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Dienstag, 8. Juli 2014

LET ME SLEEP (it’s Christmas-Time)–Pearl Jam im Stadio Nereo Rocco zu Triest am 22.06.2014

 

Triest

Wir kommen nun, wie bereits angedroht, zum zweiten Teil unserer musikalischen Reise durch Stiefelstan.

Es gibt so Flecken auf dieser Erde, auf die ist man irgendwie nicht so recht vorbereitet. Einige von euch werden das kennen: Man reist relativ erwartungsarm irgendwo an und steht schon nach wenigen Minuten am Zielort ziemlich beeindruckt in der Gegend herum und sagt: “Mann! Ist das schön hier!” und will gar nicht wieder weg bzw. wünscht sich, man könne deutlich länger bleiben. Triest zählt definitiv zu diesen Orten. Näheres zur wunderschönen Stadt dann demnächst im entsprechenden Posting. Allerdings mußte ich das hier einfach kurz erwähnen. Pearl Jam – und das ist auch so etwas Großartiges an dieser Band – geben einem hin und wieder eine “Entschuldigung” dafür an Orte zu reisen, an die man ohne sie nicht gekommen wäre. Ohne das Konzert, wer weiß, ob ich es jemals nach Triest geschafft hätte. Wahrscheinlich eher nicht. Nun, da ich aber weiß, daß es dieses Schmuckstück an der Adria gibt… finde ich irgendwann hoffentlich mal wieder meinen Weg dorthin zurück.

Die Kleine Schwester und ich verbrachten also nach unserer Anreise einen enorm entspannten Tag in Triest. Die Stadt war bevölkert von Jamheads, was auch die Einwohner recht amüsiert und zum Teil auch beeindruckt zur Kenntnis nahmen (“And all you guys are here for the concert???”). Ach ja, da fällt mir ein: Man sprach auch Englisch da – in Italien fällt sowas auf. Jedenfalls genehmigten wir uns noch ein Bierchen im Straßencafé und folgten dann dem via SMS erhaltenen Tipp von N. zu einem mordsleckeren Eisstand (die Kleine Schwester und ich hatten da so nen Gelato-Deal: Sie spielt Reiseführer und ich muß ich Eiscreme ausgeben im Gegenzug… so viel sie will). So gestärkt schwangen wir uns in den Linienbus zum Stadio Nereo Rocco. Das dortige Calciao-Theater sollte die Bühne für das zweite Konzert unserer Reise werden. Natürlich ist es in keinster Weise mit dem San Siro in Mailand zu vergleichen. Alleine die Anzahl der Anwesenden halbierte sich. Auch von der Optik her ist der Fußballtempel in Mailand einfach in einer anderen Liga. Allerdings kann man das Nereo Rocco jetzt nicht unbedingt als häßlich beschreiben. Es hat schon seinen eigenen Charme. Wir sprangen also nach einer knappen halben Stunde im überfüllten Gefährt erleichtert aus dem Bus und fanden uns, während wir unsere Gliedmaßen streckten, in einer Masse von gemütlich gen Eingang trabenden Pearl Jam Fans wieder. Wie auch in Milano hatte man Unmengen von Fressalienständen aufgefahren, welche im Vorfeld auch ausgiebig genutzt wurden. Das hatte was von einem Jahrmarkt. Wir jedoch ließen diese Kalorienkanonen links liegen und liefen zum Stadion. Dort erwartete uns etwas, mit dem man in Italien so nicht rechnen kann: Ein Plan!

plan

Diesen hatte man tatsächlich alle paar Meter an Wände und Pfeiler geklebt, sodaß jeder recht schnell seinen Eingang zu finden vermochte. Gut, wir irrten trotzdem ein wenig herum, fanden dann aber dennoch im ersten Versuch das richtige Gate und fanden Einlaß. Zu erwähnen wäre vielleicht noch, daß man tatsächlich Wasser mit hinein nehmen durfte. Das ist im Sommer, noch dazu im italienischen, natürlich Gold wert. Da könnte sich die eine oder andere Location in Deutschland mal ein Scheibchen abschneiden. Wir steuerten den Merch-Stand an (wieder diese mißmutige Verkäuferin wie in Mailand – aber diesmal hab ich ihren Kollegen erwischt, Glück gehabt) und versorgten uns erst einmal mit Shirt und Poster. Für das Wunschshirt der Kleinen Schwester mußten wir noch den Nachbarstand anlaufen, da es am ersten bereits ausverkauft war. Natürlich wurde auch mein Pearl-Jam-Tour-Hut entsprechend aufgerüstet.

hat

Wir suchten noch die erstaunlich sauberen (wir reden hier von einem Stadion…) sanitären Einrichtungen auf und erklommen dann die Tribüne.

Hier ist jetzt ein kleiner Break angesagt, denn es folgte ein mittelschwerer Schock! Wir hatten ja wieder seitlich zur Bühne gebucht, eine Taktik, die sich (wenn man denn schon sitzen muß) in Rotterdam und Stockholm wunderbar bewährt hatte. Jeweils 1a Blick auf die Bühne, relativ nah an der Band und auch der Sound war jeweils Bombe. In Triest aber, da sah das Ganze ein wenig anders aus. Ich habe keinen blassen Schimmer, warum die Italiener diesen seitlichsten Block überhaupt verkauft haben – gut, außer vielleicht Profitgier. Wir sahen die seitlich an der Bühne angebrachten Bildschirme sehr gut… im Profil! Erst als ich mich von unserem Platz entfernte um mal die Seitentribüne abzuschreiten, da merkte ich, daß auf diesen die WM lief. Belgien gegen Irgendwen… Belgien gewann. Wir hätten von der Band auf diesen Plätzen nichts gesehen – ich wiederhole: NICHTS! Einzige Ausnahme vielleicht, wenn Mikey oder Eddie wieder auf die Seitenausleger wandern. Aber ansonsten: NICHTS! Das fanden wir erst einmal nicht so bombig, aber blieben – ganz Deutsche – erst einmal ordnungsgemäß auf den Dingern sitzen. Wir entschlossen uns jedoch recht schnell einen Platzwechsel vor zu nehmen. Wäre ja schon nett gewesen, die Band zu Gesicht zu bekommen. So liefen wir einfach bis ans Geländer hinter der Sitzplätzen und postierten uns dann dort recht mittig. Das, was ja auch so ein wenig beabsichtigt war mit den Karten, nämlich mal dem ganzen Stadion beim Rocken zu zu sehen, ging von dort dann auch super. Ein zum Teil atemberaubender Anblick war das. Und: Wir sahen die Band! Die Zeit bis zum Startschuß quatschten wir mit ein paar wildfremden Leuten und tranken ein Bierchen unterm Hallendach. Man kann auch sagen, daß wir es uns ein wenig gut gehen ließen. Zwischendrin erwischte ich mich schon dabei, wie ich die Aufmerksamkeitsspanne der Ordner an den Abgängen zum Innenraum abcheckte… aber die waren zu professionell, da ging nix. Smiley mit herausgestreckter Zunge 

nereo rocco

Das Stadion füllte sich so langsam. Auch wenn es offiziell nicht “Sold Out” war, habe ich im Grunde genommen am Ende keine freien Plätze mehr gesehen. Inzwischen hatten sich einige weitere “Randfiguren” der Sitzordnung zu uns gesellt und es entwickelte sich eine recht amüsante Stimmung hoch oben im Stadion. Wieder einmal hatte man es mit abertausenden von Leuten (Angaben so um die 33.000 laut Lokalpresse, also ziemlich genau halb so groß wie Mailand) zu tun, die sich alle auf ein Konzert freuten und eine unglaublich positive Stimmung rein brachten. Im Gegensatz zum San Siro (was aber auch der Niederlage der Italiener vor der Konzert dort geschuldet sein mag), waberten sogar ein halbes Dutzend La-Olas durch das Stadion. Es wurde langsam dunkler – es wurde langsam später… und es wurde spannender.

Bevor wir nun in das Konzert an sich einsteigen, sei noch erwähnt, was den Abend ein wenig trübte: Der Sound. Ich habe keine Lust im Bericht selbst immer wieder darauf ein zu gehen, also vorab nur ein Mal. Gerade bei den harten Rockern war er streckenweise recht matschig. Es war nicht so schlimm, wie man aus Düsseldorf 2007 von einigen Konzertgängern vernahm (wir hatten im FOS recht guten Sound) oder wie die hinteren Ränge beim Bruce in Leipzig berichteten, aber es war mitunter schon ein wenig nervig. Die ruhigen Songs waren ziemlich gut zu hören, eigentlich so, wie das sein soll, aber besonders beim krachenden “Whipping” merkte man es doch deutlich. Zu den Encores hin hatte man es Gott sei Dank halbwegs in den Griff bekommen. Ob es nun am Stadion lag oder an der Einstellung der Boxen an sich… man weiß es nicht genau. Vermutlich von beidem etwas. Aber gut, wofür ist man Hardcore-Fan und als solcher auch recht textsicher. Zwinkerndes Smiley Unterm Strich war es für mich dennoch nicht so schlimme, daß es dem Spaß an dem Abend einen dramatischen Abbruch bescherte, aber es sollte zumindest mal erwähnt werden.

Die Jungs betraten pünktlich die Bühne und nach all dem, was ich jüngst in Mailand erleben durfte, war ich hinsichtlich Opener und Setlist relativ anspruchslos. Ich wollte es einfach auf mich zukommen lassen und die eine oder andere Überraschung mitnehmen – denn die würde es geben, da war ich mir sicher. Am Ende stand dann eine geradezu geniale Setlist von der ich nicht erwartet hätte, daß es sie nach der legendären Show im San Siro so geben würde. Als alle an den Instrumenten angekommen waren und ein wenig das Stadion auf sich wirken hatten lassen, hörte man den Eddie schon sein “One two three – four two three” einzählen und man startete mit “Elderly Woman behind the Counter in a Small Town” in den Abend. Einfach ein schöner Song, den ich bereits zum dritten Mal als Opener erleben durfte. Rotterdam 2009 und Stockholm 2012 entwickelten sich danach zu ganz speziellen Abenden – ein gutes Omen also. So habet teil:

Wie immer ein sehr stimmungsvoller Song, der auch das Stadion gleich zum Mitsingen brachte. Da wir nicht mehr auf irgend welchen Sitzen festgezurrt waren, sondern an der Reling hinter den Massen standen, hatten wir auch komfortable Bewegungsfreiheit. Die Damen und Herren um uns herum taten es uns größtenteils gleich und so sang schon bei diesem Song fast das ganze Stadion inbrünstig mit. Die Herren ließen dann das wundervolle “Low Light” folgen… alter Falter: “LOW LIGHT”!!! Im San Siro hatte ich noch den verwegenen Wunsch geäußert, den Song bitte nochmals hören zu wollen. Damals in Berlin 2009, da war das ein Highlight des Abends. Daß er nun tatsächlich eingestreut wurde, war einfach mal ganz groß. Die Band orientierte sich am “An Evening With Pearl Jam” Konzept und auch ein wenig an der Mailand-Show und schob ein sehr frühes “Black” hinterher. Der Song ist jedes verdammte Mal, daß er gespielt wird wert. Als dann “Sirens” noch das langsame Eröffnungsquartett abrundete, dastand ich dann schon wieder an meinem Geländer, die Arme empor gerissen und sang lauthals mit. Alle, die “Sirens” bislang noch nicht ins Herz geschlossen haben, die sollten es einfach mal live hören. Der Song ist ein Geniestreich – wenn man ihn an sich heran läßt. Jetzt, da man derart atmosphärisch in den Abend gestartet war, war es an der Zeit die Bretter auszupacken. Auch hier bewies man wieder Gespür für die Menge und lieferte mit “Why Go”, “Animal” und natürlich dem beschwingt treibenden “Corduroy” gleich drei zum Mitsingen prädestinierte Rocker hinterher. Besonders “Why Go” ist bei einer guten Crowd immer wieder ein Erlebnis – “Corduroy” ohnehin. Das Stadion bebte merklich und es machte einfach nur Spaß den Leuten im Innenraum zu zusehen wie sie sprangen und die Hände in den Himmel reckten. Auch die SItzreihen erhoben sich so langsam. Es wurde deutlich: Italien liebt Pearl Jam! Nachdem 2006 schon alle etwas neidisch auf das Stiefelland schauten (6 Konzerte nur dort), bekamen sie mit Mailand und Triest in diesem Jahr wieder zwei denkwürdige Abende geliefert, die halb Europa grün werden lassen dürften. Zwinkerndes Smiley Als alle auf Betriebstemperatur waren, folgte mein Lieblingsrocker von der “Lightning Bolt”. Ein Song, den ich auf dieser Tour unbedingt live sehen wollte: “Getaway”. Das ist ganz großes Tennis; ein Uptempo-Song, der unglaublich frisch und frech daher kommt. Klassisches Pearl Jam mit ordentlich Drive eben. “Got Some” folgte auf dem Fuß. Ich glaube, den Song habe ich mittlerweile schon zu oft gehört um ihn noch enthusiastisch abfeiern zu können, aber es bleibt immernoch ein absolut geiler Live-Kracher. Wenn Du ein Stadion anheizen willst, spiele “Got Some”! Es folgte ein geradezu hinreißendes “Given to Fly”. Oben bei uns waren alle ziemlich geflasht von dieser Version; wie mußte das erst unten im Innenraum gewesen sein? Schwer vorzustellen, daß dort noch Augen trocken oder Beine ruhig blieben.

Es folgte der Break zum Raritätenteil. Lapidar mit “This is a request” wurde eine der coolsten B-Sides eingeleitet: “Leatherman”. Damit kann man nicht rechnen, das muß man einfach nur lobpreisen, wenn es dann doch mal auf einer Setlist auftaucht. Zumal der Song einen irgendwie mitreißt. In dem Moment war ich so richtig glücklich mit dem Abend, da oben auf unserer Empore. “Leatherman” live – *niederknie*! “Lightning Bolt” und “Mind your Manners” zogen dann kurzzeitig wieder an – live sind die Songs ne Wucht! Die jedoch, die jetzt vom Ende der Songperlen ausgegangen sein mochten, die sahen sich dann mit ihrem Irrtum konfrontiert. Als nächstes wurde von Pearl Jam nämlich das unglaublich intensive “Deep” ausgepackt. Auch wieder eine Songpremiere für mich – und was für eine! “Deep” beschreibt ziemlich gut, warum Pearl Jam Anfang der 90er so einschlugen; der Song verströmt eine solche Energie, eine solche Wucht, daß man auch 2014 noch Gänsehaut bekommt. Wie muß das da erst in den ersten Jahren gewesen sein?!? Pure Freude! Diese konnte dann auch meine musikalische Nemesis nicht wirklich trüben. Ja, sie spielten “Come Back” und nein, es war nicht so “schlimm” wie die drei Mal vorher. Ich versuche es ja wirklich, meinen Frieden mit dem Song zu machen und Triest war schon mal ein erster Schritt denke ich. Das Lied an sich wurde in der mit Abstand besten Version sein 2006 in der Wuhlheide performt und dann… ja dann war ja beim Song noch dieser Anblick hier, der sich mir bot:

light

Ja, das war dann doch die erste Gänsehaut, die mir der Song je beschert hat. War einfach ein wahnsinniges Bild, wie über Minuten hinweg tausende von Displays (ich habe die Illusion von “Feuerzeugen” schon längst beerdigt) das Stadion belebten. “Even Flow” folgte auf dem Fuße und ließ das Publikum erst einmal durchschnaufen. Wieder der üblich ausgedehnte, lange Jam, der Eddie mal Zeit zur Erholung gab. Die brauchte er auch, denn der Abend sollte ihm noch so einiges abverlangen. Der Nächste Song war dann schon wieder so ein persönliches “Hooray!”, es war nämlich “Down” angezeigt. Einer der vielen, vielen Songs, die es nicht auf eines der Alben geschafft haben (was man nicht verstehen kann zum Teil) und dann in Fankreisen zu heiß ersehnten live-Nummern werden. Sagen wir es wie es ist Down ist eines der besten Lieder, was nie auf einem Album war. Glaubt ihr nicht? Dann schaut mal hier:

“You can`t be neutral on a moving train”. Ich war begeistert – schlichtweg begeistert! Das war so ein Moment, in dem ich auch mal das Mitsingen und Springen einstelle und einfach nur da stehe und den Song genieße… das unerwartet Geniale auf mich wirken lasse. Es war ein Fest! Gefolgt vom stimmungsvollen “Unthought Known” – ich liebe diesen Song einfach – war es als Block nochmal eine Spur besser. Mit “Infallible” konnte ich dann auch noch einen weiteren LB-Song auf meiner Liste abhaken. Auch für diesen gilt: gut auf CD, live ein Erlebnis. Ich glaube, daß viele im Publikum das Album erst nach den live erlebten Songs erst so richtig zu schätzen wissen. Mit “Whipping” (was ja leider etwas kaputt ging) dem ewigen “Do the Evolution”, bei welchem ich wieder mit 33000 anderen einen infernalischen Hallelujah-Chor entfachte und dem zur Perfektion gereiften “Rearviewmirror” endete dann schon das Mainset. “RVM” hatte ich bei dieser Tour drei Mal und jede einzelne Version ist mir irgendwie ans Herz gewachsen. Was sie 2014 aus der Nummer gemacht haben, das ist einfach nur (Achtung AnglizismusSmiley Mind-Blowing! 

Die Encore-Break wurde wiederum dazu genutzt, sich ein wenig zu sortieren und kurz Kriegsrat zu halten über das, was einem da eben geboten wurde. Wir hatten ja alle keine Ahnung… nicht den blassesten Schimmer, was da im ersten Zugabenblock noch so auf uns zugerollt kam. Es folgte nämlich – trotz “Leatherman”, trotz “Down” und trotz “Deep” und “Unthought Known” – mein persönlicher Trieste-Herzmoment! Die Band betrat die Bühne wieder an diesem 22. Juni 2014 und zauberte vollkommen ohne Vorwarnung das wunderschöne “Let me Sleep (it’s Christmas Time)” in den Abend.

Was Weihnachten angeht, da bin ich ja ohnehin nicht objektiv, aber diesen Song zu erleben – damit hätte ich nie im Leben gerechnet! Eine meiner Top-3 Christmas-Singles! Es war einfach nur wunderbar dabei zu sein. Das Beste daran: Es ging auf diesem Niveau weiter und es geschah das, was ich mir seit der seltenen Aufnahme des Songs ins Live-Programm der Band wirklich, wirklich gewünscht habe: “Cloe Dancer/Crown of Thorns” wurde angestimmt. Jenes sehr persönlich konotierte Mother Love Bone – Cover der Band. Mit Eddie an den Vocals ist das einfach ein absoluter Hammer! Diese Viertelstunde, mit “Let me Sleep” und eben “Cloe Dancer/Crown of Thorns” wird mir noch extrem lange im Gedächtnis bleiben und hat auch jetzt schon Einzug in meine persönlichen Top-10 Pearl-Jam-Momente gehalten. Es war traumhaft, einfach nur traumhaft!

Danach hätte das Konzert zu Ende sein können – ich hätte mich nicht nennenswert beschwert. Aber es ging ja Gott sei Dank noch ein wenig weiter. “Jeremy” riß das Stadion wieder aus der Träumerei und gab nochmal ordentlich Gas. Ich bin so froh, daß dieser große Song wieder öfter gespielt wird. Ein Juwel aus frühen Tagen, aus meiner Jugend. Danach blieb man noch ein wenig in den frühen 90ern hängen und gönnte uns mit “State of Love and Trust” eine weitere Hymne meiner Generation. Auch auf keinem Album vertreten, so ist es dann doch durch den Film “Singles” zu einer musikalischen Legende geworden für uns in den frühen 90s musikalisch sozialisierte Zeitgenossen. Großartig! Der Doppelschlag “Wasted Reprise” und das unmerklich drangvollere “Life Wasted” ist in der Kombination immer hörenswert und leitete auch in Triest letztendlich zu einer gewohnt geilen Version von “Porch” über. Ach ja, mein zweites Konzert 2014 und zum dritten Mal “Porch” gehört – ich möchte es einfach nicht missen, dieses Lied! Die Band jammte nochmal was das Zeug hielt und verabschiedete sich dann wieder kurz. Die sich uns bietende Kulisse war dabei traumhaft schön:

dark

Das “WTF?!?” was dieses Encore hinterließ war einfach episch! Man war ja schon fast froh, daß es nun im 2. Encore mit den Raritäten vorbei sein sollte und man sich statt dessen zu den gewohnten Krachern lauthals mitsingend, springend und mit erhobenen Armen von der Band verabschieden durfte. “Better Man” tat uns dann auch den Gefallen; im Chor eingestimmt und dann von der Band aufgenommen und zelebriert ist das Lied einfach immer wieder ein Erlebnis. So auch in Triest, es ist einfach ein stimmungsvoller Start in einen zweiten Zugabenblock, wenn man sich zu “Better Man” austoben darf. Das energetische “Once” feuerte dann nochmal eine gehörige Portion Power ins weite Rund. “Once” ist auch so ein Song, den man gar nicht genug hervor heben kann; auch wenn er oft gespielt wird. Auch vom Debutalbum stammend zündet der immernoch augenblicklich und verbreitet die einzigartige Kraft dieses mittlerweile weit über 20 Jahre alten Albums. Zum Abschluß brachen nochmal alle Dämme in Triest. Zunächst wurde “Alive” angestimmt. Es war beeindruckend, da oben zu stehen und das ganze Stadion zu seinen Füßen abgehen zu sehen. Grandioses Erlebnis! Das Stadion war ausnahmslos am Tanzen und Singen – wie muß das erst in Mailand mit doppelt so vielen Zuschauern ausgesehen haben?? (-> ich wills gar nicht wissen, ich bin froh, daß ich da war, wo ich nunmal war. Zwinkerndes Smiley) Gegen Ende ging das Stadionlicht an und man wußte: Die letzten beiden Songs waren angebrochen. Daß diese “Rockin’ in the Free World” und “Yellow Ledbetter” sein würden, war eigentlich ein offenes Geheimnis in diesem Moment. Und “RITFW” zerlegte die Bude nochmal so richtig. Der Wahnsinn, wie das ab ging! Neil Young hat den Jungens da einen Song zum Covern hin gelegt, das ist schon fast episch! Triest feierte die Band nochmal so richtig und die blieben nichts, aber auch gar nichts schuldig. Bei “Yellow Ledbetter” dann, da stand man einfach nur begeistert da und genoß die letzten Töne… sog sie in sich auf und hoffte einfach nur, daß Mikey sein Solo noch etwas hinaus ziehen möge. Er versuchte es, aber irgendwann, tja, irgendwann ist auch so ein Konzertabend leider zu Ende! Es begann die lange Zeit des Wartens… des Wartens auf den 26. Juni in der alten Heimat! Jetzt guckt nicht so… für Pearl Jam Fans im Tourmodus ist das ne halbe Ewigkeit! Zwinkerndes Smiley

 

Triest hat sich gelohnt! Das Konzert war einfach nur denkwürdig und die Stadt an sich ein Erlebnis! Es ist mal wieder so ein Abend gewesen, an dem man sehr viel Schönes erlebt und vor allem gehört hat. Daß ich in Zukunft nicht nur wegen des Konzertes an sich gern an Triest zurück denken werde, das liegt natürlich auch an Triest selbst. Leute, das Städtchen ist definitiv einen Städtetrip wert. Wer Zeit und Muse hat, der sollte sich dieses schöne Stückchen Erde unbedingt mal anschauen. Unterm Strich verließ ich Triest ziemlich glücklich mit dem Erlebten. Es war nicht das San Siro, es war anders – anders großartig! Und diesen magischen Abend im San Siro zu toppen, das habe ich von Triest einfach auch nicht erwartet; erwarten können. Ein toller Abend mit (wieder) 35 Songs bleibt hängen, von denen einige einem wahre Gänsehautmomente bescherten.

Es war wieder einmal ein großartiger Abend mit Pearl Jam und das Poster, das spiegelt genau das wieder. Dank Sitzplätzen war diesmal auch die Beschaffung des Selbigen recht stressfrei. An der Wand, neben dem von Mailand, sieht es einfach nur göttlich aus! Habe die Schlafzimmerwand mit beiden gestaltet und Nijmegen 07 und Boston 03 abgenommen – und ich bereue NICHTS! Seht selbst:

Poster Trieste

Besonders gelungenes Detail: Die Innschrift, die sich durch den Bogen um das ganze Poster zieht. In Italienisch versteht sich und optisch ein Schmankerl! Fantastic piece of Rock-Poster-Art! Smiley

…to be continued… seid exklusiv dabei, wenn der Mann mit Hut wieder zur Musik geht! Zwinkerndes Smiley

mmh

Dienstag, 26. November 2013

WAS DU BRAUCHST

(Blumentopf)

Leute, Mann lernt nie aus! Dieses Jahr ist das erste, in welchem ich mit der MsPittili zusammen die Weihnachtsvorbereitungen treffe, will heißen: auch die Wohnung festlich aufhübsche. Seit einigen Tagen – nein – Wochen macht seitens der Frau der Begriff “Weihnachtsdeko” die Runde. “Weihnachtsdeko”…! “Gut,” dachte ich als ordnungsgemäß ausgebildetes Erzgebirgskind “davon hab’sch genuch!” Allerdings rechnete ich nicht damit, was alles unter “Deko” fallen kann. Für mich als Mann sieht oder besser “sah” Weihnachtsdeko bisher immer so aus:

Nußknacker

oder auch so:

Räuchermännel

Auch Pyramiden und der gute, alte “Schwibbbuhng’” zählten natürlich dazu. 2013 aber wird als Reformjahr in meine Weltanschauung eingehen. Wir durchstreiften heute nach Dienstschluß die Stadt, wo ich leichtfertig eingewilligt hatte, Dekokram zu besorgen. ICH HATTE JA KEINE AHNUNG!!! Männer, es wird euch noch nicht aufgefallen sein, aber es gibt tatsächlich Geschäfte, Läden – ja ganze Warenketten, die sich auf Dekoscheiß spezialisiert haben. Ich war mir dessen nicht bewußt! Da gibt es streng genommen nichts, was einen auch nur durimentären praktischen Nutzwert vorzuweisen hätten, dafür aber allerhand komisches Zeug, das rum steht, funkelt und/oder bestialisch stinkt. Es war eine Herkulesaufgabe daraus die wenigen brauchbaren Stücke heraus zu filtern, die man sich auch in den heimischen vier Wänden vorstellen kann. Aber wir haben es geschafft; weil wir beide voll der Hammer sind! Jetzt bastelt die MsPittili fleißig aus ihren vielen, vielen kleinen ein paar weniger größere Dekoelemente und ich bin schon mal auf das Ergebnis gespannt. Smiley mit geöffnetem Mund Wir werden berichten!

Eine Kleinigkeit habe ich aber auch unter Ausschluß der MsPittililichkeit ganz alleine für mich erstanden. Während die Gute am Nachbarstand irgendwas kaufte (keine Ahnung was genau, wenn ich raten müßte, dann würde ich auf Seife tippen), verkrümelte ich mich an den benachbarten Stand. Dort hatte ein netter Herr seine erzgebirgische Holzvolkskunst aufgebahrt und bot allerhand bunte Räuchergesellen und deren unräucherige Derivate feil. Ich ging ein Mal um den Stand herum und SAH IHN!!! Kennt ihr das auch, daß ihr etwas seht und es einfach haben müßt?!? Jetzt nicht wie bei Schuhen oder so (Frauen verstehen das nicht), sondern, weil es in perfekter Art und Weise handwerkliche Heimattradition mit Niedlichkeit und einem gewissen Schrägheitsfaktor kombiniert? Ich hatte wieder so einen Moment. Da der Geselle mit 8 Ösen auch erschwinglich war, insbesondere für ein Original aus Seiffen, schlug ich einfach zu.

Zertifikat

Daheim angekommen präsentierte ich der MsPittili dann stolz meine Neuerwerbung, welche ich nun auch euch nicht vorenthalten will.

Räucherpreuße

Ein preußischer Pickelhaubenschneemann mit Posaunendingsbums aus dem Erzgebirge… herrlich! Smiley Irgendwie fasst er damit ja auch meine Kindheit ziemlich gut zusammen. Zwinkerndes Smiley 

In diesem Sinne: HO-HO-HO!!! 

Donnerstag, 31. Oktober 2013

SUPERBEAST

(Rob Zombie)

Mahlzeit! Mir fiel vorhin auf, daß ich mich dieses Jahr noch gar nicht über diesen Halloween-Kommerz-Kokolores aufgeregt habe. Hmm, mag daran liegen, daß ich dieses Jahr – in begrenztem Rahmen – mitmache. Als wir vorhin vor unserem Sonnenspaziergang durch die Innenstadt zurück kehrten, da rief uns ein überaus geschockter, ja vor Entsetzen erbleichter Obernachbaruropa, der gerade noch seine Urenkelin in Sicherheit bringen konnte, zu, daß wir uns vor den “zwei Gestalten im Treppenhaus” in Acht nehmen sollen. Als wir dann die Treppen zu unserem Domizil erstiegen, dann standen auch plötzlich ein anatomisch doch arg frei interpretiertes Skelett und eine recht dämlich drein blickende Fee entgegen. Wahrscheinlich hatten sie soeben bei uns geklingelt und – naturgemäß – nix bekommen. Die Beutel, die sie mit sich führten waren auch eher so subvoll… man möchte schon fast sagen “leer”. Sie klingelten dann noch bei den zwei alten Damen im Erdgeschoß und zogen weiter, uns behelligten sie nicht noch ein Mal. Es gibt zwei Digne, die bemerkenswert sind an dieser Begebenheit. 1. Ist es das erste Mal in meiner Karriere als Erdenbürger, daß ich hier “Kinder” gesehen habe, die diesen “Süßes oder es gibt Saures”-Quark durch ziehen. 2. Waren die schon locker strafmündig. Sprich 14 waren die bestimmt! Wenn wir jetzt mal davon ausgehen, daß sie nicht eine Horde Zweitklässler ausgeraubt und aus ihren Kostümen ein entsprechendes Outfit gebastelt haben (dafür hatten sie auch zu wenig zuckrige Beute dabei), dann haben sich da ein paar sonst obercoole Justin Bieber – Jüngerinnen letztmalig in ihrer vorkarnevalistischen Schnapsleichenkarriere in eine Kostümade gezwängt um ihre Mitmenschen kalorisch auszurauben. Wenn plötzlich so ein knapp einen Meter großes Gespenst vor der Tür stünde, das verlegen mit seinem Plasteeimer winkt, in dem schon ein Snickers, drei Hallorenkugeln, eine angebissene Tafel Milka und ne Hand voll Schnapspralinen rum kullern, dann ist das ja was Anderes. Für diesen Fall haben wir, quasi als Notfallration, auch ein paar Schokoaugäpfel da. Aber Teenies? NÄ!!!! Nicht mit mir! Nie nen ordentlichen Horrorfilm gesehen haben und elektrische Depri-Volksmusik für Metal halten und dann noch abkassieren wollen?!! Vergeßt es! Jedenfalls klingelte es irgendwann gegen 6 erneut. Ich lag grad dösend auf dem Sofa und entschied mich nicht zur Tür zu gehen. Die MsPittili, die durch das offene Fenster lauschen konnte, sagte mir später, daß sich zwei Grüppchen an unserer Haustür trafen. Diese fingen dann, nachdem das Alter erfragt war (“Ohh, cool, ihr seid 14!! Wir auch!”), hemmungslos an miteinander zu flirten. Oder zumindest das zu tun, was man in dem Alter dafür hält. Ich war dann froh, daß ich nicht aufgestanden bin… am Ende hätte ich diese unberechenbaren Hormonterroristen noch abwimmeln müssen… und unten steht mein Igor ganz alleine, diesen Irren schutzlos ausgeliefert.

Halten wir fest: Nachdem hier in Chemnitz ewig keine marodierenden Banden umher zogen um Schokokram einzusammeln wurde diese Marktlücke nun von der verkommenen Jugend von Heute besetzt. Was nun aber meine Partizipation an Halloween angeht, so habe ich es endlich geschafft, mal einen Kürbis zu schnitzen. Das wollte ich schon die letzten 10 Jahre tun und vergaß immer was? Genau, einen Kürbis zu kaufen! Dieses Jahr haben wir es gemacht und ich habe mich vorhin ein wenig ausgetobt

Myers

Illuminiert sieht der Geselle übrigens so aus:

Myers2

myers3

… und damit die Teenies weg bleiben, steht das gute Stück jetzt auf dem Küchenfensterbrett und verbreitet von da aus Angst und Schrecken:

myers 4

myers 5

Freitag, 4. Oktober 2013

DINOSAUR VACUME

(Monster Magnet)

Ich bin im Internetz mal wieder über ein kleines Blogstöckchen gestolpert. Da ich bis zur Heute-Show nix mehr zu tun habe (außer kochen vielleicht), will ich mich dem mal annehmen. Apropos “annehmen”, darum geht es auch im Stöcken, um Annahmen. Naja, hab mal versucht ernst zu bleiben… wie gesagt “versucht”. Los gehts:

Wenn Du eine Wiedergeburt wärst

Wäre ich wahrscheinlich ziemlich angepißt, daß das mit dem “Licht am Ende des Tunnels” auch wieder nur ne Verarsche war und am Ende der Röhre nicht das erhoffte Schlaraffenland mit ohne dumme Menschen wartet, sondern – wieder das hier! Andererseits kommt es ja drauf an, als was man wieder geboren wird und was man früher war. Nehmen wir mal an, daß dieses Karma-Zeugs und das hochleveln in der Wiedergeburtshierarchie wirklich funktioniert. In der Logik war ich vorher vielleicht ein Lurch, oder ein Koboldmaki. Allerdings muß das ein sehr nobler Lurch (oder Koboldmaki) gewesen sein, wenn er es sich verdient hat, als so jemand großartiges wie ich wieder geboren zu werden. OOOOOder… oder ich war früher was noch tolleres als ein Mensch, ein Vulkanier zum Beispiel; dann war der aber nicht so bombig, wenn man ihn zum Menschen degradiert hat. Der hat vielleicht den Spock gemobbt oder sich über die Ohren anderer lustig gemacht. Nee, das wäre auch Mist, ich will kein ehemaliger Arschloch-Vulkanier sein. Sehr kniffelig die Frage. Dabei fällt mir auf, ich kann das eigentlich ganz einfach beantworten: Wenn ich eine Wiedergeburt wäre, dann hätte sich das mit dem Unfehlbarkeitsanspruch der katholischen Kirche erledigt. Ömchen!

Wenn du ein Gefühl wärst

Dann wäre der Duden um ein spektakuläres Adjektiv reicher. Das würde dann so aussehen: Als der vierundzwanzig Meter hohe Brillenkrokofant aus dem Tümpel stieg und Feuer speiend die Stadt verwüstete, bekam es die Bevölkerung mit dem Marc zu tun.

Wenn du eine Frage wärst

… würde ich gerne mal die Antwort auf mich sehen!

Wenn Du eine Prophezeiung wärst

Dann würde ich an eurer Stelle hoffen, daß ich nicht in Erfüllung gehe. Ich sage nur “vierundzwanzig Meter hoher, Feuer speiender Brillenkrokofant”.

Wenn du ein Klang oder Musik wärst

Das ist einfach, dann wäre ich nämlich dieses Gitarrenspiel hier:

… der Song war schon immer einer meiner Favoriten, aber Berlin 2006, kurz vor der Bühne… und dann legt Mikey los – perfekt!

Wenn Du ein heiliger Ort wärst

Ich will aber kein Ort sein! Orte sind mir irgendwie zu unmobil. Kann ich nicht eine Reliquie sein, irgend etwas, was man überall in der Welt herumzeigt und vor dem die Leute vollkommen grundlos und widersinniger Weise auf die Knie fallen? Sowas wie ein Apple-Store auf Rädern?

Wenn du eine Göttin oder ein Gott wärst

Sehr religionslastig das Stöckchen. Jetzt könnte ich natürlich dem sozialen Erwartungsdruck nachgeben und sowas sagen wie “Wenn ich eine Göttin wäre, dann würde ich als allerallerallerallererste Amtshandlung den Weltfrieden herstellen!” So ein Hippiegott wäre ich aber nicht, so! Ich würde zwar auch alle bewaffneten Konflikte beenden, aber nur deshalb, weil sich meine Untertanen gefälligst auf all den Schabernack konzentrieren sollen, mit dem ich sie piesacken würde. Die hätten alle gar keine Zeit mehr um Kriege zu führen. Die Engländer würde ich zum Beispiel bei ner WM mal ein Elfmeterschießen gewinnen lassen, nur um in ihre verwirrten Gesichter zu blicken – die können doch mit sowas gar nicht mehr umgehen. Was auch cool käme, wäre das Zöllibat für Franzosen; den Italienern würde ich eine stabile Regierung unter Silvio Berlusconi verschaffen. Ich würde alle Mitglieder der Tea Party – Bewegung in afroamerikanische, transsexuelle Kommunisten verwandeln die nach Kuba fliehen um dort politisches Asyl zu beantragen. Ich würde der FDP ein Denkmal auf dem Berliner Zentralfriedhof errichten lassen und Rosenkohl würde wie Rindersteak schmecken. Das Paradies hieße nicht mehr “Paradies” sondern “Mordor”. Meine Schöpfungsgeschichte würde mit zwei riesengroßen gelben Hummeln beginnen,  die auf einem Moped durch Weltall knattern und dabei Bruce Springsteen – Lieder auf Instrumenten aus Licht spielen. Diese Hummeln würde in einer zillionstel Mikronanominisekunde implodieren, sich vereinigen und als hyperverdichteter, gelber Ball von Hummelmasse das Zentrum unseres Sonnensystems bilden. Die Planeten würden sich aus den Abgasen des davon zuckelnden Mopeds entwickeln, und irgendwann würde ich auf einem mit Laserkanonen hochgerüsteten Kampf-T-Rex aus der Neutralen Zone herüber geritten kommen und aus 12 Milliarden Gigatonnen gemischtem Hack alles erschaffen, was war, was ist und was mal sein wird (-> Theologen werden vom “Potentialhack” oder der “zukünftigen Frikadelle” sprechen). Und das Beste ist: Viele Leute würde mich trotzdem für unfehlbar halten. Zwinkerndes Smiley

Wenn Du ein Wort wärst

Orschwerdbleede!

Wenn Du ein Schmerz wärst

Dann der, der nach einer Facepalm zurück bleibt, die man Lars Ulrich zu verdanken hat! Nicht bildhaft genug? Dann mache ich es anhand eines grandiosen Videofundstückes mal etwas deutlicher:

Wenn du ein Tier wärst

Vierundzwanzig Meter hoher, Feuer speiender Brillenkrokofant… oder Mr. Ed!

Wenn du eine Pflanze wärst

Rosenkohl, aus purer Bosheit!

Wenn du eine Aufgabe wärst

Ein Zug fährt aus Bahnhof A mit 145 km/h nach B; von B aus fährt 40 Minuten später ein Zug in Richtung A mit 798 km/h los (es ist ein japanischer Zug). Wo auf der Strecke begegnen sich die Züge und welcher erreicht zuerst sein Ziel? Folgendes ist bekannt:

-> A und B liegen 695445588522256521455, 458 AE (astronomische Einheiten) voneinander entfernt. 

–> Während in A schon der Euro eingeführt ist, zahlt man in B noch mit Wurzeln.

-> Es gibt nur ein Gleis.

Wenn du eine Wahrheit wärst

Dann kann sich dieses “Bielefeld” schon mal warm anziehen!

Wenn du eine Lüge wärst

Dann eine mit langen Beinen.

Wenn du ein Traum wärst

Ich verstehe diesen vollkommen widersinnigen Konjunktiv an dieser Stelle nicht.

Wenn Du ein Gegenstand wärst

Oh, jetzt wird es wieder interessant. Ich weiß es aber ehrlich gesagt nicht. Vermutlich würde ein Berg dem am ehesten entsprechen. Nix besonderes, nur ein unbezwingbarer, ewig vereister Zwölftausender… Mitten in… sagen wir mal… Holland!

Wenn du ein Glauben wärst

Würde ich von mir selber abfallen.

Wenn du eine Farbe wärst

Eindeutig schwarz! Alles andere ist nur dazu da, daß man das Schwarz auch zu schätzen weiß (-> insbesondere “aprikot”, “linde”, “flieder” und moppelkotzbeige (“champagner”)).

Wenn du ein Land wärst

Ich wäre wohl Finnland; bloß nix Asiatisches – zu viele Menschen! Ich mag Finnland, Finnland ist manchmal so wie ich. In Finnland kann man sich mitten im Wald ne Hütte nehmen und muß keine Externen sehen wenn man das nicht will. Diese ganzen Vollhonks, die unser aller Lebenswege vollkommen unnötiger Weise immer und immer wieder kreuzen, die wäre man los. Finnland ist im Winter angenehm kühl und im Sommer übertreibt es das Land mit der Hitze auch nicht, wie etwa Kenia oder der Kongo. Außerdem macht mir die Dunkelheit im Winter nix weiter aus. Es gibt vernünftigen Schnee, nicht diese ekelnasse Matschepampe, die hier manchmal rumplätschert. Außerdem ist da Schnee normal und man wäre das Gejammer dieser Irren los, die hier versuchen mit Sommerreifen übers Jahr zu kommen. Ja, ich wäre Finnland glaube ich. 

Wenn du du selbst wärst

Philosophisch gesehen ist das ein Ziel, das der Mensch in seiner Rolle als soziales Wesen mit seiner komplexen Partizipation an wechselseitig wirkenden sozialen Bindungen und der Orientierung an sozial erwünschtem Verhalten, nie ganz erreichen wird. So gesehen ist das das Erstrebenswerteste und gleichzeitig das Unmöglichste von all dem, was hier steht. Denkt mal drüber nach!

Liebe Grüße!

Eure Gertrud

Montag, 30. September 2013

ELEPHANT BELL

(Monster Magnet)

Ich habe in den vergangenen 14 Tagen zwei Rechnungen nicht bezahlt! Nicht, daß ich das mit Absicht gemacht hätte, das ist halt einfach so passiert. Das Schlimmste ist ja, daß ich mir dessen nicht einmal bewußt bin. Aber Gott sei Dank haben die Betroffenen ja mitgedacht und sich mit mir in Verbindung gesetzt. Ich bin manchmal so dermaßen verpeilt, daß ich auf diesen Service angewiesen bin. Aber der Reihe nach:

1.

Am 26.März diesen Jahres habe ich eines der großen Probleme, welche mich und die Menschheit plagen zumindest auf der Individualebene erfolgreich gelöst. Seit mehreren Jahren schon habe ich ein massives Zeitmanagementproblem. Wenn man so durchs Leben geht und von irgend einem grenzdebilen Vollhonk – von denen gibt es einfach viel zu viele auf dieser Welt – mal wieder mit seiner bloßen Anwesenheit oder der einen oder anderen “Weisheit”, welche er sich ungefragt abzusondern genötigt sieht, belästigt wird… wie leicht gerät man dann in Rage?!! Selbst als Humanist, Gutmensch und Vernunft begabtes Wesen wie ich kommt man da schon mal in die Bredouille, daß man sich zu einer unappetitlichen aber ehrlichen Meinungsäußerung hin reißen läßt. Man sagt dann sinngemäß in etwa:

“Du kannst mit mal den Buckel runter rutschen – und mit der Zunge bremsen!”

Tja, da wären wir dann schon beim Kernproblem. Wenn man das ein wenig zu oft sagt, dann fällt es einem schwer die Umsetzung auch nur halbwegs so zu organisieren. Nicht, daß der eine oder andere Delinquent sich über die Verjährungszeit in Sicherheit bringen kann. Man muß so was halt planen, Termine vergeben, welche dann auch bindend sind. So ungefähr wie bei Telekom-Technikern (“8-16 Uhr”), nur anders; nur präziser. Also erstand ich beim “MC Papier” (wahrscheinlich irgend so ein Rapper) die revolutionäre Applikation “Wandkalender”. In der Betriebsanleitung heißt es da:

“Helzlichen Glückwunsch, daß Sie sich für Gadget “Wandkalendel” entschieden gehabt hast. Wil wünschen Dich Planwirtschaft gut in ganze Leben! Tlägst Du ein Telmiten in “Wandkalendel”, du nicht sind bei Gefahl zu velgessen wichtiges Meeting oder Aufgabe von große Bedeutung! Viele Spaß mit “Wandkalendel” wünscht Dich, Freund, ganzel chinesisches Volk”

Ja, gut… das war jetzt nicht wirklich hilfreich, aber ich dachte, daß ich den Kalender auch für meine Zwecke modifizieren könne ohne daß gleich die Garantie erlischt. Das tat ich auch und was soll ich sagen: Klappte super! Mit diesem “MC Papier” machte ich eine Ratenzahlungsvereinbarung klar, welche mir ein freier Mitarbeiter des Unternehmens am Folgetag mit einem Jagdmesser, auf dessen Klinge “Dem Dragan sein Mösssööööör” eingraviert war, netter Weise an die Wohnungstür pinnte. Ich bin ja so verpeilt, ihr wißt ja… da brauche ich was Schriftliches. Jedenfalls nutzte ich den “Wankalender” seit dem zwar, vergaß aber die monatlichen Ratenzahlungen an “MC Papier” darin zu vermerken. Mein Fehler! Jedenfalls hatte ich letzten Dienstag folgende Mail im Posteingang:

Melanchton(druffklicken, groß machen)

“Konstantin Melanchton”… kein Wunder, daß der einen coolen Künstlernamen wie “MC Papier” braucht. Mit “Konstantin Melanchton” wird man in der Hood doch von jedem Faker in der Battle rigoros zerflext. Mir war gar nicht bewußt, daß der Wandkalender so teuer war… vermutlich muß ich “Dem Dragan sein Mösssööööör” auch gleich mit bezahlen, nur weil der zu dusselig ist mit Klebeband umzugehen. Ich habe dann mal den Dateianhang geöff… hehe, Scherz! Zwinkerndes Smiley 

Lieber “Konstantin Melanchton”: In meinem tollen, neuen Kalender ist am 13. November um 13:47 Uhr für Dich ein Termin reserviert.

2.

Heute erhielt ich noch ne E-Mail. Nämlich diese hier:

Brantner

Die Mail geht super los: “Verehrter” steht da. Hüchschen, ich werde verehrt! Nicht, daß ich das nicht global als “Standard” voraus setzen würde, aber es ist halt schön, wenn es einem mal jemand so offen schreibt. Danke! Smiley mit geöffnetem Mund Im weiteren Verlauf baut die Mail aber dann sagenhaft ab. Das geht schon bei “automatischeAbzug” los. Manuelle Leertaste, das wäre mal was, ihr Noobs! Die schönen “ü”s, “ä”s und “ö”s, die Zierden eines jeden Textes, werden verhohnepiepelt. Furchtbar! Außerdem habe ich hier nun wirklich keine Ahnung, was ich bei dem Vogel gekauft haben soll. Gut, einen Verdacht dann schon ehrlich gesagt. Es ist nämlich so: Nachdem dieser Dragan bei mir war und sein “Mösssööööör” unvorsichtiger Weise in meiner Tür stecken ließ, sah ich mich aus purem Selbstschutz dazu gezwungen einen gewissen “Vladimir” aus Nischni Nowgorod über ICQ zu kontaktieren. Ich kenne ihn noch von früher, als sowjetischen Zwangsbrieffreund in der 2. Klasse. Ich ließ die deutsch-sowjetische Freundschaft quasi wieder aufleben und erstand bei ihm nach einem mittelkurzen Erfahrungsaustausch über die Vor- und Nachteile vom Einsatz linksdrehenden Joghurtkulturen in der kommerziellen Elefantenmast das, wofür ich als Tauschobjekt dringend den Rüsselschoner “Töörööö 3000 XXL” brauchte (ich sagte ja “kommerzielle Elefantenmast”). In Rußland sind die Dinger mit derart hohen Einfuhrzöllen belegt, daß der arme Vladimir fast nur noch Elefanten mit kurzen Rüsseln hat; kurzen, abgenutzten Rüsseln. Die armen Tiere! Ich kaufte den “Töörööö 3000 XXL” dann schließlich über amazon bei einem Drittanbieter. Ich glaube, er hieß Jakob… ja, Jakob Irgendwas… ha… Rätsel gelöst! Smiley mit geöffnetem Mund Scheinbar habe ich den auch nicht bezahlt… Sachen gibts! Wenigstens ist er postalisch gut bei Vladimir angekommen, der “Töörööö 3000 XXL”. Aber, lieber Herr Brantner, willst du wissen, was der Vladimir mir dafür gegeben hat? Was Du, lieber Jakob, quasi mit finanziert hast mit der großzügigen Gabe des “Töörööö 3000 XXL”? Der Vladimir hat noch jede Menge gute Kontakte und hat mir ein Musikinstrument aus alten Rote Armee – Beständen organisiert. Das stand eh nur ungenutzt in der Taiga rum und war traurig, daß es keiner mehr spielen wollte. Das ist nun Geschichte, denn  es hat eine neue Lebensaufgabe gefunden. Es wacht jetzt über meine Haustür mit der Aufgabe, daß es jedweden ungebetenen Besuch… na, sagen wir mal “empfängt”! Das Instrument ist im Übrigen dieses hier:

So, mein liebster Jakob Brantner! Jetzt weißt du Bescheid! Dir lasse ich sogar eine Wahl. Was darf es sein: persönlich vorbei kommen, einfach mal klingeln und warten was passiert oder Mittwoch, der 30. Oktober 09:26 Uhr?!?

Zwinkerndes Smiley

Samstag, 31. August 2013

I SHOULD HAVE KNOWN

(Foo Fighters)

Wie versprochen heute Teil zwei der Auszüge aus meinem Finnlandtagebuch 2003. Kurz zur Erinnerung: Wir, das heißt Herr Z. und ich, hatten die Nacht in Helsinki vor dem Hauptbahnhof verbracht. Warum? Weil wir uns verzockt hatten mit der Weiterfahrt und aus eben jenem Hauptbahnhof mitten in der Nacht heraus geworfen wurden. Wie wir später übrigens erfuhren erlebten eben jene Odyssee noch reichlich andere einen Tag vor bzw. nach uns. Als der Bahnhof wieder öffnete (6 Uhr), stürmten wir hinein und gönnten uns erst einmal einen Halbliterkanister dampfend heißen, herrlich starken, unschlagbar guten Kahvi. Anschließend bestiegen wir dann den Zug in das karelische Metropolstädtchen Joensuu, unserer Temporärheimat für die nächsten Monate. Da wir unsere Ruhe haben wollten und dringend ne Mütze Schlaf brauchten, begaben wir uns auf die Suche nach einem ruhigeren Plätzchen. Mist! Großraumwagons! Aber was war das: Zwei einzelne, abgetrennte Abteile mit je 6 Sitzplätzen! Im ersten, offensichtlich dem Raucher- oder Schnapstrinkerabteil (man konnte das nicht genau identifizieren, die Herren taten beides… 8 Uhr in der Früh), da wollten wir nicht sitzen. Also ab ins zweite noch jungfräulich leere Abteil. Da es hier zwar auch ein wenig komisch roch, aber eben nicht nach kaltem Rauch oder Billigfusel, ließen wir uns entspannt nieder. Jedoch wurden wir ein paar Stationen später eines Besseren belehrt und erkannten, warum hier noch niemand in diesem herrlich abgetrennten Abteil saß…:

“Irgendwann nach 08:00 Uhr:

Nun sitzen wir im Zug nach Joensuu, unserem Endziel und Bestimmungsort und können es kaum erwarten, daß uns unsere Zimmer nebst der dazu gehörigen Schlafgelegenheiten überreicht werden. Beim Blick in den Spiegel stellte ich mit Schaudern fest, daß ich auch schon mal frischer aus meiner Military-Style-Jacke geschaut habe (Anm. 2013: jaja, die Nachwirkungen der Grunge-Mode Zwinkerndes Smiley). Meine Augen haben derart viele Ringe, daß ich bei einer Olympiabewerbung kaum Konkurrenz zu fürchten hätte.

Nachtrag: Wir sitzen im HUNDEABTEIL… spitze! Oma mit Kläffer der Rasse Höllenhund (nur halt in der genetisch einwandfreien Ausführung) setzt sich zu uns.

Nachtrag zum Nachtrag: Das Vieh ist aber dafür verhaltensgestört… es betatscht uns und leckt Herrn. Z. ab.

10:25Uhr

Der Wauwau springt immer noch durch das Abteil. Als er mich direkt fixierte und nießte ging mir nur ein Wort durch den Kopf: “EWOK”!

Noch ein Nachtrag: Das Tierchen heißt “Remolus”… ich würde ihn, aufgrund seiner ruhigen, gesetzten und souveränen Art allerdings eher “Ritalin” nennen!“

Die halbe Strecke hielt uns der Köter wach… danach war unsere Müdigkeit einfach weg. Wir kamen im Ergebnis also noch übermüdeter in Joensuu an. Zwinkerndes Smiley

LEAVING HERE

(Pearl Jam)

Es gibt so Tage im Leben, da wird man grundlos sentimental. Tja, und dann gibt es noch so Tage, an denen das alles einen sehr, sehr guten Grund hat. So ein Tag war heute.

Der 30. August ist, was der MsPittili und mir heute im Igor so klar wurde, ein Tag, an dem sich die europäische Jugend traditionell mal so richtig durch mischt. Überall auf unserem Kontinent haben heute Studenten der verschiedensten Nationalitäten einen großen Tag erlebt. Er wird ihnen noch nicht als solcher bewußt sein (zumindest nicht in dem Umfang, in dem er es schon 2014 sein wird), aber im Grunde genommen treten heute eine Menge kleine und große Indiana Jonese ihr ganz persönliches Abenteuer an. Die Rede ist vom viel zitierten Auslandssemester. Dieses beginnt oft am 1. September, was am Vortag eine ordentliche Reisewelle auslöst. Wenn auch nicht direkt, so waren wir dieses Jahr zumindest indirekt beteiligt, indem wir die Kleine Schwester zum High Noon am Flughafen Leipzig-Halle ablieferten. Für sie beginnt nun ein Semester voller Stress, kleiner und großer Organisationskatastrophen und Neuorientierung im gar nicht so fernen Italien. Jedoch ist das nur die halbe Wahrheit… wahrscheinlich nicht einmal diese. Denn so ein Auslandsjahr hat auch unglaublich viele positive Eindrücke, Erfahrungen und neue Menschen zu bieten, mit denen man eine unglaublich aufregende Zeit erleben kann. MsPittili und ich, wir waren dann schon ein bisschen neidisch heute am Gate. Neidisch auf das, was der Kleinen Schwester in den nächsten Monaten so bevor steht. MsPittili hat das HIER schon sehr gut beschrieben, ich für meinen Teil tue das hiermit ebenso.

Gemeinsam ist uns allen dreien eben jenes Datum: Der 30. August. Während es bei der MsPittili exakt ein Jahr her ist, sind es bei mir mittlerweile schon deren zehn. Zehn Jahre ist es her, daß ich im für mich damals noch fremden und fernen Helsinki aus dem Finnair-Flieger stieg und… fror! Wir waren im Jahrhundertsommer 2003 bei gut 30 Grad gestartet und in Helsinki herrschten in der Nacht muckelige 6 Grad. Woher ich das noch weiß? Weil unsere Anreise ein wenig… naja, “unrund” verlief. Unrund, aber dafür legendär. Wir waren zu zweit, der Herr Z. und ich; zwei sehr gute Freunde und Kommilitonen auf dem Weg ins nordische Abenteuer. Wir hatten eigentlich nur einen Planungsfehler begangen, der war dafür fundamental. Wir gingen davon aus, daß wir von 23 bis 7 Uhr schon einen Weg finden würden uns in Helsinki zu beschäftigen. So lange hatten wir Aufenthalt bis unser gebuchter Zug nach Joensuu ging. Aus heutiger Sicht hätten wir ein Hostel buchen und am nächsten Vormittag aufbrechen sollen. Ich nahm eben, inspiriert durch die Verabschiedung der Kleinen Schwester, nochmal mein Reisetagebuch von damals zur Hand.

reisetagebuch

Überreicht wurde es mir von all meinen Freunden zu unserer großen Abschiedsparty, die leider auch die letzte Party unserer WG war. Warum? Naja, weil wir alle an jenem 30. August das Weite suchten. Darin dokumentierte ich jedenfalls das ganze Semester ziemlich akribisch. Über folgenden Eintrag mußte ich eben intensiv schmunzeln:

"2:14 Uhr Helsinki Zeit

Seit wir es gegen 1:00Uhr aufgegeben haben eine warme, angenehme Location zu finden, wo man die immerhin sechseinhalb Stunden bis zur Abfahrt überbrücken kann (Anm. 2013: Diskos, Bars, Kneipen… alle zu ab spätestens 1), gammeln wir hier auf ner Parkbank rum bei geschätzten 5 Grad Außentemperatur. Zwischendurch (etwa 01:45 Uhr) haben wir es fertig gebracht aus dem Hbf Helsinki heraus geschmissen zu werden. Daß mir das JEMALS passieren würde. (…)

“Irgendwie erinnert mich das hier och ‘n bissel an Komotau!” (Herr Z., 2003)”

Letzter Satz ist aus heutiger Sicht komplett zu widerrufen, Helsinki ist einfach eine großartige Stadt. Aber wenn man nach einem 25 Grad Temperatursturz in T-Shirt und Sommerjacke übermüdet die Nacht auf einer Parkbank verbringen muss, dann spielt das irgendwie keine Rolle. Helsinki lernten wir noch zu schätzen, soviel sei gesagt. Wir kamen auch an unsere Klamotten nicht ran, da diese im Bahnhofsschließfach verstaut waren. In eben jenem Bahnhof, aus dem man uns eben heraus geschmissen hatte. Zwinkerndes Smiley Die Nacht war lang, kalt, aber eben auch irgendwie legendär. Vielleicht gibts bis Ende des Jahres noch ein paar Schmankerl aus meinem Büchlein, alleine der 1. September mit unserer Zugfahrt hat noch so einiges zu bieten, glaubt mir. Hab das eben mal überflogen… herrlich!

Warum ich das alles schreibe? Naja, einerseits, weil ich eben vollkommen begründet sentimental wurde. Andererseits, weil die Kleine Schwester gut und plangemäß in Pisa angekommen ist und somit schon die erste Etappe wesentlich erwachsener und – ja, ich muß es zugeben – besser durchdacht hat als ihr großer Bruder vor einer Dekade. Ein Reisetagebuch haben wir ihr übrigens auch mit auf den Weg gegeben. Wäre auch unentschuldbar, wenn nicht. Schließlich merke ich gerade, wie schön es ist, wieder darin zu blättern. Smiley Also, Kurze, halt die Ohren steif und rocke das Stiefelland! Laß Dich nicht entmutigen wenn mal was nicht gleich so läuft, wie es ursprünglich organisiert war (hey, das sind Italiener… mehr sage ich dazu nicht Zwinkerndes Smiley ) und genieße einfach die Zeit. Oder in kurz: VIEL SPAß!!!!

Wer übrigens ein paar mediterrane Impressionen gewinnen will, dem sei ihr Reiseblog ans Herz gelegt. Der erste Eintrag ist sogar schon online und ich wette, da folgen noch jede Menge andere Highlights! Wo er ist, der Reiseblog? Entweder in meiner Blogliste oder ganz einfach

HIER!

Es ergeht hiermit Lesebefehl! Zwinkerndes Smiley