (ups… merke gerade, daß ich da die Chronistenpflicht vernachlässigte… es sei mir verziehen), war Sense mit Live-Musik. Das lag zum Einen daran, daß sich einfach nix Annehmbares mehr in meine Nähe getraute, zum Anderen war es der Rest schlicht und ergreifend nicht wert, die jeweilige Anreise zu unternehmen. Aber Zum Jahressende wurde das alles wieder anders, ja, es wurde besser. Nun war mir das schon seit Mai bekannt, entsprechend umfangreich fiel die Vorfreude aus. Nach der absolut unangemessenen Durststrecke folgte also noch das letzte, große „Hooray“ des Jahres. Oder besser: Es folgt noch. Denn neben dem Ereignis, von welchem euch diese bescheidene Chronik berichten soll, steht für Freitag noch der endgültige musikalische Jahresabschluß mit „Selig“ in Dresden an. Unterm Strich macht das dann 3 hochkarätige Konzis in nur 7 Tagen. Gibt Schlimmeres; aber nun lasset uns chronologisch beginnen, denn in diesem Blog wird dem Betzebub’ persönlich der Hornschoner von der Rübe gerockt beim offiziellen:

Space-Hell-Weekend 2010!!!!!!

Vorm Aufbruch zu Monster *fucking* Magnet!!!!


Motörhead am 10.12.2010 in der Arena Chemnitz

Los ging es am Freitag, dem 10.12.2010. Eigentlich ist es in den letzten Jahren schon zu so einer kleinen Tradition geworden, daß meine Schwester und ich uns zum Jahresausklang in eine Konzertlocation im näheren Umfeld begeben und Lemmy nebst seinen Schergen huldigen. „Motörhead“ – LIVE ist und bleibt nun mal eine Institution. Also wurden auch für dieses Jahr bereits im Frühling die Karten geordert und hingen seit dem fröhlich an meiner MAGNET-Pinwand (wird noch wichtig). Meine Schwester reiste bereits am Vortag an und so konnten wir das finster-spacige Metal-Wochenende stilecht mit nem gemeinsamen Bierchen am Donnerstag einleiten.
Am Freitag selbst zählten wir dann die Stunden runter, bis es endlich ans Überstreifen der Bandshirts, Lederwesten und Dog-Tags ging um dem Lemmy auch in angemessener Bekleidung entgegen zu treten. Als wir so die verschneite Neefe-Straße entlang schlenderten wunderten wir uns nur über die relativ geringe Fan-Dichte auf dem Weg zur Arena. Wie auch letztes Jahr liefen wir gemütlich so los, daß wir pünktlich zum Beginn der Veranstaltung vor Ort waren, daß wir dabei wiederholt die erste Vorband verpassten, war leicht zu verschmerzen. Vor der Venue hieß es erstmal wieder Schlange stehen. Umgeben von der typischen Mixtur der Spätanreisenden (Altrocker, Familienväter mit Teeny-Anhang, unauffällige „Mathematiker-Typen“ mit einem dunklen Geheimnis) gings gewohnt ruhig und unkompliziert in die Halle. Dort angekommen gaben wir die Jacken bei den in feinste Messe-Uniformen gekleideten Garderobendamen ab und widmeten uns dem Merch-Stand. An diesem wurde, analog zu 2009, ein Tourshirt erstanden, welchen alsbald in den Untiefen meiner Hosentaschen verschwand um schleunigst die Versorgungslage zu klären. Diese war, arenatypisch, recht gut. Man war quasi umzingelt von Bierständen und konnte selbst vom Rückweg von der Toilette sofort neuen Gerstensaft mitbringen. Alles im Lot also. Verwundert war ich nur etwas über die abgeteilte Halle. Etwa zwei Drittel der Halle waren mit einem massiven Vorhang abgeteilt, wo letztes Jahr noch die komplette Bude gerockt werden konnte. Scheinbar sinkt die Besucherzahl umgekehrt proportional zur Qualität der Vorbands. Denn wo man 2009 noch „der W“ ertragen musste, bekam man dieses Jahr als zweiten und somit „Haupt“-Opener Doro nebst Band und somit eine Institution in Sachen klassischer Metal geboten. Zwar war Doro noch nie so wirklich mein Fall, aber als Vorband wird sie trotzdem gerne mitgenommen. Außerdem war mit dem Judas Priest – Cover (inklusive Motörhead Phil als Gastklampfist) auch ein schnelles, brachiales Highlight geboten bevor die Vor-Vorstellung beendet wurde. Traditionell gings danach nochmals auf eine kleine Erkundungsrunde durch die Arena, während Lemmys HiWis fleißig am Bühnenaufbau werkelten und den Instrumenten den letzten Schliff verliehen. Mit frischem Gerstensaft bewaffnet suchten wir uns wieder ein angemessenes Plätzchen und harrten der Dinge, die da kommen mochten. Als dann aber endlich das Licht erlosch, war das Bier schon wieder halb leer. Gewohnt stoisch latschten Motörhead auf die Bühne, angeführt vom mittlerweile fast 65jährigen Rockgott mit Backenbart, der sein Fußvolk wohlwollend unter seinem Hut hervorlunsend betrachtete. Als das Instrumentarium besetzt und die Startpositionen eingenommen waren, grunzte er die legendären Worte „We are Motörhead! And we play Rock’n Roll!“ ins Mikro, bevor sich ein „We are Motörhead“ quasi selbst entfesselte. Schöner, treibender Einstieg in den Abend, gefolgt vom schwer in den Saal polternten „Stay Clean“, was gleich mal sämtliche Zweifel an der Spielfreude der Jungs ausschaltete. Alleine der fast schon geröhrte Refrain ließ einen begeistert mit dem Bierbecher durch die trotz Rauchverbot bereits blassblaue Luft wedeln. Sehr schön! Die ersten reihe hatten sichtlich ihren Spaß, was sich bei „Get Back in Line“ leider etwas abschwächte. Großartiger Song, allerdings noch recht unbekannt, da erst am Tag des Konzerts selbst veröffentlicht. Ich wage mal die Prognose, daß das Ding in ein paar Jahren zur Live-Bombe gereift sein wird, ähnlich wie das später noch folgende „Rock out“.
Nach so viel Innovationsfreude seitens der Band, wurde erstmal traditionell gegengesteuert, man will ja auch nicht übertreiben. Und mit einer großartigen Version von „Metropolis“ und dem direkt anschließenden „Over the Top“ wurde den Traditionalisten noch mal ordentlich Zucker gegeben. Nach diesen beiden Krachern war das eigentlich gute „One Night Stand“ trotzdem nur eine Überleitung zum extrem rotzig hingebretterten „Rock out“ „…with your cock out“ wie Lemmy pflichtbewusst hinzu fügte. Wow, was für ein Kracher! Das Teil ging richtig nach vorne und leitete anschließend in Phils Gitarren-Solo über, bevor „In the Thosand Names of God“ nahtlos am hohen Niveau des bisherigen Abends ansetzte. Motörhead waren laut, verdammt laut sogar… aber sie waren auch gut drauf und die Akustik war für Arena-Verhältnisse wirklich großartig. Außerdem schwappte die Stimmung mal wieder über. Im Vergleich zum letzten Jahr, an sich war das auch ein großartiger Abend, war das noch eine Nummer besser wenn ihr mich fragt. So konnte auch das zweite neue Stück, das nach „I Got Mine“ gebracht wurde und auf den malerischen Namen „I know how to die“ hört, die einmal angeheizte Stimmung nicht nennenswert abebben lassen. Schon recht nicht, wenn „The Chase is better than the Catch“ und das wiedermal genial gespielte „In the Name of Tragedy“ hinterher geschossen werden. Gerade der zweite Song kickte die ganze Veranstaltung noch mal nach vorne. Das eingebaute Drum-Solo von Mickey Dee war wiedermal unglaublich. Wo dieser Knilch die Power hernimmt mitten im Konzert noch mal so eine Irrwisch-Performance an der Schießbude hinzulegen… unglaublich. Mit „Pause“ war ja auch Essig, nicht nur, daß es nach dem Solo direkt wieder rein ging in den Song, danach galt es ja auch noch „Just ‚cos you got the Power“ zu überstehen. Was selbstredend gelang. Was danach folgte, war dann einer meiner persönlichen Highlight-Songs. „Going to Brazil“ rockte die Hütte mal wieder ordentlich. Noch eine Spur schmutziger gespielt als letztes Jahr hatte ich den Eindruck.
Leider neigte sich das Mainset dem Ende zu, aber mit „Killed by Death“ wurde noch mal aufgedreht, bevor die Bandhymne „Ace of Spades“ durch die Halle bretterte. Beeindruckend, wenn man diese drei alten Herren, allen voran Lemmy, da vorne stehen und diesen Song schmettern sieht. Klar, jeder kennt das Lied und vielen Die-Hard-Fans geht das Teil gelinde gesagt auf den sack, aber meiner Meinung nach gehört der Stück auf ein Motörhead-Konzert, alleine, weil es schlicht ein toller Song ist. Jedenfalls beendeten Lemmy und Co so das Mainset. Die Encore-Break fiel wieder enorm kurz aus, bevor die Herren mit Doro die Bühne wieder betraten und im quasi Duett das großmächtige „Born to raise Hell“ performten. Schönes Duett und würdiger Einstieg ins Encore. Mit persönlich gefiel die Version damals in Erfurt zwar noch eine Spur besser als diese mit Doro, ist aber wohl Geschmackssache. Jedenfalls ein großartiges Lied. Zum Rausschmeißer geriet dann einmal mehr „Overkill“, natürlich das eine oder andere Mal hinaus gezögert bevor das finale Geschredde die Anwesenden aus dem Saal begleitete. Jedenfalls genoß man noch mal die letzten Takte und den Anblick von Lemmy vorne auf der Bühne, die Legende zieht weiter. Schade. Aber sie kommt ja hoffentlich bald wieder. In den letzten Jahren konnte man seine Uhr danach stellen, daß Motörhead irgendwann im Dezember hier in der Nähe auftauchen würden. Mit ein wenig Glück gibt’s nächstes Jahr schon ein Wiedersehen… ich werde da sein, meine Schwester wohl auch. Motörhead haben einfach eine derartige Live-Präsenz, daß man gar nicht anders kann als sich auf das nächste Konzert zu freuen; vom Legendenstatus ganz zu schweigen. Wenn ich mich an Erfurt 2007 zurück erinnere, muß ich schmunzeln. Damals gings in die Thüringenhalle (eine Location, wie gebaut für Motörhead) und meine Schwester und ich gingen zum Konzert „um die mal gesehen zu haben“ (vgl. „Legendenstatus“), als das aber musikalisch einfach nur großartig wurde, dazu noch das bis dato chilligste Konzert unserer „Laufbahn“ (ja, stimmt wirklich) und obendrein noch mit einem grandiosen Freak-Faktor verbunden war, wurde jede neue Tourankündigung seither mit einem dezenten Kartenkauf unsererseits beantwortet. Jede? Moment, nein… eine nicht. Die Tour im Herbst 2008 nehme ich mal aus, was aber damit zusammen hängt, daß ich da eine andere der großen „M“-Bands abhaken musste. Lemmy wird es mir verzeihen. Und wie der Zufall so spielt, besuchten wir eben jene nur einen Tag nach Monster Magnet im gar nicht so fernen Dresden. Wir gingen zu:


Monster Magnet am 11.12.2010 in der Reithalle "Straße E" Dresden

Kaum erwacht, wurde das obligatorischen Pfeifen im Ohr, was man nach Motörhead-Konzerten nun mal hat, mit ordentlich Kaffee und Wurstbrötchen bekämpft, bevor man das Hinchillen auf den heutigen Abend startete. Dank Wii und Winamp konnten wir die Zeit recht effektiv tot schlagen bevor wir uns gegen 17 Uhr erneut in Schale warfen um die Autobahn unsicher zu machen. War gestern noch harter Rock angesagt, humorlose, dahingeknüppelte Wahrheit sozusagen, sollte es heute eine ganze Spur spaciger werden. Die Könige des drogengetränkten Space-Rock gaben sich ein Stelldichein in der Landeshauptstadt. Während ich Dave Wyndorf und Kollegen schon vor 2 Jahren in Leipzig erleben durfte, war es für meine Schwester das erste Monster-Magnet-Konzert, entsprechend aufgeregt war sie dann auch. Trotz glatter Straßen und relativer Kälte verlief die Fahrt recht gut. Pünktlich kamen wir gegen 19:15 Uhr vor der Reithalle an und schlurften die etwa 200 Meter vom Parkplatz zur Venue. Kaum angekommen wurden wir (btw: vollkommen unan- bzw. unabgetastet) entledigten wir uns unserer Jacken und suchten schnurstracks den Merch-Stand auf. Wir waren vor einem Jahr schon bei den Eagles of Death Metal hier, aber dennoch überraschte uns die Größe der Location irgendwie; hatten das etwas größer in Erinnerung. Aber gut, freie Sicht auf Meister Wyndorf, da beschwert man sich nicht. Am Merchandise-Stand angekommen krankte dieser wie auch 2008 an einer recht defizitären Planung. Das Tourshirt war zwar noch nicht ausverkauft (wie vor 2 Jahren), aber nur noch bis M bzw. L erhältlich. Die rockertypischen X-Größen gabs schlicht nicht mehr. Also wich ich auf eine neon-grün-gelb-rote LSD-Variation des „Superjudge“-Cover-Shirts aus und nach dem Ende des Konzerts ließ ich dem noch einen schon sündhaft billigen Tour-Poster Kunstdruck folgen. Überhaupt wurde das leicht eingeschränkte Angebot durch die Preise mehr als nur wieder wett gemacht. Danach gabs erstmal das obligate Konzertbier. In diesem Falle sogar ein Kösti. Danach gabs dann, PKW-bedingt, nur noch Cola… die aber auch gleich mal teurer war als der Gerstensaft. Aber gut, man muß nicht jeden Unsinn verstehen, der hier so verzapft wird; glaubt mir, ich weiß wovon ich rede! Wir durchschritten die Halle also, hingen ein wenig unmotiviert in der Gegend herum und warteten auf den Startschuß für die Vorband. Zwischendurch machte ich den Fehler, mich ordnungsgemäß zum Rauchen vor die Tür zu begeben. Das Ergebnis war, daß ich ohne Jacke im Eisregen stand und ordentlich durchgeweicht (ABER: es lebe die Lederweste) wieder in die Halle kam. Mit Konzertbeginn hatte sich das Rauchverbot und somit auch mein Problem ohnehin erledigt. Kurz darauf identifizierten wir noch die lamapflegende Lokalprominenz (btw: Grüße an Horst! ;-) ) als sie an und vorbei schritt, bevor endlich die Vorband die Bühne betrat. Diese Funktion sollten „Seventh Void“ übernehmen. Bestehend aus 2 Ex-Mitgliedern von Type-O-Negative und ein wenig musikalischem Füllmaterial. Ich fand die jetzt ganz OK, aber sonderlich erwähnenswert war das ganze dann auch wieder nicht aus meiner Perspektive. Da waren „This City“ und „Sweethead“ letztes Jahr an dieser Stelle schon ganz andere Kaliber. Außerdem erwartet man irgendwie mehr, wenn man hört, daß da Jungs von Type-O mitspielen. Meine Schwester fasste die Stärken der Band recht prägnant in einem Satz zusammen: „Der Drummer war gut!“ Dem ist nichts hinzu zu fügen. Na gut, außer noch einer kleinen Message an den Sänger: Ein „Chris Cornell der frühen 90er-Style“ sieht nur an EINEM gut aus… an einem Chris Cornell der frühen 90er. Da kann man noch so viele „Jesus Christ Poses“ zelebrieren, das wirkt irgendwie pamplig. Aber gut, die Kerle waren nach 45 Minuten überstanden und daß sie nach ihrem Auftritt direkt an uns vorbei latschten, fiel meiner Schwester schon gar nicht mehr auf… Verdrängungsmechanismen in Aktion.
Die Wartezeit bis zu Monster Magnet vertrieben wir uns wieder mit einem kleinen Rundgang und inspizierten dabei die am Mischpult aushängende Setlist (welche mir vorab ohnehin bekannt war, aber man überzeugt sich dann doch lieber nochmals persönlich). Irgendwann gingen dann endlich die Lichtlein aus und Dave und seine Mannen kamen auf die Bühne geschlurft. Was mir im Vergleich zu 2008 sofort auffiel, war der wesentlich ausgeglichenere Eindruck, den der Herr Wyndorf da machte. Kam er damals noch lange nach seinen Bandkollegen wie ein kleiner, runder Aggro-Flummi auf die Bühne gehuppt um sich unglaublich geladen das Mikro zu krallen (heißt nicht, daß das schlecht war. Das gab dem Ganzen damals nen ganz besonderen Drive, besonders, da ich ziemlcih weit vorne stand) kam er jetzt gemütlich auf die Bühne spaziert, schnappte sich die Klampfe und schreddete erstmal ein Weilchen mit seinen Kollegen herum, bevor mal ins zum Opener erwählte „Nod Scene“ einstieg. So trieb man auf der batikbunten Wolke eines psychedelischen Ausnahmetrips des Meisters höchst selbst förmlich in das Konzert hinein. Kein schneller, krachender Einstieg, eher ein angemessen chilliger Opener, der aber von Zeit zu Zeit an Groove und Tempo zulegt. Einer der ganz großen Songs der Band. Meiner Meinung nach auch ein toller Opener, zumal er ja die Basis legt, im Anschluß die Regler hochzuschrauben und den Fuß mit aller Wucht auf das Gaspedal zu hämmern um die PS-strotzende Bestie, die so ein Monster Magnet Konzertabend nun einmal darstellt, so richtig auf Touren zu bringen. Genau das geschah dann auch. War zu Tourbeginn noch „Mastermind“ auf den Setlists zu finden, wurde dieses Manko Gott sei dank schnell behoben und mein absoluter Lieblingssong wieder ins Live-Programm aufgenommen. „Tractor“ funktionierte an dieser Stelle des Sets einfach mal großartig und ist Live sowieso unschlagbar. Gerade zu genüsslich (und mit zunehmenden Halleffekt) säuselte Meister Dave die Textzeile „Got a knife in my back got a hole in my arm
When I'm driving the tractor on the drug farm” ins Mikro bevor der Gewittersturm aus Drums und harten Riffs losschlug. Weltklasse das Lied, die Liveversion ebenfalls ganz großes Tennis! Wenn ihr mich fragt, sollte das Ding auf den Setlists der Jungs einzementiert werden.
Der Hallu-lastige Einstieg ins Konzert wurde konsequent fortgesetzt; als dritter Song stand „Dopes to Infinity“ auf dem Programm. In Leipzig noch der Opener, zündete er auch in Dresden unverzüglich. Großartig auch, wie Wyndorf das Publikum im Griff hat ohne affektiert oder gekünstelt zu wirken. Für diesen Knilch wurde der Begriff der „Rampensau“ erdacht. Auch wenn er mittlerweile die Eskapaden weitgehend eingestellt hat, so genießt er doch sichtlich jeden Drogenbezogenen Textschnipsel seiner Frühwerke (und andere Textschnipsel gibt’s da weiß Gott nicht). Spätestens beim dritten Song hatte man sich auch an das Fehlen von Ed Mundell auf der Bühne gewöhnt, der kurz vor Tourstart ausgestiegen war, leider. Aber das war ein Einstieg nach Maß; nun wurde erstmal ordentlich vom neuen Material nachgelegt. Das folgende „Hallucinbation Bomb“ wirkt live einfach noch mal um Längen zugedröhnter als auf dem Album. Das tut dem Song sichtlich gut, eines der Lieder, deren Live-Qualitäten man auf der Albumversion nicht ansatzweise erahnen kann. Sehr geil! Auch „Dig that Hole“ zündete sofort und polterte sich seinen Weg in die Gehörgänge. So viel Groove am Stück war schon schwer zu ertragen, insbesondere für die bereits vom Vortag in Mitleidenschaft gezogene Nackenmuskulatur. Aber es gab keine Ruhepause, postwendend wurde „Medicine“ hinterher geschossen. Ein weiterer der „Klassiker“ der einen direkt zum nächsten Höhepunkt des Abends geleitete. Das sphärisch vor sich hinwabernde „Look to your Orb fort he Warning“; ein Song, der einem mal klar macht, was gemeint ist, wenn man vom „Space-Rock“ redet. Oft kopiert, aber nie erreicht! Gut sieben Minuten akustisches Kaleidoskop untermalt mit kunterbunter Bühnenbeleuchtung und fliegenden Haaren um einen herum. DAS ist Monster Magnet! Danach wurde es Zeit, die Zügel mal wieder straff anzuziehen und mit „Dinosaur Vacume“ den Ausrast-Quotienten zu erhöhen. Auf jeden fall eine große Liveversion. Ebenso wie Orb riß das Ding alles und jeden mit sich. Ein Genuß! Das anschließende „The Right Stuff“ wirkte nach all dem abgespaceten Drogengeschwurbel der letzten Songs schon wieder erstaunlich klar und strukturiert. Zielgerichtet marschiert der Song nach vorne, eine kleine Verschnaufpause eben. Hernach gabs die Hymne eines ganzen Musikstils, geprägt von Monster Magnet selbst. Während die Band die ersten Takte von „Space Lord“ anstimmte ging Dave noch mal in einer kleinen Ansprache sicher, daß wir auch ja jedes einzelne der unzähligen „Space Lord, motherfucker“’s lautstark unterstützen. Eigentlich überflüssig diese Aufforderung, aber gestenreich begleitet pushte dieses Coaching den Song noch mal nach vorne. Unschlagbar: vorne tobte die Band über die Bühne und im Saal traute sich keiner die Hände unten zu behalten und den Refrain zu verweigern. Hell Yeah, was für ein Abschluß des Mainsets! Denn das war es leider auch. Aber die Herren kamen ja zurück um uns gleich die aktuelle Single „Gods & Punks“ um die Ohren zu hauen. Ganz großes Kino der Song, getragen von Wyndorfs Comic-Vorliebe und einem unwahrscheinlichen Groove in der Melodieführung. Das anschließende „Bored with Sorcery“ war dann die logische Konsequenz dieses Songs und bereitete uns dann gleich mal auf das große Finale vor. Zwei ihrer größten Burner hatten sich die Mannen bis zum Schluß aufgehoben. Los ging es mit dem absolut energiegeladensten Song, den ich kenne; und ich kenne einige. Aber kein Künstler hat es geschafft in den letzten 20 Jahren geschafft, ein derart breitbeiniges Riff in die Landschaft zu sitzen, daß es „Crop Circle“ auch nur annähernd das Wasser reichen könnte. Das ist ein musikalisches Monster-Ego, das über die Zuhörer hinweg walzt und dabei ungeheuer an Drive gewinnt, bis sich ihm keiner aber auch KEINER im Saal entziehen kann. Ein Erlebnis
Den Rausschmeißer bildete dann der „Powertrip“, kommerziell der größte Erfolg der Jungs, aber eben auch ein unwahrscheinlich abgedrehtes Stück Musik mit einem Killer-Refrain! Nachdem die ganze Bude mit diesen Liedern noch mal ordentlich gerockt wurde, endete der Abend leider. Mal wieder viel zu zeitig wie ich noch anmerken muß.

Leider galt das nicht nur für den Abend, sondern auch für unser krasses Konzertwochenende; liebevoll „Space-Hell-Weekend“ tituliert. Zwei geniale Konzerte an zwei aufeinander folgenden Abenden. Zwei am Ende komplett unterschiedliche Konzerte, sollte man noch hinzu fügen. Dem an sich trockenen, harten „in your face“ – Rock von Motörhead folgte die mit kunterbunten Metaphern ausgeschmückte Rausch- und Klangwelt von Monster Magnet. Was dabei heraus kam war das mit Abstand coolste Konzertwochende, das ich bislang erlebt habe. Wann hat man denn schon mal die Gelegenheit, zwei lebende Legenden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in absoluter Hochform zu erleben?!? Richtig, nur selten. Dazu bedarf es dann schon eines „Space-Hell-Weekends“.

PS: Eines hätte ich ja FAST vergessen! Meine Schwester wird schon gehofft haben, daß ich den Vorband-Gitarristen vergessen habe, der nur mit einer grünen Neonsocke über dem Gemächt während der Zugaben auf die Bühne stürmte und diese durch ruckartige Stoßbewegungen auch noch ordentlich zum Baumeln brachte. Nein, liebe Schwester, diese Erinnerung erspare ich dir nicht! ;-)