Sonntag, 9. Oktober 2011

THE DEVILS REJECTS

(Rob Zombie)

Eigentlich wollte ich heute einen möglichst ruhigen, unbloggigen Sonntag verleben, aber dann kam mal wieder das Fernsehen dazwischen! In den letzten Wochen spiegelt sich bei mir auf Arbeit der immer wieder kehrende Ritus des “Montagsmittagsessens” wider. Wir sitzen im Pausenraum, mümmeln unseren Proviant in uns hinein und schlürfen feinsten Kahvi. Das geht ungefähr 10 Minuten lang gut, dann, wenn der gröbste  Hunger erfolgreich niedergeknüppelt ist, fragt einer beiläufig in die Runde “habt ihr es gestern gesehen”? PENG! Aus ist es mit Besinnlichkeit! Von diesem Moment an werden sie wieder ausgepackt, die teilnehmenden Beobachtungen vor der braunschen Röhre zu Thema “Schwiegertochter gesucht”. Alleine aus den Schilderungen meiner Mitarbeiterinnen kann ich entnehmen, daß RTL sich da wieder ein paar ganz besonders widerliche Gestalten für seine Ekelshow gekrallt hat. Ich habe es bislang noch nicht gesehen – ehrlich -  jedenfalls nicht bis vorhin, aber ich konnte mir diese Gestalten lebhaft vorstellen. Es ist doch immer das gleiche Lied, was da gespielt wird: RTL entsendet seinen penetranten Moderationshamster mit dem falschen Grinsen in die Untiefen der bundesdeutschen Gesellschaft, wo er sich durch die Haustüren der geistig Armen nagt und nicht eher Ruhe gibt, bis er eine besonders bedauernswerte Gestalt mit dem Versprechen von Ruhm und einer Frau fürs Leben dazu überredet hat sein Elend vor der Kamera zu teilen. Dann wird noch die Mutti in ihrem Ohrensessel ins Wohnzimmer geschoben und zum gruppeninterview gebeten, wo sie mit medikamentös verwirrtem Geist ihren Wunsch kund tut, daß Horst-Kevin doch bitte endlich eine Olga anschleppen und sich dann mit der nach Möglichkeit schnellstens fortpflanzen soll.

“Ich will nur wissen, daß für dich gesorgt ist wenn ich mal nicht mehr bin! Mein Junge!”

Das sagen diese dauergewellten Schachteln dann immer. Wirklich bedeuten tut das aber entweder “Du Arsch, zieh endlich aus!” oder “Der Junge ist total lebensuntüchtig und würde nach meinem Ableben binnen 14 Tagen in seiner eigenen Schmutzwäsche ersticken sofern er nicht vorher schon jämmerlich verhungert ist! Er braucht dringend ‘nen neuen Pfleger!”  Dann werden diese bei einer Tasse Kaffee und einer Nußecke von vorvorgestern in der guten Stube aufgezeichneten Erpresservideos über den Sender geschickt und fortan hat die holde Weiblichkeit Zeit, sich den für sie passenden Pantoffel-Don-Juan heraus zu picken und sich in einer persönlichen Analog-E-Mail (in Fachkreisen auch als so genannter Brief bekannt) selber anzupreisen. Wie liebenswürdig und allein man doch ist, wie gut man kochen kann wie gern man doch lacht. Dann noch ein Foto von 1986 dazu gepackt, als man meinte noch jung und knackig gewesen zu sein (naja… wie gesagt: “meinte”), sowie ein leicht anzüglicher Subtext ins “PS” gepackt und ab damit an die Redaktion. Die sichten dann vor und packen die komplett Behämmerten schon mal präventiv auf den “DSDS”-Stapel, während die übrige, recht üppige Auswahl von maximal 4 Restbriefen direkt dem Loverboy aus Mamas Luftschloß vorgelegt wird. Dann darf der sich zwei Weiber aussuchen und sie in sein trautes Heim einladen. Stolz besichtigt er dann sein altes Kinderzimmer (“Hier werdet ihr dann schlafen, unter meinem alten Lollek und Bollek – Poster") in der spät-86er DDR Wohnplatte oder (wenns gut läuft) das elterliche Eigenheim (“Das wird alles irgendwann mal mir gehören *stolz*”). Dann lebt man unter Muttis Knute und ständiger Aufsicht ein paar Tage so vor sich hin und lernt sich kennen. Begleitet von ungelenken Annäherungsversuchen und widersinnigen Alliterationen wie “die knusprige Keksverpackerin Kerstin”, “der schüchterne Schornsteifeger Schorsch” oder “die rachsüchtige Rassekatzenschlachterin Romulana” wird dem Zuschauer all das präsentiert, was lieber nie passiert wäre. Kuckt euch die Gestalten doch mal an, das hat schon seinen evolutionären Grund, warum diese Löffel bisher keine abbekommen haben. Andersrum genauso. Viele haben seit Jahren das Tageslicht nicht mehr gesehen (aus GRÜNDEN) und kennen “Frauen” bestenfalls als Dirndl tragende Anschauungsobjekte aus der Musikantenstasi, welche sie mit Diktatorenmama immer auf Heavy-Rotation schauen müssen… und diese Figuren sollen nun plötzlich eine “reife Beziehung” führen?!? Ich lach mich schlapp! Die Weiber sind, das sollte man der Fairness halber mal dazu sagen, aber kaum besser. Ein Spruch meines ehemaligen Biolehrers, den er zu unserem Erstaunen (teilweise Entsetzen) kurz vor unserem Abi mal flappsig in die Runde feuerte, bringt es ganz gut auf den Punkt: “Die möchte ich aber auch nicht tot im Schuppen liegen haben!” (Jaja, das waren damals noch pädagogische Techniken, die sich deutlich von Waldorfschulen abhoben… Zwinkerndes Smiley nicht so wie heute).  Ich glaube, damit ist das Sendekonzept ganz gut umrissen.

Als ich jedenfalls vorhin den Fernseher andrehte und nebenbei kochte, lief dieser Rotz plötzlich. Es ist komisch, man braucht keine 2 Sekunden um Sender und Format zu erkennen, obwohl man es noch nicht gesehen hat in den letzten Wochen. Aber da es noch zu früh war für “The Hills Have Eyes”, “Wrong Turn” oder anderen Mutantenhorror, konnte es sich hierbei nur – so schlimm wie es ist – um Reality-TV handeln. Und nach meinen Mittagspausenerlebnissen der letzten Hand voll Montage, war mir ziemlich schnell klar, womit ich es zu tun hatte.

PS: Für alle, die meinen Mutantenfilm – Vergleich vielleicht ein wenig hart fanden, soll folgendes Bilderrätsel zur Untermauerung dienen. Frage: Welches Bild stammt aus “Wrong Turn”? Denkt gut nach, man ich schnell auf der falschen Fährte!

KLICK 1
KLICK 2

3 Kommentare:

  1. Ähm, schwierige Entscheidung.

    Also irgendwas muss an dem Strandwunder ja dran sein, dass die Schokoladentorte (Sahneschnitte kann man dazu ja kaum sagen) ihn soooo anhimmelt.

    Grüße! N.

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  2. Ichfürchte, die ist nur fasziniert von den vielen Nasenhaaren...

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  3. Ich finde mich selbst immer ganz knorke (von Dir entliehenes Wort) nachdem ich sowas angeschaut habe... Vielleicht ist das das Erfolgsrezept solcher Sendungen? :-)

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