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Samstag, 7. September 2013

WHISKY IN THE JAR

(Met(a)llica)

Mahlzeit! Die Twitterfraktion hat es ja schon mitbekommen: Die MsPittili und ich sind diese Woche mehr oder weniger spontan zu einem kleinen Kurztrip ans Meer aufgebrochen. Die Entscheidung fiel recht fix und ebenso schnell machten wir eine Unterkunft auf Rügen klar. Warum? Naja, wir hatten beide (MsPittili aber deutlich stärker) das Bedürfnis, ein paar Tage am Meer zu sein. Wir suchten uns höchst provokativ aber auch im Bewußtsein, daß wir da genau das bekommen, was wir wollten, das Jagdrevier vom Sagen umwobenen, kreuzgefährlichen Schienenuhu aus und fuhren nach Sellin. Natürlich durften da auch ein paar Ausflüge und eine anständige Wanderung nicht fehlen. Dazu vielleicht später mehr. Vorerst so viel: Am Anfang der Wanderung trafen wir am Parkplatz auf dieses Schild hier:

promille

Es kündete von einer Schnapsbrennerei ganz in der Nähe. Nach einer 12 Kilometerwanderung über Stock, Stein, Gebüsch, Abhang, Küste, Feld und Brombeerstrauch kamen wir rechtzeitig zur ebenfalls angekündigten Brennereibesichtigung wieder am Ausgangspunkt an. Wir nahmen noch einen kühlen Hopfentee im Biergarten der

brennerei

ein. Nun, wer mich kennt, der weiß, daß ich da vielleicht mit durch gegangen wäre, wenn es sich nur um deren Kerngeschäft gedreht hätte, nämlich Ostler. Allerdings würde ich mich dann nicht genötigt sehen, unmittelbar nach der Ankunft daheim darüber zu bloggen. Nein, die Hofbrennerei hat sich außerhalb des Obstschnapses auch dem Whisky gewidmet. Wer darüber grundlegend mehr erfahren will, dem sei DIE WEBSEITE ans Herz gelegt. Ich für meinen Teil will mich nur auf meine eigenen Eindrücke beschränken.

Zunächst einmal finde ich es großartig, daß sich auch in Deutschland Brennereien mit dem Whisky beschäftigen. Ich bin mir bewußt, daß ich vom schottischen Eiland hinsichtlich meiner Präferenzen schon ziemlich verhätschelt bin. Ich habe gar nicht erwartet, daß ich da meinen neuen Lieblingswhisky finde, aber interessant fand ich das ganze Dingen dann schon. Während wir also auf den Beginn der Führung warteten, da nahm ich bereits dies hier ins Auge:

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Man konnte also vom frischen Destillat bis hin zum 32monatigen Zwischenprodukt alles antesten… sehr schöne Idee. Ich reichte den Autoschlüssen schonmal präventiv an die Frau weiter. Zwinkerndes Smiley Die Führung startete dann und war an sich schon ziemlich interessant. Man merkte, daß man insbesondere das Whisky-Experiment schon mit einer Menge Herzblut voran trieb. Nebenbei wurden einem noch die Augen geöffnet, mit welch penetranter Gewalt der Staat zum wahren Kontrollfreak wird, wenn es darum geht die Alkoholsteuer auch aufs Milliliterchen genau zu berechnen. Die brennblase, laut Führung eine Multifunktionsblase, nahm sich in Form und Größe natürlich richtig niedlich gegen die hochspezialisierten Vorrichtungen aus, die der Schotte für sein Wässerchen so auffährt. Man kann von einer kleinen Brennerei naturgemäß auch nicht erwarten, sich extra eine spezielle Brennblase anzuschaffen, aber hier wurde ich das erste Mal leicht skeptisch. Multifunktionsblase? Kann da was Gutes dabei herum kommen? (Um es vorweg zu nehmen: Ja, es geht.)

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Der für mich eigentlich interessante Teil folgte dann aber erst im Anschluss. Nach einer kurzen Stippvisite am Obstentkerner, bei der ich mich schon deutlich intensiver mit dem praktischer Weise hinter mir gelagerten Fäßchen hier beschäftigte

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als mit dem Pflaumenquetscher aus Alu, ging es in den Keller. Ins Lager… da wo die Fäßlein wohnen und in Ruhe vor sich hin reifen dürfen.

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Da wurde auch der Whisky schnell eindringlicher und ausführlicher thematisiert. Man erfuhr so einiges über die Faßtypen, die Lagerung, die Rohstoffe und die Philosophie für die man sich entschieden hatte. Ich merkte da schnell, daß der “Pommersche Greif” wie der  Whisky heißt, nichts ist, was so in meine Geschmacksvorlieben beim Schottentrunk passt. Allerdings heißt das ja nicht, daß der Whisky schlecht ist, sondern nur, daß er es nicht bei mir in den Schrank schaffen wird. Die Strandburg füllt bereits nach drei Jahren ab, 5jährige sind schon ne “Special Edition”. Klar, so lange brennen sie noch nicht, da ist einfach kein Material da für einen 12jährigen. Aber vier, vier Jahre dürften es dann doch schon sein finde ich. Außerdem werden aus wirtschaftlichen Gründen (auch nachvollziehbar, man will und muß zu Beginn ja auch was absetzen) nagelneue Eichenfässer verwendet. “First Fill”. Klar, da ballert die Zellulose auch in drei Jahren ordentlich Geschmack ins Destillat. Zwar werden auch Sherryfässer genutzt für die Nachreifung, aber ich bin skeptisch. Wahrscheinlich dominieren die Eichenaromen dann so stark, daß man nur einen Hauch Sherryaroma mitbekommt. An sich nicht schlimm, wenn man es mag. Ich kann über den Geschmack nur insofern urteilen, als daß ich im Anschluß das 32 Monate alte Zwischenprodukt kostete. Und das, das war schon eine feine Sache. Smiley 

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Erstens schmeckte es mir wesentlich besser als erwartet! Klar, die Eiche war schon sehr dominant, aber die ehrlich gesagt befürchtete Schärfe war nur schwach wahrnehmbar und störte nicht wirklich. Wenn man ihn mit 43% abfüllt und ihm noch die 4 Monate Reifezeit spendiert bis zur Abfüllung, dann dürfte das gänzlich im angenehmen Bereich liegen. Es ist ein sehr klar definierter Whisky finde ich. Wer auf Eichenaroma steht und mir wirklich klassischen, einfachen aufgebauten Whiskys was anfangen kann, der dürfte am “Pommerschen Greif” durchaus Gefallen finden. Mir persönlich fehlt da einfach der Rauch und/oder ein kräftiges Sherry-/Port- oder auch Rumaroma. Im probierten Whisky konnte ich zumindest kein Sherryfaß heraus schmecken, ob eines dabei war – ich weiß es nicht. Rein farblich würde ich eher darauf tippen, daß in der 5jährigen Special Edition, die auch da um stand aber nicht gekostet werden konnte, ein Sherryfaß zum Nachreifen eingesetzt wurde. Aber wie gesagt: Die Eiche war der dominierende Part beim Verkosteten. Ich bin bei Whisky einfach geschmacklich in einer anderen Ecke zu Hause. Dennoch war es schon ein tolles Erlebnis muß ich sagen, alleine deshalb, weil es ein Whisky ist, den kaum einer kennt, der aus Deutschland kommt und der jährlich mit vergleichsweise niedlichen 2.100 Flaschen abgefüllt wird von denen auf Grund der Jahrgangsflaschen auch ein guter Teil ungeöffnet in Sammlerschränken verschwinden dürfte. Ein feines Getränk und wenn man der Strandburgbrennerei noch ein wenig Zeit und bis dahin auch Absatz gibt, dann glaube ich, daß die in ein paar Jahren auch ein paar für mich durchaus interessante Whiskys produzieren können. An Experimentiergeist fehlt es ihnen jedenfalls nicht, wie dieses Faß hier zeigt:

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Leider noch nicht fertig, leider auch nicht zu kosten. Zwinkerndes Smiley Aber ich wünsche dieser sehr sympathischen Brennerei auf jeden Fall alles Gute für die Zukunft. Wäre schön, wenn ausgerechnet auf Rügen dereinst ein international anerkanntes, etabliertes Tröpfchen nebst dazu gehöriger Sonderabfüllungen zu Hause wäre.

Was mich abschließend noch begeisterte war der Erfindungsreichtum. Beispielsweise wurde extra eine Belüftungsanlage installiert um Seeluft in den Keller zu pumpen um vielleicht noch ein wenig aromatischen Einfluß heraus zu preßen. Trinkt mal einen im “Holzschuppen” an der stürmischen Küste gereiften Bunnahabhain und ihr wißt, was man (freilich im kleinen Maßstab) damit bezweckt.

Tolles Erlebnis jedenfalls und jedem, der an einem Mittwoch oder Freitag in der Nähe ist, ist sei dieser Ausflug wärmstens ans Herz gelegt. Smiley

Montag, 5. August 2013

DICKES B

(Seeed)

Die MsPittili und ich, wir weilten vor einer Woche zusammen in unserer Bundeshauptstadt. (Nur zur Sicherheit: Ich meine Berlin.) Jene Metropole von Weltrang, welche sich raumgreifend und architektonisch bemerkenswert flach beidseitig das Spreeufer entlang fläzt. Verglichen mit anderen Städten, welchen man in Europa gerne mal den selben Stellenwert zuschreibt, hat Berlin allerdings ein… naja, soll man es gleich “Problem” nennen… ja, sollte man. Also: Berlin hat im Vergleich mit anderen Städten seines Kalibers ein Problem. Es ist nämlich pleite… blank… abgebrannt… mittellos… überschuldet… kurz gesagt: Balin hat keene Knete, vahstehst’de?! Das geht jetzt natürlich vielen Kommunen so, jedoch sind diese in den seltensten Fällen auch gleich noch Bundeshauptstadt und verfügen fast noch seltener über eine auch nur ansatzweise vergleichbare Kompetenzansammlung in den entsprechenden Gremien und Ausschüssen, welche die Finanzen eigentlich sanieren sollen. Wer von euch da jetzt so etwas Böses wie “Ironie” vermutet, den muss ich enttäuschen. Ich meine das ernst!

Mir kann keiner erzählen, daß es eine schlechte Idee ist, einen Flughafen zu bauen. Es ist eine gute Idee, so vom Grundsatz her. Die Schlechte Idee lag nicht beim “ob”, sie lag eher beim “wie” oder beim “von wem”. Ein Milliardengrab ist das. Allerdings ein Milliardengrab, das (ganz deutsch) überall in der Stadt und drum herum schon ordnungsgemäß ausgeschildert ist. OK, man hat jetzt diese orange Klebefolie drüber gepflastert um es durchzustreichen, aber für den unwahrscheinlichen Fall, daß der Flughafen morgen eröffnet, wäre theoretisch alles vorbereitet. Ich, als jemand der schon am 05.07.2012 von BER aus gebucht hatte und dann doch von Tegel starten mußte, kann das grundsätzlich erst einmal nur begrüßen. Denn mal ehrlich: Tegel mag ja einen gewissen Charme haben als Flughafen, aber an sich ich diese ranzige Bude aus den frühen 60ern doch hemmungslos überfordert mit dem Flugaufkommen. Das merkt man natürlich auch als Passagier. Zu allem Überfluß hat man jetzt dieses Großprojekt auch noch jemandem Unterstellt, der schon daran gescheitert ist die Deutsche Bahn auch nur halbwegs zur Pünktlichkeit zu erziehen. Ein Manageropi aus der Ü70-Abteilung soll sozusagen “retten, was noch zu retten ist”. Nur: Der Karren steckt schon derartig tief im Morast, daß selbst der angespannte Esel schon erstickt ist – also jetzt mal metaphorisch gesprochen. Da kann man eigentlich nicht mehr viel “retten”, da kann man eigentlich nur dafür sorgen, daß das Ding die Tore öffnet, bevor das Beamen marktreif wird. Nun ist es aber auch so, daß Berlin das Dingen nicht alleine stemmt. Clever wie man ist, hat man sich Brandenburg als Prügelknaben (oder deftiger: als Arschlochkind) von Anfang an mit ins Boot geholt. Das ist ein wenig so, wie mit der schwarz-gelben Koalition: Beide bauen Scheiße, öffentlich abgewatscht wird nur einer. Und es trifft immer den, dem man von vorne herein weniger zutraut, weil er irgendwie dann doch ziemlich pamplig wirkt in der Außendarstellung. Brandenburg ist quasi die FDP des Flughafenbaus. Während Wowereit den Eindruck macht, er würde einfach nur ein paar unangenehme Verzögerungen nebenher wegmoderieren, tritt Platzeck angeschlagen zurück. Die Führungsposition bei der Beaufsichtigung des Flughafens wurde auch genau im richtigen Moment “turnusmäßig” dem umrundenden Bundesland angedreht und schwupps… ist man raus. Den Rest erledigt dann das Mehdörnchen, der stolz einzelne Frachtterminals eröffnet und ohnehin eine PR-Strategie der Marke “Is’ was, Doc?!?” verfolgt. Aber das ist halt auch Berlin, Scheiße bauen und da irgendwie wieder halbwegs heil heraus kommen und breit grinsen. Berlin ist Berlin – und Berlin kann man nicht einfach finanziell gegen die Wand fahren. Im Kalten Krieg war das schon so und jetzt, da es wieder Regierungssitz ist, geht das weiter.

Da kann sich der Berliner drauf verlassen – und das weiß er auch. Ich finde das zwar nicht unbedingt richtig, aber in gewisser Weise dann doch ganz unterhaltsam. Ich muss dann nämlich immer an so Leute wie den Seehofer denken, wie der mit verbissenem Gesichtsausdruck in seinem erzkonservativen, katholischen Geberland hockt und machtlos mit ansehen muß, wie die Preußen seinen schönen Länderfinanzausgleich buchstäblich in den Sand setzen. Klar, daß der da ab und an mal aufmuckt… nur ändern kann er nix. Daß das ausgerechnet ihn, den Verkünder christlich-moralischer und konservativer Werte, freilich gleich in die Vielweiberei trieb, das ist eine dieser ironischen Fußnoten der Weltgeschichte.

Nunja, ich glaube, ihr habt verstanden worum es mir geht. Meinen Faible für die alte Heimat, in die ich mindestens ein Mal im Jahr zurück kehren muß um glücklich zu sein, den sollte ich vielleicht auch noch erwähnen. Der Objektivität halber! Nun zum Punkt dieses Postings: Jetzt stellt euch einfach mal vor, ihr seid Berlin. Stellt euch vor, ihr wärt pleite; pleite aber wichtig. Stellt euch vor, daß euer Haushaltsbudget bis etwa Juli 2078 nichts weiter hergibt als Alditoast und Plasteflaschenbier – und selbst das müßtet ihr euch noch einteilen, wenn ihr an die Zinsen denkt. Stellt euch vor, ihr habt noch weniger als gar nichts… nicht einmal Schulden habt ihr noch, so wenig habt ihr schon. Und jetzt frage ich euch: Was würdet ihr tun?

Na?

Keine Ahnung?!?

Ich sage es euch. Die Antwort ist so simpel wie verblüffend. Geht einfach mal zum Roten Rathaus in Berlin und schaut in Richtung Unter den Linden. Das sieht dann nämlich so aus:

Kräne

In solch einer existenzbedrohenden finanziellen Notlage ist und bleibt es einfach das Klügste, man baut mitten in der Stadt erst einmal ein neues Schloß!

Da wärt ihr jetzt nicht drauf gekommen, oder?! Seid ehrlich! Zwinkerndes Smiley Ich find das Projekt vollkommen ballaballa! Wir haben ja nicht einmal mehr, wie z.B. die Engländer, eine dieser herunter gewirtschafteten Hut-Ischen nebst Familienanhang, die man da in der Hausmeisterwohnung einquartieren und alle paar Wochen im pastellfarbenen Designerfummel vom Balkon winken lassen könnte. Da könnte man dann dem Touristenpack wenigstens noch die berühmten “Paarmarkfuffzich” aus der Tasche ziehen, nur damit es der faktisch komplettentmachteten Vorturnerin zujubeln darf. Aber wir haben diesen Königshausblödsinn ja Gott sei Dank überwunden. Außer Pipi-Prügelprinz und dem seltsamen Zigarrenheiner der in Hollywood reihenweise die Bitches (sorry, aber wie soll man die billigen Uschis sonst nennen?!?) wegadoptiert haben wir doch nix mehr zu bieten im blaublütigen Sektor. Und diesen zwei Figuren würde ich ganz bestimmt kein Schloß ins Zentrum der Bundeshauptstadt stellen. Ich sage mal zwei Sachen voraus: Erstens wird dieses Schloß ein einmalig hässlicher Touristenschreck werden, wenn es denn mal fertig ist irgendwann. Zweitens wird dieses tolle “Großprojekt” mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der nächste finanzielle Komplett-Flop werden, den die Hauptstadt hinlegt und aus dem man sie dann mühsam wieder nach oben bezuschussen muß!

In diesem Sinne übrigens schon mal viele Grüße nach Bayern – ich gönne es euch Cooles Smiley! *duckundweg*

Donnerstag, 3. Januar 2013

ISLAND IN THE SUN

(Weezer)

Wollte mich nur zurück melden und euch allen ein wunderschönes, gesundes neues Jahr 2013 wünschen. Da mit größeren Blogeinträgen meinerseits nicht zu rechnen ist heute gibt es von mir erst einmal ein paar Fotos von der schönen Insel Rügen. Unsere Sprünge ins kühle Nass nach der Sauna wurden selbstredend nicht dokumentiert, das müßt ihr mir einfach glauben. Zwinkerndes Smiley 

bommelgnom#

bridges burning

dark

sun

sun tree

Mittwoch, 15. August 2012

KNOW YOUR RIGHTS

(The Clash)

Es ist Sommer! Manche mögen sagen “endlich”, oder “wird auch Zeit” und andere wiederum trauen dem Frieden noch nicht und regen sich – wenns tagsüber schon an die 30 Grad ist – einfach über die 12 Grad Morgentemperatur aus. Über irgend etwas muß man sich ja echauffieren, durchgängig heiß ist nämlich auch wieder Scheiße (sorry). Was ist noch? Ach ja, Ferien. Ferien! FERIEN! Und wenn man hierzulande “Ferien” sagt, meint man meist “Urlaub”. Genauer gesagt “Familienurlaub”. Diese so genannte “schönste Zeit des Jahres” kann der “kleine Mann”  wie er sich selber nennt  (ich tue das nicht, denn ich bin einsneunzich und mir dessen ebenso wie meiner allgemeinen Großartigkeit bewußt ) dann auch wieder nicht richtig genießen. Die Frage ist nur: Will er das überhaupt, der kleine Mann mit dem bisweilen noch kleineren Geist?! Meine mutige Hypothese lautet: NEIN, AUF KEINEN FALL!

Kaum haben die Schulglocken in den meisten bedeutenden Bundesländern das Schuljahr final ausgeläutet, schon stürzt sich ein geiferndes Aufgebot von unterschichtmedial geprägten Reportern auf die bevorzugten Bettenburgen der Teutonen. Warum sie das tun, das wird uns daheim gebliebenen dann in “Beiträgen”, “Einspielern” oder so genannten “Reportagen” präsentiert. Schon alleine, daß sich das lohnt, daß die Einschaltquoten immer noch stimmen, bestätigt ja meine These. Entweder man ereifert sich nach dem Motto “bei mir wars genau so, bloß noch viel Schlimmer” oder man giftet vor dem Bildschirm gegen Abzocker, Schweinehunde und glatten Betrug im Reiseprospekt, obwohl es einen selbst gar nicht betrifft. Was da als “Enthüllungsberichte” der sprichwörtlichen “Embedded Journalists” getarnt über die Bildschirme geht, ist unterm Strich doch nichts weiter als das bewußte Drücken der liebsten Funktionstaste unseres Volkes: Des “Jammer- und Aufregmodus”. Wenn der Deutsche nicht ningeln kann, geht es ihm nicht gut. Da werden dann so genannte “Dreckecken” fotografiert, der Weg zum Strand mit der Stoppuhr handvermessen und am Frühstücksbuffet die halbwarmen Semmeln reklamiert. Ich möchte nicht Reiseleiter sein, wenn in meinem Resort ne Gruppe Deutscher einfällt, da braucht man ein dickes Fell und muß sehr gut darin sein Verständnis vorzuheucheln. Was erwarten die Leute denn von “3 Wochen Malle in zentraler Lage inkl. Begrüßungscocktail zum Hammerpreis von 259,-€”?? Fünf Sterne und einen eigenen Insulaner als Buttler, der ihnen tagein tagaus den Arsch hinterher trägt, dazu üppige Buffets mit Lachsröllchen früh und Hummerplatte am Abend? Etwa gar himmlische Ruhe zur bundesdeutsch festgelegten Ruhezeit; also daß in der spanischen Deppenschubse vor dem Fenster punkt 22 Uhr Mickey Grausig der Saft abgedreht wird, wenn er gerade irgend ein Lied über den Bummsbomber in seiner Hose “singt”?? Wer so was bucht, der sollte sich der Komposition aus Analogkäse und Formfleischschinken zum Frühstück doch bitte ebenso bewußt sein wie der nächtlich nicht abebbenden Idiotenmucke und der reihernden Mitreisenden vorm eigenen Fenster. Aber nein, das sind dann gleich “unhaltbare Zustände” von denen “im Reiseprospekt kein Wort” gestanden habe. Freunde, Hirn einschalten! Und wenn unser Mecker-Michl dann Entspannung sucht, dann ist auch noch Salzwasser im Pool und die dicken, weißbäuchigen Engländer haben die besten Liegen belegt… SKANDAL! Da muß man ja ausrasten. Gut, man könnte auch die eigenen Fehler analysieren, aber das geht dann auch zu weit. Am Ende wäre man vielleicht noch selbst Schuld. Statt dessen geht man dem Reiseveranstalter auf den Sack, weil man einige Prozente des Reisepreises zurückknausern will. Dieser ganze Kokolores macht es denen, die wirklich beschissen wurden im Urlaub dann um so schwerer sich beim Veranstalter durchzusetzen, weil der gleich wieder denkt, daß er es mit einem dieser bierbäuchigen Socken-zu-Sandalen-Kombinierer mit angeborener Mitdenkhemmung zu tun hat.

Eines der Lieblingsthemen klang schon an, der Pool! Entweder ist er (was auch gerne mal nachgemessen wird) nen halben Kubikmeter kleiner als im Prospekt, mit Meerwasser gefüllt oder – Klassiker – es gibt nicht genügend Sonnenschirme. Von Liegen ganz zu schweigen. Das ist so ein bissel wie früher im Schulbus, wo auch die Coolen immer hinten saßen und die Streberdeppen vorne beim Busfahrer. Damals mußte man auch immer darum kämpfen hinten auf die Bank zu kommen um sich nicht der Schmach der Busfahrernähe aussetzen zu müssen. Bei den Liegen werden so auch gefühlte 20% zum raren, erstrebenswerten Gut erklärt, die restlichen Pritschen mag keiner so recht haben – Arschlochliegen quasi. Was macht der Deutsche also im Urlaub – wohl gemerkt: im Urlaub – er stellt sich den Wecker! IM URLAUB!!! Das alleine ist schon verachtenswert, aber er stellt ihn auch noch auf halb 6 Uhr früh, was meiner Meinung nach dem Wahnsinn gleich kommt. Solche Leute gehören doch eingewiesen und nicht noch mit Schirmchendrinks belohnt. Dann streift er sich die Sporthose und das fleckige Unterhemd vom Vortag über, schlüpft in die Adiletten und verläßt das Hotelzimmer. Draußen geht die Sonne auf und im eben hinter sich gelassenen Ehebett erhebt sich bereits langsam der Ehedrachen aus seiner REM-Schlafhöhle und bereitet sich schon mal darauf vor seinen Gemahl nach allen Regeln der Kunst zusammen zu falten, sollte er ihr nicht den ersehnten Thron reservieren können. Während sie sich die Falten aus dem Gesicht spachtelt schiebt sich der Angetraute, das Handtuch hinter sich her schleifend, auf den Pool zu. Aus allen Ein- und Ausgängen sieht er den Feind heraus treten, optisch kaum von ihm zu unterscheiden und auch im Kopf herrschen vergleichbare, Tundra artige Zustände. Wie auf ein lautloses Startsignal, das nur Menschen mit Luft im Hirn hören können (“Resonanzraum und so” vermutet die Wissenschaft)  rammeln sie alle wie die Besessenen in Richtung Pool und werfen ihre mitgebrachten Handtücher auf die begehrten Liegen. Der Glückliche, der das Prachtexemplar direkt zwischen Beckenrand und Bar ergattert hat, wirft im Gehen noch einen verächtlichen Blick auf das Fußvolk, das sich mit den niederen Schemeln begnügen muß. Der eine oder andere nimmt noch kurz alibimäßig auf der Liege Platz und verschwindet dann wie seine Artgenossen auch wieder aufs Zimmer um noch vor 6 Uhr den Jagderfolg entweder stolz zu berichten oder ihn zu beichten und sich pflichtbewußt seine Predigt anzuhören. Dann gehts schnurstracks BILD-Zeitung kaufen und frühstücken. Denn wenn das Frühstück von 7 – 11 Uhr theoretisch möglich wäre, dann heißt das für diese Figuren: Ab dreiviertel 7 wird der Speiseraum belagert und mißmutig über jede Sekunde geknurrt, die der Kellner drüber ist mit der Öffnung der Fresskammer. Die anderen könnten einem ja die dickste Scheibe Analogkäse wegfuttern, das will man nun wirklich nicht riskieren… hmmmm, lecker, der gute Analogkäse! Danach wird der breite Arsch bis zum Abendbrot auf dem Jagdgut noch ein bisschen breiter gelegen, während sich die Epidermis farblich zunehmend in Richtung Feuerwehrauto bewegt.

Mit sowas beschäftigen sich manche Leute… ernsthaft. Dabei sehen sie vom Kleidungsstil her aus wie ne Mischung aus Sonderschulabbrecher und einem bestenfalls durchschnittlich attraktiven Platzwart aus Gelsenkirchen Buer. Und wehe es wagt sich jemand diesen auf die Liege geworfenen Lumpen zu entfernen, jemand der… sagen wir es offen: ausgeschlafen hat. Dann bricht aber die Hölle los. Und genau DA setzen die Fernsehsendungen an. Da werden jedes Jahr auf allen Sendern so wichtige Dinge hinterfragt wie “habe ich ein Recht auf meine mit dem Handtuch besetzte Liege?”. Ob das sonderlich clever ist, was die da machen, das steht nicht zur Debatte, sondern nur, ob man denn ein Recht hat. Natürlich gibt es dafür auch eine Antwort, und auch einen schmucken Winkeladvokaten, der auf einem strahlend weißen Paragraphen daher geritten kommt und diesen dem Publikum ins Notizhelft diktiert. Immer! Den gibt es IMMER! Wie so oft im Recht, stellt sich da nicht die Sinnfrage. Es will nämlich keiner wissen, ob es eine sonderlich gute Idee ist, im Urlaub früher aufzustehen als an normalen Werktagen. Auch fragt keiner genauer nach, ob diese handtuchwerfenden Figuren nicht vielleicht doch fundamental einen an der Klatsche haben, wie man als objektiver Beobachter anzunehmen geneigt ist. Noch nicht einmal die Sinnhaftigkeit des täglichen Bratens am Hotelpool in einem fremden Land wird hinterfragt. Nö, warum auch. Da wird nur nach einer juristischen Legitimation für blanke Dummheit gesucht. Das Unterschichtenfernsehen, das verpackt diese Begründung dann nur noch in möglichst idiotensichere Hauptsätze und präsentiert sie den Zurückgebliebenen und den zurück Gebliebenen.

Was bin ich froh, daß ich diese Probleme nicht habe und auch im Urlaub eher den Drang habe was zu erleben oder zu sehen – bei dem Programm, was die sich selber auferlegen, da kommt man doch kaum zum Erholen. (Sich drüber lustig machen ist ohnehin tausend Mal unterhaltsamer als sich über jeden Scheiß zu echauffieren. Zwinkerndes Smiley )