Montag, 15. August 2011

WHISKY IN THE JAR

(Metallica)

Liebe Männer,

ich wende mich hier und heute in einem offenen Brief an euch um euch die Grenzen unserer Existenz und gleichzeitig deren Überwindung zu vergegenwärtigen. Zunächst sollten wir aber die Zielgruppe aus ästhetischen Gründen ein wenig eingrenzen. Alle unter euch, die:

1. Noch nie DMAX geguckt haben
2. Schminkprodukte im Schrank stehen haben
3. Sich und ihren Körper für Modetrends prostituieren (-> „Hipster“)
4. Keine Ahnung haben wer oder was ein „Lemmy“ ist
5. … oder beliebige Kombinationen von 1-4 aufweisen

… sollten jetzt lieber schnell zu www.vegan-wonderland.de wechseln und sich mit Analogkäseersatz eindecken. Das ist für euch obendrein sicherer als sich hier mit literarischem Testosteron in einen katatonischen Schockzustand versetzen zu lassen… ihr Susis!
So, nun, da hier ordnungsgemäß ausgesiebt wurde, möchte ich das Wort wieder an die Männerwelt richten. Jungs, wir müssen mal reden! Ihr kennt das doch auch: Man hat sich seine Wohnung eingerichtet und das ist hygienisch betrachtet zwar alles nicht unbedingt OP-tauglich, aber doch zutiefst praktisch und einer inneren Logik gehorchend. Beispielsweise habt ihr eine eigene Zimmerecke für dreckige Socken eingerichtet, welche diese räumlich doch klar von Hemden oder Bandshirts separiert. Ramsch, Leergut und Fast-Food-Verpackungen haben ähnliche Reviere zugewiesen bekommen und mittendrin lebt ihr. Wir reden hier von einer Zeit, die allgemein als „Studium“ bezeichnet wird und in welcher sich die Grundstrukturen maskuliner Selbstorganisation heraus bilden. Hat man das so genannte "Studium" irgendwann einmal durchlaufen, dann behält man das grob bei, wird aber ein wenig… wie soll ich sagen… inkonsequenter was die Quantität der Selbsteinramschung angeht. Aber die grundlegenden Ordnungsschemata bleiben erst einmal. Man bewahrt aber nicht mehr so viele Sachen in einer anarchistischen Anordnung „im Raum“ auf sondern kann sich das eine oder andere zusätzliche Möbelstück (zum Beispiel einen Küchenschrank) zum Verstauen leisten. Gut… man richtet sich also ein. Dann zieht man mal um – soll ja vorkommen – und organisiert wieder ein wenig um, woraufhin aus dem Küchenschrank ein Balkonregal für allerlei Gärtnerramsch wird. (Selbstredend hat man derweil die Kochnische ein wenig aufmunitioniert was Stauraum und optischen Anspruch angeht.) Dabei ist aber die immanente Grundstruktur der männlichen Ordnungssystematik nach wie vor stilprägend. So weit, so gut.
Nun kommt es aber vor, daß man eine Freundin hat, die einen bisweilen besucht und der es schwer fällt, sich in das männliche Ordnungssystem mit all seinen ausgeklügelten Feinheiten einzuarbeiten. Man versucht zu vermitteln, zu erklären und zu helfen… zwecklos. Irgendwie wird langsam die eigene Lebenswelt von einer Fremdordnung kolonialisiert. Das Perfide daran ist, daß das oft sogar besser und praktischer ist, wie man zugeben muß. Also behält man es bei, zumal man die Verantwortliche für diese Umstrukturierungsmaßnahmen ja im Grunde genommen voll super findet. Man gesteht zwar nicht offen ein „Oh, super Schatz! Du hast vollkommen recht!“ , aber man denkt es zumindest und behält die neue Organisationsform stillschweigend bei.
So ungefähr verhielt es sich auch mit meinem ehemaligen Küchenregal. Es stand seit 2 Jahren auf dem Balkon und beherbergte allerlei Gartenkram, Decken, Saatgut, Blumentöpfe, Frauenschuhe (fragt nicht mich… fragt MsPittili) und Fußballmännchen (da könnt ihr wiederum getrost eure verwunderten Nachfragen an mich adressieren). Ich fand das praktisch, denn so lag der Mist nicht sinnlos rum und vom Balkon blieb unterm Strich immer noch genug übrig. Vor etwa einem halben Jahr fing die Frau dann an das Existenzrecht dieses Schränkchens offensiv in Frage zu stellen. Der Balkon wäre viel schöner ohne, der Platz würde verschenkt und das Regal wäre ohnehin „voll häßlich“. Konnte ich erst gar nicht verstehen. Zunächst sprach der reine Pragmatismus dagegen, denn dieses Regal war praktisch. Und Birke-Furnier soll „häßlich“ sein?! Warum??? Aber mit der Zeit kam dann irgendwie doch die Einsicht. Gut, es war jetzt nicht ganz uneingennützig, immerhin löste ich durch meine Gegenmaßnahme noch ein weiteres, mich persönlich seit Jahren quälendes Problem – aber dazu später. Ich räumte also das Regal aus, verstaute den erstaunlich überschaubaren Inhalt anderwaltig (das sah immer so voll aus – und dann war da kaum was drin) und säuberte das Regal erstmal gründlich – aber wegschnmeißen? Warum? Ich ging also unter pragmatischen Gesichtspunkten die Kritikpunkte an dem Regal nochmal durch.

1. War der Balkon nun tatsächlich viel schöner.
2. Wunderte ich mich tatsächlich, wie viel mehr Platz plötzlich auf dem Balkon war.
Blieb also nur noch 3. Zu beseitigen: „Voll häßlich!“

... hatte sie zumindest gesagt, die MsPittili. Und als ich mir das Regal nun so besah… da schwante mir, was sie meinte. Es war nicht wirklich häßlich, aber eine Zierde des Raumen stellte es auch nicht gerade dar. Aber deshalb gleich wegschmeißen? Nö! Ich warf also die männliche Kreativabteilung an (es war übrigens an einem Wochenende im Juni als dies geschah) und legte mich nach getaner Entramschung erst einmal zu einem Mittagsschlaf danieder. Nach 2 Stunden schreckte ich empor und hatte eine Idee! (Das ist übrigens wirklich so passiert, ich schwööööahhh Alta!) Ich machte mir ein Käffchen um die Verkehrstüchtigkeit wieder herzustellen, schwang mich in den Igor und kaufte für knapp 20 Tacken im Baumarkt ein.
Nun seht selbst was ich geschaffen habe:




























Nicht nur, daß der Schrank jetzt auch unter ästhetischen Gesichtspunkten ganz weit vorne ist, nein, ich habe auch endlich eine Lösung für mein latentes Bücherproblem gefunden. Ich hatte einfach zu wenig Platz im Bücherregal, weil ein Großteil des Regals traditionell von meinen geliebten Single-Malts eingenommen wurde. Dabei fand ich die ganze Zeit, daß diese trotzdem nicht annähernd angemessen präsentiert werden auf diese Art. Ein Laphroaig, Balvenie oder ein Isle of Jura haben besseres verdient als im Bücherregal zwischen Fantasyliteratur und Thrillern ein wenig unter zu gehen. Sie brauchen ein eigenes Refugium – ein passend beschriftetes versteh sich! (Und welcher Schriftzug könnte passender sein als der gewählte, wenn es um Whisky geht?!)
Und so hakte ich nicht nur den letzten Kritikpunkt der Freundin auf der Liste ab, sondern erfüllte mir gleich noch den Männertraum von einer eigenen Minibar! Männer, so macht man das!

Es grüßt euch

Der Even


PS: Oh, super Schatz! Du hattest vollkommen recht! :-)

PPS: Um euch die fraglos anstehenden Lobpreisungen ob der Großartigkeit meiner Problemlösungsstrategie zu erleichtern, habe ich die Kommentarfunktion extra frei geschaltet… keine blöde Buchstabenabfrage mehr, also lebt euch aus! :-D

Kommentare:

  1. Ähh... Darf ich dich daraus aufmerksam machen, dass du dein Bücherregal jetzt zu gestellt hat? Oder du hast Wandplatz geschaffen, von dem ich nichts wusste.

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  2. Und nur mal so als Frage: WER entstaubt das??? Weil auf dem Weiß sieht man jeden Fussel?

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  3. ... ich wußte doch, daß es dir gefällt!!! ;-)

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  4. Zum Thema "zugestellt": Wie man erahnen kann (rechts) hat ein Basketball noch REICHLICH Platz bis zum Bücherregal.

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  5. Aha, das Ding steht also nicht mehr auf dem Balkon, wenn da noch ein Basketball Platz ist bis zum Bücherregal. Ich meine, die Weihnachtsgartenzwerge da oben drauf - hätte ja sein können ...

    Grüße! N.

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  6. Nur, WO sind jetzt meine Malersachen und vor allem: WO ist das Kräuterbeet?

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  7. Da ich nur bei Nr. 2 unterschreiben kann, habe ich einfach mal weiter gelesen... ;)

    Du hast Dir also einen Metallica-Schrein gebaut und darauf zwei goldene Bravo-Ottos mit Nikolausmütze gestellt?! Öhm ja... fällt mir nicht viel dazu ein. Ist Deine Wohnung. In meiner Wohnung würde sowas rausfliegen. Aus Versehen natürlich... beim putzen zerstört, völlig unabsichtlich...

    LG

    P.S. Find ich gut, dass es keine Sicherheitsabfrage mehr gibt. Braucht kein Mensch.

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  8. Ein alter Bekannter von H. Simpson15. August 2011 um 20:33

    Dieser Post schreit ja förmlich nach einer Solidaritätserklärung!
    -1. Ich finde, dass du einen angemessenen Aufbewahrungsort für die Kostbarkeiten aus Wasser, Malz und Torf geschaffen hast. Da ist ja sogar noch Platz für mehr!!!
    0. Eigentlich hätte ich wegen der Zugangsbeschränkung gar nicht weiter lesen dürfen, habe ich aber doch!
    1. (Habe versprochen das dies die erste Aussage des Kommentars ist, deshalb die idiotische Aufzählung!) Nur gut, dass du dem heutigen Gespräch am Abendbrottisch nicht dabei warst. Wirklich!
    2. Endgültig willkommen im Club.
    3. Auch hier kann vielleicht mein Lieblingszitat Trost spenden:
    „Man lernt nicht aus seinen Siegen und Erfolgen, sondern nur aus den Niederlagen. Sie zeigen, wie viel Freude man am Gewinnen haben kann. Man verliert zwangsläufig ab und an- der Trick ist nur, es nicht zur Gewohnheit werden zu lassen.“(Uncle Henry in "A Good Year")

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  9. @Manu: Knapp daneben, das ist kein Metallica-Schrein, sondern eine Motörhead-Minibar! ;-) Und schon alleine der Fakt, daß ich wieder was zu basteln hatte, der hat mir schon Rechtfertigung für das Ding gereicht.

    @Bekannter von Homer: Danke. Zitat und Film sind toll. Mir gefiel vor allem "Laaaaaaance Armstrong!" ;-)

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  10. Ein löbliches Werk allemal. Das muss bei Gelegenheit von mir beschaut und von Frau entstaubt werden. :-)

    Kleiner Kritikpunkt: Beim Whisky macht es bekanntlich nicht nur Spaß Geruch und Gerauch zu untersuchen; nein, auch die Färbung - oder sollte ich sagen Trübung - macht oft ne Menge her. Also lass die Buddeln ihr kurzes Dasein nicht in dunklen Kisten fristen, sondern bring sie alle ans Licht... "Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge durch die Münder und Kehlen brennt..."

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  11. Schöner Vorschlag Herr GVH, du solltest sie bei Gelegenheit wirklich live beschauen, dann erkennst du die Problematik deines Vorschlages und wie ich euch kenne wirst du sie noch verschlimmern. ;)

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  12. Eben sehe ich es... bei der Band habe ich mich ja total verhauen *schäm* lag wohl an der Überschrift *rausred* ;)

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