Dienstag, 22. April 2014

A SILHOUETTE OF DOOM

(Ennio Morricone)

Männer; brace yourselves – Turbofeministinninnen from fucking Hell are coming!

Meine Geschlechts- und ja, mittlerweile auch Leidensgenossen; ihr tut mir leid. Erinnert ihr euch noch an den großartigen Film “Fight Club”? Ja, den mit Brad Pitt und Edward Norton und natürlich dem mordsmäßig guten Soundtrack. Da gibt es eine Szene, da theoretisiert Tyler Durden über das Männerbild der Gegenwart und faßt das Dilemma der zur Bedeutungslosigkeit femininisierten Testosteronantenschaft mit folgendem Satz mal so grob zusammen:

“(…) Und wir beginnen uns zu fragen, ob noch eine Frau wirklich die Antwort auf all unsere Fragen ist!?

Gut, das hätte man ja schon vor der letzten Bundestagwahl bedenken können – hat aber wohl keiner. Ich sage jetzt nicht, daß ich dem vorbehaltlos zustimme, aber ich sehe da schon gewisse Tendenzen. Beispielsweise habe ich heute erst einen Artikel gelesen, in dem angeprangert wurde, daß es in meinem Bundesland nur eine Quote von 1,1% Frauen bei den Berufsfeuerwehren gibt. Lösungsvorschlag war unter anderem das Absenken der Zugangsvoraussetzungen, sodaß auch Frauen unter 1,65m Körpergröße die (Sport-)tests schaffen können (da ist NICHTS übertrieben, genau DAS wurde gefordert). Das hat für mich nichts mit Emanzipation zu tun – das ist einfach eine Verwässerung von Leistungsstandards für mich – zu Gunsten einer krankhaften Gleichmacherei. Von mir aus mehr Frauen in die Feuerwehr, immer gerne, aber die sollten dann auch genau das leisten, was jeder Mann leisten muß! Warum? Weil es zum Berufsbild gehört, verdammt noch mal und eben kein Werkzeug der Geschlechterdiskriminierung ist. Wenn ich im 5. Stock einer brennenden Bude ohnmächtig im Giftqualm liege, dann wäre mir (als 1,90 Meter großer, subdürrer Mensch) schon wesentlich wohler zu Mute, wenn da ein Zwei Meter Hüne mit der Axt durch die Türe bricht und mich laut fluchend über die Schulter wirft und ins Freie trägt, als wenn da plötzlich ein (politisch korrekt beschäftigtes) 1,64m – Mädel mit geschätztem 50 Kilo Körpergewicht an mir herum zerrt. “Er ist tot Jim!” – Ist aus meiner subjektiven Sicht nämlich keine Option, wenn sie sich durch ein wenig mehr Vernunft umgehen ließe. Bei “gleiches Recht für alle” und “gleichen Chancen” gehe ich ja voll mit. Ich bin so aufgewachsen und habe damit keinerlei Problem. Allerdings heißt das ja nicht, daß jeder unterm Strich auch das Gleiche bekommt. Ist ein feiner Unterschied, der immer mehr zu verschwimmen scheint.

Aber egal, ich rede mich hier noch um Kopf und Kragen. Für derlei Ansichten wird es nämlich langsam eng in diesem Land fürchte ich. Aber hey, ich habe da heute ja noch etwas gefunden, das meine Ansichten ein wenig unterstreicht. Wir waren einkaufen und irgendwo zwischen Schreibwaren und Büchern hängte mich die Frau schwuppdiwupp ab. Wech war se! Gut, dann stöberte ich ein wenig die Juxkarten durch. Folgende Karte fiel mir dabei in die Hände:

Aufschrei1

Gut, ist halt ne Juxkarte, dessen bin ich mir schon bewusst – ich bin auch weit davon entfernt die ernst oder auch nur im Entferntesten persönlich zu nehmen. Ich habe da eher grundsätzliche Bedenken. Jetzt stellt euch die mal mir “Frauen sind” im Titel vor...! Den Urheber dieser Karte hätten sie noch mit Knüppeln aus dem Verlag getrieben und öffentlich geteert und gefedert. Wer jetzt meint:

“Ja gut, das ist eine Juxkarte, da gibt es bestimmt auch ein selbstironisches Pendant über Frauen und du reagierst hier vollkommen über, Du ekelhafter Patriarchenmachohengst”

dem halte ich mal besagtes Pendant, denn das existiert in der Tat, vor Augen:

Aufschrei2

Mir geht es nicht um die Karten, die nimmt eh keiner ernst. Aber alleine der Fakt, daß die Karte auf dem ersten Foto in diesem Land überhaupt existiert und verkauft wird, wohingegen man sich nicht traut ein gleichwertiges Gegenstück zu produzieren, die führt doch die Motive des sich immer verbissener durch den kompletten Duden vor sich hin gendernden Gutmenschenvolkes komplett ad absurdum! “Gleichberechtigung” heißt nun einmal auch, daß man damit leben muß, auf die gleiche Art und Weise verarscht zu werden. Ich fand einfach, ihr solltet das wissen…Zwinkerndes Smiley.

Ich geh jetzt DMAX gucken! “Fernsehen für die besten Menschen der Welt – MÄNNER!”

Freitag, 11. April 2014

DANKWART IST TANKWART–Rainald Grebe und das Orchester der Versöhnung – 01.04.2014 in der Stadthalle Chemnitz

 

“Im Auenland lächelt Heidi Klum und an den Rändern fliegen die Nazguls rum!”

Es hat ne Weile gedauert, aber endlich bin ich unter oben genanntem Motto zurück gekehrt in mein logorrhoeisches Reservat der verbalen Selbstdeskriptivität. In den letzten Wochen war ne Menge los bei mir – was mich wiederum fern hielt vom Geschriebsel. Aber wenn mich was zurück an die Tastatur bringt, dann ist es ein Konzert; wobei “Auftritt” es diesmal wohl eher beschreibt. Here-we-GO:

Aufmerksame Leser dieses Blogs werden es schon festgestellt haben: Dieser Typ hier hat definitiv einen Faible für die Kleinkunst des Rainald Grebe. Folgerichtig war ich in den vergangenen Jahren schon mehrmals zu Gast bei seinen Auftritten. Jedes Mal, wenn der Herr ein neues Programm an den Start bringt, da hüpft das Herz und der Klick beim Kartenkauf fällt leicht. Sehr leicht. Warum? Weil der Mann ein Genie ist, anders kann man es einfach nicht sagen. Klar, es ist nicht jedermanns Sache was er macht, aber wenn man einmal vom Grebe-Virus befallen ist, dann ist es zu spät. Ich für meinen Teil habe mir abgewöhnt die Alben vor dem Konzert zu kaufen – aus Gründen. Diese bestehen im Wesentlichen darin, daß es einfach viel unterhaltsamer ist, das neue Programm vom Chef persönlich dargeboten zu bekommen. Vorm Konzert oder wahlweise auch in der Pause wird die dazu gehörige CD (diesmal ein Doppelsilberling) einfach als Andenken erstanden. Vorweg geschickt sei mal, daß ich das 2014er Programm grandios finde – eines seiner besten bisher! Da meine Mutter den Rainald ebenfalls recht knorke findet, lud ich sie kurzerhand (auch nicht zum ersten Mal) in die Stadthalle zu Chemnitz ein. Organisierte Karten und ein Abendessen. Zu gegebener Zeit schlenderten wir dann ins Foyer der Stadthalle und standen zunächst ein wenig abseits herum. Wieso? “Laß uns mal bissel über die Leute lästern!” – und das war nicht mein Text. Als der Beginn näher rückte begaben wir uns auf unsere Plätze. Ca. 10 Minuten nachdem wir uns gesetzt hatten erlosch auch schon das Licht im Saal. Es ist freilich schwer die folgenden drei Stunden in Form einer Setlist zusammen zu fassen, in diesem Fall geht das einfach nicht. Grebe-Auftritte sind immer so eine Art Gesamtkunstwerk. Das Überraschende, was man aber erst feststellt, wenn man ihn zwei Mal mit dem gleichen Programm erlebt, ist, daß die Mätzchen und Sprüche zwischen den Musikstücken derart spontan scheinen, daß man sich gar nicht vorstellen kann, daß sie eigentlich minutiös einstudiert sind. Das ist eine große Kunst, zumal spontane Elemente immer noch irgendwo hinein fließen wenn es sich anbietet. Aber im Großen und Ganzen hat man es mit einem perfekt durchgeplanten Stück Chaos zu tun. Einem Chaos, aus dem sich irgendwo zwischen Klamauk und ziemlich guten Musikern, die ziemlich gute Musik machen und dabei bisweilen ziemlich lächerliche Kostüme tragen eine köstlich pointierte Gesellschaftskritik erhebt. Dieses Jahr knüpft sich Grebe mit seinem Orchester der Versöhnung das vor, was er die “Berliner Republik” nennt. Dabei dekliniert er das vom Großen bis ins Kleine hinein durch.

Ob er nun in “Berliner Republik” gleich zu Beginn einen recht amüsanten, aus Fakten zusammengereimten Sozialstrukturatlas des ganzen Landes zusammensingt oder hinab steigt bis in die Küchen des so genannten “kleinen Mannes” und sich mit dem Herrmannkuchen auseinandersetzt. Grebe schafft es einfach immer wieder Momentaufnahmen Deutschlands zu liefern. War sein Programm “1968” noch eher retrospektiv unterlegt, lag dieses Jahr der Schwerpunkt eindeutig auf dem aktuellen Phänotyp von Muttistan. Highlights – das war für mich schon immer so – sind vor allem die Songs, in denen er sich einzelne Personen oder Typen von Leuten vornimmt. Auch 2014 enttäuschte er sein Publikum nicht. Ganz großes Kino diesbezüglich ist die Verschmelzung von “Graf Draculas innerem Monolog” und Volksmusik – “Fürst von Liechtenstein”. Derart pointiert und oberflächlich wertfrei muß man das erst einmal hinbekommen. Oberflächlich deshalb, weil es nicht wertfrei ist. Indem Grebe die Betreffenden und auch sich selbst ordentlich auf die Schippe nimmt schafft er es ziemlich gut beim Publikum seine Botschaft unter zu bringen – man muß halt nur ein bissel mit denken. Andere Beispiele sind der Abgesang auf die “Multitasker” als moderne Lebensform und natürlich das großartige “Art”. Letzteres prangert zwar den Untergang des deutschen Theaters an, liefert allerdings auch gleich mit einen der Gründe – selbstreferenzielle Arthouse-Hippies mit vermeintlichem Pachtvertrag für Intellektualität. Richtig groß ist auch “Berater” – wo der Titel eigentlich schon alles sagt.

Mittendrin im Kanon von Sketchen und musikalisch verhohnepiepelten Versatzstücken der modernen Gesellschaft schwimmen dann so wohltuende Inseln des angenehmen Wortwitzes wie etwa das bei mir auch enorm große Gegenliebe gestoßene “Advent”. Ein Hoch auf die Weihnachtszeit – und zwar 24/7! Bisweilen wird auch gegen den Trend zur Vergutmenschlichung angesungen, indem man hymnisch “Das Ende des weißen Mannes” besingt in dem sich selbiger nicht winselnd und geschlagen dem Ökohippietum ergibt, sondern mit einer boshaften Nonchalance Zigarre rauchend im Frack am Flügel lehnt und seinen eigenen Abgesang mit einem guten Scotch hinunter spült bevor der Vorhang fällt. Nicht anprangern, untergehen mit Würde. Die Kehrseite dieser Medaille schwingt natürlich, wie bei Grebe nunmal üblich, auch wieder im Subtext mit.

Abgerundet wurde dieses Gesamtbild der BRD – irgendwo zwischen Wohlfühlrepublik und GroKo-Irrsinn – mit einem der besten Songs des Abends: “Kokon”. Wenn ein Lied die Bundesrepublik Deutschland sowie Europa im Jahr 2014 perfekt zusammenfasst, dann dieses. Natürlich durfte im Zugabenblock auch “Brandenburg” nicht fehlen – wobei natürlich auch der nötige Schuß Selbstironie nicht fehlen durfte, weil er in der breiten Öffentlichkeit bisweilen auf diesen Song reduziert wird. Der Gastgeberschaft widmete man dann noch “Sachsen”, was zwar logisch scheint, aber beim Rainald und seinem chaotischen Wesen auch hätte ganz anders kommen können. Insgesamt wurde man zum Ende des Abends hin mit drei Zugaben beglückt, was die ganze Veranstaltung inklusive der Pause auf gute drei Stunden und 15 Minuten streckte. Die Kunst bei sowas ist, daß man die Zeit nicht merkt – und so war es auch. Gefühlt war es viel zu schnell vorüber. VIEL zu schnell.

Bevor ich zum Fazit schreite sollen euch noch zwei Songs ans Herz gelegt werden, und zwar wärmstens. Die leisen Töne beherrscht Grebe zweifelsohne genau so gut wie den Schabernack. Dieses Jahr ist “Loch im Himmel” das, was “Lonely Planet” im letzten war: Ein überraschend eingewobener Kloß-im-Hals-Song, der einfach aber genial instrumentiert einen ordentlichen Schuß Moll mit ins Spiel bringt. Ganz großes Tennis! Das andere Lied spielte deutlich mehr in der Klamaukecke seines Könnens. Gekonnt werden in “Dankwart ist Tankwart” inhaltsleere, berechnete Provokation und der eifrige Petitionsblödsinn der Gegenwart auf die Schippe genommen. Demaskierend!

Unterm Strich war die Karte jeden Cent wert – und zwar gleich mehrfach! Auch bin ich heilfroh, daß ich mir die CD geholt habe. Seit Grebe nicht mehr Studioalben raus wirft, sondern gleich das ganze Programm als Livemitschnitt liefert sind die Dinger die optimalen Andenken an einen derart gelungenen Abend. Auch jetzt gerade dudelt die akustische Erinnerung fröhlich im Hintergrund. Sollte der Rainald mit seinem Orchester der Versöhnung demnächst in eurer Nachbarschaft auftreten – zögert nicht, geht hin. Ich hoffe, ich habe noch nicht zu sehr gespoilert, aber es lohnt sich definitiv! Einen unterhaltsameren Abend kann man sich mitunter nur wünschen, aber wohl kaum erreichen. Neben einer gepflegten Zwerchfellmassage und Denkanstößen erhält man zwischen den Zeilen auch noch die Gelegenheit sich vom Meister eine Selbsterkenntnis über sein Heimatland durch die mentale Hintertür vermitteln zu lassen. Vergeßt die so genannten “Comedians”, von denen hat keiner das Format gegen den Rainald an zu stinken. Sollen die mal die Olympiastadien der Republik füllen, Rainald Grebe erfüllt Erwartungen – das ist wesentlich mehr wert.

Wer sich nach all dem Geschwurbel von mir nun fragt, wie Rainald Grebe denn Deutschland in der Gegenwart sieht, der sei auf die Textzeile aus “Kokon” verwiesen, die ich als Einstieg wählte.

PS: Da wir hier nicht im ZDF sind kann man ja auch Werbung machen… und das tue ich hiermit. Hier der Link zum Album. Vielleicht entschließt sich ja der eine oder andere zum Kauf, Grebe ist es einfach wert.

PPS: Mir ist bewußt, daß ich damit Amazon promote und einige das (also Amazon) für böse halten und mich intrinsisch anprangern werden – geht mir aber am Arsch vorbei! Dann schert euch runter von meinem Blogg und lest  “Wild und Hund” – ihr Hippies!

Samstag, 8. März 2014

AMONGST THE WAVES

(Pearl Jam)

"Seppomir Blattrovich und die Geschmierten" performen auch in diesem Jahr wieder ihren Gassenhauer "FIFA Weltmeisterschaft". 2014 hat es Brasilien geschafft, sich die wohlwollenden Worthülsen und geheuchelten Loblieder auf den Fußball als unverkäufliches Kulturgut des Rundledersyndikats ins Land zu kaufen; ach ja: und ne Hand voll Länderspiele findet nebenher auch noch statt und am Ende gibbet ein Pokälchen!.

Aber wir wollen hier jetzt nicht meckern - es geht schließlich um Fußball! WM!!! WEHHHH ÄHHMMMM!!!!! Und “Fußball” und “WM” haben ja bekanntlich mit diesem seelenlosen Verein namens FIFA nix zu tun. Auch, wenn der eine oder andere dieses Jahr (hoffentlich) zu sehr abgelenkt ist um mir den Titel schon wieder weg zu schnappen (wir verstehen das), so soll auch in diesem Jahr wieder die große FOXYMORPH-TIPPSPIEL-WELTMEISTERSCHAFT ausgetragen werden. Wie seit 2006 wird es auch in diesem Jahr hoch her gehen hier und wir können uns auf ein spannendes Turnier freuen – von der Schlacht um die Krone des Expertentums in besagter Tipprunde mal ganz zu schweigen.

Welcher Tipprunde genau? DER HIER:

FOXYMORPH-KICKTIPP-WELTMEISTERSCHAFT

Hier ist es nun also, das legendäre Tippspiel zum Turnier in Sambastan! Wer mitmachen will, der sende einfach eine Anfrage übers Tippspiel. Die Routiniers sind hoffentlich wieder alle dabei und auch von meinen stammleserschaftlichen Blogländern hier erwarte ich wieder rege Partizipanz. Ich habe mich wieder pro forma als Puffer zwischengeschaltet (um zu verhindern, daß der eine oder andere Troll oder auch “Germanist” aus Bloggostan sich einschleicht) handhabe es aber recht liberal – bin praktisch so was wie die Tippspiel FDP. Zwinkerndes Smiley Schreibt also einfach in der Anfrage kurz dazu, wer ihr seid (wenn ich das nicht eh zuordnen kann bei den Stammteilnehmern bzw. anhand des Pseudonyms) und es kann los gehen.

Und der Blattrovich, der soll sich ruhig die Petrodollars vom Putin-Vladi oder den Scheichs in sein runzeliges Sitzmöbel juchteln lassen bis (nicht nur) das Konto platzt... ein derartig hochkarätig besetztes Turnier wie diese Tipprunde wird er nie bekommen, denn das hier versammelte Expertenwissen der geradezu unfassbar fachkundigen Teilnehmerschaft - alles samt Lichtgestalten, welche obendrein noch vom Kompetenzteam himself angeführt werden - kann man mit Geld einfach nicht kaufen!

In diesem Sinne: Gut Tipp!

Samstag, 15. Februar 2014

IM IDEENLADEN

(J.B.O.)

Gestern nach dem Tagwerk und dem fußmärschigen Heimgang ins Domizil brachen die MsPittili und ich quasi umgehend wieder in die Stadt auf. Wir fuhren dabei meinen Arbeitsweg quasi 1:1 ab – von einem kleinen Schlenker mal abgesehen, welcher der Unmöglichkeit geschuldet war, den Igor über mit Poller abgesperrte Fußwege zu dirigieren ohne sein Wohlbefinden massiv zu gefährden. Jedenfalls kamen wir auch am ortsansässigen Getränkemarkt vorbei. Man sollte dazu sagen, da ich jeden Tag zwischen 16 und 17 Uhr auf dem Heimweg an diesem vorbei flaniere. Freitags für gewöhnlich kurz vor drei – was aber keinen nennenswerten Unterschied macht, wenn man das Thema meiner heutigen Abhandlung betrachtet.

Jeden Tag – aber wirklich auch JEDEN Tag – wenn ich daran vorbei latsche, steht am Lieferanteneingang ein halbes Dutzend Figuren herum. Was die da machen? Na, ihr werdet es ahnen: Sie zwirbeln sich unter Zuhilfenahme alkoholischer Getränke ordnungsgemäß die Grütze aus dem Schädel… täglich! Freitags stehen die wie gesagt auch schon da… gegen 15 Uhr. Phänotypisch eine bunte Mischung aus langjährigen, ausgemergelten Klischeealkoholikern die mit Mitte 40 schon aussehen wie ihr eigener Opa und – ja, man muß es so schonungslos sagen: jugendlichen Glatzen, die sich nach jeder Pulle einen feinen Nebel aus Speichel und Billigbier über die schimmelgrüne Bomberjacke rülpsen (jaja, die Elite unseres Landes…). Man kann es im allgemeinen Sprachgebrauch auch auf einen Nenner bringen: Da standen die Assis – und wenn sie nicht gestorben sind, dann stehen sie da noch immer! Bevor mir da jetzt einer mit politisch korrekten Floskeln kommt, daß das doch alles arme, gescheiterte Existenzen seien, die Hilfe brauchen, deren Alkoholismus eine Krankheit ist, blablabla… die ganze gutmenschliche Linksparteirhetorik eben, sei mal darauf hin gewiesen, daß mir das in diesem Fall wumpe ist! Wir reden hier nicht über Leite, die sich irgendwo Schnapsflaschen verstecken um unbemerkt vom Partner oder Kollegen über den Tag zu kommen. Wir reden her von Leuten, die sich vermutlich schon am Vormittag an einer Laderampe treffen, ein Billigbier nach dem anderen zünden und mit zunehmendem Pegel wahrscheinlich noch Passanten belästigen. Das habe ich bei diesem Grüppchen zwar noch nicht beobachtet, aber man muß kein Prophet sein um zu antizipieren, daß dieses Säuferkonglomerat nicht gerade defensiv mit seinen Mitmenschen umgeht. Außerdem ist das ja eher ein globales Phänomen, das sich seit meiner Schulzeit entwickelt hat. Diese Truppen gab es schon Mitte der 90er an der damaligen Kaufhalle neben meiner Schule – was das Warten auf den Schulbus natürlich nicht gerade angenehmer machte. Als auch auf dem Marktplatz – wenn man mal länger als 6 Stunden hatte, dann stand man halt an der Haltestelle des ÖPNV und keine 10 Meter hinter einem soff sich der hitlertreue Vollassi aus dem BVJ noch mehr Dummheit an um sich dann mit Siebt- und Achtklässlern anzulegen weil ihm deren Ranzen nicht passte. Ja, das war eine helle Freude – besagte Mauer, welche diesem Gesindel als Tresen dienste, war auch nur noch als “Assimauer” bekannt und so ziemlich jeder war heilfroh, als die Bushalte irgendwann mal auf die andere Seite des Marktplatzes verlegt wurde. Ich frage mich einfach, ob das sein muß!? Mir wäre daher auch weitestgehend egal, wenn man ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen erläßt und das das dann auch entsprechend durchsetzt.

Ich verstehe es grundsätzlich schon mal nicht, was Menschen dazu bringt sich jeden Tag an einer Laderampe mit anderen Wracks zu treffen und sich gemeinsam die Synapsen zu desinfizieren. Es ist ja nun auch nicht die malerischste aller Gegenden, da an der Laderampe. Ab und an sieht man eine dieser Figuren dann auch noch, alkoholisch enthemmt oder einfach nur naturdoof – die Grenzen verschwimmen da –, irgendwo am Gehweg stehen und in die Rabatten schiffen. Auch im Gebüsch (das ab dem Spätherbst natürlich einen erstklassigen Sichtschutz bietet) selbst hat man einzelne schon hocken sehen… während ein paar Meter entfernt auf dem Gehweg Mütter mit ihren Kindern spazieren gingen. Es gibt Leute, die würden das nun als “alternativen Lebensstil” beschreiben und Leute wie mich, die das einfach mal scheiße finden, daß solche verkrachten Figuren auf Schulwegen rumlungern, moralisch für ihre Intoleranz maßregeln. Außerdem wäre dann wieder “der Staat” Schuld in deren Weltbild – nicht die armen Assis. Diese Leute finde ich aber doof! Warum? Weil das Hippies sind! Nur mal kurz zum Durchdenken: Kommt “der Staat” denn hier an den Getränkemarkt – es muß ja nicht gleich der ganze Staat sein, der Friedrich die Truppenursel würde ja schon reichen – also kommt die Truppenursel persönlich hier an den Getränkemarkt und erteilt Alko-Adolf und seinen Kumpanen den Auftrag, sich ab jetzt täglich vor besagtem Lieferanteneingang die Kante zu geben? Begründet “der Staat” – also in unserem Beispiel die Ursel – das mit einem finalen Salut und der Parole: “Fürs Vaterland, meine Herren!”? Ich kann es zwar nicht beweisen, aber ich glaube, daß dem nicht so ist. In meiner Welt entscheidet jeder selbst, ob er sich und seinen Alkoholismus SO öffentlich zur Schau stellt. Da kann der Staat auch nix für. Wo er allerdings was dafür kann – hier komme ich auf das Alkoholverbot zurück – ist in der Eindämmung dieses Public-Drinkings. Das muß man sich dann schon anhören in Berlin wie ich finde.

Aber: Vielleicht ist alles auch ganz anders! Als wir gestern an diesem alkophilen Konglomerat vorbei fuhren, da entwickelten wir einen alternativen Erklärungsansatz – nein, vielmehr eine Vision. Ein Geschäftsmodell! Ja, das ist es: ein Geschäftsmodell!! Wir haben uns gefragt, was denn der Getränkemarktbesitzer davon hält, daß an seiner Saufhalle Krethi und Plethi herum lungern und potenzielle Kunden erschrecken. Einerseits wird dem das nicht gefallen, andererseits sind das ja nun auch Abnehmen für seine liquiden Wahrnehmungsverschwurbler. Auch wenn die nur die Billigplörre saufen, so macht die bloße Menge ja schon wieder Umsatz. Man müßte… man müßte den Getränkemarktbesitzern, Supermarktbetreibern und von mir aus auch allen anderen Geschäftsleuten einfach die Möglichkeit bieten, das vor/um/an ihren Geschäften herumlungernde Gesindel zu steuern. Man müßte ihnen ermöglichen, eine auf betriebswirtschaftlichen Standards basierende Auswahl zu treffen. Ein Geschäftsmann sollte die Möglichkeit erhalten mit einem detaillierten Anforderungsprofil auf eine Agentur seines Vertrauens zu zu gehen und sich von dieser beraten zu lassen. Gemeinsam erarbeitet man sich dann einen umfangreichen Katalog an Kernkompetenzen, welche die Gesuchten aufzuweisen haben und – natürlich auch wichtig – eine Liste die Einstellung begünstigender Soft-Skills! Mit diesen Vorgaben wird dann das Portfolio an erfassten, potenziellen Kandidaten – sprich die Datenbank der Agentur – gefüttert und durchsucht. Eine interaktive, intelligente Suchmatrix ermittelt basierend auf den auf sie zukommenden Aufgaben eine vorher fest gelegte Zahl an Kandidaten. Diese werden dann unter fachkundiger Begleitung von zwei Angestellten der Agentur, zwölf Gesandten der größten deutschen Brauereien und natürlich vom Geschäftsinhaber selbst unter möglichst authentischen Bedingungen einem Assessment-Center unterzogen. Aber wie gesagt: Alles nicht standardisiert, sondern immer an den konkreten, individuellen Erfordernissen des Einsatzgebietes orientiert. Wenn beispielsweise in der Stellenbeschreibung

“Sicherer Umgang mit millieuspezifischer Fäkalsprache und fundierte Kenntnisse im fachmännisch akustischen Entfernen (->dem so genannten “Fumpen”) von Kronkorken.”

wird der 43jährige, gescheiterte Bohemien, in dessen Kompetenzbeschreibung von “Deutliche Stärken im mit einem späten 1976er Bordeaux in der Hand auf Vernisagen Herumstehen und pseudointellektuell über die Pinselführung Caspar David Friedrichs Schwadronieren” die Rede ist natürlich keine Chance haben. Diese Position wird dann eher an einen Durchschnittsproleten gehen – was auch angesichts des in der Ausschreibung beschriebenen “Sozioökonomisch stark dezentral gelegenen und von niedrigem Lohnniveau geprägten Einsatzort” nicht weiter verwundert. Da passt ein Mittfünfziger Vokuhilaträger mit Oberlippenbart und knallengen, verdreckten Jeans der Marke “Testikeltod” einfach rein optisch schon besser hin als unser oben beschriebener Hornbrillenträger in seinem abgewetzten Cordanzug. Mit dem locker um den Hals geworfenen, schneeweißen Schal würde er die potenzielle Kundschaft da wohl eher irritieren als unterschwellig die “außergewöhnlich niedrige Qualität bei entsprechendem Preisniveau der dargebotenen Getränke”  optisch-unterschwellig an sie zu vermitteln. Auch könnte er nicht mit dem zur Basisqualifikation gehörenden, laut röhrenden Rülpsruf paarungswillige Dauerwellenträgerinnen aus den umliegenden Plattenbauten anlocken, welche dann dem Getränkemarkt durch den Kontexteffekt des Balzsaufens einen Absatzanstieg bei mit Frostschutzmittel gestrecktem Rosé-Wein aus dem Tetrapack bescheren. Nein, das kann 80s-Olaf mit dem Plastekamm in der Arschtasche deutlich besser; er passt einfach auf das Anforderungsprofil wie der sprichwörtliche Arsch auf den Nachttopf!

Die Stunde unseren verkappten Connaisseurs der feinen Künste wiederum schlägt dann, wenn man ein “feierfreudiges, jedoch gleichzeitig kulturell bewandertes Statistenpublikum” für eine “Veranstaltung im gehobenen intellektuellen Segment” sucht, das seinen Alkoholkonsum “mit Einsatzbereitschaft und Ausdauer über den Abend hinweg zu steigern fähig ist ohne dabei behavioristisch die Grenzen des guten Geschmacks zu sprengen”. Natürlich werden die konsumierten Alkoholika in jedem der geschilderten Fälle über ein großzügig ausgestattetes Spesenkonto vom Auftraggeber abgedeckt. Jedoch ist der Maximalpreis des einzelnen Getränks strikt reglementiert. Assi-Olaf braucht gar nicht zu versuchen, ein Bier zu erwerben, das mehr als 40 Cent pro Flasche kostet – wohingegen unserem Anspruchssäufer kein Wein unterhalb eines Flaschenpreises von 45,89€ angeboten wird. Stellt sich ein Unternehmen ganze Grüppchen zusammen, sollte man natürlich auch die Gruppendynamit beachten. Beim Bohemien kommt es vor allem auf unterschiedliche Weltsichten innerhalb des Teams an, damit ein “fruchtbarer, intellektueller Diskurs mit den offiziellen Gästen der Veranstaltung” stetig am Laufen gehalten wird. Bei einer Rotte Prollo-Bollos kommt es lediglich darauf an, daß zwei Teilnehmer sich hin und wieder prügeln oder wenigstens lauthals mit “Kraftausdrücken einer von uns mit Absicht moralisch nicht weiter reglementierten Kategorie” anschreien.

Mit diesem Modell könnte man mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Man würde diese Trupps von Leberlöchrigen einer geregelten, sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit zuführen. Sie wären als diese dann auch über ihre Arbeitgeber versichert und müssten im Sinne der Funktion, die sie als Mitarbeiter, ja Aushängeschild der Firma auch von Pöbeleien gegen Unbeteiligte absehen, sofern sie nicht einen Rüffel vom Chef riskieren wollen. Das würde die Welt sicherer machen! Die Arbeitszeiten wären geregelt und durchaus auch flexibel. Bei vorabendlicher Präsenz bis 22:00 Uhr mit anschließendem After-Work-Bierchen, kann keiner verlangen, daß man bereits 8:00 Uhr am Folgetag wieder auf der Matte steht. Es liegt ohnehin in der Natur der Sache, daß es vornehmlich Spät- und Nachtschichten gibt. Wir kämen der Vollbeschäftigung näher und obendrein würde man einen vollkommen neuen, revolutionären Wirtschaftszweig etablieren – ein Wachstumsbranche, welche nach kurzer Zeit mit Börsennotierungen im Bereich der T-Aktie von Applepapieren von sich Reden machen wird.

Wir werden Montag mal bei der SAB anrufen und fragen, ob man dieses Geschäftsmodell kofinanzieren würde – nur die ersten 2-3 Wochen, bis es Gewinn abwirft eben. Vielleicht gibts ja sogar Fördergelder von der EU; bescheuerter als das, was die sonst fördern ist die Idee auch nicht.

Zwinkerndes Smiley

Donnerstag, 13. Februar 2014

BLACK CELEBRATION–Depeche Mode in Dresden, 12.02.2014

 

Es ist schon eine seltsame Sache, das mit dem Altern. Man macht plötzlich Dinge, die man vor 20 Jahren noch nicht für möglich gehalten hätte – und hat auch noch verdammt viel Spaß dabei. Gestern war es bei mir wieder mal so weit. Ich erinnere mich noch, wie ich Anfang der 90er Depeche Mode wahr nahm; das war ganz anders als heute. Damals waren das noch “die dunklen Typen mit ihrem Elektrozeugs”, deren Fans immer mit leicht depressivem Äußeren herum latschten und mit Vergangenheits-Even und seiner Fixierung auf Alternative- und Hardrock so gar nicht vereinbar schienen. Ich mochte das eine oder andere Lied, keine Frage, aber irgendwie passte es nicht. Außerdem war ich ein ziemlicher Musiknazi und alles was irgendwie “Synthie” hieß oder auch nur andeutungsweise Elektrozüge trug, das kam gar nicht in die Tüte oder wurde (wie DM) nur heimlich gehört. Was aus den 80ern kam fand ich ja obendrein sowieso total Moppelkotze! Jetzt fielen Depeche Mode zwar nicht wirklich in die oben genannten Kategorien, aber dennoch genug, daß die Bravo-Aufkleber eher verschenkt als zur optischen Aufwertung des Schulmaterials genutzt wurden. Binnen der letzten 10 Jahre habe ich die Kerle aber nun richtig schätzen gelernt. Ich hörte ihre Musik, und entdeckte, daß sie eigentlich verdammt gut sind die Herren! Melodisch dürfte das so ziemlich die beste Band sein, die derzeit noch aktiv herum tourt und live eine Urgewalt. Auch überwand ich die allgemeine Aversion gegen Elektrokram und Synthies mit der Zeit, weil es eben auch – wenn man es zuläßt – eine Menge musikalische Vielfalt bietet. Ich sage nur Emiliana Torrini, selbst Pearl Jam haben einen ihrer größten Midtemposongs mit einem Hauch Elektrogelumpe fabriziert. Die Mauer bröckelte so langsam und so entwickelte sich der Drang, DM auch mal live sehen zu wollen. Nachdem ich die Stadiontour letztes Jahr nicht mitmachen konnte wurde aus “sehen wollen” gar ein Derivat von “sehen müssen”. Im Endergebnis war es schon fast tragisch, daß ich im VVK für die Hallentour leer ausging. Dann kam noch dazu, daß die Kleine Schwester, mit der ich solcherlei Events im Normalfall aufsuche und die sich tierisch gefreut hätte die Herren live zu sehen, zur Tourzeit im Ausland weilt. Dann aber, dann erkämpfte sich selbige eine Karte für die Show der Herren in Turin und geht alleine ohne mich da hin! So eine Sauerei! So etwas konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Zwinkerndes Smiley 

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Ich erwarb nach mehreren erfolglosen Anläufen und dem noch viel erfolgloseren Unterfangen bei Radio Jump Karten zu gewinnen bei ebay durch eine glückliche Fügung ein Ticket. Ehrlich gesagt hätte ich nicht mehr damit gerechnet – schon gar nicht unter Einhaltung meiner selbst gesetzten, allgemeinen Schmerzgrenze beim Ticketpreis. Da gingen Karten für 250 Tacken weg, was weit mehr als doppelt so hoch ist wie genannter Schwellenwert. Jedenfalls bot sich die Chance und ich schlug zu! Das war vor ca. anderthalb Wochen und seither klemmte die Karte an meiner Pinwand.

Gestern wurde sie von dieser entfernt und – was auch ein wenig kribbelig war – vor Ort eingesetzt. Kribbelig deshalb, weil ich bei ebay-Karten immer die unterschwellige Befürchtung hege, daß man mich behummst hat. Hatte man aber nicht! Ich betrat also die Messe im Elbflorenz und suchte mir erst einmal eine etwas abgelegene Garderobe um nachher auch zügig wieder weg zu kommen. Auf mehrstündigen Stop-and-Go-Verkehr wie nach dem Boss in Leipzig hatte ich keine Lust. Ich organisierte mir ein Bierchen und ein Tourshirt, welches umgehend angelegt wurde, da ich keinerlei passende Oberbekleidung im Reservoir hatte und daher mit Monster Magnet Shirt anreiste.

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Ich schlenderte ein wenig umher und begutachtete die Location. Schön ist anders! Gegen diesen kubischen Funktionsbau hat sogar die O2 World in Berlin (eine MuFu-Arena modernster Prägung) noch richtig Charme. Aber egal, ich sollte hier ja keine Architekturpreise vergeben. Als es noch 15 Minuten bis zu Vorband waren brach ich auf um mir mein Plätzchen auszusuchen. Ich stand halblinks vor der Bühne und fand es komisch – also auf zur gewohnten Seite. Schon besser. Dann noch so weit nach vorn rücken wie möglich. Ich schaffte es immerhin bis ins vordere Drittel der Halle, wobei davon ein Großteil ja auch schon vom FOS in Beschlag genommen wurde. Ich leerte mein Radeberger und war froh, kein zweites trinken zu können – furchtbare Plörre! Alsbald betrat “The Soft Moon” die Bühne. Ich hatte nicht mit einer Vorband gerechnet, als ich vor ein paar Tagen aber sah, daß es eine gab, da war ich gespannt. Die sind ziemlich gut, gerade als Pusher für Depeche Mode sind die fast optimal gewählt. Die ersten drei Songs fand ich eher noch schwach, dann steigerten sie sich aber rapide und der letzte Song war einfach nur ein richtig mitreißendes Stück Musik! Wenn man bedenkt, was ich mitunter als “Vorband” erdulden mußte in den letzten Jahren (ich sage nur diesen Onkels-Kasper auf Solopfaden bei Motörhead… ), dann war das definitiv oberes Tabellendrittel. Als die Lichter wieder an gingen steigerte sich die Vorfreude um mich herum schlagartig. Die Überbrückungsmusik wurde eingedudelt und ging ca. 20 Minuten vor Beginn in ein laut hämmerndes Vorintro über. Per Internet fand ich heraus, daß es sich um eine leicht geremixte Version von “Bad Choice” eines gewissen Mike Duz handelt (ihr wiß´t ja selber, wo ihr das findet Zwinkerndes Smiley ). Der Song bringt echt die ganze Halle schonmal ordentlich auf Betriebstemperatur und es hat auch seine Gründe, warum man dieses Ding dann gleich ordnungsgemäß aufdreht. Das Ding erzeugte einfach eine richtig großartige Atmosphäre um einen herum. Die Bude war schon dezent am Köcheln bevor Depeche Mode auch nur einen Fuß auf die Bühne setzten. Ganz großes Tennis dieses Ding, vor allem weil es diesen passiv agressiven Unterton mitschwingen hat und die Erwartung nur noch mehr nach oben heitzt. 

Nachdem das gute Stück schier unendlich über uns hinweg gestampft war, erloschen die Lichter und es wurde vom offiziellen Intro abgelöst. Spätestens als Dave Gahan die Bühne betrat rastete alles, was sich vor mich befand komplett aus. Die Lichtmaschine wurde angeworfen und die drei Großbildschirme wurden mit pulsierenden, bunten Kringeln zum Leben erweckt. Was nun folgte war mit “Welcome to my World” ein sehr minimalistischer Einstieg in den Abend. Dave hatte von Beginn an seinen Schalter auf “Rampensau” gestellt und brauchte entsprechend auch nicht lange, bis er die Halle im griff hatte. Spätestens, als er vor “Angel” das Jäckchen ablegte war es doch um die weiblichen Anwesenden geschehen. (BTW: Ein Brauch, den ich wohl nie verstehen werde: Mann zieht Jacke aus, alle drehen am Rad… *wft*?!? Bei mir klappt das irgendwie nie.) Jedenfalls haben DM eine ähnlich fanatische Anhängerschaft wie Pearl Jam oder der Boss, was da abging – und zwar quer durch die Halle – hatte schon was von einer Kollektivhuldigung. Jedenfalls folgte “Angel” mit ähnlicher Intensität wie der Einstieg und Gahan begann so langsam motorisch warm zu werden. Die Untermalung auf den Videowänden war einfach nur perfekt abgestimmt. Depeche Mode sind mehr Gesamtkunstwerk als reine Konzertband – ohne dabei aber überladen zu wirken. Es war eine Augenweide. War der Saal bisher schon gut dabei, zündete das großartige “Walking in my Shoes” nochmal den Nachbrenner. Das Ging schon mit dem variierten Intro los und als dann offensichtlich wurde, was kommt, platzte die Endorphinbombe. Refrains wurden mit nach oben gerissenen Armen mitgesungen, es wurde geklatscht und getanzt. Der absolute Hammer, diese Liveversion. Da hörte man den Perfektionismus beim Arrangement der Livestücke heraus und das war auch verdammt gut so. Das Level wurde dann mit “Precious” und dem wunderbaren “Black Celebration” weiter oben gehalten. Als dann noch “Policy of Truth” kam – eines meiner Highlights des Abends – war es die reinste Freude sich genau zu diesem Zeitpunkt in genau dieser Halle zu befinden (egal wie grottenhässlich sie auch sein mag). Man konnte gar nicht anders als sich von der schon fast sakralen Stimmung anstecken zu lassen, die DM da aus dem Zuschauerraum entgegen schwappte. Weltklasse! “Slow” und “Blue Dress” bildeten da schon einen Kontrast in ihrer ruhigen Art. Auch wenn es Gerüchten zur Folge vor allem dazu da ist, das Ego von Martin Gore zu streicheln ist dieses von ihm dargebotene Songduo schon ganz groß! Verschnaufen, einfach treiben lassen und am Ende – den Martin feiern! Ich verstehe nicht, wie einheimische Schrottmedien (Freie Presse) das als “Stimmungsbremse” bezeichnen können. Wir sind hier nicht beim Speed Metal, meine Herren! Danach waberte “Heaven” durch die Halle. Ich mochte den Song noch nie so richtig, der – verzeihung – “verreckt” immer kurz bevor er so richtig Fahrt aufnimmt habe ich das Gefühl. “Heaven” und ich, wir werden einfach keine Freunde, aber man muß ihm zugute halten, daß es live dann doch so einiges an Atmosphäre erzeugen kann das Liedchen. Dave war mittlerweile im Erlösermodus angekommen und praktizierte fleißig die Jesus Christ Pose oder stiefelte mit seinem Mikrofonständer über die Bühne wie ein Zinnsoldat. Dann folgte “Behind the Wheel” und zog auch bei mir wieder umgehend an der Begeisterungsschraube. Ein toller Song, der noch so richtig schön mit der Lightshow verschmilzt. Und um mich rum alle so: “klatsch, klatsch, klatsch, *durchdreh*”! Zwinkerndes Smiley Hehe, und das blieb bis zum Ende des Mainsets so. Absolute Euphorie in der Halle – und ich konnte es verstehen. “A Pain that I’m used To” in einer Remixversion wirkte zwar ein wenig befremdlich, kickte aber die Stimmung nochmal anständig nach vorne. Die Schlußtroika des Hauptteils killte dann auch den letzten Funken Zurückhaltung im Publikum. “A Question of Time” marschierte mit seinem unnachahmlichen Drive durch die Halle und die Glieder sämtlicher Anwesenden und wurde von “Enjoy the Silence würdig abgelöst. Unbeschreiblich, diese zwei Songs und die Stimmung in der Halle. Dann brach “Personal Jesus” als Closer des Mainsets zunächst mit angezogener Handbremse die Stimmung kurz um dann nur umso heftiger zu detonieren. Was für ein Abschluß. Dave gab nochmal den Bühnenderwisch und wackelte zum gefühlt 200. Mal exzessiv mit dem Gluteus Maximus. Unglaublich energetischer Schlußpunkt!

Die Zugabenpause war kurz, so konnte man nur mal kurz durchatmen und sich sortieren, bevor die Herren wieder die Bühne enterten. Mit “But not tonight” wähle man wieder einen ruhigen Einstieg, nach welchem Martin Gore nochmals anständig gefeiert wurde und dies auch sichtlich genoß. Das folgende “Halo” war dann eine verträumte Ballade, die nochmal alles hervor holte, was Depeche Mode im ruhigeren Segment so auszeichnet. Dave wie immer voll dabei und sehr expressiv auf der Bühne. Den Kerlen nimmt man bei allen technischen Spielereien der Show einfach ab, daß sie mit dem ganzen Herzen dabei sind – vorbehaltlos. Danach hämmerte man mit einem treibenden Beat “I just can’t get enough” ein – nächstes persönliches Highlight. Hier war die Stimmung dann wieder am absoluten Siedepunkt. Es war eine helle Freude das zu hören und mit zu gehen. Zumal es, das merkte man, so eine Art kollektives Motto der Zuschauer war zu diesem Zeitpunkt. Wahnsinn, wie umfassend diese Band ihre Zuschauer in ihren Bann ziehen kann. Mit “I Feel you” schob man dann gleich den nächsten Song mit Potenzial zur Massenbewegung hinterher. Um einen herum nur klatschende, singende, tanzende Menschen und vor einem eine Band im Duracellmodus mit richtig schöner Lightshow. Leider war man nun schon am Ende des Abends angekommen und leitete aus den von Dave genüßlich dirigierten “oooooooooooooooohhhhhhhhh-ohhhh; oooooooooooohhhhhhhhhhhh-ohhhhh!” Chorälen des Publikums langsam in den Closer über. Die ersten entfernten sich da schon aus der Halle um pünktlich vom Parkplatz zu rollen – sie waren selber Schuld! Dieser Song war nochmal ein würdiges Highlight zum Abschluß. Alle gaben nochmal alles – absolut alles sogar. Sowohl Band, insbesondere der flummihaft agierende Dave, als auch Zuschauer gaben nochmal alles was Bewegungsapparat und Stimmbänder noch her gaben. Noch so ein Highlight des Abends. Was für ein Song – was für eine Show!!!

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Als ich überraschend zügig wieder heim gekehrt war – trotz Massenparkplatz und gering dimensionierten Ausfährtstraßen – war ich immer noch ein wenig geflasht. Erschöpft, durch geschwitzt, aber mal wieder so richtig happy! Konzert Nummer zwei des Jahres 2014 wird einen Ehrenplatz erhalten in meiner Vita. Depeche Mode live gesehen zu haben, das sollte sich jeder mal antun. Auch wenn man noch ähnliche Vorbehalte hegt wie ich vor 20 Jahren, so wird es einen zwangsläufig überzeugen, wenn er diese Jungs live sieht. Es gibt nicht mehr viele Bands, die e drauf haben solche Shows mit derart zeitloser Musik zu bieten. Es sind momentan ungefähr eine Hand voll um genau zu sein. Und es werden auch nicht mehr – schaut euch nur mal um. Es war ein denkwürdiger Abend mit jeder Menge Freude und Spaß an der Musik. Depeche Mode sollten sich jetzt ein wenig erholen vom gestrigen Abend – damit sie am Dienstag in Turin dem Affen wieder ordentlich Zucker geben können! Wenn das Konzert in Fiatland das gestrige nicht toppt, dann überlege ich mir das mit der Synthieabneigung nämlich noch einmal! Zwinkerndes Smiley

Donnerstag, 6. Februar 2014

MUSSOLINI VS STALIN

(Gogol Bordello)

Die nächsten Wochen werden wieder anstrengend für den gesunden Menschenverstand, es sind mal wieder Olympische Spiele. An sich ja nix Schlimmes. Ich finde diese Wettkampfübertragungen durchaus kurzweilig bis interessant und wann hat man denn als Mann schon mal eine plausible Entschuldigung dafür – von der Gelegenheit ganz zu schweigen – sich solcherlei Boomsportarten wie Eistanzen oder Curling rein zu pfeifen? Fragt die um den Testosteronspiegel besorgte Frau dann “Warum?”, dann kann man argumentativ mit “Das ist Olympia… OLYMPIA!!!” sämtliche Diskussionen im Keim ersticken. Das ist ein wenig wie bei ner Fußball-WM. Auch da fände man keinen rationalen Grund dafür sich das Vorrundendebakel von Guatemala gegen die haushoch überlegenen Kicker aus Burkina Faso anzutun – außer halt, daß es “WM ist… HAAAAAALLLOOOOOOOO, WM!!!!!”. Die besonders wortgewandten Zeitgenossen unter uns fügen dann noch ein “Alle Spiele! Alle Tore!” mit an. Prösterchen und Bierchen auf! Von daher bieten diese internationalen Sportwettkämpfe im Schneeschuhfahren, Kufengleiten und Schlittenfahren einfach eine vortreffliche Gelegenheit die Zeit vor der Glotze tot zu schlagen. Irgendwie ist das ja auch spannend, selbst, wenn man die Sportarten an sich nicht wirklich versteht und/oder um kein Geld der Welt selber ausüben würde. So weit, so gut.

Allerdings ist es nun in Deutschland schwierig geworden, sich als Bürger unbeschwert an etwas zu erfreuen. Der Deutsche muß 1. planen und 2. meckern. Sonst ist er nicht wirklich glücklich. Wozu Planungswahn führt, das zeigt ja der geradezu irrsinnige Optimierungswahn der Baupläne, den es bei BER gab. Als Ergebnis kann man sagen, daß der Flughafen zwar noch nicht fertig ist, aber wenn er es wäre, dann wäre er besser als wir es uns vorgestellt hätten bevor er überhaupt geplant gewesen war. Verwirrt? Macht nix – ich habe den Satz auch 423 Mal nachgebessert… um ihn zu optimieren natürlich. Außer Flughäfen wollen wir auch noch alles andere planen – Medaillen zum Beispiel. Früher schickte man eine Hundertschaft kerniger Burschen und fescher Mädels ins Ausland, drückte ihnen ein paar Holzlatten oder getunte Hörnerschlitten in die Hand und sagte sinngemäß “Macht mal!” Wenn die dann wieder kehrten, schaute man sich an, was sie um den Hals hängen hatten und freute sich. Als Prämie gabs noch nen Jahresvorrat Adidas-Schlüpfer (ab Werk gleich mit drei Streifen) oder nen halben Wartburg überreicht, je nachdem, für welches Bruchstück unserer schönen, bunten Aktualrepublik man die Skischuhe schnürte. Heute ist das anders. Damals gab es zwar auch schon so etwas wie “Funktionäre”, allerdings beschränkten die sich aufs Funktionieren. Heute sind das glatt geschmirgelte Pseudopolitiker, die ihre Prioritäten von Interessenverbänden “nahe gelegt” bekommen und ihre eigens für den Job zugelegte Profilneurose vor laufenden Kameras ausleben müssen. Da schiebt sich dann ein gut genährter 150 Kilo Brocken im Armani-Anzug vor die Mikros und beschwert sich, daß die Skispringer “hinter unseren Erwartungen zurück” bleiben würden. Man habe mit mindestens fünfunddrölfzig Medaillen gerechnet, was die Herren ja mit ihrem popeligen Silberrang im Teamwettbewerb ja wohl mal sowas von verfehlt hätten. Man möchte in den Fernseher hinein springen und den Moppi höchst persönlich auf die Schanze zerren, wo man ihn in einen hautengen Ganzkörperanzug preßt, Skier unterschnallt und ihn dann vom Backen schubst. Während er dann die Anlaufspur hinunter purzelt will man ihm hinterher rufen “Und jetzt fliiiiiiiieg, Goldhoffnung! ZIIIIIIIIIIIIIEEEEEEHHHHHHHH!!!!!!”

Dieser Blödsinn grassiert in allen Sportarten. Ich finde es ja schon pervers, daß Medaillenerwartungen festgezurrt und Förderung davon abhängig gemacht wird. Viel Edelmetall = viel Förderung; wenig Edelmetall = “hier hast nen Fuffi, jetzt kauf dir selbst nen Bob, du Null!” Das ist doch paranoid. Vor allem wird dann noch breit getreten, was man erwartet hat und was erreicht wurde. Bedeutungsschwer wird dann mit ernster Mine eine “Neuausrichtung der Förderstrukturen” gefordert. Da wird kritisiert, daß die hohen Erwartungen, die man in die Sportler gesetzt habe, nicht erfüllt wurden. Da werden dann, auch 2014 wird das sein, Sportler in die Mangel genommen und müssen sich rechtfertigen, warum sie nicht gewonnen haben. Sie seien doch “bis dahin im Weltcup führend” gewesen und “ausgerechnet zum Saisonhöhepunkt” habe sie eine unerklärliche Formschwäche ereilt. Medialer Liebesentzug geht damit dann freilich einher. Man sollte den Herren Funktionären mal zu bedenken geben, daß da auch noch so ein bis zwei andere Nationen mitmischen bei den Wettkämpfen. Es ist jetzt nicht so ganz unwahrscheinlich, daß diese sich trotz der deutschen Gegnerschaft auch ein wenig anstrengen und im Zweifelsfall ein oder zwei Medaillen holen wollen. Ich sags ja nur, daran sollte man denken – auch wenn es vielleicht nicht unbedingt offensichtlich ist. Die Medien, insbesondere die besonders niveauarmen Schrottblätter (… Moment, warum eigentlich Plural an dieser Stelle, sagen wir doch gleich “BILD”), springen auf den Zug auf und hauen einem permanent den Medaillenspiegel um die Ohren. Nach dem Motto: “Guckt, jetzt hat sogar Ruanda schon drei Mal Bronze und wir…?!?” Ich finde das nervtötend und bescheuert!

Die Kehrseite der Medaille (auf dieses vorhersehbare Wortspiel bin ich jetzt nicht stolz, mir fiel hat nix anderes ein) ist dann, daß man sich wundert, wenn der eine oder andere Sportler sich unter dem Druck ne Pulle Dopingmittel in die Venen jagt um diesem Blödsinn zu entgehen. Ich will das jetzt nicht gut heißen, aber wenn diese Erwartungshaltung medial geschürt wird und auch absehbar ist, daß Sieger mit Werbespots für Abführtabletten oder Matratzenschoner finanziell abräumen in der Folge, dann soll man doch bitte diese Doppelmoral sein lassen. Wer heutzutage noch an “sauberen Sport” glaubt, der ist doch eh nicht mehr zu retten. Medial ist das doch wie bei der Tour de France. Erst wurde Ullrich niedergeschrieben, weil er hinter Armstrong “nur” Zweiter wurde und hinterher wollte es wieder keiner gesendet haben, als heraus kam, daß da im Prinzip hundertachtzig Pharmalobbyisten durch die Provence rollten.

Der zweite Punkt, der des Meckerns, ist ähnlich ballaballa. 2007 vergab man die Olympischen Spiele nach Sotschi. Warum man das tat, das wird wohl auch nur das IOC wissen. Aber so lange es die FIFA gibt, wird man ja ohnehin noch einen Verein haben, der noch absurdere Entscheidungen fällt und einen dadurch noch recht vernünftig wirken läßt. Jedenfalls stellte man nicht nur hierzulande unmittelbar nach der Vergabe (so etwa im Dezember 2013) vollkommen überraschend fest, daß Sotschi in Russland liegt. Urplötzlich sah sich die selbst ernannte “kritische Öffentlichkeit” damit konfrontiert, daß wider Erwarten Korruptionsvorwürfe aufkreuzten. Auch mußte man fest stellen, daß “grüne Spiele”, wie sie sich jeder wünschte, irgendwie doch nicht zu Stande kommen werden. Die werden eher so plattenbaugrau sein. Auch tauchten plötzlich Meldungen über Enteignungen auf und man sah beunruhigt zu, wie die Russen den Spielen alles unter ordneten. Dann, was die wohl größte und unvorhersehbarste Entwicklung in der Causa Sotschi war, entdeckte ein investigativ recherchierendes Kamerateam urplötzlich eine Schwarzmeerküste bei Sotschi und deckte auf, daß es sich unter Umständen um einen so genannten “Badeort” handeln könnte. Sotschi ist traditionell praktisch wie geschaffen für Winterspiele. Das IOC reagierte überrascht und schickte eine Hundertschaft von phrasendreschenden Grußaugusten vor die Kameras der internationalen Presse. Die erklärten dann, daß doch alles voll supi ist und die Spiele die schönsten, prächtigsten, größten und überhaupt megageilsten Sportfestveranstaltungen der Geschichte werden würden. Das Interessante ist, daß sich die Weltöffentlichkeit davon blenden läßt. “Ach soooo, das ist gar nicht so schlimm sagt der nette Opi mit der Rolex und dem Belugakaviar im Mundwinkel. Na, der wird es ja wissen, der ist schließlich objektiv!”  Und natürlich geht es nicht nur darum, daß beim IOC und den Sponsoren der Rubel rollt, das ist in erster Linie ein Fest des Sports! Aber wehe, unsere Athleten holen zu wenige Medaillen!

Aber das IOC hat Glück gehabt! Nicht auszudenken, was es für Fehlentwicklungen, Umweltsünden und (igittigitt) Korruptionsskandale im Vorfeld der Spiele gegeben hätte, wenn diese nicht unter der Fuchtel wohlwollenden, am Gemeinwohl orientierten Egide eines lupenreinen Demokraten organisiert wurden wären.

Donnerstag, 30. Januar 2014

HALLELUJAH – Monster Magnet in Leipzig, 28.01.2014

Go!

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2014 geht als Konzertjahr relativ untypisch los für mich. Erstens startet es bereits im Januar, was an sich schon selten ist; und zweitens kommt gleich ein Kracher zum Auftakt, der traditionell eher gegen Ende des Jahres in den Terminkalendern der hiesigen Konzertgänger aufkreuzt. Aber man will ja nicht meckern, ganz im Gegenteil. Unterm Strich kann ich jedenfalls stolz berichten “Ich war dabei! Dabei, als die Mannen von Monster Magnet ein Mal mehr ihren unvergleichlichen Space-Rock-Voodoo darboten.”

Das letzte Konzert der Herren war im Jahre 2012 im gar nicht so fernen Erfurt gelaufen; ein reichliches Jahr her ist das mittlerweile. Wie ihr dem Bericht entnehmen könnt, war bereits dieses ein echter Kracher. Auch wenn sie mittlerweile nicht mehr den gleichen Stellenwert genießen wie in den 90ern, so sind Monster Magnet nach wie vor eine schlichtweg beeindruckende Rockmaschine, die einen im Prinzip nie enttäuscht. Ähnlich wie 2012 war dieses Jahr auch wieder eine Album-Tour. Diesmal allerdings mit der aktuellen Scheibe “Last Patrol” im Programm. Somit waren beide Konzerte sich zwar irgendwie ähnlich – allerdings beschränkte sich das auch nur auf das Grundkonzept. Aber dazu gleich mehr.

Wann kommt eine Band auf die Idee, ein komplettes Album live zu spielen? Es gibt da vier mögliche Antworten:

1. Die Typen sind neu im Geschäft und haben schlicht nix anderes in der Hinterhand als ihr Debütalbum.

2. Eine Mischung aus Faulheit und unkreativem Habitus.

3. Man will eines seiner älteren Werke angemessen würdigen und weiß obendrein auch genau, daß die Scheibe bei den Fans geliebt wird; daß praktisch nix schief gehen kann (so war es 2012).

Da man die Punkte 1 und 2 den Herren nun wirklich nicht unterstellen kann, greift wohl die vierte Erklärung für das Spielen eines kompletten Albums; in diesem Falle sogar des eben erst erschienenen Langspielers:

4. Die Scheibe ist einfach dermaßen verflucht gut, daß man das einfach bedenkenlos kann.

Und so war ich dann auch nicht im geringsten enttäuscht, als ich die Ankündigung auf Twitter vernahm, daß man Last Parol “in its entirely” zu spielen gedenkt. Als in der US-Tour nur zwei bis drei Songs davon gespielt wurden, da fand ich das schon eher… naja, blöd. Hört euch das Album einfach an und ihr werdet es verstehen. Last Patrol ist ganz großes Kino. Außerdem hat es das, was vielen der aktuellen Alben anderer Künstler abgeht: Ein Konzept. Die Songs passen einfach zusammen und wirken schon auf dem Album wie aus einem Guß. Seit “Imaginaerum” von Nightwish (an das es im Sinne der Gesamtkunstwerkhaftigkeit nicht heran reicht – wenn es auch verflucht nah dran ist) habe ich kein derart stimmiges Album mehr erstanden. Das Konzept, das Album nur mit Equipment aus den 70ern aufzunehmen, sodaß es nicht nur nach 70s Psych-Rock klingt sondern auch welcher ist, das geht einfach mal auf! Warum nachbearbeiten und technische Spielereien einsetzen, wenn man es auch clean haben kann?!? Das mit der Wirkung des Albums geht so weit, daß ich sogar die beiden Bonustracks der Deluxe-Edition mittlerweile skippe und sie nur noch als Einzelsongs höre. Beides sehr gute Songs, gerade “Strobe Light Beatdown” hat es mir angetan, aber es ist verständlich, warum sie nicht aufs Album genommen wurden. Fazit: Bombenidee, diese Last Patrol-Tour! Einziger Wermuthstropfen (ich hasse das Zeug auch im Real-Life) war, daß ich ohne die Kleine Schwester anreisen mußte – meine Stalker unter euch werden es gemerkt haben, daß da was Kleines (im wahrsten Sinne des Wortes – dieser Hobbit!) fehlt im Gegensatz zu den sonstigen Konzertberichten.

Nach dem qualitativ hochwertigen, quantitativ aber sehr, sehr mauen Konzertjahr 2013 freute ich mich seit Monaten auf diesen Abend in Leipzig – zu Recht wie sich zeigen sollte. Kennt ihr das auch, wenn man den ganzen Tag schon so ein unruhiges Kribbeln im Bauch hat und es kaum noch erwarten kann, daß endlich das erste Riff erklingt? Wenn man dann in der Halle steht und sich breit grinsend sagt “Yeah, meine Welt!”! Falls nicht: es ist ein großartiges Gefühl! Die Anreise mußte ich in einem Fremdwagen antreten, da der Igor sich ne Bänderdehnung zuzog und werkstattete. Also ging es per niegelnagelneuem Seat Leon nach Leipzig (mit Autohauswerbung drauf). Das Auto fuhr sich so gut, daß demnächst wohl ein Erinnerungsfoto ins Haus geschneit kommt. Kein Mensch wird wissen, warum man in einem der entvölkerten, inzestuösen Kuhdörfer zwischen Three-O-City und Leipzig einen Blitzer aufstellt – außer natürlich der das Nest bewohnenden Hinterwäldlerfamilie, die sich mit den Einnahmen über ihr trostloses Dasein in der sächsischen Pampa hinweg tröstet. Naja, was solls… es ist zu spät zum Jammern. Ich fuhr also weiter und als ich vor dem Werk 2, in welchem das Konzert stieg, ankam, da war der Ärger schon verflogen. (Ich bin da relativ schmerzfrei mittelfristig – kanns ja eh nicht ändern.) Ich betrat die alt ehrwürdigen Hallen, in denen ich schon mein erstes Monster Magnet Konzert im Jahr 2008 erlebte. Fix wurde noch ein Tourshirt erstanden, die Kleidung an der Garderobe temporärentsorgt und die Konzertlederweste (was war die letztes Jahr unterbeschäftigt) zurecht gerückt. Dann ab an die Bar und für schlappe zweifuffzich ein halber Liter Schwarzbier erstanden. Dann schlenderte ich durch die Halle und postierte mich da, wo ich auch vor 6 Jahren schon stand: nah an der Bühne, rechts versetzt an einem Pfeiler.

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Bequem an selbigem lehnend konnte ich nun beobachten, wie sich die Halle langsam füllte und während ich mein Becherchen leerte die Vorband genießen. “Church of Misery” nannte sie sich und kam aus – Japan. Wyndorf, der im Übrigen kurz nach meiner Ankunft an mir vorbei marschierte, hatte ja schon immer ein Händchen für etwas ausgefallene Vorguppen. Auch diese war ziemich gut, allerdings mit dem kehligen Grunzgesang nicht ganz so mein Fall (wer hätte gedacht, daß ein Japaner klingen kann wie Max Calavera vor dem Stimmbruch – ich hielt das vor kurzem noch für schlicht unmöglich.)

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Aber musikalisch waren sie gut und der Auftritt animierte mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr zum Lockern der Nackenmuskulatur – man groovte sich ein. Als die Herren dann die Bühne verließen, da ernteten sie dann doch ordentlich Applaus für ihren Auftritt. Ich verließ den Pfeiler und stellte mich ein paar Meter weiter in die Halle hinein. Bald wurde ich mehr und mehr umzingelt von weiteren Spektatoren, die nun so langsam die Bar verließen und sich in Erwartung von Monster Magnet der Bühne näherten. Eine sehr, sehr entspannte Atmosphäre. Während wir alle nun auf das weiße Bullgod-Backdrop blickten wurde es langsam spannend. Als die ohnehin schon spärliche Beleuchtung dann erlosch und “The Magnet” recht unspektakulär auf die Bühne gelatscht kam, hatte sich dann auch alles sortiert.

Wenn man Dave seit seinem drogenindizierten Beinahe-Ausstieg aus dem Reich der Lebenden vor ein paar Jahren so betrachtete, so hat man 2014 einen erfreulich gesund wirkenden Herren am Mikro erleben dürfen. Er hat wieder deutlich abgenommen, ist aber nicht wieder zu der sehnigen Dope-Verbrennungsmaschine herunter gehungert, die er einst war. Gesund wirkt er, kräftig und (was er aber schon immer tat:) jünger als er ist… und zwar um einiges. Er war der Einzige, der mit etwas mehr Elan auf die Bühne kam. Nicht so “aggro” wie 2008, wo er in seinem Lieblingshoodie noch wie ein dicker, brauner Flummi zum Mikro stürmte, aber man merkte ihm schon ein gewisses Niveau an Aufregung an. Er verkündete, sehr ausgeglichen wirkend, daß man nun gedenke “Last Patrol” als Ganzes zu spielen und daß er hoffe, wir wären damit d’accord. Später schob er noch grinsend hinterher, daß wir ja ohnehin keine andere Wahl hätten. Jedenfalls jammte man sich gemütlich ein und der “Weird trip through the back alleys of a dark retro-furute” begann endlich.

Mit dem sich langsam steigernden, aber nie ausufernden “I live behind the Clouds” stieg man verträumt und sphärisch ins Konzert ein. Eine Ouvertüre der Extraklasse, nicht nur für das generell ruhigere Album, sondern auch live ein richtiges Highlight. Man begann quasi mit den Manövrierdüsen, verließ das Raumdock und verließ den Sektor 001 mit mittlerer Impulskraft; bremste am Rand dann nochmal kurz ab und sah sich um bevor man den Schalter zum Warpantrieb erstmals umlegte. Das geschah dann mit “Last Patrol”, dem Titeltrack zum Album. Im Vergleich zur Albumversion hatte man den Song noch mal gehörig aufgepeppt und zu einer überragend fuzzigen Dampfmaschine aufgeblasen – Monster Magnet–Style, Baby!!!! Sie haben es noch drauf, keine Frage! Die letzte Patrouille verließ das Sonnensystem und Dave nahm auch Fahrt auf. Der Song uferte mehr und mehr aus und erging sich gegen Ende mehr und mehr in einer nicht enden wollenden Jamsession der Band. Wenn es je eines Beweises bedurfte, daß man den Space Rock in all seiner Intensität, Verzerrtheit und grenzenlosen Coolness noch auf dem Kasten hat, so lieferten Monster Magnet ihn diese Liveversion. Das wirkte dabei spielerisch, leichtfüßig gespielt und 100%ig organisch. Ganz großes Tennis! Nachdem man über 10 Minuten derart duchs Weltall gehämmert war (ich bin mir ziemlich sicher, daß man die Länge des Albumsongs dabei toppte), wurde mit “Three Kingfishers” der Fuß erst einmal wieder vom Gas genommen. “Außenmission” auf einem fremden Planeten quasi. Der Song ist auf dem Album der, mit dem ich noch am wenigsten anfangen kann – bis er nach ein paar Minuten endlich eskaliert. Auf der Bühne dargeboten wird er aber durch Verzerrungen, Halleffekte und die typisch brachialen Gitarren mit einer grandiosen Coolness versehen. Außenmission mit “aggressiven Verhandlungen” erfolgreich abgeschlossen. Jetzt standen meine beiden Lieblingssongs des Albums an. Zunächst wurde mit “Paradise” eine erneut faszinierende Liveversion des Albumtracks dargeboten. Man hatte nun wieder auf maximalen Impuls herunter geregelt und schwebte gemächlich durch eine bunt fluoreszierende Gaswolke im All. Bässe, Bässe, BÄSSE!!! Dazu das Gefühl, daß irgendwo im Hintergrund einer nur darauf wartet den Warpkern zu überlasten sobald man diese kosmische Farbbombe hinter sich gelassen hat. Gemütliches dahinschleichen am Rande der Neutralen Zone – immer mit einem Auge auf Romulus schielend. Der Übergang, zu “Hallelujah” geriet fließend und glich besagtem Vollgas! Die Band stampfte mit diesem fantastisch direkten Riffrocker los und erstmals war im Publikum auch richtig Bewegung drin. Dave am Mikrofon brillierte mal wieder in seiner Rolle und zelebrierte den Refrain. Dieser Doppelschlag war richtig groß! Bisher war auch im Publikum eher das verhaltene Mitnicken zu beobachten gewesen; Hallelujah weckte dann auf und zeigte, daß man nich nur durch den Weltraum chillen kann – es kann auch zu Kampfhandlungen kommen. Die Schlacht fand dann in “Mindless Ones” ihre Fortsetzung. Powerrock! Dabei aber nie das übergeordnete Ziel maximaler Spaceigkeit außer Acht lassend, ging es auf der Bühne zur Sache! Weiterhin stampfte man durch den Abend und nahm die Anwesenden mit. Wie bei fast allen Songs wurden mitunter orgiastisch ausufernde Soli eingebaut und hin und wieder einfach nur gejammt was das Zeug hielt.

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Zeit für nen kleinen Break. Nach den beiden Brechern kehrte man siegreich aber lädiert ins Raumdock zurück und suchte geschlossen eine intergalaktische Oben-Ohne-Bar auf, in welcher man sich mit dem einen oder anderen Pangalaktischen Donnergurgler in der Hand erst einmal vernünftig bespaßen ließ. Was dabei rauskommt, wenn man sich dabei einen okkulten Schwips einfängt und die anwesende Damenwelt mit seinen eben erlebten Heldentaten zu bezirzen sucht, das schildert der Song mit dem wohl höchsten Coolness-Faktor des ganzen Albums: “The Duke of Supernature”. Entspannt fließt er dahin, groovend und sphärisch bis ans Limit – im letzten Drittel dann ein Zwischensprint ans Limit der musikalischen Lässigkeit. Wahnsinnsnummer! Längst war Dave verschwitzt und schüttelte die nach wie vor schulterlange Mähne; was sich auch beim folgenden “End of Time” nicht wirklich ändern sollte. Das Tempo zog wieder an und man fühlte sich leicht an den hämmernden Groove von “Hallelujah” erinnert. Diesmal aber gut 8 Minuten lang. Aber auch hier wird eines nicht außer Acht gelassen: Die Spaceigkeit! Sollte ich einen Song wählen, der alles, was Last Patrol zu bieten hat auf einen Nenner bringt, dann wäre das End of Time! Die Gitarren klingen ja schon vom Album aus herrlich fuzzig, live wurde das dann nochmal aufpoliert. Rungs um einen herum nickende Köpfe, der Boden leicht erzitternd vom im Takt mitstampfenden Füßen und neben einem ein Crowdsurfer der Generation 50+. Gut, er schaffte es ungefähr 5 Meter weit bis er wieder im Publikum versackte. Bei dem jungen Mädel ein paar Minuten später halfen dann irgendwie doch deutlich mehr mit – ein Schelm wer Böses… na ihr wißt schon. Auch “End of Time” fand ein infernalisches Finale in ausgedekntem Gejamme und einem abgedrehten Soundbrei, der sich über die Anwesenden ergoß wie warmer Honig. Man war mit wehenden Föderationsfahnen auf einen überlegenen Gegner los gegangen und letztendlich in einem Lichtblitz verschwunden. Für immer? Nun, das abschließende “Stay Tuned” läßt dies einem Abspann gleich offen. Akustikgitarren tragen durch den Song und man wird aus dem Album getragen – im Unklaren darüber ob es nun vorbei ist mit den intergalaktischen Rettern. Sind sie nun verglüht, oder lediglich amtsmüde (“aint no targets to aim for man, no more mountains to climb”)? Oder sind wir dann doch nicht in einer Welt voller Vollpfosten “where every piece of dung is the next big thing” alleine gelassen? Stay tuned!!! Da kommt noch was. Sehr schöner Song, sehr schöner Abschluß des Mainset! Außerdem auch eine tolle Allegorie auf unsere heutige Gesellschaft. Bei allem Bombast, Weltraumgefuzze und den marschierenden Dampframmen von Songs hatten Monster Magnet schon immer richtig geile Low-Tempo Nummern. Es wird nur viel zu selten gewürdigt. Ich denke da nur an “Take it” oder das passiv aggressiv dahin-drohende “Little Bag of Gloom”. Wyndorf kann da seine diabolisch angehauchte Singstimme so richtig zur Geltung bringen. Langsam ja, langweilig – hell fucking NO!!!! In dieser Tradition steht “Stay Tuned”. Großes Musiktennis, das sanft und sphärisch ausblendet – in die unendlichen Weiten hinein.

So blieb man erst einmal zurück, mitgenommen von einer musikalischen Weltraumodyssee und ordnungsgemäß angestachelt fürs Encore. Klar war, daß jetzt noch ein paar Kracher aus der Bandgeschichte kommen – Klassiker eben! Nach ein paar Minuten betrat man wieder die Bühne und Meister Wyndorf brachte es mit seiner kurzen Anmoderation auf den Punkt:

“There is a time to listen to albums; and there is a time to rock! NOW is the time to rock!”

Da keine nennenswerten Widersprüche zu vernehmen waren semmelten uns die Herren ansatzlos und in bester Absicht “Twin Earth” um die Ohren. Alter, sowas erlebt man auch nur beim Magnet: Augenblicklich brodelte es um einen herum. Wie auf Kommando ging es ab, wurden Köpfe geschüttelt und Nackenmuskeln strapaziert. Da war sie wieder, diese ureigene Monster-Magnet-Konzertmagie der letzten Konzis der Herren. Unendlich dröhnende Riffs, die jede Halle zum Brodeln bringen. Auch Dave hatte die Zurückhaltung der Last-Patrol-Darbietung abgelegt. War sie da passend und unterstrich nur die Coolness des Albums, so hieß es jetzt, die Rampensau raus zu lassen – und wenn das einer kann, dann er. Dazu noch die warmen Farben der Lightshow… Weltklasse! Zumindest der vordere Teil der Halle war wie entfesselt. Das änderte sich (natürlich) auch beim grandiosen “Look to your Orb for the Warning” nicht.

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Headbangen auf Weltniveau! Boa, was waren das für geile Versionen der Songs. Da war auch verschmerzbar, daß mein geliebtes “Tractor” nicht kam – es war ein paar Tage vorher von der Setlist geflogen. Kopfnicken am Limit und dann noch die Jams – der blanke Wahnsinn. Als man dann zu “Dopes to Infinity” über ging war wohl kein Hemd mehr trocken in der Halle. Und auch das ließ einen kaum zur Ruhe kommen. 2008 war es noch der Opener gewesen und hatte damals den Auftakt zu einer Powershow geliefert, wie ich sie auch seit dem nur sehr, sehr selten wieder erlebt habe. Wieder kam das leicht Pastorale in Dave hervor, als er den Refrain anstimmte. Der Hammer! Vor dem letzten Song gönnte man uns noch eine kleine Ruhepause und Dave moderierte den mächtigen “Space Lord” an. Thematisch hätte es keinen besseren Abschluß für den ganz auf intergalaktische Themen abgestimmten Abend geben können, aber auch nicht von der Stimmung her. Der Song ist ein Erlebnis! Warum? Nun, stellt euch mal hunderte so Leute wie mich vor. Dazu noch Metaller aller Stilrichtungen, die sich bunt unters Publikum mischen. Dann stellt euch noch vor, daß es Bier gibt… für einige sogar jede Menge Bier. Und dann steht da nach 100 Minuten Energie geladenem Spacerock der kleine, schwarzhaarige, verschwitzte Mann in seiner Lederjacke vor euch, der euch in besagten 100 Minuten mit seiner Band gepflegt die Synapsen auf links gedreht hat und fordert euch auf lauthals “MOTHERFUCKER” zu rufen. Das KANN ja gar nicht schief gehen! “Space Lord” an sich ist einer dieser ausufernden Songs, die von cooler Midtemposchwingung ausgehend dann irgendwann den Nachbrenner anwerfen und gegen Ende gefühlt nur noch aus Refrain bestehen – zumindest live! Warum das wichtig ist? Nun, der Refrain lautet in etwa:

“SPACE LORD MOTHERFUCKER!”

So zirka 30 Mal; gefühlt zumindest. Jedes Mal lauter und engagierter untermalt von allen Anwesenden. Der ultimative Kick am Ende dieses großartigen Abends.

Im Fazit bin ich vollends glücklich mit dem Abend. Last Patrol als Mainset war ein richtig cooles Erlebnis. Die Platte ist live ein purer Genuß und knüpft locker an die klassischen Monster Magnet – Alben an. Daß die Massen dabei nicht so bedingungslos abgehen liegt einerseits im Album selbst  begründet, daß eben diesen lässigen, arschcoolen Flow hat; andererseits ist es halt ziemlich neues Material. Das Encore sorgte dann dafür, daß man auch als Anhänger der Klassiker auf seine Kosten kam und die brodelnde, energetische Atmosphäre eines “normalen” Monster Magnet – Konzertes geboten bekam. Durch die Komprimierung auf vier unglaublich druckvoll gespielte Songs, war das noch mal eine Spur intensiver! Was ein Abend! Bleibt nur zu hoffen, daß die Herren das mit der “Last Patrol” nicht allzu wörtlich nehmen und noch das eine oder andere Mal auf die Bühnen dieser Republik zurück kehren. Monster Magnet haben die Form der ersten Alben wieder und live diesen höllischen Drive ohnehin nie eingebüßt! 32 Tacken für so einen Abend sind nicht nur generell ein Schnäppchenpreis, für die Moneten ist so ein Konzert praktisch geschenkt!

Ich verbleibe mit einem dezenten “SPACE LORD MOTHERFUCKER”!

PS: Ein kleiner Seitenhieb auf die Konkurrenz muß noch sein. Seit 2008 haben Monster Magnet stabile T-Shirt-Preise bei gleichzeitig hoher Qualität. Ich erstand daher gleich 2 (ich konnte beim Rausgehen nicht anders und nahm mir noch ein monochromes Stück Minimalismus mit. Das Shirt für 15 Tacken – zum Vergleich: Motörhead verlangen mittlerweile 35 für nur eines der Dinger. Sehr löblich… und wer angefixt ist, kann auf dem Tourshirt nochmal seine Chancen nachlesen diese musikalische Urgewalt auch mal zu erleben:

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Donnerstag, 23. Januar 2014

DIE LEUDE

(5 Sterne Deluxe)

Diese Woche hat mich eine höchst erstaunliche Beobachtung der MsPittili auf ein neues Thema zum Bereich “Phrasenrodeo” gebracht. Schauplatz: Die Parkbuchten vor unserem Haus, Hauptdarsteller: Eine der Personen, die bei Explosiv immer als “besorgter Nachbar” untertitelt werden. Gut, man könnte jetzt auch sagen: Ein Knacker, wohnen wir hier doch in einem weitestgehend postsenilen Wohnumfeld. Jedenfalls hat es diese Woche hier endlich mal ein wenig weiße Pracht gegeben und die Temperaturen sind analog (logisch) auch noch vernünftig in den Keller gegangen. Das Resultat war (ebenfalls logisch), daß die geparkten Autos früh mit einer dünnen Eisschicht und ein wenig Schnee bedeckt waren. Wohl gemerkt: Ich für meinen Teil benutze dieses Wort nur unter Vorbehalt, aber in diesem Haushalt gibt es auch Personen, die dieses erweiterten Raureif durchaus als “Schnee” bezeichnen, also was solls.

(An dieser Stelle erleichtere ich die Lesbarkeit auf Wunsch eines Einzelnen durch einen Absatz; in Literatenkreisen als so genannter “Lesbarkeitsabsatz” gepriesen.)

Jedenfalls ist einer unserer Mitinsassen hier im Laufe des Vormittages mit Besen und Kratzer bewaffnet aus dem Haus gestiefelt und hat angefangen seinen Personenkraftwagen akribisch von der subliquiden Wasserlast zu befreien. Vor Fahrtantritt sehr löblich, aber in diesem Fall vollkommen sinnlos. Warum? Weil er, nachdem er auch das letzte Fitzelchen Eis von seinem Gefährt gekratzt hatte, wieder seine Wohnung aufsuchte und selbige nicht wieder verließ… jedenfalls an diesem Tag. Die stunden vergingen, die umstehenden PKWs tauten weitestgehend ab und sein blank poliertes Vierrad stand mitten drin. Dann kam die Nacht und als ich die Bude am Morgen wieder Richtung Büro verließ… ihr ahnt es: LESBARKEITSABSATZ!

… als ich auf Arbeit ging, da war die Karre jedenfalls wieder vollkommen eingefroren. Jetzt frage ich euch: Warum tut man sowas?!? Ich habe dieses seltsame Verhalten im letzten Winter schon bei einigen hier beobachtet. Ich habe da einen Erklärungsansatz gefunden, der für mich recht gut funktioniert. Dieser besteht darin, daß er den PKW deshalb enteiste, weil sich wie eine Natter eine Angst in sein Gemüt schlich; die Angst vor dem Meinungsterror seiner Mitmenschen. Kurz bevor er seine orthopädischen Schuhe überstreifte und der Verzierung seiner Silbergrauen Rentnerkutsche zu Leibe rückte, da sagte er vermutlich zu seine Else “Ich mache das mal weg,

WAS SOLLEN DENN DIE LEUTE DENKEN?!?”

(hier gleich zur Sicherheit noch ein Lesbarkeitsabsatz… sicher ist sicher)

Ja, “die Leute”. Ich für meinen Teil habe bei einigen ja schon grundlegende Zweifel daran, ob sie überhaupt physisch in der Lage sind einen komplexeren Denkvorgang zustande zu bringen. Ältere Mitmenschen jedoch kennen das noch von damals, daß es durchaus “Leute” gibt, die das können… also “denken”. Da ist das natürlich verständlich. Ich habe dann mal überlegt, was ich gedacht hätte, wenn ich sein Auto so zugefroren gesehen hätte. Vermutlich nicht viel mehr als “oh, is’ heute kalt draußen”! Warum? Weil es offensichtlich war. Er jedoch, der Kratzerknacker v.D., er sah vermutlich schon seinen sozialen Status im Viertel abrutschen. Er hörte schon den Heinz aus dem Nachbarhaus seiner Erna vom Fensterbrett, an dem er seine Tage verbringt, zurufen “Du, bei Schmidts, bei denen ist schon wieder das Auto zugefroren! Wir haben es schon fast 12 Uhr und die haben das noch immer nicht weg gemacht – diese Assis!”

(Ihr ahnt es: Lesbarkeitsabsatz)

So etwas spricht sich sich dann natürlich rum im Viertel. Erna hätte dann bei Stahlhubers aus Haus Nr. 91 angerufen und denen erzählt, was ihr Göttergatte gerade für eine Sauerei entdeckt habe. Die hätten es dann über den Balkon ihren Nachbarn weiter geleitet (“Hab ihr schon gesehen…?!?”) und die wiederum hätten es dann dem Herrn Kowaltschik gesteckt, der ihnen zufällig am Briefkasten über den Weg lief. Kowaltschik wiederum hätte dann wohl erst einmal aus reiner Gewohnheit heraus einen Bericht verfasst und diesen an die Ruschestraße 103 in Berlin weiter geleitet. Er hätte dann um “umgehende konspirative Maßnahmen gegen diese Feinde des Sozialismus” und einen Lesbarkeitsabsatz ersucht – zumindest letzteres soll er haben.

Als ordnungsbewußter Knackerknispel kann man derlei natürlich nicht riskieren (wobei er in den Augen von Kowaltschik ohnehin schon länger verdächtig war mit seinem Westauto). Dann lieber vollkommen sinnfrei die Karre wienern und dann vom Fenster aus beobachten, wie sie im Laufe des Tages wieder zufriert. Das Lustige an der Sache ist nun aber, daß das, was “die Leute” denken – wir sind ja auch “die Leute” – nicht etwa eine Würdigung des pensionären Putzfimmels ist, sondern sich am treffendsten mit den Worten “Hat der ne Meise?!?” paraphrasieren läßt. Ich vermute mal, daß das nicht unbedingt das primäre Ziel seines Tuns war.

(Anm.: Dieser Absatz ist jetzt mal thematisch bedingt)

Jedenfalls ist es doch schon bewundernswert, was manche Menschen so alles tun damit andere sich nicht das Maul über sie zerreißen. In den meisten Fällen hätten diese das vermutlich nicht einmal getan, aber man unterstellt es ihnen einfach mal. Im Endeffekt biegt man sich sein eigenes Verhalten und auch das Äußere so weit zurecht, daß irgendwelche andere Figuren die im Leben nichts weiter haben als Royal Weddings, Fußpflegetermine und die monatliche Apothekenumschau mutmaßlich damit einverstanden sind. Soll ich euch mal ein Geheimnis verraten: Das sind sie nicht! Das sind sie NIE!!!! Ich habe meine Jugend uffm Dorf verbracht, ich weiß also wovon ich rede. Diese dicken, unterforderten Tratschtrullas finden immer etwas, über das sie herziehen können. Die haben nämlich keine anderen Hobbies, außer vielleicht Royal Weddings, Fußpfl… oh, hatten wir schon. Dann lieber erst mal nen Lesbarkeitsabsatz!

Ja, so ist das nämlich! Man muß sich ja nicht gleich komplett von gesellschaftlichen Verhaltensnormen frei machen, aber zumindest von dem sinnfreien Quatsch, von dem man meint, daß andere ihn von einem erwarten. Da lebt man dann deutlich ruhiger. Außerdem braucht man dann auch nicht so viel Zeit darauf zu verwenden, sich nach außen eine Scheinexistenz aufzubauen. Wer von meinen Nachbarn der Meinung ist, ich müßte Ende Januar ein komplett eisfreies Auto vor der Tür stehen haben, obwohl ich nicht vor habe dieses zu benutzen, der darf sich gerne ausleben und den Igor enteisen. Ich werde ihn nicht aufhalten (obwohl… ehrlich gesagt würde ich das; solche Irren kommen nicht in die Nähe meines Schätzchens)! Schätzchen? Ich werde schnulzig, also lieber mal wieder einen Lesbarkeitsabsatz einstreuen vor dem Schlußakkord.

“Was sollen denn die Leute denken?!” Wenn ich das schon höre kotzt mein innerer Rebell im breiten Strahl. Aber das ist halt zweierlei: Erstens ist es scheinbar altersbedingt, weshalb ich richtig Angst habe diese Störung auch irgendwann zu entwickeln. Zweitens ist es natürlich typisch deutsch. Alles immer schön normen, wer mehr als nur 2 Fuß breit vom Durchschnitt abweicht und das nicht mit dem Beruf Künstler (“Die sind eh alle ein wenig eigen”) oder einem dicken Bankkonto (das sind dann Exzentriker) rechtfertigen kann, der gilt hier doch gleich als Kommunist.

(Letzter Lesbarkeitsabsatz – versprochen)

Was die Leute nun denken sollen? Tja, von mir aus können sie denken was sie wollen. Wenn die mich für einen illegal eingewanderten Marsianer halten, der heimlich im Keller an einer alles atomisierenden Meerschweinchenkanone bastelt mit deren Hilfe er auf einem platingepanzerten Tyrannosaurus Rex über den Abendhimmel reitend die Weltherrschaft an sich zu reißen und die Menschheit zu unterjochen gedenkt halten, dann ist mir das wumpe!

(Thematischer Absatz – auch der letzte.)

Wenn ihr meint, ihr müßt weiter im tiefsten Winter euer Auto 24/7 vom Eis freikratzen, dann macht das halt. Nur erwartet nicht von mir, daß ich da mit mache – Tyrannosauren haben nämlich keine Scheiben!

Sonntag, 19. Januar 2014

OVER THE HILLS AND FAR AWAY

(Nightwish)

Ich fuhr gestern mal wieder im Erzgebirge umher. Im Nachbarland lag Schnee und bei uns… seht am Besten selbst, ich hab euch da mal was mitgebracht:

Leicht nachgebessert:

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No Filter (isch schwör!!):

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Jaja, Winter geht irgendwie anders. Zwinkerndes Smiley

Dienstag, 14. Januar 2014

BRIDGE BURNING

(the mighty, mighty Foo Fighters)

Anglizismus galore!!! Letzte Woche  machte in meiner Twitter-Timeline ein neues Phänomen die Runde. Phänomen? Naja, nennen wir es passender Weise vielleicht lieber “Schreckgespenst”, ist auch optisch ein wenig treffender.

Was haben wir, also so global als Menschheit, in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht schon für modischen Platschquatsch fabriziert?! In den 80ern war er wenigstens auf die Kleidung und den einen oder anderen lächerlichen Haarschnitt beschränkt und somit noch reparabel. Seit den späten 90ern… sorry “90s”… wurde es dann total “crazy” und wir fingen an Trends zu erfinden, in welchen wir neben Wams und Zylinder auch unseren Körper… nee, ich meine natürlich “body”… in die optische Verballhornung unserer Selbst einzubeziehen. Es reichte nicht mehr, sich die eine oder andere Designerklamotte über den auf dem Elektroaltar der solaren Steckdosenverbrutzelung schon arg geschundenen Leib zu streifen, nein, wir setzten den Trend zur Verunstaltung unserer “Bodies” dann auch am Objekt selbst fort. Tattoos seien hier mal größtenteils ausgenommen, abgesehen natürlich vom unterschichtigen Kopulationstribal über dem femininen Steiß. Dies dürften die meisten Trägerinnen heute ohnehin bereuen. “ARSCHGEWEIH!” rief da der Volksmund und diskreditierte den vermeintlichen Trend somit im Common Sense quasi zum offen zur Schau getragenen IQ-Test oberhalb des Gluteus Maximus; vom Körperschmuck zur Selbstanklage in wenigen Monaten – muß man auch als Trend erst mal schaffen. Jedenfalls wackelten die mehr oder weniger stolzen Besitzerinnen dieser Steißbeinkrönchen fortan ein wenig verschämt durchs Viertel… “Hood”, ich meine natürlich durch die “Hood”! Aber so richtig bekloppt wurde es dann erst im Nachgang. Da wurden Augenbrauen mit derart stumpfsinniger Konsequenz abrasiert. Weil das “wider Erwarten” total beschissen aussah, zog man die verloren gegangene Haarpracht oberhalb der Pupille dann kurzerhand mit nem möglichst fetten Edding nach. Am Besten gleich direkt auf der Stirn, damit man auch sicher gehen konnte, daß man von seinen Artgenossen nicht mehr als Kollege identifiziert werden konnte. (Mal ehrlich Mädels, ihr seht damit aus wie diese Figuren aus dem “Black Hole Sun” Video von Soundgarden… creepy! Wer zum Henker redet euch eigentlich ein, daß so etwas auch nur ansatzweise als “attraktiv” gewertet wird von der Männerwelt?! Nicht mal in Star Trek hat man sich damals getraut, einen derart entstellten Humanoiden zu erfinden… und die haben immerhin solche Schönheiten – “Beauties” – wie die Ferengi oder den Gorn erschaffen – denkt mal drüber nach! Aber es ging ja weiter. Da nun die ersten Dämme des visagistischen Totalschadens gefallen waren wurde munter weiter gemacht. 16jährige Ami-Weiber bekamen von Papa als Mobbingschutz mal eben ne Nasenkorrektur geschenkt oder gleich die Möpse aufgepolstert. Sah natürlich beides “voll natürlich aus”, insbesondere, wenn Vadder sich als Fabrikarbeiter verdingte und sich nur einen zugewanderten Tierarzt aus Dnjepropetowsk zum Aufhübschen seines hauseigenen Hormonterroristin leisten konnte. Oftmals war die einzige Zusatzqualifikation dieser Gewebeschänder ein Traktoristendiplom – was sich dann auch im Ergebnis ihrer medizinischen bemühungen wider spiegelte. “Er war stets bemüht…” Wenn das dann noch nicht reichte, dann jubelte man sich den einen oder anderen Liter Botox unter die Haut um vermeintliche Fältchen aus zu merzen. Kombiniert wurde dies gerne damit, daß man zwei Pfund Eigenfett in die Lippen jagte. Auch hier hatte und hat das eine oder andere Endresultat etwas sehr, sehr Verstörendes an sich! Über Leute die so aussahen wie diese Figuren habe ich früher oft bei Stephen King gelesen – und sie waren nicht die Helden, das kann ich euch versichern. Nachdem man sich im Bestreben nach optischer Perfektion bereits im Gesicht sowohl chirurgisch, chemisch als auch “malerisch” bis weit über die rational begründbaren Grenzen hinaus ausgetobt hatte, wandte man sich dem Rest des Körpers zu. Schließlich mußte man neue “Baustellen” eröffnen, denen die Beautyopfer ihre bis zur Maskenhaftigkeit entstellten Gesichter zuwenden konnten. Hier wird es nun wirklich gefährlich wie ich finde. “Size Sero” war so ein verabscheuungswürdiger Trend. Da wurde der Damenwelt eingeredet, daß nur wirklich “hip” ist, wer seinen Arsch in eine Jeans zu pressen vermag, welche am Bund in etwa den Umfang eines durchschnittlichen Haargummis aufweist. Das Absurde in diesem Zusammenhang ist alleine schon der Begriff “hip” – denkt mal drüber nach. Man konnte denen dann, neben der Jeans, auch noch allerhand Pillen und bescheuerte Diätpillen andrehen. “Ja mein Kind, es ist OK sich ein paar Jahre nur von rohem Kohl, Wattebäuschen und destilliertem Wasser zu ernähren… wenn es dich hübsch macht” – widerliche Message! Im Endeffekt verhungerten tausende von gut situierten Frauen förmlich direkt vor den gefühlten Kühltruhen der Supermärkte. Und als sie ihren geschundenen, ausgemergelten Leib dann endlich in einen dieser überteuerten Fetzen zwängen konnten, mußte sie das Gesundheitssystem mühsam wieder aus ihrer Essstörung heraus mästen. Vielen Dank liebe Industrie, gez.: Die  Volkswirtschaft! Gut, die, die sich einmal bis zur “Size Sero” herunter kasteit hatten, die meist das nächste “Schönheits”-Ideal gleich mit erreicht: Den/die/das “Thigh Gap” – auch “Gap between the Legs”. Die Schenkel durften alles, solange sie sich um Himmels Willen nur nicht berühren. Werft mal Google an, Bildersuche, Suchbegriff “Thigh Gap”…tja, und dann frohes Gruseln! Dürre Stelzen, die gefühlte 50 Zentimeter voneinander getrennt voneinander an einem knorrigen Rumpf herab baumeln… das gibts sonst nur bei Insekten - und man nun wirklich nicht behaupten, daß dies die ästhetischste aller Tiergattungen ist (vom Marienkäfer vielleicht mal abgesehen). Aber nun, und so komme ich wieder zum Anfang dieses Postings zurück, ist auch das irgendwie wieder out. Warum? Weil mittlerweile wahrscheinlich zu viele Frauen in der westlichen Welt ein gesundes Essverhalten gegen ein paar knöchrige Stöcke getauscht haben, die mit einer optisch bemitleidenswerten Reststatik aus ihren Gucci-Hot Pants ragen (das Arschgeweih darüber ist dank der radikalen Gewichtsabnahme im Übrigen auch zu einem runzeligen Gekrakel verkommen für das sich jeder Dreijährige schämen würde, wenn er es fabriziert… SCHÄMEN WÜRDE ER SICH). Als ich letzte Woche das Hashtag “#BikiniBridge” las, hatte ich keinen blassen Schimmer, was das sein sollte. Erst dachte ich – naiv wie ich bin – an eine tatsächliche Brücke auf besagtem Atoll. Aus dem Kontext erschloß sich dann aber, daß es dann doch etwas körperbezogener sein mußte. Gut, ich kann das jetzt nicht alles wissen, also ließ ich mich mal von der Frau informieren. Männer, ich versuche es euch mal ein wenig “in unserer Sprache” begreiflich zu machen. Stellt euch einfach mal eine Hängebrücke vor. Aber ohne “Hänge” irgendwie… mehr so eine Art Spannbrücke. Ja, das trifft es! Eine Brückenkonstruktion, die sich zwischen zwei Pfeilern erstreckt… darunter Abgrund, Tod und Krokodile! Habt ihr es? Gut! und jetzt stellt euch vor, die Brücke, das wäre jetzt kein Steg, sondern der Bund einer Bikinibuchse! Erledigt? OK. Jetzt müßt ihr die Pfeiler nur noch durch weibliche Hüftknochen ersetzen und schon habt ihr eine "#BikiniBridge” – das mit dem Bauch darunter, das vergeßt ihr mal lieber schnell, das ist ja Sinn der Sache! (Kleiner Tipp: Ihr solltet den Punkt “Abgrund, Tod und Krokodile” vielleicht  auch noch ausblenden, das macht es noch ein wenig einfacher.) So; und um euch jetzt total zu verwirren sei noch gesagt, daß die Person, welcher diese hautüberspannten Hüftknochen und die dazwischen schlackernde Badebuchse gehören, durchaus noch am Leben ist (im Idealfall); was man bei dem Bild ja nun nicht unbedingt vermuten würde. Will heißen: Bauchdecke und Bikinihosenbund haben in diesem neuen Schönheitsideal keinen Kontakt mehr miteinander – sie sind quasi geschiedene Leute! Der Unterbauch wird als weibliches Körperteil de facto abgeschafft… gesund ist das sicherlich nicht. Vielleicht sollten wir alle mal anfangen mit dem zufrieden zu sein, was wir haben und hin uns wieder mal das Hirn einzuschalten anstatt zeitlebens irgend welchen grenzdebilen Schönheitsidealen nach zu jagen, welche uns irgend welche Fashionheinis vorgeben, die sowieso alle mächtig einen an der Klatsche haben!

“Poor men wanna be rich, rich men wanna be kings,
and a king aint satisfied till he rules everything”

(Badlands, Bruce Springsteen § The E Street Band)

PS: Ganz ehrlich: Diese klapperdürren Uschis können ihre Knochen eigentlich auch gleich zusammen packen und sich an den FKK legen; bei dem Anblick packen doch selbst die perversesten Dünenspanner das Fernglas ein und gehen angewidert ne Limo zischen.

Samstag, 4. Januar 2014

ZERSTÖREN

(Rammstein)

Ich sitze hier gerade am PC und damper ein wenig bei ebay rum – ohne wirkliches Ziel, eher so informativ. Dabei wurde ich soeben auf eine Auktion aufmerksam, wo offensichtlich ein Verkaufsgenie erster Kajüte am Werk ist. Hier mal ein Screenshot vom Angebotstext:

LÜGNER

… da war offensichtlich mal wieder ein Genie am Werk!

PS: Wer es nicht glaubt, HIER der Link! Zwinkerndes Smiley

Freitag, 3. Januar 2014

Light Years

(Pearl Jam)

Melde mich zurück aus dem ausführlichen Jahresendurlaub. Die Schreibfaulheit nach dem Fresskoma hält noch an, daher nur mit ein paar Fotos für heute. Vorweg sei erwähnt, daß es um Weihnachten rum immer schöne Fotoansichten im Erzgebirge zu sehen gibt. Letztes Jahr präsentierte sich die Augustusburg am Heiligabend sehr schick, dieses Jahr war es eher so der allgemeine Wolkenstand bei meiner nachweihnachtlichen Abreise:

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Den Jahreswechsel dann verbrachte ich wieder in bzw. um Karlsruhe herum, wo es neben einem Besuch bei den den guten, alten (und ziemlich dicken) Bieberratten

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auch noch so eine Art Enten-Jesus zu bestaunen gab!

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In diesem Sinne: Ein schönes, glückliches und vor allem gesundes Jahr 2014 wünsche ich euch. Bis die Tage! Smiley