Donnerstag, 16. Dezember 2010

SUPERCRUEL

 (Monster Magnet)

Frohe Ostern! Es ist mal wieder passiert. Nach einem recht entspannenden Winterspaziergang, welcher mannigfaltige Schneeimpressionen hervor brachte, entschlossen wir uns, noch fix beim Bäcker vorbei zu schnieken um uns ein leckeres Schwarzbrot für das Abendessen zu organisieren. Das taten wir dann auch, wobei wir aber auf folgendes Real-Fundstück stießen:



Dieser seltsame menschliche Brauch die Heckscheiben seines Gefährtes mit peinlichen Abziehbildern seiner noch peinlicher titulierten Blagen zu verzieren, ist sicherlich vielen bereits aufgefallen. Doch: Warum? Warum macht man das? Ist es der viel zitierte „elterliche Stolz“? Oder ist das nur der verzweifelte Versuch des Elternpaares Anerkennung vom Umfeld zu erheischen?  Anerkennung als zu beinahe allem entschlossener Feind des demographischen Wandels!?! Ich weiß es nicht, aber es macht mir Angst!
Hinzu kommt noch, daß man da nie einen „normalen“ Namen stehen sieht. Schon jemals einen „Sebastian“, „Tobias“, „Klaus“ oder „Fritz“ gesehen? Oder wie wäre es mit einer „Monika“, einer „Anna“ oder einer „Yvonne“. Nicht? Ich auch nicht. Stattdessen müssen Mama und Papa ihre gesellschaftlichen Minderwertigkeitskomplexe in Form möglichst anglophiler Hippie-Namen zunächst an ihren Kindern und danach an der Windschutzscheibe auslassen. Es scheint nicht mehr zu reichen, einen „Justin“ zu zeugen, nein, man muß diese Schandtat auch noch in die Welt hinaus posaunen. Aber von den Klassikern (Kevin, Justin, Schakke-line und Shakira) mal abgesehen, wird die nächste Generation von Unmengen vollkommen schräger Typen geprägt sein wenn man sich die Namen so anschaut. Hauptsache es klingt irgendwie international, ob der Wanst es später mal schafft, seinen eigenen Rufnamen unfallfrei zu buchstabieren, ist erstmal egal. Da werden „Chantal“s in die Welt gesetzt, als ob es kein Morgen gäbe, oder hin und wieder eine  „Yasmin MIT ÜPSILON!!!“ (ohne „Y“ wirkt das scheinbar zu intellektl… intluktl… zu schlau!). Oder es wird zur Allzweckwaffe aller Suchenden gegriffen und dem Sprössling das Label „Leon“ aufgedrückt. Das Tragische daran ist, daß sich die Eltern dabei für geradezu fürchterlich originell halten. In Wirklichkeit wird das Balg in der Schule aber in eine massive Identitätskrise stürzen, da die Uniformität welche im Klassenverband ausgebrochen ist sogar an seinem retardierten Verstand zu nagen beginnt.
Aber wie kann man das verhindern? RICHTIG, nur durch Doppelnamen! Das scheinen sich auch die Eltern von „Jaden – Aurel“ und „Curtis –Cyrill“ gedacht zu haben. Zur Sicherheit verbindet der Bindestrich (quasi das IQ-Vorzeichen der nominell Zweigeteilten) gleich noch zwei sogar im Millieu recht selten vorkommende Namen. Wobei wir uns einig sind, daß „Curtis“ oder „Aurel“ eigentlich keine schlechten Namen sind. Sie werden es erst durch die Verbindestrichung und das übersteigerte Mitteilungsbedürfnis der Urheber dieser Schandtat. Das eigentlich Schlimme ist aber, daß diese zwei vorliegenden Fallbeispiele noch nichtmal die Spitze des Eisberges darstellen. Denn unter den Verfechtern der Nachwuchsverballhornung gilt das Motto „schlimmer geht immer“, was uns Mitmenschen beschert, welche sich mit folgenden Missbildungen durchs Leben schleppen müssen:

Nayla - Kiara
Körly - Fenja
Brady - Amanda
Fenja – Aileen
Despina – Shakira
Donovan -  Maurice
Ethan  - Jasper (Ethan… war ja klar, weist auch gleich auf den Zustand bei der Zeugung hin).

Das Schlimme ist ja, daß es diese Namen wirklich gibt; ich habe mir KEINEN der heir angeführten "Namen" ausgedacht, sie fußen leider in der Realität. Krank, oder?!? Ich war mindestens genau so schockiert, wie ihr es jetzt sein solltet! Dabei ist es schon sehr schwer, das Glauben an eine lebenswerte Zukunft einer intelligenten Menschheit aufrecht zu erhalten, aber es gibt ja auch noch Mitmenschen, die einem Hoffnung geben:



Tja und dann wäre ja noch der Unterhaltungswert einiger derart absurder Namenskombinationen, daß man diese schon wieder als ästhetisches Verbalkunstwerk lobpreisen muß. Als ich diesen Sommer bei meiner Freundin die Ruhr-Nachrichten gezeigt bekam,  wurde dort die Geburt eines (dem Nachnamen nach offensichtlich polnischstämmigen) Neuankönnlings auf unserem blauen Planeten verkündet, welcher auf folgenden lautmalerischen Rundumschlag getauft wurde:

"Cäsar - Adolf - Paul"

7 Kommentare:

  1. Ja ja, hat deine Freundin ja mal ein gutes Werk getan in dem sie dich auf diese Meisterleistung der Namesgebung aufmerksam gemacht hat.
    Sehr schön verfasst!

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  2. 1. Es war der Lippe-Kurier.
    2. Hier heißen alle irgendwie Popolski, seit der Uropa aus Ober-Schlesien in die hiesige Steinkohle-Grube eingefahren ist.
    3. Schwerthelm ist ja nun auch nicht toller.

    Was für gelungene Abendunterhaltung bei dir - DANKE DANKE
    Grüße! N.

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  3. Hehe, danke. Aber wenigstens steht bei einer Schulhofrangelei zwischen "Schwerthelm" und einem "Donovan - Maurice" der Sieger schon vorher fest. ;-)

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  4. Axtfried nehme ich an, der lachende Dritte!
    Grüße! N.

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  5. Cäsar-Adolf-Paul? Sind das die drei Jugendhelden der Eltern? Die ersten beiden sprechen ja für sich selbst aber wer ist Paul? Johannes Paul II? Paul McCartney? Paul die Krake?

    So oder so eine eigenartige Wahl. Vielleicht ja auch so eine Art umgekehrte Evolution: Vom Zerstörer der Römischen Republik über den Zerstörer ganz Europas bis zum Zerstörer der deutschen WM-Träume...

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  6. Ja, wir haben uns auch gefragt: "Wer ist eigentlich Paul?" Aber gute Erklärung Herr GVH!

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  7. Nehmen wir für einen Moment mal an, daß mit "Paul" die Krake gemeint ist und der GVH die anderen beiden korrekt erraten hat... wie sähe diese Mischung denn optisch aus?!?

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