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Dienstag, 8. Mai 2012

10 KLEINE JÄGERMEISTER

(Die Toten Hoden)
Es gibt sie noch, die ewigen Klassiker, nur sehen sie heute irgendwie… naja… irgendwie Scheiße aus!
Wir waren ja alle mal jung nehme ich an; und wenn wir es nicht waren, dann sind wir es noch. Als ich soeben den Popcornmais für MsPittili und noch ein wenig Nahrungsmittelgedöns rings herum kaufen war, reihte ich mich an der Kasse neben zwei schätzungsweise 14 – 16Jährigen ein. Er: Posermäßiges Gangster-Shirt, fette Zuhälterkette um den Hals, Pit-Bullfrisur und Kassengestell auf dem pickelübersäten Kratergesicht; sie: Ein Schminktopf auf zwei mühsam in Leggins gepressten Säulen (kennt ihr das auch, wenn sich Leute betont nuttig anziehen und somit zur Persiflage eines Klischeeabziehbildschattens ihrer Selbst werden, so daß man eigentlich nur noch wegsehen möchte, so weh tut das?! So eine war das). Nennen wir sie der Einfachheit halber mal “Schnalle”, wenn ihr Möchtegern Prollo-Freund schreiben könnte, würde er wohl auch genau das in seine Schlußmach-SMS hineinwurstfingern. Jedenfalls schien Schnalle nicht ganz so wohl in ihrer Haut zu sein, die wirkte irgendwie hibbelig und sah es wohl schon kommen. Ich packte meinen Kram hinter ihren “Einkauf” aufs Band und erkannte sofort, warum. Vor meinem heimischen Früchtesaft, der Mettwurst, den Bierbratwürschteln und eben dem Popcornmais lag neben einer Flasche Ja-Cola eine Glasbuddel "Klarer”! Weil Prollo und Schnalle nicht die hellsten waren, hatten sie sie auch quer aufs Band gelegt, sodaß die Flaschen sich quasi auf der Stelle bewegten und sich auf meine Mettwurst zu wälzten. Ich warf schnell eines dieser Warenteilerdingsis dazwischen (btw: wie heißen die eigentlich??), was das Gesöff auch gleich rüde ausbremste. Ein Blich zur Kassiererin – alte Dame mit Prinzipien – fetzt! In Erwartung des nun schon zwangsläufig folgenden Dialoges nahm ich mal die Kopfhörer aus den Lauschern, das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Schnalle war vorsichtshalber schon einmal hinter dem leidlich breiten, aber umso mächtiger herausgereckten Kreuz ihres Begleiters in Deckung gegangen, der sich böse guckend vor der Verkäuferin aufbaute. Ich überlegte kurz, ob ich einschreiten solle, wenn sie ihn dann doch nicht anspricht und meinerseits die Gretchenfrage stelle… ich glaube, ich hätte es gemacht, schon aus reiner Bosheit. Aber dazu kam es ja gar nicht. Die Verkäuferin schaute skeptisch


zu unserem Proteltenpaule empor und formte mit den Lippen die beiden Wörter der Schande:
“Ausweis bitte!”
Schnalle drehte daraufhin sofort ab und ging durch bis auf den Gang hinter den Gassen. Macker aber nicht, dem war nach Diskussion zumute. Nicht etwa, daß es was bringen würde, aber man kanns ja mal versuchen. Er verzog sein komplett baarthaarloses Antlitz noch mehr in Richtung Drohgebärde und meinte, er habe den Ausweis vergessen, wohne aber gleich gegenüber (Anm.: Da ist ein Autohaus… ) und habe na-tür-lich einen Ausweis, da könne sie die ganzen anderen Kassiererinnen fragen (keine Ahnung, was das sollte…). Die Kassiererin überlegte nicht lange und antwortete:
“Ausweis bitte"!”
Etwa in diesem Moment muß es eingesetzt haben, mein finsteres, belustigtes Grinsen. Die Retourkutsche des Typen bestand dann in
“Ey, das gibts doch nicht! Kennen sie die Pit XY (den Nachnamen hab ich vergessen, aber Pit hieß er), der kann ihnen das auch zeugen.”
Soso, ob der gute Pit denn schon weiß, daß er einer ca. 60jährigen Kassiererin auf Geheiß seines Deppenkumpels noch irgendwas “zeugen” soll… ich habe da so meine Zweifel. Jedenfalls wich die Kassiererin von ihrer klaren Linie ab und betrat dafür… eine noch klarere… mit dem Klaren. Während sie “Ohne Ausweis gibts nix!” sagte, verschwand das Schnäpsel unterm Ladentisch. Spacko gab aber noch nicht auf, er reagierte auf dieses Manöver mit einem sehr unorthodoxen Schachzug. Er wandte sich mir zu und bat
“Könnten Sie bitte ihren Ausweis zeigen!”
Da ich gerade von Arbeit kam und auch noch meine übliche Dienstags-Abends Stimm(ungs)lage drauf hatte, klan das wie aus der Pistole geschossene “Nö!!” irgendwie doppelt so übel wie beabschtigt… das gebe ich zu. Aber andererseits: Hat der ne Vollmeise?! Als ob ich hier für irgendwelche Assikinder meinen tollen neuen Ausweis raus hole, nur damit die sich dann den Klaren hinter die Kiemen pinseln können. Obendrein würde ich mich mit so nem Move ja auch noch strafbar machen, soweit kommts noch! Das erwiderte
“Och menno, BIT-TEEEE!"
klang schon fast wieder niedlich – so…. so unerwachsen. Naja, jedenfalls quatschte Prollobollo dann noch ein wenig auf die Kassiererin ein, die immer wiederholte “KEIN AUSWEIS!” Was mich übrigens spontan an folgenden Klassiker erinnerte:
Als es ihr zu bunt wurde (mir aber auch langsam) drohte sie mit dem Sicherheitsdienst. Ich riet ihm grinsend, er solle doch einfach seinen Ausweis holen als er es nochmal bei mir versuchte (ich fürchte allerdings, daß er für Sarkasmus nicht sehr empfänglich ist und es nicht verstand). Und dann schwebte er mit Schnalle von dannen.
Die Kassiererin, die mir persönlich heute irgendwie den Tag gerettet hat, meinte noch kurz, daß sie froh war, daß ich “Nein” gesagt hatte, denn es wäre schließlich strafbar und so weiter. Ich lächelte nur und sagte, dass das für mich eh selbstverständlich ist. Wenn man fast täglich sieht, was diese Brühe anrichten kann, dann sieht man das anders. Und überhaupt: Wer sich so plump und dämlich anstellt wie die zwei Figuren da, der hat es ohnehin nicht verdient mit dieser Tour durchzukommen. Mal ganz davon abgesehen, daß ich mit 15 ganz bestimmt keinen Klaren gekauft habe, waren wir damals cleverer – und erfolgreicher. Wahrscheinlich lags daran, daß gelegentlich ein “illegales” Bierchen oder ein paar Gläser vom Schankwirt “ergaunerter” Weingläser zur Gemeinschaftspizza mit den ganzen Dudes erstens besonders gut mundeten und zweitens dem 15jährigen Hirn nicht annähernd so viel Schaden zufügen, wie wenn man sich regelmäßig die Synapsen mit Hilfe einer Flasche 45%igen aus dem Scheitel schmirgelt.
So, ich geh jetzt MsPittili abholen und lese das ganze Ding hier nach unserer Rückkehr nochmal Korrektur bevor ich es veröffentliche… und zwar bei nem feinen Whisky – finde das passt irgendwie. Zwinkerndes Smiley

Mittwoch, 31. August 2011

LEMMY GOES TO THE PUB

(Motörhead)

Mal Hand aufs Herz: Wie oft habt ihr in den letzten - sagen wir mal 6 Monaten - in einem öffentlichen Verkehrsmittel gesessen und euch eine Spirituose eurer Wahl hinter die Kiemen gekippt?! Ich will die Antwort gar nicht wissen, aber fragt es euch einmal. Ich habe mich das heute gefragt und mit "NULL MAL" meine ganz persönliche Antwort gefunden. Entsprechend empfinde ich den nun auf die Agenda gerückten Gesetzesentwurf, der gerade durch die Medien schwurbelt, nicht gerade als massiven Eingriff in meine Freiheitsrechte. Als ich genauer darüber nachdachte, wurde mir zudem klar, daß ich das letzte Mal 2003 in einem Verkehrsmittel Alkohol konsumierte. Dies war an Bord des Finair-Fluges von Helsinki nach Berlin, wo ich dem von den Stewardessen gereichten 0,2er - Fläschchen Chianti nicht widerstehen konnte. Davor... nee, seit den Klassenfahrten wohl auch nicht. Und Klassenfahrten, die zählen ja wohl nicht!!!!

Andererseits nutzte ich in den letzten Jahren doch recht häufig Bahn und ÖPNV und weiß daher, daß es durchaus den einen oder anderen Zeitgenossen gibt, der sich bei voller Fahrt hemmungslos die Birne zu zu löten zu haben meint. Das sind dabei nicht zwingend nur die Assiproleten der dauerblauen Unterschicht, die sich auf dem Weg zur nächsten Idiotendisse schon einmal sämtliche Kopulationshemmungen (und das Anspruchsdenken bei der Partnerwahl gleich mit) aus der Rübe gurgeln, nein, mobile Sauferei zieht sich durch die ganze Gesellschaft. Ich saß auch in Zügen, in welchen sich irgendwelche Rentnergrüppchen auf dem Heimweg von einer Tupperparty oder von einem gelungenen Skatabend mit ordentlich Kümmerling die Lichter ausbliesen. Das ist dann auch nicht schön, zumal ab einem gewissen Füllstand dann zunächst die abgedroschenen Herrenwitze ausgepackt werden (was ja noch geht), aber später auch jeder noch so lahme (Trink-)Spruch (in etwa der Kategorie "So jung komm 'wer nich' mehr zusammen!" oder "Prost, ihr Säcke - Prost, Du Sack! Auf die Weiber - zack, zack, zack!") mit schallendem Gelächter bedacht wird. Der jeweilige Silberrücken, welcher diesen Brüller ins Abteil schnaufte bevor er sich seinen Kräuterschnaps glucksend einverleibte, hat bis zum nächsten Vorkriegsslogan dann erstmal den Heldenstatus gepachtet. Tja, "King for a day - Fool for a lifetime!" sage ich da nur. Da schämt man sich dann schon ein bisschen, daß man mit solchen Leuten im selben Wagon sitzt.
Des Weiteren gibts ja noch die Wandergruppen, die sich auch gerne mal einen kleinen Absacker (oder besser "Ablatscher") nach bzw. sogar vor durchschrittener Wanderroute genehmigen. Das geht dann mindestens genauso lautstark zu - was ebenso nervtötend ist. Außerdem bestechen die alle immer mit ihrem ekelhaft aufgesetzten Frohsinn, der noch widerlicher ist als der durchs Abteil wabernde Alkoholduft.

Also von mir aus kann man dieses Gesaufe im öffentlichen Nahverkehr ruhig verbieten, das muß einfach nicht sein. Mich nervt es auch, wenn solche Schnapsdrosseln dann in meinem Umfeld sitzen und mich mit ihrer Fahne belästigen während sie sich das nächste Sternburg öffnen (viele von denen riechen aber auch wie ne Kompanie Rotarmisten auf Heimaturlaub - fürchterlich). Auch wenn das jetzt bei Kegelclubs, Tupperwarepartyrentnern und den bestenfalls hauptschulbeabschlußten Partyatzen nicht sonderlich gut ankommt, aber ich bin für diesen Vorschlag - er macht weitaus mehr Sinn als Rauchverbote in Kneipen!