Mittwoch, 18. Juni 2014

JGA

 

Heute schreiben wir den 4. Juni. Das heißt: Noch 10 Tage bis zur Hochzeit des ehrenwerten GVH und seiner Holden. Trauzeuge? Ich! Wer meine Twitteraktivitäten in den letzten Wochen und Monaten verfolgt hat, für den ist das nix Neues mehr. Da ich mich mit Twitter und meinem Blog zurück halten muß um nicht zu spoilern, veröffentliche ich einfach später. Urlaubsbegleitend! Dieser erste Eintrag wird online gehen, wenn ich im Flieger nach Mailand sitze. Es sei auch verraten, daß ich schon einen dieser Einträge verfasst habe – er geht demnächst online. Allerdings wollte ich die Themenreihe “Hochzeit” dann doch mit etwas grundlegend Positivem beginnen, weshalb dieser Eintrag eher online geht.

Bisweilen verstört es die TL der @MsPittili ja (meine TL wundert sich mittlerweile eh über nix mehr), daß ich mir allwöchentlich die komplette Breitseite “Um-die-Wette-heiraten-mit-dem-Lustigen-Frisurenmann” gebe. Aber das hat Gründe, Gründe, die, wie ich gern zugebe, auch über die Vorbereitung auf die Hochzeit hinaus gehen. Ich scheue mich nicht zu sagen: “4 Hochzeiten” ist enorm unterhaltsam – wenn man es mit Twitterbegleitung schaut. Besondere Grüße an dieser Stelle an alle, die die @MsPittili so unter dem Oberbegriff “Die Gang” zusammenfasst. Damit sind all jene gemeint, die einem jedem Sonntag das Frühstück vergolden, indem sie mit einem über #vierHochzeiten lästern und dabei auch mal die hemmenden Grenzen der Political Correctness gezielt sabotieren. Mädels, ihr wißt, wer gemeint ist – ihr seid ganz groß! Smiley Jedenfalls – ich muß ja jetzt die Kurve kriegen zum eigentlichen Thema – geht es heute um das, was man eben nicht zu sehen bekommt in den Sendungen, weil es zumeist schon gelaufen ist. (Dabei wäre es soooooo goldig, wenn der Lustige Frisurenmann das auch alles kommentieren würde…) Es geht um den Junggesellenabschied.

Seit ich das Trauzeugentum annahm war mir implizit klar: Du mußt einen Junggesellenabschied fabrizieren. Gut, das war letzten September, daß mir das klar wurde – und ich bin ein Mann! Will heißen: Der Gedanke hielt dann erst einmal Winterschlaf bis Februar – und selbst dann erwachte er eher langsam. Irgendwann wurde es aber wirklich Zeit und ich schrieb mal die mir zugearbeiteten Kandidaten an um mal grob die Terminfrage zu klären. Ohne die umfassende Zuarbeit des Bräutigams wäre das nicht so ohne weiteres möglich gewesen – ihr müßt wissen: Die Kandidaten auf der Ursprungsliste sind recht weit verstreut in deisem Land und ich kannte etwa ein Drittel von ihnen. Wenn ihr jetzt denkt, das wird hier eine Geschichte, an deren Ende zwei Dutzend sturzbesoffener Kerle in lächerlichen Kostümen marodierend durch die Gegend taumeln und den Protagonisten dazu zwingen Lümmeltüten an fußlahme Omis zu verkaufen, dann muß ich euch in mehreren Dimensionen enttäuschen. Aber immer der Reihe nach.

Zunächst einmal: Das Feedback war relativ verhalten zu beginn, als die Deadline aber heran rückte, da war auf der Doodle-Seite sowas wie Hochbetrieb – und auch noch in den Wochen danach. Zwinkerndes Smiley Jedenfalls schrumpfte dann der Teuilnehmerkreis recht schnell auf 5-6 Leute zusammen. Zwei sagten kurzfristig ab, einer kurzfristig zu. Am Ende blieben also ganze 5 Beteiligte. Es sollte sich noch zeigen, daß das jetzt nicht unbedingt die schlechteste Mischung war. Falls ihr mal so etwas ausrichten müßt: Verabschiedet euch von dem Anspruch alle unter einen Hut bringen zu wollen – das wird nix! Wir hatten schon ein halbes Dutzend Termine, unter denen 2 Feiertage, ein Brückentag und 2 Wochenenden waren – am Ende konzentrierte sich alles auf den Brückentag; den 30. Mai. Geht am Besten pragmatisch ran – nehmt den Tag wo die meisten können und basta. Die anderen können es sich einrichten, oder es geht halt dann leider nicht. Interessanter Weise waren die tatsächlich Anwesenden dann die, von denen recht früh klar war, daß sie kommen und einer, der sich extra über Mittag frei schaufelte um wenigstens an einem Teil des Tages dabei zu sein.

Gut, das war Schritt 1! Schritt Nr. 2 bestand dann darin, so etwas wie ein Programm zu finden. Ich hatte da etwas spezielle Vorgaben vom Bräutigam, die mich in zweierlei Hinsicht beruhigten. Erstens weil unsere Meinungen was das “sich öffentlich zum Obst machen” angeht komplett deckungsgleich sind. Ich konnte ihn da absolut verstehen was die “no gos” angeht, sehe ich das doch exakt genau so. Zweitens wollte er keinen entwürdigenden Scheiß machen und ich war heilfroh, daß ich keinen solchen organisieren oder aushecken mußte. Ich hätte mich ja schon alleine dabei unwohl gefühlt ihm sowas an zu tun. Ich verfasste dann also meine groben Ideen in einer Mail und schickte sie nochmal rum (zur Sicherheit nochmal an alle – falls es Nachmeldungen geben würde). Setzte dann nochmal ne Deadline zur Rückmeldung. Kam nix! Also fast nix; denn quasi beim Abschicken der zweiten Mail klingelte dann doch das Telefon. Gut, wir waren also immerhin schon mal zu dritt. Darauf konnte man aufbauen. Zwinkerndes Smiley Aber die zweite Mail zündete dann und ich sammelte die dringend nötigen Anmeldungen ein. Nötig, weil wir einen Programmpunkt verbindlich buchen mußten, bei Ausfall eines Spielers wäre die Kohle dann weg gewesen. Am Ende hatte ich dann also 4 Rückmeldungen, die komplett dabei waren. Ich buchte also und das Grobgerüst stand. Wir hatten einen tollen Tag.

Nun, so einfach war es dann leider doch nicht. Erst einmal muß gesagt sein, daß einen permanent Zweifel plagen, ob das alles klappt, ausreicht, genug ist, die Ideen zünden oder auch – ganz banal – ob es dem Hauptakteur am Ende auch gefällt. Noch bescheidener ist es, wenn das eigentlich als Highlight am Ende geplante Konzept nicht aufgeht. Die Idee eines gemeinsamen Grillens und Lagerfeuers mit anschließender Schlafsackübernachtung in einer Grillhütte scheiterte kläglich. Mal eine Grundsatzfrage: Warum vermiete ich überdachte Grillhütten mit Lagerfeuerstelle und schmeiße die Mieter dann zwischen 21 und 22 Uhr raus? Schicke am Ende gar noch den Förster vorbei um zu kontrollieren? Diese Logik erschließt sich mir nicht. Als dann auch noch die Ausweichvariante – ein Zeltplatz mit Grillhütte in idyllischer Lage – weg fiel, weil man da dann doch nur “Jugendgruppen” aufnehmen könne… da hatte ich dann die Schnauze gestrichen voll. Sabotage!!! Skandal!!!! Nee, das war nicht schön. Was macht man da? Ich hatte – sein wir ehrlich – keinen blassen Schimmer! Zumal das knapp eine Woche vor dem JGA war. Am Ende waren es die MsPittili und einer der Beteiligten, mit dem ich ein wenig intensiveren telefonischen Kontakt hatte im Vorfeld, die mich wieder auf die richtige Spur brachten bzw. mich zumindest vermuten ließen, daß es nicht verkehrt ist, sich auch mal auf die Eigendynamik einer solchen Männerrunde zu verlassen. Hinzu kam, daß das Wetter auch sehr unsicher war an dem Tag und das Outdoor-Grillhütten-Ding daher ohnehin unpraktisch erschien. Ich suchte also eine Grillfläche in Wiesbaden heraus, die 1. “Open End” bot und 2. nicht reserviert werden mußte – was sich im Wesentlichen auf eine einzige Location am Rhein beschränkte. Das schrieb ich dann auf einen Zettel und packte den in den Rucksack. Dieser wiederum kam in den Kofferraum zu einem Kasten des Heimatstadtbieres des Bräutigams, welchen ich ein Mal quer durchs Land kutschte und startete am Männertag bei Dauerregen meinen Trip gen Hessen.

Den Vorabend verbrachten wir bei Spielen und den einen oder anderen… und dann natürlich noch einem anderen Whisky und ließen uns Grillgut schmecken. Alleine das trug dann schon zur Beruhigung meines Nervenkostüms bei. Langsam gewann “wird schon klappen” die Oberhand über “ohgottohgottohgottwiesolldasallesgutgehen?!?”.

Da wir die ganze Meute erst um elf Uhr versammelten, blieb vorher noch ordentlich Zeit ein angemessenes Frühstück einzunehmen um uns – insbesondere den Bräutigam – für diesen Tag zu stärken. Männer legen Grundlagen nicht irgendwie, sie tun das so:

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Und sie erfinden dabei Flaggen, wie etwa die der “Freien Republik Maskulinistan”:

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Das war ja alles nicht geplant, das kam eher spontan – waren halt vom Abend noch Würschte übrig! So gestärkt fuhren wir noch flink zur Wäscherei – einer der klassischen Programmpunkte eines jeden JGA – und brachen dann nach Wiesbaden auf. Zu dritt im Übrigen, da einer der Protagonisten sich direkt zu uns gesellte. Dabei sei gesagt, daß ich ein (vor allem für mich selbst) beeindruckendes Talent zu besitzen scheine, Strohhüte aus anderen Wohnungen zu klauen, ohne daß der Betreffende dies bemerkt. Jedenfalls nicht, bis ich ihm den in konspirativer Weise aufs Haupt setze. (Ein wenig Uniformität muß halt sein). Dazu Shirts in der Farbe der Hochzeit und fertig ist das dezente, aber dennoch identifizierbare Outfit. Da ich mich selber in Wiesbaden nicht wirklich auskenne und die Stadt erst zum zweiten Mal heimsuchte, brauchte ich als Treffpunkt irgend was Markantes. Etwas, was auch andere Ortsfremde leicht finden und das obendrein vom Mittagessen nicht allzu weit entfernt ist. Wer auch immer es war, der auf dem Schloßplatz ein riesiges Mosaik eines Wappenadlers auslegen ließ, ihm sei hiermit gedankt.

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Das Ding gab einen 1a Treffpunkt ab. Während wir warteten hatten wir obendrein noch Gelegenheit eine Oldtimerrallye (Start) und die Hochzeit eines Feuerwehrmannes zu beobachten. Es muß ein recht lustiges Bild abgegeben haben, wie da eine Hand voll Leute mit Strohhüten (deren Absichten recht leicht erkennbar gewesen sein dürften) auf dem Adler herum stehen zu sehen.

Einer unserer Gruppe verspätete sich etwas und hatte keinen Hut auftreiben können. Dafür brachte er aber einen Schnaps-Meter mit. Glaubt mir: Männer können Unpünktlichkeit sehr schnell verzeihen. Außerdem müssen wir ihm eigentlich sogar dankbar sein, denn dank ihm erlebten wir postwendend das erste kleine Highlight. Wir marschierten zusammen – zu sechst – in einen Hutladen, in welchem sich bereits einer der unseren 20 Minuten vorher mit einer Kopfbedeckung ausgestattet hatte. Da gab es Hüte… also ich hab noch nie gesehen, daß es in einem Laden so viele Hüte gibt… ich war sprachlos. Hier mal ein kleiner Teil des Sortimentes:

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Der Verkäufer war zunächst verwundert, warum da fünf Leute MIT Hüten seinen Laden betraten, schlußfolgerte aber richtig: “Junggesellenabschied”. Ohne auf Details eingehen zu wollen: Es war sehr unterhaltsam; wohl selten wurde ein Hut mit derartigem Spaßfaktor erstanden. Anschließend durfte dann auch das Eröffnungsbierchen fallen. Beim Anschließenden Besuch beim All-You-Can-Eat-Sushimann (ein Träumchen) war dann eigentlich klar, daß der Tag bis zum Abend eigentlich laufen würde. Zumal – was ich so nicht vorher gesehen habe, es aber dankend annahm – die Hüte eine gewisse Eigendynamit entwickelten:

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Wir gaben der Hutablage auch wieder ihren tieferen Sinn zurück, wenn wir motorisierter Weise unterwegs waren:

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Motorisierung war nötig um zur Nachmittagsbeschäftigung zu gelangen: Dem Lasertag. Das war in der Planung auch so ein Ding… . Ursprünglich hatte ich ja mit Paintball geliebäugelt, fand dann aber dank der Braut (die das wiederum der MsPittili erzählte) eine Alternative die neben dem Mangel an “Autsch” und der Möglichkeit eben nicht den ganzen Tag Zweitklamotten mit sich herum schleppen zu müssen auch noch den Vorteil einer gewissen Stilsicherheit lieferte. “Approved by Barney Stinson” – das kann nur gut sein. Ich will jetzt wiederum nicht auf Details eingehen, aber es war ebenfalls eine gute Sache glaube ich, die auch entsprechend ankam. Nur eines ist schockierend: Wenn man von 15jährigen Mädels gleich im ersten Spiel erst gnadenlos zusammengeschossen und danach noch mit “Na Jungs, da müßt ihr aber noch ein bissel üben” verhöhnt wird. Kein Respekt mehr vor der Jugend! Ich hab ja schon Ballerspiele gezockt, da waren die noch nicht einmal geboren!!!! Respektlos uns Veteranen gegenüber! Zwinkerndes Smiley Aber die weiteren Spiele liefen besser und ich verstörte noch mit einem unbedachten (aber mMn außerordentlich guten) Spruch eine Mutter, die unsere nächsten Gegner (Kinderbeburtstag) begleitete. Am Ende waren wir erschöpft, durchgeschwitzt und genehmigten uns zur Sicherheit gleich zwei Kaltgetränke bevor wir wieder in die Innenstadt strebten.

Nun kam eigentlich der Teil des Abends, der am heftigsten in der Luft hing. Über “wir machen einfach Indoor eine Kneipentour” ging die Planung ja nicht hinaus. Zuerst allerdings gabs einen späten, gemeinsamen Kahvi und hernach einen Volksfestbesuch mit zünftigem Biertischgarniturbierkonsum.

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Seltsamer Weise machte mir da die Planungsunsicherheit eigentlich gar nix mehr aus. Das lief bisher so gut, das würde auch irgendwie noch einen tollen Abschluß finden. Was es dann auch tat. Urplötzlich zog die Wolkendecke nicht nur auf sondern dankbarer Weise gleich komplett ab und wir saßen - zwischen einigen Blödeleien und dummen Sprüchen – urplötzlich in der prallen Sonne. Was machen Männer, die von gutem Wetter überrascht werden? Sie besinnen sich auf ihre Urtriebe und beginnen sich zu fragen, ob es nicht möglich sei zu grillen. Es war möglich.

Ab in die Personenkraftwagen und im Einkaufstempel das Equipment besorgt. Was uns selbst erst wesentlich später auffiel, allen eingeweihten Frauen aber sofort ins Auge sprang: Wir kauften auch ein wie Männer. Was braucht “Mann” denn zu Grillen? Einen Grill, klar! Kohle und Anzünder? Logisch! Und als Munition? Nun, 3 Packungen Würste, eine XXL-Packung Steaks und ein 10er Beutel Brötchen nebst Senf und Ketschup – passt! Wir entschieden uns sogar noch für die zivilisierte Variante mit Papptellern, Servietten und Plastebesteck (kann man ja auch nicht unbedingt erwarten). So pilgerten wir also dann zum Rheinufer, den Schnaps-Meter (oder besser dessen Reste) stolz vor uns her tragend, und ließen uns auf dem Rasen nieder. Bier hatten wir ohnehin genug in den Kofferräumen und meinen extra fürs Campen organisierten Fußball konnten wir dann sogar auch noch seiner Bestimmung zu führen.

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Wir verbrachten also die letzten Stunden des JGA auf einer Wiese am Rhein, die wir praktisch ganz für uns allein hatten. Dazu Sonnenschein, ein gut heizender Grill und jede Menge totes Tier, ein Fußball und einer Menge dummer Sprüche (Uferillumination mit brennenden Gänsen und so was… ihr wißt schon) – aber warum auch nicht!?! Es war ein Heidenspaß, aber einer der unaufgeregten Sorte. Als wir den Abend dann mit einer guten Zigarre um den erlöschenden Grill herum stehend beschlossen, war das ganze Drama der Vorbereitung, welches zeitweise ja herrschte, dann irgendwie auch wieder vergessen.

Ich kann jetzt hier nur für mich sprechen, aber ich bin unterm Strich schon sehr zufrieden mit dem Ergebnis der ganzen Organisation. Sicherlich hätte einiges eher, schneller, frühzeitiger oder auch koordinierter laufen können. Allerdings ist es schwer das auch so umzusetzen, zumal, wenn das für einen eine Premiere ist und einem kurz vor Ende noch ein eigentliches Highlight weg bricht – was irgendwie aber auch kein Problem mehr war als wir da um unseren Grill herum standen und die dicken Rauchwolken in den Abendhimmel bliesen. Daher an dieser Stelle nochmals Dank an alle Beteiligten, die dazu beigetragen haben, daß der Tag so verlief, wie er dann eben verlief!

Und wenn ihr demnächst mal einen JGA organisieren müßt Männer – tut eurem “Schutzbefohlenen” vielleicht nicht allzu viel Schreckliches an. Vor allem: Macht euch am Ende nicht so viele Gedanken über das Gelingen – wie ich es streckenweise tat. So lange ihr ein paar coole Typen zusammen getrommelt bekommt, Bier in Reichweite ist und ihr vielleicht noch einen Schnaps-Meter habt (ohne wird es schwer), dann wird das schon. Zwinkerndes Smiley

Montag, 9. Juni 2014

LEAVING HERE–PEARL JAM EUROPE 2014

 

So Mädels! Nun wird es Zeit für den obligatorischen Der-Onkel-geht-zu-Pearl-Jam-Konzerten-Vorfreude-Blogeintrag. Dieses Jahr war ich etwas säumig, was das angeht. Das ändert sich jetzt. Säumig war ich #ausGründen. Die letzten Wochen, ihr habt es mitbekommen, waren sowohl beruflich anstrengend und zeitraubend, als auch durch die ehrenvolle Aufgabe als Trauzeuge vom Gründervater H. zu fungieren, recht gut ausgefüllt. Heute haben wir den letzten großen Batzen Hochzeitsvorbereitungszeug (genauer werde ich das nicht definieren – ebenfalls #ausGründen) gemeistert. Also habe ich genug Freiraum um mich mal zum Konzerturlaub zu äußern.

Es ist jedes Mal, wenn Pearl Jam auf Tour gehen das gleiche Lied. Man wartet die Tourdaten ab, freut sich und überlegt, wohin man denn mal reisen könnte. Denn – und das ist das Schöne an dieser Band – Pearl Jam geben einem immer wieder eine formidable Ausrede um endlich mal die eine oder andere Stadt zu bereisen, die man schon immer interessant fand oder die man einfach mal wieder sehen wollte, es aber ohne die Konzerte nicht geschafft hat. So brachten mich die Jungs neben den obligatorischen Besuchen in der alten Heimat (ja, auch das ist immer wieder schön) unter anderem nach Rotterdam, Nijmegen, Prag oder – was bisher der schönste Trip war – gemeinsam mit der Frau ins schöne Stockholm. Man kommt etwas rum, sieht ein paar Fleckchen dieser Welt, die einem nach der Reise wahrscheinlich so vorkommen, als ob sie einem fehlen würden, wenn man sie nicht gesehen hätte und erlebt dabei ein paar wirklich denkwürdige Konzerte.

Klar, ich bin nicht objektiv, was diese Band angeht. Aber da ich nicht der einzige bin, der sie für die wohl beste Live-Band auf diesem Planeten hält, muß ja irgend etwas dran sein. Ich habe schon viele Konzerte und Festivals besucht, viele Bands gesehen, viele unvergleichliche Abende zwischen schwitzenden, tanzenden Mitmenschen erlebt und auch die eine oder andere Enttäuschung erleben müssen (Gott sei Dank hielten diese sich in Grenzen). Ich habe unglaublich gute und tragischer Weise gleichzeitig ebenso unterbewertete “Underground” Bands gesehen, die ganze Säle zum kochen brachten und ich habe den einen oder anderen “Großen” an genau dieser Aufgabe hoffnungslos scheitern sehen. Ich erinnere hier nur an die Hives – ich freute mich auf die Kerle und was sie boten war – naja, bestenfalls “nett”! Andererseits habe ich auch jenseits von Pearl Jam Konzertabende erlebt, die einen schier umgehauen haben. Künstler, die einfach mit Leib und Seele auf der Bühne stehen und einen alles um einen herum vergessen lassen. Legendär in dieser Hinsicht war zweifelsohne Nick Cave und seine Bad Seeds in Dresden im Jahre 2009, der Boss im Olympiastadion Berlin 2012, Nightwish 2012 (was für ein Abend, was für eine Show – ich glaube so gut wie an diesem 1. Mai waren sie noch nie und werden es wohl leider auch nicht so schnell wieder werden) oder das legendäre erste “Space Hell Weekend” mit Motörhead und Monster Magnet binnen 2 Tagen anno 2010. Auch das Drum-Battle im “Marks”, einer 100 Mann (und da wurde es extremst eng) Kellerkneipe im finnischen Joensuu, wo sich die beiden besten Schlagzeuger des Landes (-> Kingston Wall? Anyone???) fast 2 Stunden duellierten und den zur Verstärkung angerückten Bassisten nach kurzem Gastspiel duschen schickten, weil sie einfach derart gut drauf waren, daß andere Instrumente nur störten, darf hier nicht fehlen. Aber alles das fällt selbst hinter dem “schwächsten” der von mir erlebten Pearl Jam Konzerte (keine Ahnung welches das ist) weit, weit zurück.

Pearl Jam, das ist nicht nur eine Kapelle, die ihre größten Hits runter nudelt und Standardprogramm liefert; Pearl Jam, das ist von viele von uns “Besessenen” so eine Art Religion. Die meisten haben mit dieser Band in den frühen 90ern angefangen (wie ich) und sind einfach dabei geblieben. Es ist wie eine Begleitmusik zu unserem Leben geworden mit den Jahren, vor allem, da die Band mit alterte und das auch zuließ. Viele Bands versuchen immer und immer wieder das gleiche Album zu produzieren und die gleichen Posen zu zelebrieren, wie in ihren 20ern, aber das wirkt nicht echt… das merken die Leute im Publikum. Auch Pearl Jam sind dabei dem viel zitierten “Zeitgeist” unterworfen, auch sie haben sich mittlerweile von einer Ticketmaster verklagenden Band zu einer entwickelt, die man hierzulande unter 60€ nicht mehr zu sehen bekommt. (Jedoch sei auch gesagt, daß das in anderen Ländern (-> Prag 2012) mitunter anders ist, da kommt man für gut die Hälfte in den FOS – liegt also nicht ausschließlich an der Band.) Der große Unterschied ist jedoch, daß sich jeder Cent lohnt bei Pearl Jam! unter 150 Minuten Rock-Show geht man selten nach Hause. Da “meine” drei Konzerte in 2014 sogar unter “An Evening With Pearl Jam” laufen, also keine Vorband haben, dürfte man wohl an der drei Stunden Marke heftigst kratzen. Die Songs variieren extrem. Ich habe bisher vergleichsweise bescheidene 9 Konzerte gesehen. Insgesamt ergibt das folgende Statistiken:

* 264 Songs wurden insgesamt gespielt (Nijmegen war ein Festival, auf dem entsprechend 10 Lieder weniger gespielt wurden – was den Schnitt drückt).

* 102 verschiedene Songs wurden dabei gespielt.

* 3 Songs wurden bei jedem Konzert gespielt, habe ich also 9 Mal gesehen.

* 10 Songs habe ich mindestens 7 Mal gesehen.

* 40 Songs habe ich hingegen auf allen 9 Konzerten nur ein einziges Mal gehört.

* Bei jedem Konzert waren mindestens 3 Songs dabei, die ich noch nie vorher live gehört hatte (bei meinem 9. Konzert in Stockholm waren es 5 – und dabei hatten sie auf der Tour nicht einmal ein neues Album zu promoten).

* 62 Songs habe ich maximal zwei Mal gehört.

* Bei der letzten Tour 2012 haben sie auf “meinen” drei Konzerten 95 Songs gespielt – darunter waren 59 verschiedene bei 36 Doppel- oder Trippelungen.

* Nie, ich wiederhole: NIE habe ich mit meinem Tipp für den Opener richtig gelegen (was in gewisser Weise auch ein persönliches Drama ist).

Wer an einer kompletten Liste der Songs interessiert ist, inkl. wie oft ich sie gehört habe… auch das könnte ich liefern. Bin ja kundenorientiert. An all jene, die jetzt sagen mögen: “Ach, der hat doch dafür ne App, die ihm das ausrechnet… der Poser!”, sei ein “Stimmt!” gerichtet. Jedoch habe ich diese App erst seit Februar. Davor habe ich das alles (was sich ja seither auch nicht geändert hat), noch sauber selbst ausgekaspert und nieder geschrieben. Wer sich jetzt wiederum fragt “Sind die alle so drauf?” – Ja, sind wir! Zumindest viele von uns. Ich bin da ja noch ein halbwegs vernünftiges Exemplar – glaubt mir das ruhig.

Na, zumindest seht ihr, daß es dann schon seinen Sinn macht,wenn man mehrere Konzerte der Herren auf einer Tour besucht. Standardprogramm gibt es bei Pearl Jam nicht wirklich. So war ich also dieses Jahr auch wieder hart am Überlegen, welche Konzerte es sein sollen. Da die zwei ansonsten gesetzten Amsterdam-Shows auf Grund anderweitiger Prioritäten (siehe oben) nicht zur Debatte standen, mußte ich mir um meinen Standardtermin in der alten Heimat herum noch ein paar andere Shows ausgucken um auf meine Minimaldosis von 3 Konzerten zu kommen. Also begab es sich, daß ich mich eines meiner Lieblingsländer erinnerte; Italien! Vier tolle bis legen*warte noch*DÄRE Urlaube habe ich dort bereits verbracht aber es immer geschafft um Norditalien einen Bogen zu machen. Nicht so die Kleine Schwester, die lebte da ein halbes Jahr. Da traf es sich für uns beide doch vorzüglich, daß Pearl Jam am 20. Juni in Mailand spielen. Und wenn man schon mal da ist, dann kann man auch gleich noch fix nach Triest rüber kutschen – die vermeintlich “kleinen” Konzerte sind oft die größten Burner – und Triest unterschätzen bislang alle beim sonstigen Metropolen-Hopping der Band dieses Jahr. Triest da war man ja schließlich auch noch nicht. Und den Tourabschluß, ja den verbringt man dann wieder einmal in Berlin. Wo? In einer der wohl schönsten Locations wo geben tun tut: Der Wuhlheide. Mailand wird noch dadurch speziell, daß das Konzert im Stadio San Siro statt findet – DEM Fußballtempel in Stiefelland wenn ihr mich fragt! Für mein Jubiläumskonzert ist das wirklich noch mal ein spezieller Rahmen. Ich freue mich schon drauf! Natürlich reisen wir ein paar Tage früher an und schenken uns auch den Schwenker nach Wien (ein Tag Pause vor Berlin und ich hätte nicht widerstehen können…), was wir im Tourplan quasi überspringen um den Städteurlaub genießen zu können ohne allzu sehr in Stress zu verfallen.

Kurz gesagt: Der Onkel kommt mal wieder ein wenig herum mit seiner Lieblingsband – und er findet das bombig! Smiley mit geöffnetem Mund

2012 habe ich ja ein paar Wünsche geäußert, was die Setlists angeht und die Songs, die ich sehen wollte. Das ist derart brontal gegen die Wand gelaufen, daß ich es 2014 eigentlich lassen sollte. Vor 2 Jahren kam gefühlt NICHTS von dem, was ich mir wünschte – und es war trotzdem eine perfekte Tour. Für 2014 beschränke ich mich mal auf nur zwei kleine, niedliche, leicht erfüllbare Songwünsche an die Band.

1. Es wäre an der Zeit, mich endlich von meinem “Release”-Trauma zu erlösen. Statistisch gesehen der “häufigste” Opener, aber bei meinen Konzerten noch nie dabei. Dabei ist der Song sooooooooo schön, soooooooooooo großartig!!! Also bitte Jungs, faßt euch ein Herz! Perfekt wäre übrigens Mailand – nur mal so.

2. Mir fehlen noch 6 Songs von meinem Lieblingsalbum, der No Code, in der Statistik. Ich weiß, daß ihr diese Songs kaum bis gar nicht spielt, wie ihr das ganze Album aus unerfindlichen Gründen eher ignoriert auf den Setlists. Jedoch wäre ich euch sehr verbunden, wenn da ein oder zwei Songs am 27. Juni mit einem Häkchen versehen wären bei mir.

Das war es für 2014! Keine weiteren Wünsche – spielt was ihr wollt, es kann nur toll werden! Von mir aus auch meine musikalische Nemesis, das furchtbarste Lied, was ihr je geschrieben habt (Insider wissen, was ich meine). Ich kann es nicht verhindern und in Berlin wird es eh kommen wenn Eddie wieder die Ramones-Nostalgie packt – es sei euch verziehen; vielleicht mache ich auch langsam mal meinen Frieden mit dem Ding.

Gut, lieber Bloggergemeinde. Habt also auch ihr alle eine schöne, tolle, erholsame Zeit. Ich bin draußen, was aber auch kaum auffallen wird beim niedrigen Aktivitätsniveau der letzten Wochen. Ein paar Postings sind allerdings schon vorgeplant, gehen also während meiner Abwesenheit online… nicht wundern. Die, die es interessiert wie es mir so ergeht, die wissen, auf welchem Kanal sie meine Wasserstandsmeldungen aus Italien finden können. Ich ziehe den Hut vor allen, die bis hier tapfer durchgelesen haben und außer “der hat doch ne Meise” noch andere Gedanken hegen können.

Man liest sich! Smiley mit geöffnetem Mund

P.S.: Behaltet mal an meiner Statt dieses komische WM-Dingsbums im Auge und sagt mir, ob es sich lohn da noch televisionär mit ein zu steigen wenn ich Ende Juni wieder im Land bin.

Sonntag, 8. Juni 2014

FIFA WORLD CUP 2014–WOFÜR DIE SAMBASTANER EIN PAAR MILLE HABEN HINBLATTERN MÜSSEN

 

Es war ja verdächtig ruhig geworden hier, das muß ich zugeben. Mir fehlten neben Themen, die es lohnten verbreitet zu werden bzw. die schon verbreitet werden konnten, vor allem die nötigen Zeitreserven, das allerdings #ausGründen. Nun habe ich mal wieder ein halbes Stündchen Zeit und dem entsprechend auch Motivation und Muße, mal wieder etwas zu schreiben.

Seid ihr eigentlich auch schon alle so dermaßen nicht im WM-Fieber wie ich? Es ist komisch in 2014, sehr komisch. Seit 2006, wo es zugegebener Maßen besonders schlimm war, hatten wir hier alle 2 Jahre einen mittelschweren, nationalen Endorphinschub zu verkraften. Ein Land im Titelrausch – so hatte man den Eindruck. Draußen fuhren an allen Ecken und Ende Autos mit Fähnchen, Rückspiegelschonern, Magnetschildern oder sonst welchem Tand unsere Nationalflagge spazieren. Alle starteten wir in dem Bewußtsein in das jeweilige Turnier, “daß das diesmal klappen könnte – ja müsse”. Was? Na der Titelgewinn. Man hoffte, daß sich die bundesdeutschen Ballschänder in nur wenigen Wochen entweder Europa- oder gar Weltmeister schimpfen können. Und wir uns mit ihnen versteht sich. Nebenher schwang noch immer die Hoffnung auf ein so genanntes “Sommermärchen” mit. Aber entweder standen uns in den vergangenen 8 Jahren die Luigis im Weg, oder die unbezwingbar erscheinenden Paella-Virtuosen erledigten den Job uns aus dem weg zu räumen gleich selbst.

2014 nun wiederum habe ich für meinen Teil das Gefühl, daß das in Brasilien schier aussichtslos ist. Ich denke zwar, daß wir von den individuellen Spielern her so gut aufgestellt sind wie seit 1996 nicht mehr, aber ich habe meine Zweifel, daß die als Team gut genug funktionieren werden. Warum? Nun, mich verunsichern nicht die Spieler die wir haben, sondern die, die wir nicht haben. Dieses glatt geschmirgelte Muttersöhnchenkonglomerat, das da unter Führung unseres rasenden Bundesjogis in die Welt geschickt wird, dem fehlt einfach eine zentrale Spielerpersönlichkeit. Eine “Persönlichkeit”!!! Einer, der auch bei einem Rückstand mal das Herz in die Hand nimmt und die Jungs mit reißt, jemand, der zur Not auch mal den gegnerischen Spielmacher gelbwürdig umsenst und das viel zitierte “Zeichen setzt”. Jemand, der in entscheidenden Phasen “den Unterschied macht”. So jemanden, schauen wir der Realität ins Auge, haben wir einfach nicht. Im Einheitsbrei der politischen Korrektheit und Kollektivharmonie geht so jemand einfach unter – ist, so habe ich den Eindruck, gar unerwünscht. Der letzte “Leader” wurde vom Defensivzwerg und dem beschalten Machthaber ja vor vier Jahren regelrecht aus der Mannschaft gemobbt. Seit Ballack ist jeder Spieler austauschbar. Auch – und vor allem – der Lahm. Soll er doch weiter von seinem “Anspruch ein Führungsspieler zu sein” reden, alleine dadurch ist er noch lange keiner. Wahre Führungsspieler stellen sich nicht vor Kameras uns sagen “Ich bin ein Führungsspieler”, sie zeigen das erst auf dem Platz und sagen dann zum Interviewheinz sinngemäß: “Wir brauchen Eier!”. Der Phillip ist dafür einfach zu konformistisch mit dem Coach, zu lahm… er ist ein Lä(h)mmchen. Den Rest der Truppe kann man unter diesen Umständen auch gleich mit in der Pfeife rauchen, außer der einen oder anderen Anwandlung vom Boateng ist da einfach nicht viel. Gut, Großkreutz… aber der funktioniert auch nur bei seinem BVB als reviermarkierender Faktor auf und neben dem Platz. Nee Leute, ich sehe schwarz – das wird nix in Brasilien.

Allerdings, so teile ich mit, könnt ihr mich ja auch widerlegen. Wie? Nun, beim offiziellen Foxymorph-Tippspiel zum Wettmurmeln in Sambastan. Wer will, der melde sich hier an:

SAMBAFOXY - DAS FOXYMORPH WM TIPPSPIEL

und teile mir bei der Request einfach kurz im Text mit, wer er von euch (v.a. Stammlesern) ist. Die Runde ist schon gut gefüllt, aber ich will euch nochmals eine letzte Chance geben. Zwinkerndes Smiley 

In diesem Sinne: Rinjehaun’!

Dienstag, 29. April 2014

HIGH HOPES

(Bruce Springsteen)

Tach auch. Erinnert ihr euch eigentlich noch an eure Schulzeit? Genauer gesagt den Geschichtsunterricht? Als es damals um die Industrialisierung, die Arbeiterbewegung, Weimarer Republik und alles was danach kam ging? Ja? Dann ist ja gut! Dann könnt ihr euch vielleicht auch an das erinnern, was mir zu meiner Pennälerzeit des Öfteren kredenzt wurde wenn es um das Erringen möglichst ästhetischer Noten ging: Die Quellenanalyse!

Ich fand das eigentlich ganz cool, da bekam man irgend einen Zeitungsausschnitt oder ein Bild und sollte dann mal ein wenig einordnen, erklären, interpretieren oder – was jetzt der worst-case war aber auch funktionierte mitunter – bei kompletter Ahnungslosigkeit möglichst glaubwürdig über etwas schwadronieren, wovon man im Grunde genommen keinerlei Ahnung hatte. Aber Quellen waren gut, denn sie lieferten selbst in letzterem Fall wenigstens noch Informationen, die eine offene Frage nicht lieferte. Geradezu großartig fand ich es, alte Wahlplakate zu analysieren. Die waren damals zwar nicht so politisch korrekt wie heute, aber sie hatten irgendwie noch… wie nennt man das gleich nochmal, was heute total out ist… ach ja: Inhalt! Mitunter waren es Karikaturen oder mit spitzer Feder formulierte Verunglimpfungen des politischen Gegners, ja, zum Teil war man derart verrückt, daß man auf so ein Wahlplakat einfach mal drauf schrieb, was man politisch eigentlich will! So irre waren die damals, stellt euch das mal vor!

Heute vollkommen undenkbar!

Da ja nun Europawahlen anstehen wird das Land gerade wieder mit Plakaten überzogen. Design geht über Inhalt, Person über Aussage – so kann man es wohl auf den Punkt bringen. Ging es früher den Parteien noch darum, daß man dem Wahlvolke mitzuteilen gedachte, was man denn will, versuchen die Spin Doctors und Cunsulting-Unternehmen im Hintergrund heute vor allem eine derart rund geschmirgelte Kampagne zusammen zu schustern, daß man gar nicht erst in die Gefahr kommt sich in irgend einer Weise festlegen zu müssen. Andererseits wird, politisch korrekt, auch keinem weh getan mit den aufgedruckten Botschaften. Wir sind alle potentielle Wähler und sollen es auch bleiben – tatsächliche Wähler, Wähler, die man mit Inhalten überzeugt hat, sind scheinbar uninteressant. Man kann es auf die Formel bringen: “Lieber keinen Wähler verschrecken als einen zu überzeugen!”

Ich habe mal ein paar dieser Allgemeinplätzchen quer durch die Plakatwelt hindurch zusammen gestellt. Seht selbst, was uns die Parteien so an inhaltlichen Schwerpunkten und jeweiligen politischen Alleinstellungsmerkmalen mitzuteilen haben:

“Damit Europa mehr Arbeit und Wachstum schafft”

“Ein Europa des Wachtsums, nicht des Stillstandes”

Na, wer will hier was? Muß man doch erkennen! Während der erste Slogan doch nur so vorm CDU-Konservativismus trieft, ist im zweiten doch glasklar die viel zitierte, programmatische “sozialdemokratische Handschrift” zu erkennen! Oder war es doch anders herum?!?

Man könnte jetzt seitens der Union natürlich auch verkünden, daß man “Für einen stabilen Euro durch wirtschaftliche und soziale Stabilität in allen Mitgliedsländern” kämpfe. Oder seitens der SPD hielte ich auch “Wir setzen uns für die Zukunft junger Akademiker in ganz Europa ein und wollen auch in Spanien die Arbeitslosigkeit durch gezielte EU-Programme bekämpfen!” (Jaja, ich weiß, daß “gezielte EU-Programme” ein Oxymoron ist, aber man kann ja mal Visionen haben) für ein legitimes Plakat.

Die Linken wiederum, die ziehen gleich mit dem Holzhammer

“Wer Europa will, muß es den Reichen nehmen”

in den Wahlkampf. Joa, kann man sagen, muß man jetzt aber nicht. Wer definiert denn, wer “die Reichen” sind? Die Linken etwa??? Na dann gute Nacht! Außerdem: Was soll einem denn dieser hohle, Inhaltsleere Spruch schon hinsichtlich der Ziele der Linken sagen? Daß sie einen vollkommen illusorischen, ja undemokratischen Ansatz der Entrechtung und Enteignung von Minderheiten verfolgen? Kann man ja so verstehen den Spruch. Das dürfte, so hoffe ich zumindest, nicht das sein, was die wollen, aber dann sollen sie es verdammte Scheiße nochmal auch sagen!!! Was ist denn so schwer an:

“Wir kämpfen für höhere Spitzensteuersätze in der EU, damit Sozialleistungen gut refinanziert werden können!”

Ja, das wäre doch mal programmatisch und – im Grunde genommen eigentlich ohnehin ein klassisch-sozialdemokratisches Argument – auch mit ein wenig Inhalt gefüllt. Das andere Großplakat sagt schon fast warnend:

“Passt auf – Die Linke!”

Ja, das wiederum kann man guten Gewissens so stehen lassen!

Die Grünen, nunja, es ist bei weitem nicht ihre beste Kampagne, aber wenn man auf Subjekt+Prädikat+Objekt nicht allzu viel Wert legt und ein wenig Hintergrundwissen hat (also sprich ein Mal im Monat Tagesschau guckt), dann weiß man wenigstens, was sie wollen:

“Klimaschutz ohne Grenzen”

“Atom aus, Natur an”

“GENug”

das Beste Plakat, weil multifunktional formuliert: “Für ein Europa, in dem niemand untergeht!”

Die Kampagne der Grünen ist, im Übrigen schließt das deren TV-Spot mit ein, derzeit das einsame inhaltliche Highlight in diesem Europawahlkampf. Diese gequirlte Moppelkotze, diese breiigen und inhaltsleer daher geschwurbelten Allgemeinplätzchen der anderen Parteien sind doch eine Zumutung!

Klar, man könnte jetzt natürlich das Wahlprogramm dieser ganzen Pfeifen lesen, aber warum? Warum sollte ich ein Wahlprogramm einer Partei lesen, die mich mit ihrer Kampagne nicht einmal im Ansatz neugierig gemacht oder thematisch angefixt hat? Mir fällt kein Grund dafür ein. Informieren ja, aber ich töte nicht noch mehr meiner Lebenszeit – geschweige denn noch mehr Hirnzellen - damit mir solche aufgeblasenen Worthülsen wie “Europa neu denken" rein zu ziehen. Solche Phrasen sind so hohl, die kann einem kein Parteiprogramm vernünftig mit Fakten unterfüttern.

Nunja, wir werden sehen, wo das alles bis zum 25. Mai noch hin führt. Ich bin mittlerweile selber gespannt, wo ich mein Kreuzchen machen werde – eine Situation, in der ich mich seit 1998 nicht mehr befand. Zur Feier des Tages habe ich auch mein Plakat zu letzten OB-Wahl wieder heraus gekramt und – ich finde es ist immer noch höchst aktuell was die Message angeht – zu Ehren der Europawahl ein wenig gepimpt:

Plakat Europa

PS: Hier dann doch noch was zum Schmunzeln. Ratet mal, welches Randgruppenkonglomerat mittlerweile (Gott sei Dank) bundespolitisch Bedeutungsloser doch tatsächlich mit folgendem Slogan in die Europawahl zieht:

“Gute Argumente statt großer Versprechen”

… Brüller, oder?!!!! 

Samstag, 26. April 2014

Peljätty Humppa–Eläkeläiset am 19.04.2014 im F-Haus zu Jena

 

Mahzeit! Ich schulde euch noch einen Konzertbericht… das wißt ihr, das weiß ich… nur mein Hirn, das weit es nicht!

So ungefähr könnte man es zusammenfassen. Ich sage es lieber gleich: Ich bin diesmal nicht wirklich in der Lage einen meiner gewohnt distanziert-sachlichen *hüstel* Berichte über den letzten Sonnabend zu liefern. Ich begründe es mal in Reimform:

Das liegt nicht an mir, das liegt am Bier! (*tataaaa-tataaaaaa-TATAAAAAAA*)

Ja, heute vor einer Woche weilten die Frau und ich im gar nicht so fernen Jena und suchte dort die Kleine Schwester heim. Mit dieser wiederum bereise ich ja schon seit Jahren gemeinsam die Konzertbühnen dieses Landes – und von Prag. Jedenfalls hatte sie für uns Karten für dieses schmucke Event hier

Humppa1

Humppa2

beschafft. Vor gut zwei Jahren habe ich sie gezwungen an selber Stelle mit mir “zum Humppa zu gehen” (<- Fachbegriff), was man im Übrigen HIER nachlesen kann. Ähnlich wie letzte Woche tat sie dies mit einer gewissen Grundskepsis, was sich aber am Abend dann legte. Wer sich jetzt fragt, was dieses “Humppa” denn eigentlich ist, dem sei eine bekannte Videoquelle ans Herz gelegt. Ich werde es an dieser Stelle nicht erklären, weil man den “Humppa” nicht erklären kann. Entweder man hat den Humppa oder man hat den Humppa eben nicht. (An die Grenzen der Erklärbarkeit des Humppa stießen wir am Folgetag, als wir meiner Mutter zu erläutern versuchten, wo wir denn gestern eigentlich waren… es scheiterte kläglich.) Wenn man den Humppa hat, dann ist ein ganz zu Eläkeläiset geradezu zwangsläufig. Da diese Irren (im positivsten Sinne) auch noch aus der wundervollen karelischen Metropole Joensuu kommen, das macht es für mich gleich noch ne Spur cooler “zum Humppa zu gehen”!

Nebenbei wird bei einem Eläkeläiset-Konzert auch noch deutlich, was die deutsche Metal-Szene so grundsympathisch macht: Sie hat geschlossen einen an der Waffel! Die Herren aus Joensuu spielen in Wacken ebenso souverän wie im finnischen ESC-Vorentscheid. Den sie im Übrigen nicht gewonnen haben, was wiederum daran liegen mag, daß nicht einmal die Finnen die hiesige Faszination für den Humppa nachvollziehen können; und das will durchaus was heißen, wir reden hier von einem Volk, das Weltmeisterschaften im Handyweitwurf hervorgebracht hat. Jedenfalls wird einem vom Motörhead- bis zum Slayer-Shirt im Saal alles an musikalischer Uniformierung geboten, was das Hardrock-/Metal-Herz so begehrt. Außerdem – und jetzt kommen wir einerseits zum Grund für meine Unfähigkeit einen vernünftigen Konzertbericht zu verfassen und andererseits zum nächsten Argument, warum es komisch ist, daß Finnen nicht so gerne “zum Humppa gehen” – gehört zum Humppa auch immer Bier! Olut, wie der Finne sagt! Um bösen Gerüchten vor zu beugen: Ich hatte zu keinem Zeitpunkt des Konzertes mehr als ein Bier in der Hand… allerdings ebenso nie weniger als eines. Taktisch klug positionierten wir und direkt an der Bar und so war der Nachschub gesichert. Die vergleichsweise moderaten Preise von 2,50€ für den Becher Rosenpils und der nette Barkeeper mit dem Talent zum schnellen Zapfen taten ihr übriges.

Während wir also im Saal herum standen und (zumindest ich) fröhlich die Bar quersubventionierten, ging vorne auf der Bühne der gewohnte Blöd- und Irrsinn eines Humppakonzertes ab; was auch folgendes Foto nicht wirklich transportieren kann:

Humppa3

Irgendwann nach reichlich zwei Stunden war der Abend dann nach der dritten Zugabe vorbei – wie gesagt: mehr könnt ihr an Verlaufsinformationen zu dem Abend von mir nun wirklich nicht erwarten – und wir wurden noch Zeuge der finalen Zerstörung des Keyboards. War ja auch das letzte Konzert der Tour und da kann man sich schon mal vom Equipment verabschieden. Das wurde dann auch getan. Ich fand das Konzert zu diesem Zeitpunkt ja mal so richtig spitze! Smiley mit geöffnetem Mund 

Ich bin auch überzeugt davon, daß es auch für die zur objektiven Beurteilung fähigen Anwesenden ein toller Abend war, denn sogar die Kleine Schwester war noch am nächsten Tag überzeugt – vom Humppa! Wir traten sodann die Rückfahrt an – ich verrate nicht zu viel, wenn ich erwähne, daß ich nicht am Steuer saß. Die nierenbasierten Verarbeitungsprozesse des konsumierten Getränkes forderten ihren Tribut in Form von 2 Zwischenstopps (wohlgemerkt bei einer Fahrzeit von netto 45 Minuten). Ich glaube auch, daß ich meine Mitfahrerinnen köstlich unterhalten habe während der Fahrt – ich weiß nur nicht mehr womit; ein Mysterium. Jedenfalls legten wir noch den üblichen nachkonzertlichen Zwischenstopp bei der Fast-Food-Schmiede kurz hinter der Autobahnabfahrt ein. Ich weiß noch, daß ich – höflich wie ich bin – der McDrive-Burger-King-Bedienungsuschi ein “gesegnetes und frohes Osterfest” (<- aus original Gedächtnisprotokoll nachtranskribiert) wünschte, was meine Mitinsassen im Igor wiederum mit lautem Gelächter quittierten und mich noch am Folgetag damit aufzogen. Tja, wenigstens habe ich noch daran gedacht, sie nicht! Dank dem sehr süffigen und katertechnisch höchstgradig empfehlenswerten Rosen-Pils (geschmacklich ne 2-) ging es mir am Folgetag auch bombig – im Ernst jetzt. Ich habe mich nicht gefühlt als ob ich am Vorabend auf einem bierintensiven Konzert gewesen wäre.

Als Fazit kann ich zunächst nur festhalten, daß es, trotz anfänglicher Anlaufschwierigkeiten, ein sehr schöner Humppa-Abend war. Nee, ich fand es toll! Vor allem war es - worauf ich mich auch massiv vor-freute – das erste gemeinsame Konzert mit der Kleinen Schwester seit dem 7. Juli 2013. Bedingt durch ihren Auslandsaufenthalt waren wir seit dem nur jeweils alleine unterwegs. Ihr glaubt gar nicht, wie langweilig es in der Wartezeit vor Monster Magnet oder Depeche Mode Konzerten sein kann, wenn man niemanden zum piesacken hat. In diesem Sinne: MAY THE HUMPPA NEVER END! Ich bin mal gespannt, wo sie die Herbst-Tour hin verschlägt… dann werde ich vielleicht erneut “zum Humppa gehen”! Zwinkerndes Smiley 

PS: Das obligatorische Andenken-Shirt. Habe heute gemerkt, daß es Passanten in Three-O-City (schon an sich eine eher skeptische Spezies) durchaus irritiert – die können es halt nicht einordnen! Ich für meinen Teil finde es saucool, zumal ich schon das an Motörhead angelehnte Shirt vom letzten Konzi habe; da kommt dieses an den Klassiker von Run DMC angelehnte, schlichte Schmuckstück natürlich doppelt gut.

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Dienstag, 22. April 2014

A SILHOUETTE OF DOOM

(Ennio Morricone)

Männer; brace yourselves – Turbofeministinninnen from fucking Hell are coming!

Meine Geschlechts- und ja, mittlerweile auch Leidensgenossen; ihr tut mir leid. Erinnert ihr euch noch an den großartigen Film “Fight Club”? Ja, den mit Brad Pitt und Edward Norton und natürlich dem mordsmäßig guten Soundtrack. Da gibt es eine Szene, da theoretisiert Tyler Durden über das Männerbild der Gegenwart und faßt das Dilemma der zur Bedeutungslosigkeit femininisierten Testosteronantenschaft mit folgendem Satz mal so grob zusammen:

“(…) Und wir beginnen uns zu fragen, ob noch eine Frau wirklich die Antwort auf all unsere Fragen ist!?

Gut, das hätte man ja schon vor der letzten Bundestagwahl bedenken können – hat aber wohl keiner. Ich sage jetzt nicht, daß ich dem vorbehaltlos zustimme, aber ich sehe da schon gewisse Tendenzen. Beispielsweise habe ich heute erst einen Artikel gelesen, in dem angeprangert wurde, daß es in meinem Bundesland nur eine Quote von 1,1% Frauen bei den Berufsfeuerwehren gibt. Lösungsvorschlag war unter anderem das Absenken der Zugangsvoraussetzungen, sodaß auch Frauen unter 1,65m Körpergröße die (Sport-)tests schaffen können (da ist NICHTS übertrieben, genau DAS wurde gefordert). Das hat für mich nichts mit Emanzipation zu tun – das ist einfach eine Verwässerung von Leistungsstandards für mich – zu Gunsten einer krankhaften Gleichmacherei. Von mir aus mehr Frauen in die Feuerwehr, immer gerne, aber die sollten dann auch genau das leisten, was jeder Mann leisten muß! Warum? Weil es zum Berufsbild gehört, verdammt noch mal und eben kein Werkzeug der Geschlechterdiskriminierung ist. Wenn ich im 5. Stock einer brennenden Bude ohnmächtig im Giftqualm liege, dann wäre mir (als 1,90 Meter großer, subdürrer Mensch) schon wesentlich wohler zu Mute, wenn da ein Zwei Meter Hüne mit der Axt durch die Türe bricht und mich laut fluchend über die Schulter wirft und ins Freie trägt, als wenn da plötzlich ein (politisch korrekt beschäftigtes) 1,64m – Mädel mit geschätztem 50 Kilo Körpergewicht an mir herum zerrt. “Er ist tot Jim!” – Ist aus meiner subjektiven Sicht nämlich keine Option, wenn sie sich durch ein wenig mehr Vernunft umgehen ließe. Bei “gleiches Recht für alle” und “gleichen Chancen” gehe ich ja voll mit. Ich bin so aufgewachsen und habe damit keinerlei Problem. Allerdings heißt das ja nicht, daß jeder unterm Strich auch das Gleiche bekommt. Ist ein feiner Unterschied, der immer mehr zu verschwimmen scheint.

Aber egal, ich rede mich hier noch um Kopf und Kragen. Für derlei Ansichten wird es nämlich langsam eng in diesem Land fürchte ich. Aber hey, ich habe da heute ja noch etwas gefunden, das meine Ansichten ein wenig unterstreicht. Wir waren einkaufen und irgendwo zwischen Schreibwaren und Büchern hängte mich die Frau schwuppdiwupp ab. Wech war se! Gut, dann stöberte ich ein wenig die Juxkarten durch. Folgende Karte fiel mir dabei in die Hände:

Aufschrei1

Gut, ist halt ne Juxkarte, dessen bin ich mir schon bewusst – ich bin auch weit davon entfernt die ernst oder auch nur im Entferntesten persönlich zu nehmen. Ich habe da eher grundsätzliche Bedenken. Jetzt stellt euch die mal mir “Frauen sind” im Titel vor...! Den Urheber dieser Karte hätten sie noch mit Knüppeln aus dem Verlag getrieben und öffentlich geteert und gefedert. Wer jetzt meint:

“Ja gut, das ist eine Juxkarte, da gibt es bestimmt auch ein selbstironisches Pendant über Frauen und du reagierst hier vollkommen über, Du ekelhafter Patriarchenmachohengst”

dem halte ich mal besagtes Pendant, denn das existiert in der Tat, vor Augen:

Aufschrei2

Mir geht es nicht um die Karten, die nimmt eh keiner ernst. Aber alleine der Fakt, daß die Karte auf dem ersten Foto in diesem Land überhaupt existiert und verkauft wird, wohingegen man sich nicht traut ein gleichwertiges Gegenstück zu produzieren, die führt doch die Motive des sich immer verbissener durch den kompletten Duden vor sich hin gendernden Gutmenschenvolkes komplett ad absurdum! “Gleichberechtigung” heißt nun einmal auch, daß man damit leben muß, auf die gleiche Art und Weise verarscht zu werden. Ich fand einfach, ihr solltet das wissen…Zwinkerndes Smiley.

Ich geh jetzt DMAX gucken! “Fernsehen für die besten Menschen der Welt – MÄNNER!”

Freitag, 11. April 2014

DANKWART IST TANKWART–Rainald Grebe und das Orchester der Versöhnung – 01.04.2014 in der Stadthalle Chemnitz

 

“Im Auenland lächelt Heidi Klum und an den Rändern fliegen die Nazguls rum!”

Es hat ne Weile gedauert, aber endlich bin ich unter oben genanntem Motto zurück gekehrt in mein logorrhoeisches Reservat der verbalen Selbstdeskriptivität. In den letzten Wochen war ne Menge los bei mir – was mich wiederum fern hielt vom Geschriebsel. Aber wenn mich was zurück an die Tastatur bringt, dann ist es ein Konzert; wobei “Auftritt” es diesmal wohl eher beschreibt. Here-we-GO:

Aufmerksame Leser dieses Blogs werden es schon festgestellt haben: Dieser Typ hier hat definitiv einen Faible für die Kleinkunst des Rainald Grebe. Folgerichtig war ich in den vergangenen Jahren schon mehrmals zu Gast bei seinen Auftritten. Jedes Mal, wenn der Herr ein neues Programm an den Start bringt, da hüpft das Herz und der Klick beim Kartenkauf fällt leicht. Sehr leicht. Warum? Weil der Mann ein Genie ist, anders kann man es einfach nicht sagen. Klar, es ist nicht jedermanns Sache was er macht, aber wenn man einmal vom Grebe-Virus befallen ist, dann ist es zu spät. Ich für meinen Teil habe mir abgewöhnt die Alben vor dem Konzert zu kaufen – aus Gründen. Diese bestehen im Wesentlichen darin, daß es einfach viel unterhaltsamer ist, das neue Programm vom Chef persönlich dargeboten zu bekommen. Vorm Konzert oder wahlweise auch in der Pause wird die dazu gehörige CD (diesmal ein Doppelsilberling) einfach als Andenken erstanden. Vorweg geschickt sei mal, daß ich das 2014er Programm grandios finde – eines seiner besten bisher! Da meine Mutter den Rainald ebenfalls recht knorke findet, lud ich sie kurzerhand (auch nicht zum ersten Mal) in die Stadthalle zu Chemnitz ein. Organisierte Karten und ein Abendessen. Zu gegebener Zeit schlenderten wir dann ins Foyer der Stadthalle und standen zunächst ein wenig abseits herum. Wieso? “Laß uns mal bissel über die Leute lästern!” – und das war nicht mein Text. Als der Beginn näher rückte begaben wir uns auf unsere Plätze. Ca. 10 Minuten nachdem wir uns gesetzt hatten erlosch auch schon das Licht im Saal. Es ist freilich schwer die folgenden drei Stunden in Form einer Setlist zusammen zu fassen, in diesem Fall geht das einfach nicht. Grebe-Auftritte sind immer so eine Art Gesamtkunstwerk. Das Überraschende, was man aber erst feststellt, wenn man ihn zwei Mal mit dem gleichen Programm erlebt, ist, daß die Mätzchen und Sprüche zwischen den Musikstücken derart spontan scheinen, daß man sich gar nicht vorstellen kann, daß sie eigentlich minutiös einstudiert sind. Das ist eine große Kunst, zumal spontane Elemente immer noch irgendwo hinein fließen wenn es sich anbietet. Aber im Großen und Ganzen hat man es mit einem perfekt durchgeplanten Stück Chaos zu tun. Einem Chaos, aus dem sich irgendwo zwischen Klamauk und ziemlich guten Musikern, die ziemlich gute Musik machen und dabei bisweilen ziemlich lächerliche Kostüme tragen eine köstlich pointierte Gesellschaftskritik erhebt. Dieses Jahr knüpft sich Grebe mit seinem Orchester der Versöhnung das vor, was er die “Berliner Republik” nennt. Dabei dekliniert er das vom Großen bis ins Kleine hinein durch.

Ob er nun in “Berliner Republik” gleich zu Beginn einen recht amüsanten, aus Fakten zusammengereimten Sozialstrukturatlas des ganzen Landes zusammensingt oder hinab steigt bis in die Küchen des so genannten “kleinen Mannes” und sich mit dem Herrmannkuchen auseinandersetzt. Grebe schafft es einfach immer wieder Momentaufnahmen Deutschlands zu liefern. War sein Programm “1968” noch eher retrospektiv unterlegt, lag dieses Jahr der Schwerpunkt eindeutig auf dem aktuellen Phänotyp von Muttistan. Highlights – das war für mich schon immer so – sind vor allem die Songs, in denen er sich einzelne Personen oder Typen von Leuten vornimmt. Auch 2014 enttäuschte er sein Publikum nicht. Ganz großes Kino diesbezüglich ist die Verschmelzung von “Graf Draculas innerem Monolog” und Volksmusik – “Fürst von Liechtenstein”. Derart pointiert und oberflächlich wertfrei muß man das erst einmal hinbekommen. Oberflächlich deshalb, weil es nicht wertfrei ist. Indem Grebe die Betreffenden und auch sich selbst ordentlich auf die Schippe nimmt schafft er es ziemlich gut beim Publikum seine Botschaft unter zu bringen – man muß halt nur ein bissel mit denken. Andere Beispiele sind der Abgesang auf die “Multitasker” als moderne Lebensform und natürlich das großartige “Art”. Letzteres prangert zwar den Untergang des deutschen Theaters an, liefert allerdings auch gleich mit einen der Gründe – selbstreferenzielle Arthouse-Hippies mit vermeintlichem Pachtvertrag für Intellektualität. Richtig groß ist auch “Berater” – wo der Titel eigentlich schon alles sagt.

Mittendrin im Kanon von Sketchen und musikalisch verhohnepiepelten Versatzstücken der modernen Gesellschaft schwimmen dann so wohltuende Inseln des angenehmen Wortwitzes wie etwa das bei mir auch enorm große Gegenliebe gestoßene “Advent”. Ein Hoch auf die Weihnachtszeit – und zwar 24/7! Bisweilen wird auch gegen den Trend zur Vergutmenschlichung angesungen, indem man hymnisch “Das Ende des weißen Mannes” besingt in dem sich selbiger nicht winselnd und geschlagen dem Ökohippietum ergibt, sondern mit einer boshaften Nonchalance Zigarre rauchend im Frack am Flügel lehnt und seinen eigenen Abgesang mit einem guten Scotch hinunter spült bevor der Vorhang fällt. Nicht anprangern, untergehen mit Würde. Die Kehrseite dieser Medaille schwingt natürlich, wie bei Grebe nunmal üblich, auch wieder im Subtext mit.

Abgerundet wurde dieses Gesamtbild der BRD – irgendwo zwischen Wohlfühlrepublik und GroKo-Irrsinn – mit einem der besten Songs des Abends: “Kokon”. Wenn ein Lied die Bundesrepublik Deutschland sowie Europa im Jahr 2014 perfekt zusammenfasst, dann dieses. Natürlich durfte im Zugabenblock auch “Brandenburg” nicht fehlen – wobei natürlich auch der nötige Schuß Selbstironie nicht fehlen durfte, weil er in der breiten Öffentlichkeit bisweilen auf diesen Song reduziert wird. Der Gastgeberschaft widmete man dann noch “Sachsen”, was zwar logisch scheint, aber beim Rainald und seinem chaotischen Wesen auch hätte ganz anders kommen können. Insgesamt wurde man zum Ende des Abends hin mit drei Zugaben beglückt, was die ganze Veranstaltung inklusive der Pause auf gute drei Stunden und 15 Minuten streckte. Die Kunst bei sowas ist, daß man die Zeit nicht merkt – und so war es auch. Gefühlt war es viel zu schnell vorüber. VIEL zu schnell.

Bevor ich zum Fazit schreite sollen euch noch zwei Songs ans Herz gelegt werden, und zwar wärmstens. Die leisen Töne beherrscht Grebe zweifelsohne genau so gut wie den Schabernack. Dieses Jahr ist “Loch im Himmel” das, was “Lonely Planet” im letzten war: Ein überraschend eingewobener Kloß-im-Hals-Song, der einfach aber genial instrumentiert einen ordentlichen Schuß Moll mit ins Spiel bringt. Ganz großes Tennis! Das andere Lied spielte deutlich mehr in der Klamaukecke seines Könnens. Gekonnt werden in “Dankwart ist Tankwart” inhaltsleere, berechnete Provokation und der eifrige Petitionsblödsinn der Gegenwart auf die Schippe genommen. Demaskierend!

Unterm Strich war die Karte jeden Cent wert – und zwar gleich mehrfach! Auch bin ich heilfroh, daß ich mir die CD geholt habe. Seit Grebe nicht mehr Studioalben raus wirft, sondern gleich das ganze Programm als Livemitschnitt liefert sind die Dinger die optimalen Andenken an einen derart gelungenen Abend. Auch jetzt gerade dudelt die akustische Erinnerung fröhlich im Hintergrund. Sollte der Rainald mit seinem Orchester der Versöhnung demnächst in eurer Nachbarschaft auftreten – zögert nicht, geht hin. Ich hoffe, ich habe noch nicht zu sehr gespoilert, aber es lohnt sich definitiv! Einen unterhaltsameren Abend kann man sich mitunter nur wünschen, aber wohl kaum erreichen. Neben einer gepflegten Zwerchfellmassage und Denkanstößen erhält man zwischen den Zeilen auch noch die Gelegenheit sich vom Meister eine Selbsterkenntnis über sein Heimatland durch die mentale Hintertür vermitteln zu lassen. Vergeßt die so genannten “Comedians”, von denen hat keiner das Format gegen den Rainald an zu stinken. Sollen die mal die Olympiastadien der Republik füllen, Rainald Grebe erfüllt Erwartungen – das ist wesentlich mehr wert.

Wer sich nach all dem Geschwurbel von mir nun fragt, wie Rainald Grebe denn Deutschland in der Gegenwart sieht, der sei auf die Textzeile aus “Kokon” verwiesen, die ich als Einstieg wählte.

PS: Da wir hier nicht im ZDF sind kann man ja auch Werbung machen… und das tue ich hiermit. Hier der Link zum Album. Vielleicht entschließt sich ja der eine oder andere zum Kauf, Grebe ist es einfach wert.

PPS: Mir ist bewußt, daß ich damit Amazon promote und einige das (also Amazon) für böse halten und mich intrinsisch anprangern werden – geht mir aber am Arsch vorbei! Dann schert euch runter von meinem Blogg und lest  “Wild und Hund” – ihr Hippies!

Samstag, 8. März 2014

AMONGST THE WAVES

(Pearl Jam)

"Seppomir Blattrovich und die Geschmierten" performen auch in diesem Jahr wieder ihren Gassenhauer "FIFA Weltmeisterschaft". 2014 hat es Brasilien geschafft, sich die wohlwollenden Worthülsen und geheuchelten Loblieder auf den Fußball als unverkäufliches Kulturgut des Rundledersyndikats ins Land zu kaufen; ach ja: und ne Hand voll Länderspiele findet nebenher auch noch statt und am Ende gibbet ein Pokälchen!.

Aber wir wollen hier jetzt nicht meckern - es geht schließlich um Fußball! WM!!! WEHHHH ÄHHMMMM!!!!! Und “Fußball” und “WM” haben ja bekanntlich mit diesem seelenlosen Verein namens FIFA nix zu tun. Auch, wenn der eine oder andere dieses Jahr (hoffentlich) zu sehr abgelenkt ist um mir den Titel schon wieder weg zu schnappen (wir verstehen das), so soll auch in diesem Jahr wieder die große FOXYMORPH-TIPPSPIEL-WELTMEISTERSCHAFT ausgetragen werden. Wie seit 2006 wird es auch in diesem Jahr hoch her gehen hier und wir können uns auf ein spannendes Turnier freuen – von der Schlacht um die Krone des Expertentums in besagter Tipprunde mal ganz zu schweigen.

Welcher Tipprunde genau? DER HIER:

FOXYMORPH-KICKTIPP-WELTMEISTERSCHAFT

Hier ist es nun also, das legendäre Tippspiel zum Turnier in Sambastan! Wer mitmachen will, der sende einfach eine Anfrage übers Tippspiel. Die Routiniers sind hoffentlich wieder alle dabei und auch von meinen stammleserschaftlichen Blogländern hier erwarte ich wieder rege Partizipanz. Ich habe mich wieder pro forma als Puffer zwischengeschaltet (um zu verhindern, daß der eine oder andere Troll oder auch “Germanist” aus Bloggostan sich einschleicht) handhabe es aber recht liberal – bin praktisch so was wie die Tippspiel FDP. Zwinkerndes Smiley Schreibt also einfach in der Anfrage kurz dazu, wer ihr seid (wenn ich das nicht eh zuordnen kann bei den Stammteilnehmern bzw. anhand des Pseudonyms) und es kann los gehen.

Und der Blattrovich, der soll sich ruhig die Petrodollars vom Putin-Vladi oder den Scheichs in sein runzeliges Sitzmöbel juchteln lassen bis (nicht nur) das Konto platzt... ein derartig hochkarätig besetztes Turnier wie diese Tipprunde wird er nie bekommen, denn das hier versammelte Expertenwissen der geradezu unfassbar fachkundigen Teilnehmerschaft - alles samt Lichtgestalten, welche obendrein noch vom Kompetenzteam himself angeführt werden - kann man mit Geld einfach nicht kaufen!

In diesem Sinne: Gut Tipp!

Samstag, 15. Februar 2014

IM IDEENLADEN

(J.B.O.)

Gestern nach dem Tagwerk und dem fußmärschigen Heimgang ins Domizil brachen die MsPittili und ich quasi umgehend wieder in die Stadt auf. Wir fuhren dabei meinen Arbeitsweg quasi 1:1 ab – von einem kleinen Schlenker mal abgesehen, welcher der Unmöglichkeit geschuldet war, den Igor über mit Poller abgesperrte Fußwege zu dirigieren ohne sein Wohlbefinden massiv zu gefährden. Jedenfalls kamen wir auch am ortsansässigen Getränkemarkt vorbei. Man sollte dazu sagen, da ich jeden Tag zwischen 16 und 17 Uhr auf dem Heimweg an diesem vorbei flaniere. Freitags für gewöhnlich kurz vor drei – was aber keinen nennenswerten Unterschied macht, wenn man das Thema meiner heutigen Abhandlung betrachtet.

Jeden Tag – aber wirklich auch JEDEN Tag – wenn ich daran vorbei latsche, steht am Lieferanteneingang ein halbes Dutzend Figuren herum. Was die da machen? Na, ihr werdet es ahnen: Sie zwirbeln sich unter Zuhilfenahme alkoholischer Getränke ordnungsgemäß die Grütze aus dem Schädel… täglich! Freitags stehen die wie gesagt auch schon da… gegen 15 Uhr. Phänotypisch eine bunte Mischung aus langjährigen, ausgemergelten Klischeealkoholikern die mit Mitte 40 schon aussehen wie ihr eigener Opa und – ja, man muß es so schonungslos sagen: jugendlichen Glatzen, die sich nach jeder Pulle einen feinen Nebel aus Speichel und Billigbier über die schimmelgrüne Bomberjacke rülpsen (jaja, die Elite unseres Landes…). Man kann es im allgemeinen Sprachgebrauch auch auf einen Nenner bringen: Da standen die Assis – und wenn sie nicht gestorben sind, dann stehen sie da noch immer! Bevor mir da jetzt einer mit politisch korrekten Floskeln kommt, daß das doch alles arme, gescheiterte Existenzen seien, die Hilfe brauchen, deren Alkoholismus eine Krankheit ist, blablabla… die ganze gutmenschliche Linksparteirhetorik eben, sei mal darauf hin gewiesen, daß mir das in diesem Fall wumpe ist! Wir reden hier nicht über Leite, die sich irgendwo Schnapsflaschen verstecken um unbemerkt vom Partner oder Kollegen über den Tag zu kommen. Wir reden her von Leuten, die sich vermutlich schon am Vormittag an einer Laderampe treffen, ein Billigbier nach dem anderen zünden und mit zunehmendem Pegel wahrscheinlich noch Passanten belästigen. Das habe ich bei diesem Grüppchen zwar noch nicht beobachtet, aber man muß kein Prophet sein um zu antizipieren, daß dieses Säuferkonglomerat nicht gerade defensiv mit seinen Mitmenschen umgeht. Außerdem ist das ja eher ein globales Phänomen, das sich seit meiner Schulzeit entwickelt hat. Diese Truppen gab es schon Mitte der 90er an der damaligen Kaufhalle neben meiner Schule – was das Warten auf den Schulbus natürlich nicht gerade angenehmer machte. Als auch auf dem Marktplatz – wenn man mal länger als 6 Stunden hatte, dann stand man halt an der Haltestelle des ÖPNV und keine 10 Meter hinter einem soff sich der hitlertreue Vollassi aus dem BVJ noch mehr Dummheit an um sich dann mit Siebt- und Achtklässlern anzulegen weil ihm deren Ranzen nicht passte. Ja, das war eine helle Freude – besagte Mauer, welche diesem Gesindel als Tresen dienste, war auch nur noch als “Assimauer” bekannt und so ziemlich jeder war heilfroh, als die Bushalte irgendwann mal auf die andere Seite des Marktplatzes verlegt wurde. Ich frage mich einfach, ob das sein muß!? Mir wäre daher auch weitestgehend egal, wenn man ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen erläßt und das das dann auch entsprechend durchsetzt.

Ich verstehe es grundsätzlich schon mal nicht, was Menschen dazu bringt sich jeden Tag an einer Laderampe mit anderen Wracks zu treffen und sich gemeinsam die Synapsen zu desinfizieren. Es ist ja nun auch nicht die malerischste aller Gegenden, da an der Laderampe. Ab und an sieht man eine dieser Figuren dann auch noch, alkoholisch enthemmt oder einfach nur naturdoof – die Grenzen verschwimmen da –, irgendwo am Gehweg stehen und in die Rabatten schiffen. Auch im Gebüsch (das ab dem Spätherbst natürlich einen erstklassigen Sichtschutz bietet) selbst hat man einzelne schon hocken sehen… während ein paar Meter entfernt auf dem Gehweg Mütter mit ihren Kindern spazieren gingen. Es gibt Leute, die würden das nun als “alternativen Lebensstil” beschreiben und Leute wie mich, die das einfach mal scheiße finden, daß solche verkrachten Figuren auf Schulwegen rumlungern, moralisch für ihre Intoleranz maßregeln. Außerdem wäre dann wieder “der Staat” Schuld in deren Weltbild – nicht die armen Assis. Diese Leute finde ich aber doof! Warum? Weil das Hippies sind! Nur mal kurz zum Durchdenken: Kommt “der Staat” denn hier an den Getränkemarkt – es muß ja nicht gleich der ganze Staat sein, der Friedrich die Truppenursel würde ja schon reichen – also kommt die Truppenursel persönlich hier an den Getränkemarkt und erteilt Alko-Adolf und seinen Kumpanen den Auftrag, sich ab jetzt täglich vor besagtem Lieferanteneingang die Kante zu geben? Begründet “der Staat” – also in unserem Beispiel die Ursel – das mit einem finalen Salut und der Parole: “Fürs Vaterland, meine Herren!”? Ich kann es zwar nicht beweisen, aber ich glaube, daß dem nicht so ist. In meiner Welt entscheidet jeder selbst, ob er sich und seinen Alkoholismus SO öffentlich zur Schau stellt. Da kann der Staat auch nix für. Wo er allerdings was dafür kann – hier komme ich auf das Alkoholverbot zurück – ist in der Eindämmung dieses Public-Drinkings. Das muß man sich dann schon anhören in Berlin wie ich finde.

Aber: Vielleicht ist alles auch ganz anders! Als wir gestern an diesem alkophilen Konglomerat vorbei fuhren, da entwickelten wir einen alternativen Erklärungsansatz – nein, vielmehr eine Vision. Ein Geschäftsmodell! Ja, das ist es: ein Geschäftsmodell!! Wir haben uns gefragt, was denn der Getränkemarktbesitzer davon hält, daß an seiner Saufhalle Krethi und Plethi herum lungern und potenzielle Kunden erschrecken. Einerseits wird dem das nicht gefallen, andererseits sind das ja nun auch Abnehmen für seine liquiden Wahrnehmungsverschwurbler. Auch wenn die nur die Billigplörre saufen, so macht die bloße Menge ja schon wieder Umsatz. Man müßte… man müßte den Getränkemarktbesitzern, Supermarktbetreibern und von mir aus auch allen anderen Geschäftsleuten einfach die Möglichkeit bieten, das vor/um/an ihren Geschäften herumlungernde Gesindel zu steuern. Man müßte ihnen ermöglichen, eine auf betriebswirtschaftlichen Standards basierende Auswahl zu treffen. Ein Geschäftsmann sollte die Möglichkeit erhalten mit einem detaillierten Anforderungsprofil auf eine Agentur seines Vertrauens zu zu gehen und sich von dieser beraten zu lassen. Gemeinsam erarbeitet man sich dann einen umfangreichen Katalog an Kernkompetenzen, welche die Gesuchten aufzuweisen haben und – natürlich auch wichtig – eine Liste die Einstellung begünstigender Soft-Skills! Mit diesen Vorgaben wird dann das Portfolio an erfassten, potenziellen Kandidaten – sprich die Datenbank der Agentur – gefüttert und durchsucht. Eine interaktive, intelligente Suchmatrix ermittelt basierend auf den auf sie zukommenden Aufgaben eine vorher fest gelegte Zahl an Kandidaten. Diese werden dann unter fachkundiger Begleitung von zwei Angestellten der Agentur, zwölf Gesandten der größten deutschen Brauereien und natürlich vom Geschäftsinhaber selbst unter möglichst authentischen Bedingungen einem Assessment-Center unterzogen. Aber wie gesagt: Alles nicht standardisiert, sondern immer an den konkreten, individuellen Erfordernissen des Einsatzgebietes orientiert. Wenn beispielsweise in der Stellenbeschreibung

“Sicherer Umgang mit millieuspezifischer Fäkalsprache und fundierte Kenntnisse im fachmännisch akustischen Entfernen (->dem so genannten “Fumpen”) von Kronkorken.”

wird der 43jährige, gescheiterte Bohemien, in dessen Kompetenzbeschreibung von “Deutliche Stärken im mit einem späten 1976er Bordeaux in der Hand auf Vernisagen Herumstehen und pseudointellektuell über die Pinselführung Caspar David Friedrichs Schwadronieren” die Rede ist natürlich keine Chance haben. Diese Position wird dann eher an einen Durchschnittsproleten gehen – was auch angesichts des in der Ausschreibung beschriebenen “Sozioökonomisch stark dezentral gelegenen und von niedrigem Lohnniveau geprägten Einsatzort” nicht weiter verwundert. Da passt ein Mittfünfziger Vokuhilaträger mit Oberlippenbart und knallengen, verdreckten Jeans der Marke “Testikeltod” einfach rein optisch schon besser hin als unser oben beschriebener Hornbrillenträger in seinem abgewetzten Cordanzug. Mit dem locker um den Hals geworfenen, schneeweißen Schal würde er die potenzielle Kundschaft da wohl eher irritieren als unterschwellig die “außergewöhnlich niedrige Qualität bei entsprechendem Preisniveau der dargebotenen Getränke”  optisch-unterschwellig an sie zu vermitteln. Auch könnte er nicht mit dem zur Basisqualifikation gehörenden, laut röhrenden Rülpsruf paarungswillige Dauerwellenträgerinnen aus den umliegenden Plattenbauten anlocken, welche dann dem Getränkemarkt durch den Kontexteffekt des Balzsaufens einen Absatzanstieg bei mit Frostschutzmittel gestrecktem Rosé-Wein aus dem Tetrapack bescheren. Nein, das kann 80s-Olaf mit dem Plastekamm in der Arschtasche deutlich besser; er passt einfach auf das Anforderungsprofil wie der sprichwörtliche Arsch auf den Nachttopf!

Die Stunde unseren verkappten Connaisseurs der feinen Künste wiederum schlägt dann, wenn man ein “feierfreudiges, jedoch gleichzeitig kulturell bewandertes Statistenpublikum” für eine “Veranstaltung im gehobenen intellektuellen Segment” sucht, das seinen Alkoholkonsum “mit Einsatzbereitschaft und Ausdauer über den Abend hinweg zu steigern fähig ist ohne dabei behavioristisch die Grenzen des guten Geschmacks zu sprengen”. Natürlich werden die konsumierten Alkoholika in jedem der geschilderten Fälle über ein großzügig ausgestattetes Spesenkonto vom Auftraggeber abgedeckt. Jedoch ist der Maximalpreis des einzelnen Getränks strikt reglementiert. Assi-Olaf braucht gar nicht zu versuchen, ein Bier zu erwerben, das mehr als 40 Cent pro Flasche kostet – wohingegen unserem Anspruchssäufer kein Wein unterhalb eines Flaschenpreises von 45,89€ angeboten wird. Stellt sich ein Unternehmen ganze Grüppchen zusammen, sollte man natürlich auch die Gruppendynamit beachten. Beim Bohemien kommt es vor allem auf unterschiedliche Weltsichten innerhalb des Teams an, damit ein “fruchtbarer, intellektueller Diskurs mit den offiziellen Gästen der Veranstaltung” stetig am Laufen gehalten wird. Bei einer Rotte Prollo-Bollos kommt es lediglich darauf an, daß zwei Teilnehmer sich hin und wieder prügeln oder wenigstens lauthals mit “Kraftausdrücken einer von uns mit Absicht moralisch nicht weiter reglementierten Kategorie” anschreien.

Mit diesem Modell könnte man mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Man würde diese Trupps von Leberlöchrigen einer geregelten, sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit zuführen. Sie wären als diese dann auch über ihre Arbeitgeber versichert und müssten im Sinne der Funktion, die sie als Mitarbeiter, ja Aushängeschild der Firma auch von Pöbeleien gegen Unbeteiligte absehen, sofern sie nicht einen Rüffel vom Chef riskieren wollen. Das würde die Welt sicherer machen! Die Arbeitszeiten wären geregelt und durchaus auch flexibel. Bei vorabendlicher Präsenz bis 22:00 Uhr mit anschließendem After-Work-Bierchen, kann keiner verlangen, daß man bereits 8:00 Uhr am Folgetag wieder auf der Matte steht. Es liegt ohnehin in der Natur der Sache, daß es vornehmlich Spät- und Nachtschichten gibt. Wir kämen der Vollbeschäftigung näher und obendrein würde man einen vollkommen neuen, revolutionären Wirtschaftszweig etablieren – ein Wachstumsbranche, welche nach kurzer Zeit mit Börsennotierungen im Bereich der T-Aktie von Applepapieren von sich Reden machen wird.

Wir werden Montag mal bei der SAB anrufen und fragen, ob man dieses Geschäftsmodell kofinanzieren würde – nur die ersten 2-3 Wochen, bis es Gewinn abwirft eben. Vielleicht gibts ja sogar Fördergelder von der EU; bescheuerter als das, was die sonst fördern ist die Idee auch nicht.

Zwinkerndes Smiley

Donnerstag, 13. Februar 2014

BLACK CELEBRATION–Depeche Mode in Dresden, 12.02.2014

 

Es ist schon eine seltsame Sache, das mit dem Altern. Man macht plötzlich Dinge, die man vor 20 Jahren noch nicht für möglich gehalten hätte – und hat auch noch verdammt viel Spaß dabei. Gestern war es bei mir wieder mal so weit. Ich erinnere mich noch, wie ich Anfang der 90er Depeche Mode wahr nahm; das war ganz anders als heute. Damals waren das noch “die dunklen Typen mit ihrem Elektrozeugs”, deren Fans immer mit leicht depressivem Äußeren herum latschten und mit Vergangenheits-Even und seiner Fixierung auf Alternative- und Hardrock so gar nicht vereinbar schienen. Ich mochte das eine oder andere Lied, keine Frage, aber irgendwie passte es nicht. Außerdem war ich ein ziemlicher Musiknazi und alles was irgendwie “Synthie” hieß oder auch nur andeutungsweise Elektrozüge trug, das kam gar nicht in die Tüte oder wurde (wie DM) nur heimlich gehört. Was aus den 80ern kam fand ich ja obendrein sowieso total Moppelkotze! Jetzt fielen Depeche Mode zwar nicht wirklich in die oben genannten Kategorien, aber dennoch genug, daß die Bravo-Aufkleber eher verschenkt als zur optischen Aufwertung des Schulmaterials genutzt wurden. Binnen der letzten 10 Jahre habe ich die Kerle aber nun richtig schätzen gelernt. Ich hörte ihre Musik, und entdeckte, daß sie eigentlich verdammt gut sind die Herren! Melodisch dürfte das so ziemlich die beste Band sein, die derzeit noch aktiv herum tourt und live eine Urgewalt. Auch überwand ich die allgemeine Aversion gegen Elektrokram und Synthies mit der Zeit, weil es eben auch – wenn man es zuläßt – eine Menge musikalische Vielfalt bietet. Ich sage nur Emiliana Torrini, selbst Pearl Jam haben einen ihrer größten Midtemposongs mit einem Hauch Elektrogelumpe fabriziert. Die Mauer bröckelte so langsam und so entwickelte sich der Drang, DM auch mal live sehen zu wollen. Nachdem ich die Stadiontour letztes Jahr nicht mitmachen konnte wurde aus “sehen wollen” gar ein Derivat von “sehen müssen”. Im Endergebnis war es schon fast tragisch, daß ich im VVK für die Hallentour leer ausging. Dann kam noch dazu, daß die Kleine Schwester, mit der ich solcherlei Events im Normalfall aufsuche und die sich tierisch gefreut hätte die Herren live zu sehen, zur Tourzeit im Ausland weilt. Dann aber, dann erkämpfte sich selbige eine Karte für die Show der Herren in Turin und geht alleine ohne mich da hin! So eine Sauerei! So etwas konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Zwinkerndes Smiley 

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Ich erwarb nach mehreren erfolglosen Anläufen und dem noch viel erfolgloseren Unterfangen bei Radio Jump Karten zu gewinnen bei ebay durch eine glückliche Fügung ein Ticket. Ehrlich gesagt hätte ich nicht mehr damit gerechnet – schon gar nicht unter Einhaltung meiner selbst gesetzten, allgemeinen Schmerzgrenze beim Ticketpreis. Da gingen Karten für 250 Tacken weg, was weit mehr als doppelt so hoch ist wie genannter Schwellenwert. Jedenfalls bot sich die Chance und ich schlug zu! Das war vor ca. anderthalb Wochen und seither klemmte die Karte an meiner Pinwand.

Gestern wurde sie von dieser entfernt und – was auch ein wenig kribbelig war – vor Ort eingesetzt. Kribbelig deshalb, weil ich bei ebay-Karten immer die unterschwellige Befürchtung hege, daß man mich behummst hat. Hatte man aber nicht! Ich betrat also die Messe im Elbflorenz und suchte mir erst einmal eine etwas abgelegene Garderobe um nachher auch zügig wieder weg zu kommen. Auf mehrstündigen Stop-and-Go-Verkehr wie nach dem Boss in Leipzig hatte ich keine Lust. Ich organisierte mir ein Bierchen und ein Tourshirt, welches umgehend angelegt wurde, da ich keinerlei passende Oberbekleidung im Reservoir hatte und daher mit Monster Magnet Shirt anreiste.

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Ich schlenderte ein wenig umher und begutachtete die Location. Schön ist anders! Gegen diesen kubischen Funktionsbau hat sogar die O2 World in Berlin (eine MuFu-Arena modernster Prägung) noch richtig Charme. Aber egal, ich sollte hier ja keine Architekturpreise vergeben. Als es noch 15 Minuten bis zu Vorband waren brach ich auf um mir mein Plätzchen auszusuchen. Ich stand halblinks vor der Bühne und fand es komisch – also auf zur gewohnten Seite. Schon besser. Dann noch so weit nach vorn rücken wie möglich. Ich schaffte es immerhin bis ins vordere Drittel der Halle, wobei davon ein Großteil ja auch schon vom FOS in Beschlag genommen wurde. Ich leerte mein Radeberger und war froh, kein zweites trinken zu können – furchtbare Plörre! Alsbald betrat “The Soft Moon” die Bühne. Ich hatte nicht mit einer Vorband gerechnet, als ich vor ein paar Tagen aber sah, daß es eine gab, da war ich gespannt. Die sind ziemlich gut, gerade als Pusher für Depeche Mode sind die fast optimal gewählt. Die ersten drei Songs fand ich eher noch schwach, dann steigerten sie sich aber rapide und der letzte Song war einfach nur ein richtig mitreißendes Stück Musik! Wenn man bedenkt, was ich mitunter als “Vorband” erdulden mußte in den letzten Jahren (ich sage nur diesen Onkels-Kasper auf Solopfaden bei Motörhead… ), dann war das definitiv oberes Tabellendrittel. Als die Lichter wieder an gingen steigerte sich die Vorfreude um mich herum schlagartig. Die Überbrückungsmusik wurde eingedudelt und ging ca. 20 Minuten vor Beginn in ein laut hämmerndes Vorintro über. Per Internet fand ich heraus, daß es sich um eine leicht geremixte Version von “Bad Choice” eines gewissen Mike Duz handelt (ihr wiß´t ja selber, wo ihr das findet Zwinkerndes Smiley ). Der Song bringt echt die ganze Halle schonmal ordentlich auf Betriebstemperatur und es hat auch seine Gründe, warum man dieses Ding dann gleich ordnungsgemäß aufdreht. Das Ding erzeugte einfach eine richtig großartige Atmosphäre um einen herum. Die Bude war schon dezent am Köcheln bevor Depeche Mode auch nur einen Fuß auf die Bühne setzten. Ganz großes Tennis dieses Ding, vor allem weil es diesen passiv agressiven Unterton mitschwingen hat und die Erwartung nur noch mehr nach oben heitzt. 

Nachdem das gute Stück schier unendlich über uns hinweg gestampft war, erloschen die Lichter und es wurde vom offiziellen Intro abgelöst. Spätestens als Dave Gahan die Bühne betrat rastete alles, was sich vor mich befand komplett aus. Die Lichtmaschine wurde angeworfen und die drei Großbildschirme wurden mit pulsierenden, bunten Kringeln zum Leben erweckt. Was nun folgte war mit “Welcome to my World” ein sehr minimalistischer Einstieg in den Abend. Dave hatte von Beginn an seinen Schalter auf “Rampensau” gestellt und brauchte entsprechend auch nicht lange, bis er die Halle im griff hatte. Spätestens, als er vor “Angel” das Jäckchen ablegte war es doch um die weiblichen Anwesenden geschehen. (BTW: Ein Brauch, den ich wohl nie verstehen werde: Mann zieht Jacke aus, alle drehen am Rad… *wft*?!? Bei mir klappt das irgendwie nie.) Jedenfalls haben DM eine ähnlich fanatische Anhängerschaft wie Pearl Jam oder der Boss, was da abging – und zwar quer durch die Halle – hatte schon was von einer Kollektivhuldigung. Jedenfalls folgte “Angel” mit ähnlicher Intensität wie der Einstieg und Gahan begann so langsam motorisch warm zu werden. Die Untermalung auf den Videowänden war einfach nur perfekt abgestimmt. Depeche Mode sind mehr Gesamtkunstwerk als reine Konzertband – ohne dabei aber überladen zu wirken. Es war eine Augenweide. War der Saal bisher schon gut dabei, zündete das großartige “Walking in my Shoes” nochmal den Nachbrenner. Das Ging schon mit dem variierten Intro los und als dann offensichtlich wurde, was kommt, platzte die Endorphinbombe. Refrains wurden mit nach oben gerissenen Armen mitgesungen, es wurde geklatscht und getanzt. Der absolute Hammer, diese Liveversion. Da hörte man den Perfektionismus beim Arrangement der Livestücke heraus und das war auch verdammt gut so. Das Level wurde dann mit “Precious” und dem wunderbaren “Black Celebration” weiter oben gehalten. Als dann noch “Policy of Truth” kam – eines meiner Highlights des Abends – war es die reinste Freude sich genau zu diesem Zeitpunkt in genau dieser Halle zu befinden (egal wie grottenhässlich sie auch sein mag). Man konnte gar nicht anders als sich von der schon fast sakralen Stimmung anstecken zu lassen, die DM da aus dem Zuschauerraum entgegen schwappte. Weltklasse! “Slow” und “Blue Dress” bildeten da schon einen Kontrast in ihrer ruhigen Art. Auch wenn es Gerüchten zur Folge vor allem dazu da ist, das Ego von Martin Gore zu streicheln ist dieses von ihm dargebotene Songduo schon ganz groß! Verschnaufen, einfach treiben lassen und am Ende – den Martin feiern! Ich verstehe nicht, wie einheimische Schrottmedien (Freie Presse) das als “Stimmungsbremse” bezeichnen können. Wir sind hier nicht beim Speed Metal, meine Herren! Danach waberte “Heaven” durch die Halle. Ich mochte den Song noch nie so richtig, der – verzeihung – “verreckt” immer kurz bevor er so richtig Fahrt aufnimmt habe ich das Gefühl. “Heaven” und ich, wir werden einfach keine Freunde, aber man muß ihm zugute halten, daß es live dann doch so einiges an Atmosphäre erzeugen kann das Liedchen. Dave war mittlerweile im Erlösermodus angekommen und praktizierte fleißig die Jesus Christ Pose oder stiefelte mit seinem Mikrofonständer über die Bühne wie ein Zinnsoldat. Dann folgte “Behind the Wheel” und zog auch bei mir wieder umgehend an der Begeisterungsschraube. Ein toller Song, der noch so richtig schön mit der Lightshow verschmilzt. Und um mich rum alle so: “klatsch, klatsch, klatsch, *durchdreh*”! Zwinkerndes Smiley Hehe, und das blieb bis zum Ende des Mainsets so. Absolute Euphorie in der Halle – und ich konnte es verstehen. “A Pain that I’m used To” in einer Remixversion wirkte zwar ein wenig befremdlich, kickte aber die Stimmung nochmal anständig nach vorne. Die Schlußtroika des Hauptteils killte dann auch den letzten Funken Zurückhaltung im Publikum. “A Question of Time” marschierte mit seinem unnachahmlichen Drive durch die Halle und die Glieder sämtlicher Anwesenden und wurde von “Enjoy the Silence würdig abgelöst. Unbeschreiblich, diese zwei Songs und die Stimmung in der Halle. Dann brach “Personal Jesus” als Closer des Mainsets zunächst mit angezogener Handbremse die Stimmung kurz um dann nur umso heftiger zu detonieren. Was für ein Abschluß. Dave gab nochmal den Bühnenderwisch und wackelte zum gefühlt 200. Mal exzessiv mit dem Gluteus Maximus. Unglaublich energetischer Schlußpunkt!

Die Zugabenpause war kurz, so konnte man nur mal kurz durchatmen und sich sortieren, bevor die Herren wieder die Bühne enterten. Mit “But not tonight” wähle man wieder einen ruhigen Einstieg, nach welchem Martin Gore nochmals anständig gefeiert wurde und dies auch sichtlich genoß. Das folgende “Halo” war dann eine verträumte Ballade, die nochmal alles hervor holte, was Depeche Mode im ruhigeren Segment so auszeichnet. Dave wie immer voll dabei und sehr expressiv auf der Bühne. Den Kerlen nimmt man bei allen technischen Spielereien der Show einfach ab, daß sie mit dem ganzen Herzen dabei sind – vorbehaltlos. Danach hämmerte man mit einem treibenden Beat “I just can’t get enough” ein – nächstes persönliches Highlight. Hier war die Stimmung dann wieder am absoluten Siedepunkt. Es war eine helle Freude das zu hören und mit zu gehen. Zumal es, das merkte man, so eine Art kollektives Motto der Zuschauer war zu diesem Zeitpunkt. Wahnsinn, wie umfassend diese Band ihre Zuschauer in ihren Bann ziehen kann. Mit “I Feel you” schob man dann gleich den nächsten Song mit Potenzial zur Massenbewegung hinterher. Um einen herum nur klatschende, singende, tanzende Menschen und vor einem eine Band im Duracellmodus mit richtig schöner Lightshow. Leider war man nun schon am Ende des Abends angekommen und leitete aus den von Dave genüßlich dirigierten “oooooooooooooooohhhhhhhhh-ohhhh; oooooooooooohhhhhhhhhhhh-ohhhhh!” Chorälen des Publikums langsam in den Closer über. Die ersten entfernten sich da schon aus der Halle um pünktlich vom Parkplatz zu rollen – sie waren selber Schuld! Dieser Song war nochmal ein würdiges Highlight zum Abschluß. Alle gaben nochmal alles – absolut alles sogar. Sowohl Band, insbesondere der flummihaft agierende Dave, als auch Zuschauer gaben nochmal alles was Bewegungsapparat und Stimmbänder noch her gaben. Noch so ein Highlight des Abends. Was für ein Song – was für eine Show!!!

DM1

Als ich überraschend zügig wieder heim gekehrt war – trotz Massenparkplatz und gering dimensionierten Ausfährtstraßen – war ich immer noch ein wenig geflasht. Erschöpft, durch geschwitzt, aber mal wieder so richtig happy! Konzert Nummer zwei des Jahres 2014 wird einen Ehrenplatz erhalten in meiner Vita. Depeche Mode live gesehen zu haben, das sollte sich jeder mal antun. Auch wenn man noch ähnliche Vorbehalte hegt wie ich vor 20 Jahren, so wird es einen zwangsläufig überzeugen, wenn er diese Jungs live sieht. Es gibt nicht mehr viele Bands, die e drauf haben solche Shows mit derart zeitloser Musik zu bieten. Es sind momentan ungefähr eine Hand voll um genau zu sein. Und es werden auch nicht mehr – schaut euch nur mal um. Es war ein denkwürdiger Abend mit jeder Menge Freude und Spaß an der Musik. Depeche Mode sollten sich jetzt ein wenig erholen vom gestrigen Abend – damit sie am Dienstag in Turin dem Affen wieder ordentlich Zucker geben können! Wenn das Konzert in Fiatland das gestrige nicht toppt, dann überlege ich mir das mit der Synthieabneigung nämlich noch einmal! Zwinkerndes Smiley

Donnerstag, 6. Februar 2014

MUSSOLINI VS STALIN

(Gogol Bordello)

Die nächsten Wochen werden wieder anstrengend für den gesunden Menschenverstand, es sind mal wieder Olympische Spiele. An sich ja nix Schlimmes. Ich finde diese Wettkampfübertragungen durchaus kurzweilig bis interessant und wann hat man denn als Mann schon mal eine plausible Entschuldigung dafür – von der Gelegenheit ganz zu schweigen – sich solcherlei Boomsportarten wie Eistanzen oder Curling rein zu pfeifen? Fragt die um den Testosteronspiegel besorgte Frau dann “Warum?”, dann kann man argumentativ mit “Das ist Olympia… OLYMPIA!!!” sämtliche Diskussionen im Keim ersticken. Das ist ein wenig wie bei ner Fußball-WM. Auch da fände man keinen rationalen Grund dafür sich das Vorrundendebakel von Guatemala gegen die haushoch überlegenen Kicker aus Burkina Faso anzutun – außer halt, daß es “WM ist… HAAAAAALLLOOOOOOOO, WM!!!!!”. Die besonders wortgewandten Zeitgenossen unter uns fügen dann noch ein “Alle Spiele! Alle Tore!” mit an. Prösterchen und Bierchen auf! Von daher bieten diese internationalen Sportwettkämpfe im Schneeschuhfahren, Kufengleiten und Schlittenfahren einfach eine vortreffliche Gelegenheit die Zeit vor der Glotze tot zu schlagen. Irgendwie ist das ja auch spannend, selbst, wenn man die Sportarten an sich nicht wirklich versteht und/oder um kein Geld der Welt selber ausüben würde. So weit, so gut.

Allerdings ist es nun in Deutschland schwierig geworden, sich als Bürger unbeschwert an etwas zu erfreuen. Der Deutsche muß 1. planen und 2. meckern. Sonst ist er nicht wirklich glücklich. Wozu Planungswahn führt, das zeigt ja der geradezu irrsinnige Optimierungswahn der Baupläne, den es bei BER gab. Als Ergebnis kann man sagen, daß der Flughafen zwar noch nicht fertig ist, aber wenn er es wäre, dann wäre er besser als wir es uns vorgestellt hätten bevor er überhaupt geplant gewesen war. Verwirrt? Macht nix – ich habe den Satz auch 423 Mal nachgebessert… um ihn zu optimieren natürlich. Außer Flughäfen wollen wir auch noch alles andere planen – Medaillen zum Beispiel. Früher schickte man eine Hundertschaft kerniger Burschen und fescher Mädels ins Ausland, drückte ihnen ein paar Holzlatten oder getunte Hörnerschlitten in die Hand und sagte sinngemäß “Macht mal!” Wenn die dann wieder kehrten, schaute man sich an, was sie um den Hals hängen hatten und freute sich. Als Prämie gabs noch nen Jahresvorrat Adidas-Schlüpfer (ab Werk gleich mit drei Streifen) oder nen halben Wartburg überreicht, je nachdem, für welches Bruchstück unserer schönen, bunten Aktualrepublik man die Skischuhe schnürte. Heute ist das anders. Damals gab es zwar auch schon so etwas wie “Funktionäre”, allerdings beschränkten die sich aufs Funktionieren. Heute sind das glatt geschmirgelte Pseudopolitiker, die ihre Prioritäten von Interessenverbänden “nahe gelegt” bekommen und ihre eigens für den Job zugelegte Profilneurose vor laufenden Kameras ausleben müssen. Da schiebt sich dann ein gut genährter 150 Kilo Brocken im Armani-Anzug vor die Mikros und beschwert sich, daß die Skispringer “hinter unseren Erwartungen zurück” bleiben würden. Man habe mit mindestens fünfunddrölfzig Medaillen gerechnet, was die Herren ja mit ihrem popeligen Silberrang im Teamwettbewerb ja wohl mal sowas von verfehlt hätten. Man möchte in den Fernseher hinein springen und den Moppi höchst persönlich auf die Schanze zerren, wo man ihn in einen hautengen Ganzkörperanzug preßt, Skier unterschnallt und ihn dann vom Backen schubst. Während er dann die Anlaufspur hinunter purzelt will man ihm hinterher rufen “Und jetzt fliiiiiiiieg, Goldhoffnung! ZIIIIIIIIIIIIIEEEEEEHHHHHHHH!!!!!!”

Dieser Blödsinn grassiert in allen Sportarten. Ich finde es ja schon pervers, daß Medaillenerwartungen festgezurrt und Förderung davon abhängig gemacht wird. Viel Edelmetall = viel Förderung; wenig Edelmetall = “hier hast nen Fuffi, jetzt kauf dir selbst nen Bob, du Null!” Das ist doch paranoid. Vor allem wird dann noch breit getreten, was man erwartet hat und was erreicht wurde. Bedeutungsschwer wird dann mit ernster Mine eine “Neuausrichtung der Förderstrukturen” gefordert. Da wird kritisiert, daß die hohen Erwartungen, die man in die Sportler gesetzt habe, nicht erfüllt wurden. Da werden dann, auch 2014 wird das sein, Sportler in die Mangel genommen und müssen sich rechtfertigen, warum sie nicht gewonnen haben. Sie seien doch “bis dahin im Weltcup führend” gewesen und “ausgerechnet zum Saisonhöhepunkt” habe sie eine unerklärliche Formschwäche ereilt. Medialer Liebesentzug geht damit dann freilich einher. Man sollte den Herren Funktionären mal zu bedenken geben, daß da auch noch so ein bis zwei andere Nationen mitmischen bei den Wettkämpfen. Es ist jetzt nicht so ganz unwahrscheinlich, daß diese sich trotz der deutschen Gegnerschaft auch ein wenig anstrengen und im Zweifelsfall ein oder zwei Medaillen holen wollen. Ich sags ja nur, daran sollte man denken – auch wenn es vielleicht nicht unbedingt offensichtlich ist. Die Medien, insbesondere die besonders niveauarmen Schrottblätter (… Moment, warum eigentlich Plural an dieser Stelle, sagen wir doch gleich “BILD”), springen auf den Zug auf und hauen einem permanent den Medaillenspiegel um die Ohren. Nach dem Motto: “Guckt, jetzt hat sogar Ruanda schon drei Mal Bronze und wir…?!?” Ich finde das nervtötend und bescheuert!

Die Kehrseite der Medaille (auf dieses vorhersehbare Wortspiel bin ich jetzt nicht stolz, mir fiel hat nix anderes ein) ist dann, daß man sich wundert, wenn der eine oder andere Sportler sich unter dem Druck ne Pulle Dopingmittel in die Venen jagt um diesem Blödsinn zu entgehen. Ich will das jetzt nicht gut heißen, aber wenn diese Erwartungshaltung medial geschürt wird und auch absehbar ist, daß Sieger mit Werbespots für Abführtabletten oder Matratzenschoner finanziell abräumen in der Folge, dann soll man doch bitte diese Doppelmoral sein lassen. Wer heutzutage noch an “sauberen Sport” glaubt, der ist doch eh nicht mehr zu retten. Medial ist das doch wie bei der Tour de France. Erst wurde Ullrich niedergeschrieben, weil er hinter Armstrong “nur” Zweiter wurde und hinterher wollte es wieder keiner gesendet haben, als heraus kam, daß da im Prinzip hundertachtzig Pharmalobbyisten durch die Provence rollten.

Der zweite Punkt, der des Meckerns, ist ähnlich ballaballa. 2007 vergab man die Olympischen Spiele nach Sotschi. Warum man das tat, das wird wohl auch nur das IOC wissen. Aber so lange es die FIFA gibt, wird man ja ohnehin noch einen Verein haben, der noch absurdere Entscheidungen fällt und einen dadurch noch recht vernünftig wirken läßt. Jedenfalls stellte man nicht nur hierzulande unmittelbar nach der Vergabe (so etwa im Dezember 2013) vollkommen überraschend fest, daß Sotschi in Russland liegt. Urplötzlich sah sich die selbst ernannte “kritische Öffentlichkeit” damit konfrontiert, daß wider Erwarten Korruptionsvorwürfe aufkreuzten. Auch mußte man fest stellen, daß “grüne Spiele”, wie sie sich jeder wünschte, irgendwie doch nicht zu Stande kommen werden. Die werden eher so plattenbaugrau sein. Auch tauchten plötzlich Meldungen über Enteignungen auf und man sah beunruhigt zu, wie die Russen den Spielen alles unter ordneten. Dann, was die wohl größte und unvorhersehbarste Entwicklung in der Causa Sotschi war, entdeckte ein investigativ recherchierendes Kamerateam urplötzlich eine Schwarzmeerküste bei Sotschi und deckte auf, daß es sich unter Umständen um einen so genannten “Badeort” handeln könnte. Sotschi ist traditionell praktisch wie geschaffen für Winterspiele. Das IOC reagierte überrascht und schickte eine Hundertschaft von phrasendreschenden Grußaugusten vor die Kameras der internationalen Presse. Die erklärten dann, daß doch alles voll supi ist und die Spiele die schönsten, prächtigsten, größten und überhaupt megageilsten Sportfestveranstaltungen der Geschichte werden würden. Das Interessante ist, daß sich die Weltöffentlichkeit davon blenden läßt. “Ach soooo, das ist gar nicht so schlimm sagt der nette Opi mit der Rolex und dem Belugakaviar im Mundwinkel. Na, der wird es ja wissen, der ist schließlich objektiv!”  Und natürlich geht es nicht nur darum, daß beim IOC und den Sponsoren der Rubel rollt, das ist in erster Linie ein Fest des Sports! Aber wehe, unsere Athleten holen zu wenige Medaillen!

Aber das IOC hat Glück gehabt! Nicht auszudenken, was es für Fehlentwicklungen, Umweltsünden und (igittigitt) Korruptionsskandale im Vorfeld der Spiele gegeben hätte, wenn diese nicht unter der Fuchtel wohlwollenden, am Gemeinwohl orientierten Egide eines lupenreinen Demokraten organisiert wurden wären.