Dienstag, 26. November 2013

WAS DU BRAUCHST

(Blumentopf)

Leute, Mann lernt nie aus! Dieses Jahr ist das erste, in welchem ich mit der MsPittili zusammen die Weihnachtsvorbereitungen treffe, will heißen: auch die Wohnung festlich aufhübsche. Seit einigen Tagen – nein – Wochen macht seitens der Frau der Begriff “Weihnachtsdeko” die Runde. “Weihnachtsdeko”…! “Gut,” dachte ich als ordnungsgemäß ausgebildetes Erzgebirgskind “davon hab’sch genuch!” Allerdings rechnete ich nicht damit, was alles unter “Deko” fallen kann. Für mich als Mann sieht oder besser “sah” Weihnachtsdeko bisher immer so aus:

Nußknacker

oder auch so:

Räuchermännel

Auch Pyramiden und der gute, alte “Schwibbbuhng’” zählten natürlich dazu. 2013 aber wird als Reformjahr in meine Weltanschauung eingehen. Wir durchstreiften heute nach Dienstschluß die Stadt, wo ich leichtfertig eingewilligt hatte, Dekokram zu besorgen. ICH HATTE JA KEINE AHNUNG!!! Männer, es wird euch noch nicht aufgefallen sein, aber es gibt tatsächlich Geschäfte, Läden – ja ganze Warenketten, die sich auf Dekoscheiß spezialisiert haben. Ich war mir dessen nicht bewußt! Da gibt es streng genommen nichts, was einen auch nur durimentären praktischen Nutzwert vorzuweisen hätten, dafür aber allerhand komisches Zeug, das rum steht, funkelt und/oder bestialisch stinkt. Es war eine Herkulesaufgabe daraus die wenigen brauchbaren Stücke heraus zu filtern, die man sich auch in den heimischen vier Wänden vorstellen kann. Aber wir haben es geschafft; weil wir beide voll der Hammer sind! Jetzt bastelt die MsPittili fleißig aus ihren vielen, vielen kleinen ein paar weniger größere Dekoelemente und ich bin schon mal auf das Ergebnis gespannt. Smiley mit geöffnetem Mund Wir werden berichten!

Eine Kleinigkeit habe ich aber auch unter Ausschluß der MsPittililichkeit ganz alleine für mich erstanden. Während die Gute am Nachbarstand irgendwas kaufte (keine Ahnung was genau, wenn ich raten müßte, dann würde ich auf Seife tippen), verkrümelte ich mich an den benachbarten Stand. Dort hatte ein netter Herr seine erzgebirgische Holzvolkskunst aufgebahrt und bot allerhand bunte Räuchergesellen und deren unräucherige Derivate feil. Ich ging ein Mal um den Stand herum und SAH IHN!!! Kennt ihr das auch, daß ihr etwas seht und es einfach haben müßt?!? Jetzt nicht wie bei Schuhen oder so (Frauen verstehen das nicht), sondern, weil es in perfekter Art und Weise handwerkliche Heimattradition mit Niedlichkeit und einem gewissen Schrägheitsfaktor kombiniert? Ich hatte wieder so einen Moment. Da der Geselle mit 8 Ösen auch erschwinglich war, insbesondere für ein Original aus Seiffen, schlug ich einfach zu.

Zertifikat

Daheim angekommen präsentierte ich der MsPittili dann stolz meine Neuerwerbung, welche ich nun auch euch nicht vorenthalten will.

Räucherpreuße

Ein preußischer Pickelhaubenschneemann mit Posaunendingsbums aus dem Erzgebirge… herrlich! Smiley Irgendwie fasst er damit ja auch meine Kindheit ziemlich gut zusammen. Zwinkerndes Smiley 

In diesem Sinne: HO-HO-HO!!! 

Montag, 25. November 2013

MANN, PISS DIE WAND AN!!!

(Donnie Brasco)

Jetzt kommt so ein Blogbeitrag, bei dem ich mir im Kopf heute die “Stilfrage” stellte. Da ich aber explizit unter FSK18 laufe und mir ohnehin manchmal nix zu blöd ist, habe ich entschieden, das einfach mal zu bringen. Warum? Weil ich da heute im Büro wirklich herzhaft lachen mußte.

Aber der Reihe nach! Mir kommen beruflich ab und an ein paar medizinische Fachbegriffe unter, die ich im Zweifelsfall lieber verstehen sollte. Ich habe dann die Wahl, eines der bereit stehenden medizinischen Wörterbücher aus dem Schrank zu holen und nach zu schlagen oder es schlicht und ergreifend zu googeln. Für gewöhnlich lande ich dann – wo sonst – auf Wikipedia. Heute war es mal wieder so weit. Ich las das Wort “Miktion”. Na, weiß einer, was das ist? Nein? Kleiner Hinweis:

“Die gesellschaftliche Haltung gegenüber dem Miktionsvorgang variiert stark zwischen verschiedenen Epochen und Kulturkreisen.” (Quelle: Wikipedia)

Na, jetzt jemand? Immer noch nicht? Nunja, das Wort “Miktion” beschreibt quasi den Vorgang des Urinierens, Pinkels, des Piselns, Strullens… oder platt gesagt des “schiffen Gehens”. (Man kann sich vorstellen, daß es im Regelfall für den Betroffenen nicht sonderlich erfreulich ist, wenn selbiges ärztlich auf seine ordnungsgemäße Funktionalität geprüft werden muß – aber das nur am Rande) Jedenfalls läßt es sich Wikipedia als gutes Lexikon auch nicht nehmen, hier und da die erläuterten Sachverhalte mit entsprechenden Bildern zu untermalen, welche den jeweiligen Vorgang quasi bildlich unterstreichen. So auch im Falle der Miktion! Dort findet man als “Anschauungsmaterial”, also für den Fall, daß der eine oder andere sich mangels persönlichen Erfahrungshintergrundes unter “urinieren” oder eben “schiffen gehen” dann doch nichts vorstellen kann, ein recht skurriles Bilderpaar, welches gleichzeitig noch einen Bezug zur Geschlechtsspezifik des Themas herstellt. Diese zwei Bilder hier meine ich:

Schiffen

… Männer, GANZ GROßES TENNIS! Zwinkerndes Smiley

Dienstag, 19. November 2013

DURCH DEN MONSUN

(Tokio Hotel)

Immer schlechter das Deutsch unserer Banker würd! Zu schreiben in Satz mit Verstand scheinbar unmogelich fur sie ist, mein junges Padawan. Bekommt ich heute gehabt habe folgender Mail mit E.

bank

Klicken du konntest wenn haben du willst Kopie Bild groß zu lesen dem Halt am Inn!

Prost!

PS: Mein Lieblingssatz ist übrigens “Um die Gaunerei und\oder die ungesetzlichen Geschafte zu prufen und zu verhindern.” Zwinkerndes Smiley Wenn man mich schon bescheißen will, dann soll man sich doch bitte wenigstens ein bisschen Mühe dabei geben, das erwarte ich einfach – zur Strafe gibts auch nur dieses Scheißlied von den seltsamen Post-Emo-Punk-Schmuse-Schlager-Witzfigur-Püppis als Titel. Dem hattest du davon nun, Deutscher Bank!

Montag, 18. November 2013

DRAGULA

(Rob Zombie)

Die Südstaatensuffziege hat gerade ein Bild ihrer Vampirkatze getwittert. “Catcontent” nennt man das. Neulich habe ich ja erst interveniert, daß ich “Catcontent” nicht verstehe und gefragt “warum nicht mal Esel”?!? “Eselcontent” quasi. Ich bin mir nämlich sicher, daß Esel mindestens so niedlich sind wie Katzen und vom Internet sträflich vernachlässigt werden. Hier also nun, für, aber nicht exklusiv für, die Südstaatensuffziege ein wenig #Eselcontent:

vampiresel

Entstanden ist das Bild übrigens dieses Jahr in Berlin. Smiley

Sonntag, 17. November 2013

ANIMAL

(Pearl Jam)

Wir wollen bei unserem Dönermann bestellen und vor allem seine neue Homepage mit Bestellfunktion auschecken. Der ist mit Abstand der beste Dönermann hier und bei seinem Angebot könnte ich mir sogar vorstellen mal was Vegetarisches zu bestellen…

Veggie Day

… sehr löblich! Zwinkerndes Smiley

Samstag, 16. November 2013

DEVILS & DUST

(Bruce Springsteen)

Ich habe gerade eine Werbung gesehen, da muß'sch mich ma drüba uffresche!!! Zeit habe ich dazu, weil bei Schlag den Raab ja noch dieses Vorgeplänkel läuft, wo das zuschauende Votingvieh sich einen Kombatanten aus ner Hand voll offenbar freizeitloser Alleskönner heraus knobelt. Bis die fertig sind, bin ich im Optimalfall fertig.

Es geht um “Knorr”. “Knorr” an sich setze ich mal als bekannt voraus. Das ist diese Fressalienschmiede, welche Nahrungsvortäuschungsmittel zusammenrührt und dann in Tütenform verhökert. Aber außerdem scheinen uns diese Typen noch für vollkommen bekloppt zu halten; mag auch daran liegen, daß sie vor allem im Privatfernsehen werben, wo man sich ja der Zielgruppe entsprechend anpassen muß. Wenn Deutschland irgendwann so dämlich ist, wie sie scheinbar denken – bei Knorr – dann können wir den Laden eigentlich gleich dicht machen hier und uns darauf einrichten, Diplome im “Singen und Klatschen” an die akademische Elite zu verteilen. Und womit? Mit Recht! Da lief gerade ein Spot für eines ihrer Fertigtütenprodukte. Gut, von der bröseligen Tunke habe ich ja eh keine allzu hohe Meinung, das dürfte bekannt sein. ABER: “Knorr” setzt  im Spot einen dialektbeladenen Scheinmigranten aus dem Stiefelland ein und versucht uns allen Ernstes weiß zu machen, daß der Typ als “echter Italiener” und Profikoch auf die guten, guten Knorr Produkte zurück greift um sich und den Gästen seines Sternerestaurants eine Lasagne zurecht zu panschen. Ich sag nur: Fail! Eine derartige Vergewaltigung der italienischen Küche sollte strafbar sein. Ich war schon mehrmals in Italien, meine Schwester ist es seit – und noch für – mehrere Monate. Ich vermute mal ganz wild, daß sie mich bestätigen wird, wenn ich sage “Der Italiener, der was auf sich hält, der kocht tendenziell eher frisch.” Gut, auch da hat es bestimmt so eine Gruppe ordnungsgemäß enthirnter Konsumopfer, die sich den industriell produzierten Pamps löffelweise hinter die Kiemen schiebt; aber im Großen und Ganzen dürfte das doch nicht die richtungsgebende Mehrheit sein. Schon gar nicht, wenn man von guter Lasagne spricht.

Es wird der Eindruck erweckt, daß man nur dieses Papiertütchen aufruppen, den Inhalt kurz zum Hackfleisch geben und dann nur noch warten muß, bis der Ofen Vollzug meldet. Dann soll man eine Lasagne ernten, die angeblich “wie in Italien” schmeckt. Tut mir ja leid, aber diese Vorspiegelung falscher Tatsachen ist in ihrem Wahrheitsgehalt… naja… voll die Moppelkotze! OK, passt nun auch wieder zum Produkt befürchte ich. Welcher halbwegs vernünftige Mensch, kann denn auf die Idee kommen, daß irgend etwas, das staubig aus der Aluminiumverkleidung eines Tütchens stiebt allen Ernstes gutes Hackfleisch und frische Zutaten geschmacklich in den Schatten stellt? Nehm mal einen Bund Basilikum in die Hand, vielleicht noch ein wenig Rosmarin dazu und Thymian wenn ihr wollt, zupft das Zeug, schneidet es klein. Dann Hackt ihr euch ein paar Tomätchen nebst Zwiebeln und massakriert ein paar Möhren in möglichst kleine Teile. Dann bratet ihr eine Ladung feinstes Rinderhack auf heißer Flamme an, löscht vielleicht mit einem halbtrockenen weißen ab und dünstet im Resultat noch die Zwiebeln mit glasig. Dann, wenn es so richtig schön duftet, rein mit den Tomaten und den Möhrchen. Dazu noch ein oder zwei Knoblauchzehen grob hacken und unterheben bevor ihr das Ganze dann mit frisch gemahlenem Pfeffer, Salz und von mir aus auch noch einer Prise Zucker abschmeckt. Gerne auch noch etwas konzentriertes Tomatenmark. Zum Schluß dann noch ein wenig Sellerie (wer mag) und natürlich die gehackten Kräuter nach Bedarf. Ich persönlich habe an Kräutern übrigens einen sehr, sehr hohen Bedarf – ich mag Kräuter nämlich. So… stellt euch das einfach mal alles vor eurem inneren Auge vor, schließt die Augen und… ahhhh, könnt ihr es riechen? Riecht supi, oder? Ja, so ist das – so ungefähr macht das auch die Mama vom Stiefelländer. Und nun, stellt euch mal den Inhalt dieses Päckchens vor, der in den Werbespots im Übrigen meist nicht oder nur extrem kurz zu sehen ist. Die wissen schon, warum. Statt dessen springt der “Koch” immer zwischen Kräutertöpfen und Profiequipment rum – nur um uns zu verarschen. Aber ich schweife ab, ihr solltet euch den Päckcheninhalt vorstellen. Kippt man das mal auf dem Tisch aus, dann bleibt ein rotgrauer Haufen leicht säuerlich riechendem Kulinarabfalls. Hier und da soll ein grünes Fitzelchen noch “Kräuter” vortäuschen, ist bei näherer Analyse aber wahrscheinlich nur so ne Art eingefärbtes Sägemehl mit Frostschaden. Jetzt kommt die Königsdisziplin: Stellt euch die Zutaten vom ersten Beispiel vor und dann geht mental mal zurück zu diesem jämmerlichen Haufen Nahrungsverhunzungsstaub. Und jetzt ruft euch mal das Versprechen “wie in Italien” ins Gedächtnis – lächerlicher gehts ja kaum. Sollte der Typ, der da in der Werbung in seiner weißen Schürze rum springt 1. tatsächlich Koch und 2. tatsächlich Italiener sein, dann sollte man den ausbürgern, so daß der beim nächsten geplanten Heimatbesuch praktisch an der österreichischen Grenze abprallt wie’n Flummi von ner Wand. Das ist doch ne Frechheit, diese Werbestrategie! 

Ich frage mich ja sowieso, wie sie diese Bröselscheiße produzieren. Vermutlich wird einfach alles, was bei der Tiermehlproduktion durch den Qualitätstest fällt einmal kräftig durchgemischt, in Glutamat ersäuft und dann gefriergetrocknet. Anschließend wird es in die bunten Beutel abgefüllt und nach dem Zufallsprinzip etikettiert. Soll die Soße etwas dunkler werden, rührt man eben noch ne Portion Farbstoff unter. Streng genommen sieht es ähnlich aus wie das, was einem beim Wechsel des selbigen aus dem Staubsaugerbeutel entgegen stiebt. Der Witz ist ja, daß man viele der vernünftigen Zutaten (wie Hackfleisch) ohnehin noch zugeben muß, die viel beworbene “Zeitersparnis” geht alleine dadurch vor die Hunde. Läßt man das Päckchen einfach mal weg und setzt ein paar Gewürze und Kräuter ein, dann schmeckt es unterm Strich auch noch besser. Das ist ein riesiger Schwindel wenn man so will, mehr nicht. Und ganz nebenbei: Das, was im Spot dann auf dem Teller landet und als vorgegaukeltes Endresultat (-> Serviervorschlag) den Bildschirm ziert, das bekommt man ohnehin nur mit ner Armada von Food-Designern hin. Essbar ist das natürlich nicht mehr danach. Das ist jetzt alles nicht neu, aber diese Dreistigkeit, die hat mich eben wirklich uffgeregt, mordsmäßig uffgeregt!

PS: Falls jetzt jemand denkt, ich wüßte doch gar nicht wovon ich rede, da die Tütchen doch voll viel toller und besser und billiger und überhaupt viel hochwertiger seien als das ganze frische Zeug, dem sei gesagt: Ja, der Onkel war aber auch mal Student. Nur mit der Zeit habe ich mir dieses Gelumpe aus Geschmacksgründen gründlich abgewöhnt. In diesem Sinne, lieber kochender, volksverdummender Tütchenpseudoitaliener: VAFFANCULO!!!

Samstag, 9. November 2013

DIE FETTE ELKE

(Die Ärzte)

Die Elite unter euch sollte mittlerweile ja mitbekommen haben, daß ich alleine zu Hause bin momentan. Die MsPittili ist ausgeigort und ich kann ein ganzes verlängertes Wochenende lang tun und lassen was ich will. Großartig ist das! Allerdings dürften einige von euch auch schon mitbekommen haben, daß der Onkel manchmal ein wenig… naja… sagen wir mal “verhaltensoriginell” ist. Vorgestern zum Beispiel, da wußte ich nicht, was es zum Abendbrot geben soll und entschied mich dann für das, was ich seit Jahren als “Primitivlingsnudeln” kenne. Allerdings wollte ich dann doch ein bisschen Fleisch mit dabei haben und irgendwie kam es dann halt, daß ich das hier tat…

Wurschtghetti

was dann nach dem Kochen…

kochen

auch im gewünschten Ergebnis mündete:

resultat

Warum ich das gemacht habe? Hmm, warum nicht?! Außerdem hat man so nicht immer das Problem, daß man anfangs nur Nudeln, aber keine Wurst auf der Gabel hat und am Ende vom Teller dagegen nur noch Würschteln den Teller füllen.

Man mag das jetzt seltsam halten, man mag mich auch mit “der hat einen an der Waffel” diskreditieren… aber es gibt da noch wesentlich Schlimmeres. Hätte ich anstatt Würstchen lebendige Mistkäfer auf die Spaghetti gefädelt und hätte das ganze dann in einem Kessel Fledermausblut gekocht, der über einer grünen Flamme hängt, welche mit den getrockneten Kadavern von Pfeilgiftfröschen genährt wird, dann wäre das als Nahrungsmittel immer noch nicht annähernd halb so absurd wie dieser kulinarische Blödsinn hier:

glöcklergedööns

Als ich das heute im Penny sah (ich wollte Sprühdosenschlagsahne holen und kam außerdem noch mit ner Packung Hackfleisch wieder – sicher ist sicher), da stand ich erst einmal kopfschüttelnd vor der Auslage – konnte dann aber, verstört wie ich war, doch noch das Foto oben schießen. Glööckler, der an sich ja durchaus sympathisch rüber kommen kann, wenn er mal in einer qualitativ höherwertigen Talkshow sitzt und nicht im “Bling-Bling-Vermarktungs-Modus” läuft, hat jetzt Pralinen auf den Markt geworfen. Man kennt ihn ja bisher nur als Erfinder der hüftverbreiterten Glitzerjeans. Postklimakterische Beinkleider aus Fernost, denen dann von Mindestlöhnerhand mit Hilfe einer Tube UHU aus billigem Funkeltand noch Kronen, Schwäne und anderweitiger pseudoaristokratischer Schnickschnack auf den Arsch geschmiedet werden. Dann hängt der Meister noch ein Pappschildchen ran, worauf sein von Chirurgenhand dilettantisch zurecht geschnitztes Konterfei prangt und gibt dem Elend noch einen Namen; “POMPÖÖS”. Der so kreierte, komplett überflüssige Konsummüll wird von der “Hafra-u-mu”-Subkultur begeistert bestellt, sodaß der Teleshoppingsender, in welchem der Glitzerfunkelmessias hin und wieder gar selber auftritt, den Ramsch noch nicht mal ins Lager räumen muß, sondern die Beinkleider des Grauens gleich direkt vom Laster in die Versandkartons pfeffern kann. 

Als Geschäftsmodell unschlagbar – zugegeben.

Aber warum sattelt der Kerl jetzt auf den Vertrieb von Zuckerpampe um? Will er, daß sich seine Jüngerinnen aus ihren erworbenen Blinkerjeans quasi “heraus genießen” und dann  gezwungen sind, sich die Dinger ein zweites Mal in ein bis fünf Nummern größer nach zu ordern? Raffiniert, der Harry, muß man ihm lassen! Allerdings würde ich ihm dann doch nahe legen, über den Namen dieser kulinarischen “Kostbarkeit” nach zu sinnen. Die Matronen, die diese Dinger während dem täglichen Intensivputz der heimischen Furnierholzschrankwand Modell “Gelsenkirchener Barock” in sich hinein schaufeln werden, während der Knopf ihrer alten Pompöös-Jeans lauthals ächzend die Krise kriegt, die haben dann doch die Wahrheit verdient. “Pralinöös”, boah ey, klingt das dämlich!!!! Mein Vorschlag für die Hüftexplosionsplätzchen wäre ja:

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Achtung…

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gleich kommt’s

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“ADIPÖÖS”

Mittwoch, 6. November 2013

LIEDER, DIE DIE WELT NICHT BRAUCHT

(Die Doofen)

Was ich da gestern lesen mußte, das war eigentlich sowas von vollkommen Banane, daß ich es gar nicht erst kommentieren wollte. Heute hingegen, heute hatte ich da ne Idee – also werde ich es doch tun. Vorab mal ein paar Eckdaten: Mir, einem Atheisten und glühenden Befürworter eines religionsfreien Staatswesens, geht es am Arsch vorbei, ob ein Feiertag nun religiös ist oder nicht. Papa hat frei und/oder kriegt Geschenke – passt! Andererseits bin ich mir auch bewußt, daß es so etwas wie eine christliche Tradition in diesem Land (ja, auf diesem Kontinent) gibt, aus der unser Staat entstand. Das Vorhandensein und somit auch das Feiern von Feiertagen christlichen Ursprungs ist da schon historisch betrachtet logisch für mich. Der Punkt ist: Ich muß ja nicht mit machen, oder eben nur so, wie es mir gerade gefällt. Seine kulturhistorischen Wurzeln sollte man nicht verleugnen oder gar abschaffen, das ist nicht nur völlig irre, das wird und kann auch keiner ernsthaft verlangen. Nun macht aber die Linkspartei mal wieder den Bückling… tja, vor wem eigentlich? Ich habe noch keinen Moslem klagen gehört

“Uuuhhhh, die blöden Christen, die grenzen mich hier voll aus mit ihrem blöden Laternenumzug… HILFE, HILFE… ICH WERDE UNTERDRÜCKT!”

Viel mehr pinseln die Lefties hier mal wieder ein Schreckgespenst an die Klagemauerwand der politischen Überkorrektheit, das die paar vernünftigen Menschen, die es in diesem Land noch gibt, nur mit dem Kopf schütteln läßt. “Sonne, Mond und Sterne – Fest” will man Sankt Martin nennen, weil das so schön unreligiös ist. Meint zumindest die Linkspartei. Bei mir wäre das, würde es tatsächlich umgesetzt, eher so eine Art “Himmel-, Arsch- und Zwirntag”. Wenn es nach denen geht, dann sollen wir unsere Feiertage umbenennen, weil sie andere Religionen diskriminieren könnten. Mal ne Gegenfrage, liebe Kommis: Sollen die ihre Feiertage auch umbenennen, weil sie rein theoretisch bei Christen ein Gefühl der Diskriminierung auslösen könnten?? Na, positioniert euch mal; denn DAS wird von euch Pfeifenköppen niemand ernsthaft fordern, weil ihr da schon parteiintern wieder kräftig mit der Rassismuskeule auf die Rübe kriegt – und zwar vollkommen zu Recht. Aber mit den Christen, mit denen kann man es ja machen – gibts ja hierzulande auch kaum welche. Da kriecht der deutsche Michel (ja, ich weiß: unglückliche Metapher) mal wieder präventiv zu Kreuze und tut das, was er so gerne macht: Er leidet und entschuldigt sich für sich selbst und seine Existenz. Die alleralleraller gutestestesten Gutmenschen versuchen sich mit dem erhobenen Zeigefinger zum moralischen Mahner aufzuspielen und auf “Mißstände” aufmerksam zu machen, wo vernunftbegabte Menschen schlicht und einfach nur einen Feiertag sehen, an dem man seine Blagen mit ner großen Laterne mal beaufsichtigt ne Stunde durch die Stadt schicken und selber derweil in Ruhe ne Bockwurst essen kann. Falls es diese Egalitarismusdemagogen noch nicht mitbekommen haben: Keine Sau braucht diese Diskussion! Kein Moslem in diesem Land ist auf ein Mal glücklicher oder besser integriert, nur weil sich “Sankt Martin” plötzlich “VEB Himmelskörper” heißt (oder wie auch immer). Es ist erschreckend für mich, mit welcher Vehemenz sich manche an den Rande der Bedeutungslosigkeit gewählte Splitterparteien um ein zukünftiges Unterschreiten der 5%-Hürde bewerben. “Vielfalt” heißt, daß man vieles zuläßt, toleriert. Sollen doch alle Religionsgemeinschaften hier im Lande ihre Feiertage feiern bis der Papst boxt, was geht es uns an? Jetzt gleich wieder rechthaberisch auf eine Gruppe ein zu polemisieren, das ist voll Moppelkotze. Wenn man sich seitens der Linken mal ein wenig mit dem Islam beschäftig hätte, dann wüßte man, daß sie im Grunde genommen wesentlich mehr Verständnis für andere Religionen haben als es ihnen hier unterstellt wird. Atheismus ist für den Islam viel schwerer nach zu vollziehen als das Christentum. Gut, bei radikalen Strömungen ist das anders, aber das trifft genau so auf andere Religionen zu. Ich sage nur “Tea-Party” – ein besonders bemesserter Haufen ultrakonservativer Vollpfosten – aber das nur am Rande. Unterm Strich wird hier also mal eben eine komplette Religionsgemeinschaft durch die Lefties pseudoradikalisiert indem man ihnen eine Meinung unterstellt, die von ihnen wenn überhaupt nur eine Minderheit vertritt. Die Argumentation ist aus meiner Sicht nun wirklich vollkommen plemplem!

Vielleicht mischen sich ja aus purem Protest gegen diese Schwachsinnsidee dieses Jahr auch ein paar muslimische Kinder mit unter die Laternenumzüge dieses Landes. Gemeinsam mit all den anderen Kindern, könnten sie dann ein Liedchen trällern und gleich mal ein Zeichen setzen, daß es wesentlich sinnvoller ist ein Miteinander zu fördern, als implizit ein Gegeneinander zu fordern. Ich hab da mal was vorbereitet:

DIE VERNUNFTFERNE MÄR VOM SANKT KOMMI

Sankt Kommi, Sankt Kommi

Sankt Kommi ist ein Meckerkind

Sein Fähnchen stramm im Meinungswind

Sankt Kommi klagt uns seine Qual

Vom Feiertag, der ihm egal.

 

In der Debatte, in der Debatte

In der Debatte Sprach Muselmann: “Du dummes Luder!

Laß feiern unsern Christenbruder!

Der Maddin war ein guter Mann

Der hatte einen Umhang an!”

 

Sankt Kommi, Sankt Kommi

Sankt Kommi tat das arg verbrämen

Wollt’ er sich öffentlich doch schämen

Sankt Kommi von der Kolchos-Ranch

Hält sich für nen guten Mensch’.

 

Sankt Kommi, Sankt Kommi

Sankt Kommi poltert volles Rohr

und schreibt dem Muselmanne vor

Was ihn zu unterdrücken hat

Und walzt dabei die Freiheit platt.

 

Amen!

Sonntag, 3. November 2013

IRONIC

(Alanis Morisette)

Ich bin zwar nicht der große Kneipengänger, aber das Innenstadtfundstück von letzter Woche kann man ja mal einfach so im Raum stehen lassen:

ironic

Zwinkerndes Smiley

PS: Ich glaube ja, daß die fehlerhafte Interpunktion den Laden ruiniert hat.

Donnerstag, 31. Oktober 2013

SUPERBEAST

(Rob Zombie)

Mahlzeit! Mir fiel vorhin auf, daß ich mich dieses Jahr noch gar nicht über diesen Halloween-Kommerz-Kokolores aufgeregt habe. Hmm, mag daran liegen, daß ich dieses Jahr – in begrenztem Rahmen – mitmache. Als wir vorhin vor unserem Sonnenspaziergang durch die Innenstadt zurück kehrten, da rief uns ein überaus geschockter, ja vor Entsetzen erbleichter Obernachbaruropa, der gerade noch seine Urenkelin in Sicherheit bringen konnte, zu, daß wir uns vor den “zwei Gestalten im Treppenhaus” in Acht nehmen sollen. Als wir dann die Treppen zu unserem Domizil erstiegen, dann standen auch plötzlich ein anatomisch doch arg frei interpretiertes Skelett und eine recht dämlich drein blickende Fee entgegen. Wahrscheinlich hatten sie soeben bei uns geklingelt und – naturgemäß – nix bekommen. Die Beutel, die sie mit sich führten waren auch eher so subvoll… man möchte schon fast sagen “leer”. Sie klingelten dann noch bei den zwei alten Damen im Erdgeschoß und zogen weiter, uns behelligten sie nicht noch ein Mal. Es gibt zwei Digne, die bemerkenswert sind an dieser Begebenheit. 1. Ist es das erste Mal in meiner Karriere als Erdenbürger, daß ich hier “Kinder” gesehen habe, die diesen “Süßes oder es gibt Saures”-Quark durch ziehen. 2. Waren die schon locker strafmündig. Sprich 14 waren die bestimmt! Wenn wir jetzt mal davon ausgehen, daß sie nicht eine Horde Zweitklässler ausgeraubt und aus ihren Kostümen ein entsprechendes Outfit gebastelt haben (dafür hatten sie auch zu wenig zuckrige Beute dabei), dann haben sich da ein paar sonst obercoole Justin Bieber – Jüngerinnen letztmalig in ihrer vorkarnevalistischen Schnapsleichenkarriere in eine Kostümade gezwängt um ihre Mitmenschen kalorisch auszurauben. Wenn plötzlich so ein knapp einen Meter großes Gespenst vor der Tür stünde, das verlegen mit seinem Plasteeimer winkt, in dem schon ein Snickers, drei Hallorenkugeln, eine angebissene Tafel Milka und ne Hand voll Schnapspralinen rum kullern, dann ist das ja was Anderes. Für diesen Fall haben wir, quasi als Notfallration, auch ein paar Schokoaugäpfel da. Aber Teenies? NÄ!!!! Nicht mit mir! Nie nen ordentlichen Horrorfilm gesehen haben und elektrische Depri-Volksmusik für Metal halten und dann noch abkassieren wollen?!! Vergeßt es! Jedenfalls klingelte es irgendwann gegen 6 erneut. Ich lag grad dösend auf dem Sofa und entschied mich nicht zur Tür zu gehen. Die MsPittili, die durch das offene Fenster lauschen konnte, sagte mir später, daß sich zwei Grüppchen an unserer Haustür trafen. Diese fingen dann, nachdem das Alter erfragt war (“Ohh, cool, ihr seid 14!! Wir auch!”), hemmungslos an miteinander zu flirten. Oder zumindest das zu tun, was man in dem Alter dafür hält. Ich war dann froh, daß ich nicht aufgestanden bin… am Ende hätte ich diese unberechenbaren Hormonterroristen noch abwimmeln müssen… und unten steht mein Igor ganz alleine, diesen Irren schutzlos ausgeliefert.

Halten wir fest: Nachdem hier in Chemnitz ewig keine marodierenden Banden umher zogen um Schokokram einzusammeln wurde diese Marktlücke nun von der verkommenen Jugend von Heute besetzt. Was nun aber meine Partizipation an Halloween angeht, so habe ich es endlich geschafft, mal einen Kürbis zu schnitzen. Das wollte ich schon die letzten 10 Jahre tun und vergaß immer was? Genau, einen Kürbis zu kaufen! Dieses Jahr haben wir es gemacht und ich habe mich vorhin ein wenig ausgetobt

Myers

Illuminiert sieht der Geselle übrigens so aus:

Myers2

myers3

… und damit die Teenies weg bleiben, steht das gute Stück jetzt auf dem Küchenfensterbrett und verbreitet von da aus Angst und Schrecken:

myers 4

myers 5

Mittwoch, 30. Oktober 2013

PAY ME MY MONEY DOWN

(Bruce Springsteen)

Ich habe ja neulich die Rubrik “Phrasenrodeo” eingeführt. Heute wurde ich spontan wieder an eine weitere erinnert. Nun, nicht direkt, sondern eher über 5 Ecken, indem das Thema “Polizei” angesprochen wurde und ich dabei spontan an eine Sendung denken mußte, die ich vor ein paar Wochen in der Mediathek nebenher dudeln ließ. Der Hintergrund ist recht simpel: Die Polizei versteht sich bisweilen ja als “Dienstleister an der Gesellschaft”. Das ist gut und sicherlich auch richtig so. Allerdings wird das bisweilen auch, wie soll ich sagen, “mißverstanden”. Nachdem ja mittlerweile jedweder Kommune vorgeworfen wird, die Blitzeranlagen in Form von gezielter Autofahrermelkerei zu betreiben, indem man die Radarfallen an vollkommen sinnfreien Locations aufbaut, sah man sich scheinbar genötigt gegen zu steuern. Es gibt in einigen Bundesländern die Möglichkeit, sich beim Schutzmanne zu melden und eine Verkehrskontrolle an einer beliebigen stelle zu initiieren, an der man meint, daß es da mal Not täte. Das taten auch einige und oftmals macht das auch Sinn. Im Rahmen der Doku wurde es aber leicht absurd. Irgendwo in der Eifel existiert eine Strecke, die an bestimmten Wochentage für Motorradfahrer gesperrt ist. Nun führt diese Strecke nicht etwa an schulen, Kindergärten, Altenheimen oder diversen Atommüllendlagern vorbei, die jeweils vor den Zweiradrambos geschützt werden müssen. Schaut man sich den Streckenverlauf beidseits der “Piste” an, gestaltet der sich ungefähr so: Links ein Baum, rechts ein Baum… und dazwischen: Zwischenraum! Im Zwischenraum, man glaubt es kaum: Noch ein Baum! Sprich: Wald! Nun hatten aber drei semisenile Graukappen, denen der Tag offensichtlich zu lang wurde, die bombastische Idee, man könne sich doch über diese Volksnähe-Aktion der Polizei ne grüne Minna bestellen und die StVO endlich mal durchsetzen. Daß da das Fernsehen dabei war, das spornte die Kalkheimer naturgemäß noch mehr an in ihrer Selbstgerechtigkeit.

Im Ergebnis standen dann die Polizisten mehrere hundert Meter nach dem Verkehrsschild hinter einer Kurve und zogen Zweiradfahrer nach Zweiradfahrer sprichwörtlich “aus dem Verkehr”. Die mußten dann blechen und durften wieder abdampfen. Die Polizisten machten das durchaus sehr sympathisch und freundlich wie ich fand; gut, ich würde da auch nicht meinen knurrigsten Beamten hin schicken wenn die Kamera läuft (obwohl das den Unterhaltugnswert sicherlich gesteigert hätte). Ein paar Meter abseits standen dann die Rentner, die Herrenhandtasche stramm ums Handgelenk gezurrt und überwachten das Treiben. Mit jedem Verwarnten stieg der Wichtigkeitsindex der Knispelrunde auf ein neues Level. Selbstzufrieden lächelnd begannen sie im Überschwang der Emotionen schließlich auch noch die ganze Aktion zu kommentieren. Man müße doch sehen “daß alles seine Ordnung hat” und es könne ja nicht sein, daß diese Rowdys die schönen, großen Verbotsschilder einfach so ignorieren – wo kämen wir denn da hin?! Hätte eigentlich bloß noch gefehlt, daß einer der doppelbeherzten Granufinken “beim Adolf hätte es das nicht gegeben” zu Protokoll gegeben hätte. Das traute man sich dann aber doch nicht, mag an den anwesenden Ordnungshütern gelegen haben. Was sie allerdings auf die Nachfrage verlauten ließen, warum sie sich denn an die Polizei gewendet hätten, das hatte dann schon allerbeste “Phrasenrodeo”-Qualität. Der offensichtliche Rädelsführer der ordnungsfanatischen Stützstrumpfbande – btw: ein besonders verhutzeltes Exemplar – raunzte mit durchgedrücktem Rückgrat und im Brustton tiefster Überzeugung folgendes in die Kamera:

“Ich bin Steuerzahler!”

Interessant! Und die Motorradfahrer? Die nicht? Ich mache da schon auf den ersten Blick leichte, aber nur ganz, ganz leichte Logiklücken in seiner Argumentationsstruktur aus. Mir fiel dann aber auf, daß das ein relativ beliebter Einwand hierzulande ist. Ich habe das auch schon öfter erlebt. Beruflich wie privat… bisher aber wesentlich öfter beruflich. Wenn einem was nicht passt, dann ist er immer gleich “Steuerzahler”.

Beispiele: Mann wird mit 230 im verkehrsberuhigten Bereich geblitzt und soll den Lappen abgeben? Reaktion: “SKANDAL! Ich bin STEUERZAHLER!” Die Gebrüder Müller spielen auf dem Rasen Fußball (TROTZ entsprechendem Verbotsschild): “Ich zeige eure Väter an! Schließlich bin ich Steuerzahler!” Jemand drängelt sich an der Kasse vor: “S-T-E-U-E-R-Z-A-H-L-E-R!!!!” 

Ich frage mich, was das beim Gegenüber bewirken soll. Ich für meinen Teil bin noch nie erschrocken zusammen gezuckt und habe mir dann gedacht “Huch!!! Ach herje, ein Steuerzahler! Jetzt sollte ich aber lieber ganz schnell sämtliche Rationalität, Gesetzeslage und Vernunft vergessen und ihro Majestät umgehend jeden Wunsch erfüllen!” Bestenfalls war ich ein wenig überrascht (“Ahhh, so sehen die also aus!”), weil ich anscheinend noch nie zuvor einen gesehen hatte (wenn mit das ein “Steuerzahler” unterstellt, dann muß das ja stimmen, “Steuerzahler” haben ja bekannter Weise immer Recht… IMMER!). Gut, Steuerzahler sind wir jetzt alle, aber nur die absolute Elite darf das auch öffentlich äußern – sich quasi “outen”. Vielleicht ist das aber auch mehr als eine Drohgebärde, vielleicht hat das ja sogar so was wie Informationswert für das Gegenüber dieses “Steuerzahlers”. Vielleicht meinen diese “Steuerzahler” ja, daß es ihnen in irgend einer Art und Weise Macht oder Verfügungsgewalt über die Staatsdiener gibt. Darauf deutet auch hin, daß dieses “Ich bin Steuerzahler”, sollte es mal nicht angemessen ernst genommen oder gar mit Ehrfurcht quittiert werden, gerne noch um ein “Ich zahle ihr Gehalt!” erweitert wird. Aha…! Die immanente Logik lautet dann praktisch: “Mein Haus! Mein Auto! Meine Yacht! Mein Rennpferd! Mein Polizist! Mein Richter!”  Warum? Weil sie Steuerzahler sind (Mensch Leute, passt doch mal bissel besser auf hier!) “Steuerzahler” ist heutzutage so etwas wie der selbstgebastelte Persilschein für penetrantes Verhalten. Ich meine: Was will man denen denn auch entgegnen. Im Grunde genommen haben sie ja Recht, nur hat das meist keinen Sachbezug. “Ich bin Steuerzahler” ist als Argument ungefähr so stichhaltig und überzeugend wie “Ist halt so!” oder “Bielefelt existiert” – kompletter Nonsens eben!

Denkt man das mal konsequent zu Ende mit dem “ich bezahle Dich, also gehörst Du mir”, dann landen wir wo??? Prostitution? NEIN, also bitte! Wo ihr gleich wieder hin denkt, ihr Schelme! Nein, wenn man das mal rational durchspielt, dann stellt man fest, daß diese Phrasendreschmaschinen sich alle für kleine Berlusconis halten (hmm, ich hätte die Prostitutionsanspielung nicht sofort negieren sollen fällt mir dabei auf). Grinsende, einsfuffzich große, schmierige Geldsäcke, die sich mit ihren Penunzen die eine oder andere Vergünstigung verschaffen können, welche dem Normalbürger verwehrt bleibt. Aber spätestens hier beißt sich die Katze aber auch wieder endgültig in den Schwanz; denn was ist Onkel Berlusconi laut Gerichtsurteil anscheinend nicht gewesen? Röchtöch: STEUERZAHLER!

Zwinkerndes Smiley

Sonntag, 27. Oktober 2013

THE E-STREET SHUFFLE – (Buchrezension “Bruce” von P.A. Carlin)

(Bruce Springsteen and the E-Street Band)

Es gibt so Themen in meinem Blog, die recht selten auf der Tagesordnung stehen. Das liegt nicht an der allgemeinen Belanglosigkeit in meiner Offline-Welt, sondern viel mehr daran, daß ich nur selten finde, daß es sich lohnt, diese auch im Blog abzuhandeln. Bücher sind so ein Thema. Ich lese zwar nicht sonderlich schnell, aber dennoch ein Menge. wobei man erwähnen sollte, daß ich von den Genres schon recht festgelegt bin. Ebenso was die Bücher angeht, die ich im Normalfall nicht anrühre. Jedoch gibt es Ausnahmen von diesen Regeln und eine solche will ich euch mal kurz vorstellen.

Es gibt Menschen, die lieben es Biographien zu lesen. Menschen lesen Bücher von Menschen über Menschen… sozusagen. Man könnte es auch “Biographien” nennen. Ich persönlich finde hingegen, daß es kaum langweiligere Buchgattungen als Biographien gibt… im Normalfall wie gesagt. Es mag dabei auch eine gewichtige Rolle spielen, daß die “Biographie” hierzulande einen wirklich, wirklich bösartigen Todfeind hat: Den Promi! Man hat ja bisweilen das Gefühl, daß jeder bestenfalls semiprominente Vollpfosten, der in den letzten 20 Jahren irgend wann mal von Frauke Ludowig ausgebeutet wurde, im Karriereherbst nen Rappel kriegt und meint, er müsse der Einwohnerschaft seines Heimatlandes etwas Gutes tun und sein gelebtes Elend literarisch unters Volk bringen. Wenn man ganz viel Glück hat, dann schreiben diese Birnen das wenigstens noch selbst, dann kann man quasi 1:1 nachlesen, wie beschränkt sie doch sind. Meistens aber wird ein “Biograph” beauftragt ein paar hundert Seiten zusammen zu ghostwritern. Das hat dann für den Delinquenten den Vorteil, daß er sich beruhigt ins Dschungelcamp begeben und sich im Gedächtnis des Volkes wieder ein wenig festkrallen kann. Während er in Australien fröhlich ‘nen Eimer Maden lutscht oder sich vor laufender Kamera Blutegel ans Gemächt dübeln läßt, klimpert der Hiwi seine Lebensgeschichte in die Tasten. Sobald das Publikum ihn dann “rausgewählt” hat, kann sich unser Z-Promi dann ganz der Vermarktung seiner “Biographie” widmen. Das Schlimme ist, daß diese Machwerke eigentlich immer gehen, egal wie dämlich, inhaltsleer und literarisch wertlos diese Ergüsse sind. Gekauft wird dieser Humbug trotzdem. Was hat man sich in den letzten Jahren über die Biographien von Leuten wie Philipp Lahm (… mit Mitte 20 schreibt Zwerg Nase ne Biographie… are you fucking kidding me?!?), Bettina “Ehrensold ist Armutsrisiko” Ex-Wulff oder jüngst eben von unser aller äääähhhhhh… Bobbele aufgeregt?! Der Tenor war doch immer: “überflüssiges, inhaltsarmes Machwerk, das mehr der Selbstdemaskierung als dem Verständnis der Person dient.”  Verkauft hat sich der Schrott doch trotzdem, egal wie blödsinnig der Inhalt war. Warum? Weil es jeder “gelesen haben mußte”, weil in der heutigen Medienlandschaft “Präsenz” mit “Prominenz” verwechselt wird und jeder Kaschper, der nur oft genug über die brownsche Röhre hampelt gleich als “interessant” erachtet wird. So kauft Lieschen Müller dann aus dem Drang heraus “mitreden zu können” Bücher von Leuten wie Dieter Bohlen… der kann schon nicht singen, geschweige denn einen vernünftigen Satz bilden, warum zum Henker sollte man denn dann ein Buch von dem kaufen?! Diese Bücher sind doch verschwendete Lebenszeit.

Legitim finde ich hingegen, wenn es sich um wirklich relevante, interessante und wichtige Personen der Zeitgeschichte handelt. Dann, so finde ich, kann man die Bücher ruhig lesen… muß es aber nicht. Viele lesen bespielsweise Bücher des Dalai Lama oder eines Papstes (ist ja nun schon der Dritte den wir haben in den letzten 30 Jahren… man kommt ja gar nicht mehr mit) und erhoffen sich davon spirituelle Erleuchtung ect.. Ich kann damit nix anfangen. Oder bei großen Künstlern, warum hat er welches Bild gerade wie gemalt und weshalb hat sein Pinselstrich was mit der Leprakrankheit seines Ur-Ur-Ur-Ur…. URgroßonkels mütterlicherseits zu tun? Nun, das sind für mich im Algemeinen Fragen, auf die ich keine Antwort haben muß… wenn der gemalte Baum schön aussieht, dann reicht mir das an Information. Der Punkt ist einfach: In (Auto-)Biographien passiert mir meist zu wenig. Auch ist mir die Perspektive oft viel zu einseitig. Auch, wenn ein externer Schreiberling berichtet, dann wird mir der Portraitierte doch zu oft zu sehr in den Himmel gehoben und über den grünen Klee gelobt. Warum? Na, die potentiellen Käuferschichten sind halt “Fans” im wie auch immer gearteten Sinne.

Für mich persönlich gab es bisher nur eine Ausnahme von dieser Regel, nämlich diese hier:

Lemmy

Gut, vom Thema her ist das jetzt zwar genau das, was ich bisher langweilig fand: Eine Person des öffentlichen Lebens tut sich mit einem Autoren zusammen und schreibt ihr Leben auf. Naja, aber… es geht hier immerhin um Lemmy! Um den Mann, der einst sagte “I remember the time before there was Rock’n Roll!” und der das dann auch so meint. Außerdem ist Lemmy ein richtiges “Urvieh”, wie meine Mutter sagen würde und dieses Buch ganz bestimmt nicht zu unrecht in der Reihe “Heyne Hardcore” erschienen (in mehr als nur einer Hinsicht, glaubt mir!). Ein blanker Lesespaß, was auch an dem knochentrockenen britischen Humor und dem ungemein gut transportierten, direkten Stil von Herrn Kilmister liegt. Den hat er in seinen Songs drauf, in seinen Interviews und in dem Buch erst recht. Highlight des Buches im Übrigen: Die UFO-Story… einfach grandios!

Nun jedoch kam eine zweite Ausnahme hinzu, nämlich diese hier:

bruce 2

Bruce 1

Ich bin vorhin endlich damit fertig geworden, nachdem ich Ende August die ersten Zeilen las. Man kann das Cover im Übrigen auch so aussehen lassen, als hätte Bruce voll den monströsen Riesenzinken:

Bruce 3

… aber das nur am Rande! Jedenfalls sollte das nun eigentlich eine dieser Biographien sein, die ich gemäß meiner einleitenden Worte eher langweilig finde. Zumal ja nicht nur das Buch an sich auch total verschieden zur Autobiographie von Lemmy ist, der Boss hat mit Lemmy ja an sich auch recht wenig gemein, was u.a. in entsprechenden Äußerungen von Lemmy über Springsteen gipfelte. Aber das nur am Rande. Nachdem ich 2012 und auch dieses Jahr 2013 zwei absolut großartige Konzerte des Boss besucht hatte und mich in der Folge so langsam in sein Gesamtwerk “unterhalb” der bekannten Hits und der Born to Run / Born in the USA hinein arbeitete (glaubt mir, dazu reicht ein Jahr nicht aus), war ich doch schon ganz schön neugierig. Ich hatte richtig Lust auf dieses Buch und fing einfach an zu lesen, obgleich ich noch 2 andere Bücher “in Bearbeitung” hatte. Heute nun beendete ich die knapp 600 Seiten und muß sagen, daß ich nicht enttäuscht wurde. Der Schreibstil von Peter Ames Carlin ist richtig gut. Er macht das Lesen und vor allem das Verstehen sehr einfach und kann auch von den frühen Bandtagen als Schülercombo bis hin zur Stadion-Rock-Phase sämtliche Anekdoten und Beziehungen unter den Protagonisten spannend und anschaulich transportieren. Das Buch liest sich angenehm unaufgeregt und vor allem mit einer sehr wohl tuenden Distanz. 600 Seiten “Springsteen ist der Größte”-Gelobhudel hätte ich nicht ausgehalten, glaubt mir. Carlin zeichnet hier zwar auch den begnadeten Songschreiber und Bandleader Bruce S., allerdings auch mehr als ein Mal den kauzigen, bisweilen grummelnden Freak, den akribischen Frickler, den besessenen Perfektionisten und auch den gescheiterten Ehemann und aber auch späteren Vater sehr, sehr plastisch und anschaulich. Was es für mich so richtig interessant und lesbar macht, das Buch, das ist sein permanenter Bezug zu den einzelnen Alben. Nachdem man am Anfang in die Familiengeschichte der Springsteens eingeführt wurde, hat man erst einmal einen Grundstock an Bezugspunkten zum Boss. Man versteht da schon einiges besser, was er so tat, tut, sang, singt, sagte und sagt. Aber wenn man dann die Entstehungsgeschichten der einzelnen Alben quasi miterleben kann und weiß, was gerade los war bei und um Springsteen, dann bekommen die Alben gleich nochmal einen neuen Kick, neue Facetten. Man muß sie dann förmlich erst einmal heraus suchen und sie sich nochmal anhören… zumindest ging es mir so. Das Buch läßt auch die tragischen Teile der Springsteen-Story nicht außen vor, würdigt auch die, die es verdienen und streicht die besondere Beziehung zwischen dem Boss und dem Big Man heraus; was bekannter Maßen ein trauriges Ende findet, als Clemons wenige Tage nach einem offensichtlich sehr, sehr positiven Treffen mit dem Autor verstarb. Wer Springsteen interessant findet oder ihn mag, man muß noch nicht einmal Fan sein, das Buch ist dies auch nicht immer, der hat in dem Buch einen guten Begleiter.

Der größte Verdienst dieses Buches ist zweifelsohne die schon beschriebene musikalische Zeitreise, die man antreten kann, wenn man sich darauf einläßt. Man entdeckt die Alben des Boss nochmal neu, versteht auch einige Hintergründe. Außerdem ist es sehr angenehm, mal nicht mit unreflektierter Heldenverehrung zu geschüttet zu werden, sondern ein reflektiertes Bild zu erhalten. Der Boss wird als herzensguter Mensch beschrieben, der aber auch einem gepflegten Wutanfall bisweilen nicht abgeneigt ist. Perfekt ist ist nicht, aber das weiß man schon vorher. Das einzig Negative, das ich sagen kann über das Buch ist die zunehmende Erzählgeschwindigkeit. Gegen Ende hat man manchmal den Eindruck, daß man in wenigen Seiten durch die Entstehungsgeschichte eines Albums hindurch rast. Wo hingegen es am Anfang noch mehrere Kapitel brauchte um die ersten Scheiben entstehen zu lassen. Aber gut, sonst wäre man wohl deutlich in Richtung 1000 Seiten gegangen und das wäre evtl. dann doch etwas gut gemeint vom Umfang her – von daher sollte man diesen Kritikpunkt auch nicht über bewerten.

Ich glaube, mit diesem Buch habe ich den Kern der Begeisterung einiger Menschen für (sinnvolle) (Auto-)Biographien verstanden; kann sie sogar streckenweise nachvollziehen. Aber so richtig packen kann mich dieses Genre trotzdem nicht (im Gegensatz zu “Bruce” und "auch “White Line Fever”). Ich glaube, es braucht einfach ein besonderes Buch über einen besonderen Musiker um mich zu reizen – PLUS ein interessantes, übergeordnetes Thema. Und das, was wiederum die einzige, aber auch die ungleich größte Gemeinsamkeit zwischen Lemmy und dem Boss ist, haben beide Bücher als zentrales Motiv: die Entwicklung des Rock’n Roll. Und zwar von Beginn an! Lemmy aus einer ganz anderen Perspektive und Weltsicht heraus als Springsteen, was auch an den fundamental verschiedenen Charakteren der beiden liegt. Aber beide haben ihr Leben lang am Puls der Rock Musik gelebt und es geschafft, heute noch relevant und vor allem “da” zu sein (bei Lemmy grenzt letzteres sicherlich noch mehr an ein Wunder als beim asketischen Bruce). Man bewegt sich sozusagen mit dem Boss durch eine Zeit mit mehreren musikalischen Legenden, wie auch zuvor mit Lemmy. Leute, die man aus alten schwarz-weiß-Einspielern kennt, Leute, die man gefühlt nur mit einem Hintergrundrauschen singen hörte. Leute, die schon lange, lange Geschichte sind aber irgendwie doch wieder kurz lebendig werden im Buch. DAS ist für mich das eigentliche Faszinosum an dem Buch.

Da können ein Bobbele oder ein Diiiieeeeeeetaaaaaa in ihrer gewohnt hochklassigen Ausdrucksweise noch so viel darüber herum schmierfinken, welche “Bitches” sie in irgendwelchen Treppenhäusern und/oder Besenkammern geknattert haben – diese Würstchen werden es mit ihren Machwerken nie schaffen, eine solche Faszination beim Leser auf zu bauen. Und wißt ihr was: Das ist auch verflucht noch mal gut so!

Rock’n Roll, Mann! 

Samstag, 26. Oktober 2013

Lightning Bolt

(Pearl Jam)

So, wer mich in den letzten Wochen erlebt hat, der dürfte mitbekommen haben, daß die mit Abstand groß- und einzigartigste Musikkapelle wo gibt mal wieder neues Material veröffentlicht hat. Ich hatte es schon längst abgeschrieben, aber dann kam es doch noch am Freitag ins Haus geschneit, DAS Album. Nach vier langen, langen Jahren des Wartens gibt es endlich frische Songs von Pearl Jam zu bestaunen. Das Warten hatte endlich ein Ende. Die Mutmaßungen sproßen im Vorfeld wild und ungeniert in sämtliche Richtungen, wie das Album denn nun ausfallen würde. Vorweg gesagt: Ich bin einer der Pro-Backspacer-Fraktion; jener Leute halt, die das Vorgängeralbum durchaus begeistern konnte. Ein frisches, lockeres, befreites und – was man bei Pearl Jam dazu sagen muß – von Anfang an leicht zugängliches Stück Musikerkunst. Einige der alten Recken verstörte das ein wenig, ich bin ganz froh, daß ich deren Schicksal nicht teilen muß. Jedenfalls waren deren “Befürchtungen”, daß “Lightning Bolt”, wie die neue Scheibe heißt, in die selbe Richtung gehen könne wie die “Backspacer”, für mich kein sonderliches Schreckensszenario. Zumal man von Pearl Jam eigentlich fortwährend mit anders gepolten, zum Teil komplett unerwartet ausfallenden Alben verwöhnt wird. So auch diesmal wie ich finde. Aber dazu vielleicht am Ende noch ein paar Worte. Zunächst mal zu den einzelnen Songs. Ich habe bewußt 14 Tage gewartet, weil ich das Album erst einmal auf mich wirken lassen wollte. Zugegebener Maßen war das bei der “Lightning Bolt” nicht soooo wichtig, wie bei einigen der alten Alben, weil man relativ einfach einen Zugang findet, aber geschadet hat es sicherlich auch nicht. Also, fangen wir mal an mit einer Einzelkritik von LIGHTNING BOLT:

PJLB

Getaway

Der Opener des Albums. Er gibt in gewisser Weise gleich die Richtung vor, in die sich die Band mit diesem Album entwickelt hat. Bereits hier wird deutlich, daß das Album deutlich groovelastiger wird als die bisherigen. Dazu Eddies Gesang in irgendwie leicht versetztem Rhythmus, was dem Song aber einen ungemeinen Drive gibt. War von Anfang an einer meiner Favoriten, einfach ein geiler Song! Lyrics auch gut, besonders an den neuralgischen Punkten des Refrain; nicht sonderlich metaphorisch diesmal, aber das würde auch nicht passen. Ich freue mich schon auf das Dingen live, das kann ich euch sagen!

Mind Your Manners

Erste Single des Albums und als solche schon länger veröffentlicht und bekannt. Als sie raus kam wurde sie oft als “punklastig” beschrieben. Ja, das trifft es auch irgendwie. Im Gegensatz zu Getaway und nahezu dem kompletten Rest des Albums, ein überaus direkter, gradliniger Song. Irgendwie genau das, was man als schnelle Nummer, als erste Auskoppelung von den Jungs erwartet hat. Dabei aber auch mit einer Prise der “neuen” Vielschichtigkeit gewürzt. Ein wirklich toller Song, der seine Glanzstunden sicherlich auf den Konzerten erleben wird, wenn er als Einheizernummer die Masse nach einem verträumten “Release” in Schwung bringt.

My Fathers Son

Hier geht es in dem Stil weiter, den “Getaway” schon andeutete. Schnellere Nummer mit melodischen Parts, irren Breaks und Eddie, der die Grundstimmung und Emotionen des Songs wirklich gut rüber bringt. Manche mögen sagen, seine Stimme läßt nach, ich finde diese sich fast überschlagenden Parts wiederum ideal für den Song. Hammerlied, schließt eine wirklich tolle Troika zu Beginn des Albums ab.

Sirens

War auch schon länger bekannt der Song (2. Single) und ich habe den hier auch schon irgendwie erwähnt. Als erste ruhige Nummer des Albums eine wirklich gute Wahl. Der Song ist für mich eine jener Nummern, die im Mid-Tempo-Bereich so typisch sind für diese Band. Sie haben es verdammt nochmal einfach drauf Songs zu schreiben und zu spielen, die einfach wachsen und teilweise geradezu ausufern gen Ende. Denen man sich insbesondere auf den Konzerten einfach mal anvertrauen kann und die einen mit durch den Abend tragen. Sirens ist so ein Song, mit einem kleinen Manko: Den ersten 30 Sekunden. Die gefallen mir irgendwie nicht, da ist wieder ein Ticken zu viel Pathos mit rein geflossen. Seid ihr schon einmal Wasserski gefahren? Die ersten Meter, wenn die Ski noch im Wasser sind, die Leine sich strafft und ihr langsam durchs Wasser pflügt. Auf diesen Metern ist alles möglich, der Beginn einer wilden Fahrt und damit verbunden jede Menge Spaß, aber eben auch ein fieser Sturz vornüber… nennen wir es beim Namen: ein Bauchklatscher! Sirens schafft den Spagat meisterlich und wenn die erste halbe Minute erst einmal überstanden sind, geht der Song aber sowas von durch die Decke! Wiedermal ein wirklich großes Lied der Jungs, was auch ein ungemeines Livepotential hat… daraus können die Jungs einen echten Hinhörer machen auf ihren Konzerten! Das ist so ein Song, der einen im Alltag einfach mal erwischt, wenn man ihn gerade hört und es eigentlich am wenigsten erwartet; ein Song, der einen dann nicht wieder los läßt. Er entwickelte sich zu einem absoluten Highlight des Albums… für mich zumindest.

Lightning Bolt

Der Titeltrack. Nebenbei eine Premiere, bisher gab es die Kombination Song/Albumname noch nie. Mir ist jetzt nicht so ganz klar, warum man ausgerechnet diesen Song zum Namensgeber erhob, wahrscheinlich, weil es einfach mal der coolste Name fürs Album war unterm Strich. Wenn man den stärksten Song ehren wollte, dann wäre es nicht LB gewesen. Der ist zwar ziemlich klasse mit all seinen Breaks und den Gitarrenspuren sowie den leicht sphärischen Untermalungen, aber es gibt eben auch noch den einen oder anderen besseren Song. Lightning Bolt ist auch einer von 2 Songs, denen es gut getan hätte, wenn man Brendan O’Brian mal kurz aus dem Studio geschickt hätte. Klar, er wirkt jetzt unheimlich rund und perfekt durchdacht; wäre er aber noch ein wenig rauer und sperriger… roher… dann wäre der ne richtige Bombe meiner Meinung nach! Mal sehen, was man live aus dem Lied strickt.

Infallible

Zurück zur rhythmischen, groovigen Seite der Platte. “Infallible” ist für mich bisher ungefähr auf dem Niveau von “Lightning Bolt” anzusiedeln. Solide 2 bis 2+. Es gibt Tage uns Stimmungen, da macht der Song richtig Spaß und man schaltet unwillkürlich auf repeat, aber es gibt eben auch Momente, da wird er sofort geskipt. Was aber wieder einmal auffällt, das ist die Entwicklung des Songs zur Mitte hin und dann das komplette zurück kehren zum Anfangsthema. Ist bei Pearl Jam auch eher neu, aber macht eben an den “Repeat-Tagen” auch den Reiz aus.

Pendulum

Das absolute Highlight dieser Platte bisher für mich. Ein Wahnsinns-Song. Es ist immer schwer, die neuen Songs mit den schon reiferen Balladen vom Schlage eines “Black” zu vergleichen, aber aus Pendulum kann auf jeden Fall mal ein echtes Setlist-Highlight werden in näherer Zukunft. Der Song fließt in einer ungemein einfachen, aber total rund wirkenden Art und Weise dahin. Am Ende wundert man sich, daß der Song nur 3:44 Minuten lang ist. Es wirkt so, als wäre er bedeutend länger; er hätte es auch verdient, die 5 Minuten Grenze zu knacken. Ganz großes Tennis meine Herren, ein toller Song, der nicht umsonst als Opener vor den Opener (dem dann manchmal noch ein Opener folgt) angesetzt wurde. Konzert mit Pendulum eröffnen – das muß einfach gut gehen. Schnelle Opener werden eh überschätzt! Zwinkerndes Smiley 

Swallowed Whole

Hier merkt man jetzt so leicht, daß es ein klein wenig in Richtung Eddies Into-The-Wild-Folkrock geht. Aber das stört nicht. Auch “Swallowed Whole” holt sich so richtig Drive im Verlauf seiner Spielzeit. Ich finde den Song sehr gut. Gepflegter Midtempo-Semirocker, Eddie kann die Stimmbänder mal etwas variieren lassen, Lyrics am oberen Ende der Qualitätsskala und ein geiles Solo hat man gegen Ende auch noch in den immer weiter eskalierenden Song hinein gepackt. Ja, sehr schönes Ding!

Let the Records Play

Es wird wieder deutlich bluesiger. Ein Song, dem man einen richtig hochklassigen Einstieg verpasst hat wie ich finde. Danach erschließt sich einem der Song nur langsam, er ist ein wenig sperrig im Ohr zu Beginn. Das gibt sich aber relativ schnell und man bekommt den Rhythmus mitunter nicht mehr aus dem Ohr. Gewürzt auch wieder mit einem richtig hörenswerten Solo. Topsong für mich!

Sleeping by Myself

Gut, was der Song auf dem Album soll, das ist schon etwas… naja… rätselhaft. Nicht etwa, weil er schlecht ist, nein, vielmehr, weil Eddie ihn schon vor ein paar Jahren auf seinem Ukulele – Album veröffentlicht hat. Als Bandversion klingt der Song natürlich ungemein komplexer als die Solonummer von Eddie. Mit persönlich gefällt die Version von der Lightning Bolt besser als die Soloversion von Eddie, sie ist mittelfristig einfach deutlich spannender und vielschichtiger. Gut, sie ist auch einfach und relativ klar strukturiert gehalten, aber sie baut sich auch schön gemächlich auf und unterm Strich steht am Ende ein in vielerlei Hinsicht anderer Song als auf Eddies Uke-Scheibe. Erst dachte ich, daß ich ih öfter skippen würde, mittlerweile tue ich das aber dann doch nicht; die Version gefällt mir am Ende einfach zu gut um das zu tun. Irgendwie greift hier mal wieder die Binsenweisheit, daß man einen guten Song in nahezu jedes Tempo, jede Instrumentierung ect. übersetzen kann. Ich mag den Sleeping by myself mittlerweile wirklich gern und bin nun doch froh, daß man sich entschieden hat ihn nochmal komplett einzuspielen.

Yellow Moon

Toller Rhythmus, erinnert mich seitdem ich ihn das erste Mal hörte an irgend einen Klassiker, ich komme aber ums Verrecken nicht drauf, an welchen. Ein Song, mit dem man einfach nur mit schweben will und das eigentlich auch ziemlich gut kann. Im gegensatz zu manchen der unmittelbaren Vorgängeralben, wo man gegen Ende des Albums ein paar schwächere Songs einbaute, ist das Niveau auch gegen Ende der Lightning Bolt bombig, was auch an Yellow Moon liegt. Wäre das ein Fußballturnier, dann wäre das mein Geheimfavorit.

Future Days

Pearl Jam bringen mittlerweile gerne mal den einen oder anderen sehr deprimierenden oder von der Grundstimmung her am unteren Ende der Stimmungsskala rangierenden Song am Ende ihrer Alben unter. Das gabs auch schon früher und da kamen dann auch gerne mal so legendäre Niederknienummern wie “Indifference” bei rum. Oder aus der jüngeren Vergangenheit das tief traurige, aber auch ebenso schöne “The End”. In diese Kerbe schlägt jetzt auch wieder “Future Days”, wobei es den endgültigen Fatalismus von “The End” (Gott sei Dank") nicht ganz erreicht. Aber es ist und bleibt ein wunderschöner Song. Einer von der Sorte, die man sich viel zu selten anhört, es aber bereut, sobald man sie wieder hört und sie in den nächsten Tagen fast auf Dauerrepeat laufen läßt. Für mein Dafürhalten ein absolut würdiger Closer des Albums und das Klavier-Outro ist einfach nur ein wunderbarer Abschluß für das Album und hebt sich somit sehr, sehr wohltuend von der Backspacer ab, wo mit dem abgehackten Schluß von “The End” urplötzlich auch das Album zu Ende war. Damit mich hier keiner mißversteht: “Indifference” ist für mich eine absolute Hausnummer und ich liebe diesen Song! Letztes Jahr in Berlin war ausgerechnet der letzte Song des Konzertes im Nachhinein das ultimative Highlight eines unbeschreiblich großartigen Konzertabends. Ich will “Future Days” nicht auf diese Stufe heben, aber wer weiß… in 20 Jahren, wenn der Song noch durch mehrere Jahre der Live-Evolution gegangen ist, wer weiß schon, was man dann über ihn denken wird.

Das war es dann also. Die Einzelkritik. Unterm Strich finde ich das Album richtig spitze. Für mich hat es die “Avocado” schon nach 14 Tagen deutlich abgehängt. Die Backspacer mag ich einfach auch zu sehr, als daß “Lighting Bolt” sie schon deutlich distanzieren könnte. Positiv sollte noch erwähnt werden, daß auf der LB nicht ein Song ist, der deutlich aus dem Niveaukanon nach unten ausbricht. Hatte die Backspacer in “Speed of Sound” noch ihren mit Abstand schwächsten Moment (wobei der Song auch gnadenlos überproduziert wirkt), so hat “Lightning Bolt” keine derartigen Ausfallerscheinungen – löblich. Ich hatte 2 richtig gute Wochen mit dem Album und es nutzt sich einfach nicht ab. Das, und das ist die gute Nachricht, hat sich bei Pearl Jam nach wie vor nicht geändert. Man braucht eine Weile um sich ins Album oder in einen Song hinein zu finden. Wenn es aber erst einmal “klick” gemacht hat, dann hat man einfach eine Menge Freude an der Musik! Nach fast 23 Jahren als Band noch so ein relativ frisch klingendes und mit ein paar wirklich neuen musikalischen Aspekten gespicktes Album zu basteln, das jedem, aber auch JE-DEM zeigt, daß man nicht stehen geblieben ist als Band sondern nach wie vor Neugier und Entdeckergeist hat… bewundernswert. Wenn ihr mich nach einer Wertung “in Zahlen” fragt, wie es auch die Musikpresse immer macht (-> finde das unsinnig btw), dann muß ich erst einmal den Bezugsrahmen abstecken. Im allgemeinen Vergleich kann denen bei mir sowieso niemand das Wasser reichen; da wären es nach konservativen Schätzungen 9,5 von 10 Punkten. Setzt man die “No Code” bandintern dahin, wo sie hin gehört, nämlich an die Spitze der 10er-Skala, dann würde ich der “Lightning Bolt” bis jetzt eine 7,5 geben… mit Tendenz zur 8, wenn sie weiter so interessant bleibt. Smiley

Es ist ein Album, das ich guten Gewissens jedem von euch ans Herz legen kann.

PS: Hier mal ein kleiner, sehr charmanter Kurzfilm von Danny Clinch zum Album:

Donnerstag, 24. Oktober 2013

DEFENDER OF THE OLEANDER

(Brant Bjork)

Als wir vor einer knappen Woche gen Dortmund fuhren, da hatten wir naturgemäß jede Menge Zeit, die es mit akustischer Begleitung zu füllen galt. Klar, Pearl Jams “Lightning Bolt” und die frisch eingetroffene “Last Patrol” der Space-Rock-Granden Monster Magnet waren mit an Bord, jedoch schalteten wir hin uns wieder auch das Radio ein um ein wenig Abwechslung zu haben. Was wir da aber im Nachrichtenblock hörten, das verschlug uns fast die Sprache… ein Skandal un-fass-ba-ren Ausmaßes erschüttert derzeit die Republik! Gut, ich werde jetzt nicht über den Protzbau zu Limburg oder den Bauherren herziehen, auch der NSA Skandal ist mir in diesem Beitrag völlig wumpe (außerdem ist der laut Herrn Pofalla ohnehin längst beendet). Nein, was uns der Radiomoderationsnachrichtenhandlanger der hessischen Sendeanstalt da mitteilte war noch viel schockierender!

OSTEUROPÄISCHE BANDEN ERNTEN IN DEUTSCHEN WÄLDERN PILZE

(aus rein dramaturgischen Gründen habe ich da den Artikel der verabscheuungswürdigen BILD-Zeitung verlinkt… der klingt einfach besonders absurd)

Pilz-Mafia? Busse? Osteuropäische Banden??? Sehr schön… und vor allem vollkommen plemplem! Ich persönlich gehe nicht in die Pilze, aus reiner Vorsicht. ICh kenne mich mit den Dingern nicht aus und bevor ich mir einen schönen zwölfkonolligen Stinkwurzblättergiftling schmore, statt einen lecker Steinpilz, lasse ich es lieber ganz. Allerdings gehe ich gerne in den Wald, angeblich der natürliche Lebensraum der Pilze… so sagt man, und da fiel mir letztens auf, daß da an allen Ecken und Ende Pilze sprießen. Faszinierend war das. Ich will jetzt nicht leugnen, daß da der eine oder andere Polenbus in der Eifel einrollt und die Steinpilze dem Marek anheim fallen, statt von einem ordnungsliebenden, rüstigen deutschen Rentnerpaar am Sonntag nach Ururomas Rezept angebraten zu werden. Nur: Ist das wirklich schlimm? Schränkt das unsere Lebensqualität spürbar ein? Also meine nicht! Diese Panikmache… das ist doch lächerlich; da werden Schlagzeilen herbei geschmierfinkt, die kein Mensch braucht. Soll man die Verfolgung doch den Behörden überlassen und gut ist. Aber nein, sicherheitshalber wird dem deutschen Michel, der treu und brav  an seiner Nachrichtenquelle hängt aber erst einmal das Gefühl gegeben, daß “sein” schönes Land wieder einmal in höchst krimineller Art und Weise vom ehemaligen Ostblock ausgebeutet wird.

Man stelle sich mal die armen, armen Rentner vor, die in ihrer raren Freizeit mit dem mühsam von Munde abgesparten Daimler (den sie danach auch noch waschen und wachsen müssen, schließlich verließ er mehr als 5 Minuten die schützende Garage) gen Waldesrand begeben. Das gute Stück wird dann behutsam am Rande eines Waldweges abgestellt und mit einem Lenkradschloß gesichert. Oppa hat den Hosenbund stramm unter den Achseln eingehakt und die Gummistiefel blank gewienert, während Omma eine Muster von Gartenhandschuhen, Kopftuch und Flechtkorbpolsterung akribisch aufeinander abgestimmt hat. Als sie dem Wagen entsteigen weht jeweils eine Brise von 4711 Cognac ins Unterholz. Dann wird vom Herren noch schnell die Survival-Weste aus dem Kofferraum geholt und staatstragend ein im Verhältnis zur angepeilten Beute und deren Wehrhaftigkeit lächerlich großes Rambomesser an den Gürtel geschnallt (wie schon erwähnt: Achselhöhe…). Alsdann wird der 1935 erschienene Pilzführer gezückt und hoch erhobenen Hauptes ins Gehölz geschritten. Die Gleitsichtbrille funkelt in der spärlich durchs Blätterdach brechenden Herbstsonne, als der Oppa seiner Gattin belehrend aus dem top aktuellen Pilzleitfaden vorträgt und bei Erwähnung eines Giftpilzes die Stimme leicht anhebt. Der Zeigefinger der freien Hand folgt diesem Beispiel dabei unwillkürlich. So stapft man dann in trauter Zweisamkeit durch den Forst, die müden Augen stets auf den Waldboden gerichtet, damit einem ja kein moosgrüner Tarnkäppling entwischt – sofern er essbar ist selbstverständlich. Sobald der erste Pilz gefunden, wird sich bedeutungsschwer neben diesen gehockt, ein paar mal im Führer umher geblättert und dann die betreffende Eintragung verkündet. Etwa so:

“Der seltene grauschleimige Kotzwürgling, Vertreter der Familie der fungi örksolum, ist in deutschen Wäldern nur noch ein seltener Gast. Kennzeichen sind die feinen Lamellen an der Unterseite der bis zu 45 Meter im Radius erreichenden, rotgrünen Kappe. Er ist essbar, sollte jedoch stets am Stück zubereitet und nur behutsam gewaschen werden. Der grauschleimige Kotzwürgling bevorzugt Mischwälder mit leicht saurem Boden.”

Daraufhin wird dann entweder der Dolch aus dem Gürtel gezerrt und die erste Beute des Tages radikal vom Waldboden geschnitzt, oder man beläßt es beim Vortrag und weist auf ein vor einem liegendes “Feld von feinsten Speisepilzen” hin, das man noch selber als Kind von Wilhelm II. empfohlen bekam und das nur “wenige hundert Meter” vor einem liegt. Daraufhin setzt man sich knirschenden Skelettes wieder in Bewegung und… jetzt kommt der Knackpunkt: findet nichts! Nichts, außer hunderten von Steinpilzstümpfen und einem Dutzend leerer polnischer Zigarettenschachteln. Entgeistert kehrt man leeren Korbes zum Benz zurück und muß auf der Heimfahrt, auf der man auch noch von 25 überholenden Saporoschs fast von der Straße gedrängt wird, im Radio die Kunde vom Pilzkartell hören. Nein, das ist nicht schön. Die armen Rentner! Erst keine Pilze, was bedeutet, daß man von “der kleinen Rente” wieder nen Zwanni für Dosenchampignons und Tütensoßen abzwacken muß, und jetzt wird ihnen noch dieses schändliche Treiben verkündet. Der ruhmreiche deutsche Pilz, der stolz in der heimischen Muttererde sprießt und sich in Größe und Schmackhaftigkeit dem Rentner schon fast aufdringlich entgegen reckt um endlich gekappt und von seinem Landsmanne verzehrt zu werden, der wird zweckentfremdet! Marodierende Horden, die sich durch diese schreckliche EU auch noch legal im Bundesgebiet aufhalten, fallen geifernd in den Wäldern ein und entreißen dem deutschen Waldboden seine kostbarsten Früchte. Wahrscheinlich haben diese Verbrecher nicht einmal einen Pilzführer dabei um zwischendurch mal nachzuschlagen. Ein Skandal! Und wenn dann der rechtschaffene, im wohl verdienten Ruhestand dahin darbende Teutonenknispel mit seine Walküre ins Gehölz schwebt um von den rechtmäßig ihm gehörenden Heimatpilzen ein Körbchen abzusäbeln, dann geht der unverrichteter Dinge wieder nach Hause… pilzlos und blamiert. Da muß man sich doch aufregen! Und dann verkaufen die “unsere” Pilze auch noch in Südeuropa. SÜD-EUROPA!!! Egal wie pleite man ist, aber den geraubten deutschen Pfifferling, den kann sich der Mediterrane scheinbar immer noch leisten. Wahrscheinlich lacht er laut schallend über die blamierten alemannischen  Fungusloser, während er er sich feist grinsend seine Steinpilzpaella in die Fressluke schaufelt. (Ist ja ohnehin schon seit Jahrtausenden ein Nationalgericht in Spanien, Italien UND Griechenland: Deutsche Steinpilze.) Kein Wunder, daß die Rentner renitent werden hierzulande! Unhaltbare Zustände sind das!

Naja, oder eben auch nicht!

Was mich neben der ganzen bekloppten Effekthascherei der Meldung am meisten nervt ist der mittlerweile typisch deutsche Reflex, alles gleich “Mafia” zu nennen. Immer, wenn irgendwo was nicht stimmt: “Mafia”! Es steckt immer gleich ne “Mafia” hinter allem; ich warte ja noch auf die Headline:

“HORRORWINTER 2014: Schnee im Januar – steckt die FLOCKEN-MAFIA mit Petrus unter einer Decke?! – BILD fragt nach!”

Unter “Mafia” machen wir es gar nicht mehr. “Pilz-Mafia”, das klingt so was von bescheuert! Sorry, aber wie soll ich mir das bitte vorstellen? Sitzt da Don Fungus in einem schweren Ledersessel im Zwielicht seines abgedunkelten Büros und streichelt ein Kätzchen, während er seinem abtrünnigen Top-Pflücker mit kehligem Tonfall fragt “Marek, was `abe ich dir getan, daß du mir keinen Respekt zollst?” Wenn dieser Marek dann das Büro gesenkten Hauptes verläßt, bekommt dann der Conseliere mit einem kurzen Nicken den Befehl, “die Sache zu regeln” und Marek schläft alsbald “bei die Fissssssche”?? So ein Kokolores!

Diesen metaphorischen Dünnpfiff kann die Presse getrost stecken lassen. Pilze haben ohnehin nur eine Daseinsberechtigung für mich: In einer leckeren, deftigen Pilzsoße, die sich dampfend über ein saftiges Stück wild schmiegt! Erst wenn die Polen in ihren Moskvitschs dutzendweise Rehe und Wildschweine nach Spanien exportieren, DANN darf die Presse mich gerne aus meinem LMAA-Schlaf wecken, früher nicht!

Waidmanns Heil!

Dienstag, 22. Oktober 2013

BUGS

(Pearl Jam)

Am Wochenende waren wir zu Besuchszwecken im Ruhrgebiet zugegen; und zwar in der schönen Ecke – der schwarz-gelben. Am Sonntag kam es dann so, wie es bei der @MsPittili und mir öfter mal kommt und es zog uns nach dem Mittag zu einem gemeinsamen Spaziergang / einer gemeinsamen Wanderung mit unseren Freunden hinaus. Wir durchwanderten also ein Labyrinth qualmender Schlote, Schutthalden, Hochofenruinen und schlugen uns mit den Macheten eine Schneise durch den in der Luft stehenden Feinstaub… ach Quatschi, stimmt doch gar nicht; ich hab ja gesagt “schöne Ecke des Ruhrgebietes” und nicht “Gelsenkirchen”. Also immer bei der Wahrheit bleiben. Um den mittlerweile leicht nervigen Standardspruch “da ist es ja grüner als man denkt” zu umgehen (ja, ich gestehe, daß auch ich ihn dereinst laut äußerte), sei hier mal auf allzu ausführliche Fotos von Wald und Flur verzichtet. Ihr könnt mir aber glauben, diese Fotos gibt es und der Ruhrgebietswald ist auch ne ziemlich schöne Angelegenheit – auch wenn für meinen persönlichen Geschmack da ein paar tausend Nadelbäume je qkm fehlen. Zwinkerndes Smiley Jedenfalls war das richtig schön, zumal die Blätter gerade bunt vom Himmel regneten und wir 1a Wetter abgefasst hatten. Wir wanderten so weiter vor uns hin, vorbei an einer ziemlich maroden Restbank

Lehmann Brothers

hin zu einem Denkmal für den Herrn Freiherr vom und zum Stein. Dort ruhten wir dann unsere müden Knochen aus und schritten weiter voran, zum Schlosse des Selbigen. Nunja, Schlösser, Wandern, Sonntag… das kennt man ja von uns. Nur stecken wir nun schon unsere Freunde damit an, wie es ausschaut. Na egal. Ich will euch deshalb auch nicht mit Fotos von irgendwelchen Türmen, Zinnen, Burggräben, Kanonen oder ähnlichem Architekturtand langweilen, sondern euch Käfer zeigen!

Käfer?

Käfer! Also die Sache mit “Käfern” ist doch die: Frauen mögen sie im Allgemeinen nur recht selten. Es sei denn, es sind bestimmte Käfer – süße Käfer – niedliche Käfer – ohne so Fühlergedöns und ekelige Gankerbeine und so – kurz: Marienkäfer! Solche wie diese hier:

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MK3

MK6

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Nun, die schwarzen Gesellen sind wohl asiatische Einschleppungen… oder Heavy Metal – Käfer, darüber gehen die Meinungen noch auseinander. Jedenfalls scheinen sie die gleichen Vorlieben wie die “Langnasen”-Version hierzulande zu haben, sie traten nämlich gemeinsam und zumindest an Denkmal und Schloßfassade obendrein in gehäufter Form auf. Guckst Du hier:

MK4

Bild einfach vergrößern, jeder Punkt ein Käfer (ruhig mal vergrößern das Bild, da gehen einige Unter bei der verkleinerten Darstellung)… man konnte dort nicht einmal für 10 Sekunden stehen bleiben, ohne daß einer der Gesellen auf einem zur Landung ansetzte. Sehr amüsant… wenngleich ich in den 80ern irgendwann (ich war etwa 5) schon einmal eine viel größere Invasionsarmee der Marienkäfer an Ostsee-Beach landen sah, so fand ich das am Sonntag dann doch hochgradig bemerkenswert. Smiley